HÜNcK gen. Diekämper „Briefe aus Amerika

Zur Verfügung gestellt von Frau Antonia Diekämper, Dülmen-Merfeld.

 

Transkribiert durch einen Forscherfreund aus dem Kreis Borken.

 

Bearbeitet durch Martin Holz, Rosendahl

 

Im Jahre 2001 / 2002

 

Ohne die Hilfe des Forscherfreundes, der alle Briefe und Postkarten in der Originalfassung über einen Zeitraum von fast vier Monaten abgeschrieben hat, wäre die Aufarbeitung dieser interessanten Briefe nicht möglich gewesen. Danke!

Die Wiedergabe der inhaltsreichen Briefe des Clemens A. Hunck gen. Diekämper erfolgt nach einer sensiblen Überarbeitung des Originaltextes in einer Form, daß die Aussagekraft und der Inhalt der Briefe voll und ganz erhalten bleibt. Es dürfte sonst schwer fallen, den Originaltext der Briefe in englischer Sprache zu übersetzen. Zum einem gab es zu der Zeit noch keine Orthographie, zum anderen färbt der plattdeutsche Dialekt immer wieder in seinen Briefen durch.

Aus Gründen einer späteren engl. Präsentation habe ich alle Briefe annähernd in den heutigen Sprachgebrauch übertragen.

Die vorläufig farblich markierten Passagen dienen zur Erstellung eines Inhaltsverzeichnisses und werden nach dem Abschluß der Aufarbeitung weitgehend gelöscht. Die Ergänzung der Nachnamen ist auch für das Inhaltsverzeichnis dienlich.

Es ist geplant, die ca. 90 eingescannten Fotos und Briefköpfe, die Clemens Hunck dem Briefwechsel mit seinem Elternhaus in Dülmen-Merfeld  beigefügt hat, an der zugedachten Stelle in den Briefen einzufügen.

Ich habe zu interessanten Themen in den Briefen Web-Adressen anfügt, um noch mehr Hintergrundwissen zu erhalten (z.B. über „Katharina Emmerich“ „I. Weltkrieg“ usw.).

 

Ich habe die genealogischen Daten der Familie Hunck soweit zusammengefaßt

wie es mir möglich war.

 

Die Familie Clemens August Hünck gen. Diekemper, in USA „Hunck“ genannt.

 

C. A. Hunck (so wurde er in den Staaten genannt) war als Abgeordneter der Grafschaft Benton ein geachteter und geschätzter Mann. Er hat sehr viel durch seine Willenskraft zum Wachstum und zum Wohlstand der Benton-Region beigetragen. Clemens August Hunck war ein Schwager von Bernard Voerding (* 7.12.1855). Er heiratete am 5. Februar 1877, im Washington County oder West Bend, W.I. Bernardine (Dina) Schulte. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor.

 

Clemens August Hünck genannt Diekemper 27 Jahre ( * 30.9.1846 in Duelmen-Merfeld i./W.) (Sohn von Wilhelm Hünck gen. Diekemper, Ackersmann, und Therese geb. Middeler) reiste mit dem blinden 64jährigen Bernhard (Natz) Hünck (* um 1810) mit dem Schiff „Neckar“ von Bremen über Southampton nach New York, wo sie am 4.Mai 1874 ankamen.

Er heiratete vermutlich in Newburg WI am 5. Februar 1877 Bernardine (Dinah) Schulte. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor, die in Duelm MN geboren wurden.

Clemens August Hunck starb am 4.2.1925 (79jährig) in Logan, Colorado und ist dort auch begraben worden.

Seine Frau Bernardine (Dinah) geb. Schulte (* um 1852) starb im Alter von 89 1/2 Jahren um 1941 vermutlich auch in Logan Co.

1.) Wilhelm Heinrich* Duelm MN 15.5.1878 (28 J.) heiratet in Birkley ND am 15.5.1906 die 23jährige kath. Lehrerin Catharina Quinn, Sauk Rapids, irischer Abstammung. Am 24.5.1908 wurde ihr Sohn Clemens Wilhelm in Birkley ND geboren. Er und seine Frau haben ihre Farm in ND verkauft und sind um 1911 nach Denver Co. zu den Verwandten gezogen. Zunächst wurde er Reisender im südwestlichem Colorado. Er gründete dann in Denver mit einem Coupanion ein Kanalbaugeschäft.

Wilhelm starb im Alter von 63 Jahren im Jahre 1941. Er wurde in Sterling Co. begraben.

2.) Bertha Elisabeth (* Duelm MN 21.11.1880 Paten: H.Küdde und eine Schwester seiner Frau ) sie blieb ledig, war über 41 Jahre Haushälterin in einem Pfarrhaus bei MSGR August Plachta, in Royalton MN. Im Jahre 1928 ging sie mit dem Pfarrer in einen Pfarrhaushalt nach Sauk Center, MN. Der Priester August Plachta war von 1905 bis 1907 Pfarrer der St. Laurenz Gemeinde in Duelm, Benton Co. MN. Sie versorgte ein großes Haus mit neun Zimmer und Garten, hielt die Kirche sauber, und spielte die Orgel bei kirchlichen Anlässen. Bertha war 1948,  68 Jahre alt geworden. Am 1.1.1950 starb Bertha im Alter von 69 Jahren an Nierenversagen und wurde in St. Cloud begraben.

3.) Auguste Clara  * Duelm MN 7.9.1892 ~9.9.1892, Paten: (Bernard Voerding und Dina Esselmann)

∞ Denver, Co. in der Hl. Elisabeth Kirche, am 11.7.1917 (Trauzeugen: Rudolph und Bertha Hunck).

Ludwig Jacob (Louis James) Wesselmann (* Duelm 14.Juli 1893, / 23 J.)

Ludwigs Bruder Alfons Wesselmann (Priester) hat die Trauung vollzogen. Er wirkte als Priester in Michigan. Clara Wesselmann starb am Mittwoch den 30 August 1961 im Alter von 69 Jahren in St. Cloud. Ludwig Wesselmann hat die sterblichen Überreste seiner sehr früh gestorbenen Mutter, Anna Maria Gertrud geborene Edelbrock (* Dülmen i.W. 17.5.1853), in Duelm Benton, Co. MN ausgraben lassen und hat sie neben seinem Vater Hermann Wesselmann auf den Mt. Olivet Cemerery, in Denver, Co. beigesetzt. Er war ein selbständiger Automechaniker, und später war er ein Flugzeugmechaniker auf dem Flugplatz von St. Cloud. Sein vorletzter Wohnort war: 325-7 Ave. No, St. Cloud, MN.

Ludwig (Louis) Wesselmann starb 80jährig am 30. Juli 1973 in St. Cloud MN, und wurde auf dem Ma ria-Himmelfahrt-Friedhof begraben. Sein letzter Wohnort war: 55319 Clear Lake, Sherburne, Minnesota

Clara und Ludwig Jacob (Louis James) Wesselmann hatten sieben lebende Kinder, vier Töchter und drei Söhne.

            1.) es war eine Totgeburt im Jahre 1918/19

            2.) Louise, was born 20, November 1919. She married Lloyd Spaulding 22, May 1946.

                 Aus der Ehe gingen sechs Kinder hervor. Sie leben in St. Cloud MN

            3.) Rita, was born 9, October 1921. She married Joseph Lundstrom 17, June 1947.

                 Aus der Ehe gingen auch sechs Kinder hervor. Sie leben in Denver Colorado.

            4.) Cletus, (Gus) was born 20, March 1923. He married Janet Green 14, May 1955.

                 Aus der Ehe gingen drei Kinder hervor. Sie leben in Minneapolis MN.

            5.) Elaine, was born 28, September 1924. She married James Imholte 12, July 1947.

                 Aus der Ehe gingen sieben Kinder hervor. Sie leben in St. Cloud MN

            6.) Imelda, Wesselman was born 29, July 1927. She married Alden Osgood, 19 Apr 1947.

                 Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor. Sie leben in St. Cloud MN

            7.) Ralph, was born 12, February 1931. He married Dorothy Jean Boutin, in 14, Febr. 1953.

                 Aus der Ehe gingen auch zwei Kinder hervor. Sie leben in Miami Florida.

            8.) Walter, was born 26 August 1935.(hat vor einigen Jahren geheiratet) Sie leben in Atlanta          Georgia.

4.) Rudolf Clemens* Duelm MN 11.7.1895 ~ 15.7.1895 (Paten: Anton Plachta und Hanna Lilli Schulte), er hatte ein Beinleiden (Knochen TBC ?). Rudolf half seinem Vater bei der Farmarbeit und im Warenhaus. Rudolph war 1926 noch ledig. Rudolph heiratete um 1938 vermutlich noch im Alter von ca. 43 Jahren eine Mary....?. Im Oktober 1939 wurde in Logan sein Sohn Charls (Karl) geboren. Rudolph starb im Januar 1960 an einem Herzanfall im Alter von 65 Jahren.

 


 

Eine Cousine von Clemens August Hunck, Gertrud Hünck (nach 1922 gestorben), wurde am 13.6.1840, in Senden Westfalen geboren), verheiratet in Senden mit Ludwig Anton Esselmann der auch in Senden am 19.Januar 1829 geboren wurde. Die Eheleute wanderten in die neue Welt mit dem Schiff „New York“ von Bremen nach New York aus, wo sie am 25. Juni 1866 ankamen. Ein Sohn von Ludwig Esselmann kaufte sich in der Nähe von Denver, Colorado eine Farm.

Johann Bernard Esselmann aus Senden, Ackergehilfe *Senden 3. 3. 1825, vor Aushändigung der Entlassungsurkunde heimlich mit dem Schiff „John Bertram“ von Falmouth über Hamburg nach New York ausgewandert, wo er am 3.März 1862 eintraf.

Im Jahre 1924 / 25 ist Clemens August Hunck sein Schwager Bernard Esselmann (Halbbruder seiner Frau Dina) gestorben.

Es sind noch die Brüder Clemens (1908 gestorben) und Franz Esselmann (vor 1908 gestorben)

aus Senden vermutlich nach Wisconsin USA ausgewandert und wurden in WI Farmer.

Hermann Wesselmann aus Börnste, Ackerknecht * 8. 2. 1845, Eltern: Hermann Wesselmann, Ackersmann, u. Gertrud Spüntrup, Dülmen Ksp., Dernekamp. Am 17. 4. 1880 ist er mit dem Schiff „Neckar“ mit seinem Freund Clemens August Hunck und dem blinden Onkel Natz Hünck nach Amerika (mit 400 Mark Vermögen) ausgewandert. Er war ein Freund von Clemens August Hunck. Hermann Wesselmann hat seine Farm in Duelm, MN um 1901 verkauft, und zog wegen des Klimas mit der Familie nach Denver, Colorado. Hermann Wesselmann ist am 2.10.1922 im Hause seiner Tochter in Denver, Co. gestorben.


NECKAR (1) englisch

SS Neckar, built in 1873 for the Norddeutscher Lloyd (North German Lloyd) by Caird & Co., Greenock, Scotland. 3,120 tons; 351 feet long x 40 feet broad; straight bow, 1 funnel, 2 masts; iron construction, screw propulsion, service speed 14 knots. 10 November 1873, launched. 18 April 1874, maiden voyage, Bremen-Southampton-New York. 1886 Bremen-Far East service. 1894, Mediterranean-New York service. 1896 sold; scrapped [Noel Reginald Pixell Bonsor, North Atlantic Seaway; An Illustrated History of the Passenger Services Linking the Old World with the New (Prescott, Lancashire: T. Stephenson & Sons., 1955), p. 184]. Pictured in Michael J. Anuta, Ships of Our Ancestors (Menominee, MI: Ships of Our Ancestors, 1983; reprint Baltimore: Genealogical Publishing Co., [1993]), p. 216, courtesy of the Peabody Essex Museum [Posted to the Emigration-Ships Mailing List by Michael Palmer - 21 July 1997]

The steamship NECKAR was built by Caird & Co, Greenock, Scotland, for the Norddeutscher Lloyd, and was launched on 11 October 1873. 3,122 tons; 107,70 x 12,20 meters (length x breadth); straight bow, 1 funnel, 2 masts; iron construction, screw propulsion, service speed 13.5 knots; accommodation for 144 passengers in 1st class, 68 in 2nd class, and 502 in steerage. 18 April 1874, maiden voyage, Bremen-Southampton-New York. 3 January 1886, last voyage, Bremen-Southampton-New York. 1886, rebuilt at Bremerhaven for the East Asia Imperial Mail service; passenger accommodation altered to 50 in 1st class, 21 in 2nd class, and 574 in steerage. 28 July 1886, first voyage, Bremen-Suez Canal-Far East. 14 February 1894, first voyage, Naples-New York. 23 March 1895, last voyage, Naples-New York (9 roundtrip voyages). 15 June 1895, first voyage, Bremen-New York. August 1895, last voyage, Bremen-New York (2 roundtrip voyages). October 1896, sold; December 1896, scrapped in Genoa [Edwin Drechsel, Norddeutscher Lloyd Bremen, 1857-1970; History, Fleet, Ship Mails (Vancouver: Cordillera Pub. Co., c1994-c1995), vol. 1, p. 71, no. 44; Noel Reginald Pixell Bonsor, North Atlantic Seaway; An Illustrated History of the Passenger Services Linking the Old World with the New (2nd ed.; Jersey, Channel Islands: Brookside Publications), vol. 2 (1978), p. 550]. Pictured in Michael J. Anuta, Ships of Our Ancestors (Menominee, MI: Ships of Our Ancestors, 1983), p. 216, courtesy of the Peabody Essex Museum, East India Square, Salem, MA 01970. [Posted to the Emigration-Ships Mailing List by Michael Palmer - 13 January 1998]

NECKAR (1) deutsch mit Übersetzungsprogramm

In 1873 für das Norddeutscher Lloyd (nördliches deutsches Lloyd) von Caird & Co., Greenock, Schottland eingebautes NECKAR (1) SS Neckar. 3.120 Tonnen; 351 Fuß lange x 40 Fuß breit; gerader Bogen, 1 Trichter, 2 Masten; bügeln Sie Bau, Schraubenantrieb, Dienstgeschwindigkeit 14 verknotet. 10. eingeführten November 1873. 18 Spril = 1874, Jungfernreise, Bremen-Southampton New York. 1886 Ferner Bremen Ostdienst. 1894, Mittelmeernew York Dienst. 1896 ließ sich verkaufen; verschrottete [Noel Reginald Pixell Bonsor, nördlicher atlantischer Seeweg; Eine erläuterte Geschichte von den Personenbeförderungen, die die alte Welt mit den neuen verbinden, (Prescott, Lancashire: T. Stephenson & Söhne ., 1955), P . 184]. Vorgestellt sich in Michael J. Anuta, liefert von unseren Vorfahren aus (Menominee, MI: Schiffe von unseren Vorfahren, 1983; Nachdruck Baltimore: Genealogisches Verlagswesen Co., [1993]), P . 216, Höflichkeit vom Peabody Essex Museum [angeschlagen zur Auswanderungsschiffsadressenliste von Michael Palmer - 21. Juli 1997]

Das Dampfschiff NECKAR wurde von Caird & Co, Greenock, Schottland für das Norddeutscher Lloyd gebaut und wurde am 11. Oktober 1873 eingeführt . 3.122 Tonnen; 107.70 x 12.20 mißt (Länge x Breite); gerader Bogen, 1 Trichter, 2 Masten; bügeln Sie Bau, Schraubenantrieb, Dienstgeschwindigkeit 13,5 verknotet; Platz für 144 Passagiere in 1. Klasse, 68 von 2. Klasse und 502 in Steuern. 18 April 1874, Jungfernreise, Bremen-Southampton New York. 3 Januar1886, letzte Reise, Bremen-Southampton New York. An Bremerhafen für den östliche Asien imperiale Postdienst wiederaufgebaute 1886; Passagierunterkunft änderte zu 50 von 1. Klasse, 21 von 2. Klasse und 574 in Steuern. 28 Juli1886, erste Reise, Bremen-Sues Ferner Kanalosten. 14 Februar1894, erste Reise Neapel-New York. 23 marschieren 1895, letzten Reise, Neapel-New York (9 roundtrip reist). 15 Juni1895, erste Reise Bremen-New York. Erhabenes 1895, letztes Reise, Bremen-New York (2 roundtrip reist). Verkauften Oktober 1896; Dezember 1896 verschrottete in Genua [ Edwin Drechsel, Norddeutscher Lloyd Bremen, 1857-1970; Geschichte, Flotte, Schiff schicken (Vancouver: Cordillera Lokal. Co., c1994-c1995), vol. 1, P . 71, Nr 44; Noel Reginald Pixell Bonsor, nördlicher atlantischer Seeweg; Eine erläuterte Geschichte von den Personenbeförderungen, die die alte Welt mit den neuen verbinden, (2. ed. Jersey, Kanalinseln: Brookside Veröffentlichungen), vol. 2 (1978), P . 550 ]. Vorgestellt sich in Michael J. Anuta, liefert von unseren Vorfahren aus (Menominee, MI: Liefert von unserem Vorfahren, 1983, aus), P. 216, Höflichkeit vom Peabody Essex Museum, Ostindien Platz, Salem, MA 01970. [angeschlagen zur Auswanderungsschiffsadressenliste von Michael Palmer - 13. Januar 1998]

 

(Martin Holz)

Koblenz, den 7.3.71

 

Liebe Franziska!

 

Wenn ich hier in Koblenz mal spazieren gehe, so führt der Weg mich oft an eine Reihe schöner und glänzender Läden vorbei, die mich in Grunde nichts angehen, die für mich aber deshalb von Interesse sind, weil ich oft hier und da Gegenstände fand, von denen ich dachte, daß auch du gewiß gern in Besitz einiger dieser Sachen seiest. Da mir nun eingefallen ist, daß in einigen Tagen dein Namenstag heranrückt, so benutze ich den Augenblick dir zu demselben einiges von den Sachen zu übersenden. Ich kann dieses zwar nicht zu dem Rang schöner Sachen rechnen, fand es aber als einen schöneren Gegenstand, als hätte ich dir vielleicht irgend etwas anderes gekauft, was du nicht so nützlich hättest in Anwendung bringen können; und auch, weil ich weiß, daß es ein Hauptgegenstand ist, welches das neue Zimmer noch Zierde bringt. Wenn nun die Eisenbahnen richtig fahren, und die Posten auch ihre richtige Aufmerksamkeit darüber haben, so muß dieses Präsentchen gerade am Morgen deines Namenstages in deine Hände gelangen, und wenn dadurch deine Freude an diesem Tage um etwas erhöht wird, und du dich jedesmal so oft du dieses Lämpchen siehst, recht liebevoll meiner erinnern willst, so ist mein Wunsch erfüllt. Sollte ich mich jedoch in der Wahl vergriffen haben, so bitte ich um Nachsicht mit mir zu haben, und du möchtest dann weniger die Sache, als meinen guten Willen in Anschlag nehmen. Ich schließe mit der Zuversicht mein Schreiben, daß du es als ein gern gegebenes Geschenk annehmen willst von der Hand deines achtbaren und ewig treu liebenden

 

Schwagers Clemens Diekämper

 

 

New York, den 4. Mai 1874.

 

Lieber Vater Brüder u Schwägerin!

 

Ich mache euch hiermit die fröhliche Mitteilung, daß wir am Sonntag den 3. Mai des morgens früh um 4–½ 5 Uhr Gott sei Dank glücklich und wohlbehalten hier eingetroffen sind. Den Sonntag über mußten wir auf dem Schiffe bleiben, denn Sonntags wird hier gar nicht gearbeitet, heute morgen wurden wir mit einem kleinen Dampfschiff von dem großen Schiff nach New York gebracht. Dort in Castle-Garden [Castle Garden wird 1855 als Durchgangslager für Immigranten in New York City eröffnet, ab 1892 in Ellis Island.] mußten wir angeben, sie wollten wissen in welchen Staat wir reisen wollten, dieses dauerte einige Stunden, da waren viele Leute aus den Gasthöfen, welche uns mitnahmen im Hotel, und zwar welches auf den Couvert steht ist unser Logis. Morgen werden wir nun mit der Bahn weiter fahren und werden dann bald schreiben wenn wir angekommen sind und auch unsere Adresse um wieder zu schreiben. Sämtliche Passagiere des Schiffes Neckar sind gesund und wohlbehalten hier angekommen, bis auf eine Frau, die ist eines Abends über Bord des Schiffes gesprungen in die See, und ist ertrunken, es hat einer gesehen, der hat sie noch am Kleid gegriffen, das Kleid ist aber ausgerissen, und die Frau ist ertrunken. Sie hat 3 kleine Kinder im Schiff zurück gelassen, das erste 2 Jahr, das zweite 3 Jahr das dritte 15 Jahr alt. Unser Schiff hat 15 Tage bereits gefahren, wir hatten immer Gegenwind, und auch mitunter starken Wind, daß das Schiff sehr schaukelte und schwankte, einmal stand ich ganz vorn auf dem Deck an der vorderen Spitze des Schiffes, um mich mal gehörig schaukeln zu lassen, da kam auf einmal eine Welle auf dem Schiff, und der Clemens war beinahe durch naß.

Das Schiff Graf Bismarck ist schon Mittwoch den 15 April von Bremen abgereist, und ist bis jetzt noch nicht in New York eingetroffen.

Zu fürchten hat keiner nichts auf dem Schiff, vor Untergang oder sonstiges, aber trotzdem ist es doch keine angenehme Fahrt, der Raum ist dort so eng, ein einfacher Strohsack und Decke ist ein schlechtes Lager, und das Essen war auch überhaupt schlecht. Am Sonntag den 26. hatten wir Sturm, die See war sehr unruhig, des Nachts rollte man mitunter im Bett auf die andere Seite, aber an ein untergehen deshalb war kein Gedanke. Hier in New York geht es, so weit ich es noch gesehen habe, ganz großartig her. Ich glaubte wohl schon tüchtige Städte und sonstiges gesehen zu haben, aber solches wie hier, habe ich doch noch nicht gesehen. Es sind hier alles 5–6 Stock hohe Häuser und höher, und alle haben ein flaches Dach.

Die Stadt durchfahren sie hier mit Eisenbahnen. Solche Eisenbahn ist ungefähr 20 Fuß hoch über die Straße, es ist nur ein Geleis, und steht auf eiserne Pfeiler, darauf liegen die Schienen, und anders gar nichts als die Schienen, kein Geländer und nichts ist dabei, wenn es entgleist fallen die Wagen auf der Straße. Es sind meistens nur 2 oder 3 Waggongs hintereinander. Für diesmal will ich schließen denn die Zeit erlaubt es nicht mehr, denn es ist Zeit zu Bett, worauf ich mich schon sehr freue, denn ein ordentliches Bett ist einem doch wohl zu gönnen, nach 14tägigen entbehren.

Grüßet alle Verwandte und Bekannte von mir, und lasset ihr wissen, daß ich glücklich angekommen bin.

Es grüßt euch allen Vater Brüder Schwägerin Wilhelmchen und Therese welche wohl wieder gesund sein wird. Gruß auch von Bernard Hünck. gez.

Clemens Diekämper.

 

 

Newburg, Wis. den 6 April 1875

 

Lieber Vater Brüder u. Schwägerin!

 

Eurer lieber Brief vom 18ten Januar habe ich mit Freude und in der besten Gesundheit erhalten und hoffe, daß auch euch dieser Brief in der besten Gesundheit finden wird. Ich hätte schon längst eher geschrieben, aber ich hatte nicht eher die Gelegenheit, auch das Welschkorn zu schicken, denn wo ich diesen Winter gearbeitet habe, hatten die Leute kein Welschkorn. Ich habe dort diesen Winter $ 1010 Dollar und 85 Cent verdient, und weil dort im Sommer kein so guter Verdienst zu machen ist, als im Winter, so bin ich wieder zurück gereist nach Newburg und bin hier am 3ten April wieder angekommen.

Hierbei muß ich bemerken, daß es hier nicht die Mode ist, daß einer immer so auf einen Platz bleibt wo er ist, da wird immer gereist von einem Platz zum andern, oft von einem Staat zum andern, bald hier bald dort, ob ich noch bei Newburg bleibe diesen Sommer weiß ich auch noch nicht. Ich schreibe euch auch immer, was ich verdiene und ihr denkt deshalb da müßte ich bald reich sein, wohl, aber doch nicht alles kann man davon auf Zinsen legen [.] die Kleider kosten hier auch ziemlich viel, und überhaupt ist hier alles teurer als bei euch z. B. ein paar Sonntags Stiefel kosten hier ungefähr 8-10 Dollar und auch das reisen hin und her kostet ziemlich viel, aber da ist es auch feiner als auf deutsche Eisenbahnen, die Wagen sind noch feiner als bei euch [.] die erste Klasse hier ist es nur eine Klasse alles erste Klasse, hier fahren sowohl die Herren als die niederen Klassenleute in ein und dieselbe Klasse, denn hier in diesem Lande ist der arme so viel wie der reiche, weil es ein freies Land ist, hier ist es nicht üblich, das ein geringer Mann, wenn er zu einem feinen Herrn geht, gleich den Hut unterm Arm tragen muß, wenn auch einer zum Präsident von den vereinigten Staaten geht, der nimmt aber den Hut nicht ab. Auch habe ich nicht eher [!?] geschrieben, weil ich erst gern wissen wollte, wie ich beim Konsul fertig wurde, und ich konnte nicht eher zu dem gehen, bis ich wieder nach Newburg kam, denn hier bin ich nur 30 Meilen (10 Stunden) von Milwaukee, wo der Konsul wohnt, und wo ich diesen Winter war, war ich über 200 Meilen davon und schicke es jetzt auch mit diesem Brief fort an den Amtmann. Als ich den Konsul fragte, was es mir kostete, sagte er mir, ich wäre ein alter Soldat und von denen nähme er nichts, er wäre auch Soldat gewesen.

Nun vom Welschkorn. Das müßt ihr pflanzen gleich nach den 10 Mai, ich denke eher dürft ihr es nicht pflanzen, weil er auch gern verfriert, ich glaube, ich hatte auch geschrieben ihr solltet es ungefähr mit den Buchweizen pflanzen, aber ich denke, das ist ein wenig zu spät, nämlich daß es im Herbst nicht reif wird, auch müßt ihr es pflanzen wo es recht heiß steht, ja nicht wo es im Schatten steht, es wird ihm nicht leicht zu heiß und trocken. Pflanzt es ja nicht zu dicht, wenn ihr es vollkommen 3 Fuß von allen Seiten auseinander setzt ist besser, als unter 3 Fuß. Auch nicht tief gepflanzt, nur das es aber mit Grund bedeckt ist, das ist genug. Und 3 Körner legt ihr in einem Loch nicht über 4 wenigstens, sonst steht er zu dick, auch müßt ihr es gut pflanzen, daß es ja rein steht, und überhaupt so anharken wie ich euch schon früher geschrieben habe, und nur acht geben, das ja keine Blätter beim anharken in der Erde zugescharrt werden, sonst ist das gute Wachstum gleich von der Pflanze, und nicht einharken und putzen wenn es naß ist, dann wird es gelb. Die Sträucher werden hier ungefähr so lang wie ich groß bin, und noch wohl 1-2 Fuß länger. Blühen tut es ganz oben, aber die Frucht wächst ungefähr 2-3 Fuß hoch von der Erde. Wenn das Korn oben an den Sträuchern wüchse, würde es von seiner eigenen Schwere zusammen brechen. Die Kolben, wie man sie hier nennt, wachsen in der Form wie der End hier in der Pfefferdose, aber einige werden wohl 1 Fuß lang und länger, einige auch nur 6 Zoll. Das was an den Kolben in der Dose sitzt, ist zwölfreihiges das heißt rund herum gezählt wie ihr auch sehen werdet. Das was oben in der Dose lose liegt, ist achtreihiges, und ich glaube, daß es vollkommen so frühreif ist als das zwölfreihige. Die Farben machen kein Unterschied, das schwarze ist so gut wie das weiße und gelbe. Jetzt habe ich es auch ziemlich klar gemacht, und wenn ihr noch einige Auskunft bedürft, so müßt ihr mir es im Brief bemerken. Wie ich aus eurem Brief gesehen habe, wollt ihr diesen Sommer das Haus neu bauen, was soll ich darüber sagen, nur frisch dran und gut gemacht, wenn’s einmal fertig ist, läßt sich nicht viel mehr ändern, und müßt denken daß ihr es nur einmal bauet. Auch muß ich noch aber bemerken, daß Ludwig [Esselmann] bei 2 Schweinen 18 junge Ferkel hat und die 3te kriegt die nächsten Tage welche. Grüßt von mir eure Zimmer- und Maurermeister B. U. und H. S.

Auch grüßt von mir die Familie Struffert, wie auch Theodor Schultebein und [Heinrich] Bünger aus Dernekamp, und saget ihr ich hätte ihre Briefe erhalten. Wie ich von [Gerhard Heinrich] Winkelmann aus Minnesota erfahren habe, so ist sein Vetter Franz Brambrink willens, nach Amerika zu kommen. Schreibt mir mal, ob daß so ist. Wie er mir geschrieben hat, sei Franz Brambrink willens schon im März oder April abzureisen. Auch Theodor Vogt in Dubuyne ist noch recht gesund, ich habe vorgestern noch einen Brief von ihm erhalten. Er hat eine Gast- und Schankwirtschaft mit einem anderen in Kompanie. Noch eines hätte ich beinah vergessen: Hier in dem Welschkorn pflanzen sie Kürbis, aber nicht viel, der Samen wird mit dem Welschkorn zur gleichen Zeit gepflanzt, aber nicht in jedem Loch, vielleicht aus 2ten oder 3ten Loch ein oder 2 Körner. Die Kürbisse sind hier ein famoses Futter für die Kühe, sie melken sich so gut da nach. Die Kürbisse werden roh gefüttert, ich hab einige Körner mit hinzugelegt, wenn ihr es mal versuchen wollt. Bernard (Natz) Hünck wie auch Ludwig [Esselmann] und Gertrud [Esselmann geb. Hünck] nebst ihren 5 Kindern sind noch recht gesund, sie lassen auch vielmals grüßen. Ludwig [Esselmann] hat sich jetzt 2 junge Pferde 2 Schimmel gekauft, eines 4 Jahr eines 2 Jahr und kosten zusammen $ 2010 Dollar. Auch die besten Grüße von die übrigen Esselmänner mit ihren Familien. Weil es das Papier nicht mehr erlaubt, so muß ich mein Schreiben schließen, unter vielen herzlichen

Grüßen an euch allen, wie auch an Verwandte u. Bekannte von eurem

Sohn Bruder und Schwager Clemens.

Schreibt bald wieder.

 

 

Newburg, Wis. den 26. Nov. 1875

 

Liebe Brüder und Schwägerin!

 

Euern lieben Brief vom 23. vorigen Monats habe ich am 16. dieses Monats erhalten, und die traurige Nachricht erfahren, daß unser lieber alter Vater am 21. v. M. die irdische Pilgerreise vollendet hat und hoffentlich zu ein besseres Jenseits übergegangen ist. Ja es ist hart seine Eltern zu verlieren und zumal wenn man in der Fremde ist. Obschon ich schon immer daran dachte, daß es nicht mehr lange dauern würde. Seine Jahre waren dahin geschwunden. Nun was sollen wir machen - es kommt auch einmal - über kurz oder lang - die Zeit an uns. Wo wir denselben Weg gehen werden, laß uns nun Gott danken, daß er uns unsere Eltern so lange geliehen hat und laß uns unaufhörlich und inständigst für ihre armen Seelen bitten, denn das ist der einzige Weg durch welches wir sie noch zu Hilfe kommen können und welches wir Ihnen auch pflichtgemäß schuldig sind. Auch ihnen wird hoffentlich nächste Woche eine heilige Messe für sie gelesen werden es wäre vielleicht schon geschehen, aber weil wir dieser Tage einen andern Priester bekommen, hat es sich hinausgeschoben bis der hier ist. Hierbei muß ich euch auch aber bemerken, aber nicht darum, daß es deshalb etwa nachbleiben sollte - daß hier das Messe lesen ein Dollar kostet.

Wie steht es jetzt bei euch mit der Kirchengeschichte [Kulturkampf in Preußen] Hört es noch nicht bald auf oder wird es immer noch schlimmer. Ich höre jetzt nicht viel davon, ich lese jetzt nicht viel deutsche Zeitung, erstens weil ich nicht viel Zeit habe, denn ich muß alle mögliche Mühe und Zeit darauf verwenden, daß Geschäft zu erlernen, und wenn ich mal etwas Zeit habe, nehme ich eher eine englische Zeitung zur Hand um englisch lesen zu lernen oder ein englisches Buch. Ich habe mir ein englisches Buch gekauft, welches mir 5 ½ Dollar kostet. das ist viel für ein Buch, aber es ist auch ein sehr nützliches Buch, weil alles mögliche, was in einem Geschäft vorkommen mag, und vieles andere darin enthalten ist.

Wie ich euren Brief erhielt, hatte ich gerade einen Brief an euch fertig, ich war nämlich willens einige schöne Spielsachen zum Nicolaus für den kleinen Wilhelm zu schicken, aber mein Herr riet mich davon ab, es würde jedenfalls mehr Zoll und Unkosten machen, als es wehrt sei, und habe es deshalb nicht getan, und dachte, ihr könntet ihm statt dessen besser etwas kaufen. Auch hatte ich darin geschrieben, daß ich halb willens bin, nächstes Frühjahr einen Laden für mich selber anzufangen, ich habe mich jedoch noch nicht fest dazu entschlossen, aber dachte, es euch doch wenigstens mitzuteilen vorläufig, und sobald ich etwas sicheres darüber weiß, werde ich es euch schreiben.

Es ist nämlich hier in Newburg ein deutsch katholischer Lehrer, der wünscht einen Store (Laden) anzufangen und hat mich gefragt, ob ich nicht mit ihm in Kompanie [Teilhaberschaft] gehen wollte, denn er wie auch ich sind beide nicht bemittelt genug, einen Store allein anzufangen, und auch die meisten Store (Läden) sind hier in Coup. zu zweien und sogar mitunter zu dreien, weil mehr bestehen hier die Geschäfte in Kompanie als bei euch. Dieser Platz wo wir das willens sind, ist im Staat Iowa, ist noch ein neuer Platz wo der Anfang zu einem Dorfe ist, es sind erst einige Häuser und eine katholische Kirche dort, aber viele Farmer wohnen in der Umgegend, und diese haben gemeinschaftlich darum geschrieben, daß sie gern einen Store dahin haben wollten. Auch werdet ihr wohl denken, warum ich nicht bei meinen Verwandten und Bekannten hier bleibe, das täte ich freilich gern, aber hier sind Stores genug, so daß ein neuer Anfänger schwerlich aufkommen würde. Ich glaube auch wohl, daß ich diesen halben Store, worin ich jetzt bin, welches auch 2 zusammen gehört, kaufen könnte, aber der würde mir ungefähr 7-8000 Dollar kosten, dazu reicht meine Börse nicht. Auf einem neuen Platz braucht man nicht so große Auslagen, weil man dort noch kein so große Auswahl in allen Sachen haben braucht, denn da sind die Leute froh, wenn sie bei uns was kaufen können. Hier ist es schon so, wenn man 15–50erlei [fünfzigerlei] Farben hat, dann wollen sie noch wo möglich eine Farbe, die man nicht hat.

Bernard Hünck wie auch Ludwig Esselmann und Frau Gertrud Esselmann geb. Hünck sind soweit noch recht gesund, aber doch Ludwig ist jetzt ziemlich mit Rheumatismus geplagt, er klagt über Rückenschmerzen. Auch die übrigen Esselmänner sind alle noch gesund und lassen auch herzlich grüßen. Von Fritz Hünck haben wir schon gewußt, wie es dem ergangen ist und daß seine Tochter tot ist, und Sänger seine ganze Geschichte, und ich denke, der arme Fritz [Hünck] wird auch wohl um seine etliche 100 Taler dazu sein. Die Esselmänner haben folgendes gedroschen: Bernard Esselmann hat 643 Bushel Weizen, 494 Hafer, 200 Gerste, Clemens Esselmann hat 420 Bushel Weizen, 300 Hafer, 300 Gerste. Franz Esselmann hat 8-900 Bushel zusammen ich weiß es nicht einzeln. Ludwig Esselmann hat 260 Weizen, 175 Hafer, 70 Gerste u. 28 Roggen, wie viel Welschkorn einer vom andern hat, weiß ich nicht, das ist hier dies Jahr nicht sehr gut geraten, es ist viel erfroren.

Ich habe mich gewundert, daß ihr 500 R. an einen Kolben gehabt da muß es im Durchschnitt nicht schlecht gewesen sein. Du schreibst wie ihr es von die Kolben bringen sollt. Ihr müßt das, was ihr nächsten Frühjahr pflanzen wollt, wie ich schon geschrieben, 2 und 2 zusammen binden, und aufhängen an einem luftigen und trockenen Ort, vielleicht auf dem Boden oder Bienenhaus, das übrigen bleibt hier an die Kolben und wird dem Vieh so vorgeworfen, den Schweinen wird es so im Schweinehof geworfen, das Vieh kneift es sich hier selber ab. Was ihr pflanzen wollt, könnt ihr entweder nächsten Frühjahr wenn ihr pflanzen wollt das Korn so mit der Hand abdrehen, oder ihr packt den Kolben an beiden Enden an und reibt ihr den langen weg über die Kannte des Scheffels, so fällt auch das meiste Korn gleich da herein.

Wenn ihr es jetzt getan habt, ist es freilich zu spät, sonst [unleserlich ??] ausgebrochen, nicht aufs Land in große Haufen geschmissen und einige Tage liegen lassen, dann stinkt es. Das was die Leute nicht pflanzen wollen, dazu haben sie extra Häuschen ähnlich wie Bienenhäuser unter einen Bretterboden drin, und von beiden Seiten mit Latten zugenagelt, welche etwa 1 bis 1 ½ Zoll auseinander kommen, damit es luftig ist. Auch Hühner und Gänse fressen das Welschkorn gerne, und hierbei fällt mir auch ein, welches sich auch schon längst schreiben wollte, daß die Gänse, was wirklich Gänse sind (oder auf Plattdeutsch Gantens genannt werden) alle ganz weiß, und keine Gans ist ganz weiß (sicher wahr).

Nun zum Schlusse wünsche ich auch allen ein fröhliches Weihnachtsfest, und ein glückseliges neues Jahr, und wünsche auch von Herzen, daß auch allen dieser Tag noch recht oft und in bester Gesund- und Zufriedenheit wiederkehren möge. In der Hoffnung, daß auch allen dieser Brief wieder in so guter Gesundheit antreffen wird, wie er mich verläßt grüßt euch recht bestens

 

euer Bruder u. Schwager Clemens Diekämper.

Grüßet alle Verwandten und Bekannten von mir. Auch gratuliere ich Max Struffert recht herzlich.

Schreibt bald wieder.

 

 

Newburg, Wis. den 10. Mai 1876

 

Lieber Bruder!

 

Deinen Brief vom 2. v. Monats wie auch den Wechsel von $ 350 Dollar 88 Cent in Gold habe ich richtig und dankend erhalten, und zwar am 29ten April. Ich hatte auch am Samstag den 22ten April einen kleinen Brief geschrieben, daß ich das Geld jedenfalls noch nicht nötig hätte, ich erfuhr nämlich den morgen, daß der Lehrer sich noch verpflichtet hatte, die Schule zu halten bis zum Herbst, er wußte das auch selber wohl, doch meinte er daran loskommen zu können, welches jedoch mißlang, und somit kann augenblicklich aus der Sache nichts werden. Ich gedachte dieses im Augenblick, als die Post hier in Newburg war, welche alle zwei Tage kommt, da habe ich euch schnell die paar Zeilen geschrieben, indem der Postknecht auf den Brief gewartet hat, denn ich dachte, wenn du es solltest noch nicht fortgeschickt haben, so wäre es vorläufig noch nicht nötig gewesen [.] den Laden anfangen wird jetzt noch wohl nichts werden, den auf diesen Platz wird jetzt sich wohl ein anderer hinsetzen, auch ich habe deshalb meinen Platz wo ich war verloren, weil ich gekündigt hatte, ich bin zwar noch da, werde aber jedenfalls nicht länger mehr da bleiben.

Ich hätte euch schon eher schreiben können, daß ich den Wechsel erhalten hatte, wollte aber nicht eher, bis ich wußte wieviel ich dafür erhielt. Der Wechsel $ 350,88 Gold habe ich nach New York geschickt, und habe vorgestern den Betrag dafür erhalten. Ein Dollar in Gold ist wert jetzt 112 ¼ Cent (du weißt 100 Cent ist ein Dollar) mithin habe ich für jeden Gold Dollar 12 ¼ Cent mehr erhalten in Papier, und habe für die $ 350,88 Gold 393,85 Papiergeld erhalten. Ich habe heute das Geld, weil ich es weiter nun nicht brauchte, ausgeborgt gegen 8 Prozent zum größten Teil ($ 300,00) an meinen Prinzipal.

Letzte Woche habe ich einen Brief erhalten von Gerhard Heinrich Winkelmann [* Dülmen10.7.1828 / 1882 ausgew.] aus Minnesota, er ist noch recht gesund, seine Frau und Kinder sind krank gewesen an der Halskrankheit und ist ihm das älteste Kind gestorben. Er schreibt, das er 160 Acker Land geerbt hätte von einem ledigen Mann, welcher sich dort das Land gekauft hatte, ein kleines Häuschen darauf gebaut, auch etwas Land bearbeitet hätte (das übrige ist natürlich wild Land) und sonst sei sein Hauptgeschäft jagen gewesen. Eben dieser junge Mann ist krank geworden und ist zu Winkelmann gekommen, ob er ihn nicht in sein Haus aufnehmen wollte und ihn pflegen bis er wieder gesund sei, erst hatte er es nicht gern tun wollen, aber wie er ihn nicht gut hatte los werden können hat er ihn zuletzt behalten und 4 Wochen vor seinem Tod hat er sein Land an Gerhard Heinrich Winkelmann gerichtlich übertragen. Wieviel Dollar daß Land wert ist weiß ich nicht, denn davon hat er nicht geschrieben. Auch hat er mir geschrieben, daß bei ihm ein schöner Platz sei für einen Laden anzufangen. Ich bin noch nicht mit mir selber einig, ob ich hingehen werde oder nicht, den ich habe mehrere Pläne vor, und weiß noch nicht zu was ich mich entschließen soll.

Lieber Bruder du schreibst, hättest mir einen Anzeiger geschickt, ich weiß nicht wie das ist, ich habe ihn nicht erhalten.

Wie in Deutschland das Wetter gewütet hat habe ich hier schon einigermaßen aus den Zeitungen ersehen. Der Winter ist hier ausnahmsweise gelinde gewesen, aber trotzdem, das Frühjahr werden geht hier immer sehr langsam zu, das Holz ist noch alles nackt, die Pappeln und Obstbäume fangen an Raupen zu tragen, auch das Vieh kann sich hier noch nicht weiden, aber wenn es los geht, dann wächst alles mit Gewalt viel schneller als bei euch.

Die Farmer hier sind mit dem sähen alle fertig, bis auf das Welschkorn, wo es jetzt beinah dran geht. Ihr werdet dieses Jahr wohl einige Äcker pflanzen, aber befolgt nur genau meinen Vorschriften.

Du kannst nicht begreifen wie das ist, Frucht billig und doch so viel zu verdienen. Meine Meinung ist, daß es an folgendem liegt: Die Farmer ziehen hier mehr Frucht auf dem Land als bei euch, zum mästen für Schweine und sonstiges Vieh ist das Welschkorn und wird somit kein anderes Korn dazu verwendet. In den Haushaltungen wird sonst auch hier nicht soviel verbraucht, weil die Familien gewöhnlich nicht so zahlreich sind, denn ein Mann auf einer Farm tut ungefähr so viel als bei euch 2-3, warum, weil hier faßt alles mit der Maschine gemacht wird, das Sähen, Mähen, Graßmähen, Heuen, Eggen, Walzen, Pflügen, Dreschen und alles was ist, geht meistens mit Maschinen oder doch sonst auf eine viel leichtere und zweckmäßigere Weise als bei euch, da möchte ich sagen, da seid ihr noch 100 Jahre zurück, und daß ist ein sehr großer Vorteil, warum hier ein Farmer nicht so viele Leute braucht, und sehr viel Frucht im Jahr verkauft. Daß der Lohn hoch ist mag viel dazu beitragen, daß hier fast ein jeder der 20 Jahre oder oft noch jünger ist, sich selbst eine Farm anschafft, und somit die Leute welche bei andern dienen wollen, nicht so häufig sind, und weil sie dort gewöhnlich den Lohn besser aushandeln, als wenn sie bei andere Leute arbeiten, und hier kann jeder frei ins Geschäft gehen, er braucht nicht bange zu sein, daß er in seinen besten Jahren den verwünschten Soldaten Rock anziehen muß, denn hier wird nicht anders gelost als wenn es Krieg gibt und das gibt es nicht leicht. Ein Farmer der 80-100 Acker Land hat, der bestellt die ganze Farm oft allein ohne Knecht oder Magd, höchstens im Sommer dingt er sich einen Knecht für einige Monate.

Ludwig Esselmann hat jetzt 90 Acker Land, er hat sich eine Mähmaschine und eine Sämaschine gekauft, und tut seine Arbeit allein, bis jetzt noch. Bernard Hünck ist noch nicht gesund, wie auch die ganze Familie und die übrigen Esselmänner. [Randbemerkungen] Und lassen euch alle bestens grüßen. Ich bin für nächsten Dienstag auf eine Hochzeit eingeladen, und werde so Gott will auch hingehen, ich habe hier schon mehrere Hochzeiten mitgefeiert, und habe mich sehr amüsiert, die amerikanischen Mädchen können gut tanzen, aber arbeiten können sie nicht so gut wie die Deutschländer, weil es hier keine Mode ist, wenigstens nicht so viel daß die Mädchen mit heraus ins Feld arbeiten gehen. Ich übersende euch auch hiermit einen hübschen Wandkalender, ich glaube daß ihr bei euch auch nicht solche habet, da wird, wie ihr sehen werdet, jeden Monat ein Blatt abgerissen. Oben sind die Wochentage mit Anfangsbuchstaben bemerkt, Sun. heißt Sonntag oder Sunday. Mon. heißt Montag oder Monday, Tuesday Wednesday, Thursday, Friday, Saturday, wenn ihr diese Tage richtig aussprechen wollet, so muß ich hier so schreiben [:] Mondeh, Tuisdeh, Wendsdeh, Thouisdeh, Freideh, Sonturdeh, Sundeh. Dieser Tage hat Bernard Hünck ein Brief von Fritz [Hünck] erhalten. Ich denke Fritz  [Hünck] ist sehr zu bedauern.

Wie ist es bei Marschal ist da alles wohl, und wie ist es mit Therese [Marschal geb. Diekämper] ihre Krankheit. Wie geht es Strufferts, Sommer, Specht und alle übrigen Verwandten und Bekannten. Grüßt alle von mir. Ich habe diesen Brief am 10 angefangen und am 13ten beendet. Ich muß schließen den das Papier erlaubt es nicht mehr.  Es grüßt euch alle recht bestens euer

Bruder u. Schwager Clemens.

Quer durch den Text geschrieben:

Wie geht es dem kleinen Wilhelm, ist er gesund und munter? Wie alt ist er, ich denke, er wird diesen Sommer 3 Jahre.

Noch muß ich ein Wort zu eurem Hausbau sagen: ich weiß, daß alles prangt in Pracht und Herrlichkeit. Es hat viel gekostet, ich habe noch einige Jahre Zeit, bevor ich hier so ein Haus kaufen kann. Daß alles ohne Schulden zu machen, war gut genug, aber ihr müßt doch immer besoffen gewesen sein, denn in der Rechnung heißt es ja ein um das andere mal: ein Faß Schnaps.

 

                                               Es grüßt

                                                           Clemens Diekämper.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den? Dez.1876

 

Liebe Brüder und Schwägerin!

 

Endlich nach langem Zögern ergreife ich die Feder, um eure beiden letzten Briefe zu beantworten. Fürs erste bin ich noch recht gesund und hoffe, daß auch euch allen dieser Brief in der besten Gesundheit antreffen wird. Ihr habet jedenfalls gedacht, daß ich böse war wegen Gertrud [Roths], aber dem ist nicht so, wenn sie keine Lust hatte, so laß sie ruhig da bleiben. hier sind auch genug zu haben, grüßet sie von mir und saget ihr nur, sie sollte sich fleißig üben im fahren mit den Kühen, und auch hauptsächlich, daß sie den richtigen Kuhweg kriegt [ ... ] Spuhlen [auf dem Spinnrad] zu drehen, und wünsche ich ihr ein recht langes und ein gesundes Leben mit ihren lieben Roths bei Hiddingsel. [ ... ] langen Stillschweigens ist, daß ich immer noch nicht so recht wußte, über was ich schreiben sollte, weil ich immer noch nicht einig war mit mir selber was ich anfangen sollte. Ich habe jetzt einen Laden angelegt, ungefähr eine ½ Stunde von [Hermann] Winkelmann [* Dülmen 8.2.1845 / 1880ausgew.] , es ist der Anfang zu einem Dorf, es sind jetzt ein paar Häuser da, und eine katholische Kirche und ein Pfarrhaus. Der Ort heißt Duelm, den Namen haben ihm [Hermann] Winkelmann und Wilhelm Schulze Emting, welche hier ziemlich zuerst gewohnt haben, gegeben. Wilhelm Schulze Emting [* Dülmen 12.1.1812 / 1847 ausgew.] ist früher mit Joseph Bernard Edelbrock [* Dülmen 23.3.1826 / 1847 ausgew.] zusammen nach Amerika gegangen, und ist noch nicht reich geworden hier. Erst war ich willens eine Farm zu nehmen, denn es liegt ein sehr schönes Stück Land an Hermann Winkelmann seine Farm, 80 Acker groß; als ich mich aber darnach erkundigte, gewahrte ich, daß es diesen Herbst noch nicht verkauft werden konnte, und somit war diese Hoffnung hin, Es liegt noch genug gutes Land dort, habe aber keins genommen. Nun hat hier diesen Sommer jemand ein Haus gebaut, um einen Laden darin anzufangen, wie er aber das Haus fertig hatte, war das Geld alle und konnte nicht weiter kommen, das habe ich nun gekauft, etwas später, als ich von euch die beiden Briefe erhielt, für $ 475. Ich wohne jetzt seit Montag den 4. dieses Monats 1876 hier, jetzt bin ich auch so weit, daß mein Schornstein dampft, jetzt könnt ihr mich mal besehen kommen, ich werde all mein möglichstes tun, euch aufzuwarten. Verheiratet bin ich noch nicht, ich wohne ganz allein im Hause, und kochen tue ich selber, und das habe ich so eingerichtet, daß ich immer eine Abwechselung habe, den einen Tag koche ich Sauerkraut und Kartoffeln, den anderen Tag Kartoffeln und Sauerkraut? Wenn ihr bei euch noch welche habet, die sich sehr heiratsnötig fühlen, so schicket mir nur ein ½ Dutzend, so will ich mir die beste aussuchen. Die übrigen schicke ich zurück. Nur das behalte ich mir vor, sollte mir keine gefallen, so schicke ich sie alle zurück. Ich habe meine Waren in Saint Paul Minnesota gekauft, welches ungefähr 100 englische Meilen von hier liegt, am Wege von hier nach Newburg Wis., wo ich früher war. Newburg ist von St.Paul 400 Meilen, ungefähr 3 Meilen zu der Stunde gerechnet. Ich habe Ellenwaren und Spezereiwaren und auch Schenkwirtschaft dabei. Ich lade euch ein auf nächsten Sonntag, da wollte ich eine freie Zeche geben für den Anfang, doch ist kein Tanz dabei, bloß Bier und Schnaps gibt es, den auch hier wissen wir, daß ein Advent ist.

Nun müßt ihr nicht denken, daß ich gleich ein gemachter Kaufmann bin, wie man wohl zu sagen pflegt, oder gleich ein reicher Mann bin, denn aller Anfang ist schwer, ich treibe das Geschäft erst noch im kleinen um es allmählich zu vergrößern, denn gleich so viel Schulden machen tue ich nicht, doch hoffe ich, daß es mir recht gut damit gehen wird, wenn mir kein besonderes Unglück begegnet, und dabei denke ich oft daran, wie mir Dörgens gesagt hat als ich fort ging, ich müßte in America nur was riskieren.

Nun will ich euch auch mitteilen wie es mit meiner Heiratsgeschichte steht, so viel ich noch selber weiß. Erst als ich diesen Platz kaufte, habe ich gleich nach Wis. geschrieben an Bernard Esselmann seine Stieftochter wegen heiraten, ich war dann willens hin zu reisen um dort zu heiraten und dann auf dem Rückwege in St. Paul meine Waren einzukaufen, ich wußte ihre Eltern hätten schon immer früher gerne gesehen, das ich sie geheiratet hätte und auch das Mädchen gewiß, hatte jedoch keine besondere Bekanntschaft mit ihr gehabt, weil ich immer noch nicht wußte, wie es mit Gertrud [Roths] ging, und wußte auch überhaupt noch nicht wohin mit einer Frau. Ich erhielt zur Antwort, es wäre ihr ein wenig weit, aber doch wenn ich dächte, daß es ein guter Platz sei um sein Fortkommen da zu finden, so hätte sie nichts dagegen, nur möchte sie etwas Zeit haben, um ihre Kleider in Ordnung zu bringen. Ich schrieb zurück, ich wollte 14 Tage länger warten, nämlich bis die letzte Woche vor Advent, und schrieb dabei, wenn sie dächte, das es ihr zu weit wäre, oder sonst keine Lust hätte, so sollte sie sich jetzt bedenken, indem es noch nicht zu spät sei, und ich erhielt zur Antwort, es sei ihr zu weit von Hause weg und ich möchte mich nur um eine andere bekümmern, also war ich da fertig und das ist auch noch alles was ich darum gab. Ich ging die andern Tage gleich zu einer andern, das ist eine ziemlich reiche, wie ich höre, soll sie beinahe $ 1000 haben (gewöhnlich haben die Mädchen hier kein Geld, wer heiraten will kriegt weiter nichts als das Mädchen, und dann muß er sehen, daß er fertig wird) Ob ich diese nun noch kriege, weiß ich heute selbst noch nicht. Nun zurück zu Esselmann. Drei Tage nachher erhielt ich schon wieder 2 Briefe, daß ich doch kommen sollte, ich sollte doch nicht böse sein, sie hätte einen Fehler gemacht und gab sich schuldig. In diesen Briefen kam mir das Mädchen aber ein wenig mit Lügen vor, denn ich wußte daß es nicht so sein konnte, wie sie schrieb, die waren nicht fein genug erdacht. Den einen Brief hatte das Mädchen allein geschrieben, den andern hatte das Mädchen und Gertrud Esselmann geb. Hünck zusammen geschrieben. Gert[rud] [Esselmann] hätte gern gesehen, das es wieder in Ordnung gekommen wäre und dachte, vielleicht mir einen Gefallen damit zu tun, weil sie sicher meinte, daß ich mich darüber grämen täte, aber dem war nicht so, aber wie mir das Mädchen über 3 Tage gleich wieder so einfältig vorkam, da wurde ich böse, dann sollte sie sich eher recht bedacht haben, bevor sie es mir schrieb. Ich schrieb Gertrud [Esselmann] zurück: Vorher getan hernach bedacht, hat manchem schon groß Leid gebracht, und ich hätte mich schon bereits nach einer andern umgesehen, und ich ließe sie grüßen und sie sollte so eine Dummheit nicht gemacht haben, ich könnte ihr nicht helfen, den wenn sie nicht besser wüßte, ob sie mich wollte, so täte ich es für besser halten, daß wir nicht zusammen kämen. Jetzt weiß ich, hat sie einen heiden [großen Ärger] Specktakel im Haus, sie hat mir letzte Woche noch mal wieder geschrieben, ich sollte doch kommen und sie holen, sie wollte meine liebe Frau Gemahlin werden, ich sollte doch ihr nicht die Schmach antun, die sie mir angetan hätte, sie täte ganze Nächte weinen, so daß das Bett oft ganz naß sei, sie sei schon zum Bahnhof gewesen mich abzuholen, und ich sei nicht gekommen. O, komme doch, O komme doch, alle Leute wissen, daß du kommen wolltest und jetzt kommst du nicht, wenn du nicht kommst, soll mich auch kein anderer haben, O komme doch, ich kann s nicht mehr aushalten, und wie es nicht noch sonst alle heißen mag. Darauf habe ich ihr nun wieder geschrieben, ich könnte nicht mehr kommen, sie holen, weil ich meine Waren im Laden hätte, könnte ich nicht mehr fort, verheiratet sei ich noch nicht, und übrigens könnte ich nicht sagen, was Gott denn tun würde.

Auch Clemens Hesker [* Dülmen ] lebt noch, ich habe ihn gesehen und gesprochen, wie ich in St.Paul war. Ich hatte hier ausgefunden, daß er in St. Paul sei, und habe ich ihn aufgesucht. Ich habe ihn gleich gekannt, aber er kannte mich nicht, noch nicht einmal, als ich ihm sagte, wer ich sei. Er ist noch ledig und dient in St Paul im Wirtshaus als Stallknecht. Das erste, was er mir sagte war, er hätte noch nie nach Deutschland geschrieben, und täte es auch nicht, er hat mich nicht gefragt, wie es zu Hause ginge, weder nach seinen Geschwistern, bis ich es ihm endlich von selbst erzählt habe, und wenn ich ihm sagte, wie sich dieses oder jenes zugetragen hätte, seitdem er fort war, so mußte er immer lachen, und sonst schien mir, als ob ihm gar nichts daran gelegen war, ich habe mich nicht sehr erfreulich mit ihm unterhalten können. Ich fragte ihn, was er den eigentlich anfangen wollte, es sei doch für ihn auch bald Zeit, da sagte er, er wüßte es jetzt noch nicht, und ich denke, wenn er es jetzt noch nicht weiß, wird er es auch schwerlich mehr gewahr werden. Ich war drei Tage in St. Paul, und habe ihn zu 4 Zeiten besucht. Die Briefe, welche ihm sein Bruder Heinrich [Hesker] geschrieben hat, hat er richtig erhalten, da ist er bei Winkelmann gewesen. Er kommt mir jetzt noch komischer vor wie früher, oder ich habe ihn früher nicht so genau gekannt. Grüßet von mir die Familie Hesker und Schultebein, und lasset ihr wissen, wie es mit Clemens [Hesker] steht.

Lieber Bruder: Du wolltest gerne die Viehpreise von hier wissen, Eine Kuh kostet 25–30 Dollar, und so tragende Rinder werden hier wenig verkauft, eher werden Rinder fett gemacht, und an die Butcher [Metzger] verkauft, das lb. 5–6 Cent. Wer eine Kuh auf dem Markt verkaufen will, so ist hier die Mode, das Kalb mit zu bringen, und wer ein Kalb fett machen will, das ist hier nicht viel Mühe, der läßt es einfach an der Kuh saugen. Die Pferde sind teurer und werden gewöhnlich 2 und 2 oder besser gesagt Spannweise verkauft, und kostet ein gutes Team oder Spann $ 350 bis $ 400 und darüber. Das Esq. auf der Adresse bedeutet nichts weiter als Wohlgeboren. es ist ein englisches Wort, und wird so geschrieben Esquire und so ausgesprochen Js,queier. Mr. heißt so viel als Herrn und wird geschrieben so: Master (sprich Mister). Ich habe auch meinen Namen jetzt gewechselt, und schreibe von jetzt ab Clemens Hünck, denn ich halte es für Recht, seines Vaters Namen zu führen, den Diekämper ist ja gar nicht unser Name, das ist nur so eine alte dumme deutsche Mode. Auch muß ich euch mitteilen, daß wir seit dem 21 v. Mts. Schnee haben, und daß es jetzt ziemlich kalt ist. Auch habe ich euch noch nicht mitgeteilt, daß ich seit einem Jahr ziemlich Glück gehabt habe in Verlosungen. In Wisconsin habe ich 3 große Landkarten gewonnen, eine Ziehharmonika, ½ Duz. Teelöffel, eine feine Tasse, 3 paar Ohrringe und Vorstecknadeln, ein englisches Unterrichtsbuch, ungefähr die Größe wie das große Lesebuch, und ein Vergrößerungsglas was Photographien vergrößert, und jetzt ist hier eine Verlosung gewesen von mehreren Sachen zum besten unserer hiesigen Kirche, und ich habe eine schöne Bettdecke ungefähr $ 6–7 Werth, ein großer Mannsschal, ein Damenhut, und eine Fioline gewonnen, jetzt habe ich Musikinstrumente genug, wenn ich nur spielen könnte.

Jetzt muß ich zum Schlusse übergehen. Edelbrock läßt seinen Bruder grüßen, ich wohne 12 Meilen von ihm, ich komme oft bei ihm, denn ich muß meine Waren von St. Cloud von der Eisenbahn holen. Auch Gerhard Heinrich Winkelmann mit seine Frau und Tochter sind noch recht gesund, und lassen euch wie auch seine Verwandten bestens grüßen. Grüßt von mir alle meine Verwandten und Bekannten, und fragt Marschall, Specht, und Bünger, ob Ihnen meine Photographie die ich Ihnen geschickt habe, nicht so viel wert sei, daß sie mich darauf antworten, dann laß sie mir doch selbige wieder schicken, ich will wohl das Porto bezahlen, ob mich [Bernard] Struffert wieder geschrieben haben, ich weiß nicht, ich glaube auch nicht. Ich habe überhaupt schon so vielen Briefe geschrieben, die nicht wieder schreiben, ich werde jetzt besser nirgends mehr hin schreiben als nach zu Hause, denn von euch erhalte ich doch noch regelmäßige Antwort auf meine Briefe. Für diesmal müßt ihr mein langes Stillschweigen entschuldigen, weil ich einigermaßen Gründe hatte, und jetzt habt ihr auch wohl so viel wie zwei ordentliche Briefe. Schreibt mir bitte recht bald wieder, und so viel Neues, wie ich euch jetzt geschrieben habe, oder will Bernard [Struffert] vielleicht nächsten Frühjahr kommen, und mir alles mündlich erzählen, Ich denke er täte sehr klug, wenn er hierher käme, denn hier kann er mit seinem Geld was er hat, ein Bauer werden, und bei euch einer zu werden, wird wohl schwer halten. Nach Wis. habe ich ihn niemals geraten, denn da war auch das Land zu teuer, aber hier ist es billig, Hier bei mir oder Winkelmann kannst du noch Land genug kaufen, und billig, und da ich hier jetzt wohne, tätest du auch gleich eine gute Aufnahme finden.

Grüßet Schwaag von mir, ich würde ihn gelegentlich schreiben, ich habe jetzt noch zu viel zu tun, das ich alles in Ordnung bringe. Jetzt muß ich mir noch ein Gläschen Bier trinken, und dann ist es Zeit ins Bett zu gehen.

Es grüßt euch allen recht bestens euer Bruder und Schwager

Clemens Hünck.

Liebe Franziska; wie geht es dir denn und dem kleinen Wilhelm, von euch höre ich ja fast nichts. Meine Adresse ist

Clemens Hünck Esq.

Duelm Minn.

Benton Co. N. America

If we do not see us again in tis World, we will see us again in Havven.

Dies ist bloß englisch und gehört nicht auf der Adresse.)

wenn ihr es nicht lesen könnet müßt ihr es raten.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 2.Dez. 1880

 

Liebe Brüder u. Schwiegerin

 

Euren Brief habe ich richtig erhalten und gelesen, daß ihr alle noch gesund seid welches wir auch noch sind. Unsere Familie hat sich am Sonntag Morgen früh den 21ten Nov.1880 um eines vermehrt durch die Ankunft eines kleinen Mädchens welches wir den Namen Berta Elisabeth geben haben. Meine Schwägerin und Heinrich Küdde sind die Taufpaten. Küdde wohnt nur vier Meilen von mir. Geschäfte halber habe ich heute nicht Zeit noch mehr zu schreiben, werde aber bald wieder berichten und euch dann ein Bild schicken von mir und meine Frau und von dem kleinen Wilhelm, welche wir letzten Sommer haben machen lassen.

Schickt mir einige Dülmener Zeitungen. Ich will euch auch welche von hier schicken. Wir wünschen euch alle fröhliche Feiertage. Wir haben dieses Jahr ungefähr 900 [Bushel ] Weizen gedroschen beim Gewicht wird es nicht weit an 1000 fehlen, es kostet jetzt 90 Dollar a Bushel.

Viele Grüße an alle Verwandte und Bekannte.   C. A. Hunck

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 19. Juni 1885

 

Liebe Franziska L. u. Wa.

 

ich übersende euch hiermit den Schuldschein von A. Mühlenbeumer für den Fall das er sein Kolonat sollte unter der Hand verkaufen welches er willens ist um dann das Geld einzukassieren bevor er zum zweiten mal auskneift nach Amerika kommt. Ihr könntet dies unbedingt bei H. Schmitz erfahren. Ich habe ihm 140 M. geborgt das übrige hatte ihm Clemens geborgt. Sollte er es euch so ohne Umstände zahlen wollen, so wäre 165 M. genügend, sollte er aber nicht nach Amerika ziehen wollen oder können so hat die Geschichte Zeit bis ich komme. Das beste ist aber ihr sagt ihm ich hätte euch die Note zugeschickt über 10 Tage wäre dieselbe fällig zu zahlen. Theodor Hesker hat ihren Schuldschein Rechtsanwalt Schlüter zugeschickt das er das Geld einkassierte und ihr es dann nach Amerika herüber schickt. Liebe Franziska heute über 14 Tage werde ich die Rückreise antreten so das ich am 8. Juli auf dem Schiff komme und werde dann ungefähr am 19. oder 20. wieder bei euch sein. Ich schließe mein Schreiben und hoffe das es euch in ebenso guter Gesundheit antrifft wie es mich verläßt. Mündlich mehr

Es schreibt euch allen recht bestens Franz Diekämper

 

Gruß von Clemens und Frau

 

 

Duelm, Benton Co MN, den 8. Oktober 1886

 

Lieber Bruder Schwägerin u. Neffe!

 

Eure Trauernachricht ist mir vor 2 Tagen eingehändigt worden, und ich weiß kaum was ich sagen soll, wer sollte es vor einem Jahr geträumt haben, denn als ich bei euch war, und er mit mir hier, war er recht gesund. Aber der liebe Gott hat es so gewollt, und daß beste ist sich seinem heiligen Willen zu ergeben. Ich kann euch sagen es ist traurig für uns und es ist das um so mehr für euch, denn er ist nicht zu ersetzen. Ich weiß kaum Worte zu finden um nicht zu verzweifeln, immer muß ich an ihn denken, ich meine, ich sähe ihn noch immer unter euch. Liebe Franziska, wie soll ich dich trösten, und auch lieber Wilhelm, mit was soll ich dich trösten, es ist das härteste was euch jetzt treffen konnte, aber Gott hat es gewollt. Zwar hast du liebe Franziska, noch einen guten Verwalter zur Hand in Bernard, aber ich weiß, der Verlust deines Ehegatten ist hart. Und du lieber Wilhelm, bist freilich noch zu jung, den lieben Vater zu verlieren, jedoch auch schon wieder alt genug zu unterscheiden was wohl und gut für dich ist, so sei denn folgsam deiner Mutter und Onkel Bernard, du wirst bald zu einem Mann heranwachsen, und ich möchte dir hierbei den Rat geben, immer den Willen und die Zurechtweisung deiner Mutter zu folgen, denn ihr Wunsch und Wille ist nichts anderes als auch der Wille deines seli­gen Vaters, obschon er leider nicht mehr persönlich dich zurechtweisen und gute Ermahnungen geben kann. Ich hoffe jedoch, daß meine Ermahnungen unnötig sein werden, weil ich erwarte, daß du dich schon ohnedem gut und brav betragen wirst. Noch eines möchte ich dir sagen, laß dir von fremden Leuten nichts aufzwingen oder vorschwätzen, was und wer es auch nur immer sein mag, denn das tut niemals gut. Deine liebe Mutter meint es doch nur am besten mit dir. Solltest du es auch nicht selbst einsehen, so glaube es mir, daß die Mutter nur dein Bestes sucht, andere Leute nur zu leicht ihren eigenen Nutzen oder auch Schadenfreude darin suchen. Mit welchen Worten kann ich euch und uns trösten, wir wissen der liebe Gott hat es so gewollt, möge er ruhen in Frieden. Wir haben letzten Monat eine heilige Messe hier für ihn lesen lassen, auch du lieber Wilhelm, bete fleißig für ihn, denn das Gebet eines guten Kindes bleibt nicht unerhört. Ich habe diesen Brief schon am 8ten angefangen, und heute am 20ten vollendet, ich mußte verreisen um Waren zu kaufen, und hier waren wir eine Woche mit Dreschen beschäftigt, daher die Verzögerung und der Bitte zu entschuldigen. Schreibe bald wieder und ich möchte doch gerne alles über sein letztes Ende erfahren, was er gesagt hat, ob er auch eingesehen hat, daß er sterben mußte. Sag alles wie ihr es wißt, und mit traurigem und betrübten Augen grüßt euch alle bestens

 

Clemens, Diena und Kinder

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 4. Feb. 1887

 

Lieber Bruder, Schwägerin und Neffe!

 

Eure beiden Briefe haben wir in der besten Gesundheit erhalten und lese, daß auch ihr noch gesund seid. Ich habe das Schreiben diesmal ziemlich lange bewenden lassen, ich hatte sehr viel zu tun bei den Feiertagen und nach dem mit dem jährlichen Rechnungen abzuschließen. Liebe Franziska, ich habe mich so recht gefreut über deinen Brief, und zudem doch mit Trauer, Wehmut und Mitleid gelesen, ja er hat mir und meiner Frau beide die Tränen aus den Augen gepreßt. Wie er doch noch so wohl und munter war hier bei uns, auch meine Frau hatte ihn recht bald sehr lieb gewonnen, und schon jetzt müssen wir ihn unter die Toten zählen, und hat er so vieles zu leiden gehabt, aber es war ja Gottes Wille, und der heilige Apostel sagt, es ist besser hier leiden als dort. Das ihr eure liebe Last, und manchmal Undank für eure guten Absichten mit ihm gehabt habt, kann ich mir leicht denken. Auch meine Frau weiß etwas davon, wie ungeduldig er war, wenn er krank sei, denn auch hier war er ein bis 2 Tage im Bettwagen Erkältung, da hat sie schon gesagt, sie wollte diejenigen bedauern, welche ihn pflegen müßten in einer ernsten Krankheit, und mehrere male sagte sie, als wir hörten, daß er krank sei, was du möchtest, deine liebe Last und Mühe mit ihm haben. Nun es war das einmal seine Natur, und freuet es mich zu sehen, daß er die letzte Zeit ganz anders geworden. Gott wird eure Leiden lohnen. Er gebe ihm die ewige Ruhe. Du schreibst, daß du hättest zum Gerichte müssen, was hat es denn dort gegeben? Er hat gewiß nicht ein Testament gemacht, aber ihr werdet doch deshalb wohl keine besondere Unannehmlichkeit haben werden.

Lieber Wilhelm! Auch deinen Brief habe ich Neujahr erhalten, worin du mir so recht alle Verhältnisse mitgeteilt hast. Es freut mich, daß auch ihr eine reichliche Ernte gehabt habt. Auch sehe ich, daß ihr viele und große Pferde habt und die Kühe und Kälber, und leider eine Kuh krepiert ist, und wie es sonst da bei den Leuten so zugeht, man sollte meinen es sei nicht möglich, aber es ist schlimm. Hat der eine noch die 20 Taler nicht zurück bezahlt? Du schreibst von H. Bickschlüter. Sage du Mutter und Hinschen ? nur, daß es ihm recht gut gehe, sie sollten nur recht ruhig schlafen wegen Heinrich. Denn das tut Heinrich auch, das einige notwendige, was ihm jetzt fehlt, ist eine gute Frau, die seine Einsamkeit mit ihm teilen wollte, um solche für ihn passende sind hier nicht so viele, denn von den hiesigen Deutschen hat keiner noch eine für ihn, jedoch jeder Topf findet seinen Deckel, und so wird er hier auch vielleicht bald eine finden. Heinrich hat vor kurzer Zeit ein Brief nach Hause geschrieben. Heinrich Schultebein hat sich auch vor 4 Wochen 160 Acker Grund gekauft, oder ich habe es vor ihm gekauft, denn er konnte mit den Leuten nicht sprechen, und ich habe zugesehen, das der Besitztitel zu dem Land gut war, oder ob sonst noch Schulden darauf lasteten. Ich denke er hat guten Boden bekommen, aber augenblicklich ist alles mit Schnee bedeckt und auf manchen Stellen recht tief. Auch den Gruß von Herrn Lehrer habe ich dankend gelesen, und erwidere denselben hiermit aufs freundlichste. Wißt ihr nicht vielleicht jemand der bald hier nach America kommen will, ich könnte wohl wieder ein Anzug und einige Hosen und Westen gebrauchen. Wie gewöhnlich, schicke ich auch jetzt wieder einige Kalender, welche hoffentlich von Interesse sein werden. Wie geht es mit dem Waisenfreund, wenn er euch noch von Interesse ist, so wird er noch weiter sein regelmäßiges Erscheinen machen. Du fragst wegen die Toten-Bilder, die habe ich alle in dem Anzeiger erhalten und verteilt. Eins habe ich zurück geschickt nach Köln, zu meinem Freund Mathias Driessen habe vor 2 Wochen einen Brief von ihm erhalten, worin er seine tiefe Teilnahme für uns und euch, und besonders der Mutter schildert. Grüßt Austermann nur von mir, und besonders von meiner Frau, und saget ihm nur zu ihrem größten Bedauern läßt sie ihn sagen, daß der schöne Singvogel verendet ist und es tut ihr sehr leid, er hat immer so lustig gesungen. Besondere und weitere Neuigkeiten habe ich für heute nicht,

somit will ich hiermit schließen unter vielen Grüßen, besonders an euch alle, und alle Verwandte und Bekannte und alle die nach mir fragen.

C. A. Hünck und Frau

 

Schreibt bitte bald wieder. Die Bücher mit Verpackung wiegen genau ½ lb. Es sind solche die ich zum verteilen habe. Die Bilderbücher habe ich beinahe 100 bekommen von meiner Versicherungs-Compagnie. Die einzige Absicht dabei ist, bei allen ihr Geschäft zu verbreiten und zu vermehren.

 

 

Duelm, Benton, Co. MN, den 8. Jan. 1892

 

Lieber Bruder, Schwägerin und Wilhelm

 

Gerade war ich in South [Sauck ?] Rapids auf meiner Reise, um meinen neuen Posten oder Amt anzutreten, als ich dort euren Brief nebst Bilder erhielt. Wir bekommen die Post 3 Mal in der Woche, aber in S. R. alle Tage mehrmals, und wenn ich da komme, kann ich auch dort meine Postsachen haben. Als ich von da mit der elektrischen Straßenbahn nach St. Cloud fuhr, öffnete ich den Brief, doch ehe ich las, dachte ich das Paket mit den Bildern nachzusehen, ob ich auch vielleicht ohne zu lesen dieselben kennen würde. O ja! Zu gut kannte ich das Haus und die andere Wohnung hätte ich ja nicht gekannt ohne lesen, und Tränen standen mir in die Augen. Nun, schön ist es, und wie viel kostet ein solches Grabmal wohl bei euch? Das Haus ist mir alles klar, aber es scheint eine Hecke davor zu sein, die ich nicht kenne, und auch weiß ich nicht, was da für ein Ding steht, das die ½ Scheunenansicht bedeckt. Die Hecke hindert die richtige Ansicht des Hauses für einen der das nicht kennt, denn solche glauben, es sei das Haus so niedrig, weil sie eben die Hecke für Boden halten. Die Bilder waren sehr gut verpackt, aber ich habe sie noch eine Woche in der Tasche gehabt, da hat sich der schwarze Rücken des einen, dem Bilde des Hauses in etwa mitgeteilt, und ist dadurch etwas fleckig geworden, und wenn ihr noch eines übrig hättet, wäre es mir sehr lieb, und bitte um Entschuldigung meiner Unvorsichtigkeit. Das Bild ist gut abgenommen und hätte der Künstler H. K. ein wenig mehr Mühe auf die Platte verwenden sollen, damit nicht die weißen Flecken an den Giebel und Dach, und sonstwo sich sehen ließen, denn die sind ja in Natura nicht dort. Wer hat denn im unteren Schlafzimmer im Fenster gestanden, und warum habt ihr euch nicht vor dem Hause irgendwo aufgepflanzt? Ich danke hiermit bestens dafür und auch ebenso die Bertha, auch die war froh mit ihre Bilder. Unsere kleine Tochter heißt Augusta Clara und ist Bernard Vörding (mein Schwager) und Dina Esselmann eine Tochter von Clemens Esselmann die bei uns ist, Taufpaten gewesen. Auch Clemens Esselmann sein Sohn Hermann Esselmann ist bei uns als Ladendiener und Bernard Ruhoff sein Sohn Heinrich [Ruhoff] [er heiratete später Anna Terwey] als Ackerknecht. Heinrich Potthoff (Placke) ist noch hier, er lebt zwar noch, aber er ist ganz lahm und zitternd, er kann nicht aus dem Hause gehen, er ist sehr zu bedauern. August Bontrup ist noch bei Schultebein, werde ihm von deinem Jagdglück in Kenntnis setzen, Unser Wilhelm schießt auch schon gerne. Er möchte dir wohl ein Brief schreiben aber das deutsche geht noch schlecht bei ihm und er hat auch keine rechte Lust dazu, und überhaupt lernt er auch nicht gerade vom besten in der Schule. Er ist diesen Winter zu Hause, das lernen greift ihn ziemlich an und er ist ein wenig schwach, mehr lang als Stark. Er geht hier in die Schule, aber da geht es leichter zu, als in St. Cloud. Bertha ist in St.Cloud bei Freunden von uns, und geht dort in die Schule, die lernt leichter als Wilhelm.

Also am Montag den 2ten Jan. war, als ich die Reise antrat zu meinem neuen Amte. Ich mußte am 3ten in St. Paul sein, wo die Legislatur um 12 Uhr mittags eröffnet wurde, und nachdem alle den Eid der Treue geleistet, konnten wir zu Mittagessen gehen, dann wurden nachher einige Bedienten erwählt und angestellt, als um 4 Uhr Feierabend angekündigt wurde, um am nächsten Morgen 10 Uhr wieder zusammen zu treten. Es wurden einige Vorkehrungen getroffen um Mittags 12 Uhr die Gou­verneure von Minnesota zu empfangen, um das der alte sich verabschiedete, und der neu erwählte eingesetzt, beide hielten Reden welches alles um 1 Uhr beendet war, und unser Tagewerk auch. Donnerstag um 10 Uhr wieder versammelt, um das jeder einen bestimmten Sitz bekam für die Dauer der Sitzung. Jeder hat einen weichen Sessel und ein Schreibtisch. Nun wurde einige Gesetzvorlagen verlesen, besprochen und vorläufig bei Seite gelegt, und bei 12 Uhr die Sitzung vertagt bis Montag den 9ten nachmittags um 4 Uhr, aber dann wird es wohl feste drauf los gehen, mir ist das ja auch noch neu. Diese Gelegenheit nahm ich um heim zu gehen, welches ich auch jeden Sonntag zu tun gedenke, denn wie ich höre, ist Samstags und Montag vormittags keine Sitzung. St. Cloud ist ungefähr 75 Meilen von St.Paul. Diese Sitzung darf nicht über 90 Tage dauern Sonntags eingeschlossen, und ist das Amt mit einer Dotation von $ 5,00 per Tag verbunden einschließlich Sonntags. Es ist das hier nicht, das solche Leute bloß mit der Ehre bezahlt werden wie bei euch, hier wird jedes Amt besoldet vom niedrigsten bis zum höchsten. Auch habe ich jetzt freie Fahrt auf die Eisenbahnen im ganzen Staat Minnesota, aber nicht außerhalb desselben. Auf unsere Kammer sind wir 114 Mann, oder Repräsentanten. Im Hotel kostet es jeden Tag $ 2,00 da hat man es aber auch fein. Essen was das Herz begehrt, und mit einem Dampf-Elevator Erheber [Aufzug] fährt man in die oberen Stockwerke zu die Schlafgemächer. Wenn da die Leute bei euch meinen, das dieses Amt von wenig Bedeutung sei, so irren sich diese gewaltig. Als ich Abgeordneten telegrafierte, dachte ich, das dieses Wort alles in sich hält, denn von 2 Sorten Abgeordneten oder Vertrauensmänner bei euch wüßte ich nicht, was ist denn bei euch ein Vertrauensmann? Was den Deutschenhasser Davis angeht, wird er wohl wieder gewählt werden, denn einen republikanischen Gegner hat er nicht, und wir Demokraten sind unserer leider zu wenig, um einen solchen zu erwählen, wie doch immer, meine Stimme wird er nicht bekommen. Dieser bemüht sich um das Amt eines Senators in die Vereinigten Staaten. Gesetzgebung in Washington, wo jeder Staat Senatoren und Kongreßmänner hinschickt. Auch wir haben über 50 Senatoren in unserem Staat in der Gesetzgebung, welche allein verhandeln und in manchen Fällen mit uns stimmen, auch für den erwähnten Senator. Habe auch 2 Kalender geschickt. Einer hat die größten Gebäude der Weltausstellung abgedruckt. Wenn ich Zeit habe schreibe ich in einigen Tagen mal aus St. Paul.

Mit Gruß an euch alle und alle die nach mir fragen.

 

Clemens & Frau und Kinder

 

St. Paul, MN, den 13. Jan. 1893

 

Lieber Wilhelm!

 

Obschon ich ein längeren Brief bereits abschickte, so wollte ich auch von hier meinen neuen Amtstisch auch dir einige Zeilen zusenden. Vor allen vergaß ich noch euch ein glückseliges Neujahr zu wünschen welches ich euch allen hiermit wünsche. Wir sind hier jetzt im vollen Gange, und am nächsten Dienstag-Mittwoch wird hier die wichtige Stelle eines Vereinigten Staaten Senator gewählt. Die Republikaner haben die Mehrheit für Davis, und wie es jetzt scheint, suchen die Demokraten Uneinigkeit zu regen im republikanischen Lager, um Gelegenheit zu suchen, einen besseren Republikaner als Davis zu erwählen, denn einen Demokraten in unserer Minderheit können wir nicht erwählen. Deshalb müssen wir von 2 Uebeln das beste wählen. Davis war Senator und hat sich in mehreren Fällen nicht von Nutzen gezeigt, sogar sehr im Gegenteil, und besonders ist er ein Deutschenhasser und gegen die Katholiken. Ich liebe es hier soweit sehr gut, es ist ein Platz, wo man vieles erfahren und lernen kann und auch gereicht es sehr zur Ehre, manche würden Tausende darum schuldig [geben] sein, um den Platz einnehmen zu können. $ 3 bis 400 mag es mir auch gekostet haben, an Auslagen, die ich hatte, um erwählt zu werden. Man muß seinen Distrikt bereisen, um mit den Leuten bekannt zu werden. Wenn man den Distrikt besucht, muß man für die Reisekosten viel Geld verzehren. Es ist dieses hier zu Lande Gebrauch. Heute zog ich den ersten Lohn für 10 Tage $ 50,00.

Mit Gruß Clemens August Hunck

Capitol St.Paul, Minnesota, Nord America.

Diese Adresse wird bis zum 1ten April wohl gelten.

 

 

St. Paul, MN, den 19. Jan. 1893

 

Lieber Wilhelm.

 

Mit der heutigen Post übersende ich dir eine englische Zeitung, welche du vielleicht nicht lesen kannst, aber doch schon kennst, das man mir soviel Achtung gab, um mein Bild darin erscheinen zu lassen, und um so mehr sehe ich darin eine Achtung weil das Blatt die republikanischen Prinzipien verteidigt, welches meistens direkt gegen meine demokratischen Prinzipien ist. Die kleine Biographie, welche das Blatt bringt, heißt übersetzt ungefähr so: Clemens A. Hunck, Abgeordneter von der Grafschaft Benton, ist in Duelm wohnhaft, und treibt ein Kaufmannsgeschäft. Er war einer der ersten Ansiedler der Grafschaft, und arbeitet früh und spät zum besten seiner Umgegend. Seinen langen, fließenden Bart ist mitunter Ursache gewesen, das er für ein Alliancemann gehalten wurde bei Freunde, und wurde er öfters gefragt, ob er nicht ein Verwandter sei vom U.S. Senator Pfeffer (dieser hat auch solchen Bart, und ist ein Alliance oder auch ein Populist) aber solche Anschmeichelung wiederlegt niemand schneller, denn er selbst. Er hält fest an die Prinzipien welche niedergelegt wurden bei Thomas Jefferson (lange her) und bei Grover Cleveland, und hat keine Zeit für die radikalen Wünsche oder Verlangen der Alliance oder Populist Partei. Er ist mehr so ein kluger und wohltuender Ge­schäftsmann, und macht einen exelenden Abgeordneten (Repräsentative). Das Bild in der Zeitung ist gerade nicht so gut, als eine Photographie, werden als leichtfertig gemacht, weil solche aber nur für gelegentlichen Gebrauch gemacht werden, ohne Bezahlung dafür zu erhalten. Gestern hatten wir die Wahl für einen Vereinigten Staaten Senator, den der Staat Minnesota dort in die Gesetzgebung schickt, und haben leider den Deutsch- und Katholikenfeind C. K. Davis [war in MN vom 4.3.1887 bis zum 27.11.1900 Senator] gewählt, oder besser gesagt, wieder gewählt, dessen Amtsdauer 6 Jahre sind. Er bekam 85 Stimmen von 168 also nur eine Stimme hätte das Ding zu keiner Mehrheit gebracht, und er würde geschlagen worden sein, bei der nächsten Abstimmung, die obwaltenden Verhältnisse würden solches zu Wege gebracht haben. Wäre ein Weg gewesen, seine Wahl zu verhindern, so wäre es geschehen, aber die Mehrheit gilt. Unser oder das untere Haus besteht aus 114 Mitglieder oder Abgeordnete, und das obere Haus aus 54 Mitglieder oder Senatoren. Beide Häuser traten zu dieser Wahl zusammen. Am 17ten wählte jedes Haus für sich selbst den Senator, und erhielt im oberen Hause der Davis keine Mehrheit, und darum mußten beide Häuser gestern zusammen stimmen und erhielten vorbesagtes Resultat. Hätte Davis eine Mehrheit bekommen in beide Häuser am 17ten, so würde die Gesamtwahl ausgefallen sein. Minnesota stellt 2 Senatoren in die U.S. Gesetzgebung, und muß über 2 Jahre wieder einer gewählt werden, und bekommen wir den wahrscheinlich einen demokratischen. Die Besoldung in unserem oberen Hause ist gleich dem Unterhause $ 5,00. Das Wetter ist hier ziemlich kalt mit Schneegestöber vermischt. Sonst nichts Neues für diesmal.   Es grüßt euch alle bestens

 

Clemens A. Hünck

 

 

St. Paul, MN, den 25. März 1893

 

Lieber Wilhelm

 

habe deinen Brief erhalten, und gebe hiermit eine kurze Antwort. Wir sind noch recht gesund, und hoffen dasselbe von euch. Mit unsere Gesetzgeberin oder Macherin [Staat], geht es aber flott voran. Die Zeit neigt sich zu Ende, und noch vieles ist ungeschehen, so das wir abends extra Sitzungen halten müssen. Es wird wohl bis zu der letzten Hälfte von April dauern, wir haben heute den 64ten Tag von 90 Sitzungstagen. Samstag abends fahre ich immer nach Hause, und am Montag morgens zurück. Ich habe vor einigen Tagen einen Brief geschrieben an Fa. Specht, welcher mir schrieb, das er, Terlau und  Franz J. Füsener alle nach Amerika kommen wollten, ist es denn wirklich ernst mit der Sache? Ich zweifle nicht das er die Wahrheit schreibt, aber er könnte sich vielleicht mal einen Spaß erlaubt haben. Das Wetter bleibt noch immer sehr winterlich, doch heute scheint die Sonne recht warm und bringt den Schnee zum schmelzen, bis jetzt fahren wir noch immer mit den Schlitten und glauben doch, das wir ungefähr Mitte April mit dem sähen anzufangen. Die Natur verlangt, das hier alles ziemlich geschwind geht, aber weil das so vor sich geht, müssen auch die Leute schon folgen. Weiter habe ich nichts Neues und schließe hiermit mit vielen Grüßen und ein fröhliches Osterfest wünschend euer

 

Clemens Hünck.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 8. Sept. 1896

 

Lieber Wilhelm!

 

Deinen Brief vom 23ten August habe ich am 5ten erhalten, wie auch das schöne Andenken an Kevelar, wofür ich hier unseren innigsten Dank sage. Habe heute ein kleines Schriftstück aufgesetzt, um dem Jubilar zu übersenden. Eine beinahe ganz wörtliche Abschrift ist das hier jetzt folgende. Dieses ist der erste Aufsatz, habe es ihn beim abschreiben nur ganz wenig übersetzt, dachte aber auch dieses zu schicken. Ich werde diesen Aufsatz in 2 Tagen absenden so denke ich, das es beinahe kurz war oder am Jubiläumstage selbst ankommen möchte. Das Bier kostet hier pro Liter (Faßweise) etwa 25 Pf. (1/4 Mark) und mir kostet es 25 % weniger. Der Geschmack dieses Bieres ist dem Bairischen Bier ähnlich, so ähnlich dem münsterischem Altbier ist hier keines, aber um dies dem Geschmack sicher zu stellen, tust du am besten mal kommen. Das Lehrer Blomenhaus gestorben war, wußte ich aus dem Anzeiger, und schrieb auch die Wwe. ein Beileidsbrief, habe aber keine Antwort erhalten soweit. Nun, wie ich sehe, seid ihr ziemlich mit Hochzeiten beschäftigt, sende hiermit die besten Grüße und Wünsche für die Neuvermählten. Die Ernte fällt hier ziemlich leicht aus, und kann man dieselbe nur kaum eine Mittelernte nennen. Unser Pfarrer [Sigismund Suszcynski] ist letzten Samstag abgereist, wie bald wir einen anderen bekommen, weiß ich noch nicht. Nun viel Vergnügen zu dem bevorstehenden Jubiläumsfeste, und laß mich wissen, ob ihr etwas höret von meinem Schreiben am Pfarrer.

Mit Gruß an euch allen von uns allen. Clemens brauchst nicht sagen das du eine Abschrift hast.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 8. Sept. 1896

 

Hochwürdiger Herr Vikar Dierking!

 

Ehrwürdiger hochwürdiger Herr Vikar Dierking sie wollen gütigst erlauben einige Worte der Huldigung zu Ihrem am 24ten September stattfindenden Jubiläumsfeste aus dem fernen Amerika an Sie zu richten. An dem denkwürdigem Jubeltage meines hochverehrten Herrn Vikar bin auch ich noch in der Lage einen Glückwunsch dar zu bringen. Ja heute sind es sechzig Jahr seitdem Sie als treuer Priester gewirkt haben. Und jetzt umstehen ihnen eine große Schar um sich mit Ihnen zu freuen wie sich's gebührt. Alles kommt heut heran Euch zu danken und zu gratulieren. Nur ich kann mich nicht sodann in Person bei ihnen repräsentieren. Ja, in Ihrem Freundes- und Kinderkreise nähme ich ja auch wohl gern ein Plätzchen ein. Möchte gern nach Ihrer Weise mich mit Ihnen hoch erfreuen. Jedoch das Geschick hat dies verwehrt. So genießet was euch am Festtag beschieden ist. Hoffe doch noch einstens [irgendwann] Ihre Freude zu vermehren. Im Jenseits, wenn vielleicht nicht mehr hienieden [auf Erden]. Im Geiste mit Euch vereint will ich zu Gott flehen das er es euch noch lange möchte verleihen ihrer so lieben Merfelder Gemeinde vorzustehen. Nach vollendetem Lebenslauf mögen sie neben Gottes Thron ihren Platz haben.

Gewidmet von Ihrem früheren Pfarrkinde

 

Clemens August Hünck genannt Diekämper

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den ? Okt. 1898

 

Lieber Wilhelm!

 

Deinen Brief vom 25 Juni habe ich am 12ten Juli erhalten. Nicht wahr, ihr habet geglaubt, es käme keine Antwort mehr. Es hat freilich schwer gehalten, aber jetzt soll es doch endlich was werden. Hatte immer was anderes zu tun. Fürs erste unseren besten Dank für die freundliche Einladung zur Hochzeit. Möchte dieselbe gern beiwohnen, aber das ist sehr umständlich, besonders so, weil wir das Geschäft an die Hand haben, welches man nicht so leicht andern anvertrauen kann. Ich möchte wohl mal gern meine ganze Familie meine alte Heimat zeigen und auch das ihr euch mal einmal im Leben sehen tätet, und mit einander ein wenig bekannt zu werden, aber da sind allerlei Hindernisse im Wege. Schreibe mir mal gleich wieder, um welche Zeit die Hochzeit sein soll im Frühjahr. Wilhelm soll diesen Winter noch mal die Hochschule besuchen, und ebenso soll Bertha eine Bildungsanstalt besuchen. Wilhelm geht in einigen Tagen und Bertha etwa am 1. Nov. Das wird wohl bis zum 1ten Juni dauern. Ich weiß recht nichts, wie wir damit fertig werden wollen, es sei denn, das sich die Gelegenheit besser bietet als jetzt voraussichtlich ist, und ihr die Hochzeit euch zu früh in Aussicht gestellt habet. Wie groß soll die Hochzeit wohl ungefähr werden? In Antwort zu deiner erstes Ankündigung vom 19 Juni will ich dir noch sagen: Hesker war etwa 10 Tage hier, und er hat seine Nichte Theresia und Neffen Heinrich besucht wo ich ihn hinfuhr. Seine Adresse lege ich bei. Er ist auf die Armfarm. Da haben es solche alte Leute besser als bei euch. Die müssen wohl jeder nach Kräften arbeiten, werden dann aber vollständig mit allem nötigen versorgt, gutes Essen und die beste Reinlichkeit. Es sind da große Gebäude und für die Armen, einfache Zimmer und Betten, aber äußerst reinlich. Von seiner Religion kann ich nicht viel sagen, doch soviel hat er mir gesagt, das wenn ein katholischer krank wird, kann er einen Priester haben, und kommt auch ab und zu einer dorthin, der da die hl. Messe ließt.

Na, wie hat denn die Mähmaschine gearbeitet?

Nun, den Verlauf des Krieges wirst du wohl gelesen haben, in den Dülmener Anzeiger kann man so schön vernehmen, wie ihr Deutsche es mit uns halten, ich habe das nicht für schön gehalten, weil die Deutschen sollten bedenken, wie viel von ihrem Überfluß an Bürger hier in America ein Unterkommen haben, und hätte schon deshalb ein wenig Mitgefühl für uns hegen können, aber die Vorliebe von Europa gegen Amerika ließ das wohl nicht zu. Ja, du hast Recht, das sich die Spanier gut gewehrt haben, aber das war auch wohl ein leichtes, wenn solche in eine Festung sitzen wie Santiago mit Carera und einer Flotte im Hafen, mit einer Mündung so klein, das nur 1 großes Schiff zur gleichen Zeit, ein oder ausfahren kann, aber im übrigen haben die Amerikaner den Spaniern mit samt dem Europa gezeigt wie sie so ganze Flotten der Spanien Armee in den Abgrund fahren lassen, und das noch ohne große Verluste. Freilich, eine so gut geschulte oder ein exerzierte Landarmee, wie ihr, haben wir nicht, und auch nicht nötig, so weit, aber zu Wasser heißen wir auch den deutschen Michel willkommen, sollte der mal gegen seinen Deutsch-Amerikaner auftreten wollen. Du sagst von Landung der Truppen zurückschlagen. Ha, was die Spanier für landen hielten war ja nur blindes landen, um das eigentliche landen am ausgelesenen Platz um so leichter zu machen. Dort sind wir nicht zurückgeschlagen worden. Du berufst dich auf den Waisenfreund, jawohl der ist auch gut und hat meistens auch richtige Ansichten, aber kann auch mal hie und da daneben greifen, und ist mitunter ein bißchen stark einseitig. Ich schicke dir heute mal ein O. Fallen? Hausfreund zu, da kannst du sehen, was der vom Waisenfreund hält. Nicht aber will ich hiermit sagen, das letzterer besser ist, o nein. Dieser letztere war früher ein katholischer Hausfreund, denn hat er mal Fehler gemacht, worüber der Waisenfreund sich beklagte, und mußte er aus dem kath. einen O. Fallen? Hausfreund machen, er wird in O. Fallen? gedruckt. Alles ist auch noch nicht Unrecht, was der vom Weisenfreund schreibt. Gut das der Krieg so weit beendigt ist, hoffentlich wird es lange so bleiben. Wilhelm hätte wegen sein Fuß nicht Soldat werden brauchen. Soweit man aber nur Freiwillige im Krieg haben will, und noch genug in Aussicht hat, falls noch welche gefehlt hätten. Es wundert mich zu erfahren, das der selige Vikar Dierking nicht mehr Vermögen hinterlassen hat. Du schreibst von W. P. wegen Rattenfieber, unser Pläsker hat sein Land verkauft, und ist nach Oregon gezogen, nicht in nächster, aber doch sonst in die Gegend wo Heinrich Küdde ist, etwa 2000 engl. Meilen von hier. Diesen Sommer ist Bernard Esselmann unser Stief- und Schwiegervater gestorben, und auch sein Bruder Franz Esselmann an einem Mittwoch und Bernard Esselmann den folgend Mittwoch, meine Frau war zum Begräbnis ihres Stiefvaters. Auch ist vor einer Woche dem Hermann Wesselman seine Frau gestorben (Gertrud Wesselman geb. Edelbrock). Auch ersehe ich das ihr ein großartige Anbau gemacht habt, konnten sich denn die Schweine wohl an solch feiner Wohnung gewöhnen? Es ist recht, wenn man was macht soll’s etwas Gutes sein. Hier jedoch werden wenig so köstliche Ställe gebaut. Wir haben auch diesen Sommer, ein Stück am Laden gebaut. 16 Fuß lang und 38 breit. Dies macht das ganze Gebäude etwas über 100 Fuß lang und 38 breit. Unser Laden ist jetzt 22 Fuß breit, und 62 Fuß lang, mit einem Nebenzimmer, oder teilweise Laden und teilweise Vorratszimmer, von 16 Fuß breit gegen 48 Fuß lang. Schicke mit der heutigen Post ein Bild von dem Laden, welches euch eine kleine Idee geben wird, wie es darin aussieht. Links hinter dem Glas Zigarrenkasten, werdet ihr mich wohl erkennen, weiter links an der Wage steht Wilhelm, der einem Bauer ein Sack Mehl verkauft hat, und andere Ware für ihn abwiegt. (Der Bauer ist unser Knecht Gertrud Hünck ihr Sohn August [Esselmann] ) Zur Rechten sitzt meine Frau mit dem Rudolf auf dem Schoß, und Clara auf einem Dreirad. Weiter zurück steht die Bertha, einem Mädchen in weißen Kleid ein Kleidermuster zeigend. Noch weiter zurück steht unsere Magd Maria Winkelman, einen kleinen Buben ein paar Schuhe zu verkaufen, und noch dahinter steht der Buttermacher, die Arme ausstreckend sich ein paar Hosen anzumessen. In der Mitte hinten wo das kleine Fenster zu sehen ist, ist das Postamtschalter und zu beiden Seiten sieht man die kleinen [Symbol für Kästchen], wo man die Briefe hineinlegt, jedes Kästchen hat seine Nummer. Diese werden [von uns in die Kästchen] versendet und sind mit Glas versehen, so das ein jeder selbst sehen kann, ob er was dort hat oder nicht, ausgetragen werden nämlich hier auf dem Lande die Briefe nicht. Ganz links hinten beim Fenster sitzt mein Buchhalter am Schreibtisch. Auf den Fußboden links stehen 3 Kisten, eine mit Eier, eine mit Zitronen und eine mit Apfelsinen. An den Seiten sind die Bänke für die Waren an die Wand aufgestellt, rechts für Ellenwaren, Kleider, Hüte u. Kappen, Schuhe und Kurzwaren, links für Porzellan und Glaswaren, Spezereien und Kolonialwaren, Medizinen, Gebackenes und Eingemachtes u.s.w., u.s.w. denn ist an beiden Seiten entlang eine sogenannte Tönelbank ? mit einem etwa 3 Fuß breiten Gang zwischen letzten und die Bänke. Der mittlere Raum ist für die Kunden bestimmt. In dem Vorratsraum tun wir die Waren nicht hinein, wenn sie ankommen und halten zum Verkauf darin Mehl. Pferdegeschirr Farmgerätschaften, wie Gabeln, Spaten, Harken, Hacken, Maschinen, Öle, Blechwaren und vieles andere allerlei gebräuchliche Sachen, und Eisenwaren. Rechts auf dem Tönelbänken ?, hier Countirs genannt, stehen lange Glaskästen zum vorzeigen von feineren Waren so wie Spitzen, seidenes Band, Damenhüte und Blumen. Links seht ihr diese Counters mit [Symbol für Kästchen] abgeteilt, alle Schubladen sind zur Kundenseite mit einem Glasende versehen, so das die Leute die darin befindlichen Waren sehen können. Der erste links hat 20 solche Schubladen jedoch nur 12 ganze sichtbar. Auch stehen noch 14 Fuß lange Bänke mit Waren in Kannen, Eingemachtes in Büchsen. Links, wovon nur ein kleines Stückchen zu sehen ist so auch rechts, sieht man die volle Länge nicht bei volle 16 Fuß. Die hellen Strahlen hinter den Lampen kommen von den 2 Hinterfenstern und das eine Seitenfenster. Bei der kleinen Strahle ? links sind 2 Schinken zu sehen, und links gleich daneben hängt ein Gerüst gefüllt mit Lampengläser. Die Türe links führt in das Vorratslager, und auch kann darin ein Durstiger gelabet werden. Hinter die Türe die in der Nähe von Wilhelm zu bemerken ist. Die Türe ganz hinten rechts führt ins Wohnhaus. Möchtet ihr mehr wissen, so möget ihr nur fragen, oder besser noch selbst zu sehen kommen. Nächst auf dem Counter links steht der gläserne Zigarrenkasten und nach dem ein Counter [Ladentisch] mit 25 Schubladen 10 große und 15 kleinere und noch einer ohne Schubladen. Das andere Bild ist eine Ansicht von das Innere unserer Kirche, oder ein Teil davon, wie ihr seht. Der Hochaltar mit den 2 Seitenaltärchen die Kommunionbank und etliche Stühle, oder Bänke. Auch sieht man den Kronleuchter, mit 6 Lampen mehr in der Mitte zu hängen, ein Geschenk von uns. Lege auch noch einige Bilder bei die wohl für sich selbst sprechen, was und wer sie sind. Wie ihr die Bilder verteilen wollt, mögt ihr nach eurem Gutachten entscheiden. Von den Laden möchten wir viel leicht eine Schankwirtschaft abzweigen, welche hier angebracht sein wird. Hier können sich die bekannten Leute sehen, aufhalten und verzehren. Ich hoffe, daß ihr es auch so denkt und für zweckmäßig haltet.

Die Ernte ist hier wieder ziemlich gut gewesen, wir haben diese Tage gedroschen 1107 Bus. Weizen. 766 Bus. Hafer und 112 Bus. Roggen. Somit haben wir für 1 Jahr wieder zu essen. Hoffentlich wird dieses alles nun mein langes Stillschweigen einigermaßen entschuldigen, und ich hoffe, von euch diesmal schneller zu hören.

Viele Grüße an alle, die nach uns fragen, besonders aber grüßt dich und deine Geliebte und nicht zu vergessen deine Eltern Euer wie immer

Clemens nebst Frau und Kinder.

Wie nur Carera sich eben aus dem Hafen heraus wagte, da habe man leichtes Spiel mit ihm gemacht. Da hätte ihn die Königin auch wohl gratulieren mögen als sie trat nachdem von Spaniern glücklich im Hafen angelangt war ohne vom Feinde überfallen zu sein, eben für das ihn die Amerikaner so zuvorkommend behandelt haben, denen die Spanier doch dem Namen Yänky-Schweine beigelegt hatten.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 8. Dez. 1899

 

To My lieber Wilhelm, Johanna und alle!

 

Ein Lebenszeichen zu geben ist wohl bald an der Zeit, ich will doch endlich mal wieder etwas von uns hören lassen. Also die Hochzeit ist ja gut verlaufen, auch wenn wir nicht dort waren, obschon ungeheuchelt ich gerne da gewesen wäre. Glaube schon, daß wir unter den Gästen recht oft den Gegenstand des Gespräches gewesen sind, zumal, da die vielen Bilder auch viel Anlaß dazu gewesen sein mögen. Wie du schreibst, hat sich Johanna schon ganz gewöhnt, nun wo echte Liebe Herrschaft, ist das ja auch leicht, und das wünschen wir auch nochmals von Herzen jetzt, und hoffentlich nächstes Jahr mündlich aus doppelter Ursache. Wenn uns sich nichts in den Weg stellt, so bin ich gesonnen, nächsten Sommer euch zu besuchen, und den Wilhelm und die Bertha mitbringen. Diesen Sommer hätte es nicht gut gegangen, weil ich hier kaum zu entbehren war des Kirchenbaues wegen. Hoffentlich habet ihr die Zeitungen Nordstern, wohl erhalten die darüber verhandelten. Nicht allein die deutsche Zeitung hat darüber geschrieben, sondern auch die englischen zu dessen Beweis ich euch heute eine davon schicken will, obschon ihr sie nicht lesen, so könnt ihr es doch sehen. 10/12.1899 Fortsetzung Der Dülmener Anzeiger blieb letzten Sommer auf einmal ganz aus, bis er jedoch vor etwa 2 Monaten sich wieder einstellte. War der [Dülmener Anzeiger] etwa krank, das er nicht ausgehen konnte? Am 4ten Juni 1900 wird eine extra Fahrt oder Rundreise angetreten, wozu eingeladen wird zur Teilnahme der Fahrt, wel che von einem gewissen Herrn V. Brünner geleitet wird. Diese Gesellschaft wird am 10 Juni 1900 von New York abfahren, am 15 in London (England) sein bis zum 18, von da am 19 in Rotterdam, am 20 in Antwerpen, am 21 in Brüssel. Vom 22 bis zum 27 in Paris zur Weltausstellung, von da nach Basel, am 28 in Baden, am 29 nach Zürich, am 30 nach Luzern bis zum 1 Juli. Am 2ten Juli nach Vitznau, am 3ten nach Einsiedeln, am 4. wieder nach Zürich per See, und von da über Murnau nach Oberammergau in Bayern, wo nächstes Jahr das Passionsspiel "Leben u. Leiden unseres Herrn" aufgeführt wird. Am 7ten nach München, am 8 nach Stuttgart, am 9 nach Heidelberg, am 10 nach Mainz oder Mainz. Von dort per Dampfer den Rhein herunter, um am 12ten in Koblenz zu sein, um dort den Ehrenbreitenstein zu besuchen, das Wilhelms Denkmal, Festungen, die Rheinanlagen und die in das nähe gelegene Arensburg so wunderschöne kleine Kirche zu sehen: Ich habe diese schon gesehen. Gerade wie hier, werden auch auf den andern Plätzen die vornehmsten Sehenswürdigkeiten besichtigt. Von da nach Königswinter am Fuße des Drachenfels, über Bonn nach Köln und von da über Düsseldorf nach Dülmen. In Köln löset sich diese Gesellschaft auf, und kann ein jeder reisen, wo er will, und zu irgend einer Zeit wieder über den Ozean nach Amerika fahren. Für die Rückfahrt auf dem Schiffen ist das Billet für 1 Jahr gut. Auf dem Schiffen wird da 2te Kajüte und auf dem Bahnen in Deutschland 2te Klasse gereist, und auf den Schiffen mit Beköstigung. Der Preis für diese Fahrt ist a Person $ 175,00 oder beiläufig so viel. Wenn wir da nun mit fahren sollten, so wäre es ganz schön, wenn du, oder du und Frau, Vater, oder auch irgend andere sich unser anschließen würden, am 19ten Juni in Rotterdam. Von da aus bis zurück nach Köln würde unser Brünner $ 52 a Person berechnen. Auch könnten wir uns in Paris treffen, da könntet ihr einige Tage vor uns dort sein, weil eben unsere 4 Tage da für auch kaum genügen würden, weil ich eben schon die Weltausstellung in 1893 in Chicago gesehen habe sind mir 4 Tage genügend. Das wäre mal eine schöne Reise für euch, nur was zu sehen, und so eine schöne Landschaft zu bereisen. Jetzt schreibe mir mal gleich wieder, was ihr hiervon denkt, und warte nicht so lange, als ich es leider getan habe. Die Zeit wird schon bald verlaufen, um nicht mehr so gar manche Briefe wechseln zu können, und so ganz unerwartet wollet ihr uns ja nicht gerne kommen haben. Schließlich nun wünschen wir euch allen ein recht fröhliches "Weihnachtsfest" und ein "Glückliches Neujahr" wie auch allen denen die nach uns fragen. Nun halte dich nicht zu lange in der Großstadt New York auf, so wirst du den Gruß noch rechtzeitig überbringen.

Clemens Frau und Kinder

Unser Brünner verspricht die Hotelkosten in Deutschland für ½ Preis für seine Gesellschaft zu bekommen.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 13. Dez. 1899

 

To Wilhelm Diekämper,

 

Merfeld bei Dülmen In reply to yours of den 26ten November. Gerade als ich am Morgen den 12ten (nicht der 21 wie ich irrtümlicher Weise im Poststempel gesetzt hatte) dieses, den Brief an euch abgesandt hatte, kam abends mit der Post ein Brief von dir zurück, auf den ich denn auch gleich antworten will. Ja der Neubau der Kirche war viel Schuld, hätte doch so viel Zeit nehmen können um zu schreiben, wenn es nicht immer so dabei geblieben wäre. Den Hermann Est (nicht Aloys) kann ich mich recht gut erinnern, habe ihm gleich auf sein Schreiben geantwortet. Wegen den Besuch habe ich gestern berichtet, nur warte ich auf deine Antwort und Zusage. Wie ich sehe und hoffe, werdet ihr wohl noch eine recht gute Wiese bekommen aus die trockenen Bültens, wie sie doch früher nur waren. Die Ernte ist auch hier gut gewesen jedoch nicht so über alle Maßen, wie bei euch, der Preis ist nur noch zu niedrig. Wir haben so ungefähr 625 Bushel Weizen 650 Hafer 200 Roggen und 700 Bushel Mais. Kartoffeln haben wir auch mehr, als wir essen können. Pferde haben wir jetzt 6, Kühe sind 8 und 15 Schweine. Hatte mehr als die Hälfte unseres Landes verpachtet dieses Jahr. Auch Heu und Stroh haben wir mehr als wir gebrauchen können. Die Photographie von Overhage kam auch mit dem Brief an. Ich sah diese, ehe ich den Brief las, die Frau habe ich als eine Marschall erkannt, dachte aber es sei Frau Bontrup, den Mann kannte ich nicht, weiß nicht das ich ja einer von beiden gesehen habe. Das ist ja ein recht schönes Bild, die Kinder sehen alle recht munter (aufgeweckt) aus. Ich freue mich daran. Bitte die Grüße zu erwidern, wenn sich die Gelegenheit bietet. Die Ansichtskarten von Dülmen sind schön, zum Teil recht wohl bekannt, und zum Teil aber auch ganz fremd. Das Schloß, die Buddentürme, und der alte ehrwürdige Kirchturm sind mir freilich unvergeßlich. Die Lüdinghausener Straße ist wohl vom Kirchturm aufgenommen. Seit wann steht denn das Kriegerdenkmal? Von Buldern würde ich fast nichts mehr kennen als die alte Kirche, besonders den so schön geformten Turm? So jetzt im Glauben das Versäumte teilweise nachgeholt zu haben, will ich hiermit schließen unter nochmaligen vielen Grüßen und ein fröhliche Weihnachten und ein herzliches

"Prosit-Neujahr" Euch, und alle die nach mir fragen, wünscht   C. A. Hünck.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 2. Feb. 1900

 

To Wilhelm Diekämper Merfeld

 

In reply to yours of Jan 15th Deinen lieben Brief vorgestern am 31 Jan. erhalten. Es freut uns zu erfahren, das ihr alle noch gesund seid, so auch wir. Auch besonders was für April in Aussicht steht, hat mich überrascht. Ich dachte noch früh genug zu kommen, um etwa Taufpate zu werden, wie ich ja wohl in ein wenig weitreichenden Worten andeutete in meinem letzten Brief. Das ich überhaupt mit die Brünners Gesellschaft von hier reisen wollte, hatte ich schon vor meinem Brief nicht darauf gerechnet, wohl aber um mich in Rotterdam oder Paris ihm anzuschließen. Ich schrieb nur so an euch, um mal zu erfahren, wie der Wind wohl weht für dich, die Reise mit uns zu machen. Ich wollte schon erst zu euch kommen, da ich doch all unser Gepäck nicht die ganze Reise mitnehmen wollte. Ich war so willens Anfangs Mai abzureisen, könnte aber auch wohl schon etwas früher reisen, aber bis Mai wird es bald dauern. Wir sind mit dem sähen fertig im Mai, aber das kann auch wohl ohne mich geschehen, denn helfen tue ich doch nichts, wohl zusehen, das alles recht wird.

Ich habe heute an Herrn Dienslage geschrieben, um seine Reiseprospekte. Wundere, ob man da auch mit einem gewissen Zuge und Gesellschaft die Reise machen muß, oder ob man in irgend einem Platz absteigen kann um zu verweilen oder nicht. Möchte gerne fahren, wie es mir paßt, nicht wie denen es paßt. Aber was habe ich da gesagt von Taufpate, da müßt ihr mir verzeihen, da bin ich ja nicht an der Reihe, und würde ja da deine Eltern zuvorkommen mit unverschämte Ideen, also ab davon, wir werden kommen so früh als wir können, um dir die beste möglichste Gelegenheit zu geben, die Süddeutsche Reise mit uns zu machen. Du schreibst, daß deine liebe Frau sage, du möchtest "Malheur" bekommen, wenn du 3-4 Wochen fort gehst, was soll denn da meine Frau sagen, wenn ich 3-4 Monate fort gehe, da ist ja viel mehr Zeit und Gelegenheit, um "Malheur" zu bekommen. Malheur kann man im "Bett" auch bekommen, aber da muß und kann man nicht mit rechnen, ein Unglück ("Malheur") kann man ja überall bekommen, das müssen wir dem lieben Gott anheim stellen. Das der Vater sagt, daß das zu viel kostet, kann ich mir schon denken, aber ihr habet ja auch Geld genug um so eine kleine Reise zu machen, wenn wir tot sind, kann man es [Geld] auch nicht mehr gebrauchen, es sei denn, man könne sich den Himmel dafür kaufen, aber es scheint, niemand kriegt da viel um es mitzunehmen, weil der Gedanke ja auch eben "Torheit" wäre. Nun wir wollen mal erst warten, ob wir auch wirklich in den Himmel kommen, "der Mensch denkt und Gott lenkt."

Das Antoniusfest haben wir hier bei Anton Struffert [* Duelmen 1852 / 1867 ausgew.] gefeiert. Du schreibst von Anton Frerick mein alter Schulkollege, sein Name sei auf dem Kriegerdenkmal verzeichnet. Letzten Herbst war einer hier bei mir, der sagte, das Anton [Frerick] sein Nebenmann im Krieg gewesen sei, als er fiel. Dieser Mann heißt [Bernard Heinrich] Klaverkamp [* Drensteinfurt 1863 / 1889 ausgew.], er wohnt etwa 1 ½ Stunde von St. Cloud. Er sagte, beide Nebenmänner von ihm seien an seiner Seite gefallen.

Der Dülmener Anzeiger ist wenigstens in 3 Monaten nicht erschienen, auch nicht ein einziges mal, und somit nehme ich unbedingt an, das derselbe nicht abgesandt wurde wie gewöhnlich. Für einzelne Male möchte man das annehmen, aber nicht über 3 Monate an einem Stück, und um denn von selbst wieder regelmäßig zu werden. Lege den gewünschten Umschlag hier bei. Ich dachte halberlei, daß der Waisenfreund möchte bei euch ausgeblieben sein, daß das etwa die Ursache sein möchte, man verführet mich aber, das der noch immer seinen Glanz regelmäßig halte, und somit habe ich ruhig das weitere abgewartet.

Nun noch wegen die Reisekosten scheint mir aber auch teurer zu sein, das die 4 Tage mehr in Paris 55 Mark kosten soll, das wäre ja 11 Mark pro Tag Hotelkosten, wäre das nicht auch viel? Habe schon 2 Knechte für nächsten Sommer gedungen nur brauche ich noch einen guten Ladendiener das wird wohl am schlimmsten sein den zu finden. Fange aber jetzt noch heute abend an um an einen zu schreiben, die Zeit wird bald vergehen. Hiermit will ich für diesmal schließen und wünschen euch viel Glück zu dem bevorstehenden und wird hoffentlich alles gut verlaufen. Erwarte recht bald wieder von euch zu hören.

Clemens

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den ? März 1900

 

To Wilhelm Diekamper Merfeld

 

 In reply to yours of the 4th inst. In Antwort zu deinem Schreiben vom 4ten dieses Monats welches ich am 20ten erhielt will ich sagen das alle Vorkehrungen soweit getroffen sind und wenn weiter sich nichts in den Weg stellt so werden wir 3 am 16ten oder 17ten April von hier durch Kanada nach Portland im Staate Maine fahren, um von dort aus den Dampfer „Tunisian“ benutzend am 21ten abfahren, an der Insel Irland vorbei, nach Liverpool in England. Von Liverpool per Eisenbahn durch England nach London, und dann jedenfalls von London nach Bremen oder Hamburg. Dieses wird etwas länger dauern, als von New York nach Bremen direkt [?] aber möchte bei dieser Gelegenheit diese Länder und Plätze auch bereisen, zumal, da der Fahrpreis nicht höher zu stehen kommt, mit Ausnahme, was es mehr kostet, um uns in verschiedenen Plätze aufzuhalten. Wenn wir nun gerade ankommen werden, läßt sich nicht genau sagen, aber wenn es geht, werde ich auch von irgend wo aus berichten, so gut ich kann, um welche Zeit wir in Dülmen eintreffen werden soweit ich es jetzt berechnen kann, möchte es vom 3 bis 5 May treffen. Nach Umständen auch länger, weil ich nicht gerade auf das schnellste durchkommen rechne, weil wir auch etwas besehen möchten, wo wir durchkommen. Sprechen können wir mit die Leute ja überall, wo wir durchkommen. Tuet auch uns keine besondere Mühe an, um unser Kommen etwa an alle Züge zu erwarten, ich werde euch wohl früh genug schreiben von irgend her. Solltet ihr nicht in Dülmen sein, um uns abzuholen, so finden wir uns wohl hin, das wißt ihr ja! Ich will noch bemerken, daß der Dampfer Tunisian zu der Allan Dampfschiff Linien oder Gesellschaft gehört, mit Hauptquartier in Glasgow Schottland. Nun bis dahin. Mündlich mehr.

 

Mit bestem Gruß an euch allen von uns allen Clemens.

 

Hoffen zu Gott, daß wir euch alle in der besten Gesundheit antreffen werden.

 

 

Bericht in MN „Tägliche Volkszeitung“ vom Mittwoch den 11.4.1900

Duelm, Benton County

 

Und ein Duelmer Geschäftsmann.

 

Duelm, in Benton County, Minnesota gelegen, ist ein blühendes Landstädtchen und verdankt dies der eifrigen, sparsamen Tätigkeit der umgebenden Farmerbevölkerung, die zum großen Teile natürlich aus Deutschen besteht. Wo sich Deutsche auf dem fruchtbaren Boden Minnesotas niederlassen, da wird bald der jungfräuliche Boden zum blühenden Garten und die Scheunen füllen sich bald mit den Früchten des Feldes, zahlreicher werden die Herden der Milch gebenden Kühe, auf den kleinen Flecken wachsen geschäftige blühende Städtchen heran, in denen Handel und Wandel blüht und grünt. Schulen und Kirchen werden gebaut und der Wohlstand sammelt sich in Kisten und Truhen. So auch in Duelm. Erst vor wenigen Monaten wurde dort eine neue schöne große Kirche in den Dienst Gottes gestellt und durch den hochwürdigen Bischof Trobec von St. Gloud dem Herrn geweiht. Bei dieser Gelegenheit pries der Oberhirte der Gemeinde den Opfersinn aller, die in Einmütigkeit den Bau gefördert und aus eigenen Mitteln solche Opfer gebracht, die es ermöglichten, den Bau in so kurzer Zeit fertig zu stellen.

Einer der leitenden Männer Duelms ist Herr Clemens A. Hunck. Er hat wie wohl kein anderer zum Gedeihen von Duelm sein Bestes beigetragen und kann heute mit Stolz auf die Früchte seiner Tätigkeit zurück blicken. Im Jahre 1846 zu Dülmen in Westfalen geboren, verließ er, 18 [28.J.] Jahre alt die rote Erde, um sich nach Amerika zu begeben, wo er sich zuerst in Wisconsin niederließ, um dann 1876 nach dem jetzigen Duelm überzusiedeln, wo er ein Geschäft mit gemischten Waren begann. Fleiß und Ausdauer, Sparsamkeit und strenge Gerechtigkeit halfen ihm die schwere Zeit der ersten Jahre zu überwinden. Die Gegend wurde nach und nach mehr besiedelt und aus dem kleinen Flecken wurde bald ein ansehnliches Städtchen, dessen Seele Herr Hunck wurde und blieb. Er war Postmeister, Schatzmeister des Townships, des Schuldistriktes und vertrat seinen Distrikt zwei Jahre lang in der Legislatur des Staates Minnesota und erwarb sich in allen Stellungen Verdienste, die seine Konstituenten anerkennen und rühmen. Außer seinem Geschäfte steht er noch einer großen Molkerei und Butterfabrik vor, die vor einigen Jahren in Duelm von einigen Personen errichtet wurde. Unter seiner Leitung hat sich das Produkt der Duelmer Molkerei einen vorzüglichen Namen auf den Muttermarkte New Yorks erworben, so daß Duelmer Butter dort stets einen hohen Preis erzielt. Dem Opfersinn von Herrn Hunck hat es die St. Lorenzgemeinde in Duelm zum größten Teile zu verdanken, daß sie jetzt im Besitz eines so hübschen Gotteshauses ist.

Herr Hunck ist jetzt im Begriffe, seiner alten Heimat in Westfalen einen Besuch abzustatten. Sein Sohn [Wilhelm] und seine Tochter [Bertha] werden ihn auf dieser Reise begleiten, um zu sehen, an welcher Stätte ihr Vater das Licht der Welt erblickt hat. Dann wird die Reise weiter gehen um die bedeutendsten Plätze Deutschlands in Augenschein zu nehmen. Oberammergau zu sehen und das berühmte Passionsspiel. Selbstverständlich darf auch die Weltausstellung [in Paris] nicht vergessen werden. Herr Hunck erwartet nicht von seiner Erholungsreise vor dem Herbst zurückzukehren und ist ihm dieses Vergnügen nach einer Reihe von Jahren, die voll Mühe und Arbeit gewesen, von Herzen zu gönnen. Wenn er in seiner alten Heimat ist, wird er sicher seinen Landsleuten erzählen von dem schönen Klima Minnesotas, von seinen Seen, seinen Wäldern, seinen reichen Farmen und der Gelegenheit die sich hier in unserem Staate noch immer bietet für den fleißigen und sparsamen Ackersmann, wie hier auch er zu Wohlstand und Ansehen gelangen kann, wie vor ihm schon andere getan. Alles das und noch mehr kann Herr Hunck erzählen und seine Zuhörer werden nur die Wahrheit zu hören bekommen, wenn auch diese für manche der Söhne Westfalens etwas abenteuerlich klingen mag. Doch zu viel kann er nicht zum Lobe Minnesotas sagen, denn kein Staat in der Union bietet so viele Vorteile für neue Ansiedler, als Minnesota, und Herr Hunck braucht zum Beweise für seine Behauptungen nur auf sich selbst zu verweisen.

 

 

 

London, den 3 Mai 1900

 

Lieber Wilhelm!

 

Lasse euch hierbei wissen, das wir London morgen (Freitag) abends 8.30 Uhr hier abfahren um Samstag morgen in Rotterdam einzutreffen. Wenn es geht, werden wir über Coesfeld nach Dülmen kommen, oder wenn das nicht, so kämen wir über Haltern. Welche Zeit kann ich leider nicht genau sagen, hoffe Samstag in Dülmen eintreffen zu können, und wenn das nicht klappt, so kommen wir sobald als möglich. Clemens Esselman ist bei uns, und haben wir 3 größere Koffer bei uns nebst kleines Handgepäck. Die Reise haben wir sehr gut überstanden, nur hat es einige Tage länger auf dem Ozean gedauert, als ich dachte, jedoch war der alte Teich ruhiger, als auf irgend einer Fahrt, die ich noch gemacht habe. Hoffe das euch allen dieses Schreiben in so guter Gesundheit antrifft, wie es uns verläßt.

Mündlich mehr.

Euer Bruder Schwager Onkel Clemens

Möchte gerne mit dem Nachmittagszuge eintreffen.

 

 

Kastel, den 6 Juni 1900

 

 Lieber Oheim und Tante!

 

Ich setze mich hin um euch nach langem Zögern ein [unleserlich??] zu schreiben. Ich habe das Paket und den Brief erhalten, ich danke euch herzlich dafür. Lieber Wilhelm [Diekemper], ich kann dir die Bilder jetzt nicht besorgen, denn morgen früh rücken wir aus nach Darmstadt und die [unleserlich] haben wir [unleserlich??] wie an [unleserlich??] Tagen. Viele Grüße an Euch alle besonders an deinen Oheim. [die Umschrift ist schwer zu lesen.]  Oben von der Höhe des Dom-Turmes rufe ich aus Köln Vivat-Vivat zu dem 1ten "Jahrestage" des glücklichen Tages eurer Vermählung am 13.6.1899. Köln, den 13 Juni 1900. Alles wohl. C. A. Hünck.  

 

 

Koblenz, den 14. Juni 1900

 

Liebe Angehörigen!

 

Sind hier gestern abend angekommen, hier ist es schön. Heute waren wir Augenzeugen einer sehr großen und außerordentlich schönen Prozession. Nun bei euch wird es auch schön gewesen sein. Gerade Mittag nach der Prozession stellt sich Regen ein. Haben gestern im Zuge von Köln ab 12.50 das Fernglas vergessen. Habe es zur Anzeige gebracht, und falls es gefunden wird, habe ich es an euch zu senden bestellt. Bitte etwaige Kosten zu zahlen. Bertha hat ihr Photographie Kasten vergessen mitzunehmen, bitte mir denselben sorgfältig zu verpacken und nebst ein paar von meinen wollene Strümpfe nach Basel per Post schicken zu wollen. Das Ding liegt in Bertha ihren Koffer, nur der Kasten nicht etwa das Gestelle braucht gesandt werden. Bitte aber gleich zu senden, sonst möchten wir eher durch sein. Gedenke noch einige Tage hier zu bleiben. Möchte auch die Karte haben, die ich, ich glaube in eine der Schubladen im Schreibpult in der Eßstube gelassen habe, von einem Pariser Hotel die schon mal von dort an Brünner in Amerika in Rue Straßburg geschickt wurden. Es ist ein kurzer Deutscher Name.

Mit Gruß der "Ohm" und Wilhelm, Bertha

 

 

Koblenz, den 16. Juni 1900

 

Liebe Angehörigen!

 

Habe die 2 Bücher erhalten. Werden morgen früh von hier reisen, wenn wir nicht bessere Fortschritte machen, werden wir am 8ten Juli kaum in Oberammergau eintreffen können. Heute noch das Schloß besichtigen, und morgen mittag zur schönen Kirche in Cronnberg oder Oelberg, oder rote Hahn. Habe Esselman alles erklärt, er soll sich das Billet von dir holen oder schicken lassen, falls er es gebrauchen will. Die erlauben ihm 3ter Klasse zu fahren, muß sich dann aber impfen lassen, das fehlte ihm eigentlich wohl ganz nötig. Traf hier meinen alten Feldwebel, eine Wirtschaft führend, wie froh war der, wie ich auch, er war immer gut. Wenn du schreibst, so adressiere bis zum 23ten nach Rom postlagernd, nachdem nach Oberammergau bis zum 6ten Juli, so sage auch dem Ernst [Sievers] werde ihm etwa nötige Marken auslagen vergüten. Nichts besonderes Neues,

Gruß an euch alle und alle die nach uns fragen.

 

"Ohm" C. A. Hunck

 

 

Heidelberg, den [19. 6. 1900]

 

Gruß aus Heidelberg von C. A. Hunck, Wilhelm [Hunck] u. Bertha [Hunck]. Alles ist wohl auf. Wetter schön. Morgen fahren wir nach Basel. Den 19ten Juni 1900 Gruß von C. A. Hunck, Wilhelm [Hunck] und Bertha [Hunck]. Alles wohl.

 

 

HÔTEL DU CAPITOLE
                 ET
           PENSION
          Pietro Girani
               Rome

Rom 20th Juni 1900

Liebe Johanna.

Deinen lieben Brief erhalten, es hat mich sehr gefreut, daß du mir so schnell wieder schreibst. Wir sind Samstag den 24.Juni hier angelangt, es ist wohl sehr heiß hier, aber ich denk ich werde es schon aushalten können, am Abend ist es unbegreiflich warm, ich schwitze hier beim Schreiben. Es wird jetzt die nächsten zwei Monaten erst recht warm.

Liebe Johanna mache dich keinen Sorgen um mich, den es geht mir ganz gut, bloß manchesmal ein wenig müde vom herumlaufen. Wie die Dame dir erzählt hat mag schon wahr sein, aber siehe, den unterschied zwischen einen Pilgerzug und uns, die müssen unter Befehle gehen, wir aber können gehen und kommen wen wir wollen, was einen großen unterschied macht.

Warte nur, biß ich wieder Heim komme dann geht es dir schlecht, liebe Nichte, daß du Anton den Brief zum lesen gabst, du ungehorsames Geschöpf  ha ha  ich hoffe daß du dich in diesen Fall bei der Exersietzien besserst

Dem Anton wird daß üben wohl schwer fallen bei dieser Hitze, wir haben ihn eine Karte von hier zugesandt.

Das läst sich ja hören, von Elise Rathmann und ihrem Bernard, sage ihr nur sie sollte nur so lang warten biß ich wieder komme. ich möchte auch mal gerne eine deutsche Hochzeit mitmachen, wie du schreibst hat er immer gute Entschuldigungen wenn er kommt  In Coblenz haben wir noch den letzen Abend vergnügte Stunden gehabt, wir waren die Rhein Anlage etwa eine Stunde lang entlangt gegangen, und waren nahe bei dem Hause des Vaters Freund, dem Feldwebel  dann kehrten wir dort ein, und es kamen noch 4 oder fünf andere den er hat da eine Wirtschaft, biß wir Heim gehen wollten da ging es noch lustig her, wir haben getanzt und Wein getrunken von ½11 biß ½1  da ging es Heim, es gingen zwei junge Herrn mit uns, und da mußten sie noch in eine Wirtschaft gehen, so war es schon bereits ½2 Uhr wie wir am Hotel ankamen.

Wir waren heute Morgen in eine Kirche, wo keinen einzigen Sitz drin wahr, die Leute mußten alle stehen, das war fürchterlich und so warm das man die ganze Zeit schwitzen mußte. Dem heiligen Vater, gedenken wir am 27ten zu sehen bekommen den es kommt eine Pilgerzug aus der Schweiz.

Die Schweiz ist eine prachtvolle Gegend für durch zu reisen, aber um da zu wohnen, Nein ich nicht, es ist ja einen Berg am anderen  man fährt von einen Tunnel ihm andern, die Leute sind sehr arm da, bald gar kein Land und wohnen in so elendige Hüten zwischen den Bergen, und sogar oben auf die Berge oder an der Seite.

In Rom sind auch viele arme Leute, wenn man aus die Kirche kommt, so strömen sie von allen Seiten herbei und bitten für ein Almosen.

Wie ist es jetzt mit die Elize  ist sie wieder gesund?

Ich will jetzt mein schreiben schließen mit vielen Grüßen an alle besonders an dir und Wilhelm von uns alle  auch Grüße deine Leute von uns.

Verbleibe ich

Deine Nichte

Bertha Hunck.

Schreibe bald wieder, Adresse den nächsten Brief nach Oberammergau.

Ich danke dir vielmals, daß du mir meine Kleider geschickt hast.

Bitte die Fehler                                  Lebe wohl biß
zu Entschuldigen.                                         Wiedersehn

 

 

Basel, den 20 Juni 1900

 

Lieber Wilhelm, Johanna, Bruder u. Schwägerin,

 

heute nachmittag hier angekommen. Paket und Briefe waren hier. Die Briefe die du nach Koblenz geschickt hast, habe ich nicht bekommen wohl aber das Heft und Radfahrerbuch. Vielleicht hast du die Briefe damit eingepackt ohne extra Postgeld zu zahlen. Wenn du die Briefe nicht abnimst vom [Briefträger] Ernst [Sievers], so kann er sie im deutschen Reich weiter befördern ohne extra Marke. Was jetzt da ist magst du noch nach Rom schicken aber sonst lieber nach Oberammergau. Da wird am 8ten das Spiel aufgeführt, wo wir zu sein gedenken. Was am 8ten nicht dort ist, bekommen ich nicht mehr dort. Schicke dir heute das Kistchen gefüllt wieder zurück zum aufheben, können alles nicht gut mit schleppen. Gerade schau ich zum Fenster hinaus sehe ich 3 Störche auf einem großen Nest auf dem Schornstein stehen. In Koblenz habe ich noch etliche alte Bekannte gefunden. Unser Feldwebel und auch unsere alte Köchin im Schloß. Es ist mir leid, das wir den Brunner nicht noch getroffen haben. Wäre er nur gleich nach Koblenz nachgekommen.

Mit Gruß an euch alle

 

C. A. Hunck, Wilhelm u. Bertha

 

 

Rom, den 27. Juni 1900

 

Deinen Brief vom 23ten habe ich gerade zur Hand. Habe die anderen Briefe noch nicht bekommen und auch nicht jene, die in dem Kistchen waren. Habe mich nicht in Dülmen beschwert, sondern nur am Postamt in Koblenz geschrieben wegen dieser Briefe, um sie nach Oberammergau zu schicken, falls sie angekommen seien. Wir kamen am Samstag den 23ten hier an. Waren gestern zur h. Beichte und Kommunion. Wir haben schon vieles gesehen, wovon ich nie vorher dacht habe. Rom ist reich an h. Reliquien und auch Altertümer, könnte man nur alles behalten, was es hier wichtiges gibt. Wir haben uns einen Führer angeschafft, von der Päpstlichen Garde ein deutscher Schweitzer, erwarte ihn wieder in 20 Minuten, um weiter zu fahren. Wir wären wohl heute ungefähr fertig mit dem Wichtigsten, möchte aber gerne den Pabst sehen, zu welchem es bis dahin noch keine Gelegenheit gab. Die Pilgerzüge haben aufgehört, bis zum nächsten Herbst, wenn es wieder kühler wird. Es ist gar warm hier, jedoch nicht ganz unerträglich, von 10 bis 4 Uhr ist man besser im Schatten. Ich habe meinen früheren Bischof Otto Zardetti (jetzt Erzbischof und Monsignore) hier besucht, er war froh, mal von Amerika (St. Cloud) zu hören. Das Agnus Dei habe ich noch nicht, es wird nur an gewissen Tagen von 10-12 Uhr zu haben sein, vielleicht noch in dieser Woche. Werde es bringen, wenn es eben möglich ist. Unsere Amerika-Gesellschaft wird am 3ten Juli in Luzern eintreffen, hoffe sie dort zu begegnen. In Oberammergau ist das Passionsspiel am 8 Juli so sende bitte nichts dorthin, was nicht sicher am 8 dort sein könnte. Hätte bald die Bemerkung auf der Rückseite deines Briefes nicht gesehen, habe Anton Frerick eine Karte nach Berlin gesandt, wenn er sie wünscht, muß er sich dort hin wenden. Ich habe keine Steuer zahlen brauchen an dem Photokasten. Wir sind noch recht gesund und hoffe selbiges von euch allen. Es wird einen Pilgerzug heute abend hier erwartet wo man glaubt das der Pabst denen eine Audienz verleihen wird. Auch wird erwartet das solche am h. Peter und Pauls Feste gegeben wird in dem Petersdom.

Wir warten darauf und wenn solches der Fall ist, so werde ich vom Erzbischof Mons. Otto Zardetti eine Zutrittskarte bekommen.

Mit Gruß an alle

 

Clemens, Wilhelm u. Bertha

 

 

Rom, den 27. 6. 1900

 

Gruß aus Rom,

C. A. Hunck, Wilhelm und Bertha.

Am 2 oder 3ten Juli soll nun die päpstliche Audienz sein. Werde dieses Bild mündlich näher erklären. "Agnus Dei" ist besorgt. Gruß Clemens August Hunck. 30. 6.1900

 

 

Rom, den 2. Juli 1900

 

Hatten heute die hohe Ehre, Seine Heiligkeit (den Pabst) zu einer privaten Audienz sehen zu dürfen. Werden heute Abend hier abfahren mit der größten Zufriedenheit und eine unvergessene Erinnerung mitnehmen.

Mit Gruß an alle und alle die nach uns fragen. C. A. Hunck. W. u. B.  

 

 

Rom, den [3. 7. 1900]

 

Gruß aus Rom. Dieses stellt das heilige Tor vor, daß nur der Pabst alle 25 oder 100 Jahre selbst öffnet darf. C. A. Hünck, W. u. B.

 

 

5. 7. 1900

 

Bitte meine Briefe nach Paris, Hotel Kuder, No. 5 Rue de Straßburg, zu senden. Gruß an Alle. C. A. Hunck, W. u. B.

 

 

Oberammergau, den 8. Juli 1900

 

Liebe Angehörigen!

 

Habe den Brief am 5 Juli wie auch den nach Rom erhalten. Werde auch wieder ein Paket schicken. Wir haben die 10 Briefe die nach Koblenz geschickt waren noch nicht bekommen. Wir gehen von hier nach Paris und werden wir wohl nächste Woche (gegen Mitte oder Ende) wieder bei euch ankommen. Morgen geht es nach München. Jungmann hat aus Schonnebeck geschrieben ihm doch nicht zu vergessen. Werden also bei der Rückkehr dort vorsprechen und euch von dort berichten, wenn wir vielleicht in Dülmen ankommen.

Das Klima in Rom war sehr heiß aber ich denke doch das es uns nicht geschadet hat. Seit das wir in der Schweiz und Tirol waren, war es gar kühl und hätte uns beinahe gefroren, und gestern und heute hat uns förmlich gefroren. Zur Verstellung hatte ich beide Röcke an und die Bettdecke zum über die Knie zu hängen mitgenommen weil ich gar zu leicht bekleidet war für dieses Klima. Der Schnee hängt hier in den Bergen herum und unten regnet es.

Mündlich mehr.

Mit Gruß an alle Clemens

Sei vorsichtig beim auspacken, es ist ein sehr zerbrechliches Spinnrad darin. Wenn ich es hoffentlich darin einpacken kann.

 

 

München, den 10 Juli 1900

 

Liebe Johanna,

 

deinen lieben Brief habe ich in Oberammergau guter Gesundheit erhalten. Hätte ihn aber bald nicht mehr bekommen und der Brief war nicht da mit den andern, es war noch ein Glück daß wir noch einmal nachfragten. Die Karten haben wir auch erhalten. Besten Dank dafür.

Ihr seid ja gut und fromm gewesen, um die Andacht in Kevelar auch mitzumachen, ich wollte ich hätte auch mit euch zusammensein können.

Wir sind gestern von Oberammergau hier her gekommen, das Passionsspiel war etwas außerordentliches schönes, etwas wunderbares. Ich werde es nie in meinem Leben vergessen, ich wünsche nur daß du es gesehen hättest. Wir sind am 2 Juli von Rom nach Luzern gereist nachdem wir daß große Glück hatten den heiligen Vater zu sehen, ich werde Rom nie mehr vergessen, hatten eine sehr gute Zeit dort, bloß den einen Fehler, das es zu heiß war. Werde mehr erzählen wenn ich heim komme. In Luzern haben wir uns der Gesellschaft angeschlossen, bis hier, und ich bin so froh das wir sie wieder verlassen haben, es glaubt mir keiner wie froh ich bin, denn mit so einer Gesellschaft ist es kein Vergnügen zu reisen, es tut mir sehr leid für den Führer von die Gesellschaft, denn er ist ein guter Mann, ich kann dir jetzt nicht alles schreiben, denn es wird zu lang. Du fragst in deinem Brief ob ich mich auch schon einen aus gesucht hätte, somit liebe Johanna will ich es dir ganz frei sagen das ich mich in Italien bald mit einer von den schönen Männern verliebt hatte, denn da sind überhaupt solche schönen [unleserlich] daß ist mir noch gar nicht eingefallen außerdem kann es sein, daß ich noch einen in Paris finde.

Ich habe mich auch in Rom photographieren lassen in den Anzug den ich an hatte, um den heiligen Vater zu sehen, wir müssen ganz schwarz angekleidet sein, und ich hatte kein schwarzes Kleid bei mir. So habe ich die Frau vom Hotel ihr Kleid an gehabt, welches mir ein wenig zu klein war, aber es geht alles in der Not, und einen schwarzen Schleier auf dem Kopf. Am Feste Peter und Paul war ein schöner Gottesdienst in der Peterskirche in Rom. Die Kirche in Einsiedeln ist die schönste Kirche die ich jemals weit und breit gesehen habe, ich hoffe, daß ich sie noch einmal wieder sehen werde. Du kannst dir gar nicht vorstellen wie prachtvoll die Kirche war. Liebe Johanna, daß sind ja spaßige Neuigkeiten von dem Franz Marshall, das du hinter seiner Braut gehen mußtest, daß hätte ich mir nicht gefallen lassen, wenn ich in seinem Platz gewesen wäre. ??

Haben Göckeners ihr Pferd wieder bekommen oder nicht? Das ist ja schrecklich mit den Pferdedieben in eurer Nachbarschaft.

Morgen reisen wir nach Straßburg und von da geht es nach Paris, um 4 oder 5 Tagen da zu verweilen und dann treten wir unseren Heimweg an.

Auf dem Wege nach Haus besuchen wir einen Jungmann der zwischen Köln und Dülmen wohnt, er hat uns geschrieben etliche Tage bei ihm zu bleiben, wir gedenken, ende nächste Woche, wieder bei euch zu sein, und dann in einige Woche nach Berlin reisen, für ein paar Tage. Dazu mache dich nur bereit, dann mußt du und Wilhelm mit, verstanden. Es hat uns so weit ganz gut gegangen, bloß ich werde das Reisen bald leid, daß herum liegen und laufen, man sieht schon vieles, aber man wird es doch müde.

Das Kleid ist auch angekommen.

Neuigkeiten schreibe ich jetzt nicht viel, denn wir sehen uns bald wieder. Auf der anderen Seite.

Somit will ich mein Schreiben schließen mit vielen Grüßen an alle, von alle aber besonders von Deine Nichte Bertha Hunck.

Schreibe bald wieder, adressiere den Brief entweder nach Paris oder Köln.

So wie die Rosen blühen,

so blühe dir dein Glück.

Und wenn du Rosen siehst,

so denk an mich zurück.

Lebe wohl auf' Wiedersehen Was macht der Kuhmann, hast du ihn seitdem schon wieder gesehen, Ach der liebe Kerl, ja ja.

 

 

Paris, den 15. 7. 1900

 

Sendet keine Briefe mehr nach. Erwartet uns am Ende der Woche zurück. Gruß aus Paris. C. A. Hunck

 

 

19. 7. 1900

 

Kann nicht sagen, wann wir ankommen werden. Es könnte sein, das wir Samstag bei euch sind. Fahren heute mit Jungman nach Koblenz. Onkel Clemens.  

 

 

[3. 8. 1900]

 

Bitte Briefe bis Dienstag nach Berlin schicken. Haben Verwandte hier gefunden. Ist mein Rock gefunden worden? Wir haben Regen hier. Clemens [Hunck], Wilhelm [Hunck] und Bertha [Hunck]. Heute oder morgen geht es nach Berlin.

 

 

Berlin, den 4. August 1900

 

Lieber Bruder u. alle!

 

Komme heute abend hier an. Haben mit Mühe die gesuchten Verwandten gefunden und blieben 2 Nächte bei ihnen, sie wollten uns durchaus noch nicht fortlassen. Ich habe nun ganz vergessen, euch über den Zirkus, oder die großartige Kunstreiterin in Münster zu sprechen. Wir werden dort sein am 10ten Juni dieselbe Vorstellung beiwohnen, und möchte nur zu gerne das ihr alle 4 auch dort wäret. Wenn ihr noch anders keine solche Vorstellung gesehen habt, als in Dülmen oder Coesfeld, so ist es wohl der Mühe wert, das ihr dieses mal mitmacht, den Roggen werdet ihr wohl bei Seite haben bis dann, so könnt ihr einen Tag verschmerzen, um mal zusammen in Münster zu sein, vielleicht sehen wir uns einander in diesem Leben nie wieder, und ich möchte gar zu gerne sehen, das ihr alle mal einmal einen Tag zum Lachen und Vergnügen verwenden würdet. Also kommt hierher. Ich will lieber alles bezahlen, als das ihr nicht kämet. Also nur gekommen einen Tag könnt ihr daran wagen.

Nun schreibet mir aber gleich, ob alle oder wer von Euch kommt. Im Hotel Renne werdet ihr uns finden, oder ein Brief ist dort für Wilhelm Diekämper der auch hinwest, wo wir in Münster zu finden sind. Freitag der 10 ist der Tag. Schreibet aber gleich ob ihr kommt oder nicht so in Fall ihr nicht kommt wir uns nicht nach euch umzugesehen hätten, aber ich hoffe sicher das ihr kommt oder wenigstens doch welche, aber zu 4 ist besser.

Adressiere den Brief C. A. Hunck Hotel Borussia Berlin, Königkrätzer Str. 123.

Eure Gegenwart erwartend in Münster am 10ten dieses mit den 7.29 Zuge von Dülmen in Münster um 8.12 grüßt euch alle bestens

 

C. A. Hunck Duelm,

 

 

Berlin, den 5. 8. 1900

 

Bitte um Adresse Bierkrug Leipzig. Berlin ist schön und kühl. Brauche den dünnen Rock nicht mehr. Kommt ihr alle nach Münster? C. A. Hünck.  

7/8.00 Gruß C. A. Hunck.  

 

 

Dülmen, den 8. 8. 1900

 

Rock und 2 Karten haben wir empfangen. Es freut uns euch in Münster zu treffen. Werden am 9.8.1900 abends dort sein, falls alles gut geht. Ihr könnt wohl alle vier kommen. Das Gewehr wird wohl in Ruhe gelassen werden. Clemens  

 

 

Rom, den 9. VIII. 1900

 

Werte Verwandte,

heute fand die Beisetzung der Leiche König Umberto I. mit dem ganzen militärischen Prunk statt. [Er wurde von dem Färbereirarbeiter Gaetano Bresci am 29. Juli 1900 erschossen.] Die Menge war sehr groß, doch war [unleserlich ??] alles ruhig. Habe den ganzen Zug von A bis Z gesehen. Ich fand gar nichts zum Tadeln. In der Stadt sind alle Läden geschlossen mit dem Bemerken "per [letto ?] nazionale". Habe heute deine Fotografie auf Post [unleserlich ??]. Viele Grüße an Sie W.S.B. Ihr

 

 

21. Aug. 1900

 

8 Uhr schon am Schiff. Werdet nächste Woche wohl Nachricht bekommen, sobald das Schiff in New York angekommen ist von Hoffman Bremen. Das Schiff ist bis zum letzten Platz besetzt. Mit Gruß, Clemens, Wilhelm und Bertha 

 

 

Southampton,Kaiser Wilhelm der Große" den 22. Aug. 1900

 

Lieber Wilhelm!

 

Sende dir hier 2 Speisekarten von gestern. So könnt ihr sehen, was auf dem Ozean gekocht wird, von da wird es wohl auch ähnliches geben, nur habe ich noch Gelegenheit, dieses zu senden, ehe wir wirklichen über den Ozean überschwimmen. Nur schade das du nicht hier "Southampton" mitfahren konntest. Der Zug ging gestern morgen schon um 6 Uhr von Bremen nach Bremerhafen, um 8 Uhr eingestiegen, und um 9 Uhr abgefahren. Heute um 9 Uhr waren wir hier, müssen aber bis 12 Uhr auf den Passagierzug warten. Gegen 4 Uhr werden wir in Cherbourg (Frankreich) sein, um dort Passagiere von Paris aufzunehmen. Es werden dann gegen 1800 Menschen an Bord sein. Kaiser Wilhelm der Große ist 649 Fuß lang und 60 Fuß breit. Es ist ein feines Schiff, aber wer nicht gut aufpaßt, findet seine Wohnung [Kabine] nicht wieder. Die Luft ist kühl, und es tut mir leid meinen Überrock nicht mitbekommen zu haben. Dieser Brief wird von Cherbourg zu euch kommen, der nächste Brief von New York, außer, wenn euch Hoffman aus Bremen berichtet daß das Schiff in New York. angekommen ist.

Mit Gruß an euch alle von

 

"Ohm" Clemens Wilhelm und Bertha

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 10. Sept. 1900

 

Liebe Johanna

 

muß dir doch jetzt ein paar Zeilen schreiben um dir wissen zu lassen, das wir am Sonntag dem 8. wohl behalten und gesund angelangt sind, die Mama und die zwei Kinder waren am Bahnhof um uns abzuholen. Liebe Johanna, ich kann dir gar nicht sagen, wie froh ich war, noch mal wieder Heim zu sein, ich war das reisen ganz satt, wie wir heimkamen, alle Leute haben uns herzlich "willkommen" geheißen, und haben sich verwundert daß wir so gesund aussehen. Sie haben alle gesagt ich wäre noch gewachsen, und auch so dick und fett geworden, ich bin auch 9 Pfund schwerer. Es ist noch alles hier beim alten, bloß hier und da eine kleine Veränderung. Es hat gestern den ganzen Vormittag geregnet, und es ist jetzt auch noch dran die Sachen die wir mitgebracht haben, hat bis jetzt noch niemand gese­hen, denn sie holen unsere Koffer erst heute heim, aber die Verwandten in Wisconsin haben sich sehr über die Uhr gewundert. Wie geht es doch jetzt mit dir liebe Johanna, ich denke jeden Tag an dich, ich werde überhaupt meinen Besuch bei euch nie bereuen, ich wünsche mir, daß ich euch nur alles vergelten könnte, aber es geht leider nicht, außer, daß ihr uns hier besucht. Wie ist es mit Maria Göckener, (hat sie noch immer die Witze ihm Kopf?) und auch ebenfalls hoffe ich das es deine Leute und auch Marschals gut geht, gesund bleiben wie ich bin diese Reise war und ist die Hauptsache. Der Page hat 5 Pfund verloren, daß ist aber schrecklich für so einen Morgenmenschen, meinst du nicht auch so, ha ha. O ja, kommt der Bernard nicht auch noch manches mal, um seine liebe Elise zu besuchen, oder geht sie noch so oft hin um ein paar Schuhe zu holen, sage ihr sie sollte mich auch mal schreiben. Nun will ich auch was von unsere Reise sagen. Wir hatten eine sehr schöne Fahrt, keinen Sturm, aber ich war leider dieses mal Seekrank, für einen Tag, aber ich sage dir das war nicht sehr angenehm, derjenige der das nicht mit gemacht hat kann gar nicht begreifen was die Seekrankheit ist. Das ist wenn einer krank im Bett liegen muß, welches ich "Gott sei Dank" nicht bebraucht habe, ich konnte wenigsten auf bleiben. Es waren 1800 Passagiere auf dem Schiff ohne die Schiffsleute, welche 500 in der Zahl sind, das war nicht sehr angenehm, mit so viele Menschen. Es ist nur schade das Wilhelm nicht mitgehen konnte, um sich den großen Kasten mal zu besichtigen, der hätte sich gewundert wie schön dort alles eingerichtet ist. Sie haben jeden Tag 500 Tonnen Kohlen verbrannt. Wir sind dienstags den 28ten in New York angelangt um halb 3 Uhr, blieben dort biß den nächsten Abend, von dort nach Niagara Falls, und waren am Freitag in Chicago. Blieben dort biß Samstag nachmittag und kamen abends bei unsern Verwandten an, wo wir uns eine Woche aufhielten, und gingen am Freitag abend St. Cloud dem 7th Sept. von dort wieder fort, und [unleserlich ??] den nächsten Tag in unserer gut bekannten Stadt, ein, wo viele Leute erstaunt waren uns wieder zu sehen die nicht wußten das wir kommen. Ja, liebe Johanna ich muß jetzt mein schreiben schließen, denn es ist schon spät und Zeit für kleine Kinder ins Bett zu gehen. Sage den Mädchen nur daß ich bald schreiben werde so bald ich nur kann. Mit Gruß an alle Bekannten und euch alle von uns alle, aber besonders von

deine dich liebende Nichte Bertha Hunck

Schreibe recht bald wieder So wie die Rosen blühen So blühe dir dein Glück Und wenn du Rosen siehst so denk an mich zurück Bitte die Fehler zu übersehen

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 15. Sept. 1900

 

To lieber Wilhelm und Johanna

 

Sende euch mit der heutigen Post und anderer Verpackung eine Maisstaude mit einer Ähre daran so das ihr sehen könnt wie der eigentlich wächst. Sehet mal zu ob ihr Wilhelm seine Weste da noch irgendwo finden könnt, er sagt er habe eine verloren. Meine verlorenen Gummi Schuhe haben sich unten in meiner Kiste gefunden. Sind da nicht noch Briefe für mich angekommen? Ich erwartete hierher noch einen aus Straßburg von einem Herrn Kiehle. Sende auch anbei die Kopfweh Pillen hätte es schon bald vergessen. Es sind 2 Sorten. Schreibe mir nach deiner Erfahrung welche die besten sind. Auch ein kleiner Spiegel für die Johanna. Mit Gruß an euch alle und alle die nach uns fragen der

 

"Ohm" Clemens.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 29. Sept. 1900

 

Liebe Freunde!

 

Das Motto Erhalte dein Geschäft und dein Geschäft wird dich erhalten ist eines von denen, was wir schon seit langen Jahren befolgt haben. "Wir verkaufen die Waren für den Preis den sie wert sind, für nichts mehr", wohl aber oft für viel weniger. Eines von den Artikeln, die wir für viel weniger als Marktpreis verkaufen, sind fertige Kleider, entweder nach euer Maß gemacht, oder schon fertige Kleider. Wenn sie es nur mal versuchen wollen, so werden sie sich bald überzeugen, das wir von 15 bis 25 Prozent an ihre Kleiderrechnungen sparen. Wir haben über 500 schöne neue Muster zum Auswählen vorliegen, von Herbst und Winter Anzüge und Überröcke, für Jung und Alt. Von den billigsten bis zu den besten und feinsten, sind bei uns zu haben. Unsere Waren sind "Alle Neu" nicht solche, wie in andern Läden oder Stores die schon längere Jahre in Schaukästen ausgelegt waren, um auf den Käufer zu warten, und sind dadurch schädlich, verblaßt und altmodisch geworden. Unsere sind funkelnagelneu von der Nadel. Folgende Ursachen werden jedem leicht einleuchten, warum wir billiger als andere verkaufen können. Wir haben keine Tausende von Dollars in einen großen Warenvorrat stecken, was schwere Zinsen wert ist. Wir haben keine extra Auslagen, um diesen Teil des Geschäftes zu leiten. Der Store ist unser Eigentum, in folge dessen wir eine hohe Miete sparen, neben manche andere Ursachen, zu viele um alle zu nennen. Den Nutzen von all diesen Vorteilen lassen wir unsere Gönner [Käufer] zu Gute kommen. Daher die 15 bis 25 % billiger. Wir nehmen euer genaues Maas nach eurer Form und Gestalt und liefern die Kleider innerhalb von 8-10 Tagen. Nicht zu übersehen liefern auch einen tadellosen Sitz. Bei Reklamationen übernehmen wir die bestellten Kleider. Vertraut uns eure nächste Bestellung für eure gewünschten Kleider an, und ihr werdet Zufriedenheit empfinden, und wiederkommen. Auch sollen sie kein kratzen am Körper verspüren, darum kaufen sie unsere so weichen Unterkleider aus Vlies, und ihr werdet Euch gemütlich und wohl fühlen. Ihr habt das Geld, wir die Waren, so laß uns tauschen: Sich um eure Zufriedenheit und Wohlergehen stets bemühend zeichnet mit aller Hochachtung C. A. Hunck.

Agnus Dei: Der Gebrauch, das die Päpste gewissen Figuren, oder Medaillen von Wachs, die man Agnus Dei nennt, segnen oder weihen, ist in der römischen Kirche sehr alt. (Die Waise, der Agnus Dei findet im 1ten Jahre der Regierung jedes Papstes, und dann in der Regel alle 7 Jahre statt:) Es wird ihrer erwähnt in einem römischen Orden der nach dem Urteile der Gelehrten bis über das VIII Jahrhundert hinaufreicht das Zeremonie derselben römischen Kirche schreibt ihren Stoff, und ihre Gestalt vor wie auch die bei der Segnung anzuwendenden Gebete, wobei alles seine geistige und heilige Bedeutung hat. Die Agnus Dei werden aus weißen reinen, von Bienen gesammelten Wachs gemacht, (Dieses Wachs muß zuerst zu einer Osterkerze gebraucht worden sein, die zuvor in der Kirche gebrannt hat. Deshalb nimmt man nicht nur das Wachs von der Osterkerze der Sixtinischen Kapelle, sondern auch der anderen Basiliken und Kirchen Roms) um so die menschliche Natur zu Versinnbilden, welche Jesus Christus ohne Beimischung der geringsten Makel in dem reinsten Schoße der Jungfrau Maria bloß durch die Wirkung des hl. Geistes annahm. Ferner wird das Bild eines Lammes darauf geprägt, ein Sinnbild des unbefleckten Lammes, welches für die Erlösung des menschlichen Geschlechtes auf dem Altar des Kreuzes geopfert wurde. Bei Ihrer Segnung bedient der Pabst sich des Wassers, das Gott im alten, wie im neuen Bunde zum Erzeugnisse zahlreicher Wunder gewählt hat; dasselbe wird mit Balsam und hl. Chrissam vermischt, und in diese Flüssigkeit werden die Agnus Dei eingetaucht, während der Pabst zu Gott fleht, er wolle dieselben segnen, heiligen und weihen, auf daß so die Gläubigen, welche mit aufrichtigem und lebendigem Glauben auf hl. Weise sich ihrer bedienen, folgende Gnaden erlangen:

1 das der Anblick oder Berührung des auf diese Figuren dargestellten Lammes die Herzen der Gläubigen zur Betrachtung der Geheimnisse unserer Erlösung anrege, sie so zum Danke, zum Preise und zur Verehrung der göttlichen Güte ermuntern und ihnen die Verzeihung ihrer Fehler erlangen.

2 daß das auf diesen Medaillen eingeprägte Zeichen des hl. Kreuzes die bösen Geister, so wie auch Hagel, Donner, Stürme von ihnen fern halte.

3 daß sie durch die Kraft des göttlichen Segens den Fallstricken und Verführungen des Satans entgehen mögen.

4 das die Frauen in gesegneten Umständen vor jeglichen Unfall bewahrt bleiben, und eine glückliche Entbindung erlangen mögen

5 das Pest, Fallsucht, Wasser und Feuer den frommen Christen nicht schaden mögen. 6 das endlich diese im Glück und im Unglück von dem göttlichen Schutze umgeben seien und durch die Geheimnisse des Lebens und Leidens unseres Herrn Jesu Christi vor dem plötzlichen und unvorhergesehenen Tode, vor jeder anderen Gefahr und jedem Übel bewahrt bleiben.

Das sind die Wohltaten, und Gnaden, welche der Stadthalter Jesu Christie, im Namen der Kirche, von der göttlichen Barmherzigkeit für alle Gläubigen erfleht, welche mit wahrer Frömmigkeit die "Agnus Dei" tragen oder aufbewahren, und selbst augenscheinliche Wunder haben gar oft die Wirksamkeit dieses Gebetes bewiesen. Wird man jener Gnaden nicht teilhaftig, so muß man das dem Mangel am Glauben oder Frömmigkeit oder einer anderen verborgenen Ursache zuschreiben, die dem Herrn abhält, uns solche Wohltaten zu erweisen.

 

Agnus Dei

C. A. Hunck

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 3 Okt. 1900

 

Lieber Wilhelm!

 

Einliegend sende ich euch 5 Hemde [unleserlich ??], die ihr vielleicht gebrauchen könnt. Ich tue sie hier weder gebrauchen noch verkaufen.

Sende euch auch meinen Abdruck von einer Reklame wie ich solche an alle meine Kunden und auch andere gesandt habe.

Sich so auf irgend eine Weise zu empfehlen ist hier notwendig. Sonntag war auch Wilhelm Emmerich hier und hat sich sein Geld geholt.

Habe die Quittung gestern nach seinen Vater gesandt. Ich dachte schon ehe diesen von euch zu hören sandte ich euch doch Nachricht von New Jork aus am 28 August. Mit Gruß an alle von

 

C. A. Hunck.

 

 

Duelm Minn Oct. 27th 1900

Liebe Johanna.

                   Deinen lieben Brief habe ich in gute Gesundheit erhalten, und es hat mich sehr gefreut mal wieder von dir liebe Nichte zu hören.

Wilhelm seinen letzten Brief erhielten wir gestern, ich sah in den Brief das wieder Kirmes ist in Dülmen, schade das ich nicht da sein kann. So so. jetzt hat M. Göckener einen andern Namen angenommen, Ach wie gerne wäre ich den Tag dagewesen  dann hätten wir noch einige vergnügte Stunden haben können, ich dachte den Tag immer an ihr, nämlich ihren Hochzeittag, und erhielt auch denselben Tag einen Brief von ihr, welches mir sehr freute, weil in demselben eine Einladung war, an ihre Hochzeit teil zu nehmen welches leider zu meine Bedauerung nicht geschehen konnte, den es ist ein wenig zu weit bis dahin.

Das Wetter bis jetzt war immer noch ziemlich schön.

Der Amerikanische Circus hat sein Teil auch aus Münster mitgenommen, ja ja, so machen es die Kerls.

Der Franz hat Euch jetzt verlassen, wen bekommt ihr denn, der für Euch die Arbeit tun wird.

Was macht den die Eliza Rathmann? einen schönen Gruß an ihr.

In etwa 3 Wochen kann ich meinen 20ten.Geburtstag feiern, nämlich am 21ten November, wie schnell vergeht die Zeit

Ich habe mich sehr verwundert das dem Franz Marschall seine Freierei so schnell ein Ende machen, ich glaube es wird ihm nicht leid tun wenn er noch einige Jahren warten tut, denn es sind noch genug da die ihm die Arbeit noch gut versorgen können, meine ich. was kam den eigentlich zwischen ihnen?, oder weist du es nicht

Hier ist alles noch beim alten  nichts Neues was Euch interessieren könnte. Wilhelm will das Geschäft als Reisender nächsten Monat anfangen.

Liebe Johanna, ich hoffe das du mir entschuldigen wirst das ich nicht sogleich antwortete, aber ich hatte nicht die Zeit dazu, weil wir draußen im Hofe alles in Ordnung machten, und die nächste Woche wollen wir die Küche weißwaschen welches schwere Arbeit ist. Also liebe Nichte will ich für diesesmal mein schreiben schließen mit vielen Grüßen an Euch alle von uns alle, aber besonders von deine dich liebende Nichte

Bertha Hunck.

Schreibe recht bald wieder.

Sage Anna Marshall Sie sollte meinen Brief mal antworten, bitte Grüße Sie alle von mir, und alle Leute die nach uns fragen. (:Gute Nacht:)

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 17. Nov. 1900

 

To lieber Wilhelm und alle,

 

deine beiden Briefe vom 23 Sept. und 12 Okt. sind ja zur Zeit angekommen. In Erwiderung des ersten. Januar es wird euch erst wohl ein wenig einsam vorgekommen sein, wenn 3 auf einmal ausziehen, andererseits wart ihr aber doch auch der Belästigung erledigt, die wir euch gemacht haben, sonst ja, so eine Trennung ist gefühlvoll. Doch unser bleiben bei euch mußte ja ein Ende gemacht werden, weil die Pflicht wieder nach hier der Familie und unserem Geschäft rief. Nach Bremen und Southampton hättest du ganz gut mitfahren können, wenn es euch nur so in den Kopf gekommen wäre, es würde dich ungeheuer interessiert haben. Nun studiere mal die Reise über den Ozean, dann wirst du bald Freude daran haben. Ich würde ebenso meine Familie, "alles" aufbieten, um deinen Aufenthalt hier dir angenehm zu machen. Vor „Versaufen“ brauchst du dich nicht zu bangen. Vorgestern sind noch 4 des Reisens ganz unerfahrene Polen hier angekommen, es sind diejenigen, von denen ich letzthin berichtete und ich Billette [Reisepapiere] hingesandt habe. Das der Brief an Kiehl in Straßburg nicht abgeliefert wurde, verstehe ich auch nicht, habe schon von hier einen gesandt, der wohl angekommen ist. Daß das Feldglas sich noch wieder gefunden hätte, hätte ich nie gedacht. Ich hätte es gerne gehabt, jedoch jetzt behalte du es nur vorläufig, bis ich mal Gelegenheit habe, es dir mit dem, was ich mir wiederkaufe, vertauschen kann. Wenn du Gelegenheit hast, es zu schicken, so tue das nur, ich werde dir dann dieses wieder zusenden. Ich sehe, das der arme Bickschlüter abgesegelt [gestorben] ist in die Ewigkeit. Ich schicke euch auch ein Andenken an Heinrich Bickschlüter genannt Markfort. Bitte schreibe mir die Adresse von Frau Wwe. Kreinekämper, oder wie sie heißt Heinrich. Bickschlüter seine Tante (Mittin [Witwe] Örgels) so werde ich ihr auch eins zusenden. Die Frau Markfort hier sagt, das Heinrich. immer gesagt hätte, das er wohl alles von Bickschlüters bekommen habe, mit Ausnahme von 300,00 M., die seine selige Mutter ihm noch immer versprochen hätte, von ihrem besonderem Nachlaß außer sein Erbteil, und diese 300 M. (oder 100 Taler) seien es, die er noch zu gute hätte, und es sollte jetzt wohl den Kindern gehören. Sage es der Anna mal so, und schreibe wie sie sagt. So, mit Franz Marschall seine Freierei [Partnerwahl] ist ein Ende, ich denke das er es nicht klüger hätte tun können. Ich habe ihm meine Meinung auch geschrieben, hat er es gesagt?

Nun zur Antwort des 2ten Briefes. Es freut mich, das die Kopf-Weh-Pillen angekommen sind, und werden hoffentlich gutes tun. An den gebrochenen "Spiegel" war nicht viel verloren. Also der Franz [Marschall] ist froh, wenn er noch ankommen will im Frühjahr, so gebe ich ihm gleich Arbeit für 60 bis 75 Mark per Monat den Sommer hindurch, ja nach der Zeit und Arbeit wird hier bezahlt. Im Juli und August das meiste. Er ist töricht, wenn er nicht nach Amerika geht. Aber wie gesagt, er muß es selber wissen und wollen.

Habe den Artikel wegen unserer Heimkehr im Anzeiger nicht gesehen. Den Anzeiger magst du nur eingehen lassen, dagegen sollte ich ja die andere Zeitung bekommen. Ich habe ja doch den H. Kleinsorge schon für ¼ bezahlt vom 1 Okt. ab, aber auch er hat noch nichts geschickt. Jetzt mag er den Neujahr anfangen. Bitte erinnere ihn mal daran, möglicherweise hat er es vergessen. Es freut mich zu erfahren, das deine liebe Frau jetzt recht gesund ist, und wünschest du das es so blieb, mußt mal dein bestes probieren um sie so zu "behandeln" das sie gesund bleibt, jedoch meine ich auch nicht etwa, das du sonst Schuld an ihrer Krankheit hast.

Das die Amerikaner 84.000 M. aus Münster geholt [verdient] haben, ist ja schön, am 11ten haben sie in Elberfeld gespielt, oder besser am Tage nachdem sie in Münster waren, dir kann das ein wenig unglaublich vor, aber wahr ist es, erkundige dich nur mal ob's nicht so war.

Wie wird es den Karl Lüke gehen mit den angeschossenen Hund im Chaussee Graben bei der Mühle? Hätte gerne die Bergmans Hochzeit mitgefeiert, wenn man wie du sagst, besser durch den Winter kam. Aber vielleicht war es so auch gut, den die Bergmanns sollen einen bösen Hund haben, der hätte meinen Hund noch beißen können, jedoch wäre der wohl nicht gefährlich, solche Bisse heilen gewöhnlich leicht, ohne Doktor. Gewöhnlich kann meine Frau alles mit "Hausmitteln" in Ordnung bringen. Wo wollet ihr nun wieder mit all dem Gelde hin, tut mir am besten die 1057 Mark schicken als Teil unserer Reisevergütung, ihr reiset ja doch nicht nach Amerika.

Nun der gute Specht und die lahme Anna? Schade das wir nicht auf der Kirmes waren, die Hiätkenkoken [Kuchenherzen] liegen bei uns im Schaukasten zur Besichtigung. Ich erkläre den Amerikanern dieses so: das sind Dinge, wie sie die Jungens für die Mädchen kaufen, wenn die es mal gar gut mit sie meinen.

Die Bertha bedauert es genug das es so weit ist nach euch zu kommen, wegen den weißen Blumen und "Andere". Die mitgenommenen Blumen sind alle kaputt, nur der Palm und die Heide nicht. Der Buchsbaum ist schön gewachsen, und fing schon auf der Reise an zu wachsen.

Möchte nächsten Sommer gerne Samen haben von Vergißmeinnicht von der guten Frau Stübing, und wenn möglich, von Marienblumen auch. Gruß an Stübings und Geilmans.

Wie geht es denn jetzt Bruder u. Schwägerin? Müßt nicht so hart arbeiten, und bratet euch eine gute Wurst und esset mit "Vergnügen" laßt die jungen Leute arbeiten, um denn so um 10 Uhr "ne nette Worst met en guden "halben" doubi, ode auk en „helen“ schadt velicht auk nich. [eine gute Wurst, mit einen halben Schnaps oder auch einen ganzen Schnaps kann vielleicht nicht schaden]

Mit der heutigen Post versuche ich es noch einmal, euch eine amerikanische Axt zu schicken, nebst 3 Stiele (Händel) dafür, und ein Hammer. Das Porto ist bezahlt, nur habet ihr den Eingangszoll zu entrichten. Um die Bequemlichkeit der Axt zu genießen, gehört auch unser Stiel dabei. Ich schicke ein Bild anbei, wie sie am Stiel gemacht werden, die meistens ausgedehnte Schneideseite, gehört nach oben zum Stiel. Die Stiele sind alle darin passend gemacht, nur muß ein schön länglich geschärfter Keil gut eingetrieben sein, und den nahe bei der Axt absägen. Natürlich zum Holz splitten sind sie nicht so sehr geeignet als zum Hauen. Ich denke ihr werdet sie für bequem finden zum hauen, wenn sie euch nicht zu schwer ist, man kann die hier haben von 2 ½ Pfund bis zu 5 Pfund. Auch der Hammer hoffe ich wird euch, nachdem ihr euch daran gewöhnt habet, bequemer vorkommen, als euren, und ist so schön geeignet einen Nagel auszuziehen mit dem Einschnitt, wenn man nur den Kopf davon noch fassen kann. Habe die Axt u. Hammer in eine kleine Kiste verpackt und die 3 Stiele im Papier gewickelt und zugebunden. Wie ihr euch erinnert, hatte mein Louis Klein letzten Sommer schon eine geschickt, welche nach hier zurück kam, er hatte das Paket nicht vorschiftsmäßig beschriftet. Hoffe auf besseren Erfolg mit dieser Sendung und mit dem beigelegtem Mais. Am 6ten dieses Monats haben wir die große Präsidentenwahl gehabt und wir sind tüchtig gebeten worden zu wählen. Der William McKinley ist mit einer gar großen Mehrheit wieder gewählt worden.

Ohnehin wird das Volk stillschweigend seinen und seiner Helfershelfer ihr habsüchtiges und kriegerisches Benehmen billigen und gutheißen. Wie der Waisenfreund sagt, wenn sie ein Kalb haben wollen und haben müssen, werden die Leute lieber von zwei Übeln das bessere wählen, nämlich lieber ein goldenes als ein silbernes Kalb, weil William McKinley für Goldprägung als Standard ist, und Bryan Silber dem Golde gegenüber stellen will wie 16 zu 1. Nun werden wir hoffentlich wohl irgendwo mit dem gewähltem Präsidentenschiff landen. Habe nun wohl ein wenig lange mit dem Schreiben gewartet, hoffe aber, das dieses alles verfehlte ersetzen wird.

Mit vielen vielen Grüßen an euch allen und alle die nach uns fragen schließt hiermit euer Bruder

 

Ohm xxx C. A. Hunck.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 17. Nov. 1900

 

To meine liebe Johanna

 

Wie geht es dir den noch immer. Du schreibst ja an die Bertha und an mir gar nicht. Jadoch, das ist schon recht, du hast meiner ja doch gedacht indem du meinst, einen so gut meinenden Onkel in Amerika zu haben. Ja komme nur mal hierhin, dann kann und will ich dir mal erst zeigen, wie gut das ich es meine. Ich hoffe und wünsche nur, daß es "alle" so gut mit mir meinen wollten, aber ich kann's gar nicht ändern, es ist einmal [unleserlich ??] Die M. Göckener wird auch jetzt wohl recht vergnügt sein, und nach und nach noch vergnügter werden, wenn sie nächsten Sommer mal Garben binden soll. Mit der Zeit erst pflückt man Rosen. Hoffe wenigstens, das dein Wilhelm sich doch noch immer gut schicken wird, aber du mußt ihm nichts ausschneiden aus seine Briefe, man schreibt ja doch, wie es ist, und wie es einem seine Gedanken eingeben. Meine Frau ist jetzt seit einer Woche auch fort auf Reise zu ihrer Schwester Anna Mary (Anni) Schwinn geb. Schulte (*1849) in Minneapolis auf Besuch, so etwa 75 Meilen weit von hier. Wie geht es denn bei Frericks, bei der lieben Mutter noch? Oder bist du seitdem wir fort sind, gar nicht mehr dort gewesen, wirst wohl keine Zeit haben um hin zu gehen?

Wenn du Zeit kriegst dort hin zu gehen dann grüße sie von mir. So, jetzt muß ich bald aufhören mit dem schreiben, es ist bald 12 Uhr und ich sollte zu Bett gehen, aber [unleserlich ??] es ist ja doch noch kalt, und niemand der es mir wärmt. Ich weiß das dir das auch leid tut. Wu geiht et usse Setken dann, is Benätzken de auk koutz noch wirst, üm u de Moat to niemen för en nieen Holsken? [Wie geht es unserer Elisabeth, ist der junge Bernard kürzlich noch bei Euch gewesen um Maß zu nehmen für neue Holzschuhe ??]

Un dat anne kleine Dingen, döt et auk noch mangs bi u int Bedde - schlopen? [Und das andere kleine Mädchen, schläft sie immer noch ab und zu in Euren Betten?] Ich bin mit meiner Frau auf Besuchsfahrt gewesen, und habe sie zu ihrer Schwester begleitet, und ein wenig Geschäfte damit verbunden, indem ich für etwa 400,00 $ Überröcke einkaufte. Es ist schon gar kalt hier und haben ein wenig Schnee. Pflügen kann man nicht mehr, es ist schon zu hart gefroren seit einer Woche. Ich meine ich täte dich noch bei der Nierndöhr [Tennentor] stehen sehen, um uns nachzusehen, ja vielleicht kommen wir nächsten Sommer noch mal wieder? Jetzt laß mich mein Unsinn schließen, sonst möchte es dich noch verdrießen, doch bleib mir gut und treu, wenn ich auch ferne von dir sei. Vertilge, verbanne, verjage die Sorgen, sei fröhlich am Abend und heiter am Morgen, und denke zu weilen mit fröhlichem Blick an deinen dich liebenden Onkel zurück.

 

Clemens.

Die besten Grüße von Wilhelm und besonders von Bertha wie auch die Frau. Letztere wünscht euren Besuch hier in Duelm gar sehr.

 

 

Duelm, Minn. Nov. 25th 1900

 

Liebe Nichte.

                   Deinen Brief habe ich schon ein Zeit lang zurück erhalten, und habe mich sehr gefreut wieder ein paar Zeilen von dir zu erhalten.

Wir erfreuen uns noch alle die beste Gesundheit, und hoffen dasselbe von Euch alle.

Hattest du den meinen letzten Brief noch nicht bekommen, bevor du zu mir schriebst? Das der Wilhelm dachte ich sei böse und nicht mehr an dich dachte das kam mir bald lächerlich vor, ich wüste ja gar keine Ursache um böse zu sein, und das ich dir vergessen hätte, Ach ja das werde ich nicht so leicht tun, den ich denke zu oft zurück an die guten Zeiten die ich diesen Sommer hatte.

Der Wilhelm ist Donnerstag auf die Hirschjagd, aber das schlimmste ist sie laufen hier nicht so frei herum wie bei Euch im Herzoglichen Park.

Ach wie habe ich doch großen Mitleid mit die armen Heiratslustige Jungens, doch schade das es so weit ist, nur zur meinen großen Bedauern, die zwei müssen es schlimm gehabt haben auf die Kirmes, wäre ich nur da gewesen, dann hatten Sie mich vielleicht ein schön Herzchen gekauft mit ein schönes Verschen drauf.

Jetzt habe wir auch Besuch  Die Mutter ihr Bruder ist hier und zwei von die Gertrud Hünck ihre Kinder. es hat uns alle sehr gefreut Sie zu sehen, aber leibe Johanna es täte mir noch mehr freuen wenn du liebe Nichte und ihr alle mal über das große Wasser kommen würden um uns zu Besuchen.

Ich sehe das Maria Göckener (oder jetzt Frau Bergmann) nach immer voll ihre Dummheiten ist, das ist auch ganz recht denn man lebt nur einmal.

Habe auch eine Brief von Anna Marschall bekommen  werde ihn in einige Tage antworten.

Was macht Elize Rathmann  ist Sie noch bei Euch?

Wie geht es den noch mit deine Leute, sage Elise sie sollte mal meinen Brief antworten.

Es tat uns sehr leid die traurige Nachricht zu hören von Frau Buckmann Tode, obwohl ich Sie selber nicht kannte, nur die Kinder.

Bitte liebe Johanna, grüße Fräulein Kaute, und deren Mutter von uns alle und danke auch Elise für mich, für die schöne Ansichtskarte die Sie mir von Rom aus zu sandte.

Ich war vorgestern in die Stadt um mir eine neue Jacke und Hut zu kaufen.

So dann habt ihr eine gute Zeit auf die Hochzeit gehabt, aber noch mehr so wie ihr Heim gingen, ich werde das Heim gehen nie vergessen von dem Börnster Schützenfest, frage den Anton mal ob er noch weiß wie wir in den Graben hinein fielen. ha ha.

Wir habe schon ziemlich viel Schnee gehabt, aber noch recht keine Schlittenbahn. es ist auch die letzte Woche ziemlich kalt gewesen.

O ja ich hätte bald vergessen dir zu sagen, das mir die Seekrankheit nicht so stark angegriffen hatte wie du liebe Nichte gemeint hast. ich habe es gut überstanden. Den es greift so eine großes Geschöpf nicht so schlimm an. Du kannst das Necken aber doch nicht lassen, ich habe geglaubt wenn ich mal fort wäre dann hatte ich Ruh, aber jetzt ärgert mich noch so ein Unart noch in die Briefe. ha ha.

Kommt der Bernard die Elise noch Besuchen um das Maß für ein paar Holzschuhe zu nehmen.

Ich wünsche ich konnte noch mal wieder für einige Tagen bei Euch sein, dann wollte es Euch zwei doch mal schlecht gehen.

Ein gutes Ding war das ich Mittwoch nicht da war sonst hatte ich vielleicht bis jetzt keine Ohren mehr aber jedoch sie haben sie mir hier schon bald abgerissen zum 20sten Geburtstag, ich habe ordentlich Prügel bekommen, es hat mir auch vielleicht gefehlt, meinst du nicht auch so?

Ja, liebe Johanna, ich denke ich muß mein dummes schreiben mal zu Ende machen sonst kriegst du noch Kopfweh bis du ihn mal gelesen hast. Also es Grüßt Euch alle, und alle deine Leute

Deine dich liebende Nichte

Bertha Hunck

nebst, Eltern und Geschwistern.

Lebet alle wohl und vergeßt uns in Euer Gebete nicht.

 

 

 

Fortsetzung folgt

 

Die unterschiedlichen farblichen Markierungen sollen auf "Nachnamen" und interessante Passagen aufmerksam machen.