Hunckbriefe zweiter Teil

 

Duelm Minn. Feb. 20th 1901

 

Liebe Johanna.

Deine schon so lang, lang erwarteten Brief, habe ich endlich doch in die besten Gesundheit erhalten, und es hat mich sehr gefreut noch einmal etwas von dir l. Johanna zu hören, den ich hatte die festen Gedanken schon, das du mich ganz und gar vergessen hättes, aber die Entschuldigung die du hast, weiß ich nicht recht ob ich die für gut annehmen soll, ich sollte doch meinen, das die Kälte doch damit nicht sehr viel zu thun hat.

Du sagst es wäre dir lieber gewesen wenn der Ernst dich noch einen Brief gebracht hätte  Das glaube ich dir gerne, aber es war mir auch sehr lieb wenn du nicht so lange mit dem schreiben warten thät’s.

Du meinst ich sollte mich wohl jetzt gebessert haben, aber das ist leider nicht der Fall so wie sie mich alle sagen, und mein Herz-Aller-Liebster wie du schreibst, sollte Über-Glücklich sein, Ach ja wäre es nur so, hätte ich einen, dann wäre ich schon zufrieden, wenn es so wäre wie die Leute sprechen  Dann thäte es bald Hochzeit geben, denn es wird ja Über-All gesagt es ging nach die Fasten loß, aber ich weiß selber gar nichts davon, derjenige der, dan Bräutigam sein soll, ist der, der unseren Laden diesen Sommer aufgepast hat.

Habe biß jetzt noch keine Brief von Fräulein Kaute erhalten.

Mit dem Orgel spielen geht es noch immer gut  es sind jetzt unsere zwei, so lassen wir es umgehen mit dem spielen.

Habe eine Karte von Maria Hennewig am NeuJahrstag bekommen.

In einige Monaten am 18 April wird es schon ein Jahr dar mir die Heimath verließen um Euch zu Besuchen, wie schnell vergeht doch ein Jahr, ich wollte jetzt es wäre nocheinmal die Zeit da wo ich noch mal nach Euch für einige Zeit herübermachen könnte.

Wilhelm ist vor 3 Wochen zurück seine Stelle als Reisender angetreten, er scheint es ziemlich gut zu gleichen, so lang wie es dauert.

So, so, braucht die Elise Rathmann, noch immer so viele neue Holzschuhe, kein Wunder  macht Sie, die auch so schnell kaput, damit Sie eine Entschul­digung hat um den Bernard zu besuchen  Das ist ganz recht Elise  ich thäte es gerade so machen wenn ich in deine Stelle wäre, der Bernard ist ein gans netter Junge, wäre ich noch da dann thäten wir zwei uns vielleicht noch bei die Harr kriegen, wegen ihn.

Aber nicht vergessen liebe Nichte, was macht denn mein Aller-besten, Zu­cker-süßen weißen Kuhmann, hat der noch keine Lebensgefährtin gefunden, so sende ihn hierherüber, ha ha.

Also jetzt ist die h. Fasten Zeit da, das ist die Zeit im dem wir uns bessern sollten, ich hoffe das du es nicht vergist zu thun. ha ha, ich habe es heute Abend recht schlimm, wärest du hier so ging es nicht klein ab.

Ich muß so mein dummes schreiben bald zu ende bringen, wir sind noch alle recht gesund biß auf die Klara  die war heute nicht ganz wohl, hoffe das ihr noch alle munter seid.

Mit vielen Grüßen vom uns alle an Euch alle

Verbleibe ich in Liebe

Bertha Hunck.

Bitte Grüße auch Frericks vom mir, und warte jetzt nicht wieder so lang mit den schreiben.

Gute Nacht

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 28. Feb. 1901

 

Lieber Wilhelm Johanna Bruder u. Schwägerin!

 

Eure beiden Briefe vom 8 und 24 Januar habe ich zur Hand zur Zeit. Auch das Kistchen kam letzen Montag den 25. Februar an. Die Weste war ganz und gar verschimmelt, sogar das Leder des Feldgla­ses war grün und grau vor lauter Schimmel, weil du nicht ganz trockene Dornbeeren damit in Berüh­rung gebracht hast. Es kostete 90 Cent Zoll. Danke dir lieber Wilhelm bestens für deine Mühe. Es freut mich, das die Axt und Hammer gute Dienste tun. Der Hammer hätte von besserer Qualität sein können, die ich aber gerade nicht zur Hand hatte. Die Dülmener V. Z. habe ich satt, wie du wohl erse­hen wirst aus dem Briefe an sie, den ich hier zum lesen beilege. Versiegele ihn, und mag ihn der Herr Ernst Sivers denselben abgeben wenn er will. Der Dülmener Anzeiger mag nur weiter kommen, wie er auch noch jetzt regelmäßig tut. Wer hat denn Specht seinen Grund alles gekauft, und was hat er noch? Das Wetter ist hier ziemlich schön gewesen diesen Winter, aber unsere Broquet [Kappscheune] Bal­ken sind nicht aufgespeichert sondern zugeschneit. Wenn du mich 9 aus 10 bieten willst, so komm nur mal heran, so werde ich dir wohl zeigen wie das geht.

Habe von Barnum nichts gelesen, aber wie ich dir sagte, das er am nächsten Tage (nach Münster) an­derswo spiele, so kann ich dir jetzt sagen, das er am 12ten in Elberfeld gespielt hat.

Der Barometer arbeitet ganz fein, nur tue ich ihn nicht genug beobachten. Wilhelm ist jetzt als Ge­schäftsreisender tätig für ein Großhandelsgeschäft von Milwaukee in Tabak, Kaffe, Tee, Gewürze und Zigarren. Er ist auf eine 6-7 Wochen dauernde Reise. Bekommt 10 % von dem was er verkauft. Bertha ist zu Hause.

Wir sind alle noch recht gesund und hoffe dasselbe von euch. Jedoch ich habe, wie ich auch wohl ge­sagt habe, einen Nasenkatarrh. Um den zu heilen, hat mich ein Fachkenner (Doktor) gesagt, mußte er 2 Operationen in der Nase vornehmen, welcher ich mich nächstens in St. Paul zu unterziehen gedenke. Werde dir das Opernglas mal gelegentlich schicken. Von Rom bekomme ich auch noch einige Briefe, dort hat man einen harten Winter mit Schnee.

Mit besten Grüßen an euch alle und alle die nach uns fragen von

"Ohm" Clemens nebst Frau und Kinder Gruß an Ernst Sivers.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 20. Juli 1901

 

Lieber Wilhelm und Johanna!

 

Mit großer Freude haben wir alle die frohe Mitteilung entgegen genommen über die Ankunft des jun­gen "Mädchens".

Zu diesem Ereignis erlauben wir uns "alle" euch aufs beste zu gratulieren und wünschen wir "alle" von ganzem Herzen auch Glück und Segen auf allen Wegen mit dem neuen Ankömmling. Wolle der liebe Gott euch dieses Vergnügen nicht wieder nehmen darum bitten Onkel Tante Witwe und Nichten

Es ist abends 8 Uhr.

 

Euer Clemens.

 

 

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 22. Juli 1901

 

der Louis Klein ist auch noch hier bei uns im Geschäft tätig. Wie geht es bei euch jetzt so, habt ihr euch einen Selbstbinder gekauft? Gestern morgen haben wir mit unserem Selbstbinder den Hafer ge­schnitten und eingefahren, heute werden wir noch den Weizen ernten. Ich denke, daß wir so ungefähr 5000 lb Bindeschnur an die Farmer verkauft haben für diese Ernte. Doppelte Pferdegeschirre haben wir diesen Sommer schon 8 verkauft und 2 für ein einspänniges Gig oder Buggy.

Nun jetzt werde ich euch wohl soviel für einmal wieder erzählt haben, ich mußte ja doch das ver­säumte nachholen. Es ist eben immer dabei geblieben manchmal hätte es wohl gegangen aber der Croyent Platz darf man auch nicht ganz vergessen und so oft findet man wirklich keine Zeit dazu aber einige Zeilen könnte man doch wohl öfter schreiben. Wie schon gesagt fing ich schon am 21ten Juni an und schrieb erst am 20 Juli weiter. Da bekam ich abends die freudige Nachricht der Ankunft des gesunden, kräftigen Mädchens, Maria am 7. Juli 1901. Darum muß ich mich doch beeilen einen recht herzlichen Glückwunsch an euch zu senden. Morgen früh geht die nächste Post von hier ab, nachdem wir am Samstag abend die frohe Nachricht von euch erhalten haben. Bald werden wir tägliche Post haben.

Nun liebe Johanna, jetzt hast du einen Engel im Himmel und einen im Schoß und wir wünschen und hoffen, daß Maria recht gut gedeihen wird und ihr Johanna und Wilhelm nur Freude an ihr haben wer­det.

Ja jetzt werden auch der Großvater und die Großmutter sich freuen und bald noch mal wieder Gele­genheit haben das Baby zu wiegen. Jetzt höre ich aber auf es ist bereits 12 Uhr. Lebt wohl und baldige Antwort braucht ja nicht so lange warten wie ich.

Der "Ohm" Clemens Grüßet alle die nach uns fragen.

Am 21ten Juli kamen wir von der Romreise wieder bei euch an im letztem Jahr. Die Blumen wachsen, nicht nur der Vergißmeinnicht.

 

Nachtrag: [Präsident William McKinley starb Mitte September 1901 nach dem Attentat in Buffalo!!!]

Einen Plano-Jones-Hebelbinder wird hier etwa 450 bis 500 Mark kosten, nicht mehr, ganz genau weiß ich es nicht, weil gerade ein solcher hier in meiner Umgegend nicht gebraucht werden. Hier braucht man McCormick-Deering, Champion und Osbourne, aber alle kosten gleich viel. Hoffentlich werdet ihr wohl den gewünschten Regen bekommen haben, hier regnet es heute den ganzen Tag, es war auch sonst zu hart zum Pflügen. Unsere kleinen Ponys haben wir verkauft, und haben anstatt 2-4jährige braune Läufer, etwa je 1000 lb schwer. Außerdem 3 Arbeitspferde und zwei 2½jährige schwere Foh­len. Am letzten Sonntag war es 1 Jahr, als wir von unserer Europareise wieder daheim ankamen. Jetzt wird es auch bald Zeit, die Uhr wieder aufzudrehen, gar mancher hat die schon bewundert. Wollte nur wir hätten die Hochzeit bei Herrn Göckener mitmachen können.

Die Blumen von euren Samen sind jetzt in voller Blühte, aber kein Vergißmeinnicht darunter. Werde auch jetzt mal endlich das Feldglas schicken und die Kopfweh Pillen. Nicht wahr, da kann man viel Kopfweh haben, bis von hier Hilfe kommt. Hier gibt es nächsten Dienstag auch Hochzeit, nämlich es heiratet hier auch eine Winkelmans Tochter mit einem F. Beumer. Besondere Neuigkeiten weiß ich weiter nicht mitzuteilen, als das sich da ein Verrückter gefunden hat, den Präsident zu erschießen. Aber das hast du lange gelesen, ehe dies Schreiben zu dir hinkommt.

Mit vielen Grüßen an euch allen von uns allen

Clemens

Herman Wesselman hat seine Farm hier verkauft und will nach dem Staate Colorado ziehen. Dort glaubt er ein angenehmeres Klima zu finden.

Gruß an dein Briefträger Ernst Sieferts

Nach den 1. Oktober bekommen wir die Post auch täglich.

 

 

Duelm Minn July. 29th 1901

 

Liebe Johanna.

Deinen schon so lang, lang erwarteten Brief habe ich in der besten Gesundheit erhalten und es hat mich wirklich sehr gefreut, doch end­lich ein Lebenszeichen von dir zu bekommen, ich wäre bald zu den ent­schluß gekommen das du mich gans vergessen hättest, und war im Begriff dir zu schreiben als ich dein lieben Brief erhielt.

Aber was mich noch über alles erfreut hat war die freudige Nachricht das sich die Verwandtschaft um eine mehr vergrössert hat, nämlich in Euere junge Tochter, also – noch Nachträglich, wünsche ich Euch von ganzen Her­zen viel, viel Glück, und hoffe das ihr diese am Leben behalt, und das Sie stehts und immer so eine große Freude für Euch sein wird wie jetzt, Ach! könnte ich Sie doch einmal sehen, wäre es nicht für das große Wasser dan konnte ich die freude wohl haben aber jetzt ist gar nicht daran zu denken.

Liebe Johanna, jetzt bin ich mit die Arbeit ganz allein schom seit fünf Wo­chen, da heißt es aber angeparkt, und hatter noch die Schreiner im Kost die dem Buttermacher sein Hauß bauten  da hättest du aber meine langen Bein fliegen sehen sollen ha ha  die Frucht, da geht es so ziemlich mit, es war die erste Zeit eine Pracht ein Feld mit so schanes Korn zu sehen, aber da be­kommen wir für zwei Wochen lang so schrecklich heißes Wetter das die Frucht zu schnell reif geworden ist, unsere Leut werden Morgen mit den abmachen fertig.

Wir habe auch das Jubiläums feiren hier gehabt  ich habe meinen 60 Besu­che gut machen können den wir habe ja die Kirche bald auf die Nase, habe aber auch das 3-tägige feier gehabt für die Leute die weit vom die Kirche wohnen.

Ist die Frau Bergmann und Elize Frerick noch unter den Lebenden  die las­sen ja gar nicht etwas von sich hören  bitte wache die Schlafmützen mal auf, auch von die Frau Bergmann ihre Potografie im Brautstat habe ich auch nichts von gesehen, ich habe mich bis jetzt noch nicht abnehmen lassen, gedenke es aber bald zu thun.

Aber weh mir jetzt das der Allerliebste Kuhmann sich jetzt Verlobt hat  so schlechte Nachricht hatte ich nicht erwartet, ich habe mir Zwiebeln in die Augen gerieben um dach ein paar Thränen hervorbringen zu können, aber mein einziger Trost war das es ja meine eigene Schuld war  ich hätte damals besser zu beißen sollen. ha ha ha. solche gibts noch. meinst du nicht auch gibt mir doch ein wenig Trost.

Der Wilhelm ist auch am Samstag Heim gekommen aber für wie lange Zeit weiß ich nicht  der kommt leider sehr oft Heim.

Liebe Nicht wie steht es dan noch mit deinem Befinden  noch immer guter Dinge, und auch mit deine Eltern und Geschwistern  bitte Grüße sie alle bestem von mir.

So ist die unart Elize Rathmann noch immer bei Euch, wie ist es kürzlich mit ihr  ich denke so oft an ihr, und wenn wir die Kühe holtem habe wir zwei ma[n]cher Spaß zu sammen gehabt. braucht sie noch immer so viel neue Holzschuhe?

Wir hatten hier für zwei Wochen fürchtbar heißes Wetter, es war zu heiß bald für Menschen und Vieh zu Arbeiten, ich glaube es kann nicht viel hei­ßer in die Hölle sein. es sind sehr viele in die Städten von der Hitze krank geworden  sind so auf die Strassen unngefallen  es war 107 im Schatten 

Wie du schreibst scheint der Franz Marschall läßt Seine Freierin mal ein wenig Ruhen, er macht sich besser af die Bein  den die Anna kann kaum all die Arbeit allein versorgen. wie Sie schreibt.

Liebe Johanna, ungefähr ein Jahr zurück inn diese Zeit waren wir in die große Stadt Berlin, wir schnell vergeht doch ein Jahr, es kommt mir vor alß wären es nur etlich Monaten her. Denke mal, bald wird ein Jahr verflossen sein  da wir vielleicht auf immer vom ein ander Abschied nahmen  die Zeit vergeß ich nie.

Ich muß jetzt mein Schreiben enden  den ich kann bald die Augen nicht mehr aufhalten  ich bin Heute morgen unn drei Uhr aufge[s]tanden für zu Waschen, deshalb bitte Entschuldige die Fehler und schlechte Schrift. Bitte Grüße alle von uns alle und hoffe das dieser Brief Euch alle ohne ausnahme in der Besten Gesundheit antrift wie es uns alle verläßt

Also mit besondere Grüße und Küße an dich und die kleine Cosine und auf eine baldige Antwort wartet

Deine dich liebende

Nichte Bertha.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 18. Dez. 1901

 

To lieber Wilhelm, Johanna und alle

 

noch so eben ist es Zeit genug, um dieses bei euch in diesem Jahre noch einkehren zu lassen und somit rufe ich aus allen Kräften zu euch herüber und auch zu alle die nach uns fragen, und Briefträger [Ernst] Sievers ein "Glückliches Neu-Jahr!"

in der Hoffnung, einen recht fröhlichen "Weihnachten" gefeiert zu haben. Dieses ist nun der kleinen Maria ihren ersten Neujahr, und wünsche ihr besonders noch 99 Jahre mehr. Wir sind noch alle recht gesund, und hoffe das gleiche von euch allen.

Unser Herr Louis Klein wird uns in einigen Tagen verlassen, und bekommen einen andern wieder aus dem Staate Iowa, nahezu 200 Stunden von hier (5 bis 600 Meilen). Habe ihn noch nicht gesehen, alles was ich von ihm weiß ist, daß er deutscher Herkunft und katholisch ist und sehr gute Zeugnisse hat. Erwarte ihn noch in dieser Woche.

Das Wetter ist schon ziemlich kalt mit etwa 4-6 Zoll. Schnee. Letzte Woche hatten wir Besuch hier alle aus Lette. Heinrich Maas, Heinrich Eiing, Hermann Rickert, Heinrich Große Hölting und Clemens Jungman. Die 3 erstgenannten wohnen etwa 40 Meilen von hier, und waren eigentlich zu Jungman ge­kommen. Heinrich Markfort seine Frau hat vor einigen Wochen wieder geheiratet, ein Jüngling von etwa 35 Jahren, er ist gebbürtig bei Speyer in der Pfalz, ist schon längere Zeit in Amerika. Scheint mir ein wenig, als ob er nicht gerade der schlaueste wäre. Nächsten 5ten Februar feiern wir den 25ten Ge­denktag unserer Verheiratung (Silberne Hochzeit). Habe mir eine Sendung von 100 Liter Wein aus Rom kommen lassen, welcher bereits in New York angekommen ist, aber noch nicht hier. Lade euch hiermit ein gefälligst hier zu sein an unserem Silber-Tage.

Weitere Neuigkeiten für euer Interesse gibt es hier nicht, soweit will ich schließen unter vielen vielen Grüßen an euch allen von

 

C. A. Hunck nebst Frau und Kinder

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 20. Dez. 1901

 

To Wilhelm Diekämper Merfeld bei Dülmen

 

Lieber Neffe! Erhielt gestern deinen Brief vom 3. Dez. als ich gerade vorgestern ein Brief an euch sandte. Nichts Neues seitdem als das ich eine Nachricht bekam, daß ich den neuen Clerk (Commisar) am Samstag von St. Cloud abholen soll. Mit Vergnügen vernehme ich das Gedeihen der kleinen Ma­ria. Über das Feldglas habe ich weiter nichts gesagt was ich in Heidelberg kaufte. Unsere Bertha wollte das Feldglas gerne als Andenken behalten, so bestellte ich in Chicago ein neues. Ich werde den J. Smith schon wohl nicht weiter schreiben, ich wußte von ihm nichts bis du es mir geschrieben hast, obschon ich seinen Anzeigen im Waisenfreund wohl gesehen hatte, aber ich schenkte den amerikani­schen Anzeigen nicht mehr Zutrauen und Aufmerksamkeit als sie es verdienen. Von dem Tode der Frauen Füsener und Austerman habe ich bereits gelesen aber von Füsener dachte ich es würde die alte Mutter wohl sein. Von Frau Wiethoff wußte ich nicht. Meine Anteilnahme an die Trauer der betroffe­nen drei Männer sei hiermit kund gegeben.

Bitte schicke mir mal ein Umschlag von dem Waisenfreund dieses Jahres mit der Adresse, Briefmarke und No. die darauf ersichtlich sind. Ich möchte mal sehen ob er eine Änderung in der Adresse und No. gemacht hat. Er schreibt mir immer Merzfeld anstatt Merfeld.

Meine Nase wollte ich noch sagen hat mir 100,00 $ gekostet nebst die Reise und Hotel kosten welches auch beinahe soviel gekostet hat. Ist aber doch besser geworden. Er will mir das linke Ohr auch noch zu [unleserlich ??] versuchen und zwar unentgeltlich habe aber jetzt keine Zeit um hin zu reisen und dort jedesmal eine Woche zu bleiben um mich behandeln zu lassen.

Mit Gruß und abermaliges "Glückseliges Neujahr" schließt hiermit euer

Onkel Clemens

Die Post kommt hier auch jetzt alle Tage um 1 Uhr

 

 

Duelm, Minn. March. 17, 1902

 

Liebe Johanna.

 

Nach langen warten auf einen Brief von dir zu erhalten denn ich aber bis jetzt noch nicht bekam, da ist mich endlich die Geduld vergangen, und nehme nun die Feder zur Hand um dir nochmals ein paar Zeilen zu schreiben.

Was ist dan eigentlich loß das du liebe Johanna doch nichts mehr von dich hören läßt  bist du böse oder denkst du vielleicht  an die Bertha schreibe ich nicht mehr, oder ist die kleine Maria so unruhig daß du keine Zeit bekommst für ein kleiner Brief an deine so weit enfernte Nichte zu senden, hoffentlich ist keines der Fall.

Jetzt muß ich aber erst nach deinem Befinden fragen  hoffe daß es nichts an dem zu wünschen übrig bleibt.

Bei mir geht es noch immer so beim alten, kann gar nicht klagen, wenn man Gesund ist  dann kann einer zufrieden sein, nicht wahr?

Liebe Johanna, es ist doch schade daß ihr nicht bei dem Silbernes Jübilaium meine l. Eltern gegenwärtig sein konnten. welches eine doppelte Freude für uns alle gewesen wäre, aber es ist leider doch einen weiten Weg bis hierhin, aber es hat sehr viel zum Vergnügen geholfen, denn schonen Spruch zu er­halten, überhaupt für meine Eltern. Da ist es aber lustig hergegangen, daß versichere ich dich, dießen Unart hat sich mal ordentlich ausgelassen, wie du dich schon denken wirst, denn gebessert habe ich mich nicht viel.

Wie ha[r]t ist dir den letzten Sommer dach gegangen, mir bereits ziemlich gut, jedoch habe ich die Arbeit meistens ganz allein gethan  hatten keine Magd, bis jetzt ungefähr zwei Monaten zurück haben wir wieder eine be­kommen. ich kann dir aber sagen, das hat daß Speck aber gehörig hergehal­ten  schadet aber so ein liederliches Wesen nicht viel, was meinst du? Ich denke ich muß mal wieder nach Merfeld hinüber um das verlorene wieder zu suchen  ha ha. wie ich damals Heim kam war ich so fett wie ein kleines Schweinchen.

Der Wilhelm hat jetzt wieder eine Stelle als Reisender, wird in einige Tagen anfangen  er war den ganzen Sommer da Heim.

Liebe Johanna wie steht es noch mit deine Eltern und Geschwistern ihren Wohlergehen. ich habe so lange kein Zeichen des Lebens von die bekommen

Um mein Versprechung nachzukommen, schicke ich dir liebe Nichte etliche Bilder, um bitte dich so gut und gefällig zu sein, und sie vertheilen  ich werde dir die Namen hiermit beilegen, aber Johanna erschrecke dich doch nicht wenn du sie auf machts, ich gebe dir ein guten Rath  nagel es vor die Thür, und dann kommt sicher kein Dieb ins Haus, und dann bleibt der Ber­nard vielleicht mehr fort, wenn er die Elise noch immer besuchen kommt  ha ha, es ist nur ein wenig scherz, nicht böse sein Elise, ich kann das Ärgern nicht sein lassen.

Wie geht es immer bei Marschalls, hat der Franz schon wieder eine Braut gefunden, die Anna hat auch schon in eine Ewigkeit nichts mehr von sich hören lassen, helfe ihr einmal daran denken.

Wir haben ein Buttermacher und Schullehrer in Kost, der letzterer, ist aber dach ein so kleiner Mensch, er ist ungefahr so groß wie mein Vater, und ist 245 Pfund schwer.

Wir hatten den ganzen Winter fast keinen Schnee und war auch gar nicht sehr kalt, und für ein paar Wochen war es so warm das es gethaut hat, und Samstag hat es geregnet, und da wurde es auf einmal so kalt daß mir gestern in die Kirche die Zähne klapperten.

Ich denke ich muß meine Epistel zu ende machen sonst fängt dir der Kopf noch an weh zu thun bist du fertig bist. Mit vielen Grüßen von uns alle an Euch alle aber besonders von deine

dich liebende Nichte

Bertha

Bitte schreibe recht bald wieder, und laß mir doch keine graue Haar kriegen ehe ich einen bekomme,  behalte ein Bild für dich.

Die Namen lege ich hir bei.

Gute Nacht.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 12. Mai 1902

 

To liebe Angehörigen in Merfeld bei Dülmen

 

Ja endlich euch mal ein Lebenszeichen abzugeben wäre wohl an der Zeit, und sende deshalb dieses Schreiben. Habt sicher schon gedacht, das wir nach der 2ten Hochzeit gestorben seien. Fürs erste laß mich euch unseren besten Dank aussprechen für eure herzlichen Glückwünsche. Der Brief und der sil­berne Kranz kamen gerade Mittags am Hochzeitstage an und trug freilich sehr zu heiterer Stimmung bei, indem sie gleich verlesen wurden und den einige Gläslein von dem so guten Wein, den ich spezi­ell hatte von Rom kommen lassen. Es waren etwa 25 Familien eingeladen, nur alles Plattdeutsche. Alle Freunde einladen hätte keinen Zweck gehabt, weil es eben zu kalt war zur Zeit. Als erster Bote hat euch ja wohl der St. Cloud Nordstern darüber berichtet. Ja jetzt sind es gerade 2 Jahre, als wir es bei euch uns vergnügt gemacht haben, und jeden Tag Freunde besuchten. Es wird hier auch noch öfters über diese und jene Gelegenheit von unserer Reise dort gesprochen, in froher Erinnerung. Wir sind alle noch recht gesund und hoffen selbiges von euch allen und besonders von der kleinen "Maria". Einen Joseph wird jetzt wohl bestellt sein. Hoffentlich wird der junge Specht von seinem Nasenübel völlig geheilt sein.

Das Wetter ist hier diesen Frühjahr meistens trocken gewesen, so das die Saat gut bestellt werden konnte. Erst war eine Besorgnis um Regen, aber noch in rechter Zeit ist genug Regen gefallen und jetzt kann alles wachsen, nur möchte es bald wärmer werden. Diese Woche haben wir noch Mais und Kartoffeln zu pflanzen.

Wie schon berichtet, hatte ich letztes Jahr 80 Acker anschließend an unsere Farm hier gekauft für $ 18,00 per Acker, und jetzt haben wir die mehr abgelegene Farm 120 Acker groß wieder verkauft für $ 21,00 per Acker oder rund $ 2500,00 Dollar Das gekaufte ist besseres Land, und näher gelegen. Der Käufer ist ein Westfale, und kam vor 11 Jahren von Lütgeneder bei Warburg. Ich habe jetzt eine von Hortman seine Karten von Westfalen. Diese Karte hat wohl ein Maßstab, aber keine Farben und Zei­chen Erklärung. Was bedeuten die vielen 0000 zwischen Dülmen und Holland sehr stark vertreten? Diese Farm hätte auch eine gute Heimat gemacht für manchen bei Euch. Der Pfarrer Stephen Urbanke den wir hatten, zur Zeit, als wir bei euch waren, ist schon über 1 Jahr von hier fort, und halten wir letztes Jahr ein polnischer junger Priester John Guzdek, der war wohl ziemlich gut, aber konnte das deutsche nicht so ganz geläufig verstehen, und haben wir jetzt seit 1 Monat wieder einen anderen, Pfarrer Ignatius Wippich, welcher ein sehr guter Herr zu sein scheint. Er spricht gut deutsch, englisch und polnisch. Du fragst nach Herrn [Franz Joseph] Füsener [* Dülmen 6.11.1861 / ?], der ist schon noch am leben, jedoch habe ich ihn seit einem Jahr nicht mehr gesehen.

Als Beweis lege ich hier ein von ihm an mich gesendetes Zirkular bei, welches ich am 23 Jan. erhielt. Wilhelm Emmerich [* Lette 27.1.1870 / ? ] hat sich auch eine Farm hier bei Duelm gekauft, von Herrn Börger (Lette). Börger mußte Land verkaufen, sonst hätte er später nichts mehr heraus bekommen. Er hat jetzt noch 120 Acker, ist aber schlechteres Land, was er verkauft hat, ist sehr gutes Land. (160 Acker.) bestehend aus Acker, Wiese und Holzland; der Emmerich hätte bald ein großen Fehler ge­macht. Er hatte nämlich schon $ 3000 00/100 Dollar geboten für 80 Acker, wohl gutes Land, aber kein Holz [Wald] und Wiese, und konnte Börger seine Farm kaufen für $ 3675 00/100 Dol. 160 Acker groß. Ich sagte ihm, er sollte sich doch erst zehnmal bedenken und überlegen, ehe er die Farm für 3000,00 kaufte. Die Börger Farm ist gerade so gut und doppelt so groß, und viel besser geeignet für Frucht anzubauen und Vieh zu züchten oder halten. Obschon auch ein Unterschied war – Er sollte ein Gespann Pferde etwas Vieh und Farm Maschinerie bei die 80 Acker Farm bekommen, was er bei Bör­ger seine nicht bekommt. Emmerich wird nun wohl etwa 2 bis 3000,00 Schulden behalten, aber das kann er wohl bezwingen, wenn er es richtig treibt, und da wird es wohl nicht dran fehlen. Börger wird so zirka 20-30 Minuten von ihn ab wohnen. Die Börgers sind immerhin in Klagemine [Rechtsstreit] [?] mit sich selbst verwickelt. Die Farmen gehörten sein Sohn Heinrich jetzt hat der Alte ihn verklagt, für etwa $ 500,00 die soll ihm Heinrich noch schuldig sein. Die Advokaten schmieren [machen den Reibach] sich damit.

Was andere Leute treiben, geht mir nichts an, so will ich mein Schreiben schließen. Bitte mein langes Stillschweigen zu entschuldigen, es war nicht mit Absicht geschehen, aber du weißt ja, wenn man einmal am aufschreiben ist. Wir sind noch alle wohl und hoffe, das euch ebenso ergehen wird.

Die besten Grüße von uns allen und besonders von

 

C. A. Hunck

Hoffe baldige Antwort zu erhalten.

 

 

Duelm Minn. July 12, 1902

 

Liebe Johanna.

                   Noch einmal nehme ich die Feder zur Hand um dir ein paar Zeilen zu schreiben. Nun was ist den Eigentlich loß. Das man gar nichts mehr von dir hört, du giebts ja gar kein Lebenszeichen vom dir  bist du böse oder hast du das schreiben verlehnert. aber du denkst vielleicht an die Bertha schreib ich nicht mehr, die habe ich ganz vergessen. hoffentlich ist keines der Fall.

Habe Tag für Tag auf ein paar Zeilen gewartet aber vergebens, hoffe aber doch jetzt, bald ein Antwort zubekommen.

Habe letzte Woche eine langen Brief von Maria Bergmann, welches mich sehr freute, die ist noch immer die selbe Maria  es thut mir noch öfters leidt das ich Sie nicht gleich besser kannte  sonst hätten wir noch manche ver­gnügte Stunde verbracht.

Haben heute Abend ein ziemlich scharfes Gewitter gehabt, der Wind hat etliche Äeste vom den Bäumen abgebrochen  hält aber jetzt ein wenig noch  hoffe das es nicht nochmal anfängt, den ich bin kein sehr große Freund für starkes Gewitter. Das Wetter war übrhaupt kühl diesen Sommer, echtes Frühjahr Wetter, und ist schon im Juli  wird aber jetzt wärmer. Was macht den die kleine Maria? O wie gerne thäte ich sie dach einmal sehen und in meinen Schooß halten, aber es ist nicht möchlich.

Jetzt hat der Franz Marschall sich endlich Verlobt, ich hoffe nur daß er eine gute Lebergefärhtin bekommt. Habt ihr’s auch recht lustig gemacht auf dem F. Buckman seine Hochzeit gemacht oder wart ihr nicht hin. Hat dein Bruder Anton noch keine gefunden die er besser gleicht wie sich selber, bin sehr Neugierig nicht wahr? aber bitte Vergibt mir  du weißt ja daß ich einmal sonn Vorwitztiges Kind bin

Nächsten Sonntag abend wird das Passions spiel in Lebensgroße Bilder in unsere Kirche vorgestellt.

Unsere Rudolf sein Gebursttag war gestern den 11 und war sieben Jahre alt, und auch ein rechter Unart. Der Willi ist jede Woche fort  kommt Samstags gewöhnlich Heim. er verkauft jetzt Draht-Maschienen.

Wir müßen die Arbeit dießen Sommer wieder allein thun, hatten fast den ganzen Winter ein Mädchen, es ist hart ein gutes Mädchen zu bekommen

Habe die Elise Rathmann ihren Brief bekommen  Sie sagt sie thäte sich noch öfters ein paar Holzschuhe machen lassen (vom Bernard.) ha ha. Wie steht es noch immer mit deine Eltern ihrem Befinden und auch deine Geschwi­stern. bitte Grüße Sie alle bestens von mir, und sage Elise Sie sollte dach auch mal meinen letzten Brief beantworten.

Von Anna Marschall habe ich auch lange nichts mehr gehört, ich glaube ihr seid alle eingeschlafen.

Erfreuen sich Onkel und Tante noch immer die beste Gesundheit?

Liebe Johanna, hat den der weiße Kuhmann seine Hochzeit gefeiert, doch schade das ich doch nicht mehr bei Euch bin  ich wäre doch sicher eine von den Eingeladenen, ha ha ha  meinst du nicht auch? Wir haben vor drei Wo­chen zurück eine große Polnische Hochzeit mitgemacht, da ging es lustig her.

Nun liebe Johanna, muß ich mein schreiben zu Ende bringen in der Hoff­nung doch bald etwas von dir liebe Nichte zu hören  bitte schreibe doch bald wieder

Mit die besten Grüße an Euch alle

Verbleibe ich deine dich liebende Nichte Bertha.

 

 

Duelm Minn Sept. 3, 1902

 

Liebe Johanna,

 

                   Wohl habe ich einen Brief an dir liebe Nichte geschrieben etli­che Wochen eher ich dienen l. Brief erhielt, muß aber jedoch nochmals schreiben  denn es freute mich so sehr mal endlich einen Brief von dich zu erhalten, denn ich hatte die Hoffnung schon aufgegeben nochmal ein schrei­ben von dir zu bekommen. Hier ist alles noch so beim alten  wir sind noch alle Gesund und munter, und hoffe dasselbe von Euch alle   Na ja, das ist noch nöthig daß du meine Fratze im Album gethan hast, aber ich glaube du hast noch lange zu warten bist du daß andere gewünschte Bild erhelts, aber bekommen sollts du eins wenn so etwas vorfallen sollte. ha ha  glaube aber schwerlich, und was du wegen graue Haare schreibst, dafür brauche ich nicht mehr zu warten denn ich habe schon etliche, daß wird dich wohl sonderbar vorkommen, aber es ist die Wahrheit, ich muß mich zu viel ärgern, ha ha – wenn das die Schuld wäre hätte ich keine. Habe Maria Bergmann ihren Brief schon erhalten nach langem Reisen, Sie hatte die Adresse nicht vollkommen geschrieben, hatte nicht denn Namen deß Staat’s darauf geschrieben, das Kouvert war ordentlich voll gekratz von verschiedener Postbeamten.

O wie gerne wäre ich diesen Herbst bei Euch um die Hochzeit vom Franz Marschall beizuwohnen, könnte ich mich übers große Meer wünschen so wäre ich gans sicher wärend die Zeit bei Euch, aber es ist schade das so et­was leider nicht möglich ist, so l. Johanna tanze und ammusire dich thüchtig und denke das ich in euere Mitte wäre. Das Schützen Fest hatte ich auch mal gerne zugeschaut.

Liebe Nichte, wie steht es mit Anna Marschall ihr Befinden, hoffentlich ist Sie doch wieder gans Gesund. hat Sie sich schon mein Bild geholt, es thut mir recht leid für die Anna  denn sie scheint ein recht gutes und frommes Mädchen zu sein, bitte sage ihr ich thäte schon lange auf einen Brief warten.

Ist die liebe, kleine Maria wieder von ihrem Stickhusten befreit, ich wünsche nur das ich Sie doch nur einmal sehen könnte, bitte schicke uns doch mal eine Photografie von ihr.

Wir haben hier am 26ten August eine doppelte Hochzeit beigewohnt  zwei Schwestern waren am selbigen Tage zum Braut Altar geführt, beide von unserem Kirchen Sänger  Da habe wir auch zwei Tage gefeiert, ich kann dir aber sagen das ich das Tanzen aber satt war, aber auch viel Spaß gehabt, es war eine polnische Hochzeit

Bei Frerick’s muß sich alles verändert habe mit das neue Hauß. muß jetzt eine schonen Platz sein denn es war damals schon ein netter Platz, bitte grüße Sie alle bestens von mir.

Am 10ten August habe wir unser Kirchenpatron Fest gefeiert nämtlich das Fest des h. Laurentius, und habe dazu eine Statue von Münster hierher kommen lassen, eine prachtvolle Figur.

Wir habe diesen Sommer sehr viel regen gehabt aber Gott sei Dank soweit von Stürmen verschont geblieben, denn es waren überall viele Stürmen und Hagel hat im vielen Plätzen alles zerschlagen.

Der Wilhelm geht morgen wieder fort als Reisender diese mal für eine Schuh Firma, aber für wie lange es dauert das weiß keiner.

Ich muß jetzt mein schreiben schleißen denn es ist Bett zeit für kleine Kinder und mich fallen die Augen bald zu, jetzt aber bitte warten doch nicht wieder so lange liebe Johanna bist du wieder schreibst. Mit die Herzlichsten Grüße an Euch alle und auch Frericks von und alle aber besonders an dir liebe Nichte von deine

Dich liebende Nichte

Bertha

Bitte die großen Fehler zu übersehen, denn es sind davon genug.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 13. Dez. 1902

 

Lieber Wilhelm und Johanna!

 

Euren Brief vom 19ten Oktober zur Zeit erhalten. Mit dem Maße, womit ihr austeilt, wird euch wieder zugemessen, bedeutet wohl dein letzter Brief. Ja nun, es kommt manchmal so, aber doch durch keine besondere Absicht, also nichts für "Ungut".

Es freut uns zu wissen, das ihr alle, bis auf ein leichtes Augenübel, noch gesund seid. Wir sind soweit auch noch mit guten Wohlsein gesegnet, doch wie lange es noch dauern wird weiß man nicht, denn in unserem benachbarten Dorf Foley (2 Stunden von hier) sind 8-12 Blattern Fälle ausgebrochen. Die Ernte ist hier letztes Jahr ziemlich gut ausgefallen, bis auf den Mais, der ist nicht recht reif geworden, weil wir es zu kühl und feuchtes Wetter hatten. Der Mais wird bei euch auch wohl teuer sein. Gedro­schen haben wir an Weizen 637 Bushel Roggen 296 Bushel und Hafer 1.242 Bushel Respektive Mal­ter 71-33-135. Korn oder Mais weiß ich nicht wieviel, es sitzt noch am Stroh. Werden es aber in eini­gen Tagen mit den Maschinen ausdreschen lassen. Wilhelm arbeitet jetzt in den Fichtenwald wie auch ich früher schon getan habe, als Reisender konnte er nicht genug verkaufen um seinen Lohn gut zu machen. Das heißt, das Geschäft rentierte sich nicht weil es in allen Branchen die Wilhelm vertrat zu viel angeboten wird. Ich hätte ja wohl Arbeit genug für ihn, aber das junge Volk hier zu Lande will sich von die Alten nicht befehligen lassen. Unser Louis Klein ist noch hier, er ging mal einmal fort, kam aber bald von selbst wieder, der ist wohl gut aber trinkt manchmal zu viel. Wir haben jetzt eine gesetzliche Schenke hier nahe bei, somit hat unser verkaufen ohne die gesetzliche Schenke zu haben aufgehört. Letzten Winter mußte ich mal $ 50,00 Dollar Strafe zahlen an dem war ein böser Nachbar Schuld mit dem konnte ich nicht gut fertig werden, er dachte, ich will Hunck schon kriegen und zeigte mich an. Er selbst fing denn eine gesetzliche Schenke an mußte sie aber wegen zu geringer Kund­schaft wieder verkaufen. Der erste Schenkeninhaber war nicht beliebt und hat nur gar wenig Freunde und Kundschaft gehabt.

Da habt ihr denn wohl ordentlich Hochzeit gefeiert bei Marschall, wir konnten leider nur in Gedanken dort sein. Habe ihm ein Brief geschrieben, habe aber auch noch keine Antwort erhalten, wird mich auch wohl auf selbige Weise bestrafen wollen? Hast du etwas gehört davon? Ich sehe, daß ihr letztes Jahr viel Geld gemacht habet aus dem Vieh, und das ihr die Hülfenwiese so verdienstlich umgearbeitet habt. Auch mit der Lebensversicherung hast du wohl gut getan, es kann unverhofft ein Sterbfall ge­schehen wie auch hier, aber ich bin schon zu alt um eine Lebensversicherung abzuschließen.

Wie ihr wißt kaufte ich 80 Acker Land kurz nachdem ich bei euch war, und habe vergessen, ob ich seitdem schrieb, daß wir 120 Acker wieder verkauft haben, welche ½ Stunde von hier waren. Die neu gekauften 80 Acker grenzen hier an unserem Land, jetzt ist dieses 160 Acker in ein Stück, und genug, um eine anständige Farm zu betreiben.

Außerdem haben wir noch 15 Acker angrenzen, auf denen unser Geschäft und Wohnhaus steht. Du schreibst über Kartoffeln das die ziemlich gut waren, auch hier, denn wir haben welche im Keller die 2 lb wiegen und sind dazu gute Eßkartoffeln.

Das Wetter ist hier jetzt schon ziemlich kalt gewesen, und liegt etwas Schnee, aber nicht genug für gute Schlittenbahn zu machen.

Nun will ich noch bemerken, das Bertha zu Hause ist, und Clara und Rudolf gehen in die Schule. Die­sen Monat haben wir einen 2 wöchentlichen Besuch gehabt von Gertrud Hünck und ihr jüngster Sohn Heinrich [Hünck]. Sie ist jetzt bei ihrem ältesten Sohn, der auch ein Store (Laden) hat hier in Benton Co. Sie will nächste Woche von hier, um auf dem Heimwege auch noch den Klemens Esselman einen Besuch abzustatten. Ihr Sohn Heinrich [Esselman] hat sich hier bei einem Farmer verdungen. Gerhard [Esselman] ist gesund und läßt euch grüßen.

Nun zum Schluß wünschen wir euch allen, daß ihr einen fröhliche Weihnachten gehabt und ein "glückseliges Neu Jahr" für euch "allen" und alle die nach uns fragen

C. A. Hunck nebst Frau und Kinder

Ein besonderes glückseliges Neujahr für die kleine Maria.

 

Blattern und Pocken

 

[1903]

[ ................... ]

graue Haare bekommen übers warten auf einen Brief und die Photografieen die Sie mir zu senden wollte.

Die Früchte sehen hier nicht vom aller besten aus, den der Regen hat zu lang zurück gehalten, aber jetzt kürzlich habe wir etliche schwere Gewitter gehabt. und kann Euch sagen Geblitzt hat es gehörig.

Wir sind Montag mit dem Roggen abmachen begonnen.

Willi verkauft jetzt Nähmaschienen, welches bis jetzt gut ausgefallen ist, er hat neulich 3 in einen Tag verkauft, aber diese Woche muß er auf dem Felde arbeiten.

Liebe Johanna, es sind bereits schon drei Jahre verflossen das wir übers große Wasser Segelten, wir waren um diese Zeit in Berlin, ich wollte ich könnte jetzt nochmal da sein, um zu sehen ob sich da und auch in Merfeld sich viel verändert hätte

Ist die Elise Rathmann noch immer bei euch

[ ................... ]

 

 

 

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 30. März 1903

 

Lieber Wilhelm und Johanna!

 

Euren lieben Brief vom 5ten Februar kam an vor kurzer Zeit. Es gereicht zur Freude zu wissen, daß ihr noch alle gesund seid und die Familie sich vermehrt hat. Hoffe das der am 6. Januar 1903 geborene kleine Franz gut gedeihen wird und so groß und stark werden wird wie sein Vater. Jetzt ist ja doch der erste harte Verlust völlig ersetzt und wir wollen auch vollen Kredit geben für die beiden von euch ge­wählten Paten, daß sie immer für den Täufling Franz einstehen.

Hatte ja doch nicht geahnt [Franz] Marschalls gegenüber eine so schwere Sünde begangen zu haben. Es ist schon wahr das ich nicht gleich antwortete auf den Glückwunsch und zur Silbernen Hochzeit aber als es gleich nicht geschah so blieb es vernachlässigt aber aus keinem besonderen Grunde. Ich schrieb ja doch am 16 Juli welches er am 9th Aug. 1902 erhalten hat. Dann erhielt ich eine Verlobungsanzeige die ich unbeantwortet ließ bis die Einladung zur Hochzeit kam, die ich wohl beantwortet habe aber wo möglich nicht in der rechten Weise? Ich denke das ich die Briefe von [Franz] Marshall wohl so gut beantwortet habe wie ich die meinigen getan habe, aber das man gerade alles so genau nehmen würde und abwiegen, hatte ich gar nicht gedacht. Ich denke es wird das alles wohl nicht so schlimm sein wenigstens wollen wir es nicht schlimmer nehmen als es ist. Das Wetter ist hier diesen Winter ziemlich kalt gewesen mit viel Schnee somit hatten wir eine gute Schlittenbahn [Schlittenspur für ein Schlittengespann]. Jetzt ist der Schnee fort und wir werden hier bald mit dem sähen beginnen. Wilhelm ist wieder zu Hause. Das Joseph David nach Deutschland will davon habe ich hier noch nichts gehört.

Du fragst nach Clara u. Rudolph die gehen hier jetzt in die Staatsschule. Diese Schulen sind alle nicht so schlimm wie sie der Waisenfreund darstellt. Wir haben einen katholischen Lehrer der alle Tage 1 Stunde Religions-Unterricht hält. Unser Louis Klein ist jetzt seit Januar nicht mehr bei uns. Jetzt habe ich einen andern Ladendiener. Möchte unsere Farm wohl verpachten oder verkaufen weil ich nicht mehr so viel Umstand [Arbeit] damit haben will. Habe hier nahe bei (angrenzend) 160 Acker die ich $ 40 Dollar den Acker wert halte. 120 Acker unter dem Pflug der Rest ist Weide u. Wiese. Hiermit will ich schließen unter vielen Grüßen von allen besonders von C. A. Hunck.

Nachtrag des Briefes vom 30. März 1903

Was Franz Marshall angeht, so fühlt der sich wohl ziemlich beleidigt, ich kann es aus seinem im April geschriebenen Brief klar ersehen. Die ganze Nachricht nach meiner Ansicht, bei ihm gar hoch und richtig betrachtet, und meinerseits dagegen mehr geringschätzig und kaltblütig. Der Grund liegt wohl darin, er ist noch jung und hat das alles natürlich mit mehr Wichtigkeit betrachtet als eine ältere abge­klärte Person, wie ich es schon bin. Ich kann soviel sagen, das ich in keinem falle gering von ihm ge­dacht habe. Im Gegenteil der Franz Marshall hat einen sehr guten Eindruck auf mich gemacht, und ich möchte ihn unter keinen Umständen verkleinern [demütigen] oder verachten. Was nun ein kleines An­denken von uns an ihn angeht, so habe ich auch wohl daran gedacht und war und bin noch gesonnen, das zu besorgen. Meine Ansicht hierin war diese. Als seine Schwester geheiratet hat, haben die von uns auch kein Geschenk bekommen, als Theresia heiratete, war die Hochzeit schon vorbei, als ich da­von in Kenntnis gesetzt wurde, das heißt wenn ich nicht irre, als die Elisabeth heiratete, hat man mir von Marshalls Seite gar nicht mal darüber berichtet, somit war ich in dieser Hinsicht von Marshalls wohl ziemlich stiefmütterlich behandelt worden. Sonst aber was unseren Besuch angeht, taten sie ja alles was möglich war. Ich wünsche, daß ich die Mißstimmung auf gleiche Weise wieder gut machen könnte. Hätte ich nun ein Geschenk zur Hochzeit an Franz [Marshall] geschickt, so würde ich doch die anderen beiden Geschwister beleidigt haben. Ich hatte es nun so überlegt und glaubte, daß es richtig sei. Ich dachte nach der Hochzeit würden sie uns vielleicht eine Photographie von der Hochzeit und der jungen Frau zusenden, und wenn das geschehen wäre, so würde ich auch ein Bild für Franz Mar­schall anfertigen lassen, ähnlich wie eures, und hätte es dann nachträglich geschickt. Ich habe jedoch noch kein Bild von Marschalls, noch nicht einmal einen Gruß von der jungen Frau bekommen, woge­gen ich sie doch, wenn auch nicht beschenkt, so doch mit Gratulationen und Grüße bedachte. Wenn ihr ein Bild davon habt (von der Frau) (von Franz Marshall habe ich eins) und ihr wolltet so gut sein und es mir zusenden, so wäre mir das sehr lieb, und ich würde es auch gut und wohlbehalten wieder zusenden wenn ich eine Kopie hätte machen lassen. Es müßte peinlich gut mit mehrere Pappendeckel verpackt werden, das ein brechen unmöglich sei. Er brauchte ja nicht zu wissen, wo ich das Bild her hätte, doch möchte er es raten. Ich habe auch heute an ihm geschrieben, und ihm nach ein Bild gefragt, aber nicht gesagt, das ich es zu solchen Zweck gebrauchen wollte. Jetzt weißt du die ganze Sache von mir und ihm, jetzt sehe mal zu, was du von ihm herausfinden kannst, und was du zu meinen Gunsten ihm sagen kannst. Er schrieb nämlich, ich würde mich ja vielleicht noch erinnern, daß er seit vorigen Oktober verheiratet sei. Und es hätte den Anschein gehabt, als wenn er bei mir in den Hinterngrund getreten sei. Das es für Franz so schiene, daß die Marschalls für mich [Clemens Hunck] gar nicht mehr existierten. Aus welchem Grunde soll uns etwas kränken, warum sollte ich Marschalls zürnen, wir leben glücklich und das geht uns zunächst über alles andere. Soweit was Franz sagte und was ich dazu zu sagen habe. Dies sind unsere Gefühle, um aber nicht mißverstanden zu werden, denke ich nicht, daß ich ihn zu solchem Ansinnen genügende Ursachen gegeben hätte. Wenigstens nicht nach meiner Überlegung. Was ich ihm nun geantwortet habe wird er dir vielleicht sagen oder lesen lassen, ich kann es hier nicht alles wiederholen.

Ich war freilich ein wenig nachlässig seinen Bemühungen gegenüber, aber hegte nicht die geringste Ursache dafür.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 2. Sep 1903

 

To mein lieber Wilhelm, Johanna, Bruder u. Schwägerin

 

Schon wieder einmal nach so langem Zögern will ich doch deinen so lieben Brief vom 7 Juni endlich beantworten. Es freut uns zu wissen, das ihr alle noch recht gesund seit und besonders, das die Kinder so gut gedeihen und wachsen. Auch wir erfreuen uns noch immer der besten Gesundheit. Das Wetter ist hier in diesem Sommer, wie auch im letzten Jahre sehr kühl gewesen, und in diesem Sommer gab es viel Regen. Die Ernte ist leicht [nicht ertragreich] gewesen. Gedroschen haben wir noch nicht, mit Ausnahme von 500 Bushel. Roggen. Ich bin willens unser Land zu verpachten, weil es sich für uns selbst zu bearbeiten kaum lohnt, weil ich alle Arbeiter dingen [Lohnauftrag] muß, und kann selbst nicht dabei sein. Der Mais verspricht noch eine ziemliche Ernte, wenn der Frost noch etwa 2-4 Wo­chen ausbleibt, des kühlen Wetters wegen ist er spät. Heu gibt es wenig, weil zu viele Wiesen unter Wasser standen.

Ich sehe das unser Freund Maßmann nach Rom gewesen ist. Ich weiß er wird sich dessen sein Leben lang mit Vergnügen erinnern. Nun ist leider unser so lieb gewordener Papst Leo XIII gestorben. Es war ja auch bald ein anderer Pabst an seine Stelle gewählt, aber wie die Zeitungen hier berichten, soll er schon seit seiner Krönung nicht mehr wohl sein. Die Eingeschlossenheit in den Vatikan soll ihm gar nicht besa­gen [bekommen], und es heißt, das er gar viel weinen täte. Ich danke hiermit bestens für die Zusen­dung, Erlebnisse eines Rom-Pilgers, es erinnert einen lebhaft an vieles, was auch wir gesehen und empfunden haben. Ich war gerade im Begriff, für ein solches Buch zu schicken nach Berlin.

Habe ferner gelesen, daß ihr euch sehr amüsiert habt auf dem Merfelder Schützenfest, und du auch deine Schießfertigkeit bewiesen hast.

Ich sende dir auch heute zwei kleine Fläschlein, um das Wassermännchen in der Flasche, wieder in guter Ordnung zu bringen, sollte sie zu groß sein, so kann ich dir kleinere schicken. Dies erinnert mich auch an Heinrich Sommer sein Wasserfahrt in die "Torfkuhle". Sage ihm, er solle sich nächsten Früh­jahr in acht nehmen. Weitere Neuigkeiten weiß ich nicht mitzuteilen, und ich will hiermit schließen unter vielen Grüßen an euch alle, von uns allen und besonders

von C. A. Hunck.

Auch viele Grüße an alle Verwandte und Freunde und alle die nach uns fragen.

 

Nachtrag des Briefes vom 2. Sept. 1903:

Henry Schultebein hat seine Farm verkauft und zieht nach dem Staat Dakota. Dort hat er sich 80 Acker gekauft für $ 9,00 per Acker, und gleich davon 160 Acker von der Regierung als Heimstätte angenommen, welches einer umsonst bekommt. In der Gegend ist meistens nur Viehzucht, Rindvieh u. Schafe. Er hat letzten Donnerstag Auktion gehabt, ich habe mir dort 2 Kühe ersteigert, sie kosten etwa $ 50,00 zusammen, billig genug. Er wohnt etwa 25 Meilen (8 Stunden von hier). Seine neue Heimat ist nahe an der Grenze von Montana, etwa 550 Meilen von hier.

Er hat mal geschrieben, daß er von Duelm fort zöge, weil er dort seine Religion nicht halten könne, aber wo er jetzt hingeht, ist eine ganz neue Gegend, wo noch keine Kirche und Schule ist, welche je­doch vielleicht bald gebaut werden mögen. Seine 2 ältesten Kinder die läßt er diesen Sommer bei sei­nen Nachbarn hier, bis sie zur heiligen Kommunion angenommen sind. Er will uns in dieser Woche noch besuchen und in etwa 2 Wochen reist er voraus, um ein Haus zu bauen, denn nach etwa 6 Wo­chen wird ihm seine Frau mit 2 kleinen Kinder nachreisen, die bleiben einstweilen bei ihrer Schwester Theresia in St. Cloud. Hoffe das er sein Glück dort finden wird. Die Gegend ist da ohne Holz, aber hat weiche Kohlen mit wenig Mühe sie auszugraben.

Es ist jetzt eine öde Fläche mit Graswuchs, mit 1 bis 3 Fuß tiefen Mutterboden.

Das Wasser dort soll alkalisch oder laugensalzig sein. Er wird aber nur 3 bis 4 Stunden von der Eisen­bahn sein.    Dies ist ungefähr alles was ich jetzt davon weiß.

 

 

Duelm Minn. Oct. 7th 1903

Liebe Johanna,

 

Da man doch gar durchaus kein Lebenszeichen von dir be­kommt, will ich mal wieder die Feder zur Hand nehmen, und schreiben dir einige Zeilen, um zu sehen ob daß nicht ein Brief von dir bringt,

Die Karte habe ich erhalten die du mich etliche Monaten zurück gesandt hast, und da schreibst du daß du zu faul wärst zum schreiben, nun sei doch mal so gut und setze daß auf der Seite so lange biß du ein Brief vollendet hast. ha ha.

Daß Wetter hier ist sehr naß, fast nichts wie Regen den ganze Herbst, es hat jetzt wieder jeden Tag geregnet seit letzten Freitag und heute ist Mittwoch, da kannst du dich ungefähr ein Begriff machen, ich habe die wäsche von diese Woche noch nicht trocken, sie ist leider gewaschen aber sitzt noch im Wasser, wenn’s so dran bleibt sieht es schlecht aus.

Was machen die beiden Kinder, die müßen schon ziemlich heran gewachsen sein   könnte ich Sie nur einmal sehen.

Am zwölften Sept. ist unsere Großmutter gestorben nämlich die Mamma ihre Mutter im alter von über 76 Jahren, Sie ist von einem Schlag gerühert worden welches auch die Ursache ihres Todes war, denn Sie hätte noch 10 bis 15 Jahren leben können so gesund war Sie noch von Herzen   Mamma und meine beiden Tanten auch von hier sind auf die folgen eines Telegram nach Wisconsin gereist, konnten aber nicht mit ihr sprechen  Denn Sie war fast immer Bewustloß, Sie hinterläßt 7 Kinder alle verheiratet biß auf ein Mädchen die immer daheim bleibt, Sie ist noch älter wie meine Mutter.

Wie geht es mit Maria Bergmann, die hat meinen letzten Brief auch nicht beantwort  erinnere Sie mal daran und grüße Sie besten van mir.

Ist die Elise Rathmann noch immer bei Euch.

Letzten Sanntag hatten wir das schöne Feier des ersten hl. Communion in unsere Kirche an welchen Tage 13 Mädchen und 6 Knaben für das erste Mal zum Tische des Herrn gingen. es war wirklich schön.

Clara und Rudolf gehen seit Montag in die Schule  Sie haben recht Spaß daran.

Wie geht es denn Franz Marschall mit seine junge Frau, ich habe auch schon lange keinen Brief von die Anna bekommen.

Deine Eltern werden ihr neues Hauß wohl jetzt schön im Stande haben. Sie wohnen doch gewiß schon drin,  wie steht die und deine Geschwister ihr Be­finden  hoffentlich erfreuen Sie alle noch die beste Gesundheit. bitte über­reche ihnen alle meine herzlichsten Grüße.

O! Es regnet schon wieder heute Abend, wir Schwimmen noch fort wenn’s so fort geht, dann braucht man nicht weit zu gehen um eine Bad zu nehmen.

Die Kartoffeln fangen im Boden an zu faulen mit dem nässen Wetter.

Wilhelm verkauft jetzt Nähmaschinen, womit er ziemlich gut aus macht.

Ja liebe Johanna ich denk ich will fur dieses Mal aufhören bis ich mal einen Brief von dir erhalte, auf weher ich hoffe nicht lange warten brauch. also ich schließe für jetzt mit vielen Grüßen an Euch alle von uns alle aber besonders ich die liebe Johanna von deiner

Dich liebende Nichte

Bertha.

Schreibe doch recht bald.

Bitte die dicken fetten Fehler zu übersehen

Bertha.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 17. Juni 1904

 

Lieber Wilhelm

 

Gewiß habt ihr schon gedacht wir seien alle tot so will ich doch so eben ein Lebenszeichen geben. Habe aber heute noch nicht Zeit einen ausführlichen Brief zu schreiben.

Wir sind alle noch recht gesund, und hoffen das gleiche von euch. Meine Frau ist jetzt auf Reise nach dem Westen wo Heinrich Schultebein wohnt so etwa 600 engl. Meilen von hier. Habe ein Ladendiener der mir nicht viel wert ist. Joseph Fahnhorst aus Dülmen früher in Emte gewohnt, ist nicht gewitzt [schlau]  genug. Habe viel zu versorgen werde aber in Bälde einen längeren Brief schreiben.

Das Wetter ist hier ziemlich gut nur ein kaltes Frühjahr. Feucht sieht alles gut aus, bloß der Mais ist zurück. Komm doch mal zur Weltausstellung nach St. Louis Mo. Wenn du kommst gehe ich auch hin sonst nicht. Es kostet jetzt nur etwa 60 Mark bis nach New York.

Mit Gruß an euch allen und alle die nach uns fragen, nächstens mehr. Wilhelm wohnt im benachbarten Foley wo er ein Geschäft in Nähmaschinen Waagen und Abrahmer [?] (Separatohrs) angefangen hat. Doch schön das er bald heiraten will.

C. A. Hunck

Habe für Franz Marshall auch noch nichts aber es kommt auch noch.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 12. Okt. 1904.

 

Meine Lieben alle!

 

um mich nicht der Gefahr auszusetzen, daß es ein ganzes Jahr werden möchte, lasse ich jetzt alles lie­gen, und nehme mir die Zeit deinen Brief vom 13ten Dez. 1903 endlich zu beantworten.

Ja warum tat ich das nicht früher? Wenige Zeilen habe ich ja seitdem gesandt und nur viel zu schrei­ben war wirklich kaum Zeit, weil ich viel außerordentliches zu besorgen hatte, werde davon reden, ehe ich diesen Brief schließe. Fürs erste will ich dir sagen, daß wir alle noch recht gesund sind, welch sel­biges wir von euch allen erhoffen. Heute haben wir in unserer Gemeinde einen besonderen Feiertag gehabt, nämlich die Feier der ersten heiligen Kommunion, am welchen auch unsere Clara mit Anteil nehmen durfte. Es waren in allem 43 Kinder angenommen. Rudolph diente am Altar. Wir haben jetzt einen sehr guten Pfarrer [Ignatius Wippich]. Bei euch wird es nun schon wohl etwas lebendiger sein. Die kleine Maria und der Franz können ja wohl schon zusammen spielen, und die kleine Antonia die am 6. Juli 1904 geboren wurde, ist schon über 3 Monate [unleserlich??], möchte gern erfahren wie es alle drei geht.

Das Wetter, letztes Jahr war es bei euch wie bei uns naß, und wie ich gelesen habe, ist es dieses Jahr bei euch und in ganz Deutschland gar trocken gewesen, hier war es wieder außerge­wöhnlich naß. Obschon die Ernte in Amerika im ganzen kaum gut zu nennen ist, so ist sie doch hier in dieser Gegend ziemlich gut gewesen. Wir haben den 2ten Schnitt Klee etwa 5 Acker geschnitten, aber trotzdem konnten wir es nicht einfahren, es ist uns alles durch Nässe verdorben. Haben jedoch trotzdem Heu genug. Wie hat es denn mit den Weg zur hinteren Brockwiese gegangen? Und das einklagen der Genossenschaften? Wie hat es geklappt mit den Samen für die Schattenbäume, ist er gewachsen? Willst du mehr davon haben, so steht er dir zur Verfügung. Nun etwas über meine extra Arbeiten. Letzten Winter haben wir hier einen neuen Schuldistrikt geformt, oder auch eine neue Schulgemeinde, das heißt eine Schule im Dorf bei der Kirche. Unsere Kinder von Duelm mußten bisher in zwei be­nachbarten Orten die Schule besuchen. Um dieses zu erreichen, kostet gewöhnlich viel Mühe und Ar­beit. Das Gesuch wurde letzten Januar den Kreislandrat vorgelegt, und der Antrag wird dann vom Rath abgestimmt. In solchen Fällen sind fast allemal die 2 Distrikten, von denen der 3te gebildet wird, alle scharf dagegen und dann finden sich auch immer noch welche, die auch gegen das etablieren eines neuen dritten neuen Distrikts arbeiten. Bei diesem Verhör waren ungefähr 50 Männer zugegen, fast alle waren gegen unseren Antrag, bis auf 7 oder 8 die dort waren um mir zu helfen. Diese wenigen Stimmen waren natürlich auch nicht viel wert. Dieses Verhör dauerte etwa zwei Stunden, und ich mußte ganz allein unseren Standpunkt einer eigenständigen Schule verteidigen. Am Ende ward ich aber mit Erfolg gekrönt, denn als es bei den Räten zur Abstimmung kam, waren alle zu meinen Gun­sten. Jetzt mußten wir Versammlungen halten im neuen Distrikt, und wurde ich als Geschäftsführer, respektive Leiter der ganzen Sache gewählt. Erst mußte Geld vom Staate geborgt werden, um ein neues Schulhaus zu bauen und einzurichten. Dies ist geschehen und steht hier jetzt ein schönes neues Schulhaus 28 Fuß breit und 42 Fuß lang, und 12 Fuß hoch bis zum Dache. Am 3ten Oktober hat der Schuldienst begonnen, mit einer guten katholischen Lehrerin. Jetzt sind die Leute doch sehr froh, das es geschehen ist. Der Distrikt bezahlt nun das Geld zurück am Staate in $ 100,00 Raten jährlich, wel­ches auf die Steuer gelegt wird.

Auch hatten wir letzten Winter eine Untersuchung der Geschäftsbücher unserer Milchgenossenschaft, über eine Periode von 7 Jahre. Weil nicht genügend Milch geliefert wurde, gingen die Geschäfte nicht so flott wie erwartet wurde, da brach sich der Verdacht Bahn unter die Teilhaber, (selbst keine Ge­schäftskenner) es müßte etwas nicht richtig zugehen. Ich und der Buttermacher mußten allein alle Ge­schäfte tun und führen. Die eigentliche Untersuchung dauerte eine ganze Woche, und es stellte sich heraus, das ich anstatt die Gesellschaft zu betrügen, ich mich selbst in den 7 Jahren um über $ 80,00 zu kurz gerechnet hatte. Auch dieses machte mir viel Mühe und Kopfzerbrechen, sage nichts von dem Ärger über solche Hornochsen die sich selber betrügen. Jetzt liegt die Fabrik danieder, weil nicht ge­nug Milch beizutreiben ist. Anstatt alle an eine Leine ziehen, zerren sie hin und her, erregen Mißtrauen und schädigen sich auf diese Weise nur selbst am meisten.

Gerade jetzt habe ich ein Freund von uns per Telephon (der mir zur Seite steht) angerufen um über das Befinden seiner schwer erkrankten Frau zu berichten. Er sprach von ein wenig Besserung. Bei diesem Bericht seht ihr, daß wir jetzt auch ein Telephon (Fernsprecher) im Hause haben. Auch dieses hat mich viel Mühe und Zeit gekostet. Wie ihr wißt, sind wir 12 Meilen (4 Stunden) von St. Cloud, in dieser Stadt sind etwa 500 Fernsprecher in Gebrauch. Jetzt haben wir zehn verschiedene Bewohner am Wege (meist Farmer) vereinigt, um eine Telephonleitung von hier nach St. Cloud zu bauen. Diese Linie mit doppelten Draht mußten wir 10 nun wirklich selbst bauen. Die Kompanie in St. Cloud die beinahe überall hin Verbindung hat, verbindet sich auch mit uns, und vermietet uns ihre Sprechinstrumente zu 75 Cents (3 Mark) per Monat. Dafür können wir mit St. Cloud und den 500 Anschlüssen kostenfrei bei Tag und Nacht telephonieren, und für weiter zu sprechen müssen wir wie alle andern die regulären Gebühren zahlen. Ich habe schon über 200 Meilen weit über das Telephon gesprochen. Für weiter hatte ich noch kein Bedürfnis. Ich kann euch sagen, das dieses eine große Aushilfe und Bequemlichkeit ist, und erst recht für uns, da wir viele Geschäftsverbindung mit St. Cloud haben. Ich sage euch aber auch, daß ich da viel Mühe gehabt habe, dieses mit den Farmern zu bewerkstelligen, aber alle sind jetzt wie ich froh damit. Ich betrachte das Telephon (Fernsprecher) als ein großes Weltwunder.

Auch habe ich viel damit zu tun gehabt, ein guten Ladendiener zu bekommen respektive. zu behalten, nachdem der Louis Klein den wir von 1900 bis 1903 hatten, fort war.

Haben schon 6 seitdem gehabt. Einige waren gar nicht geeignet, andere waren unzuverlässig, und 2 gute die aber ihr Geschick nicht hier lassen wollten. Einer war von Meppen gebbürtig, war gut, aber nach 3 Monaten verlangte ihn sein Landsmann, auch aus Meppen, der machte ihm große Verspre­chungen und er ging hin. Vorige Woche habe ich in einem seiner Briefe an seine Freunde in St. Cloud gelesen, daß er sich nicht verbessert hätte, doch wäre er wohl zufrieden. Nachdem hatte ich einen Jo­seph Fahnhorst aus Dülmen, gebbürtig aus Emte, der war viel zu dumm und ungeschickt, um Laden­diener zu sein.

Am 1ten Juli bekam ich den einen andern Deutsch-Amerikaner, ein feiner Junge, mußte aber leider nach 2 Monat und 3 Tage sofort nach Hause kommen, wegen plötzlicher Erkrankung eines seiner Brüder an (Appendizitis) Blinddarmentzündung. Der Bruder mußte sich operieren lassen. Er selber mußte seinem Vater, der auch ein Laden hat, aushelfen. Gerade jetzt ist Wilhelm hier, aber dem gefällt es hier zu Hause nicht. Der ist nicht wie die Bertha, die ist zu Hause und hilft ihre Mutter fleißig.

Nun jetzt habe ich euch auch wohl so viel oder besser gesagt, genug von meinen Mühen und Schwie­rigkeiten vorgeplaudert und denke, das ihr daraus wohl ersehen könnt, das es nicht alles bloß Faulheit und Nachlässigkeit war, daß ich nicht schon längst früher einen so langen Brief schrieb. Ja, letztes Jahr habe ich auch auf einmal herausgefunden, daß es noch andere Hunck's gibt, als von unserer Seite, wie der hier beigelegte Brief beweiset. Rev. ist abgekürzt, von Reverend, und bedeutet so viel als erhaben, hoher Würde, oder Ähnliches. Er ist ein katholischer Geistlicher, und wohnt in Morrison Wisconsin, nicht gar so weit von Gertrud Hünck. Er heißt Heinrich Everhard Hunck und schreibt, daß seine Vor­fahren seit dem 17. Jahrhundert in Kleve wohnten. Er schreibt es gibt außer Kleve noch Huncks in Goch, Geldern, Essen, Arenberg, Dresden, Budapest u. s. w. alle Verwandte von ihm. Verwandtschaft zwischen uns können wir durch unseres Wissens, und Schreibereien nicht heraus finden. Habe seit letzten November nicht mehr von ihm gehört.

Das Bild wo ich dir mal über geschrieben respektive gefragt habe, habe ich jetzt fertig, und werde es bald hinsenden, habe es gestern bekommen. Wenn die Frau so gut getroffen ist wie er, so ist es nach meiner Meinung sehr gut geworden. Ich weiß noch nicht, wie ich es schicken werde. Mit der Express oder gewöhnlichen Post als Brief. Es würde freilich ein großer Brief sein denn es wiegt 8 lb. wie ich es bekam aber ich glaube das einen Brief keine Grenzen von Gewicht gesetzt ist. Ich werde es ohne Rahmen schicken, weil ich fürchte, das Glas möchte brechen welches das Bild verschaben oder ver­kratzen könnte. Es sollte einen großen breiten Rahmen haben.

Wie steht es denn in Dülmen mit dem neuen Kirchenbau, lese ja nichts davon? Das ihr Mission in Dülmen und Merfeld gehabt habt, habe ich gelesen, aber erst lange nachdem alles längst vorbei war, denn ich hatte die Dülmener Zeitung von 6 Wochen alle bei Seite gelegt, wegen Mangel an Zeit um sie zu lesen, wenn sie ankamen. Ich habe etwa 12 verschiedene Zeitungen etwa 8 bis 10 zu viel. Kommt der von hier nach Euch gesendete Waisenfreund auch noch immer regelmäßig, und interessiert er hoffentlich noch? Habe vor einigen Wochen auch einen längeren Brief an Franz Marschall ge­schrieben, jedoch nicht so ausführlich wie diesen, wenn er mal kommt so gib ihm diesen auch nur zum nachlesen. So kann er auch sehen, mit was ich alles meine Hände voll zu tun hatte.

Das meiste oder wichtigste, was ich jetzt zu tun habe, ist Kollektieren oder Geld eintreiben, von den Leuten die bei mir geborgt haben, jetzt ist die Zeit nach der Ernte. Die meisten Leute meinen aber, ich habe Geld genug, ich brauche keins, aber ich weiß es besser, wenn der Zahltag so lange nicht kommt, dann geht es bei uns auch eben hart her, als bei andern. Mein schreiben ist freilich gar schlecht, aber du mußt dich mit dem lesen behelfen, es geschah auch ziemlich in der Eile, und schön schreiben konnte ich nie.

Wie ist es mit Heinrich Steghake, ist er wieder recht gesund geworden?

Jetzt sind mir vom vielen denken die "Gaumen" trocken geworden, so will ich hingehen zum Keller, und holen mir eine Flasche von dem Römer Wein. Habe mir nämlich letzten Frühjahr 100 Liter kom­men lassen, nun, hier ist's zur "Gesundheit". Es hat gut geschmeckt, ich wünschte nur, ihr hättet alle mit mir trinken können.

Nun lieber Wilhelm, jetzt hoffe ich, das auch du mal bald loskramen wirst, denn am 11 Juli hast du ge­sagt, daß wenn mal eine Antwort kommt auf deinen am letzten Dezember geschriebenen Brief, du auch noch vieles zu berichten hättest. Jetzt bitte ich um Verzeihung euch so lange warten gelassen zu haben, und hoffe, das ihr mir jetzt verzeihen könnt, nachdem diese paar Zeilen gelesen sind.

Grüßet alle von uns, die nach uns fragen, wie alle Verwandten und meine Freunde, besonders aber grüßt euch alle euer

Bruder, Schwager, u. Onkel Clemens nebst Frau und Kinder.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 27. Sep.1905

 

Dieses ist eine von den 3 katholischen Kirchen von St. Cloud Minnesota. Dieses ist die vorläufige Bi­schofskirche.

Gruß May 12th 1907 C.A. Hunck

 

 

Duelm, Minn. Dec. 16, 1905

Liebe Johanna;

 

Hast du endlich so viel Zeit bekommen, ein kleines Lebenszei­chen von dir zu geben.

Ich ware schon zu dem Entschluß gekommen daß du mich hier im fernen Amerika gans vergessen hättes, aber sehe daß es doch noch nicht gar so schlimm war.

Die Postkarten waren wirklich schön, es hat mich sehr gefreut sie zu bekommen.

Wie geht es denn noch mit Euch alle?, hoffentlich seid ihr noch alle Gesund und munter, wir alle erfreuen noch immer die beste Gesundheit.

Wie ist es mit die Kinder. warum laßt ihr sie nicht Photografieren, so daß man Sie doch mal zu sehen bekommt, denn sonst kriegen wir Sie doch nicht zu sehen.

Liebe Johanna. ihr habt schon gedacht daß ich schon in Dakota wäre. „Ach nein“ so schnell noch nicht, aber ihr werde binnen 3 Wochen, Abschied nehmen von alle Fre[u]nde und Angehörigen, um die nägsten 8 Monate auf die Prärie zu verbringen um dort nicht gans allein zu wohnen, aber doch gar so schlim wird es doch nicht sein, denn der Wilhelm ist ja auch dort, und noch andere Freunde, somit wird mir die Zeit schon vergehen, aber Johanna du besser kommts herüber und bleibst bei mir.

Was wird es bei Euch wieder lustig hergehen wenn der Anton seine Hoch­zeit feiert, da möchte ihr wirklich zugegen sein um mich mit Euch zu amuzi­ren, da wird es gewiß lustige hergehen  da werdet ihr gewiß drei Tage feie­ren nicht wahr. Also hat der Anton mir doch geboten, denn daß heiraten ist mir noch nicht eingefallen, und wenn ich auch am 21sten letzten Monat daß fünf-und-zwansichte Lebensjahr ereicht habe, nämlich eine „Alte Jungfer“ geworden bin. ha. ha.

Ist die Lisbeth noch immer bei Euch, oder was maht sie jetzt?

Bei Marschalls haben sie daß Hauß bald voll, wenn Sie so dran bleiben. Wie geht es mit Ihnen noch alle? Was maht die Anna  die läßt ja gar nichts mehr von sich hören, bitte grüße Sie alle bestens von mir, und sage die Anna sie sollte dach mal schreiben.

Wie s[t]eht es mit dem Befinden deine Eltern und Geschwistern?

Und was maht die Frau Bergman, ist Sie noch immer so lustig wir früher

Wir haben diesen Winter sehr schönes Wetter gehabt  es ist nur etliche Tage sehr kalt gewesen, aber sonst hat es fast immer noch gethaut.

Liebe Johanna, bald ist daß Hochheilige Weihnachtsfest wieder dar, wie schnell doch die Zeit vergeht  es scheint kaum möglich zu sein daß schon wieder ein Jahr vergangen ist. wer weiß wo wir nägstes Jahr sind, ich hoffe das dir das Weihnachts Kind der reichlich beschenken wird.

Mein Neuigkeitskasten ist bald leer, somit muß ich schließen mit die besten Grüße von uns alle an Euch alle, auch an deine Eltern und Geschwistern und an die Frau Bergmann und bitte schreibe doch recht bald an deine dich

liebende Nichte

Bertha Hunck.

Ein fröhliches Weihnachten und ein Glückliges Neu Jahr.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 16. Feb. 1906

 

Mein lieber Wilhelm!

 

Beinahe sind es 2 Monate, als ich versprach, bald mehr zu schreiben, um ausführlich auf deinen Brief vom 22ten Oktober zu antworten. Wir sind noch alle recht gesund, welches ich auch von euch erhoffe. Wilhelm hat seinen Laden am letzten November eröffnet, und berichtet ,daß er gute Geschäfte macht und gut zu tun hat. Bis zum 12ten Juni steht seine Verheiratung in Aussicht, mit Fräulein Katharina Quinn aus Sauk-Rapids, nahe St. Cloud. Bertha ist seit den 15ten Januar 1906 dort in der "Golden-Valley" auf ihre Farm. Die muß dort 8 Monate wohnen, um das Land ihr eigen nennen zu können. Der habe ich ein kleines Häuschen auf ihrem Grundstück bauen lassen, nur das sie die Zeit darauf sein kann, sonst tut sie ja auch nichts dort, als sich selbst pflegen, und gegen Zahlung von $ 400.00 an die Regierung ist die Farm ihr eigen, was sie für sich nicht benutzen will, nur zum verkaufen, denn das Anwesen ist dann ca 2 bis 3 Tausend Dollar wert, die ja doch leicht mitzunehmen sind, weil dieser Gewinn doch nirgends leichter zu verdienen wäre. Wer fünf Jahre darauf wohnen will, bekommt das Stück Land sogar umsonst, aber das kann, und soll die Bertha ja nicht so lange aushalten. Sie wohnt ganz nahe bei Deutsche Nachbarn, und ist auch nur 20 Minuten von Wilhelm, wo sie die meiste Zeit ist, und wenn sie auf der Farm ist, hat sie jemand bei sich. Es ist dort keine Wildnis, wie ihr vielleicht denkt. Sage dem Bernard Frerick nur, er solle nur mal kommen, so könnte er selber besser alles he­rausfinden und beurteilen, was sich machen läßt, ich will auch weiter nichts dazu sagen, und Bertha hat gelacht, als ich es ihr sagte.

Ich lege Heinrich Schultebein seine Adresse hier bei. Wilhelm ist der Postmeister von Burkey, und wenn der Heinrich einen Brief dorthin schickt, wird Wilhelm ihn ganz sicher bekommen. Eine neue Kirche ist jetzt auch fertig, ganz nahe bei Wilhelm sein Store, wo auch Schultebein hin gehört und dorthin kommt, um seine Postsachen zu regeln. Ich sehe, das es bald Hochzeit gibt, nur schade, das wir nicht mitfeiern können. Also unser Freund Austermann ist gestorben, und der Spitz am Bach liegt noch immer dort denke ich. Auch sehe ich aus deinem Schreiben, daß du dir ein Fahrrad angeschafft hast. Nicht wahr, wenn man gegen den Wind, gegen Anhöhen und im Sand fährt, muß man einen ziemlich steifen Buckel machen. Du sagst über den Kirchenbau, daß zu beiden Seiten angebaut wird, da solle ich meinen, das an der rechten Seite nicht Platz genug mehr wäre, um dort viel anzubauen., oder müssen die Häuser dort fort?

Ich sehe, das ihr viel Vieh und Sachen verkauft habt, und somit viel Geld macht, und die Verbesserun­gen auf der Brockwiese, wer hätte früher an solche Sachen gedacht. Unsere Farmerei wollen wir jetzt aufgeben, es lohnt sich nicht mehr so gut wie es früher für uns war, denn die Arbeitsleute werden im­mer teurer, und der Weizen billiger, wir haben das Land verpachtet, und auch werden wir die Kühe abschaffen. Die beste Kuh ist uns leider , beim kalben draufgegangen, und eine zweite ist heute krank geworden, nachdem sie vorgestern gekalbt hat, wie das werden wird, ist noch abzuwarten. Letzten Sommer ist ein Priester dort in eurer Nähe gewesen, wie ich gehört habe, soll er mit Bernard Bickert beim Füsener gewesen sein. Ich bin sehr gut mit ihm bekannt, habe ihn aber selbst, nachdem er dort war, nicht gesehen, aber die Bertha hat mit ihm gesprochen in Melrose, wo er der Pfarrer ist. Es ist dort, wo die Karolina Edelbrock, vorher Bickert, jetzt wohnt. Unser Freund Joseph David ist krank mit der Wassersucht, ich habe ihn letzte Woche besucht. Vor kurze Zeit habe ich auch ein Brief von Franz Marschall bekommen, werde versuchen, ihn bald zu antworten. Ich lege hier 2 Bilder bei von unsere Clara und Rudolf, diese ließen wir letztes Jahr machen, ich hatte auch noch ein paar für Marschall bei Seite gelegt, aber die scheinen fort zu sein, und ich kann keine nachbestellen, weil die von einem Manne gemacht sind, der hier nur auf einige Wochen gewesen ist, und ich weiß nicht, wo der jetzt ist. Clara, wie ihr sehet, ist in ihrem 1. hl. Kommunion Anzug.

Nun hiermit will ich schließen, unter vielen Grüßen von uns Allen, an euch allen, & alle die nach uns fragen.

Euer Bruder, Schwager und Onkel C. A. Hunck u. Frau.

 

Nachtrag des Briefes vom 16. Febr. 1906:

Von dem U. S. Krieg mit Mexiko wirst du ja auch wohl in eure Zeitungen, wie auch im Waisenfreund etwas verspätet lesen. Manche Städte, wovon gelesen wird, (so wie Stadt Mexiko, Vera Cruz, Tam­pico, Monterey, Matamores, San Louis Potosi, Cardoba, Casa Blanca, Oaxaca, und viele andere) habe ich gesehen. Im nortwestlichem Teile war ich nicht. Im Ganzen ist es ein reiches Land an Materialien, und hat auch ein Teil so fruchtbarem Landes, wie es nur geben mag, aber im nördlichem Teil ist es aber auch so schlecht, wie es nur zu finden ist, einfach eine wahre Wüste, wo nur der Wind mit dem Sande spielt, rings um sieht man nur lauter kleine Wirbelstürme.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 1. Juni 1906

 

Lieber Wilhelm & Johanna!

 

Ich habe die erfreuliche Nachricht der glücklichen Geburt der kleinen Johanna am 11.Mai 1906 zur Hand und bitte euch, unsere herzlichste Gratulation & Glückwünsche zu diesem Ereignis entgegen zu nehmen. Es erinnert mich an dem was du vor 6 Jahren zu mir sagtest, das nämlich der liebe Gott euch noch wohl wieder segnen würde, für den so herben Verlust, den Ihr damals zu erdulden hattet. Wir er­freuen uns auch noch der besten Gesundheit, und hoffe, das auch dieses euch so finden wird. Sende euch auch heute eine Einladung zur Hochzeit unseres Sohnes Wilhelm. Es ist dieses wohl ein wenig zu spät, um zur rechten Zeit hier sein zu können, aber ich bekam diese Anzeigen oder Einladungen zu spät, um sie euch rechtzeitig zu schicken. Hochzeitsgäste werden dort wenig sein, denn nur unsere, Familie und die Familie Quinns wird dort zugegen sein. Hier ist es Sitte, das die Hochzeit gehalten wird, wo die Braut zu hause ist. Die Einladungen sind nur für die Anwesenheit in der Kirche. Diesel­ben sind nur in englischer Sprache gedruckt, und ich habe einige für euch um sie nach Deutschland zu senden. Ich habe selbst das deutsche in der Einladung hinzugefügt. Habe da einen kleinen Fehler be­gangen, indem ich für eurer, ihrer Gegenwart schrieb. Die Ursache, das diese Karten so spät kommen, liegt meistens daran, daß Wilhelm nicht hier war, als nur seit einigen Tagen, weil er in Dakota, "seine neue Heimat" war, denn dort hat er seinen Store in vollem Gange. Ich bin auch auf einige Wochen dort hinauf gewesen, um ihn und die Bertha zu besuchen, und sind wir dann zusammen hierher gekommen. Die Quinns Familie ist von irländischer Abstammung, ist freilich katholisch, und es sind sehr gute Leute, wenigstens stehen sie in solchem Rufe, ich kenne sie schon seit etwa 20 Jahren. Ich wünschte nur, das auch ihr alle hier sein könntet am nächsten Dienstag, das geht nun einmal nicht, werde euch im Geiste schon sehen, und mich an euch erinnern. Wilhelm ist am 15ten May 28 Jahre alt, uns seine Braut ist 23 Jahre, und hat für mehrere Jahre Schule gehalten. Neuigkeiten weis ich weiter keine, das Wetter ist hier diesen Frühjahr schön gewesen, die Saat zu besorgen, und später regnete es auch ge­nug, aber jetzt fehlt uns noch das warme Wetter zum Wachstum. Unter vielen Grüßen von Wilhelm & seine Liebste, und alle meine Familie schließt hiermit sein Schreiben euer

Onkel Clemens.

 

 

Burkey N. Dak. June 28, 1906

 

Lieber Wilhelm und Frau und Kinder.

Deinen lieben Brief mit die freudige Nachricht habe ich erhal­ten, und es hat mir sehr gefreut noch mal von Euch zu hören. Ich dachte schon daß ihr mich ganz und gar vergessen hättet hir auf diese größen Prai­rie. Aber doch zuerst muß ich Euch gratuliren mit euere kleine Tochter, möge der liebe Gott sie gesund erhalten und Sie Euch immer so eine große Freude sein wird wie jetzt. Aber liebe Johanna warum hast du meinen letzten Brief nicht beantwortet, den ich habe dir kurz vordem ich von zu Hause fort ging geschrieben. Ich denke warscheinlich mit denn klinen Kinder wirst du wohl die Hände voll haben. aber ein paar Zeilen zu bekommen von dir wäre mir sehr lieb.

Lieber Wilhelm du schreibst ich möchte mal eben herüber kommen zur An­ton Frerick seine Hochzeit. Wie gerne thäte ich daß, wenn es nicht gar so weit wäre, aber es ist jetzt leider nicht möglich. Ich werde aber seine Hoch­zeit hier feieren, so gut wie möglich, denn der 4te Juli ist hier zu Land ein großer Tag. Bitte gratulire Ihm für mich, und wünsche ihm Gottes Segen und viel Glück in dem Ehestand. Ich habe hier noch drei Monaten zu zubringen  dan geht es wieder Heim.

Die Gegend und daß Land gefällt mir hier sehr gut, aber daß allein hier Le­ben ist zwar manches mal sehr einsam. Denn ich bin nicht gewöhnt so allein zu sein.

Der Wilhelm und seine Braut sind Mittwoch eine Woche hier angelangt, es scheint ihr hier gut zugefallen  Ich hoffe es wird Ihnen im Ehestand gut ge­hen. Ich war nicht zur Hochzeit anwesend. Ich dachte Sie konnten ohne mir fertig werden. Ha Ha.

Es ist bald Zeit für kleine Kinder ins Bett zu gehen, so muß ich mein Schrei­ben schließen, mit vielen Grüßen, an Euch alle ohne ausnahmen, verbleibe ich.

Eüere Nichte

Bertha Hunck.

Bite Grüße Frerick alle von mir und überschaue alle meine Fehler die ich gemacht habe.

Schreibe recht bald wieder

Bertha.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 20. Feb. 1907

 

Lieber Bruder, Schwägerin, Neffe & Nichte!

 

Ja endlich erzwinge ich mir die Zeit, um einige Zeilen an euch zu richten, hätte es schon freilich früher tun sollen, aber immer kam ich nicht dazu. Jetzt seit 4 Wochen ist meine Frau krank gewesen, und ist auch jetzt noch nicht gut, ist jedoch so langsam auf die Besserung, sie hatte die Influenza & Neuralgie. Dieses verursachte ein fortwährendes Kopfweh, welches 5 Tage & Nächte anhielt, ohne Unterlaß, bis schließlich etwas zeitweilige Linderung eintrat, um sich im allgemeinen zur gar langsamen Besserung anstellte. Sie kann jetzt nur noch einige Stunden in ihrem Zimmer auf sein. Anfang Januar wollte ich schon schreiben, als ich das Buch für Euch bei den Weisenfreund bestellte, aber wieder wurde die Zeit zu kurz, hoffe das daß Buch inzwischen angekommen ist, und wenn es euch gefällt, so freut es mich, daß ich die Gelegenheit hatte, euch diesen kleinen Dienst zu erweisen. Nun ein Wort über die Bilder, die sind alle in gutem Zustande hier angekommen, und haben uns sehr erfreut, die kamen gerade am 8ten Dezember an, nachdem die Kirchleute fort waren, und wir das Mittagsmahl genommen hatten. Die Bilder waren für den Nachmittag Gegenstand der Betrachtung. Die sind sehr gut gemacht, beson­ders, wenn man dabei bedenkt, das die Aufnahme draußen geschah. Es ist viel zu studieren in dem Bilde, nämlich wie die beiden (Alten) denn so heißen wir nun einmal, daß wir so vergnügt drein schauen, und wie sich besonders die Großmutter freut, das sie ein "Kleines" auf dem Schosse hat. Und denn die lieben Kinder, O wie muß das jetzt ein leben dort sein, gegen damals, als wir dort waren, ja so ganz anders, als es jemals bei einer von unserer Lebezeiten auf Diekämpers Hof gewesen ist. Und wie die alle vier so gut genährt, und klar aus den Augen schauen, es zeigt, daß sie gesund und auch klar im Kopfe sind, und wie dann die Mutter so gut & treu mit wohlgefallen, und der Vater so schel­misch Stolz (& mit Recht) mit eben demselben Wohlgefallen darein schauen, ist ein genußreicher An­blick für mich. Ja ich erinnere mich jetzt gerade, wie der Vater, als ich dort war, sich so schön tröstete, über den damals herben Verlust, indem er sagte, der liebe Gott wird es noch wohl wieder gut machen, oder dafür segnen. Hoffe, das euch alle recht gesund erhalten bleiben, und der Segen weiter auf euch ruhen wird. Das Bild steht auf meinem Pulte, wo ich es recht oft sehen kann. Also habet ihr denn wohl auch einen Besuch gehabt, von einem meiner Freunde, in dem Herrn Joseph Kessener, der eine kurze Zeit bei uns gearbeitet hat, er ist ein netter junger Mann, und habet ihn auch jedenfalls so gefunden, in den wenigen Stunden, die er sich bei euch aufhielt, auch er schrieb mir, einen Vergnügten Nachmittag mit euch verlebt zu haben, und das du ihm wieder nach Dülmen gebracht hättest. Wie er schreibt wird er nochmals wieder vorsprechen, ehe er sich wieder nach hier begeben wird. Bald hätte ich ja verges­sen, zu erwähnen von dem schönen Hochzeitsbilde, auch das ist sehr schön, und ich bitte, den jungen Leuten dafür unsern besten Dank abzustatten, mit den besten Wünschen für die Zukunft des jungen Paares, und das auch sie Gelegenheit haben werden, nach eineigen Jahren auch ein Bild ähnlich wie eures herstellen zu lassen. Die Gesichter erinnere ich mich recht lebhaft, besonders der dreien, da ich Gelegenheit hatte, sie öfters zu sehen. Es ist ein schönes Bild, und ein lebenslanges Andenken, an dem Tage der Vermählung. Wie geht es denn bei Marschalls. Ist die Mutter wieder besser geworden, und wie geht es mit den Kindern? Hoffe das alles gut gedeiht und wächst. Ich sehe auch, das ihr ein gutes Jahr gehabt habet, und viel Geld macht. Wir dagegen machen nicht mehr so viel, wie früher. Die Kon­kurrenz wird immer stärker, rings herum sind überall Geschäfte ins dasein getreten, und manches hat einen andern Lauf genommen, woraus wir früher Geld machen konnten, Das ist jetzt nicht mehr so. Das Schankgeschäft ist nicht mehr, es ist nicht mehr so viel Gefahr über diesen Weg zu verdienen, so das mit Hotel auch nicht mehr viel zu tun ist, und die Versicherungs-Geschäfte sind nicht mehr, weil überall die Farmer, sich gegenseitige Feuerversicherungen etablieren, und so ist manches, welches un­sere Einkünfte geschmälert hat, auch lohnt sich das Farmen nicht mehr so gut, da der Weizen nicht mehr so gut geraten will, und die Preise sind sehr niedrig, und der Lohn für Arbeiter viel höher. Wil­helm scheint gute Geschäfte zu machen in der Golden Valley. Habe letzte Woche ein Brief von ihm bekommen, aber öfter schreibt seine Frau, die war letzten Herbst mal recht krank, hat sich dann doch bald wieder erholt, und ist jetzt ganz gesund, wie er schreibt. Bertha ist zu hause, will aber, wie ich höre, nächsten Sommer wieder nach Dakota hin. Wie du schreibst, habe ich dich gar auf deinen Brief vom letzten Juli nicht geantwortet, und da ich nachsehe, finde ich es wirklich so. Das ist gar unartig, und ich will sehen, das solches nicht wieder vorkommt. In diesem Briefe schriebst du von eurem Au­genleiden, wie ist es denn jetzt damit? Hoffentlich wird es bald vorüber sein. Auch fragst du, ob wir auch etwas von dem Erdbeben in Kalifornien vernommen hätten, nein, nicht das geringste, es ist die­ses so circa 3.000 Meilen von hier entfernt. Auch ist die Todesnachricht von H. Steghake in diesem Briefe, und die von H. Gelschefart, es tut mir leid das diese guten Kameraden schon ihre Laufbahn hier auf Erden vollendet haben, und sich das letztere so schnell & unerwartet vollzog. Nun muß ich doch auch noch meine Verwunderung darüber aussprechen, das ihr so großen Erfolg gehabt habt mit dem neuen Lande im Burkamp, wie würde es sein, wenn ihr mal solches Verfahren machen würdet in das sogenannte WEEL, mit der dortigen Heide?

Das Wetter ist hier diesen Winter sehr schön gewesen, bis auf einige Wochen, Ende Jan. & Anfangs Februar war es gar kalt. Am 2 ten Februar ist der alte Herman Börger aus Lette gestorben, auch Franz Brambrink seine Frau ist am 7ten Febr. gestorben. Einer von Heinrich Edelbrock (Kortgödde) seine Jungens ist 6 Jahre fort gewesen, nach dem Staate Washington, und hat sich ein Vermögen erworben von $ 25.000.00 , das ist auch nicht schlecht. Er hat es meistens dadurch gemacht, das er Bauplätze kaufte, in einer neuen Stadt, namens Seattle, welche, nachdem er sie einige Zeit gehabt hatte, so viel höher verkaufen konnte. An einer Lot oder Bauplatz hat er $ 6.000,00 verdient. Ja jetzt ist mein Neu­igkeitsgefäß erschöpft, und muß hiermit einstweilen den Schluß machen. Gerade jetzt habe ich ein Brief erhalten von Heinrich Horstman Dülmen. In der letzten Hälfte des Jahres 1905 bekam ich die Zeitung gar nicht mehr, und als ich darum schrieb, kam sie wieder. Nun fragte ich am 19ten März 1906 brieflich bei Heinrich Horstman an, mir zu sagen, woran es den gelegen hätte, das er das Blatt nicht schickte, & legte das Porto in Deutschen Marken bei. Als ich keine Antwort bekam, schrieb ich am 26en September nochmals um mir Aufklärung zu geben, warum das Blatt nicht erschienen sei, und bekam noch keine Antwort. Am letzten 10 Januar schrieb ich nochmals, und fragte ihm, ob er mich keiner Antwort würdige, so sei er mir doch das eingesandte Postgeld schuldig, da kommt jetzt ein Brief, das er gar keinen Brief von mir erhalten hätte. Was weißt, oder denkt du davon.

Gruß an euch Alle, von uns

 

Allen C. A. Hünck.

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 19. 8. 1907

 

Offene Tor am Park. Wir sind noch alle gesund, und hoffen daß gleiche von euch. Warum hört man nichts von Euch? Sandte eine Karte im Mai wo ich auf Reise war.

Gruß von Clemens.

 

 

[Duelm, Benton Co. MN, den 21. 8. 1907]

 

Hängender Steinfels in den steinigen Bergen in Colorado. Eisenbahn unten her.

Duelm,

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 7. Sep 1907

 

Habe heute 3 Stiele für die Axt abgeschickt. Hoffentlich werden sie noch zeitig genug ankommen. 2 sind Fabrik gemacht und einer ist bei Hand gemacht. Der eine ist Eichenholz, die andern 2 Hickory oder weiches Amerikanisches Wallnußholz.

 

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 8. Sept. 1907

 

Lieber Wilhelm, Johanna, Bruder & Schwägerin!

 

Die Karte, mit dem Auftrage für die Axtstiele, habe ich erhalten, und sind selbige schon vor einigen Tagen abgesandt, und werden wohl schon in eure Hände sein. In deinem letzten Briefe habe ich deinen Satz, das wir uns wegen des langsamer gehen des Geschäftes, wohl keine Einschränkungen machen brauchten, und ich will daher sagen: Nein, das brauchen wir nicht, aber es ist doch besser, wenn alles ein wenig flott geht. Ihr werdet es wohl mit Verwunderung ansehen, wenn ich euch sage, das es euch nicht wundern braucht, wenn ihr uns alle mal eines gutes Tages in Texas finden werdet, denn dort werden wir hinziehen, sobald wir hier nur verkaufen können. Habt ihr nicht eine Karte aus Texas, und aus Mexiko Ende des vergangenen Monats May von mir bekommen? Ich war dort hin auf eine Spe­kulations-Reise, und es hat mir dort so gut gefallen, das ich gleich 180 Acker Land dort gekauft habe für 50.00 per Acker. Dieses ist ein hoher Preis hier zu Lande. Und zumal es dort noch ganz neues Land ist, wo so zu sagen noch kein Spatenstich drauf getan worden ist. Dort habe ich aber Land, (oder Grund & Boden) wie ihr sagt gefunden, wie ich es in gleicher Weise noch nie gesehen habe. Man sagt dort, das es so fruchtbar gewesen sei, ´wie das Nil-Tal, wovon ihr ja schon alle gelesen habt. Es ist dort ein Fluß, Rio Grande genannt, der soll durch seine Überschwemmungen dort das fette Land im laufe der Jahrtausende angeschwemmt haben. Der Mutterboden ist von 3 bis zu 20 Fuß tief, und soll dessen Fruchtbarkeit unerschöpflich machen. Ich habe letzten Winter viel von der Güte des Landes in Texas gelesen, und ein Freund von mir, der dort letzten März gewesen war, machte mich aufmerksam auf seine Erfahrung, denn er hatte auch gleich viel mehr Land gekauft wie ich. Amerika wie ihr wißt ist sehr groß und hat dieses Land hier unbeachtet und vernachlässigt liegen, bis vor 2 Jahren eine Ei­senbahn hier durch gebaut wurde, und jetzt, nachdem man dieses gute Land dort entdeckt hat, strömen die Leute hin in ganzen Scharen. Nun werdet ihr euch noch wohl mehr wundern, wenn ich euch sage, das ich im letzten May $ 50.00 zahlte, und jetzt hat man mir schon $75.00 für den Acker wieder ge­boten, habe es aber ausgeschlagen, weil ich mich sicher bin, das es noch im kommenden Jahr $ 100.00 wert sein wird, es sei denn, das meine Ansichten und Meinung ganz falsch seien. Mein Land liegt un­mittelbar an der Eisenbahn, und nur ½ Stunde von einem neu angelegtem Städtchen, welches San Be­nito heißt. Vor einem Jahre war noch keine Haltestelle dort, und jetzt sind etwa 40 Häuser dort. Und die Bahngesellschaft hat jetzt schon eine $10.000.00 Dollar Bahnhofsgebäude dort hin gebaut. Texas liegt am Meere in der Nähe am Golf von Mexiko, und mein Land liegt nur 20 engl. Meilen vom Golf. Es ist dieses sehr südlich gelegen, und ist es ein heißes Klima, aber weil es so nahe am Meere liegt, ist es immer kühl, weil dort fortwährend ein kühles Lüftlein weht. Es soll das feinste Klima von den gan­zen Vereinigten Staaten sein. Nimm eine Carte, wo du Texas drauf findest, so suche ganz nach links, nahe am Wasser, so findest du Brownesville, eine Stadt von 9000 Einwohner, wovon mein Platz nur 20 Engl. Meilen entfernt ist. Ich sende eine Karte, meistens nur von Texas und angrenzende Staaten, das Grüne ist Texas, der größte Staat von allen, und ist ich glaube, größer, wie ganz Deutschland. Brownesville ist so cirka 2000 Meilen von hier. Die Haupterzeugnisse dort sind fürs erste Zuckerrohr, und allerhand Südfrüchte, wie Apfelsinen, Zitronen, Feigen, Datteln, Wallnüsse, Bananen, u. s. w. Auch allerlei Gartenfrüchte & Gemüse, welches vieles im Winter schon reif wird, und daher immer einen hohen Preis dafür erzielt wird. Mit Zuckerrohr zu ziehen hat man schon ein rein Gewinn von $ 213.00 gemacht, von einen einzigen Acker Landes, und sogar von einfache Zwiebeln erzielte man $ 4 bis 500 Dollar rein Gewinn per Acker. Ich kann hier die Vorzüglichkeiten dieses Landes nicht alle an­geben, aber es ist erstaunend, ich wünsche nur, das ich Beschreibungen bekommen könnte in Deut­scher Sprache, so wie sie in der Englischen zu haben sind, so würdet ihr euch wundern, denn es geht ans unglaubliche. Ich werde mich nach welchen erkundigen, und wenn ich welche finde, werde ich sie sicher schicken. Kalifornien wird hier als ein feines Klima, und fruchtbares Land betrachtet, aber die­ses soll es weit überbieten. Auch der feinste Wein soll hier gebaut werden können. Jetzt werdet ihr sa­gen, das was er sagt ist neu, und anderswo sagt er das eine Stadt von 9000 Einwohner nur etwa 20 Meilen entfernt liegt, wie ist denn das? Dieses ist doch wahr, und erkläre es wie folgt: Texas gehörte früher zu Mexiko, und ist durch Krieg vor langen Jahren an die Vereinigten Staaten gekommen, somit ist das Brownesville eine alte Mexikanische Stadt. Und an den Fluß entlang wohnen auch Mexikaner, aber diese Leute sind einfach keine industrievolle Leute und könnte das beste Land dort liegen, wie es ja auch ist, die wissen es nicht zu nutzen. Aber jetzt, da die Amerikaner dahinter kommen, jetzt wird es nicht lange dauern, bis dieses so fruchtbare Land fleißige Hände gefunden hat. Nicht ganz Texas. (obschon sehr gutes Land im allgemeinen,) ist nicht solches Land, als ich euch hier beschrieben habe. Dieses so fruchtbare Landstück ist nicht so sehr groß. Ich weis nicht genau wie groß es ist, aber ich wollte annähernd sagen, es sei etwa 100 Meilen lang, und 20 Meilen breit. Man fängt an, es das Ame­rikanische Paradies zu nennen. das es jedoch nicht solches ist, solltet ihr wissen, daß es dort viele Dor­nen, und auch etliche Schlangen gibt. Frieren tut es fast nie, aber Eis, um kühl zu bleiben, wird auf künstliche Weise gemacht. Für diesmal wird es genug sein, nächstens mehr.

Mit Gruß von alle, an euch Allen.

Clemens

 

 

San Benito, Texas, den [21. 10. 1907]

 

Karte erhalten, Kalender wird kommen ehe es Neujahr wird. Auch Nieten. Sind soweit noch alle ge­sund. Bertha [Hunck] ist jetzt wieder zu Hause. Wetter ist schön jetzt, aber der kalte Winter ist nahe.

Viele, viele Grüße von Allen Clemens.

 

 

San Benito, Texas, den [30.10.1907]

 

Karte habe ich erhalten. Kalender wird kommen, Nieten auch. Sonst noch gesund. Hoffe daß gleiche von euch. Heute regnet es. Schnee wird wohl bald folgen. Warte jetzt auf deinen angesagten Brief. Clemens Gruß aus Duelm Minn. Eine etwas unerwartete Kodak Aufnahme: Meine Frau, und ich. Ru­dolph [Hunck], Clara [Wesselmann geb. Hunck], eine Näherin und ihr Hund. Draußen vor den Laden. Bei hellem Sonnenschein. Von C. A. Hunck & Familie.

 

San Benito, Texas, den 30.10.1907

 

San Benito, Texas 1908 Unsere neue Heimat in Texas 30 Fuß bei 38 Fuß groß, 6 Zimmer und 2 Ve­randas und Dachzimmer. Wie ihr seht, ist die Kappe auf den Gartenzaun noch nicht angenagelt. Da habe ich mit arbeiten aufhören müssen wegen mein Fuß.

 

 

Burkey, den 20. Juni 1908

 

Lieber Wilhelm & Alle

 

habe deinen lieben Brief zur Zeit erhalten, habe ihn aber jetzt nicht bei der Hand, um direkt auf deine Fragen zu antworten. Wir, ich und meine Frau, wie auch Clara und Rudolf sind seit den 8ten dieses Monats hier zu Besuch, jedenfalls zum letzten male, ehe wir im Herbst Duelm MN verlassen und nach Texas abreisen werden. Du hast dich schon etliche male nach dem Wilhelm und dessen Frau erkun­digt, und kann ich euch jetzt die erfreuliche Nachricht bringen, das sich dort am 24. May 1908 ein strammer, 11 lb. schwerer Junggeselle eingestellt hat, den wir am 18ten hier in der Kirche haben tau­fen lassen, wo ihm der Name Clemens Wilhelm gegeben wurde. Ich und meine Frau waren die Paten. Es war auch die Schwiegermutter von Wilhelm hier, aber alle hatten sich geeinigt, daß wir beiden die Ehre haben sollten, wohl eben, weil wir weit fortziehen. Es hat bei der Geburt ziemlich hart hergegan­gen, es mußte ein Doktor kommen, und seine Instrumente anwenden, und mußte nachher noch die Na­del [Der Rest dieses Briefes ist nicht überliefert.]

 

 

Duelm, Benton Co. MN, den 10. Aug. 1908

 

Lieber Wilhelm und Alle.

 

Ja endlich will ich doch mal versuchen, euch einige Zeilen zu übermitteln. Mich da zu entschuldigen, wird wohl kein Zweck haben, so dann man ins gerade Wohl drauf los geschrieben. Deinen Brief mit der Geburtsanzeige des kleinen Bernhard vom 8ten April 1908 ist hier zur hand, und ich erlaube mir noch nachträglich euch zu diesem Ereignis aufs herzlichste zu gratulieren und möge der Segen sich weiter mit euch vereinigen. Hoffentlich wird die liebe Johanna sich jetzt wohl wieder allen Krampf­adern-Geschwüren, und sonstigen Ungelegenheiten entledigt haben, und hoffe nur, daß euch allen die­ser Brief in so guter Gesundheit antrifft, wie er uns jetzt verläßt. Es freut uns ferner zu wissen, das alle die andern Kinder so gut gedeihen, und alle kräftig und gesund sind, es muß jetzt ein ganz anderes Le­ben dort sein, als es damals war als wir dort waren. Also, Franz Kuhmann ist gut aufgehoben in Ben­ninghausen, (eine Schande.) Du fragst in diesen Brief, wie es mit Wilhelm und seine Frau ist, da habe ich im Juni von Dakota aus drüber berichtet, der kleine Junge gedeiht auch sehr gut, ist schon 16 Pfund schwer seine Frau ist später auch krank und schwach geworden, einmal ohnmächtig, so das sie das Kind fallen lies, welches aber Wilhelm noch gerade aufschnappte, ehe es den Boden berührte, als sie wieder ein wenig zu sich kam, ist sie in einen 16stündigen Schlaf verfallen, und jetzt hatte sie so oft Nasenbluten. Die haben auch wieder ein kleines Unglück gehabt, indem ihnen der Hagel ein ¼ von der Ernte verdorben hat, und Bertha ihre Farmerträge etwa um 1/3 bis zur 1/2te Ernteschaden hatte. Die Ernte steht hier in Duelm ziemlich gut, aber man will wissen, das es nicht viel im Scheffel geben soll, natürlich, immer bleibt etwas zu wünschen übrig. Du fragst mich, um Epke ein Totenschein zu besorgen, habe das ganz soweit vergessen, werde doch versuchen, dieses zu tun, es konnte ihm dieses vielleicht etwas kosten, aber nicht viel. Die Karte vom 20 ten Juni habe ich auch erhalten, aber du schreibst, das du auf deinen letzten Brief auch noch keine Antwort hast, ich habe nach ein solchen Brief gesucht, kann aber keinen finden, so wenn du noch etwas sonstiges beantwortet haben möchtest, so mußt du leider noch mal darum schreiben. Es scheint mir, als ob du geschrieben hättest, wie ihr das Haus bauen wolltet, aber ich habe das ganz vergessen, so bitte, noch mal, ihr werdet es jetzt wohl fer­tig haben. Dieser Brief ist mir augenblicklich nicht zur Hand, der muß wohl verlegt worden sein, bei unserem Umzuge, denn wir sind nicht mehr im Store weil wir den verkauft, oder vielmehr vertauscht haben, auf eine 360 Acker große Farm, etwa 30 Meilen von hier. Da haben wir ein Pächter drauf woh­nen. Seit den 1ten April wohnen wir in ein von uns vor einigen Jahren, den Store gegenüber gebautes Haus, wo wir bis zum Spätherbst zu bleiben gedenken, um dann nach Texas zu verziehen. Ich habe wohl nicht direkt an euch geschrieben, habe aber doch durch den Nordstern, euch recht vieles gesagt über meine zweite Reise dort hin, und hat es mich wirklich das 26te mal besser gefallen, als das erste mal. Wir müssen nun noch hier bleiben, um unsere alten Geschäfte abzuwickeln und möchten gerne hier noch das Land verkaufen, ich habe die Farm nur darum eingetauscht, weil sich diese etwa leichter verkaufen läßt als der Store, und das Geschäft waren wir müde und es lohnte sich auch nicht mehr so gut als früher. Der Farmer, mit dem wir getauscht haben, wird wohl nicht lange hier bleiben können, denn der ist viel zu dumm, um hier Geschäfte zu tun, der hat keine Bildung und keine Schule, er und seine Frau können nicht rechnen, und nicht schreiben und sonst ist er so unerfahren, wie es keine 2 ten gibt. Wir haben jetzt über 800 Acker Land und haben alles darin stecken, so wünschen wir uns jetzt nur, um ein Teil davon zu verkaufen, aber hier geht das verkaufen nicht so leicht jetzt und in Texas möchte ich nicht gerne verkaufen, weil es dort fortwährend im Preis steigt. Ich kaufte letzten Winter noch 40 Acker dort für $ 80 den Acker, und konnte es wohl jetzt für $ 150.00 den Acker verkaufen. So haben mich mehrere schon wenigsten geschrieben, aber es liegt dieses so sehr gut, daß ich es nicht verkaufen möchte, wenigstens nicht, ehe ich dort wohne, und selbst besser sehen kann, was los ist. In San Benito ein neu angelegtes Städtchen, habe ich mehrere Bauplätze gekauft und diese 40 Acker lie­gen nur kaum 10 Minuten von unsere Bauplätze, und grenzt an der Stadtgrenze. Im November geden­ken wir hin zu ziehen, und ich denke, das Bertha auch mitgehen wird. Unser Rudolf ist jetzt 13 Jahre alt, und wird, so Gott will, am Sonntag den 16 ten dieses zur ersten hl. Kommunion gehen, unser Herr Pfarrer sagt mir, das er seinen Katechismus ziemlich gut kenne. Heute feiern wir das Fest des Hl. Lau­renzius, unser Kirchenpatron, dazu sind viele Nachbars Priester hier, Unser Kirchlein 40 bei 80 Fuß groß, ist jetzt schön, sie ist frisch angestrichen, und inwendig ganz ausgemahlt, somit sieht alles wie neu aus. Von der neu eingehandelten Farm will ich noch sagen, das es noch meist wildes Land ist, ist aber von vorzüglich guter Qualität, und liegt nur 3 ½ oder etwa 1 Stunde von der schönen Kirche in Buckmann, und kostet mir $ 25 per Acker. Ich habe den Herrn John Schmolke angestellt, die Farm für uns zu verkaufen, denn solches geschieht hier fast nur durch Agenten. Lege ein zirkular bei, welches diese Gegend, worin unser Land liegt, beschreibt. Lege auch eine Versteigerungsanzeige bei, demnach wir am 19 ten März dort eine Versteigerung hatten, denn ich bekam auch das ganze Vieh und Inventar dazu. Unsern Store mit Waren und 10 Acker Land verkauften wir für 9.000.00. Jetzt muß ich schlie­ßen, sonst möchte euch das lesen verdrießen, und so hoffe ich, von dem Versäumten etwas nachgeholt zu haben, und nun wünsche ich, recht bald wieder von euch zu hören, und nur nicht Gleiches mit Glei­chem zu vergelten. Ende August ist hier die Frau Edelbrock (Kortgödde) gestorben von Altersschwä­che. Die alten Börgers sind beide letztes Jahr gestorben.

Nun, mit vielen, vielen Grüßen an euch allen von uns Allen

 

Clemens

 

 

San Benito, Texas, den 16.Mai 1909

 

Lieber Wilhelm & ganze Familie.

 

Deinen uns so lieben Brief vom 28ten März, hat mich am Ostermorgen im Bett angetroffen, mit einem bösen Geschwür am linken Bein. Sonst sind wir noch alle gesund, und freut es uns zu wissen, das auch ihr noch alle gesund seid. Danken bestens für die Gratulation als Großvater u. Mutter, der kleine Kerl gedeiht gut, wie Wilhelm schreibt, und wird jetzt am 24ten dieses Monats 1 Jahr alt. Letzten Herbst haben wir ihn in Duelm 1 Monat bei uns gehabt, zum aufpassen, indem seine Mutter in St. Cloud im Hospital war, sie mußte sich nämlich operieren lassen, wegen erlittenen Schaden in der Geburt. Werde die Glückwünsche von euch an sie ausrichten. Jetzt siehst du, daß dein Brief ganz gut den neuen Weg zu uns gefunden hat. Am 1ten Dezember sind wir von Duelm abgereist, um einige Tage in St. Cloud zu verweilen, und haben dann einige Wochen in Wisconsin Verwandte besucht, bei Newburg, unter anderen auch bei Getrud Hünck. Ihr Mann Ludwig Esselmann ist schon mehrere Jahre tot. Sie ist ge­sund und es geht ihr gut. Der letzte Esselman von die 4 Brüder Clemens, der mit uns war bei euch, ist letzten Herbst gestorben. Er hatte zur Nacht gegessen und setzte sich dann im Stuhl sich ein Pfeifchen zu rauchen, wo er auf einmal Hände und Kopf fallen ließ und war tot. Am 15 reisten wir von Wiscon­sin ab, und kamen an 20 Dezember morgens 2 Uhr hier in San Benito an. Wegen der verfehlten Zug­verbindung kamen wir 24 Stunden zu spät hier an. Wir hatten uns ein Haus bauen lassen, was fertig sein sollte, aber leider waren noch keine Türen u. Fenster darin, jedoch wurde diese fehlende Maß­nahme bald besorgt, so das wir einziehen konnten, und jetzt ist es ganz fertig, außen sowohl, als innen ist alles angestrichen, Fußboden sowohl, als Türen und Fenster, und alles tapeziert. Ein Stall wurde gebaut, und wir betreiben ein wenig Farmerei, wozu wir einen mexikanischen Knecht haben, der hat bei uns in einem kleinen Häuschen seine Wohnung, für sich und Familie, beköstiget sich selbst, und zahle ich ihm $ 4,00 Dollar Lohn pro Woche. Das ist billig besonders für hier zu Lande. Denn in Min­nesota müßte man ein Knecht schon $ 35-40.00 per Monat zahlen und Kost dazu, und dann kann man noch oft keinen Knecht bekommen, in den letzten Jahren, und dabei muß man noch gar aufpassen, das man sie nicht etwa beleidigt, sonst packen sie ihre Sachen und gehen.

Dieser Teil von Texas ist ganz nahe an Mexiko, und in dem Lande gibt es viele arme Leute, die kommen nach Texas über die Grenze, und arbeiten so billig. Diese bleiben auch nahe an der Grenze, die wollen nicht weit nach die Verei­nigten Staaten hinein, diese dürfen wir wenigstens sagen, was für Arbeit sie tun sollen, und tun es dann auch. Zur Arbeit haben wir 2 Maulesel und wenn der Knecht die andere Arbeit nicht allein be­sorgen kann, so brauche ich nur auf den Sammelplatz der Arbeiter zu gehen, und verdinge so viele, wie ich brauche für 75 Cent per Tag, bei eigener Kost. Nun ehe ich mich hier weiter einlasse, will ich deinen Brief völlig beantworten. Bertha ist bei uns, Clara und Rudolf gehen hier in die Schule, und zu deiner Frage will ich Euch sagen, daß wir hier eine sehr gute Schule haben, und zur Kirche werde ich Euch später erzählen. Es freut uns zu wissen, das eure Kinder alle so gut gedeihen, ich täte sie doch gerne mal sehen. Sage August Epke nur, ich hätte es ganz vergessen, werde mich aber doch bald um die Sache bekümmern, obschon ich jetzt ganz aus dem Distrikt fort bin, hoffe doch Freunde dort zu finden, die das nötige für ihn besorgen können. Euer Haus muß doch jetzt großartig dastehen, und mit neuen Futtervorrichtungen, besonders Tränke, muß eine schöne bequeme Sache sein. Wir kennen hier solche Einrichtungen nicht, und sind auch wegen den verschiedenen Verhältnissen hier nicht so zweckmäßig. Was Mist aus dem Stall zu befördern angeht, so geschieht das hier häufig, das ein höl­zerner Behälter, nicht ganz so groß als eine Sturzkarre, mit kleine Räder von Eisen auf einem starken Draht hängen, dieser Draht geht durch die ganze Länge des Stalles, und wird dort angehalten, wo er beladen werden soll, und wenn er voll ist, wird er angestoßen, läuft dann bis am Ende des Stalles, wo er eine Wendung nach außen macht, und dann in einer beliebigen Entfernung von Stall sich seiner Last selbst entlädt um dann gleich wieder für die Entmistung in den Stall zurückkommt.

Nun, es freut mich sehr, das ihr alles in so schönem Zustande habet, wozu ich euch Glück wünsche und möge Gottes Segen immer auf euch ruhen, und euch alle lange gesund erhalten. Hier wo wir jetzt sind, sind die Verhältnisse ganz anders, hier wird nicht mehr Vieh gehalten, als gerade für den Haus­halt nötig ist. Weizen gedeiht hier nicht, Wiesen und dergleichen sind hier auch nicht, jedoch für Heu wird durch verschiedenes andere [unleserlich??], durch Anbau von Alfalfa, Kuherbsen, Sorghum, und anderes auch Unbekanntes. Auch Hafer wird nicht viel angebaut, sondern eingeführt von weiter her. Gerade eins möchte ich hier erwähnen, das Texas ein Staat ist, größer als ganz Deutschland, man kann über 100 Meilen fahren von Süd nach Nord, oder Ost nach West, bevor man ihn gekreuzt hat, und wir haben fast "Alles" was die Welt bietet in unserem eigenen Staate, was nicht am einem Platze ist, ist am andern. Produkte von dieser Gegend hier was hier die Brownsville County Landschaft genannt wird, oder auch genannt: "Rio Grande Fluß Tal" sind hauptsächlich Zuckerrohr, wo der beste weiße Zucker von gemacht wird, auch eine Sirup Pflanze, Alfalfa (eine Art Klee), Korn oder Mais, Baumwolle, und viele Futterpflanzen. Dann kommen Gartenfrüchte an der Reihe als Zwiebeln, Kartoffeln, Kappes, Schnittbohnen, Gurken, Selleriesalat und allerlei, dieses wird hier im Winter gezogen, wenn es nir­gendwo anders zu haben ist, und dann Waggongweise nach dem Norden versandt, ja sogar ganze Züge. Und bringen diese Sachen manchmal einen großen Preis, manchmal aber auch mal wenig, wenn der Markt mal überfüllt ist, mit solche Sachen, welches mit Zuckerrohr nie der Fall ist. An nächster Reihe kommen dann allerlei Südfrüchte, Apfelsinen, Zitronen, Bananen, Feigen, Weintrauben, Wall­nüsse, und weiß nicht was alles andere. Habe neulich 80 Acker verkauft, welches mehr abgelegen lag, für $ 60.00 per Acker, kostet mir $ 50 per Acker. 40 Acker grenzen am Städtchen, die kaufte ich vor einem Jahre für $ 80.00 per Acker und seitdem wir hier sind, haben wir es um etwa $ 20.00 per Acker verbessert, mit roden, pflügen und Wasserleitungen, somit steht uns das jetzt $ 100.00 per Acker. Jetzt ist einen Verkaufspreis 200.00 per Acker. Dann haben wir noch 116 4/10 Acker 1 ½ Meile von der Stadt an der Eisenbahn gelegen, welches mir $ 50.00 per Acker kostet und rechne es jetzt nahezu an $ 100 den Acker wert. Herr W. J. Bryan unser Präsidentschafts-Kandidat hat sich neulich 40 Acker an uns angrenzend gekauft, und zahlte $ 100 per Acker, genau dieselbe Qualität Land. Gerarde so weit vom Städtchen, nur ist der Unterschied, das unseres näher bei der Zuckermühle sein wird, wenn die gebaut ist, wohin man den Zuckerrohr hinliefern muß, und der ist schwer, wachsen etwa 40 Tonnen (2000 lb) zum Acker. Herr Bryan muß auch denken, das es hier gut ist. Dadurch ist er sozusagen unser Nachbar, obschon wir beide nicht darauf wohnen. Wir sind nur von der Eisenbahn getrennt. Ich schicke ein Büchlein, siehe, Seite 20 und alle andern, nur schade, das du es nicht lesen kannst, und in deutsch kann ich sie nicht bekommen. Wir wohnen im Städtchen, und sende eine kleine Ansichtskarte von unsere neue Heimat hier mit. Wie zu sehen ist, Keller hat man hier nicht. Das Städtchen baut sich merkwürdig schnell auf, denn vor 2 Jahren, als ich das erste mal hier war, waren hier noch nur 2 oder 3 Häuschen, wogegen ringsum nur dorniges Gesträuche war, wo man nicht ein Schwein hätte durch­treiben können (ich habe es selbst gesehen) und jetzt sind von 2 bis 200, teilweise gar billige und teil­weise recht schöne Häuser, mit etwa 1200 Einwohner. Sehr viele (wir auch) haben Wasserleitung im Haus, oder bekommen es recht bald. Tausende Acker von wildes, mit Dornholz bewachsenes Land sind ringsum ausgerodet und in die schönsten Felder verwandelt worden. Das ist nun nicht allein so von diesem Platze, solcher gibt es gar viele. Auch wir haben 40 Acker solches Land gerodet und kulti­viert. 2 Acker mit Zuckerrohr bepflanzt um Samen zu ziehen für 15 bis 20 Acker nächsten Winter da­mit zu bepflanzen. Da wird nicht etwa Samen, sonder das eigentliche Rohr gepflanzt, welches hinter den Pflug in die Furche gelegt wird. Ein Acker so zu pflanzen kostet etwa $ 25.00 Samen Rohr, ist aber dann für 6 bis 8 Jahren gut, ohne wieder von neuem zu pflanzen. Wir sind jetzt dabei um etwa 20 Acker mit Sorghum für Heu zu sähen und den Rest mit Korn (Mais) zu pflanzen, und um letzteres nächsten Winter mit dem auf die 2 Acker gezogenem Rohr zu bepflanzen, der Sorghum (Ostindische Getreideart (Hirse)] ist auch nächstes Jahr noch mal gut, ohne wieder zu sähen. So ist es angebaut, jetzt müssen wir abwarten, was es gibt. Mit Gartenfrüchte ist manchmal viel mehr gemacht, aber was ich pflanze, ist mehr sicher, wenn auch der Profit etwas kleiner, jedoch diese oder solche, die es wis­sen wollen, und können, behaupten einstimmig, das wenigstens $ 50.00 per Acker Reingewinn auf je­den Acker Zuckerrohr kommt und oft viel mehr. Ein Bekannter von Minnesota sagt mir, er habe dieses Jahr $ 75 frei [verdient] gemacht an Zucker Rohr per Acker. So jetzt möchtest du auch wissen, warum ich deinen Brief im Bett empfing, am 7 ten 8 März war ich, meine Frau, und unser früherer Pfarrer in Duelm, August Plachta, (der hier war, um uns zu besuchen, und um für sich selbst nach einer wärme­ren Gegend sich umzusehen) per Bahn etwa 50 Meilen nach einem andern der neuen Plätze hier im Tale gefahren (Mission) genannt. Wir fuhren Samstag hin, und als wir am Sonntag morgen zur Kirche fuhren (eine alte Klosterkirche) da spürte ich Schmerzen in beiden Beinen zwischen Knie und Enkel, dieses verschlimmerte sich, bis zu Hause am Montag morgen unser Hw. Herr, als er seine Heimreise wieder antrat, nicht mal zum Bahnhof begleiten konnte, obschon der nur etwa 70 Ruthen von unserem Hause entfernt ist. Ich schickte auch bald zu einem Docktor, deren hier 2 sind, einer von Minnesota mit dem ich das erste Land hier zusammen kaufte, aber gleich teilten. Dieser ein älterer erfahrener Mann legte kalte Umschläge auf, wonach in einigen Tagen das rechte Bein wieder gut wurde, aber das linke wollte und wollte nicht besser werden, dann versuchte er mal 3 Tage lang Eis aufzulegen, aber nein, dann versuchte er andere Umschläge, alles mit der Absicht, ein Geschwür zum platzen zu ver­führen, aber alles war umsonst. Am 2ten April mußte ich mich ins Bett begeben, und zog sich das Übel zu einer geschwürartigen Masse zusammen in Mitte zwischen Knie u. Enkel inwendig an der Wade, welches der Dr. am 13 April aufschnitt, und recht viel Unrat (Eiter) abgab. Dieses gab nun wohl Erleichterung, aber es will und will nicht wieder gut werden. Mein Dr. ging am 16 April wieder für den Sommer nach Minnesota, meinte aber in 1-2 Wochen sei alles wieder gut. Dem ist nun nicht so, es ist eine offene, abfließende Wunde und die ganze Wade ist immer entzündet und weich. Im Monat April, war ich nur im Bett oder ein wenig im Stuhl daneben, und seitdem habe ich mir ein paar Krücken anschaffen müssen, so das ich auch im und um Hause ein wenig herum bewegen kann oder das ich im [unleserlich??] um etwas herum zu fahren, und um auf der Farm nachzuschauen, und ich sage euch, das mir diese Sache gar ungelegen kommt, denn ich bin allein, bloß der Rudolf kann mir das Pferd aufzäumen. Am 7 ten May war ich per Bahn u. Krücken nach Brownsville zu mei­nem Dr. der sagte wenig, gab mir zum einspritzen in die Öffnung, und er wollte am nächsten Morgen das Wasser untersuchen, ob das Übel vielleicht von den Nieren herrühren möchte, am nächsten Tage schrieb er mir, die Nieren seien im guten Zustande. Brownsville ist eine alte Stadt, von etwa 9000 Seelen 19 Meilen von hier. Am 14 May bin ich nun wieder hin, und als ich ihn fragte was er von der Sache dächte, sagte er mir, es sei ratsam, das ich mich durch eine X Ray Maschine [Röntgengerät] untersuchen ließe, um dadurch vielleicht feststellen zu können, was und wo der Sitz des Übels ist. Habe kaum deutschen Namen für X Ray, aber es ist neuerer Erfindung, womit jedes kleinste Ding im Körper gesehen werden kann, es macht alles durchsichtig dort, wo sie angesetzt wird. Eine solche Ma­schine hat man in Brownsville nicht, dafür müßte ich nach San Antonio oder Houston Texas, aber habe noch nicht entschieden, was zu tun, muß aber bald was geschehen, denn das Eitern und Schmerzen, beides vermehrt sich. Am 14ten ging auch meine Frau und Clara mit zum Doktor, wegen Clara hat ein schlimmen Zehen. Der erste Zehen nächst dem großen, hat sich ganz aus seinem Platz hinaus­gequetscht, und liegt gänzlich über den großen. Der große Zehe hat den Nagel eingewachsen, und so hat sich dort ein Übel eingenistet, das nur gründlich beseitigt werden kann, wenn durch die Abnahme des 2ten Zehen das Übel beseitigt wird. Das ist nun gestern am 15 ten geschehen, und soweit glücklich verlaufen, denn um 4 Uhr habe ich mit meiner Frau über das Telephone gesprochen, und sagte zu ihr, daß Clara wieder erwacht sei, denn sie mußte Chloroformiert werden, hätte ein wenig geweint, und sei dann vor Müdigkeit bald wieder eingeschlafen, ich erwarte, meine Frau zu Hause um 5 Uhr abends, aber Clara wird noch wohl etwa eine Woche dort bleiben müssen, die ist bei Freunde in einem Privat­hause. Wilhelm hat vor mehreren Jahren dasselbe Übel, und auch einen Zehen amputieren lassen. Hof­fentlich wird Clara bald wieder gut sein, aber mein Fuß macht mir große Bedenken und Sorgen weil es zu lange dauert. Der Dr. hat mir gestern über das Telephon gesagt er habe mit meiner Frau meine Sa­che noch mal beredet, so will ich warten, was daraus werden wird, sonst werde ich wohl anderswo Hilfe suchen müssen. Beide Städte sind etwa 350 Meilen von hier. Wie anfangs erwähnt will ich jetzt deine Frage wegen Kirche beantworten. Wie gesagt, wir haben eine ausgezeichnete Schule, aber der Kirchendienst läßt noch viel zu wünschen übrig. Wir haben nur einmal im Monat Gottesdienst und zwar jeden 2ten Sonntag im Monat, und es wird die hl. Messe in einem Privathaus gelesen, weil noch keine Kirche gebaut worden ist. Nun haben wir das größte kath. Haus im Städtchen, so haben wir das Glück (denn als solches rechne ich es uns an) das die hl. Messe hier bei uns im Hause gehalten wird. Am Sonntag nach Ostern war hier Messe, oder Gottesdienst. Da war unser Tag wegen Ostern eine Woche später, da habe ich von meinem Bett aus, bei geöffneter Türe die hl. Messe beigewohnt, und auch gleichzeitig meine Osterkommunion gehalten. Soweit von diesem, damit ihr sehet, daß wir noch keine Heiden geworden sind. Da werdet ihr nun wohl denken, das ist aber doch gar nichts so, und ver­denken euch auch solches nicht, wenn ich daran denke, wie bei euch der Gottesdienst gehalten, und besucht werden kann, aber wenn das mal zu einer "Gewohnheit" sich eingeschlichen hat, ist auch hier und da mal bedenklich. Wir rechnen uns als Glück und Gnade an, das wir dem Herrn unser Haus zu seiner Einkehr entbieten können, und alles muß seinen Anfang haben, und wenn da kein Anfang wäre so würde es niemals mehr Kirchen geben so wie sie es jetzt gibt. Zu solchem Anfang müssen sich auch einige bereit sein und wir würden keine Mühe scheuen, um hier zum Anfang möglichst behilflich zu sein. Letzten Sonntag war hier zum 3ten Male Gottesdienst, und es kommt meistens ein deutsch re­dender Priester (Elsaß-Lothringer) hier hin. Er wohnt dann auch bei uns in der Zeit welche er hier zu­bringt. Wir beherbergen ihn frei, und geben $ 1.00 als Reise und Unterhaltungsbeitrag. Erst war hier nur Stillmesse und Predigt. Letzten Samstag aber machten sich Bertha u. Clara nebst 2 anderen gute Sänger dabei einen Chor zu bilden, und wir hatten ein Hochamt mit Gesang und Musik in unserem Haus. Glaubt ihr ob die Leute nicht überrascht waren, denn keiner hatte vorher eine Ahnung von der feierlichen Messe. Das Hochamt sei sehr feierlich gewesen und am Ende der Messe sagte der Pfarrer, es sei gerade so, als wenn man in einem Dom gewesen wäre. Die Mädchen hatten den Abend vorher den Pfarrer gefragt, ob es ihm Recht wäre wenn sie die Messe mitgestalten. Und fast alles ging ohne Übung vor sich. Es hörte sich an als ob alle schon längst vorher zusammen geübt hätten. Ich freue mich wirklich, das wir so behilflich sein können in der wichtigen Sache des Gottesdienstes. Ich hatte beinahe Freudentränen in den Augen während ich euch diese Begebenheit schreibe. Jetzt nehme ich meine Krücken, und mache mich zum Eisschrank, und trinke mir eine Flasche Bier, also zum Wohlsein für uns alle und unserer ewigen "Glückseligkeit". Die Vorkehrungen, um hier eine Kirche zu bauen, sind im vollem Gange. Vor 2 Wochen war der Bischofsstellvertreter hier, um mit der hiesigen Landkompanie Rücksprache bezüglich des Kirchbaus zu nehmen. Die Kompanie hat uns 3 Lotten (Bauplätze) von je 50 bis 150 Fuß groß umsonst angeboten, und sie wollten eine Versammlung halten, wie viel Geld sie uns geben wollen, wir rechnen auf $ 500.00 wissen es aber jetzt noch nicht. Der Bi­schofsvertreter und unser Pfarrer waren abends bis 10 Uhr hier bei uns zusammen, um auf den Zug zu warten. Es seien genug Katholiken hier, aber die große Mehrzahl sind Mexikaner, die sind arm, und können nicht viel zum Kirchenbau geben, gehen auch nicht viel in die Kirche, und wir, die wir uns amerikanische Katholiken nennen, sind unserer noch nicht genug. Die meisten Leute sind hier nicht katholisch. Wir wollen es mal abwarten, was es gibt und wie es weiter geht, wenn es uns zuletzt nicht gefällt, haben wir uns bereits entschlossen, hier zu verkaufen, um dann nach Mission zu verziehen. Dort sind diesen Sommer noch eine große backsteinerne Kirche gebaut, wozu einer von Minneapolis Minnesota allein $ 1.000.00 Dollar geschenkt hat. Dort ist Grund und Boden gerade so gut wie hier, nur nicht so schön gelegen wie dieses, jedoch auch an der Eisenbahn. Dort sind mehr Katholiken aus Minn. und Wis. und ist 3 Meilen entfernt die schon erwähnte Klosterkirche, somit mehr Gelegenheit, den Gottesdienst beizuwohnen, und ist auch für die Kinder besser, unter mehr katholischen Menschen zu wohnen, um nicht etwa Bekanntschaft mit nicht katholischen Menschen anzufangen. Also soweit um die Kirchenangelegenheit.

Jetzt möchtest du auch gerne wissen ob wir in Minn. alles verkauft haben u.s.w. Da muß ich sagen nein, wir haben es noch nicht. Dort verkauft sich das Grundeigentum seit 4-5 Jahren sehr langsam ob­schon Minnesota ein guter Staat ist. Eine Stockung in Grundverkäufen ist in den letzten Jahren sehr oft eingetreten. Wir haben wohl den Store (Laden) in Duelm verhandelt oder vertauscht auf anderes Grundeigentum, aber ohne Geld heraus zu bekommen. Wir bekommen dafür 360 Acker Land etwa 30 Meilen nördlich von uns, wo nur ein kleines Haus, Stallungen und nötige Fruchthaus [Scheune] darauf sind, und etwa 40 Acker Bauland, eben so viel Wiese, und sonst noch wildes Land. Auf diesem Lande schuldete der Mann $ 4.500.00 welche ich übernehmen mußte, kurz, ich sollte ungefähr $ 2500.00 für mich aus diesem Lande bekommen, wenn ich es verkaufen kann. In Duelm verkaufte ich nur die Ge­bäude mit 10 Acker, bekam etwa $ 1000.00 Geld für Vieh und Farmgerätschaften, welches ich auf der Farm meistbietend verkaufen ließ, und mußte von dem Ankäufer $ 3600.00 Hypothek nehmen, auf die 10 Acker und Gebäudlichkeiten in Duelm auf 3 Jahre, wenn ich das nun so herausbekomme wie es sollte, hätte ich schon gut genug verkauft, aber das hängt von einigen Umständen ab, so muß man ab­warten. Ein schlimmer Anfang ist schon der, daß am 21 April unsere alte Heimat in Duelm in Flam­men aufgegangen ist, das heißt Store und Wohnhaus, das machte die Hypothek weniger wertvoll. Ge­wöhnlich wird das in die Versicherungspolice eingesetzt, daß das Geld im Fall eines Feuers an dem versichertem Gut [Gebäude] auszuzahlen ist. Das heißt, was die Gebäude angeht, wie ich es im letzten Jahr versichert habe, das war auch so bei der Übergabe abgemacht. Im April lief diese Police ab, und es wäre seine Pflicht gewesen den Versicherungsschutz sofort wieder zu verlängern. Er hat erst am 15.April erneuert und lies die vereinbarte Klausel aus. Am 21 April morgens um etwa 4 Uhr ist alles, der Laden und Wohnhaus abgebrannt. Ob ich nun meine Versicherungsgelder bekomme, weiß ich nicht, ich habe gleich einen Bevollmächtigten [Rechtsbeistand] in St. Cloud beauftragt, und muß ich abwarten, wie es gehen wird. Dieser Kerl, dem ich verkaufte ist einer, wie es wenige gibt, und hätte ich ihn gekannt, würde ich ihm nie verkauft haben, aber solches verkaufen geschieht hier gewöhnlich durch Maklermänner, und hatte ich dem Mann nie gesehen noch von gehört. Ein kleines Wohnhaus hatten wir in Duelm, das ich mal gebaut hatte für den Buttermacher drin zu wohnen, das haben wir mit einige Acker Land verkauft für $ 850.00 auch ein Stück Wiese für $ 25.00 per Acker. Die richtige Farm in Duelm von 160 Acker, die haben wir noch nicht verkauft. Gerade jetzt kommt die Frau herein von Brownsville und sagte, das die Operation gut verlaufen sei, der Zehen sei ab, und der ganze Nagel vom großen Zehen. Clara sei so weit schon recht, bloß schwach und schliefe viel, sonst würde alles wohl gut werden, und wenn das Betäubungs- Material mal wieder aus dem Blute ist. Jetzt noch wegen dem Feuer in Duelm. Niemand scheint zu wissen, wie es angekommen ist, einige glauben es sei von Feinden angelegt, andere glauben er selbst, nun ich weiß nicht wie es gekommen ist, aber es ist ver­brannt. Von die Waren und Ausstaffierung ist nur wenig gerettet worden. Jetzt habe ich meine Weis­heitskasten gänzlich geleert und ist dieses wohl der längste Brief den ich jemals schrieb. So will ich doch endlich schließen sonst möchte euch das lesen verdrießen und wenn’s euch dort mal nicht mehr gefällt, auf nach Texas, nach dem sonnigen Feigen, Apfelsinen, Gemüse und Zucker [unleserlich??].

Unter vielen vielen Grüßen von uns allen an euch alle euer Bruder, Schwager Onkel und

Großonkel Clemens.

Grüße Marschall, Frericks und alle andern Verwandte und Bekannte die nach uns fragen und mögen diesen Brief lesen so werden sie mehr um und von uns wissen aber allen so viel schreiben kann ich nicht.

 

 

San Antonio, Texas, den 3.6.1909

 

Bin seit Sonntag hier. Heute hat der Dr. eine über 2 Zoll langer Schnitt in den Waden gemacht. Es gab ein großes Loch, konnte tief hineinsehen, viel Eiter und Stücke schwarzes Blut kam heraus. Er hofft, das keine weitere Operation nötig ist, ich auch. Ich weiß keine Ursache für dieses Übel. Mit Gruß an Alle. San Antonio hat 100.000 Einw. C. A. Hunck,

Rom 17, 3d Floor.

 

 

Lake George Minn. June 8 ’1909

Mein lieber Herr Hunck!

 

Mit Freuden willfahre ich Ihrem Begehr. Hoffentlich ist einliegendes Dokument genügend. Ich habe hier eine schöne Stelle. Alles deutsch. Ein großer Vorzug. Vor Blitz, Ungewitter u. Polen bewahre uns, o Herr!

Eschpeter, sagt man, gehe in Albany in keine Kirche mehr, weßhalb man ihm aufgekündigt hat. Er ist so angelegt! Wir haben jetzt eine ..............-Eisenbahn in L. G. von Brooten nach Duluth. Ich wiege jetzt 201 Pfund. Es ärgern mich keine Polen mehr!

Schönen Gruß an Mrs Hunck

Mit allerschönstem Gruß, Ihr alter Freund

Norbert Groth

 

San Antonio, Texas, den 12. Juni 1909

 

Lieber Wilhelm!

 

Ich schreib zum jetzigen Pfarrer von Lake George, um eine Todesbescheinigung von Heinrich Epke [* Dülmen 12.8.1866 / 1893 ausgew.] zu bekommen, und sende einliegend das Erhaltene. Dies ist nur als Pfarrer amtlich gestempelt, ob das dem Herrn Epke genügend sein wird, weiß ich nicht. Sollte es not­wendig sein, das Epke ein amtliches, von einem Notar beglaubigtes Zeugnis haben muß, so denke ich, das auch ich solches durch diesen Herrn Pfarrer Norbert Groth erhalten könnte. Herr Pfarrer Groth war früher [ von 1896 bis 1897 ] Pfarrer in Duelm, aus seinem hier beigelegten Brief siehst du, das wir uns kennen. Er kam mal in Ungelegenheit [Bedrängnis] bei uns mit die Polen, es war einer dort, der wollte nicht seine Gebühr zur Kirche zahlen und als Gelegenheit zur Strafe weigerte sich der Pfarrer, dessen Kind zu taufen. Das erboste ihn, und 3-4 von seinen Polen Freunden, so kamen diese zum Pfarrhause, und wollten ihn herausschmeißen oder gar durchhauen, aber der Pfarrer war nicht zu Hause. Jetzt glaubten diese Leute, er sei, um sicher zu sein, zu uns geflüchtet, und kamen sie zu mir. Clemens! Hast du Pfarrer sitzen zum die Keller, da muß heraus, da wills noch heute sehen Pfarrer Norbert Groth.

[Clemens, hast Du den Pfarrer Groth versteckt (im Keller sitzen?) Wir müssen ihn finden und heute noch sehen]

Wegen diesen Vorgang schreibt er. Vor Blitz, Ungemach und Polen, bewahre uns o Herr! Auch B. Espeter bekommt ja ein schönes Kompliment, der war nämlich als Lehrer in Albany angestellt. Er ist wie folgt veranlagt! Zum saufen und dummes schwätzen. Ich bin nun seit Pfingsten hier bei die barm­herzigen Schwestern von dem "Und das Wort ist Fleisch geworden". Gestern abend kriegte ich einen hohen Besuch, nämlich der Bischofsstellvertreter, der wie ich schrieb, bei uns war, um eine Kirche in San Benito zu bauen. Er hatte gehört, das ich hier im Hospital sei, so kam er hin. Er sagte, die Land Co. wolle schon 3 Lotten (Bauplätze) geben, aber keine $ 500.00. Hier in diese Gegend sind viele Oblaten Paters, von denen ist dieser der Obere, oder Provinzial, wie man ihn nennt.

Der Dr. hier hat mir noch mal was zum ziehen auf die Wunde gelegt und als es weich genug war, ei­nen 2 Zoll langen Einschnitt gemacht, es kam viel Eiter und dicke Stücke schwarzes Blut heraus, und ich dachte, ich wäre bald kuriert, aber jetzt will doch das untere Ende der Wade noch immerhin nicht seine normale Form annehmen, und bleibt immer noch hart, rot und geschwollen. Auch ist der Fuß vom Enkel bis zum Zehen angelaufen, aber nicht rot oder entzündet. Die X Ray Untersuchung hat er­geben, daß da Entzündungsanlagen seien in beide Knochen, mehr so in dem kleineren. Trotzdem meint doch dieser Dr. es sei mit den Knochen nichts los. (Der X Ray Dr. ist ein anderer Dr.) Ich bin bange, es ist etwas mit die Knochen, denn ich bekomme hie und da so scharfe Stiche darin d. h. im Schienbein.

San Antonio soll 100.000 Einwohner haben, es ist etwa 350 Meilen (engl.) von San Benito fort, jedoch wärmer als in San Benito, weil eben hier die kühlenden Golf Lüftlein nicht wehen.

Mit dieser Anstallt ist auch ein Waisenhaus für Knaben verbunden (siehe Karte links) und auch eine schöne Kirche (auch nach links) wo am Fronleichnamsfeste 15 von den Knaben die 1te hl. Kommu­nion empfingen, da ist schon morgens um 6 Uhr die Hauptmesse an Sonn u. Feiertagen. Es sind an die 40 Schwestern hier, außer viele Wärterinnen. Die Anstalt wird sehr gut geführt, kostet einen aber auch von $ 2 bis $ 3.00 per Tag ohne Dr. u. Medizinkosten. Bitte grüßt Herrn Epke von mir, und sollte er ein anderes Zeugnis gebrauchen, so stehe ich zu diensten, dieses kostet nichts.

Mit Gruß an euch Allen C. A. Hunck

 

 

 

 

 

 

 

Duelm Minn July 15, 1909

Liebe Johanna.

 

Da du doch gar nicht schreibst, will ich also noch einmal dir ein paar Zeilen zu senden, in der Hoffnung daß du mal wieder schreibst. Ich habe schon so ewig lang keinen Brief mehr von da bekommen, bloß einige Zeilen von Anna Morschall zum Namensfeste,

Wir erfreuen uns noch alle die beste Gesundheit und hoffe das selbige von Euch alle. Die kleine Maria muß doch schon ein großes Mädchen sein, und der kleine Junge ich schäme mich bald zu schreiben das ich nicht mal weiß wie Er heißt, wird auch wohl jetzt ein tüchtiger Burschen sein, ich möchte Sie nur gern einmal sehen.

Wie geht es denn noch immer mit deinen Eltern und Geschwistern, bitte grüße Sie alle bestens von mir. Was macht denn die Frau Bergmann, noch immer so lustig wie damals, sage ihr doch ich hätte schon bald .....

wie geht es denn noch immer mit ihr, und was macht ihren Bernard macht er immer noch so oft Holz-Schue für ihr. ha ha.

Grüße ihr von mir

Liebe Johanna, Dieses ist das dritte mal daß ich diesen Brief anfang ich hoffe das ich ihn doch jetzt fertig bekomme.

Der Franz Marshall hat sich doch endlich auf die Beine gemacht nicht wahr? hat sich dieses mal nicht so lang bedacht, ich hoffe nur das er eine gute Lebensgefärtin bekommen hat, denn er schien ein ganz netter Jung zu sein.

Am zehnten August werden wir das Fest des hl. Laurentius unser Kirchenpatron feieren, es kommen glaube ich 6 fremde Priester.

Ich muß mein schreiben schließen in der Hoffnung auf eine baldige Antwort, mit Herzliche Grüße an Euch alle, verbleibe ich deine dich liebende Nichte

Bertha.

Bitte schreibe mal recht bald wieder. bitte die großen Fehler zu übersehen.

Das beiliegende Zettel habe ich aus eine Zeitung geschnitten, und schicke es dir, dann hast du einen Begrif wie hier die Polen das Deutsche sprechen, es ist öfters bald zum krank lachen.

 

 

 

Denver, Colo. den 10.8.1909

 

Haben mal eine 1800 Meilen Reise gemacht, um Hermann Wesselmann zu besuchen. In allem gefällt uns San Benito noch nicht. Denver ist eine schöne und große Stadt. Auch schön [gesund ?]. Kortgödde ist am 2 Okt. gestorben. Wir sind alle wohl auf.

Besten Gruß an alle. Karte aus Köln erhalten. C. A. Hunck   

 

 

San Benito, Texas, den 27. 8.1909

 

Karte aus Köln erhalten. Hitze und Zudrang hat Menschenleben gekostet. Fuß wird besser, kann wie­der ohne Stock gehen. Diese Karte zeigt ein Teil der Hauptstraße in San Benito. 2te Haus rechts ist un­seres. Auch ist ein kleiner Teil von mehreren Stallseiten dem ersten Hause sichtbar. Alles wohl hier. Augenblicklich viel Regen. Gruß C. A. Hunck.

Links sieht man Eisenbahnwaggon und auch 5 Stores ("Läden"). Großer Wasserbehälter in der Ferne für die Eisenbahn und den Gebrauch der Wasserleitung für die Häuser im Städtchen. Rechts, das letzte ist ein massives Backstein Gebäude als Bank benutzt. Es sind etwa 200 Häuser im Städtchen mit 1200 Selen.

 

 

San Benito, Texas., Cameron Co., den 12. Dez. 1909

 

Lieber Wilhelm und Alle

 

Deinen für uns so lieben Brief vom 17 Nov. wurde mir am 6 dieses Monats ausgehändigt, und es freut uns doch mal endlich zu wissen, das ihr noch am leben seid, ja das alles gesund ist, welches ich auch von uns berichten kann. Mein Bein hat sich soweit gebessert, das ich wieder aufstehen und gehen kann, jedoch es macht mir Beschwerden, weil ich nicht ganz meine völlige Kraft im Enkelgelenk habe, darum fahre ich meistens dahin, wo ich hin will. Also dein Brief hat mich sehr interessiert, be­sonders mit dem Landtausch, das ist ja fein, die Wiese so nahe beim Haus anstatt die Heide. "O weih, O weih". Das Stück Langenkamp muß ja bald gehen bis an dem Schlagbaum an dem Eck, wo sich der Weg um die Elbers Stockwiese dreht, nach Prares Wiese zu. Jetzt folge ich dein Brief weiter, und tut es mir sehr leid, das Johanna mit solchem Fußleiden behaftet ist, aber es sind die Folgen von dem was du erwähntest. Deine Großmutter hatte aus denselben Gründen ein gar dickes Bein, beinahe wie so ein altmodisches Butterfaß [unleserlich??] genannt.

 

[Dieser Brief vom 12.12.1909 ist unvollständig, Seite 2 fehlt].

Ein kleiner Abriß von unserem Häuschen. Es ist oben so viel Platz, um Sachen dort aufzuheben! Das 10 + 20 ist von 2 Seiten mit feinem Draht [unleserlich], um Fliegen, Mücken u.s.w. abzuhalten. [es folgt eine Zeichnung] Dieser Strich bedeutet ein Fenster, dies bedeutet Türe. [Text fehlt, eventuell die Fortsetzung nach "Mücken u.s.w. abzuhalten"] was man unten in die Zimmer nicht gut haben kann. Sonst ist es bloß einstöckig, aber wir 5 haben genügend Platz drin zu wohnen, alles ist inwendig schön tapeziert und angestrichen und auswendig in weißer Ölfarbe. Die Häuser werden hier nur gar leicht gebaut, weil man nicht gegen Kälte schützen braucht. Jetzt warum es uns hier noch nicht gut gefällt. Das Klima gefällt uns fein, besonders jetzt im Winter, es ist Wetter hier zum Heu machen, und tun es auch. Auch ist uns die Hitze im Sommer nicht unbehaglich gewesen, aber es ist zu viel Ungeziefer hier, was ich in zwei flüchtige Besuche, die ich hierhin erst machte, nicht ausgefunden habe, und auch wie du sagst, tun sich die kirchlichen Verhältnisse nicht günstig genug gestalten, das es uns Zufrie­denheit gäbe, wenigstens nicht für mehrere Jahre nach zu kommen. Es wird zwar jetzt eine kleine Kir­che gebaut, aber es sind meistens Mexikaner hier, die deutsch oder amerikanische Katholiken schei­nen, noch gar langsam anzukommen, und die Mexikaner wissen gar nicht mal, das es Pflicht ist, alle Sonntage die hl. Messe zu hören, das sind gar gelungene Katholiken. Unser deutschsprechender fran­zösischer Pfarrer erzählt uns gar wunderliches über diese Leutchen ihren Katholizismus. Wenn er zu denen geht, muß er alle persönlich einladen zum Gottesdienst, sonst kämen sie gar nicht, und wenn ei­ner mal beichten wolle, dann wollten sie auch alle beichten, und wie, das erzählte er nicht, aber das kann man sich denken. Viele leben nur so zusammen, und sind gar nicht verheiratet, da müßte er es so langsam und behutsamer (beinahe mit List) machen, das sie sich erst verheiraten. Jedoch so viel wis­sen sie, wenn sie zum Sterben krank seien, wollten sie ein Priester haben und in den meisten Fällen, nein fast immer, täte ihnen es auch gelingen, einen in rechter Zeit zu bekommen. Er sagt, die Leute wissen nicht besser, und es möchte ihnen besser gehen als solche die alles besser wissen, und doch nicht tun wie sie sollen.

Jetzt fragst du nach Weizen, Zuckerrohr u.s.w. Alle sagen, das Weizen hier nicht gut wächst, warum weiß ich gerade nicht, weil der Weizen ein kälteres Klima bedarf, um zu gedeihen. Das wird auch wohl die Ursache sein, das in Minnesota, Dakota und Kanada der beste Weizen der Welt gedeiht. Das Land hier ist so fruchtbar, wie es kein besseres gibt, was Wachstum angeht, für Sachen, die dem Klima angemessen sind. Habe bloß zwei Acker mit Zuckerrohr, und der ist gutgeraten, wie eine Karte, die ich hoffentlich bald schicken kann, euch zeigen wird. Eine andere Pflanze hier, Sorghum genannt, ähnlich dem Zuckerrohr, oder auch Maisähnlich, der Pflanze nach nicht dem Samen nach, wird gezo­gen, das als Heu dient, oder es kann auch feiner Sirup aus den Stangen gepreßt werden. Von dem habe ich etwa 15 bis 20 Acker gesät für Heu. Dieses wächst von 6 bis 8 Fuß hoch, ja hatte sogar einige Stangen 10 Fuß hoch. Habe das erste im Juni gesät, und mähen jetzt den 3ten Schnitt. Auch sind wir jetzt erst mit dem geschnittenem Heu in feste Bündel am pressen, um diese zu versenden per Eisen­bahn, das bringt etwa $ 10.00 bis $ 12.00 per Tonne (2000 lb). Der erste Schnitt brachte etwa 3 Ton­nen per Acker. Mais habe ich gepflanzt, das brachte großes, nicht wertvolles Stroh und keine Ähren. Also fehlgeschlagen. Erst sagte man mir, das wäre zu irgend einer Zeit im Jahre gut zu pflanzen, näch­ster, als es fehl ging, sagte man mir, ich hätte im März oder Juli, Sept. pflanzen sollen um Ähren zu bekommen. Das Wasser dafür zu beflößen kostet mir $ 4.00 per Acker, aber kein Mais. "Ja, ja". Jetzt sind gar viele Leute beschäftigt mit Kappes, Bohnen, Liebesäpfel [Tomaten], Salat, Gurken, Melonen, Pfeffer, Rüben, kurzum allerlei Gartenfrüchte oder Gemüse zu ziehen, um nach den nördlichen Mark­ten versandt zu werden, aber ich gebe mich nicht damit ab, erstens verstehe ich nichts, und 2tens ge­lingt auch das Verkaufen nicht immer gut. Weiter schreibst du von eurer Köln-Reise, und das euch die so gut gefallen hat, nur noch einmal hin diesen Sommer, und den sicher nicht vergessen, bis nach Oberammergau zum Passionsspiel zu reisen. O wie schade, das du damals nicht mit uns nach Rom xx machen konntest. Nächstes Jahr wird der Eucharistische Kongreß in America (Kanada) abgehalten werden. Kommt nur mal dahin, und den hierhin. Von dem erwähnten Ungeziefer will ich nun sagen, daß das nicht etwa Läuse sind, was man bei euch so leicht unter den Namen versteht, sondern ich meine damit Ticks Ticken, auch kleine rote Ameisen "Migamken" und gar vieles andere euch gar un­bekanntes, und mir den Namen auch noch unbekannt. Auch sind große Schlangen hier, worunter Ras­selschlangen (sehr giftig) und Skorpionen u.s.w. Habe doch nicht nichts gehört, das jemand davon ge­bissen oder gestochen wäre. Die kleinen Ameisen sind bald die [unleserlich] Plage, die überlaufen im Hause "alles" was eßbar ist, und kann man auch nirgends etwas aufheben, auch nichts was vom Tische übrig bleibt, ob oben unterm Dach, oder unten im Schrank ist alles gleich. Man kann absolut ein Tisch in 4 Wasserbehälter stellen, da können sie nicht gleich herüber, sollte das aber etliche Tage stehen, und sich ein wenig Staub darauf ansammelt, so ist ihnen eine Brücke gebaut. Sogar im Bett ist man nicht davor gesichert, und brennt wie Feuer, wo sie arbeiten. Die Ticken setzen sich in die Haut ein, und wird der Platz oft gar wund und böse, und heilt nur langsam. Da gibt es hier solche, die sind so klein, als eine Nadelspitze, aber so viele, das, wenn man durch Sträucher oder Gebüsch geht, kann man so viele an die Kleider bekommen, als wenn eine Handvoll Mehl, oder besser trocken braune Farbe daran gewesen wäre. Wenn man davon überfallen wird, ist das beste sich mit Terpentinwasser ganz abwaschen, und Kleider mit Schwefel wohl zu bestreuen. Auch wenn man sich irgend weh tut, durch Hautabschüren oder quetschen, dauert gar lange bis es wieder ganz geheilt ist. Dieses sind so Plagen, die man nicht bei flüchtigen Besuchen einer Gegend alle ausfindet, und die Land zu verkaufen haben, sagen einen das auch nicht erst, und die Südländer sind das auch schon besser gewöhnt als die Nordländer. Im Norden, wo es mehr friert, kann das Ungeziefer nicht so gut hausen. Jetzt bin ich und meine Frau neulich nach Colorado gewesen, dort wohnt seit 8 Jahren unser alte Nachbar von Duelm, Hermann Wesselman, ein Schwiegersohn von Kortgödde. Hier will ich sagen, das, als wir dort waren, kam eine Depesche von St. Cloud Minn. an, welche das Ableben des alten Kortgödde (Edelbrock) meldete, seine alte Frau starb im Sommer 1908 auch in St. Cloud. Wesselman geht es sehr gut bei Denver in Colorado. Seine Frau Gertrud Edelbrock (Korgödde) ist schon lange tot und hält seine älte­ste Tochter den Haushalt für ihn. Die 2te Tochter ist beim Nachbar dort verheiratet. Zwei seiner älte­sten Söhne haben gemeinschaftlich (noch unverheiratet) eine gute Farm, der 3te Sohn studiert für Prie­ster, und kann erst nach 9 Jahren fertig sein. Zwei jüngere Söhne sind auch tüchtige Jungens etwa 15 und 17 Jahr alt. Auch uns hat es dort gut gefallen, und kann es sein, das wir nächsten Frühjahr dort ir­gendwo hinziehen. Kirchen sind dort besser bestellt, in der Stadt Denver gibt es mit großen u. kleinen kath. Kirchen etwa 20. Wir haben 2 Samstage die Franziskaner Kirche besucht, in welcher vor etwas über 2 Jahren der obere, Pater Leo beim hl. Kommunion austeilen von einem Italiener tot geschossen wurde, nachdem der Schurke sich erst die hl. Kommunion geben lies. Jedenfalls habt ihr es gelesen. Jetzt sehe ich in deinem Brief von dem Nagels Unglück. 3 von meinen alten Kunden in Duelm sind vor 2 Jahren bei Foley dort eben so ums Leben gekommen. Im Jahre 1885 war ich bei Nagels, nicht weit von Heinrich Bünger Dernekamp Nagel ist ein entfernter Verwandter von uns, von der Familie Middeler her. Jetzt möchtest du von [Theodor] Halfman [* Dülmen 21.10.1852 / 1880 ausgew.] wis­sen. Der wohnt eine englische Meile von Duelm auf der Farm, dem geht es gut, hat eine Frau mit etwa 5-6 meistens große Kinder. Duelm ist oder hat seit wir da fort sind kein Postamt mehr, so sollte jetzt ein Brief, adressiert wie hier bei liegt, ihn ganz gewiß finden. Jetzt lese ich über deine Ehrenämter, gratuliere bestens dazu. Also Kuhman ist in Boninghausen kuriert, gut für ihn, und besser für seine Familie. Jetzt noch von unserem Anwesen in Duelm. Der Kerl hat die ganzen Store mit samt was darin war, letzten Frühjahr verbrennen lassen, ob er oder sonst jemand es angesteckt hat, ich weiß es nicht, man hört so verschiedenes davon, aber wir habe so an nahe $ 1.000.00 dabei verloren, weil wir Hy­potheken darauf genommen hatten. Ich wollte ihn erst verklagen, das er mit die Feuerversicherung un­sern Kontrakt gemäß uns unser Guthaben nicht gesichert hatte, habe mich den mit ihm abgefunden mit obigem Verlust. Wer klagt um eine Kuh, gibt besser eine dazu. Haben etwas Grund in Duelm verkauft, bevor wir fort sind, haben dort noch 160 Acker in einer Farm, ganz nahe am Storeland ange [unleser­lich??], und 40 Acker 3 1/2 Meilen entfernt, letztens ist mageres Land, und nicht viel wert, die 160 Acker ist guter Boden, aber Land verkauft sich seit 3-4 Jahren in Minn. nicht sehr gut, alles ging nach dem kalten nördlichen Kanada, jetzt glaubt man, das es bald wieder besser gehen wird in Minnesota. Aber abwarten wenn man selbst nicht dort ist, geht es auch nicht so gut, und durch Agenten verkaufen, daran es genug gibt, kostet 10 % des Preises. Von die 360 Acker große Farm, die etwa 30 Meilen von Duelm liegt, sind vor kurzem 120 Acker, das schlechteste und noch ganz unbereitetes Land verkauft worden, für $ 15.00 per Acker, das ist wohl billig aber das wilde Land kostet viel Arbeit, um gut urbar zu machen, und muß der junge Mann, der es kaufte, alles aus dem Lande machen, das er es zahlen kann. Seine Bedingungen sind folgende: Für 8 Jahre zahlt er $ 100.00 das Jahr, jetzt mit die 1ten 100 angefangen, darnach zahlt er für 2 Jahre jedes Jahr $ 200.00 dann 2 Jahre jedes Jahr $ 300.00, das unbezahlte Geld ist jährlich mit 6 % zu verzinsen. Auch muß er alle Steuern und sonstige Lasten tragen, das alles vollfüllt, bekommt er nach den 12 Jahre, den völligen Besitztitel, soweit bis dahin ist das nur ein Kaufkontrakt. Was nun hier in San Benito angeht, so haben wir hier alles feil geboten mit Ausnahme des Hauses, worin wir wohnen. 80 Acker verkaufte ich letzten Winter für 60 Dollar per Acker oder mit 10 Dollar Profit per Acker. Ein Stück 116 4/10 Acker habe ich das Kaufrecht darauf gegeben bis zum 1ten Jan. 1910 für $ 100.00, welche mir bezahlt wurden, dafür bekomme ich den $ 100.00 per Acker netto, ohne Verkaufsgeld abzugeben. Dies tat ein Landagent, wenn er es bis 1 Jan. nicht verkauft hat, verliert der die $ 100.00 Dollar. Ich sprach zu ihn heute Abend, er sagte er habe gute Hoffnung. Dieses Land kaufte ich vor 2 1/2 Jahren, wie damals berichtet für $ 50.00 per Acker. Eine Zeitlang später, wie du dich erinnern wirst, offerierte man mir $ 75.00 per Acker. Vor nahe 2 Jahre kaufte ich noch mal 40 Acker, nahe bei San Benito, der neuen Stadt angrenzend. Dafür zahlte ich $ 80.00 per Acker, und letzte Woche bot man mich für die Hälfte davon, 20 Acker der Stadt angrenzend $ 300.00 per Acker, ich drang um die ganze 40 Acker zu nehmen, und wollte es den all für $ 275.00 per Acker abgeben, aber so weit ist der Handel zu nichts geworden. Jetzt möchte ich ihm die 20 geben für 300 per Acker, weiß aber nicht, ob er es noch will. Einige haben mich geraten, ich sollte es ausmessen lassen zu Bauplätze, und dem Städtchen beifügen, so könnte ich wohl das Doppelte herausschlagen aber wer weiß? Wenn der Platz so am wachsen bleibt, wie er seit den letzten 2 Jahren von nichts zu 1500 [1545 ?] Einwohner gewachsen ist, so sind die Aussichten gut, aber wer weiß, es ist das eine Spekulation. Letzte Woche hatten wir Volkszählung im Städtchen, jetzt ist die Umgebung daran. Nicht wahr, da scheinen nette [unleserlich] zu blühen aber, aber wie soll man’s machen? Außerdem haben wir noch 3 andere Bauplätze im Städtchen, und habe gerade ein $ 500.00 Haus 4 Zimmer auf eins davon bauen lassen, und habe es zu $ 16.50 per Monat vermietet. Ein 2tes Haus mit 3 Zimmer letztes Frühjahr gebaut, kaufte ich für 230.00 Dollar und werde es diese Woche auf den 2en Bauplatz fahren lassen, kostet etwa $ 300.00 wenn es dort alles fertig ist, und habe das auch schon vermietet für $ 13.00 per Monat, die bringen gute Zinsen ein, wenn sie immer so bewohnt bleiben. Vor etwa 6 Wochen war ich nach Mission ein Platz den ich euch schon früher der Kirche wegen genannt habe, kaufte dort auf Spekulation 20 Acker für $ 100.00 per Acker, das liegt auch ganz nahe am neuen blühenden Städtchen, und man verführet mir, es sei $ 150.00 per Acker wert. Das sind alles solche Luftschlösser, wie die noch mal herunter kommen werden (abwarten). Ja jetzt habe ich euch meine Neuigkeiten ausgekramt, habe diesen Brief Freitag abend angefangen, und gestern haben wir hl. Messe im Hause gehabt, der Pfarrer kam Samstag abend, und ist heute Nachmittag fort. Dem habe ich eine neue Glocke versprochen, für die neue Kirche, die hier in Bälde gebaut wird. 40 Fuß breit bei 75 Fuß lang, alles von Holz. Kostet bloß etwa $1.000.00 ohne innere Ausstaffierung. Jetzt ist es Dienstag morgen 12.14.09 40 Minuten nach 12. so will ich mich zu Bett legen, um den Schluß später zu machen. Gute Nacht. Am Sonntag bekam ich auch die Karten, wo ich anfangs im Briefe von erwähnte, so will ich hier nun beilegen, ein ehemaliger Freund von Duelm, hat uns hier besucht, und hat dieses Bild in unserem Felde genommen. Vor 2 Nächte zurück hat es ein wenig gefroren, so das ganz zarte Pflanzen angefroren waren, das ist hier viel Schaden für manche. Um zum Schluß wünsche ich euch allen ein Fröhliches Weihnachtsfest und ein "Glückseliges Neu-Jahr"! wie auch allen die nach uns fragen. Ja, Bernard u. Franziska, wie viele Neujahre gedenket ihr noch mitzumachen? Wir werden alle jetzt bald alt darüber?

Mit Gruß an alle Groß und Klein von

Clemens u. Familie.

 

 

[ohne Datum]

 

Dieses Bild zeigt wie man hierher fährt, man fährt zuerst durch den "Tunnel" und dann nachher über die höhere Brücke. Clemens.

 

 

[14. ... 1910]

Dear Uncle, my mother wanted me to stand beside the chair but I couldn't seem to think that was pro­per. Love Junior

Lieber Onkel, meine Mutter wollte, daß ich neben dem Stuhl stehe, aber ich weiß nicht ob das korrekt war. In Liebe Junior

 

 

San Benito, Texas, den 27. Feb. 1910

 

Gratuliere bestens zu dem freudigen Ereignisse, wie angedeutet auf der andern Seite. Wir sind noch alle gesund und hoffen selbiges von euch allen. Gruß an Alle, und einen besonderen

Gruß an Agatha! Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 14. Juli 1910

 

138. Osceola Str.

An obiger Adresse werden wir von jetzt an Briefe und etwaige Besuche mit Vergnügen entgegen se­hen. Wir sind gesund, Bertha [Hunck] ist nach Minnesota.

Mit Gruß C. A. Hunck.

 

 

Denver, Colo. den 13. Sept. 1910

 

Liebe Angehörigen alle!

 

Ja ich weiß, das ich unartig gewesen bin, und Strafe verdient hätte, aber bitte, bitte um Verzeihung. Wenn man da so herumzieht in der Welt, so kann nicht einer alles zur Zeit besorgt werden, und so mit dem Schreiben. Fürs erste kann ich von uns sagen, das wir noch gesund sind, und hoffe, solches wird auch euer Aller Los sein. Letzten Frühjahr fragte die Gertrud Hunck mal nach euer Aller Befinden, und zur Probe schickte ich ihr einige von eure letzten Briefe. Im einen vom 28 März handelt es von euer Hausbauen, und Wassertränken fürs Vieh, vom Viehbestand und Butter machen, von der 8tägigen Exerzitien in Dülmen u.s.w. 2ter datiert 17.11.09. handelt hauptsächlich von der Familie, der Euchari­stische Congress in Köln, der, laß mich jetzt hier sagen, gerade jetzt auch in Montreal Kanada ab­gehalten wurde, wo auch Kardinallegat Vanntelli [d. h. Titularerzbischof Serafino Vannutelli als Papstes Stellvertreter erschien. Es waren etwa 100.000 in der Prozession und 500.000 Zuschauer. 200.000 konnte kein Un­terkommen finden. Lege ein Ausschnitt einer nicht kath. Zeitung bei. Ich war leider nicht dort, ist et­ Serafino Vannutelli was weit von hier. Lege auch gefällig bei, wie unser Eisenbahn König S. J. Hill von St. Paul Minn., dem Ex Präsidenten [Theodor Roosevelt] ja $ 200.000 anbietet, um die Präsidentschaft der Min­nesota Staats Universität zu übernehmen, die er großmütig abschlägt. Jetzt zurück auf das Angefan­gene. Dan handelt es über unseren Kirchenbau, dann der wichtige Tausch mit dem Herzog, deine Amtsstelle und manches andere. Als ich ihr diese geschickt hatte, kam bald dein Brief vom 17th April 10; so schickte ich ihr den auch noch gleich nach, so konnte sie gar selbst lesen, wie es bei Diekämpers war. Da habe ich aber warten müssen, und mußte zuletzt noch darum schreiben, diese Briefe wieder zu bekommen, um praktisch auf deinen letzten antworten zu können. Auch die Gertrud [Esselmann geb. Hünck] bekam indessen ein Zwischenfall und mußte nach Minn. etwa 450 Meilen, um das Begräbnis ihrer Schwiegertochter beizuwohnen. Ihr ältester Sohn Ludwig [Esselmann] seine Frau war nämlich plötzlich gestorben, die wohnte in Benton County Minn. etwa 20 Meilen von unserem alten Duelm. Die gute noch junge Mutter von 8 unmündigen Kindern (das älteste 12 Jahre) rief abends ihren Ludwig [Esselmann] herein zum Abendessen und als der nach einigen Minuten kam, fand er seine Frau tot auf dem Fußboden der Küche liegen. Die Kinder spielten um sie herum, glaubend, die Mutter habe sich, einer Gewohnheit gemäß, auf den Boden gelegt, um ein wenig auszuruhen, und hatten keine Ahnung, das sie zur ewigen Ruhe gegangen sei. Jetzt zur direkten Antwort deines Briefes, [gestrichen: so kann ich sagen, das wir noch gesund sind und hoffe so von Euch allen.]. Es freut uns von die Kin­der zu lesen, und wie sie alle so gut gedeihen, und wünschen wir euch nur weiteres Glück und Segen damit im höchsten Maße. Wie geht es denn meinem lieben Bruder und Schwägerin? Tun die noch nicht spüren, das sie alt werden? Franziska war ja nun wohl so am kränkeln oder Kraken gewohnt, aber gerade denke ich an die Sorgen, das krakende Töpfe am längsten aushalten. Bernard wird noch wohl gar immer mit seiner gewohnten Energie zur Arbeit greifen, um das zu tun, was andere nicht können oder gerne tun wollen - nun, Bernard, was sagst du dazu, wie geht’s, wie viel Jahre hast du dir noch vorgeschrieben? Von Herzen bin ich noch recht gesund und frisch, abgesehen von Kleinigkeiten, aber meine Beine sind nicht, was sie gewesen sind, besonders der linke, die wollen nicht wieder so gut werden, als sie waren, der linke fühlt gerade, als ob er in der Reihe (Frie) verrenkt sei, so das ich ein wenig lahmen muß, dabei laufen mich die Füße über Tag ein wenig an, und fühlen immer etwas tot oder abgestorben wie man sagt, keinen regulären Blutlauf darin. Wie geht es meiner lieben Johanna jetzt mit ihre Füße? Wie du letztens schriebst, wurden sie besser, ich hoffe, es geht so weiter. Ich denke oft an meine Mutter selig, wie die so ein aufgelaufenes Bein hatte. Jetzt lese ich, daß ihr mit eurem Tausch fertig seid, und die Änderungen, es ist auch viel wert, aber ihr werdet sehen, das im Ende doch auch der Herzog sich viel verbessert hat, und mehr aus dem Heidegrund macht, als wie ihr aus der Wiese. Nach etwa 25 Jahren vielleicht wird man sehen, was der sogenannte schlafende Boden ihm einbringen wird, wird es wohl mit Tannen oder sonstiges einsähen. Wie habt ihr es mit der Schleuse im Langekamp, habt ihr die im allgemeinen zu benutzen, oder fällt die weg? Du fragst nach Anton Kortgödde, der ist schon vor mehreren Jahren (über 5) gestorben, seine Frau Caroline [Kortgödde] mit ihren 2 Söhnen und 1 Tochter wohnen in Melrose, etwa 50 Meilen oberhalb St. Cloud, und geht es sehr gut, die Tochter ist in einem Store (Laden) angestellt, und die beiden Söhne haben auch ein Geschäft in Mehl, Futter, Pumpen und manches andere, zur Mühle fahren für Mehl geschieht hier nicht, jede Familie kauft sein Mehl, und auch Futter, wer es nicht selbst zieht, wird gekauft. Der Älteste soll etwas kränklich sein, dieser heißt Clemens [Kortgödde] der andere Louis [Kortgödde]und das Mädchen freilich heißt Carolina [Kortgödde]. Jetzt das Bild, es ist in gutem Zustande angekommen, und nach deiner Erklärung finde ich alle heraus, aber ohne Erklärung hätte ich nur 8 bis 10 darauf erkannt. Es ist schön getroffen, besonders wenn man bedenkt, das es draußen genommen ist. Es zeigt beide Gebäude recht schön, und auch die schlanken Eichen, wenn auch nicht das ganze Haus der Sonne wegen von der andern Seite genommen werden konnte, so sieht man doch das Imposante daran, und kann man sich leicht den anderen Teil denken, es ist mit einem Wort "Großartig". Bitte, meine herzlichsten Grüße an der Familie Freriks zu überbringen und wünschen ihr alle ein langes und friedliches gesundes Leben darin zu verleben, und diesem Wunsche schließt sich meine Frau und Kinder mit mir an. Wie ich sehe, habet ihr etwas Unglück gehabt mit Pferde, nun der Herr hat es gegeben, der Herr u.s.w. es ist freilich schade, aber wer mal leider keine hat, kann keine verlieren, somit vergessen. Jetzt sehe ich auch, das ihr die Frühjahrssaat bestellt habet, was ist denn daraus geworden? wie ich lese, hat es viel geregnet in Europa u. Deutschland. Hier in Amerika ist es meistens so trocken gewesen, das die Ernte eine gar leichte, in Minnesota ging schlecht, da haben die Leute wenig von allem, und müssen Vieh beinahe weg schenken, weil kein Futter gewachsen ist. Jetzt habe ich auch die Namen und Ge­burtsdaten der Kinder, und kann es jetzt so leicht nicht mehr vergessen, 3 Mädchen und 2 Jungens, so sehe ich, habt ihr ein Franz, ein Bernard, und wird der nächste vielleicht Clemens heißen? So wäre die alte Reihenfolge wieder ersetzt. Jetzt erinnere ich mich an unsern alten Großvater, wie der mal gesagt hat zu unserem Vater, Sei äs Wilhelm, wi möt de Jungs alle 3 daud schloan, do wät doch nix angeliägen? Ich weiß nicht, aber ich hoffe, der alte Mann sich geirrt hat. Jetzt will ich die alten Briefe, und das Bild, das soweit vor mir stand bei Seite legen, es hat uns gar recht viel Freude bereitet, mal so recht ausführlich Berichte über alles zu erhalten, und die lieben Bekannten wie auch unbekannte junge und frohe Gesichter zu sehen. Auch die Gertrud Hünck (Frau Esselmann) hat sich gefreut, so ausführlich von euch zu lesen, und sendet hiermit zu euch allen ihre besten Grüße und Wünsche, für dauernde Gesundheit, u. zeitliches u. ewiges Wohlergehen. Zum Wohlsein! Gerade habe ich mit meiner Frau ein Fläschlein Bier geteilt, und auf euer aller Gesundheit eins getrunken, wünsche nur, das wir es mit euch hier mal teilen könnten, aber nicht bloß eine Flasche teilen, jeder bekäme dann schon eine "Ganze Flasche", und, nu ja wann? Ja alle gute Dinge sind 3, so sind wir jetzt in unserer 3ten Heimat oder Wohnsitz. Von Texas, oder San Benito sind wir am 6 Juli früh morgens abgereist, und kamen ohne Verzug hier in Denver am 9ten Juli abends an. Zu aller erst ging es zu unserem Freunde Hermann Wesselmann [* Dülmen 8.2.1845 / 1880 ausgew.], dessen Sohn uns am Bahnhof empfing, und zu dessen Wohnung 1 Meile außerhalb der Stadt, hinausfuhr, dort waren wir nahezu eine Woche als Gäste, bis wir uns eine Wohnung gemietet hatten. Diese fanden wir aber gar bald zu klein, und in 2 Wochen hatten wir eine andere gefunden, wo wir 3 Wohn- und 3 Schlafzimmer, nebst andere kleinere Abteilun­gen haben, wie auch ein Keller und ein kleiner Stall, alles von Backsteinen gebaut, umgeben von Schattenbäumen und grünem Rasen. Dieses ist ein möbliertes Haus, und zahlen dafür $ 30.00 Dollar Miete per Monat, wir in Texas dagegen haben unser Haus dort vermietet, ohne Möbeln für $ 20.00 Dollar per Monat. Wir haben nämlich alle unsere Möbeln in San Benito verkauft, um das weite Frachtgeld zu ersparen, und hier wollen wir nicht eher wieder was ankaufen, bis wir einsehen, ob es uns hier auch dauernd gefällt. Jedoch ein Automobile haben wir uns hier angeschafft, sonst aber auch nichts, noch nicht mal eine Katz oder Hund. Unsere Kleider, Betten, Bilder und auch noch einige an­dere Lieblingssachen haben wir mitgebracht im Gewichte von 2.800 lb. Jetzt haben wir uns für den kommenden Winter festgelegt, und zehren vom Gelde ohne weitere Beschäftigung. Wir haben ein gutes Haus, mit Heizvorrichtung im Keller, wozu die hier im Staate häufig gefundenen Steinkohlen benutzt werden, Badezimmer mit heiß u. kaltem Wasser, kurz mit allen möglichen Bequemlichkeiten, und auch elektrisches Licht. Auf einer guten Karte wirst du leicht sehen, wo Denver im Staate Colorado liegt, es ist etwa mitten zwischen den beiden Plätzen Minn. und Texas, wo wir gewesen sind, gelegen. In Minn. ist die beinahe äußerste Kälte und in Texas die äußerste Hitze, von den Vereinigten Staaten, somit ist Colorado ein Mittelpunkt zwischen beiden. Die Hitze war nicht unerträglich in Te­xas, weil der Golfwind es immer abkühlte, aber es ist immer Sommer das Jahr hindurch, somit fast keine Jahreswechselung, und den wie schon früher erwähnt das Ungeziefer, auch schmecken manche Speisen nicht so gut, als im Norden, und auch manches gar nicht zu haben. Von die 240 Acker Land die wir dort hatten, haben wir etwa 212 Acker von verkauft, alles mit Profit. Achtzig Acker habe ich bloß mit $ 10.00 per Acker Profit verkauft, kaufte für $ 50.00 und verkaufte für $ 60.00 die nächsten 100 Acker, kaufte für $ 50.00 und verkaufte 3 Jahre später für $ 115 per Acker. 20 Acker auch zur selben Zeit und Preis gekauft, verkaufte ich für $ 125.00 per Acker. Diese 120 Acker sind jene, wo ich vor 2 Jahren mal schrieb, es seien mir $ 75.00 per Acker geboten, und gab sie nicht, du meintest da­mals ich hätte es nehmen sollen, im allgemeinen war deine Ansicht die richtige, denn mancher hat sich schon auf solcher Weise in die Finger geschnitten, aber ich hatte in diesem Falle zu festes Zutrauen, das ich es später für mehr Provit verkaufen könnte, und es ist mir gelungen. Die ersten 80 Acker habe ich selbst verkauft, und brauchte keine [unleserlich??] abgeben, sonst hat sich hier zu Lande so eine Landagenten Legion gebildet, ohne welche man nicht mehr viel verkaufen kann. In Texas berechnen meine Landverkäufer für ihre Mühe 10 % des Betrages. Minnesota und Colorado sind mit 5 % zufrie­den. Alles ist ziemlich viel, aber ohne solche kann man nicht viel verkaufen. 12 Acker die mir für $ 80.00 mit Verbesserung je $ 120.00 Dollar gekostet hatten, verkaufte sich mit $ 350.00 Dollar per Acker. Dieses grenzt ganz nahe an San Benito, und habe es dem Städtchen angeschlossen, als ein Teil von San Benito, dort haben wir noch 28 Acker, welche ich so zu $ 300.00 Dollar per Acker wert halte, muß jedoch warten, bis es gut verkauft werden kann. Obschon uns nun das hin und her reisen, und was nicht alles mit der Texas Versuche verbunden war, gekostet hat, abgerechnet ist, so bleiben uns doch rund wohl noch $ 10.000.00 als Verdienst übrig. Immerhin ein annehmbares Geschäftchen sagt der Jude. In Minnesota mit unserem aufbrechen dort, ist uns auch gar viel flöten gegangen, aber auch hier ist es wieder am Platze, der Herr hat es gegeben u.s.w. Die Lumpen haben es genommen die man Vertrauen geschenkt hatte. Unsere Bertha [Hunck] ist schon am 20 April von Texas nach Minnesota zurück, und ist dort Haushälterin für ein Priester, der früher in Duelm war, und ist jetzt Pfarrer in Roy­alton Minn. dies ist nicht ein solcher, als ich dir mal von erzählt habe. Bertha [Hunck] hat es von An­fang an in Texas nicht so recht gefallen. Wilhelm [Hunck] ist noch in Dakota im Store und Farm, hat diesen Sommer sein Besitztitel zu seine 160 Acker Land bekommen vom Gouvernement. Bertha [Hunck] ihre 160 Acker Land sind $ 4.000.00 Dollar wert. Wilhelm schrieb neulich, das er ein Han­delsmann hatte, um sein "alles" zu verkaufen, ist aber wohl nichts daraus geworden, denn letzte Wo­che schrieb Bertha [Hunck], das er, seine Frau und Söhnchen bei ihr auf Besuch waren, auf ihrer Durchreise nach Minneapolis und St. Paul um Waren für den Store einzukaufen. Clara [Hunck] war am 7. dieses Monats 18 Jahre, und geht bei die Schwestern hier in die Schule, und lernt Musik auf dem Piano, und nimmt auch Singstunden, und Rudolf [Hunck] geht auch bei Schwestern in die Schule, war 15 Jahre alt am 11. Juli. Es sind nicht Schwestern von einem Orden, und auch nicht dieselbe Schule die sie besuchen. Denver hat in allem etwa 175 Kirchen, darunter 15 katholische Kirchen, mit einem Bischofsitz. Name des Bischofs N. C. Matz. Wir haben uns einer Franziskaner Kirche angeschlossen, da wird halb deutsch halb englischer Gottesdienst gehalten, eine schöne Kirche. Denver hat bei der diesjährigen Volkszählung 213.181 Einwohner gezählt. Die Stadt hat schöne Straßen mit Schatten­bäumen besetzt, und sind die Straßen, welche mit Asphalt und Chausseeartig gepflastert sind, 120 Meilen in Länge, und hat 240 Meilen Seitenwege neben den Straßen, bloß für Fußgänger, die längste Straße, welche die ganze Stadt durchkreuzt, Colfax genannt, ist 30 Meilen lang. Natürlich ist der Resi­denzteil nicht so dicht bebaut, als der Geschäftsteil. Anlagen hat die Stadt sehr viele, wovon der soge­nannte Stadtpark der größte ist, und enthält eine Größe von 320 Acker, mit 2 schiffbare Seen für kleine Bote, ein schönes Museum, und zoologischer Garten, viele Spazierwege zum fahren und gehen, und eine Musicbande spielt dort im Sommer jeden Abend, wir wohnen 1/4 Meile davon. In der Mitte des Hauptsees ist ein großer Springbrunnen angelegt, der das Wasser in vielen Strömen empor spru­deln läßt, manche 25 Fuß hoch und viele auch weniger, diese Sprudeln oder Ströme werden bengalisch beleuchtet, und bilden die Farben eines Regenbogens, es ist das etwas imposantes anzusehen. Denver ist die Hauptstadt im Staate, mit einem großartigen Regierungsgebäude, und nahe bei wird jetzt eine Kathedrale gebaut (Bischof Matz). Auch ist hier eine Regierungs-Geldprägerei, hier Mint genannt, und sind augenblicklich am $ 20.00 Goldstücke prägen. Auch hat es ein Auditoriumsgebäude, welches eine 1/2 Million Dollars gekostet hat, und 12.000 Sitzplätze hat.

Ex Präsident  Roosevelt hielt dort am 26ten August eine Rede, und konnte bei weiteren nicht alle herein, die gerne wollten. Colorado ist ei­ner von den neueren westlichen Staaten, wo vor 1858 noch kein Mensch wohnte. Da ist also in 50 Jah­ren etwas großartiges passiert. Im gemeinschaftlichen Bahnhofe laufen täglich 126 Personen Züge ein und aus. Das Bahnhofsgebäude soll in 2 Jahren durch ein Riesenbau erneuert worden sein. Ich hätte bald vergessen das ich auch mal aufhören muß mit schreiben, so will ich nur noch sagen von unserm Freunde Wesselmann, (der hatte bekanntlich eine Kortgödden Tochter geheiratet), das es dem hier sehr gut geht, seine Frau ist ihm in Duelm früh gestorben, aber jetzt hat er seine 7 Kinder beinahe groß, 2 Mädchen sind verheiratet, die eine vor 2 Wochen, und 2 Jungens wollen diesen Herbst noch heiraten, und sein drittältester Sohn studiert für Priester. Ich habe auch mal eine Karte geschickt aus Mexiko, wo ich hin war, kaufte auch dort noch 40 Acker Land so etwa 300 Meilen südlich von der Stadt Mexiko, darüber will ich mal das nächste mal schreiben, ich denke, wenn ihr all diesen Quak mal gelesen habet, wird der Lesegeist auch wohl befriedigt sein, und werdet ihr mir hoffentlich auch wohl mein langes Stillschweigen entschuldigen. Ich bitte nun, uns nicht mit gleichem zu strafen, um uns auch so lange warten zu lassen, ich werde es auch nicht wieder so machen, ich habe ja jetzt Zeit genug. Vielleicht gehen wir später doch noch mal wieder in Geschäften, ich weiß es noch nicht, weiß auch nicht, wie bald mal von "oben" Einhalt geboten werden könnte, alles wie Gott will. Hätte schon längst gern ein Brief von euch empfangen, aber gerade erwartet habe ich keinen, somit jetzt mal an die Arbeit. Schließlich nun die besten Grüße an alle unsere Verwandten und Bekannten, und alle die nach uns fragen, und besonders seid ihr meine lieben aufs herzlichste gegrüßt, in welchem sich meine Frau nebst Kinder mit mir anschließen.

Clemens.

 

 

http://www.vaticanhistory.de/bio_g_l/Biographien/L/Leo_XIII_/body_leo_xiii_.html Pabst Leo der XIII und

Titularerzbischof Serafino Vannutelli

 

Denver, Colo. den 22. Okt. 1910

 

2339 Williams St.

[unleserlich??] möchte wissen, ob du auch ein neuer Waisenfreund Kalender erhalten hast. Wir sind noch alle gesund, und hoffen es so von euch. Mit Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 20. März 1911

 

Lieber Bruder u. Familie!

 

Es ist mit großer Betrübnis, daß ich am Schlusse des Briefes von Wilhelm lese, die so traurige Nach­richt des Absterbens deiner so lieben guten Frau, Eurer Mutter und Großmutter, unserer Schwägerin und Tante, "Franziska". Wolle der liebe Gott ihr ein gnädiger Richter gewesen sein, und Ihre arme Seele, wenn nicht schon jetzt, doch bald zu sich in den Himmel aufnehmen. Ich danke ihr auf das herzlichste, für den letzten Gruß, mit dem sie uns noch in den letzten Stunden Ihres Hiersein bedacht hat. Dieses ist uns eine Versicherung, daß sie auch unser nicht vergessen wird, wenn sie in den ewigen Freuden des Himmels vor dem Thron Gottes steht, um dort für uns zu beten. Das dieser Wunsch, wenn nicht schon jetzt erfüllt, denn doch recht bald in Erfüllung gehen wolle, werden wir sie in unserem täg­lichen Gebete gedenken. Herr gib ihr die ewige Ruhe, und das ewige Licht leuchte sie. Jesus, Maria und Joseph steht ihr bei.

Clemens und Familie.

 

 

 

Denver, Colo. den 25. Mai 1911

 

Lieber Wilhelm und alle!

 

Ja endlich werde ich mal anfangen, deinen Brief vom 6 ten Januar zu beantworten. Wir hatten leider Gelegenheit, einige kurze Briefe zu wechseln, wegen des Absterbens unserer Schwägerin. Obschon es gar hart ist, ein Glied der Familie zu verlieren, so müssen wir uns doch trösten, und uns in den Heili­gen Willen Gottes fügen, und früher oder später müssen wir doch alle denselben Weg antreten. Hof­fentlich wird Sie in dem Herrn über Leben und Tot einen gnädigen Richter gefunden haben, und so lasse Sie Ruhen in Frieden. Ja ich hatte schon längst einen ausführlichen Brief schreiben sollen, aber immer blieb es dabei, es fehlte wirklich an Zeit. Schon vor 6 Wochen fing ich mal an, alle zu schrei­ben, habe einige befriedigt, aber ihr seid nicht an die Reihe gekommen, jedenfalls, weil euer Brief der längste werden sollte, somit die kürzeren erst. Erstens freut es mich zu wissen, das Bruder Bernard noch immer rüstig ist, besonders, wenn es mit den Pferden los geht, die alte Lieblings-Beschäftigung. Ja auch ich fühle mich noch ganz gut und rüstig, und bind auch noch immer gern dabei, wo es nicht so viel zu tun gibt. Meine Lieblingsarbeit!, Meine Frau dagegen ist nicht gerade eine der gesündesten, sie ist nicht krank, aber doch immer schwach, jedoch letzten Winter war Sie etwa 6 Wochen im bett mit Gichtleiden. Im großen ganzen sind wir doch Gott sei Dank noch alle gesund. Besonders freut es uns zu wissen, das eure Kinder alle gesund und munter sind, wenn auch der Tisch groß sein muß, es wächst ja alle Tage was, um ihn zu füllen. Habe deinen Gruß an Gertrud Hünck übersandt. Ich danke bestens für den freundlichen Gruß eures Hochwürden Herrn Vikars, und bitte, meinen Gegengruß an ihn gefälligst übermitteln zu wollen. Ich sehe, daß ihr viel Geld macht, aus dem Vieh besonders, so ist es recht, ich höre und sehe immer gern, wenn es gut geht. Wenn all die Kinder gesund bleiben, so ha­bet ihr bald auch Hilfe genug, um eure jetzt so schöne Bauerei vollständig zu bearbeiten mit eigener Kraft, und sodann ein besseres Fortkommen zu fristen als je vorher. Jetzt sehe ich deine gerechtfertig­ten Zweifel, über die 30 Meilen lange Strasse in Denver. Hier werde ich zu meiner Rechtfertigung sa­gen, das man mir das so gesagt hatte, und ich weiter nicht darüber nachgedacht hatte, bis ich deinen Brief bekam, und dann Rundschau hielt. Wie sich die Sache verhielt und habe gefunden, daß diese Straße wohl die angegebene Länge hat, aber das nicht die ganze Länge zur Stadt Denver gehört, es be­ruht also auf ein Mißverständnis. Die eigentliche Länge in der Stadt sind nur 10 Meilen, es ist doch auch eine ansehnliche Strecke. Obschon nun die Häuser der Stadt hier im Geschäftsteil wohl sehr dicht und hoch aufgebaut, d. h. es ist mehr Platz gelassen für breite Strassen und Alleen, wie auch große Plätze für Hofraum und Anlagen, und die sind nicht immer alle bebaut, und nehmen deshalb auch eine große Fläche ein, um so viele Menschen aufzunehmen. Ja, ich erinnere mich sehr gut an dem Herrn Nordhoff, und bitte, grüßt ihn von mir, bei nächster Gelegenheit. Wenn er sagt, das der Staat Colorado sehr gebirgig ist, so hat er vollauf Recht, jedoch ist nicht alles gebirgig. Wenn er jetzt mal hier wäre, so würde er sich wundern, wie sich der junge Staat geändert hat, seit seiner Entstehung. Es sind hier seitdem großartige Bewässerungs-Kanäle angelegt worden, welche viel wertloses Land in das beste Land verwandelt haben und man wird sich wohl gar wundern, wenn ich ihm sagen kann, das sich der Staat Colorado in einer der besten Obst-Staaten verwandelt hat, und die feinsten Äpfel der Vereinigten Staaten liefert. Nicht aber allein Äpfel, sondern auch Pfirsiche, Kirschen, Birnen, und wer weis nicht was sonst noch, gedeihen hier jetzt in vollstem Maße. Besonders was man die Western Shop nennt, d. h. nördlich von den steinigen Gebirgen (Rocky Mountains) genannt. Diese Gebirge umfassen ein un­geheures großes Gebiet und haben eine Höhe bis zu 12.000 Fuß über dem Meeresspiegel. Es sind viele Eisenbahnen dadurch gebaut, wovon der höchste Punkt 11660 Fuß hoch ist, dieses ist der höchste Ei­senbahnpunkt der Welt. Ich bin schon 8mal über diesen Berg hinüber gefahren. Dort ist es so kalt, daß die Berge dort mit ewigem Schnee bedeckt sind. Ich kam noch vor 10 Tagen hinüber, da lag der Schnee noch so hoch aufgetürmt, daß ich hätte an beiden Seiten des Zuges einen Schneeballen ergrei­fen können, durch das Fenster des Waggons. Dort durch zu fahren, sieht sich gar gefährlich an, an manchen Plätzen sieht man nahezu 1.000 Fuß gerade neben dem Fenster in der Tiefe herunter, und auch führt es durch manche Tunnels, im ganzen mit große und kleine sind es etwa 54. Auch geht es manchmal 2 bis 3 mal um einen Berg herum, und immer im Steigen begriffen, da kann man fahren, und kommt nicht weiter, es ist noch schlimmer, als in der Schweiz und Italien. Jetzt plant man dar­über, um einen 5 bis 6 Meilen langen Tunnel zu bauen, um dadurch die langen Umfahrungen um vie­les zu verkürzen. Im Nordöstlichen Teil von Colorado habe ich mir vor kurzem einen halben Anteil an eine Kohlengrube gekauft, etwa 200 Meilen von hier, der Weg dorthin führt über diese Bergkette. Mein Geschäftkollege, ein durch und durch erfahrener Kohlengräber, ist letzte Woche dorthin, um die nötigen Vorkehrungen zu treffen, um bald mit dem graben der Kohlen zu beginnen, so das wir im Stande sind, wenn es kaltes Wetter wird, Kohlen zu liefern. Es sitzt dort eine 10 Fuß dicke Schicht im Berge, welche mit einem Pferd oder Esel auf einen Rollwagen ans Tageslicht befördert werden, und ist die Qualität eine ausgezeichnete. Wir haben uns zu einer Company vereinigt, und nennen uns die Black Diamond Coal Co. das heißt auf deutsch (Die Schwarze Diamanten Kohlen Company). Habe auch einer der Gebrüder Timte getroffen, bei einer Automobile Ausstellung hier in Denver. Der eine Bruder wohnt nicht weit von uns, habe den zweiten Timte noch nicht gesehen. Die betreiben eine Wa­genfabrik. Also ein Automobil oder Kraftwagen, nennst du ein Teufelswagen, und weshalb eigentlich? Habe doch lachen müssen, glaube jedoch nicht, das dieser Herr [Teufel] mit mir fährt. Täte ihn sicher heraus schmeißen, es sei denn, er wäre stärker wie ich. Ha, ha. Ja, ich fahre den Teufelswagen selbst, und auch mein Rudolf [Hunck] kann sich gut damit verstehen. Es ist dieses nur ein kleiner, für 2 Mann, doch im Notfalle auch für 4, weil ich einen 2ten Sitz anbringen kann. Jetzt habe ich einen re­gelmäßig 5sitziges Auto gekauft, mit Verdeck und Windschutz vorne angebracht, und andere sonstige Bequemlichkeiten, und mit elektrischer Beleuchtung von 5 Lampen. Wir haben nun vor, um hiermit eine Reise nach Minnesota zu machen diesen Sommer, und wollen etwa am 20 Juni von hier fahren. Die Entfernung sind etwa 1.000 Meilen, werden uns denn dort einige Monate aufhalten, um denn je­denfalls wieder hierher zu fahren. Ich habe dort noch Guthaben einzutreiben, und auch mal sehen, ob ich nicht das Land dort verkaufen könnte. Habe kürzlich 80 Acker in Duelm verkauft, das Land ver­kaufen hat in Minnesota. Das letzte Jahr ist es mit dem Ernteertrag schlecht gegangen, weil eine un­gemeine Trockenheit herrschte. Dieses Jahr hat es dort Gott sei Dank mehr Regen gegeben. Bertha [Hunck] weiß nichts davon, daß wir ein zweites Auto haben, und so wollen wir sie mit dem Besuch überraschen, das heißt, wenn es uns nicht verraten wird. Du schreibst von Berthas Heirat, es könnte sein, daß solches noch mal vorkäme, sie hat etwa solches an die Clara [Hunck] geschrieben, also, aber direkt wissen wir nichts davon, somit wollen wir abwarten. Sie ist alt genug, um jetzt selbst zu wissen, was sie will. Wilhelm [Hunck] und seine Frau kamen hierhin, als sie in Nord Dakota verkauft hatten, und kamen am Tage vor Neujahr hier an. Wilhelm [Hunck] hat sich mit einem andern Mitinhaber zu­sammen gesellt, und beide sind im Kanalbau Geschäft, und haben augenblicklich einen Kontrakt um einen 11 Meilen langen Kanal zu bauen. Das Projekt kostet etwa $ 12.000.00. Die Baustelle liegt in den Bergen, es kommt das Wasser von eine Berghöhe, wo es durch eine 30 Zoll stählerne Röhre mit einer Geschwindigkeit von einer Meile in der Minute herunter stürzt und wenn es dann unten ist, schießt es wieder eine steile Höhe hinauf, von etwa, ich glaube 300 Fuß, um dann mit einem normalen Gefälle weiter zu fließen. Wie geht es mit eure Chaussee in Dülmen, wo wird sie gebaut werden? Ich meine, die Richtung nach Osten sei es nicht so zweckmäßig, als bei euch in Merfeld vorbei. Ich habe die Karte von Merfeld bekommen, und ich kann jeden Punkt darauf erklären, und mich an früher erin­nern. Den einzigen Fehler, den ich an der Karte finde ist, das zu viele kleine Schreibereien darauf sind, welche das Klare anzusehen verhindern. Sie würde viel leichter zu lesen sein, mit weniger von den kleinen Merkzeichen. Wie ich sehe, habt ihr ein großartiges bevorstehendes Fest im Sommer, und wir wünschen euch viel Vergnügen zu finden, und vergeßt nicht, einige extra Gläschen auf unsere Ge­sundheit zu trinken. Du schreibst von eurem Wetter letzten Winter, daß es sehr gelinde war. Auch hier ist es gelinde gewesen, und hier wird es nicht so kalt, wie in Minnesota. Es hat wohl mal geschneit, aber in etwa 10 Tagen war der Schnee wieder fort. Die Winter sind hier mehr so ähnlich wie bei euch, nur in den hohen Bergen ist es sehr kalt, beinahe so kalt wie in Minnesota. Das Klima ist einem Nord­bewohner hier mehr zugetan als in Texas, und hier ist auch nicht so viel Ungeziefer wie in Texas. In Texas hatte ich an Gewicht verloren, habe es hier aber wieder zugenommen, mit meiner Frau ist es umgekehrt. In meinem letzten Brief an euch, datiert den 13. Sept. 1910 habe ich versprochen, das nächste mal von meiner Reise nach Mexiko zu schreiben. Ich will denn jetzt versuchen, auch dieses Versprechen gerecht zu werden. Es ist jetzt etwa ein Jahr her, als ich dorthin abreiste, ich habe dort vieles gesehen, was ich euch besser klar machen könnte in einem gegenseitigem Gespräche, als wenn ich es schreibe. Der nördliche Teil von Mexiko, an die Vereinigten Staaten angrenzend, ist eine trockene und sandige Gegend. Wo wenig Wasser zu bekommen ist, es ist mehr einer Wüste gleich, obschon doch dünn bewohnt, aber leider arme Leute. Hier und da ist ein Städtchen, aber es ist mir ein Rätsel, wo und wie die Leute dort leben. Hier möchte ich aber auch sagen, daß die Menschen hier mit weniger Wohlstand leben können als sonst irgend wo. Auf dem Lande leben die Leute nicht in Häu­sern, sondern nur in Hütten, und das noch nicht einmal, weil viele nur einige Sträucher aufgestellt ha­ben, als Schutz vor Wind und Sonne. Des warmen Klimas wegen brauchen Sie nur leichte Hosen und ein Hemd, und viele haben letzteres nicht einmal, und denn einen großen Strohhut auf dem Kopfe, mit großem Rande, er ist mit einer hohen turmartigen Platte versehen. Unter den Füßen haben sie einen hart ledernen Lappen, der die Fußsohlen schützt, und auch das brennen des heißen Sandes verhütet. Wenn man dies alles in anbetracht zieht, so ist es kein Wunder, daß das leben billig ist, und weil eben die Kost auch sehr einfach ist. Das Hauptgericht zum Unterhalt des Lebens ist Mais, der wird zwi­schen zwei Steinen gemahlen, oder zerrieben, mit Wasser angefeuchtet, und dann ohne Fett gebacken, ist zäh wie Schuhleder. Das zubereiten geschieht auf offenem Feuer draußen, und zum trinken wird aber guten Kaffee gemacht. Der Kaffee ist auch das einzigste, was wirklich gut ist. Fleisch habe ich sie auf den heißen Kohlen braten gesehen, natürlich ohne Pfanne. Natürlicher Weise sehen diese Leute gar mager aus, und besitzen auch wenig Kräfte, aber doch eine große Ausdauer im Verhältnis zu ihrer Kost. Wo die Männer Arbeit finden, dort bleiben sie mit der ganzen Familie, und wenn die Arbeit auf­hört, geht es mit der Familie weiter. Da packt der Mann ihre paar Blechbüchsen als Kochzeug, und ei­nige Decken in einen Salzsack, die Frau schnürt das (Baby) Kind auf den Buckel, und die größeren Kinder laufen nebenher, und so wird weiter gezogen, bis wieder Arbeit gefunden wird, und dann schlagen sie dort ihre provisorische Heimat wieder auf. Diese Leute sind katholisch, aber wissen vom Kirchgang nicht viel. Hie und da werden sie mal von einem Priester besucht, soviel, daß sie im Ge­dächtnis behalten, das sie katholisch sind, das ist bald alles. Es wurde mir von einem Priester selbst gesagt, wenn ein paar junge Leute sich lieben, gehen sie zusammen, ziehen eine Familie auf und oft sei es der Fall, daß erst auf dem Totenbett der Priester die Gelegenheit bekommt, sie vor dem Sterben noch kirchlich zu verheiraten, weil sie auch wissen, das ihre Familie ohne Heirat nicht gut war. Jetzt könnt ihr euch wohl einen Begriff davon machen, wie die Mexikaner aufgeklärt sind. Wenn man nun so 1000 Meilen weiter im Land kommt, näher nach der Stadt Mexiko zu, so wird die Landschaft etwas besser, aber weit von einem guten Zustand entfernt. Mexiko City (Stadt) ist wohl eine schöne Stadt, und sie hat auch viele gebildete Leute, auch wohnen viele Amerikaner dort, dort ist ein schönes sanftes Klima, beinahe als im Frühling das ganze Jahr hindurch, welches viele Leute dahin lockt. Nahe bei der Stadt in Guadalupe ist ein Gnadenort der Hl. Mutter Gottes. Dort sind viele Kostbarkeiten zu sehen, welche dort geopfert wurden von Leute, die dort Heilung fanden. Hier sei es gesagt, daß es auch ge­rade solche reichen Leute gibt in Mexiko, wie die Armen oben geschilderten. In der Kirche, wo das Gnadenbild aufgestellt ist, ist ein von massiven Silber ein Geländer umgebaut, welches 50.000 lb. schwer ist. Auch auf dem Toten-Kirchhof nahe hinter dieser Kirche sieht man viele Gräber mit schwe­rer Einfriedung von purem Silber, schwere Pfosten, 4 oder auch 6 davon, die mit schweren silbernen Ketten behangen sind, Glieder, die ½ Zoll dick sind. Das deutet darauf hin, das es gar reiche Leute dort gibt. Weiter südlich von der Stadt Mexiko ist die Gegend sehr gebirgig. Wir waren, (ich hatte nämlich einen Mann mit mir, als Begleiter) etwa 300 Meilen südlich von der Stadt Mexiko, da war es eine sehr fruchtbare Gegend. Dort sind die Bäume und Sträucher das ganze Jahr hindurch grün. Man findet verschiedene Blumen an der einen oder an anderer Stelle das ganze Jahr hindurch. Wenn das eine ausgeblüht hat, fängt das andere wieder an. Es sind alles andere Sorten Bäume und Sträucher als bei euch in Deutschland die bei Euch nicht bekannt sind. Es geben etwa vier Sorten Bäume die weiter wachsen wenn sie als Einfriedungs-Pfosten eingesetzt werden an denen der Draht für die Einfriedi­gung angenagelt wird. Einige dieser Pfosten sind oft zu dicken Bäumen heran gewachsen an denen der Draht mitten in den Bäumen eingewachsen ist. Die Baumkronen dieser Bäume überwachsen oft den ganzen Weg das nicht einmal die Sonne den Weg bescheinen kann. Diese Wege sind oft sehr schmut­zig, weil sie eben nach einem Regen so gar langsam im Schatten abtrocknen. Das Gras wächst das ganze Jahr hindurch, und man weiß deshalb nichts von Heu machen. Auch allerlei Palmen Bäume wachsen dort, wie auch der Gummibaum. Auch allerlei Südfrüchte wie Apfelsinen, Zitronen, Bana­nen, Fichten-Äpfel, und so vieles andere, für euch ganz Unbekanntes, und alles wächst mit der größten Üppigkeit. Da hat es uns gefallen, dort haben wir uns ein Stück Land gekauft, wo wir solche Früchte ziehen wollten, als in Texas, somit haben wir die Idee aufgegeben, das Land urbar zu machen, und wollen wir es wieder verkaufen, und vielleicht mit Schaden, aber doch wohl nicht viel. Ein dritter Freund und Bekannter von mir hat sich auch verleiten lassen, von der Paradies ähnlichen Gegend, und hat es versucht da zu wohnen, aber er sagt, es ist ihm nicht möglich, es dort auszuhalten, so wollen wir es gar nicht probieren. Augenblicklich ist das Land dort nicht zu verkaufen, wegen der Revolution, die jetzt in Mexiko herrscht, denn da geht es jetzt gar bunt her. Man meint das noch heute der Alte Diaz, der Präsident abdanken wird, denn das wird von den Ruhestörern verlangt. Jetzt sitzt er im Bett und ist zu Tode krank, und Massen Volksversammlungen scharen sich um seinen Palast herum, und schreien Vivat Madero, nieder mit Diaz, so das er es in seinem Bette hören kann, wenn nicht seine Diener die Türe gut zuhalten. Gestern abend mußten die Polizei und Truppen in das Pöbel hineinschießen, und töteten sieben Demonstranten, und verwundeten gar viele. Was noch daraus wird, ist abzuwarten, aber vielleicht hat es sich schon ganz geändert, bevor dieses in deine Hände kommt. Mexiko ist auch gar reich an Mineralien, und wird in dessen Bergen gar vieles Gold, Silber, Kupfer, Blei und Eisen ge­wonnen, und dieser mein Begleiter wußte nicht genug zu erzählen von einer Goldgrube, in deren er ein Anteil hatte, ganz im westlichem Teile der Republik Mexiko. Er wußte soviel davon zu sagen, das auch ich mich bewegen ließ, mir ein Anteil an dieser Miene zu sichern. Wir waren nicht dorthin, aber wie er sagte, war er dort gewesen, und hat es gesehen. Wie gut dieses nun ausfallen wird, müssen wir noch abwarten, aber die Berichte von da sind sehr glänzend. Es soll sehr reichhaltiger Quarz dort sein, und sind die Mühlen, auf welchen dieser Quarz gemahlen wird, beinahe fertig. Mann glaubt, dieselben noch im nächsten Monat im Gang zu bringen. Es ist erst seit ein und ein halbes Jahr, als man die rei­che Grube dort gefunden hat, und das Land angekauft. Ich habe Photographien von der Mühle, die aufgebaut ist, und das nicht alles Wind und erfunden ist, davon bin ich überzeugt, und das übrige müs­sen wir nun abwarten, aber wir haben die Hoffnung, das noch in diesem Jahr Dividenden ausgezahlt werden, an die Teilhaber. Somit will ich warten, bis ich weiter über dieses etwas sagen kann, vorläufig hegen wir die größte Hoffnung. Ich denke, für diesmal habe ich euch wohl mal wieder genug erzählt, somit will ich aufhören, um zu einem Schluß zu kommen. Will denn jetzt mal warten, was ich für gute Neuigkeiten von euch hören werde, und wenn du mir wieder schreibst, so adressiere den Brief wie folgt: Clemens A. Hunck, Royalton Minnesota Nord Amerika werden etwa 2 Monate dort bleiben, so viel wie ich dir jetzt sagen kann. Im übrigen heißt es, der Mensch denkt, und Gott lenkt. Wer weiß, was noch kommen kann. Nun weis ich das dieser Brief voller Fehler ist, viele habe ich gemacht, und mehr macht meine Maschine, weil sie eben das oft nicht schreibt, wie ich die Buchstaben greife, wenn ich zum Beispiel ein R greife, macht sie recht oft ein o für ein R , macht sie oft ein y und so geht es weiter. Ich will die Fehler ausbessern, so gut es geht und hoffentlich, wirst du es lesen können, das heißt richtig lesen, was verkehrt geschrieben ist. Ha. Ha. Mit vielen Grüßen will ich nun hiermit schließen, um mal recht bald wieder von euch zu hören.

Euer Bruder, Onkel und Großonkel Clemens und seine ganze Familie.

 

26.05.11. Präsident Diaz of Mexiko hat abgedankt gestern um 4 Uhr 54 Min. nachmittags. Lege 2 alte Briefe bei, welche dich vielleicht interessieren von dieser Zeit.

 

 

St. Paul, MN, den 26. Juli 1911

 

Auf die Eingabe vom 24. dieses Monats lasse ich Ihnen die damit eingereichte Vollmacht ergebenst wieder zugehen. Nach Kapitel 123 in Verbindung mit Kapitel 36 der Allgemeinen Gesetzte des Staa­tes Minnesota vom Jahre 1907 können Eheleute über Liegenschaften ohne Genehmigung des anderen Teiles nicht unbedingt frei verfügen. Für den Fall, daß Sie verheiratet sind, hat deshalb auch Ihre Ehe­frau die Urkunde notariell zu vollziehen. Andernfalls hat der amtierende Notar darauf zu bescheinigen, daß Sie ledig oder verwitwet sind. Die für die Reichskasse zu erhebenden und allgemeinen Bestim­mungen gemäß im Voraus zu entrichtenden Kosten betragen für die Legalisierung der mir eingereich­ten Urkunde a) Gebühr für die Beglaubigung Pos. 20 d. T. $ 2.40 b) Porto für dieses Schreiben 2 c. für Rücksendung der legalisierten Urkunde an Sie eingeschrieben 12 c. .14 [Summe] $ 2.54 mit dem Schreiben eingegangen 2.00 Den Rest von $ 0.54 wollen Sie mit der Urkunde einsenden.

Der Kaiserliche Konsul Grunow

 

 

Royalton, MN, den 7. Aug. 1911

 

Lieber Wilhelm u. Alle!

 

Es ist mir leid das es so lange dauern muß, das ich die gewünschte Vollmacht zu euch schicke. Wenn man auf Reisen ist, so ist das nicht so leicht zu machen. Habe ein Schreiben hinterlassen beim Notar T. Brünner, der Herr, der mich besuchen wollte bei euch, als wir gerade fort waren nach Rom. Dann mußte es nach St. Paul zum Deutschen Konsul geschickt werden, und als es von dort zurück kam ver­langte dieser, das auch meine Frau die Vollmacht mit unterschreiben müsse. Es ist das nach hiesigen Gesetzen wohl notwendig, das bei Grundüberschreibungen die Frau mit unterzeichnen muß, aber für diesen Fall wäre es wohl kaum nötig gewesen. Jetzt habe ich eine neue Vollmacht schreiben lassen, und gedenke, diese Woche selbst nach St. Paul zu kommen, und werde es dort beim Konsul beglaubi­gen lassen, und werde es dann jedenfalls ohne weiteren Brief an dich absenden. Weil nun diese beiden Herren nicht in einer Stadt wohnen und ich nicht jede Woche einen Brief bekomme so hat es lange ge­dauert. Euer Notar oder was er auch ist schreibt aber eine Handschrift, da soll man das lesen wohl noch lernen müssen. Ich denke das ich alles recht geraten (nicht gelesen) habe, bis auf den Namen der Gemeinde, ob das richtig ist weis ich nicht. Herr Brünner erklärte, es nicht lesen zu können. Weil ich um die Verhältnisse besser kannte war es mir leichter zu erraten aber den Namen der Gemeinde worin die Wiese liegt, ist mir entfallen oder habe es nie gewußt. Gehört es zur Steuergemeinde? Ich hoffe nur, das alles richtig ist, und wenn etwas kleines zu ändern ist, so wird es wohl nicht schade, wenn die Gemeinde das besorgt, es ist besser wenn du es aus deine Hände gehen läßt. Du schreibst über Ausla­gen, die waren ($ 4 00/100) aber darum brauchst du dich nicht kümmern, denn die sind bezahlt, und ich habe den Werth schon längst vor 11 Jahren zurückerhalten, und wenn das nicht genug war, so können wir ja noch mal wieder kommen, und das fehlende holen. Wir sind jetzt schon seit dem 30 Juni hier und Duelm, und wir sind hier mit den Besuchen bei Freunden noch längst nicht fertig. Mitte die­ser Woche wollen wir nach Minneapolis und St. Paul. In Minneapolis wohnt eine Schwester meiner Frau, und St.Paul haben wir auch noch unsere guten Freunde, und von da geht es an ein nahezu 1000 Meilen Reise durch Wisconsin bis nach Milwaukee, und wieder zurück hierher. Meine Frau ihre eine Schwester, die in St. Cloud wohnt, früher Duelm, will mit uns nach Wisconsin. Da wohnen noch zwei Brüder und drei Schwestern, und auch die Gertrud Hünck. Diese Reise wird uns wohl auch etwa ein Monat dauern, und im September nach dem die Ernte gedroschen ist, habe ich hier bei Duelm noch viele alte Schulden einzutreiben, das heißt wenn es geht. Im Oktober werden wir wohl wieder nach Denver kommen. Dann werden wir wohl so zirka 3000 Meilen hinter uns haben. Wir amüsieren uns sehr, und wir sind überall anscheinend sehr willkommen, mit Ausnahme von denen, die uns noch eini­ges schuldig sind, und nicht gerne zahlen möchten. In Duelm waren wir über zwei Wochen, und hier beim Pfarrer Plachta, wo Bertha [Hunck] als Haushälterin ist, sind wir so ab und zu, weil wir hier un­sere „Hauptniederlassung“ haben. Auch haben wir Karolina Bickert in Melrose schon mal besucht, und auch so einen Anton Terhare, der letztes Jahr auch in Dülmen war, er kommt aus der Nähe bei Vreden gebürtig. In Duelm habe ich alles Land jetzt verkauft 200 Acker im ganzen, 40 Acker war ma­geres Land und abgelegen, für $ 15.00 per Acker. 40 Acker für $ 20.00 per Acker, und 120 Acker für $ 25.00 per Acker. Im ganzen $ 4.400.00. Jetzt müssen wir uns anstrengen, das wir das Geld verreist kriegen, und dann von neuem wieder anfangen. ha, ha. Jetzt habe ich noch 240 Acker 30 Meilen von Duelm zu verkaufen, es ist das von dem Lande, was ich auf den Store (Laden) eingetauscht habe vor drei Jahren. Wenn nur das Land hier im Preis so steigen wolle, wie es in Texas der Fall war, so lohnte sich das besser, aber das geht nun einmal nicht. Unser Automobil ist von 40 Pferdekraft, und können 5 Personen ganz bequem darin sitzen, haben auch schon 7-8 darin gehabt für kurze Strecken. Ja jetzt ist es 1 Uhr von Sonntag auf Montag nacht geworden, und es ist beinahe Zeit, sich im Bett zu verkrie­chen, somit denke ich jetzt diesen Brief zu schließen. Habe mich bis vor einer Stunde mit dem hoch­würdigen Herrn Pfarrer (eine gemütliche Seele) unterhalten. Samstag hat er 172 Personen die h. Beichte gehört, aber da haben wir uns nicht über unterhalten was die Sünder gebeichtet haben. Er hat ein feines Pfarrhaus und genug Platz für alle, und mehr wenn es nötig wäre. Jetzt sind die Leute dabei. Ausgrabungen zu machen für das Fundament einer neuen steinernen Kirche, welche jedoch nicht fer­tig wird dieses Jahr, weil es noch an Geldmitteln fehlt, und ist auch noch eine hölzerne Kirche zur Hand, welche aber ein wenig zu klein wird, aber schön ist.

Hiermit Schluß, nächstens mehr. Unter vielen Grüßen, wo von sich alle mit mir anschließen zeichnet Clemens.

 

 

West Bend, Wis. den 21. Aug. 1911

 

Lieber Neffe Wilhelm.

 

Ich war am 12. und 13. August in St. Paul, aber in der Eile und munteren Besuchen bei Freunden u. Verwandten wegen ich gänzlich beim Konsul vorzusprechen, und entdeckte meine Vergeßlichkeit nicht eher als heute. Deshalb nun beeile ich mich, und sende es jetzt von hier am Konsul zurück mit der Bitte, es nach seiner Beglaubigung gleich von St. Paul direkt an dich zu übersenden, und hoffe ich, das es dann schließlich dir übermittelt wird. Sollte es jetzt nach einigen etwa 8 Tagen danach nicht er­scheinen, so laß es mich wissen, aber in solchem Falle würde es nötig sein, das du mir die Abschrift (oder besser Vorschrift) nochmals mitsendest, aber lasse es auf (deutsch) schreiben weil ich eben [un­leserlich??] Latein nicht gut lesen kann. Wir kamen hier bei unsere Schwäger und Schwester und Brüder hier am Samstag abend 5 Uhr an. Ich sage euch, es war eine große Überraschung, denn niemand hatte uns von so weit her erwartet und denn noch per Automobile (Teufelswagen). Auch war das ganze Dorf Newburg im Aufruhr als wir dort mit dem Ungetüm ankamen. Ich war gerade im Wirtshaus als Drüken [Gertrud] Hünck vorbei kam um zur Kirche zu gehen, als ich sie derbe bei obigen Namen anrief. Die Überraschung war groß. Werde wohl etwa zwei Wochen hier bleiben, um dann wieder nach Minnesota zurück zu reisen, und dort nach dem dreschen [abwickeln] meiner dorti­gen Geschäfte zu erledigen um etwa Oktober wieder in Denver zu sein. Dann muß ich nach meine Kohlengrube, werde aber die Familie über Winter in Denver lassen. Nächstens mehr. Hier sind wir sehr willkommen bei allen, sowohl Freunden als [fehlt hier eine Seite ??] und horchen gern unseren Reiseerzählungen zu. Unser Rudolph [Hunck] führt den T... immer und ist gar stolz darauf das er es so gut kann, und das die Leute sich über ihn verwundern. Er ist 16 Jahre alt und nicht gar groß für das Alter. Als fünfte Person ist die Schwester meiner Frau, und heißt Vörding, mit uns von Minnesota gekommen, und diesen Teil der Reise mit uns zu machen. Meine Schwäger Bernard und Heinrich Esselman wohnen ganz nahe zusammen, haben beide herrliche Häuser, und wir werden gut bewirtet.

 

Gruß von Allen Clemens.

 

 

St. Paul, MN, den 24. Aug. 1911

 

Einschreiben 4 Anlagen In der Anlage lasse ich Ihnen die legalisierte Urkunde nebst Quittung Nr. 244 über die gezahlte Gebühr ergebenst zugehen. Die Rücksendung der Urkunde erfolgt an Sie, da ich de­ren Weiterbeförderung nach Deutschland nicht übernehmen kann. Ich füge deshalb den Briefumschlag und das diesseitige Schreiben vom 26. v. M. - J. Nr. 3961/11- hier wieder bei. Der Kaiserliche Konsul Grunow [Anmerkung: J. Grunow war von 1904-1917 Kaiserlicher Konsul in St. Paul]

 

 

Newburg Wis.  Aug. 28th 1911

 

Lieber Wilhelm!

 

Jetzt aber endlich wird die Volmacht abgeschickt. Ich wollte sie direckt vom Konsul zu dir abschicken lassen, aber dieser gute Herr konnte leider (wie aus seine Schreibereien hervorgeht) dieses nicht thun, und schickte dieselbe nach Royalton, von wo sie zu mir hier nachgesandt wurde, und ich selbige hier heute Mittag in Händen bekam. Dieser Herr Konsul ist ein gar zu particularisches Männchen. Obschon ich ihm das von ihm verlangte noch fehlende Honorar und Postgeld eingesandt hatte, mußte er sich noch bemühen, die von mir schon aufgeklebten Freimarken, noch von dem Couvert abzulösen, welche vielleicht auch noch zu seine Gebühren gehörten? Ich hatte nämlich die nöthigen Marken aufgeklebt, um das er den Brief direckt an dich absenden konnte. Es sind das ja nur Kleinigkeiten, aber ich kann eben seine Kleinigkeitskrämereien nicht verstehen u. einsehen. Auf dem Couvert dieses Briefes werde ich die obere rechte Ecke frei lassen, so das du sehen kannst, wo er die Marke abgenommen hat, oder wenigstens, wo sie gesessen hat. Ich werde ihm auch noch schreiben, um ihn zu danken für die Mühe, die er sich unterziehen mußte? due Marken abzunehmen.

Dieser Mensch ist das neueste und feinste Produckt eines deutschen Konsuls, wo mann nicht genug mit gratulieren kann. Ich glaube aber das er zu einem guten „Esel“ noch nicht verdorben ist.

Wir erfreuen uns noch alle der besten Gesundheit, und amüsieren uns auf unsere Besuche. Wir sind jetzt beim Schwager u. Schwiegerin Herrn Johan Schwinn u. Frau, und so gehts von einer zu andern, auch Freunde, die mich hier früher als Ladendiener gekannt haben, laden uns ein.

In einigen Tagen wollen wir einige Freunde in Milwaukee besuchen. Die meisten Leute sind gar verwundert über unsere weite Reise mit dem Automobile (Teufelswagen)

Neuigkeiten von Interesse kann ich euch jetzt weiter nicht schreiben, und bitte ich unter den Umständen verzeihen zu wollen, das es so lange mit der Vollmacht dauern mußte.

Mit Gruß von Allen wie auch Verwandten hier  

Euer

Clemens.

 

 

317–16 Ave. No.

St. Cloud, MN 56303

U.S.A

 

 

Denver, Colo. den 30. Nov. 1911

 

Habe deinen Brief so eben erhalten. Heute haben wir allgemeiner Danksagungstag. Werde morgen nach meiner Kohlengrube abreisen, bis jetzt hat es noch keine Dividenden (Gewinn) gegeben. Kamen von unserer Reise am 5ten dieses Monats hier wieder alle wohlbehalten an. Ja ich spüre, daß das Alter kommt, aber eine Photographie habe ich keine machen lassen seit dem Familienbild als dieses auf an­derer Seite, siehe die Esel. - Bei Gelegenheit mehr. Adressiere Denver 2340 Williams St. Mit Gruß von Allen Clemens. Dies sind Esel, welche an Leute verliehen werden, um diesen Berg 12 Meilen von Denver zu besteigen. Wilhelm [Hunck] und ich waren auf die Esel, aber nicht auf dem Berg.

 

 

Eddy Rout, Colo. den 26 Jan. 1912

 

Habe auch heute 2 Karten mit Naturwunder zum Herrn Homann geschickt. Hier wo das rote Dach zu sehen ist, ist ein Sommer-Ausflugsort, wo auch ich letzte Sommer war, in Gesellschaft mit den soge­nannten Hl. Namens Bruderschaft, den ich angehöre. Es ist ganz nahe an der Eisenbahn, durch das Gebirge, wovon ich schon früher schrieb. Alles ist wohl, werde bald schreiben.

Mit Gruß an Allen. Clemens.

 

 

 

 

Eddy Rout, Colo. den 1. März 1912

 

Lieber Wilhelm und Alle:-

 

Endlich nehme ich mir die Zeit, oder besser gesagt, komme ich dazu, euch ein "Brieflein" zukommen zu lassen. Wie bereits schon durch eine Karte angezeigt, habe ich deinen Brief vom 29'ten November zur Zeit erhalten, und letzten Sonntag erhielt ich die vier schöne Karten, die schönen Festzüge darstel­lend, ja es muß auffallend "Schön" gewesen sein. Auch habe ich die Drucksachen erhalten, und mit großem Vergnügen gelesen, wie unsere Vorfahren gelebt und gewirtschaftet haben, jedenfalls mit eben so großer Begeisterung, als wenn es heute geschehen würde, nur sehr "Verschieden" in der Art & Weise", wie es heute geschieht. Es ist sehr interessant es zu lesen. Sie schreiben, wie eure kleine "Ma­ria" es schon kann, es konnten früher nicht viele Leute schreiben. Und wer es konnte, war wohl ein gar gelehrter Mensch. Die Maria wird bald so schön schreiben, wie ihr Papa. In Erwiderung, auch mehr Kohlen aus unserer Grube zu senden, will ich sagen, wir verkaufen nur gegen "Bar" und sobald das Geld ankommt, werden die gewünschten Mengen abgesandt. Wir haben viele Waggons zum verladen fertig, nur ist leider der Schnee so tief geworden, daß das abfahren fast unmöglich ist. Ich habe heute bekannt machen lassen, das wir die Kohlen 1/3 des Preises herabgesetzt haben, um sie loszuschlagen. Haben dieses Jahr noch nicht viel profitiert von dem Geschäft, weil alles in Verbesserungen an der Grube aufgegangen ist, wir hoffen auf einen besseren Ertrag im nächsten Jahr. Also, der alte Herr Vi­kar ist verschieden, möge er ruhen in "Frieden". Wünsche euch viel Glück mit dem neuen Herrn, und auch ihm mit seiner "Gemeinde Merfeld". Also, du hast dich mit den Herrn Nordhoff nochmals über uns und Colorado unterhalten. Bitte ihn zu grüßen, er solle nur mal her kommen, so würde er sich nicht genug über Colorado wundern können. Du sagst & fragst, ob es nicht gefährlich sei mit den Zü­gen, mit diesen Schluchten & Abhängen, und ob nicht Unglücke vorkämen? Ja wohl, aber so weit sehr wenige, denn die Zugführer sind auch vorsichtig, und fahren langsam, sie fahren von Morgens 8 bis Abends 8 Uhr, um 215 Meilen zu machen. Menschenleben sind noch fast keine verloren gegangen, aber als ich letzten Dezember hier hinauf fuhr, kamen wir vor einen zu Schaden gekommenen Güter­zuge. Wir mußten aussteigen, und vorbei gehen, um denn wieder in einen andern Zug zu steigen. Da waren etwa 20 Waggons zertrümmert, und lagen Kohlen und "Zersplitterte Waggons" in bunter Masse durcheinander. Die brennenden Waggons gaben uns das nötige Licht, zum vorbei marschieren. Dieses war verursacht, bergabwärts anzuhalten, die Maschine (Lock)  zu nehmen, um zu rangschieren, und bei einem leichtem Anstoß setzte sich der Zug in Bewegung, und geschehen war es. Gerade jetzt ist die Bahn zugeschneit in den hohen Bergen, und ein großartiger "Schneepflug" ist reparaturbedürftig, und der 2'te Schneepflug soll einen Berg hinunter gefallen sein, und sie müßten ihn wieder mit einem "Derrick" (Hebemaschine) oder wie ihr das Ding nennen möget, wieder hinauf heben. Wenn dieser Brief nun nicht zur Zeit ankommt, so magst du raten, wo er gewesen sein könnte. Ja jetzt von dem "Teufelswagen" hätte ich Anstoß genommen, o nein habe ich durchaus nicht, nur kam mir der Aus­druck so auffallend drollig vor, hatte ihn noch nie gehört. Auch daß das Ding für die "gewöhnlich" Sterblichen mit dem Gestank beglückt werden, ist mir neu. Wohl weiß ich, das es für Hühner & Hunde gefährlich ist, sage nichts von Menschen, aber einige davon sind aber auch so dickköpfig, das sie der Maschine kaum ausweichen möchten, wenn man solche mal über den großen Zehen fahren täte, würde ihnen auch eine Lehre sein. Hühner & Hunde haben auch einige bei uns leiden müssen, einmal weis ich, kamen 2 Hunde in aller Eile daher, und vor dem "T..." Wagen kamen sie in Streit, wahrscheinlich darüber, wer von beiden erst Besitz nehmen sollte, und dabei kam der eine unter das Rad, der hat uns ein feines "Lied" nachgesungen. Wir haben so etwa 2.000 Stunden mit den Ding zurück gelegt, und machten oft von 50 bis 65 Stunden per Tag. Dieses wäre wenig bei euch zu machen, aber da muß man betrachten, das hier die Wege nicht sind, als bei euch die feinen Chausseen sind. Hier sind es dagegen Sand und Dreck Wege, aber wir haben eine vergnügte Reise gehabt, und ist uns auch nicht der gering­ste Schaden angekommen, abgesehen von natürliche Fälle, die nachdem die Unkosten bezahlt sind, verschmerzt werden müssen. So haben wir mal die Achse zerbrochen, mehrere Gummi Reifen sind drauf gegangen, und einige male haben wir uns auch mit einem Farmer Gespann aus dem Dreck fah­ren lassen müssen, das kostete gewöhnlich einen Dollar, und es ging wieder weiter. Am meisten Spaß war es, daß wir überall ganz "unerwartet" ankamen, niemand hatte an unser Kommen gedacht. Erst ging’s nach Minnesota zu der Bertha [Hunck], das wollte man uns erst nicht glauben, daß wir mit der Maschine [Auto] von Denver (etwa 1000 Meilen) weit gekommen waren. Hatten den Weg in 6 Tagen abgemacht. Am 4 ten Juli ging’s nach "Duelm". Der 4te Juli ist ein allgemeiner Jubeltag im ganzen Lande, und alles, Jung & Alt geht zum Tanz oder Festlichkeit, und da auf einmal Nachmittags kamen wir dazu mit dem Automobil, die Verwunderung war groß. Am 15ten August sind wir nach dem Got­tesdienst abgefahren nach Wisconsin, zu meiner Frau ihre Geschwister, und unsere Freunde. Die Reise hin und her waren auch etwa 1000 Meilen. Der Rundgang hat uns so sechs Wochen gedauert. Bei die­ser Gelegenheit haben wir einen Priester namens "Eberhard Heinrich Hunck" in Green Bay Wisconsin besucht, eben nur, weil er ein Namensvetter von uns ist. Da waren wir sehr willkommen, und hat uns aufs beste & freundlichste bewirtet. Er ist von Kleve (Rheinland). Wir konnten keine Spur einer Ver­wandtschaft finden. Als wir wieder in Minnesota waren, wollte es mit dem Regen nicht mehr aufhö­ren, wir haben wohl einige Wochen gezögert, und letztlich mußten wir doch losfahren, um uns nicht der Gefahr auszusetzen, daß wir dort überwintern müssen. Was zwei Tage gedauert hatte von Wisc., in Minnesota herein zu fahren, hat uns sechs Tage gedauert um wieder heraus zu kommen. Du fragst nach dem Preis, von dem Automobil, der ist eigentlich 1800 Dollar, habe ihn aber für $ 1550.00 er­standen, weil ich immer noch ein Stück Geschäftsmann bin. Du fragst nach der mexikanischen katho­lischen Seelsorge, ja damit ist es gerade so schlecht bestellt im gleichen Verhältnis, als die Leute. Dann fragst du nach der "Goldgrube". Ja das geht noch langsam voran, gerade seit nahe einem Jahre sind da solche Unruhen, und Revolution im Lande selbst, das es nicht ratsam ist, etwas mit der Grube anzufangen und überhaupt ist das so eine Spekulation, da weis man nicht recht sicher, ob das je etwas bringen wird, habe aber große "Hoffnung". Habe noch 240 Acker Land in Minnesota, es ist das ein Teil der Farm, die ich eingetauscht habe, auf meinen Geschäftsverkauf in Duelm, alles übrige ist ver­kauft. Du fragst, ob mir das reisen nicht auch schon beschwerlich würde, so kann ich sagen nein, nicht persönlich, aber der Geldbeutel leidet mehr dabei als ich. Es scheint mir bald, als ob ich euch meine oder besser unsere Reise schon mal beschrieben hätte, bin aber nicht gewiß darin, so bitte zu entschul­digen, sollte es zum 2ten Male jetzt sein. Mein Gedächtnis ist nicht mehr so gut wie früher. Jetzt will ich noch nachträglich berichten, das hier westlich von den Bergen nur der Schnee so tief ist, aber öst­lich in Denver gibt es wenig Schnee, und wenn es schneit, so vergeht er in einigen Tagen wieder, habe Sonntag noch ein Brief von der Familie aus Denver erhalten, die sind so- weit noch gesund. Es freut mich weiter zu sehen, das die Kinder alle so gut gedeihen, das muß ein Le­ben sein, wenn der eine schreit, und der andere lacht, und wie das nicht alles so gut geht, das beste von allem ist, wenn sie gesund sind, alles andere hilft sich von selbst, Hoffentlich ist die Mutter gesund, und hat ihre Füße wieder hergestellt. Wie geht es den dir "Lieber Bruder" mit dem kleinen Janha­gel"(kleinen Kindern) die müssen dir doch genug Zeitvertreib machen. Wie geht es mit dir selbst. Bist du noch immer der erste und letzte bei der Arbeit? Hier sind diesen Winter gar viele alte Leute gestor­ben, und manche gar plötzlich, da macht es einem oft zu denken, paß auf, es kommt die Reihe auch mal bald an uns. Wie ich sehe, ist es so ungemein trocken gewesen bei euch, hier war es doch nicht so schlimm, und im Herbst, wie schon angedeutet, war es gar naß in Minnesota, aber hier nicht. Ich kann mich erinnern, das wir mal ein oder 2 aufeinander folgende Jahre auch so eine ausnahmsweise Trockenheit in Dülmen hatten, ich könnte etwa 10-15 Jahre alt gewesen sein. Du sagst von Roggen, der war hier auch ausnahmsweise sehr gut, wie auch der Mais, aber letzterer ist vielfach verfault in Minnesota der Nässe wegen. Butter kostet hier beinahe so viel wie bei euch. Du sagst von Weizen, da konnte man früher niemals gutes Weisbrot von backen, der dort gewachsen war. Es wundert mich, daß der neue Kirchenbau in Dülmen so still eingeschlafen ist, mußte wohl kein guter Weg gefunden wer­den können, daß allen einigermaßen Zufriedenheit gegeben hätte. Wie du schreibst, wird die alte Kirche jetzt "sehr schön" werden. Die Bilder von dem inneren der Kirche sind sehr gut gelungen, man kann recht schön sehen, wo ich meinen Sitz hatte. Nun jetzt habe ich meine Weisheit bald erschöpft, und muß daher bald zum Schluß kommen, habe an Bertha [Hunck] auch einen längeren Brief geschrieben heute. Schreibt die auch noch manchmal an euch? Von Wilhelm [Hunck] werdet ihr wohl nicht viel hören, der schreibt nicht viel, er ist auch in Denver. In etwa 1 Monat werde ich auch wieder dorthin gehen, erwarte auch einige Besuche von Wisconsin ein Schwager und einer von Gertrud [Esselman geb.Hunck] ihre Söhne namens Anton [Esselman], der hat früher für uns gearbeitet, der hat auch seine Farm in Minnesota verkauft, und will sich hier auch mal umsehen. Habe vergessen, so muß ich mal fragen, wer von die "Steghaken" Brüder tot ist, oder sind sie beide, Franz [Steghaken] & Heinrich [Steghaken]? Hier bin ich nun diesen Winter ganz allein in einem kleinen Häuschen, habe die Kohlen zu wiegen, und die Bücher zu führen, das kann ich gar leicht besorgen. Ich esse bei meinen Co's. Man, der besorgt die Arbeit und Aufsicht in der Miene, dem seine Familie ist hier. Die Wage ist so eingerichtet, daß das wiegen in der Stube geschieht, Bett und Schreibtisch ist auch darin, und ein guter Ofen in der Mitte, da kann ich es wohl aushalten, und die Kohlen sind billig. Nun zum "Schlusse" die herzlichsten Grüße" an euch Allen, und alle, die nach uns fragen. Schreibe bald wieder, und warte nicht so lange, als ich getan habe, somit nicht "Gleich mit Gleichem" vergelten.

Der Bruder, Onkel und Großonkel Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 30. März 1912

 

Lieber Wilhelm und Alle

 

Habe nicht vieles zu berichten als das ich jetzt wieder zu Hause bin. Habe die Kohlengrube am 27. dieses Monats verlassen. Schicke anbei einige Ansichten [Bilder] von der Eisenbahn entlang "Moffat Road" über der ich heimfuhr. Werde sie [unleserlich??] und eine kleine Erklärung hier folgen lassen: No 1 11.600 Fuß über den Meeresspiegel, und zeigt wie der Schnee dort im Sommer liegt. Bemerke die Passagiere im Sommer [unleserlich??] [Kostüm?, Undeutlich auf der Kopie.] Nr. 2. Tunnel 6, Nr. 3 auch ein Tunnel, Nr. 4 Wie die Züge die Berge ersteigen, auf dem Höhepunkt sieht man kein Holz. Es ist über die Hö­henlinien wo kein Holz mehr wächst. Nr. 5 Ein See in den hohen Bergen wie er im Juli erscheint Nr. 6 derselbe See mit noch ein entdecktem Boden, wo die Bahn rings herum läuft und sich 1000 Fuß höher auf dem Berg wieder zeigt. Sehe Tunnel dort oben, der Zug ist wohl höher aber nicht viel weiter ge­kommen. Er ist Janke Doodle See genannt, sprich Yänke Dudel." Nr. 7 Spinks Kopf mit Tunnel unten zeigend. Nr. 8 die höchste Bergspitze bei Mondschein, Nr. 9 Wie der Zug durch Tunnel und nachher über eine Brücke [unleserlich??] der darüber läuft. Nr.10 Schlucht neben einem Fluß Nr. 11 Berge und Schluchten, James Bergspitze genannt. Nr. 12. Ein Dorf mit Stationsgelände Nr.13. Nahe Rolings Pas­sage hoch in den Bergen ein Zug. Nr. 14. Adlers Hester Gegend bei Kremmling Nr. 15. Winter An­sicht nahe der Holzlinie, so genannt weil darüber hinaus kein Holz mehr wächst. Nr. 16. Früher Lava und Feuerspeiende Berge. Nr. 17. heiße Schwefelquellen Nr. 18. Ein großer See Nr. 19. Eine Stadt "Steamboat Springs" genannt, wo nebst dem schönen Fluß etwa 150 verschiedene Springbrunnen sind von allen möglichen Gewässern. Nr. 20 Tunnel durch Kathedrale ähnlichen Steinen. Nr. 21 Eisenbahn oder Fahrweg und Fluß in den Tiefen zwischen [unleserlich??, evtl. verschrieben] hohen Felsenklippen. Nr. 22 Ein Tunnel: Insgesamt sind 54 Tunnels an der Strecke von etwa 150 Meilen. Von Denver bis Steamboat Springs sind 204 Meilen, unsere Kohlengrube ist 12 Meilen von Steamboat Springs ent­fernt, und 5 Meilen von der Eisenbahn. Wir sind alle recht gesund und hoffen das selbe von euch al­len. Unser Rudolph [Hunck] war im Hospital wegen einer Operation für einen kleinen Bruch an der rechten Seite, ist aber wieder fast gesund und munter jedoch noch nicht ganz geheilt. Es ist dieses Schreiben ein wenig spät für Ostern, hatte aber nicht gut Gelegenheit, bis jetzt.

 

Mit Gruß von Allen an euch Allen Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 17.6.1912

 

Karte vom 5.5.1912 erhalten. Ist schön und sinnreich. Sage dem Herrn Timpte nur, wenn er wieder nach Denver kommt, so kann er mich in No. 4160 Irving St. finden, wohin auch von jetzt an meine Briefe zu adressieren sind. Haben uns dort ein Haus gekauft, und wohnen hier seit dem 15 May. Alle sind gesund, und hoffe es so von euch. Wetter ist naß und kühl. Siehe Kirschenbäume in Blüte auf an­derer Seite. Mit Gruß von allen. Clemens. Warte auf meinen Brief.

 

 

Denver, Colo. den 18. Aug. 1912

 

Lieber Wilhelm & Johanna und Alle:

 

Es ist mit Trauer und Mitleid, hiermit dem Empfang deines Briefes zu bestätigen, welcher uns die traurige Nachricht bringen mußte, das wiederum ein Glied aus der Familie, euch durch den unerbittli­chen "Tod" entrissen wurde. Wir alle fühlen mit euch den herben Verlust, jedoch es ist Gottes Wille dessen wir uns fügen müssen, und wenn wir darüber nicht ganz außergewöhnlich uns von Trauer hin­reißen lassen, so ist das ja auch nicht unerlaubt. Als Tröstung kann ich nur erwähnen, das es doch nicht das einzige Kind ist, und wird euch der liebe Gott wohl noch, wie du mir im Jahre 1900 sagtest, durch seinen reichlichen Segen alles doppelt ersetzen. Es freute uns zu erfahren, das die andern Kinder alle wieder gesund sind, und wir wollen hoffen und wünschen, das sie auch alle gesund & munter er­halten bleiben. Auch wir sind so weit noch alle recht gesund und munter. Diesen Frühjahr hat unser Rudolph [Hunck] sich einer Operation unterziehen müssen, wegen einen leichten Seiten-Bruch, wel­ches einen glücklichen Verlauf nahm, und scheint er jetzt völlig geheilt. Ich weiß nicht mehr, ob ich s zur Zeit erwähnt habe oder nicht, auch haben wir jetzt wieder eine eigene Heimat, welches uns mehr heimisch fühlen läßt, als wenn man mietet. Jetzt möchte ich wohl wieder ein kleines Geschäftchen an der Hand haben, finde aber bis dato noch nichts passendes. Wilhelm [Hunck] ist hier in Denver, und Bertha [Hunck] in Minnesota, sie sind alle wohl auf. Habe vor etlichen Tagen auch noch einige Zeilen von Gertrud Hünck erhalten, und sie ist soweit auch noch gesund, einer von Ihren Söhnen ist hier bei uns, hat sich hier in der Nähe eine Farm gekauft. Jetzt will ich schließen, bis ich den versprochenen Brief demnächst erhalte.

Gruß an euch allen von uns allen, und grüßet auch alle, die nach uns fragen.

 

Euer Bruder, Onkel und Großonkel Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 30.9.1912

 

Brief erhalten. Sehr interessant und auch ernst, wenn nicht [unleserlich??]. Werde ihn an Bertha [Hunck] zum lesen schicken. Diese Karte zeigt den Hauptgeschäftsteil der Stadt Denver erleuchtet bei Nacht. Der runde Turm ist auf dem Amtsgebäude. Der hohe dünne Turm ist einer der größten Geschäftsge­bäude. Das weiße Gebäude links hinter den runden Turm ist mit tausenden elektrischen Lichtern an den Außenwänden erleuchtet. Eine der beleuchteten Straßen ist auch deutlich zu sehen. Clemens

 

 

[Diese Karte muß im Frühjahr 1913 geschrieben worden sein, die Kommunionfeier der Tochter Maria Diekämper war in jenem Jahr.] 

 

Habe euch die Adresse von Bertha [Hunck] so schreiben übersehen, weil ich dachte, sie würde die­selbe wohl selbst angegeben haben. Bertha Hunck, Royalton, Minnesota U.S. Amerika ist die ganze Adresse. Haben vor einer Woche ein Brief von ihr erhalten, glaube, daß sie uns diesen Sommer besu­chen wird. Wir sind noch alle gesund, bis auf Rudolph [Hunck], der hat sich weh getan am Knie, in­dem er mit der Kniescheibe gegen die scharfe Kante der Haustüre fiel. Es war erst nicht viel, wurde aber von Tag zu Tag schlimmer, und wir mußten ihn zum Doktor schicken. Er war seit mehr als 4 Wochen im Bett und auf Krücken. Es scheint jetzt besser zu werden, aber langsam. Es hat sich mehr Unheil damit verbunden, welches der Doktor Celelitus heißt. Dieselbe Krankheit, als ich in Texas in meinem Bein hatte. Rudolph [Hunck] ist im [unleserlich?? hier fehlt wohl etwas] nicht so stark und kräftig, sein Magen ist wie gewünscht und mehr (delikat) oder schwächlich und mager, habe schon immer gehofft, daß er sich von selbst verlieren (bessern) würde, aber anstatt gesund zu werden scheint immer etwas anderes dazu zu kommen. In allem übrigen ist er ein guter und aufgeweckter Junge, und mit einem gutem Gemüt. Er fährt so gern mit dem Auto, nur jetzt kann er es nicht. Clara [Wesselmann geb. Hunck] ist auch nicht so stark im Verhältnis wie die Bertha [Hunck], sonst aber doch gesund. Gratuliere euch mit der Maria [Diekemper] und ihre erste Hl. Kommunion, es ist ja der wichtigste Tag ihres Lebens. Und auch die kleine Antonia [Diekemper] kann schon ihre Schwester als Engel dienen. Hätte ich ein kleines Andenken schicken können, aber wo ich im Winter war, war nicht solches zu haben. Finde nachträglich vielleicht noch etwas passendes. Ich bin seit 2 Wochen wieder zu Hause, und habe gestern zusammen mit der Hl. [unleserlich??] Jesu Bruderschaft, wozu ich gehöre, die Hl. Kommunion empfangen und Ostern gehalten, bei der Kohlengrube gibt es so was nicht.

Mit Gruß Clemens.

 

 

Eddy Rout, Colo. den 13. Feb. 1913

 

Lieber Bruder, Wilhelm, Johann & Kinder.-

 

Ja ich weiß wohl, daß ich wieder ein wenig zu lange verweilt (gewartet) habe, um einen längeren Brief zu schreiben, aber es geht mir leider, wie auch dir, lieber Wilhelm du weist ja, wenn man am aufschie­ben kommt. Fürs erste will ich sagen, das wir noch alle gesund & munter sind, und hoffe es von Euch allen ebenso. Jetzt fürs 2te will ich denn direkt deinen Brief vom 8ten Sept. behandeln, habe denselben am 28'ten selbigen Monats erhalten. Auf der ersten Seite erwähnst du von dem Kohlen-Geschäfte, ja ich bin auch jetzt seit Mitte Dezember. wieder hier, und ich kann sagen, das es diesen Winter besser gegangen hat, aber wir hatten letzten Frühjahr viel Schaden, weil beim Auftauen des vielen Schnees letzten Frühjahr, durch welchem das sogenannte Kohlendach im Berge sich aufgelöst hatte, und dann einstürzte, und somit den Eingang, und die Schienen, (Eisenbahn) verschüttet hat, und da sich dessen auszugraben nicht lohnte, waren die Schienen ein vollständiger Verlust. Da wird nun aber immer fri­schen Mut gefaßt, und weiter gearbeitet. Wir haben jetzt soviel wieder gemacht, das wir die Kosten überwunden haben, und auch noch etwas zum verteilen übrig bleibt, wenn wir in etwa einen Monat schließen für den Sommer. Ich sehe, daß ihr einen neuen, oder vielmehr einen anderen Vikar habt, und er allgemeine Zufriedenheit gibt. Ich hoffe, daß es einer ist, der das schimmelige Geld mal aus die Strümpfen hervorzubringen weiß, und mal ernste neue Verbesserungen in und außerhalb der Kirche, in meinem Heimatort Dülmen durchführt. In Dülmen fehlt die 2te Kirche wohl gar notwendig. Das beigelegte Autogedicht habe ich mit Vergnügen gelesen, und ist schon wohl etwas Wahres darin ent­halten. Ich habe diesen (euren) Brief zu die Bertha [Hunck] geschickt, und sie hat uns geschrieben, daß sie an euch geschrieben hätte. Wilhelm [Hunck] ist in Denver, der hat kein Deutsch schreiben ge­lernt. Es hat uns allen gefreut, so ausführlich über all die Kinder zu lesen, und besonders, das der kleine Bernard so glücklich mit seinem Unglück gewesen ist, und sein Auge ihm erhalten geblieben ist, aber wie ihr es gemacht habet, nämlich sogleich, ehedem ein kleines Unglück zu einem größerem geworden ist, hat wohl viel dazu beigetragen. Hoffe, daß die anderen alle jetzt wieder vollständig gesund sind. Also Maria geht schon zur ersten hl. Kommunion, gratuliere sie schon im voraus dazu, wirklich den erhabensten, und fröhlichsten Tag des Lebens. Nun, Johanna, wie ist es den mit deinen Fuß, das Übel wird doch wohl auch mal nachlassen, oder jetzt ganz besser sein. Meine Mutter hatte auch schon seit ihrer Jungend und als junge Frau einen schlimmen Fuß und ist nie wieder ganz gut geworden. Der Fuß war mehr als doppelt so dick, wie er hätte sein sollen. Ich sehe auch, daß du endlich mit der Brockwiese im reinen bist, ja so gibt es so alte Rechtsklügler, die wollen über klug & gerecht sein, solche Leute nennt man hier ein Crank, oder auf plattdeutsch auch wohl mal ein Axenkreimer, gut, das es am Ende ist. Von dem Herrn Timpte habe ich soweit noch nichts gesehen, nachdem er von seiner Europa Reise zurück ist. Ich habe letzten Sommer im vorbei fahren, seinen Geschäftsplatz schon wohl gesehen, weiter weiß ich nichts von dem. Jetzt muß ich, da ich deinen Brief noch verfolge, auch fragen, wie es den jetzt mit der Kuhkrankheit steht, scheint sich das Übel verscheuchen zu wollen? Ich sehe das Vieh merkwürdig teuer ist bei euch, auch hier wird es teurer, müssen jetzt auch das doppelte für Fleisch bezahlen, als früher. Ich sehe, daß ihr ein trockenes Jahr gehabt, mit viel Regen zur Erntezeit, aber sonst die Früchte gut gediehen sind. Auch hier ist es in fast allen Arten eine gute Ernte gewesen, und ist im allgemeinen gut eingeheimst worden. Aber hier, wo wir oben über die Kohlengrube etwa 30 Acker in Hafer gesät hatten, ist uns derselbe auch gänzlich verdorben wegen Nässe. Weil mein Kompagnon den Hafer säte, hatte ich nur ein Drittel Anteil darin, aber es ist beinahe alles nichts geworden. Der Hafer war gut, aber gerade wo er reif war, und noch nicht gemacht, gab es ein unerwarteter früher Schneesturm, der den Hafer gänzlich am Boden drückte, und als der Schnee geschmolzen war, kam er nicht wieder hoch, und das Land, (Lehmboden) war so naß, das man kein Pferd darauf bringen konnte, somit mußte er mit der Sense geschnitten werden, und dann regnete es immer. Uns ist der Hafer zum größten Teil abgefallen, und mußte lose in Haufen gebracht werden, und füttern wir ihn jetzt so mit Stroh (Halme), aber Geld gibt es natürlich keins dafür. Hätte mit der Witterung alles gut gegangen, so hatte ich für mein Teil etwa 4 bis 500 Bushel bekommen, habe aber jetzt fast nicht davon. Hier will ich nun bemerken, daß das Klima hier ganz ein anderes ist, als bei Denver, obschon in gerader Linie es nur etwa 150 Meilen von dort entfernt ist. Es kommt nämlich davon, weil diese Gegend viel höher über den Meeres-Spiegel liegt, als Denver. Obschon Denver schon 5170 Fuß über dem Meeresspiegel liegt, so liegt diese Gegend hier noch etwa 3000 Fuß höher. Dieser Höhen Unterschied macht es auch, das hier der Boden im Winter schneebedeckt ist, wogegen es in Denver ungefähr ist als bei euch, es schneit wohl, aber in einigen Tagen ist dort der Schnee wieder fort. Hier ist die Gegend sehr gebirgig, bei Denver dagegen ist es ziemlich flach, jedoch etwa 10-12 Meilen westlich von Denver ist der Fuß von hohen Bergen. Diese Berge ist eine lange Bergkette, die sich von Kanada in Mexiko hinein zieht und werden (Rocky Mountains) steinige Berge genannt. Der Schluß deines Briefes ist nun, das ich nicht so lange warten soll mit dem Wiederschreiben, aber das ist jetzt schon zu spät, kann nur versprechen, das es nicht wieder vorkommen soll. ?.? ja wer weiß.?. Jetzt sehe ich gerade dein Brief vom 29ten 10.1911. wo es heißt, das du mir schon auf 3 oder 4 Briefe eine Antwort schuldig bist, so schlimm ist meine Lage denn doch noch nicht in derselben Angelegenheit. Habe auch neulich Nachricht bekommen von dem Ableben des Onkels B. Marshall, ich dachte, das er schon längst tot sei, wenigsten dachte ich schon nicht mehr an ihm. Auf dem Totenbrief schreibt nun der Herr Horstmann noch so fehlerhaft G R O B O N K E L anstatt Großonkel. Was uns nun direkt anbetrifft, so kann ich euch nicht viel Neues mitteilen, als das wir uns letzten May ein neues Haus gekauft haben in Denver. Wir hatten erst gemietet, bis wir sicher waren, das es uns dort behagen würde, um das es uns nicht so ging, wie in Texas. Hier möchte ich auch noch erwähnen, daß es in Texas mit der Gemüse Farmerei nicht so glänzend abgeht, wie man sich eingebildet hatte, und wie ich es auch nie geglaubt hätte. Es verfriert ihnen dort zu oft das Gemüse, und haben allerlei andere Unglücke, so das es hart wird, ihr Leben zu fristen. Diejenigen, an denen ich mit großem Profite verkauft habe, wird es hart, ihre Zah­lungen nachzukommen, und ich muß bei vielen die gesetzte Zeit verlängern, aber verlieren tue ich wohl nichts davon, weil doch das Land noch immer einen hohen Preis beibehält. Manche verkaufen jetzt zu doppelten Preisen, als wie ich es für verkaufte, aber haben doch auch Bodenverbesserungen gemacht, als wir es urbar machten, um Häuser darauf zu bauen. Wie ihr nun schon wißt, ist Denver eine gar große Stadt, und sind wir etwa über 1 Stunde von der deutschen Kirche, wo wir hingehen entfernt, aber mit dem Auto nimmt es uns nicht lange Zeit, dahin zu kommen. Auch wird jetzt eine neue große Kirche ganz in unserer unmittelbarer Nähe gebaut, wo wir denn nur einige 100 Schritte davon entfernt sind. Schon jetzt haben wir jeden Sonntag Gottesdienst, (zwei hl. Messen jeden Sonntag) in einer sogenannten Kirche, die sonst als ein kleines Theater gebraucht wurde, und es wird so sein, bis die neue Kirche fertig ist. In dieser wird aber kein Deutsch gesprochen, weil der Pfarrer ein Irländischer Abkömmling ist. Das Haus, was wir gekauft haben hat 8 Zimmer, nebst Badezimmer, und ist für unsere Familie vollkommen groß genug. Es ist nur ein Stockwerk hoch, denn das ist hier der neueste Stiel, oder Mode, mit einen großen Keller darunter. 8 Fuß hoch, und ist derselbe etwa 4 Fuß aus dem Grunde erhoben, und weil es hoch gelegen ist, ist es so trocken dort, als oben im Hause. Dieser letzte ist in 3 große Abteilungen eingeteilt, bestehend aus einer Sommerküche, eine Schreibstube, eventuell Schlafstube, und Heizzimmer, und sonstige kleine Abteilungen für Kohlen, Gemüse Kammer, und Warenzimmer. In der Heizungsabteilung haben wir einen großen Kohlenofen, welcher von dort aus das ganze Haus erwärmt, so das wir keinen Ofen oben im Hause haben, als den Kochofen in der Küche. Eine Wasserleitung ist im ganzem Hause, oben wie untern, mit heiß & kaltem Wasser. Dem Hause entsprechend haben wir und dann auch Möbeln darin angeschafft, die für das Empfangszimmer sind alles von braunen Leder, gepolsterte Stühle und Sofas, Tische und anderes sind von feinem Eichenholze, und Fußboden ist mit Teppich belegt. In einem Worte gesagt, es ist alles schön und bequem gemacht, und ich denke öfters, das es gut genug ist für einen Merfelder Bauernjungen. Das Haus, wie schon erwähnt, ist hoch gelegen, und führen etwa 14 Treppen von der Straße, bis im Hause, welche jedoch 2 mal mit einer Fläche unterbrochen sind. Sind etwa 3 bis 400 Schritt von der Straßenbahn gelegen. Um das Haus herum ist meistens Rasen, mit Blumen und Schattenbäumen besetzt, und am hinteren Ende auch ein kleiner Garten. Auch ist im Hinterhof ein neues kleines Backsteingebäude, für unsere Automobile, mit einer kleinen Werkstätte, mit Zementflor darin, und dort ist auch die Was­serleitung drin, um Autos zu waschen & dergleichen. Auch tun wir die Wasserleitung benutzen, um den Garten und Rasen zu berieseln im trockenen Wetter. Ich will noch sagen, das beide Gebäude von massiven Mauern, von gelblich aussehenden Backsteinen gebaut sind. Wenn ich mal gelegentlich ein Bild davon habe, werde ich euch eins davon schicken. Ja jetzt fällt es mir wieder ein, du hast mal ge­schrieben, du möchtest mal wieder eine neue Photographie von uns sehen, haben leider keine, die Ur­sache weiß ich weiter nicht zu erklären, als das man vielleicht nicht viel darum mehr gibt, zu sehen, das einem das Gesicht so verrunzelt geworden ist, oder wird. Sobald wir mal welche machen lassen, sollen sie kommen, ob glatt oder nicht, macht nichts zur Sache. Unsere Kohlen Grube geht etwas bes­ser dieses Jahr als letztes, haben mehr Absatz, aber es wird nie recht gut werden, bis eine Eisenbahn näher vorbei kommen wird, welches wohl in sicherer Aussicht ist, aber man weiß nicht, wie bald es sein wird. Also abwarten, und Tee trinken. Meine meisten umgebenen Nachbarn sind hier Italiener, jedoch ist einer von Gertrud Hunck ihre Söhne bei mir. Er ist hier mit ein Gespann Pferde, um Kohlen zu fahren. Wir beiden haben unsere Wohnung allein, aber speisen im Gasthof, so das wir nicht selbst kochen brauchen. Das ist recht schön, es ist jedesmal eine Abwechselung vom gewöhnlichen Leben für einige Monate. Jetzt ist mein Neuigkeitskasten gänzlich ausgeleert, und muß nun warten, bis mal wieder etwas neues passiert, um mehr zu schreiben, und muß indes für diesmal hiermit schließen, un­ter vielen, vielen

Grüßen an euch allen, worin sich auch der Anton Esselmann sich mir mit anschließen möchte, der mir hier eben zur Seite sitzt.

Euer Bruder, Onkel und Großonkel, (wenn nicht auch Großonkel) Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 15.Mai 1913

 

Es ist mit Bedauern euch zu benachrichtigen, das es nötig erscheint, eine Operation an Rudolph [Hunck] sein Bein vornehmen zu lassen, welches morgen in Hospital geschehen soll. Der Knochen 6 Zoll oberhalb vom Knie soll [unleserlich??, ein Fremdwort, oder die Schreibweise ?] sein und muß ab­geschabt werden. Werde den Erfolg berichten, wir beten und hoffen für ihm das beste.

Mit Gruß Clemens.

 

Denver, Colo. den 16. Mai 1913

 

Die Operation an Rudolph [Hunck] sein Bein ist heute glücklich vollzogen. Ein etwa 7 Zoll langer Schnitt wurde gemacht und der Knochen abgeschabt mit Hammer und Stemmeisen ausgemeißelt. Es war fürchterlich, befindet sich unter den Umständen wohl. Seine Mutter und ich haben beide zugese­hen. Hoffentlich wird es wieder gut werden.

Mit Gruß allen. Clemens.

 

 

 

Denver, Colo. den 7. Juli 1913

 

Danke bestens für die Nachfrage von Rudolph [Hunck]. Es heilt somit sehr gut, und hoffen, das alles wieder gut sein wird in kurze Zeit. Wilhelm [Hunck] ist auch in Colorado aber nicht in Denver. Bertha [Hunck] ist hier auf Besuch für einen Monat. Ich muß morgen fort nach Minnesota um die Farm, die ich auf meinem Store eintauschte. Habe einen Käufer an der Hand. Hoffentlich wird es gut gehen. Grüße von allen an euch allen. Clemens.

Erwarte ein Brief von euch und werde gelegentlich schreiben.

 

 

Denver, Colo. den 27.Aug. 1913

 

Brief wie auch Photographien erhalten. Danke dafür. Werde gelegentlich ein Brief folgen lassen. Ru­dolph [Hunck] sein Bein ist leider noch nicht ganz gut und es ist leicht möglich, das eine nochmalige Operation nötig ist. Bertha [Hunck] war 2 Monate hier auf Besuch mit ihrer Nichte Rosa Voerding. Die Aufgabe, die Kinder auf dem Bilde zu erkennen, ist eine gar schwere Sache.

Will jedoch neuen Versuch machen. Clemens.

Eine dekorierte Straße von Denver.

 

 

Denver, Colo. den 30. Sept. 1913.

 

Lieber Wilhelm & A L L E.

 

Ja heute ist mein 67'ter Geburtstag, und ich denke auch gleichzeitig wieder mal an meine alte Geburts­stätte, und alte Heimat. Denke doch daran, das es wohl mal Zeit wäre euch zu besuchen. Deinen letz­ten langen Brief will ich mal beantworten, obschon ich sonst wohl doch öfters ein Lebenszeichen ab­gesandt habe.

Wir sind alle noch recht gesund, was ich auch von Rudolph [Hunck] wohl sagen kann, ausgenommen sein Bein. Die 2te Operation hat er glücklich überstanden, und ist er etwas über einen Monat wieder aus dem Hospital, und hat auch seine Krücken wieder abgelegt. Er tut noch wohl etwas lahmen, aber bewegt sich leicht, und kann er auch das Auto wieder lenken. Es ist das einer seiner Lieblingsarbeiten. Wie schon früher erwähnt, ist das Übel oberhalb des Knies, und will ich die Opera­tion hier etwas näher beschreiben. Daß erste mal war nicht genug weg genommen worden, ob nun die­ses Mal, muß noch abgewartet werden, hoffentlich wird es alle sein. Nach dem Kniegelenk zu ist der Dr. so weit gegangen, als er nur eben durfte, um dasselbe nicht zu verletzen. Dieser Ausschnitt ist etwa 8 Zoll lang, und ist oben am Bein, ein wenig mehr zur Innenseite zu. Erst wurde er zum Schlafen (Narkose) gebracht, denn ohne dem könnte ja niemand solche Metzgerei (Schmerzen) aushalten. Denn das Fleisch bis auf den Knochen aufgeschnitten, und vom Knochen gelöst, und mit Zangen nach bei­den Seiten aus dem Wege gebracht, um so frei als möglich arbeiten zu können. Dann wurde mit Mei­ßel und Hammer losgelegt, wie auch mit Beißzangen so, das öfters die Stücke von 2 bis 6 Fuß fort flo­gen, zuerst wurde aber das Bein von unten nach oben mit einem breiten Flachen Gummiband bewickelt, um das Blut hinauf zu treiben, um dann oben am Bein mit einem runden Gummiband abzu­binden, welches das bluten der Wunde unmöglich machte. Es ist mehr als ein Drittel für die Länge von 8 Zoll der Knochen ganz weggemeißelt, sogar das Mark für diese Länge mit heraus genommen, und dann wurde alles sauber gemacht, dann wurden die Gummibänder langsam gelöst, wenn durch ge­schnittene kleine Adern es zu bluten anfingen, und wurden diese zugebunden, einer nach der andern, etwa von 5 bis 10, und dann der Band entfernt. die Wunde mit etwas Salbe, und dann mit gesalbtes feines Zeug, (Gaze genannt) zugestopft, und dann weiter verbunden. Die ganze Arbeit dauerte volle 2 Stunden. Ich meine Frau, und einige Freunde haben alle zugesehen und auch der Dr. der die erste .Operation gemacht hatte, war zugegen. Wir hatten nämlich einen anderen Dr. für die 2. Operation, weil der erste nicht genügend weg gebracht hatte, und weigerte sich ein wenig, es weiter zu untersu­chen, in der Hoffnung, das daß erste noch gut werden sollte, nahm aber viel zu lange, um vollständig zu heilen. Wir wußten etwas selbst, durch einen pensionierten Armee Dr. ein guter Plattdeutscher Nachbar, der selbst vieles kennt, und auch noch einer seiner Guten Freunde Dr. der bei ihm auf Be­such war, zu uns brachte, um eine Untersuchung vorzunehmen, und denn auch erklärte, das Eine wei­tere Operation unbedingt notwendig sei. Dann ließen wir eine 2te X Ray Röntgenuntersuchung Bu­chung machen, welche den auch die Aussage der beiden Freunde Dr. beistimmte.

Nach der Operation wurde die Wunde den alle 3 bis 4 Tage von neuem verbunden, welches auch jetzt noch immer ge­schieht, welches aber unser Nachbar Dr. auf Anraten und Empfehlen des Operations Dr.s. besorgt, da­durch werden uns nun auch noch viele der Kosten verringert, weil eben unser Fr. sich nichts für diese Gefälligkeit anrechnet. Ein Kleines Geschenk möchte er schon annehmen, und wie wir Leute als auch rechnen, ist immer eine Gefälligkeit einer andern wert, und so werden wir sehr schön fertig. Diese Wunde muß nun ganz von dem Kochen an zu heilen, und darum wurde dieselbe auch nicht zugenäht, um eine Gelegenheit zu geben, von unten an zu heilen, und sagen uns all die Dr.'s, das es so gute Fort­schritte macht, wie wir es nur erwartet können, auch haben wir somit Hoffnung auf dauernde Gesund­heit. Letzteres wird schon wohl zu erwarten sein, wenn nur alles, was am Knochen beschädigt war, vollständig entfernt worden ist. Wir hatten vor zwei Wochen eine X Ray Besichtigung (Röntgenauf­nahme) machen lassen. Es war aber noch zu früh, um etwas über den Zustand des Beines sagen zu können. Wir wollen jetzt noch mal warten, bis nach Neujahr, wie die Dr's. sagen, um dann vielleicht mehr sehen zu können

Was die eigentliche Ursache dieses Übels ist, können auch die Doktoren nicht erklären, vielleicht sei es von langer Zeit her, und das er eben durch Erschwächung des Übels, den Sturz gegen einen Türpfosten verschuldet hätte, weitere Erklärung können diese auch nicht geben. Wir erinnern uns nur zuletzt dieses: Er sagt, er ist mal vor etwa 10 Jahren etwa l0-l2 Fuß tief gefallen, vom Windmühlen Turm, der in unserem Hofe stand, für Wasser pumpen, das tat ihm erst etwas weh an die­sem Bein, verlor sich denn aber bald, aber so recht stark wie die andern Kinder ist er seit langen Jah­ren nicht gewesen, obschon er bei der Geburt einer der Größten, oder das schwerste Kind war. Wir hoffen nur, das ihm sein Bein erhalten bleibt.

Wir hatten vor lange Zeit keine Photographie von ihm, so haben wir gerade vor der letzten Operation ihn abnehmen lassen, das im Fall er mal dabei ausge­blieben wäre, so hätten wir nicht einmal ein Bild von ihm gehabt, als nur ein kleines, wo ihr auch eines von habt, etwa 8 bis 10 Jahre alt. Will euch hiermit eines schicken.

 Auch lege ich einige bei von unse­rer neuen Wohnung, welche uns unser Nachbar Dr. gemacht hat. Um diesen Mann nicht immer N. Dr. zu nennen, so will ich sagen, das sein Name Heinrich Bunger ist, und ist er aus der Provinz Hannover gebbürtig und etwa über 50 Jahre alt.

No. eins zeigt unser Wohnhaus, wie auch das von unserm einen Nachbar welches nicht gut zu verhindern war, um unseres mit den Frontrasen ganz zu zeigen. Der un­terste lange Spitz ist ein Teil der Strasse. Vor den 3 Bäumen ist eine Stein oder Zementerhöhung, mit auch solche flache Zement Pflaster, welches die Wasserrinne bildet. Dann sieht man ein 8 Fuß breiter Rasen, wo 3 Bäume stehen, und ein Pfosten, an welchem ein kleines Kistchen angebracht ist, wo der Briefträger 2 mal des Tages die Postsachen hineinlegt. Dan kommt unten ein etwa 4 Fuß breiter Ze­mentfußweg für das Publikum. Dan kommt eine 7 Treppen Erhöhung mit Rasen an beiden Seiten. Un­ser Nachbar hat dort eine Mauer als teilweise Erhöhung, welches nicht so schön aussieht als der Ra­sen. Sein Haus ist 1 1/2 Stock hoch, mit Zimmer unterm Dache, welches nicht mehr Mode ist. Unser Dach ist nach beiden Enden abgeschrägt, eben so, wie die Seiten des Daches, dann ist ein kleineres Dach vorn über die Veranda, und hinter das Dach, nicht darauf, aber an der hinteren Seite des Hauses sieht man einen Schornstein, der den Feuerherd dient, der im Parler oder Visitenzimmer ist, und auch dient er, den Rauch zu nehmen von dem Ofen, (Furnave) genannt, der das ganze Haus erwärmt durch Erheizungsröhren, die von dem Furnace, sich nach Je dem Zimmer ausdehnen. der andere Schornstein rechts an der Seite des Hauses dient für zwei Küchen, eine, die wirkliche oben im Hause, und eine im Erdgeschoß, gerade unter der ersten, die als Waschküche dient, und auch öfters, als wirkliche Küche, wenn wir nur allein sind. An derselben sieht man 2 und ein 1/2 Fenster, weil eben das 1/2 mit einem Mauer Vorsprung halb bedeckt ist, oder besser gesagt, die 1/2 Ansicht einnimmt.

Dieser Keller oder Erdgeschoß ist an vielen Plätzen Feucht und ungesund, aber hier, weil es so hochgelegen ist, ist es ge­rade so trocken wie oben. Und das Goldbergwerk, ja das liegt brach danieder, und die Ursache davon ist die Mexikanische Revolution. Dieses Bergwerk, oder Goldgrube liegt in Mexiko, im Staate Sonora. Dort sind alle nötigen Schuppen, Gebäude, Maschinerien, elektrische Beleuchtungen, kurzum alles, was nötig ist, um das Gold dem Quarz zu entnehmen, in bester Ordnung und waren gerade so weit, das alles im Gang gesetzt wurde, und ein Boullion (Stück) Gold gewonnen, da mußte alles geschlossen, und verlassen werden, wegen dieser Revolution. Hätten die weiter gearbeitet, und Gold erworben, so wären ohne Überlegung, die Banditen gekommen, und es mitgenommen. Die Mexikaner lieben die Amerikaner durchaus nicht, und haben erstere den Amerikanern schon großen Schaden getan, indem sie das Eigentum der Amerikaner zerstreuen, und verderben, und nicht nur allein das, gar viele Ameri­kaner haben sie umgebracht, oder gemartert, beraubt, und ganz ungerechter Weise in die elendesten, undenkbar schmutzigsten Gefängnisse geworfen, und somit schätzen wir uns, mit unserer Goldmiene noch gar glücklich, das dort soweit noch nichts ruiniert ist, wenigstens war es noch nicht vor 6 Mona­ten, und was seitdem geschehen sein mag, weis ich nicht, werde es aber jedenfalls nächsten Monat er­fahren, Wenn unsere jährliche Versammlung gehalten wird in St, Paul Minn. Diese Revolution hat nun schon über 3 Jahre gedauert, und wenn es mal aufhören möchte, ist unabsehbar. Dieses Volk ist das sonderbarste Volk, das ich je habe kennen, oder im fernsten einigermaßen kennen gelernt habe, den ich glaube fast niemand, außer sich selbst, hat sie kennen gelernt, und eine große Frage ist es, ob sie sich selbst kennen. Es ist ein Volk einer furchtbar meuchlermörderischen Natur, sie stellen sich gar freundlich einem gegenüber, aber unversehens überfallen sie ihre Opfer, und es scheint, als ob Mord die Vorliebe ihrer Rache ist.

Der jetzt sein wollende Präsident [Victoriano] Huerta ist nichts wie ein Mörder der ersten Klasse, und nur durch Mord ist er im Mexikanischen Präsidentenstuhl gelangt. Erst hat bekanntlicherweise ein [Francisco Ignacio]  Madero die Revolution angefangen, und als der im Sattel saß, war dieser Huerta, einer seiner ersten Generäle, dieser verlangte aber nach dem Tron, und in dieser Absicht überfiel er seinen Gönner Madero in seiner Amtsstube, und überwältigte Madero, natürlich mit Hilfe anderer, und ließ ihn ins Gefängnis führen. Nach kurzer Zeit, (einige Tage) lies er ihn in ein anderes Gefängnis ab­führen, nur um Gelegenheit zu bekommen, ihn ermorden zu lassen, welches er auch fertig brachte, durch jemand, dessen Namen ich mich gerade jetzt nicht erinnere, indem er Madero erschoß in dem Auto, das ihm in ein anderes Gefängnis fahren sollte. Wie das geschehen war, ließ sich Huerta von seinen Anhängern zum Präsidenten erwählen. Auf diesem Wege ist er wohl nach den Mexikanischen Gesetzen gesetzlicher Präsident, weil ihm sein morden nicht gesetzlich bewiesen ist. Später wurde es etwas heiß angeregt wegen dieses Verfahren, da wurde derjenige, der den Madero wirklich erschossen hat, von Huerta irgendwo hingeschickt, dort ist er verschwunden, weil die Toten eben keine Ge­schichten mehr erzählen, ha ha. Alles dieses sind ja auch die Ursachen, das unser Präsident [Woo­drow] Wilson eben diesen Huerta niemals als rechtmäßiger Präsident von Mexiko anerkannt hat, und das ärgert dem alten Mörder gar sehr, und darum tut er die U.S alles zum Ärger, was er nur kann. Jetzt scheint der alte Mörder seit einer Woche schon krank zu sein, man hat ihn in solcher Zeit in den Trinklokalen in der Stadt Mexiko nicht mehr gesehen, und haben sie dort erst geglaubt, er habe sich selbst das Leben genommen, aber später wurde bekannt, er sei bloß krank, vielleicht an Katzenjammer, den er soll ein richtiger Saufbold sein.

Jetzt seit kurzem ist der Alte mit uns, die U.S. in Konflikt geraten, und haben unsere Truppen die Hafenstadt Vera Cruz (wirkliches Kreutz) besetzt, und seitdem haben sich die 3 Südamerikanischen Regierungen angeboten, um den Streit beizulegen, zu welchem Zwecke der Friedensrat morgen in Niagarafälle zusammen zu treten, auf Kanadischem Boden und hoffentlich wird es ihr Ziel erreichen, aber habe Zweifel daran.

Die U.S. von Amerika sind sehr interessiert an Mexiko, weil es mehr Eigentum dort besitzt, als Mexiko selbst, unter anderem auch unsere Go1dmiene, so möchten wir nur Frieden sehen in Mexiko. Mit den Revolutionären haben wir soweit noch Frieden, und wie es heute in der Zeitung etwas andeutet, möchte unser Präsident (Thomas) Woodrow Wilson (1913 bis1921) diese Partei als Oberhaupt anerkennen, aber ich zweifle auch noch daran, das er das jetzt schon täte. Nun, wir können nichts tun, als abwarten, um zu sehen, was aus der Sache wird, aber Krieg ist ein schlimmes Ding für irgend einem Lande. Vor Jahren war ich in Mexiko, etwa 300 Meilen weit südlich von der Stadt Mexiko, kaufte damals 40 Acker Land dort, habe sie aber vor l 1/2 Jahr wieder verkauft. Habe nicht viel daran verdient, aber auch nichts verloren, aber bin jetzt froh, das ich es wieder los bin, denn unter jetzigen Verhältnissen wollte ich nicht in Mexiko sein.

In Texas ste­hen die Verhältnisse auch nicht mehr so gut, wie vor vier Jahren, und ich habe das auch damals wohl zum Teile eingesehen, wenigstens glaubte ich, das es kommen würde, deshalb haben wir uns dort wie­der fort gemacht, den jetzt können die Leute nicht so viel auf ihre Farmen verdienen, das sie ihr Land bezahlen, und ich habe viel Mühe, meine Investionen wieder zu bekommen. Ich habe dort noch etwa 10 Acker unverkauft, und ohne Aussicht, es noch in die ersten Jahre zu verkaufen. Es waren dieses 40 Acker in einem Stück, wovon ich damals 30 Acker in kleine Parzellen, (Bauplätze) verkaufte, und nicht weniger als 300 bis 350 Dollar per Acker bekam, nun möchte ich die 10 Acker gerne für 200 Dollar per Acker verkaufen, wenn ich das nur bekommen könnte.

Auch hier in Colorado gehen die Geschäfte alle sehr flau seit einige Jahre, und es ist hier ein gar verderblicher Streik in den Kohlengru­ben-Distrikt schon lange im Gange, und hat der Präsident Wilson hier National Militär hin schicken müssen, um Ruhe zu gebieten. Es scheint jetzt ein wenig ruhiger zu werden, aber wie lange es dauern wird, wer weiß. Es ist dies auch ein großer Nachteil für den ganzen Staat. Dieses, wie auch der Mexi­kokrieg hilft zur Stockung der Geschäfte überall. Auch etwa 13 Meilen von meiner Kohlengrube ist ein kleines Städtchen, namens Oak Creek, da hat der Streik schon mehrere Opfer gekostet, mehrere Tote und eine große Feuersbrunst von etwa $ 50.000.00. Schaden.

Es wird euch wohl wundern, wenn ich euch unterbreite, das ich hier in Denver eine Schenkwirtschaft angekauft habe seit letzten Herbst. Ich mit einem andern Mann, namens Mason haben diese Wirtschaft zusammen. Er mit seiner Frau und ein kleines Töchterchen wohnen dort, denn es ist Wohnung für eine Familie damit verbunden. Er, Mason, tut die Schenke von morgens 6.00 Uhr an, bis etwa um 10.00 Uhr verwalten, und ich von 10.00 Uhr Morgens, bis 18.30 Uhr Abends, wenn ich zu Hause fahre, und er dient dann bis 12.00 Uhr Nachts wenn geschlossen sein muß.

Da eben die Geschäfte alle brach liegen, so lohnt sich dieses Ge­schäft auch nicht sehr, aber alles wartet auf bessere Zeiten, aber wenn, und ob sie kommen werden, bleibt auch abzuwarten. Doch soviel habe ich an der Sache, kann immer, wenn ich Lust dafür habe, ein kühles Gläschen trinken. Es sind fünf große Brauereien hier, und viel Bier wird dazu noch von Milwaukee und St. Louis, und von anderswo importiert, auch sogar von Bayern. Unsere Kunden sind meistens Arbeitsleute und es steht viel Arbeit in Aussicht, aber angefangen sind soweit noch keine, also auch hier abwarten. [hier gehört der Text nicht hin] Was mich nun beinahe am meisten von Interesse war von deinem Briefe, war die Beschreibung des Anfanges einer neuen Kirche in Merfeld, und nötiger fehlt euch dort wohl nichts. Auch interessierte mich gar sehr, die gütige Frage, um Beisteuerung zu dem Neubau, und dazu kann ich nur sagen, daß das zu tun mir gewiß zur Ehre, und großer Freude gereichen würde, zumal es meine alte Heimat ist, die mir noch immer gar wert und teuer ist und erinnere mich nur immer noch mit Freuden daran, und auch mit einem gewissen Grade von Stolz, denn wer von Westfalen kommt, und wenn auch nur von Merfeld, der braucht nirgends hinten an zu stehen, und kann jedem frei ins Auge schauen. Bin schon ziemlich daran gewöhnt, um beizusteuern, wo neue Kirchen gebaut werden, so habe ich schon mein schönes Scherflein beigetragen in Duelm Minnesota wo wir schon zweimal eine neue Kirche bauen mußten. Nachher, als wir nach Texas kamen in San Benito, da fehlte es an einer neuen Kirche, und auch dort mußte ich mit herhalten. Als wir nun hier in Denver unser neues Haus gekauft hatten, und eingezogen sind, kam am nächsten Tage ein Priester zu uns ins Haus, und unterbreitete uns, das in unserer unmittelbaren Nähe eine neue Kirche gebaut würde, und er hoffe, das auch wir als Katholiken uns mit einer Geldspende anschließen würden, und $ 100.00 war unser erster Beitrag. Jetzt ist die Kirche gebaut, und wir haben Gottesdienst darin, aber sie ist noch nicht inwendig, beworfen, (oder wie ihr das nennt), gepliestert [verputzt] sagt man hier auch, und sind noch keine Bänke darin und auch nur ein kleiner provisorischen Altar. Das Fehlende soll nun diesen Sommer besorgt werden, und zudem sind noch viele Schulden gemacht wor­den, beim ersten Aufbau, und somit bleibt noch viel zu tun, respektive zu zahlen übrig.

Auch haben wir noch vor etwa 2 Monaten in Texas, (San Benito) ein Acker von die erwähnten 40 Acker an die dortige Kirche verschenkt, so sehet ihr, das wir das mithelfen an Kirchen zu bauen schon ganz gewöhnt sind. Nun aber, da die Aussichten, wie schon berichtet augenblicklich gar zu unverspre­chend sind, so muß ich unbedingt vorläufig mich von so einem gutem, und schönem Versprechen zu­rückhalten, will dagegen aber denn doch versprechen, das sobald als die Goldmiene den erwünschten Erfolg liefert, werde ich mit großem Vergnügen eine annehmliche Summe zu eurem Kirchenbau in Merfeld einsenden.

Die Kirche wird nun wohl ohne allen Zweifel dort bei der Vikarie gebaut werden, denn das ist nur der einzige richtige Platz dafür, unter den vorliegenden Verhältnissen, wie sie sich dort gestalten und sind. Auch muß ich sagen, das ihr sehr feine Pläne ausgeheckt habt, um das nötige Geld aufzubringen, respektive zu Kollektieren. Die abgehaltene Mission, war wohl das Samenkorn, für den Neubau und wird wohl hundertfältige Früchte tragen. Dort in Westfalen ist sicherlich das Herz der Katholiken, das eben zeugt dafür, das allen halben so üppige neue Kirchen gebaut werden.

Eins ist mir ganz fremd und ungerecht vorgekommen, daß der Herzog von Croy nun auch euch und andere den Weg durch den Park abhängig (verbieten) zu machen versucht. Ich hoffe nur, es werde ihm die Aufhe­bung des Wegerechtes nicht gelingen.

Ja lieber Wilhelm [Diekemper], jetzt hast du auch wohl einen ungefähr so langen Brief von mir wieder zurück. Wenn nun aber nicht alles ganz nach deinem Wunsch in diesem Brief zu lesen ist, so mußt du es mir  entschuldigen. Es kann noch in den folgenden Briefen gut und besser werden. Ich hoffe und wünsche es mir von ganzem Herzen, daß der Kirchbau gelingt und es mit meiner Beisteuer (Geld­spende) noch früh genug sein wird, so gebe es Gott.

Jetzt muß ich schließen, sonst möchte dir das viele lesen verdrießen, und somit recht viele Grüße an euch allen, und an alle, die nach uns fragen, von uns allen.  C. A. Hünck u. Familie.

 

 

Denver, Colo. den 31.Okt. 1913

 

Kann euch mitteilen, das Rudolph [Hunck] seit einer Woche wieder aus dem Hospital entlassen ist, aber nicht vollständig geheilt. Hoffen jedoch auf Genesung, aber das nimmt lange Zeit in Anspruch. Haben einen Nachbar als Doktor, der die Wunde alle 3 Tage verbindet. Er sagt, daß es jetzt gut aus­sieht, und wir hoffen, daß es dabei bleiben wird und alles gut heilt. Bald folgt auch ein längerer Brief. Alle andern sind gesund. (Denver bei Licht) Mit Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 1. Feb. 1914

 

Meine liebe Maria:-

 

Es hat mich und uns allen sehr gefreut, mit einem Briefchen von dir überrascht zu werden, worin du so herzlich danken tust, für das winzige Geschenk in Gestallt eines Gebetbüchleins. Nun, es freut mich auch, das es dennoch ein wenig zu deiner Weihnachtsfreude beigetragen hat, welche ja doch schon immer für die Kinder wie auch Erwachsene ohnehin ein großer Freudentag ist. Ich kann es mir schon vorstellen, wie ihr Geschwisterchen euch alle gefreut habt. Nun, es hätte schon an deinem Hl. Kom­munion Tage dir die Freude erhöhen sollen, aber ich hatte so keine gute Gelegenheit, zur Zeit ein deutsches Buch zu bekommen. Jetzt freut es mich auch zu wissen, das ich jemand da drüben in Deutschland, (im alten Vaterlande) habe, die für mich betet, welches wir ja alle so nötig haben, und ist der liebe Gott mehr geneigt, das Gebet der unschuldigen Kinder zu erhören. Wie ich sehe, habet ihr bald eine hl. Mission in Merfeld, da gibt es viel Gelegenheit zum beten, ich empfehle mich und meine Familie eures Gebetes, und wir werden uns im Geiste euch anschließen in der hl. Mission. Also sehe ich, das ihr alle Monate den ersten Sonntag gemeinschaftlich zur hl. Kommunion geht, auch ich gehe jeden 2ten Sonntag hier zur Hl. Kommunion. Es ist dieses der Tag an welchem die „Süßen Namen Jesu Bruderschaft“; (zu der ich gehöre) gemeindschaft1ich zur hl. Kommunion geht. Wir marschieren dann in Reih u. Glied von der Schule zur Kirche, morgens um 8 Uhr. Obschon wir eine neue Kirche ganz in der Nähe haben, so gehen wir doch öfters zu einer alten Deutschen Franziskaner Kirche, wo deutsch und englisch gesprochen wird, wogegen in unserer nahen Kirche nur englisch gesprochen wird. Obschon auch mehrere Deutsche hierhin gehen, so sind doch die größte Mehrzahl Irländer, wie auch der Pfarrer, oder sind Irländischer Abstammung, jedoch auch sehr gute Katholiken. Unserer „Sü­ßen Namen Jesu Bruderschaft“ haben uns eine neue prachtvolle Fahne machen lassen, in Salzkotten Westfalen, von den dortigen Franziskaner Schwestern. Diese wird nun immer bei Prozessionen, und auch an den Kommuniontagen voran getragen, und ich habe die Ehre, der Fahnenträger zu sein. Viel­leicht kann ich euch mit der Zeit mal ein Bild von der Fahne & dem Fähnrich zu senden. Jetzt muß ich dir etwas über die Photographie der Kinder sagen, welches jedoch für mich ein richtiges verziertes Bild war, nämlich um zu raten, wer jeder sei, oder wenigstens die meisten davon herzusagen, wer sie seien. Ja etwas zu erkennen, was man in seinem Leben nicht gesehen hat, da hat dein Vater wohl ge­dacht, ich könnte von hier beinahe so gut sehen, als was er öfters, und manche alle Tage sieht. Jetzt nachdem ich deine Erklärung erhalten habe, sehe ich, wie sehr ich fehl geschossen habe. Euch habe ich wohl, bis auf die Johanna, erraten. Aber das war viel durch Beihilfe eines älteren Photos, die ich habe, die Johanna hätte ich nie dafür gehalten, dachte immer, das müßte eine Göckener oder Frerick sein. Jetzt muß ich schließen, mit vie1en Grüßen an dich und deine lieben Geschwister, deine Eltern und Großvater

 

von uns Allen dein Großonkel Clemens. 

 

 

Denver, Colo. den 10 März 1914

 

Euren Brief am 7. erhalten und mit Vergnügen gelesen. Rudolph [Hunck] sein Bein bessert sich lang­sam. Werde gelegentlich schreiben. Das Voerding Mädchen (Rose) auf dem Bild ist am 3ten dieses Monats gestorben. Auf anderer Seite sind Bären zu sehen im zoologischen Garten. Ein Teil des Stadt-Parks ist zu sehen und wie sie die Bäume herauf klettern. Mit Gruß Clemens.

Wetter ist schön hier, aber im Dezember hatten wir ungewöhnlich viel Schnee.

 

 

 

Denver, Colo. den 24. März 1914.

 

Liebe Antonia & Franz Diekämper Merfeld in Westfalen Deutschland:-

 

Wünschen euch Beiden, wie auch eure liebe Eltern, herzlich zu gratulieren zu dem Tage (den 19ten April) an welchem es euch gestattet sein wird, zum ersten Male zum Tische des Herrn zu treten, um die Erste hl. Kommunion zu empfangen. Ohne allen Zweifel werdet ihr euch auf das sorgfältigste dazu vorbereiten, um das Hl. Sakrament würdig zu empfangen, und um auch in eurem ganzen Leben es nie unwürdig zu empfangen, denn in frühester Jugend hat man es mir gelernt und gesagt, das so, wie die erste Hl. Kommunion würdig auch die folgenden würdig sein würden, und solches Glück wünschen wir euch beiden von ganzem Herzen. Als ein kleines Andenken an diesem, den (Glücklichsten Tag eu­res Lebens) senden wir euch jeder ein kleines Gebetbüchlein, möge dieses euch recht öfters zum Ge­bete ermuntern, und auch euch an unser erinnern. Wir sind noch alle gesund, und hoffen, das euch al­len diese Zeilen in bester Gesundheit antreffen werden, und alle Gott empfohlen, unterzeichnet hier Euer Großonkel Clemens. 

 

 

Denver, Colo. den 30. April 1914

 

Lieber Wilhelm & Johanna nebst Familie.

 

Es war mit dem größtem Bedauern, das wir gestern die so traurige Todesnachricht empfangen mußtet, von dem absterben des lieben Sohnes Franz. Ja wir können (uns besonders ich) uns euer so großes Be­dauern und Betrübnis vorstellen, das ihr sehr natürlich empfinden müßt, und an welchem wir alle im hohen Grade teilnehmen. Ja es muß euch tief getroffen haben, euren so hoffnungsvollen Sohn so früh zu verlieren. Ich kann es kaum begreifen, das es möglich sein kann, nach dem wir euren Brief beka­men, welcher Besserung vermeldete, aber der liebe Gott, der alles zum besten leitet und lenkt, hat es in seinem unerforschlichem Wege anders gewollt, und glücklich diejenigen, die sich sowohl im Glück als im Unglück seiner Anordnungen zu fügen wissen. Ich weis, das ihr das könnt und tut, was ja auch ohnedem schon aus deinem letzten Briefe so klar einzusehen ist, wo du sagst, besser im Himmel, als möglicher Weise ein Krüppel auf Erden, und solches in ein oder dem andern Wege ist so oft der Fall, mit einer so gefährlichen Krankheit, als ihm befallen ist. Es ist ja ein Großer Trost für euch und uns alle, das er so gut gestorben ist, denn in einem besserem Zustande hätte er wohl nie seinem Schöpfer und Erlöser entgegen kommen können, als er es jetzt getan hat, so wollen wir sagen, MÖGE  ER RUHEN IN FRIEDEN. Wir werden es nicht vergessen, uns seiner im Gebete zu erinnern, und für euch ist es auch noch ein großer Trost, einen so großen Fürbitter am Throne Gottes zu wissen. Nun schließe ich, mit tränenden Augen, aber doch, laß uns nicht so viel trauern, denn es ist geschehen, wie der liebe Gott es wollte,

 

und somit AMEN. C. A. Hunck

 

 

Denver, Colo. den 17. Mai 1914

 

An meine Lieben Daheim:

 

Jetzt, nachdem euch dieser Brief ausgehändigt wird, werden etwa 6 Wochen verflossen sein, seitdem unser lieber Franz euch durch den unerbittlichem Tode entrissen wurde. Wir hoffen, daß sich Eure ge­rechte Trauer über den Tod sich in einem erträglichen Maß reduziert hat. Somit dachte ich, nicht län­ger warten zu wollen, um den so langen und interessanten Brief zu beantworten, den du mir am 23. Februar zugesandt, den du ja noch in voller Zufriedenheit der Zukunft entgegen sehend geschrieben hast, nicht ahnen, das eine so große Trauer euch so kurz danach befallen sollte, aber wir sagen mit euch, es war der Wille Gottes, dessen unerforschlichen Entschlüssen wir uns alle fügen müssen, und wohl dem, der es kann, wie Ihr es so großmütig tut. Jetzt will ich deinen Brief verfolgen, und densel­ben völlig beantworten. Erstens will ich sagen, das ich meinen 68'ten Geburtstag, welcher am 30 Sep­tember war, in guter Gesundheit verlebt habe. Ich bin noch recht gesund und rüstig, bis auf meine Beine, die sind nicht so gesund, als ich sie mir wünschte. Vor einem Monat habe ich 10 Tage an Blut­vergiftung im linken Bein im Bett gelegen, welches jedoch jetzt so ziemlich wieder hergestellt ist. Meine Beine sind, seit ich in Texas daran gelitten habe, nie wieder richtig gesund geworden, wie vor­her, namentlich der linke, über Tag schwellen die Beine immer an. Dieses ist, wie mir die Doktoren sagen, häufig der Fall mit großen und schweren Leuten, werde es demnach auch wohl mit Geduld er­tragen müssen. Die direkte Ursache der Blutvergiftung war so: In der Stadt auf einer Breiten Treppe begegnete mir einer, als ich bald oben war, um herunter zu gehen. Dieser hatte einen Handkoffer in der Hand, und fing an zu stolpern, und stieß mich ein wenig, entweder mit demselben Koffer, oder mit seinen Fuß ohne Absicht am Schienbein. Ich beachtete es kaum, (es war an einem Samstag Abend) und am folgendem Dienstag erwachte ich Morgens mit einem Fieber, ähnlich dem Schüttelfieber, und unser Nachbar, ein früherer Militärarzt wurde gerufen. Ich dachte dann noch nicht, daß es von dieser Treppen-Episode herrühren möchte, und dieser Dr. sagte, in kurzer Zeit würde es sich schon zeigen, was die Ursache des kalten Fiebers sei. Am nächsten Donnerstag Morgen war das Bein so ange­schwollen, das er mit Bestimmtheit sagen konnte, daß die kleine Hautabschürfung, die bei der Trep­penbegegnung entstanden war, die Ursache einer Blutvergiftung wäre. Er ist nun kein fungierender Arzt, und so ging er mit mir zu einem Arzt in der Stadt, welcher anordnete, was wir tun sollten, wes­sen Hauptsache war, nebst Medizin, das Bein hoch zu legen im Bett, und nach 10 Tagen konnte ich wieder marschieren, aber nur mit Behutsamkeit.

Nun mit Rudolph [Hunck] sein Bein. Dieser ist auf steter, aber gar langsamer Besserung. Diese Hei­lung geht gar langsam vor sich, weil das ganz von unten vom Knochen aufheilen soll. Nachdem die Operation vorbei war, wurde die Wunde gar nicht zugemacht, das ganze blieb offen, wie es war, und wurde nur mit in Medizin getungte Gaze aufgefüllt, und alle zwei Tage ausgewechselt. Jetzt gehen wir 2 mal im Monat zu diesem Arzt, damit er als Fachmann es sieht, sonst im übrigen tut unser Nachbar als Doktor es alle 4 Tage neu verbinden. Schmerzen hat er nicht daran, und eitern tut es auch so zu sa­gen gar nicht, aber es wächst so langsam zu. Diese Gaze wird sogar recht fest hinein geschoben, um es vom zu zeitigem zuheilen zu schützen. Es kostet uns dieses auch viel, aber der Nachbar Dr. rechnet nichts für seine Mühe, er ist auch nämlich kein praktizierender Arzt, aber ist doch ein gar sehr gefälli­ger Mann, sonst würde er es doch nicht tun, wie so manche, die es gewiß nicht tun würden, wenn sie auch könnten. Er hat uns gleich, als wir Nachbar wurden gesagt, das er uns in Krankheitsfällen gerne zur Hilfe sein wolle, und falls ein anderer Dr. nötig erschiene, er es uns früh genug sagen würde. Er kommt so oft hierher, als wenn er beinahe zur Familie gehört. Natürlich sein Bier und Zigarren sind immer zur Hand, wenn er kommt, und auch vergüten wir ihn sonst manchmal, aber mit einem Worte, er ist gut und gefällig. Meine Frau war auch die letzte Woche etwas aus dem Geschick (etwas krank), es geht aber jetzt wieder ziemlich gut. Clara [Hunck] geht noch immer bei den Schwestern in die Schule, hat noch 1 Jahr durch zu machen von nächstem Juni ab, bis sie graduieren kann. Von Bertha [Hunck] bekamen wir vor kurzem ein Brief, sie ist gesund und wohl, und zufrieden, hat im Frühjahr die Mumps gehabt. Von Wilhelm [Hunck] bekamen wir gestern ein Brief, und ist er gesund, und tut gute Geschäfte. Wie schon früher erwähnt, reist er im südwestlichem Colorado. Jetzt schreibt er, daß er Hoffnung hat, nächstes Jahr die Aufsicht der Agenten über mehrere Staaten zu erhalten, aber ab­warten, vielleicht glückt es. Du erwähnst von Bertha [Hunck]auf den Bildern, das sie so schelmisch drein schaut, ja wohl. Sie ist voller Witz und hat einen guten Humor, sie würde sicherlich eine gute Hausfrau werden, sie hätte schon längst eine sein können, hätte sie es nicht vorgezogen ledig zu blei­ben. Ich werde ihr deine Briefe zum lesen zusenden, wenn ich diesen Brief fertig habe. Zu deiner Frage, ob nicht meine Frau eine Brille trägt, muß ich ja sagen, will aber auch hierbei bemerken, das hier mehr als dreimal so viel Brillen getragen werden, im allgemeinen, als bei euch früher der Fall war. Auch ich trage fast immer eine, und ohne solche könnte ich kein gedrucktes Schriftstück lesen, es sei denn, daß die Buchstaben ½ Zoll groß sind.

Du fragst, ob mich der Herr Timpte etwa zur Hilfe gewesen sei, um eure Kinder auf dem Bilde heraus zu finden. Nein, das hat er nicht, aber eine frühere Photographie von euch, wo die Kinder mit darauf sind, hat mir dazu gedient. Den Heinrich Timte habe ich noch nie hier in seinem Hause besucht, bin es ihm aber schuldig, weil er Euch besucht hat, sonst habe ich ihn schon öfters getroffen, und hat er auch schon mehrere Male arbeit für uns getan am Automobil. Es freut uns zu wissen, das Johanna [Die­kemper] ihr Fuß so ziemlich wieder gut ist, und hoffentlich wird das Auge auch wieder gut sein, aber der Rheumatismus ist ein gefährlicher Geselle, auch ich leide etwas daran in der rechten Hüfte & Knie, kann fast nicht auf der Seite ruhen deswegen. Mein Nachbar Dr. hat mir geraten, eine Messer­spitze voll Aspirin 3 mal des Tages zu nehmen solches habe ich nun einige Wochen genommen, und es scheint etwas besser werden zu wollen. Es wird von den Farben Fabrikanten Friederich Bayer & Co. in Leverkusen Deutschland bezogen. Es kostet hier 75 C. per Unze.

Es freut mich, daß ihr eine gute Ernte hattet, Glück mit dem Pferde-Handel und viel Verdienst aus dem Rindvieh gemacht habt, aber leid tut es mir, daß noch immer die Kuhkrankheit (Maul-und Klau­enseuche) nicht ausgerottet ist. Ich erinnere mich, daß du früher schriebst, das sich diese Krankheit in den Ställen eingenistet hat, das kann mir gar nicht so recht einleuchten, das es in den Ställen sitzen sollte und ich meine immer, es müsse die Ursache im Futter zu suchen sein, oder etwa auch in der Art und Weise des Fütterns, oder am Wasser, was sie trinken, oder irgend eine andere Ursache zu suchen, als in den Wänden des Stalles, jedoch ich weis es ja nicht, und ihr am Platze werdet es besser wissen, als ich hier im Amerika.

Du fragst nach der Jahresuhr, die dreht sich noch immer hin und her, wie ihr sie gesehen habt es zu tun, habe einmal etwas Reparatur damit gehabt. Auch wie es mit der Kohlengrube geht? Soweit ganz gut, aber ein großes Einkommen habe ich davon nicht, weil wir sie nicht im großen Maße bearbeiten können; weil wir nur Absatz haben von den Einwohnern der Umgegend. Wir sind nämlich 5 Meilen von der Eisenbahn entfernt gelegen, können deshalb nicht konkurrieren mit solchen, die nahe an der Eisenbahn sind. Ich habe meine Hälfte an meinen Teilhaber verdungen, oder besser gesagt verpachtet für $ 300,00 per Jahr, das bringt nur etwas mehr ein, als die Zinsen am Kapital, was ich dafür gezahlt habe.

Über diese kleinen Fenster ist ein großen Bogenfenster, welches das dort gelegene Speise Zimmer er­hellt. Noch vor dem Hause ist eine 6 Stufen hohe Treppe, die zur Veranda führt, welch letztere 10 Fuß breit ist d. h. von Treppe zur Türe, und die volle Breite des Hauses lang. Auf der Treppe sieht man mich mit der Zeitung in der Hand, und die Frau mit ihrem weißem Kleid zu meiner Rechten, sieht so ziemlich der Mauer ähnlich. Die Eingangstüre ist so ziemlich ganz hinter den Veranda-Pfosten (Mauer) verborgen. Die Veranda ist ganz offen, und unter derselben ist auch ein großes Bogenfenster, aber kaum sichtbar auf diesem Bilde. Vorne und zur rechten Seite des Hauses sieht man meine Frau ihre Blumen und auch 3 Rosenstöcke, die an die 3 Drahtgeflechte hinauf klettern sollen, der an der rechten Seite ist schon ziemlich hoch, und war zur Zeit so voller Rosen, als er es nur sein konnte. Der Grund rechts vom Hause war noch nicht bebaut, ist aber jetzt schon ein Haus darauf, und wird der neue Nachbar in einigen Wochen einziehen, und wird dann nächsten Frühjahr auch so einen Rasen anlegen, wie unseren. Rechts ganz nahe am Hause entlang ist auch ein Zementfußweg, der zur Hintertüre führt, und von da aus nach den anderen Ende unseres Bauplatzes, und auch zu unserem Automobile Haus, hier (Garage) genannt, welches ein Flaches Dach hat, und ist ganz hinten eine Ecke davon sichtbar. Ganz niedrig hinten sieht man ein neben oder an der Ecke von der Garage ein 4 bei 4 Fuß großer, und auch eben so hoch wie auch die Garage, von Backsteinen aufgebauter Aschen und sonstigen Unrat Behälter. Mit einem Steindeckel versehen, in welcher in der Mitte ein rundes Loch eingehauen ist, um den Unrat hinein zuwerfen, und unten ist eine Metalltüre, wo der Aschenfahrer, wenn das Ding voll ist, ihn auslehrt, und fort fährt, außerhalb der Stadt, so sehet ihr, das hier alles rein und sauber gehalten wird und muß. Die Stadtbehörde verlangt es so. Neben dem Seitenwege bei dem Hause nach rechts ist den noch ein etwa 10 F& 9, und 5 & 6 in der Mittleren Reihe, und das Mädchen die Siebente in der 2'ten Reihe von oben. Maria Göckener Ihre Tochter ist die 8te in der 2'ten Reihe von Unten, und 9. in derselben Reihe ist Frerick. Die 2'te in 2'ter Reihe von oben gehört in der Mühlenbäumer Familie irgendwie. Da sitzt noch so ein dicker Gemütlicher als 3ter in untersten Reihe, und so ein dicker zu seiner Linken, wie auch der die Tafel hält, und 2 etwas weiter nach rechts rümpfen die Nasen so, aber wo sie zu Hause sind, wüßte ich nicht zu erraten. So jetzt habet ihr Gelegenheit zu sehen, wie dumm ich war in meiner Erratung des Gruppenbildes, wer der eine oder der andere sein kann. Es ist nicht so leicht für mich wie für euch, weil ihr die Alten und die Kinder hier und da seht, ich aber nicht, das ist ein großer Unterschied. Ich weis nicht einmal, von welchen Familien Kinder auf dem Foto zu sehen sind. Alle sind von links nach rechts zu zählen, wie ich sie beschrieben habe. Jetzt schreibe mir mal alle die Namen nach der Reihe auf, so werde ich besser wissen, wie ich sie einzuordnen habe, also etwa so: 1 2 3 u.s.w. in erster Reihe, und 1 2 3 in 2ter Reihe, von oben angefangen, dann werde ich nicht so viel zu raten haben, denn das macht ja Kopfweh, ha, ha.

Nun Johanna, wie geht es dir denn, sind deine Füße jetzt besser,? hoffentlich so, und die lieben Kin­der, hoffen, das alles sich der besten Gesundheit erfreut. Und du, lieber Bruder, wie stets mit dir? knallt die Peitsche noch immer gut, ich meine, ob du noch immer fahren tust. Ich habe mit Freuden gelesen über den Bericht der Kinder, und das ihr so eine schöne Feier hattet in Merfeld bei der ersten Hl. Kommunion und auch an sonstigen Festen. Wie hat es denn mit dem Heumachen weiter gegangen, & mit der Ernte, ist alles gut ausgefallen? Ich sehe, daß das Vieh sehr teuer ist, auch hier ist das Fleisch merkwürdig im Preise gestiegen, seit einigen Jahren. Habe eine Todesanzeige von Franz Marschall erhalten, und habe mein Bedauern brieflich kund gegeben, habe aber seitdem noch nichts wieder von Franz gehört.

Es wird sehr bequem sein, wenn der Bahnhof dort im Gange kommt. Du fragst nach Herrn Timpte, ja, ich habe von ihm gehört, er ist mal hier gewesen beim Haus, und konnte uns nicht finden, weil wir in der Kirche waren, auf einen Sonntag Morgen, und gefragt hat er nach Diekämper, welchen man hier jedoch nicht kannte. Ich ging mal zu seiner Wagen-Fabrik, und hat er uns später besucht, und habe ich ihn des öfteren wieder gesehen. Meine Familie ist auch mal bei ihrem Hause gewesen, ich war aber nicht mit, weil ich gerade keine Zeit hatte, werden aber bald mal alle hin fahren, er wohnt etwa 3 bis 4 Meilen von uns.

Wilhelm [Hunk] hat diesen Sommer für die De Lavel Separater (Rahmentnehmungs­machine, oder wie ihr sie nennen möget) gereist, und verdient guten Lohn. Er hat jetzt eine Aufsicht über ein größeren Distrikt bekommen, und ist sein Lohn erhöht worden, er reiset in Colorado, aber nicht hier in und bei Denver, er ist im Westlichen Teil des Staates. Ja, er hat nur ein Kind, ein tüchtiger Junge, ist 5 Jahre alt. Bertha [Hunk] ist noch bei ihrem Pfarrer, und sagt vom Heiraten wenig oder gar nichts.

Habe deine Karte vor einigen Tagen erhalten, und sehe, das der Junge Sohn den Namen Joseph Clemens [Diekemper] erhalten hat. Ich dachte, es würde ein Clemens Joseph werden, aber ich sehe, da war wohl der Joseph als Taufpate schuld daran. Werde dir einen Waisenfreund Kalender zukommen lassen, weiß doch nicht, warum er noch nicht dort ist, ich muß mich mal dahinter klemmen, so wird er wohl bald kommen. Werde auch sehen, ob ich ein kleines Kommunionandenken für die kleine Maria bekommen kann, hätte das schon eher besorgen können, ist aber immer dabei geblieben.

So, jetzt ist es 10.30 Uhr geworden und es ist hohe Zeit, daß alte Leute und kleine Kinder zu Bett gehen. Ich will noch einen kleinen auf euer und unser aller Wohl und auf meinen 68ten Geburtstag trinken. Denn am 68ten Geburtstag wird man erst 67 Jahre alt.

Diesen Sommer als die Bertha hier war auf Besuch, mußte ich nach Minnesota um noch meine Farm, die ich im Umtausch für den Laden in Duelm eingehandelt hatte, zu verkaufen. Denn gerade als Bertha einige Tage hier war, bekam ich die Nachfrage um das Land in Duelm. Um den Verkauf nicht verlustig gehen zu lassen, mußte ich gleich hin und habe auch den Handel gemacht. Ich mußte aber doch noch 160 Acker weniger wertvolles Land aus dem Kaufpreis nehmen. Diese 160 Acker habe ich jetzt immer noch zu verkaufen. Wenn dieses Land urbar gemacht worden ist, ist es nicht weniger wert, weil es guter Boden ist. Die 160 Acker sind noch mit Wald bewachsen und es nimmt das ausroden noch einige Zeit und Arbeit in Anspruch. Es kostete mir das neue Land damals 8.00 Dollar per Acker. Ich möchte es jetzt für 10.00 Dollar per Acker wieder verkaufen so sich ein Käufer finden sollte. Es wird nicht so schnell im Preis steigen wie das Land in Texas gestiegen ist.

Jetzt ist aber mein Neuigkeitskästchen leer und ausgekramt. Vor furcht es möge dir das lesen verdrießen, so will ich hiermit schließen, unter vielen ja vielen Grüßen deren sich meine ganze Familie anschließen möchte, und um recht bald wieder von euch zu hören.

Der Onkel

                        Clemens.

 

Denver, Colo. den 9. Juli 1914

 

Lieber Wilhelm

 

Habe weiter nicht von euch bis jetzt gehört, und bin gewissermaßen beklemmt, um zu wissen, wie der weitere Verlauf mit der Krankheit der Kinder verlaufen ist. Die Karte vom 12.7.14. ist die letzte Nach­richt, und ich dachte, das du vielleicht schon wieder geschrieben hättest, aber die unterbrochene Schiffahrt möchte die Post verzögert haben. Die letzte Karte ist jene, wo der Westfälische Bauer am buttern ist. Meine Frau machte die Bemerkung, das sie aber so einen Kerl, mit dem Kittel an, mit der großen Pfeife im Hals, und roten Taschentuch um, nicht dabei dulden würde. Um die Kälte noch bes­ser zu beherrschen, sollte er auch noch ein paar große Handschuhe an haben, aber wieder meint sie, das wenn die Kälte dort so groß ist, wäre das auch dem Buttern nicht sehr günstig, weil dabei eben Wärme notwendig sei. Im übrigen ist es wohl ein gelungenes Bild, aber besser geeignet, in solchem Kostüme mit den Ferkeln zum Markte zu fahren, als beim Butterfaß zu sitzen. Das Bild erinnert mich so gar lebhaft an den Kittel, den ich an hatte, als ich im Jahre 1874 nach Amerika reiste, mit meinen blinden Natz Hunck's. Habe ihn den Kittel noch einmal an gehabt, um dort nach dem nächsten Dorf zu gehen, aber das ist das letzte von meinem blauen Kittel gewesen. Laß nur mehr solcher, und ähnliche interessante Karten folgen, sie gefallen uns.

Ja, ja, mit dem Kriege geht es schon hart her, heute Morgen lese ich, wie die Festung Liege in Belgien kapituliert hat, nach 4 oder fünftägigem Gefechte, wo es hier heißt, das die Deutschen 30.000 und der Feind nur 10.000 verloren haben. Auf einen andern Platz heißt es, das die Deutschen 5.000 verloren. Ich habe in meinem letzten Brief gesagt, das wir die Neuigkeiten hier alle so schnell bekommen, dazu will ich jetzt sagen, das wir allerlei Neuigkeiten vom Kriegs-Schauplatz schnell genug kriegen, aber ob es Wahr ist, ist eine andere Frage. Jede Zeitung will die ersten und Besten Nachrichten bringen, denken sich aber vieles dabei, was sein könnte, und dabei müssen wir bedenken, das all die hervorra­genden Zeitungen hier English sind, welche schon natürlich nicht den Deutschen zugeneigt sind, und deshalb nicht gerne etwas gutes, zu Ehren der Deutschen sagen, die möchten alle gerne sehen, das der deutsche (Michel) seine Haut verkloppt kriegte. Wir kriegen hier viel, was der Amerikaner B. S. nennt, wenn er höflich sein will. B. S. steht oder deutet (Bull-Scheiße) an, welches Wort hier öfters im gewöhnlichen Leben gebraucht wird, um etwa eine infame Lüge zu brandmarken. Wenn zum Beispiel einer sagt: Jetzt gibt er uns B. S., dann weiß jeder gleich, das es meint, der Kerl lügt, so machen es die Zeitungen auch mit diesen Kriegsnachrichten gar oft. Die direkte Kabel-Verbindung mit Deutschland ist ja abgeschnitten, so müssen wir meistens vorlieb nehmen, was über England und Frankreich kommt, und das ist oft B. S. ha, ha. Es scheint mir jedoch, das der Deutsche in einer gar schlimmen Lage ist, und wäre es wohl ein Wunder zu nennen, wenn er da siegreich hervorgehen würde, aber wir wollen mit Gott das beste hoffen. Wehren wird er sich schon tun, so lange wie es geht, aber viele Hunde hetzten einen Hasen tot. Wir waren auch falsch berichtet, über das wegnehmen der Engländer des Deutschen Schiffes (Cecilia ich glaube heißt es) mit den 11 Millionen in Gold. Es war nämlich das Hamburger Schiff selbigen Namens, welches nach Plymouth ging, wogegen das Schiff Cecilia mit dem Golde nach hier zurück gekehrt war. Wie ich es jetzt lese, hat diese Cecilia eine drahtlose Nach­richt bekommen also: (Willi hat Appendizitis das, d. h. Blinddarmentzündung einem kleinen Hafen im Staate Maine, Bar Harber genannt, zurück gekehrt, und hat somit das Gold dung ??, und auf diese Nachricht hin soll das Schiff kehrt gemacht haben, und ist die Folge dessen noch gerettet. ??

Ich wünsche, das du mir von Zeit zu Zeit, die richtigen Verhältnisse über wichtige Schlachten, und sonstige Vorgänge mitteilen würdest, wenn solche auch ein wenig verspätet ankommen.

Ich denke, das Vorkehrungen bald getroffen werden, so das die Post ungeniert verkehren kann, wenig­sten hoffe ich es so, wenn auch nicht über Bremen direkt, so müssen wir etwas extra Postgeld zahlen, so wie früher. Wir sind noch alle recht gesund, und vom Rudolph [Hunck] möchte ich sagen, das der Dr. meint, das noch eine kleine Operation nötig sein wird, um noch etwas nach zu helfen, aber ich will noch einige Zeit warten, bis er mit seiner Diagnose sicher ist, sonst sagt er, das er jetzt die beste Hoff­nung hat, auf gänzliche Heilung. Mit Gott wollen wir hoffen.

Was für Regimenter oder Armeecorps sind es denn, die gegen Frankreich streiten? Sind es meistens welche von Westfalen und vom Rheinland? Gar viele werden wohl aus Merfeld mit im Kriege sein. Von unserer nahen Verwandtschaft wüßte ich keine, die dabei sein könnten, weist du es? Bickert, Middeler, wie auch Hermann Rohlf in Limbergen werden wohl Söhne dabei haben. Es ist gar zu schlimm, das so ein großes Elend über ganz Europa hereinbrechen mußte. Hoffe nur, das wir hier ver­schont bleiben. Freilich, die Mexikaner werden wohl noch am Metzgern bleiben, so lange noch nicht alle kaputt sind, die noch Aufruhr machen können. Mann hat geglaubt, das der Friede nahe sei, aber diese letzten Tage lassen wieder alle Hoffnung verschwinden, so wie es heißt, aber gar viel B. S. wird auch von dort berichtet. Viel liegt es darin, das die Post & Telegraphen Verbindungen dort noch nicht so vollständig sind, wie bei uns, und andere Länder. Die reichen sind dort auch wohl gebildet und ge­scheit, aber das Volk ist gar ungelernt und arm, und laufen heute mit dem Einen und fechten, morgen mit dem andern, und wer auch denen das meiste B. S. geben kann, ist der beste Mann. Ha, Ha. Jetzt muß ich schließen, und hoffe, mal bald von euch zu hören. Habet ihr auch schon Einquartierung ge­habt?

Mit vielen Grüßen von uns Allen, an Euch Alle, Euer Clemens.

Anbei. Nachdem ich dieses schrieb, sind wir heute Abend zum Heinrich Timpte gewesen, zum Be­such, und haben uns auf einige Stunden bestens unterhalten, wobei Lüdinghausen, Dülmen Merfeld, wie auch der Krieg zur Sprache kam. Er läßt euch alle bestens grüßen. Jetzt ist es Zeit zu Bett, und werde diesen Brief morgen früh auf die Post geben. 

 

 

Denver, Colo. den 15. Juli 1914

 

Es ist mit großer Betrübnis, das wir schon wieder die schwere Erkrankung der 2 lieben Kinder erfah­ren müssen. Hoffen jedoch, das beide schon besser sein werden in dieser Stunde meines Schreibens. Unser Rudolph [Hunck] sein Bein will auch noch nicht gut werden, und muß jedenfalls noch eine weitere Operation vorgenommen werden. Sonst alles wohl, Bitte um weitere Auskunft. Mit Gruß Clemens u. alle.

 

 

Denver, Colo. den 31. Juli 1914

 

Lieber Wilhelm & Alle:-

 

Die Karte mit der Nachricht der Genesung der Kinder kam vor etlichen Tagen an, und es freut uns sehr zu wissen, das die Gefahr vorbei ist, wenigstens hoffen wir, das ein Rückfall nicht eintreten wird. Es ist gewiß eine große Heimsuchung, aber was Gottes Wille ist soll geschehen, obschon wir nicht wissen können, (Das warum?). Mit unserem Rudolph [Hunck] geht die Besserung auch nur noch gar langsam voran, und wissen noch nicht, ob nicht noch eine 3te. Operation nötig sein wird. Ich habe vor einigen Tagen gleich eine Karte an euch geschrieben, aber es kommt mir vor, als ob ich Adresse zu schreiben vergessen hätte, somit folgt dieses. Es war eine Karte, wo ein Böser Hund einem Vagabun­den die Hose verrissen hat, und an die Fetzen fest hält. Jetzt werdet ihr wissen, ob sie ankommt oder nicht. Der Spruch hieß: Besser 1 Zahn im Kopf, als 2 in die Hosen. Jetzt habet ihr auch wohl einen ge­fährlichen Krieg im Anzuge, ja schon angefangen seit einigen Tagen, wollen noch hoffen, das es nicht noch so schlimm wird, wie es jetzt aussieht. Es wäre denn doch gar zu schlimm. Wir lesen hier abends schon in den Zeitungen, was durch den Tag hindurch vorgegangen ist, und die Morgen-Zeitung bringt alles, was bis in die Nacht hinein noch geschehen ist. Wir wissen die Vorgänge hier also gerade so gut und früh, als ihr es wisset. Wie es scheint, so hätte Kaiser Wilhelm II wohl vieles abwenden können, wenn es seiner Sache hätte dienlich sein wollen. Nun auch, wie Gott es will und fügt, aber so ein Krieg, worin beinahe ganz Europa darin verwickelt würde, wäre doch zu schlimm, aber wir und ihr können es nicht verhüten.

Bitte berichtet wie es mit den Kindern sich weiter verhalten wird. Sonst gibt es nichts Neues von hier zu berichten, so will ich hiermit schließen, unter vielen Grüßen und Wünschen für das Beste.

 

In Liebe Euer Clemens und Familie. C. A. Hunck. 

 

 

Denver, Colo. den 14. Aug. 1914

 

Lieber Wilhelm.

 

Jetzt zum 3 ten Male will ich es versuchen, ein Brief an euch zu richten. Ich lege hier eine Abschrift bei, von einem Briefe, den ich an euch sandte am Freitag den 31 Juli 1914. Nachdem ich denselben abgesandt hatte, lese ich, das es vielleicht lange dauern kann, bis ihr denselben bekommt, weil ich nur 2 Cents aufklebte, um direkt mit Deutschen Schiffen zu gehen, aber die Deutsche Schiffahrt, wie auch manche der anderen sind ja eingestellt, so will ich jetzt 5 C. aufkleben, so das er mit irgend einem Schiffe befördert werden kann. Es sieht doch gar traurig aus, mit einem Kriege, wie ihn die Welt noch nie gesehen hat, aber jetzt förmlich angefangen ist. Am 1ten Aug. wurde dem Russen der Krieg er­klärt, und Frankreich und England sind ja heute schon dran, weil schon heftiges schießen in der Nord­see statt fand, und wie es scheint haben die Franzosen, die Preußen schon etwas zurück getrieben an der Grenze, wurden jedoch wieder heim geschickt. Die Russen (Kossacken) sind auch schon in Deutschland eingedrungen, und der Engländer, obschon der Preuße einige seiner Schiffe eingenom­men hat, so hat doch der Engländer die Kronprinzessin Cecilie, mit $ 11.000,000 in Gold von Amerika kommend in Beschlag genommen, und die Franzosen nahmen $ 8.000.000. die nach einer Deutschen Bank von Paris aus gesandt wurden in Beschlag. Ja, ja, es hat angefangen, wo und wie es aufhören wird, weiß nur Gott. Es ist traurig, das so ein Elend über die Welt kommen muß. Wie es scheint, zieht der Italiener sich vom 3 Bündnisse zurück, und es scheint mir, als ob dieses mal der deutsche Michel die Hände voll hätte. Weil es nun einmal so weit gekommen ist, so wünsche ich mit der Hilfe Gottes, das mein liebes Deutschland siegreich aus dieses Gemetzel heraus kommen wird, aber es scheint mir sehr bedenklich für Deutschland auszusehen, aber der Mensch denkt, und Gott lenkt. Möge er es zum besten Aller lenken und leiten.

 

Mit Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 19. Aug. 1914

 

Lieber Wilhelm & Alle.

 

Wir sind noch alle gesund und Wilhelm [Hunck] ist bei uns auf Besuch. Die letzte Neuigkeit ist der Tot unseres lieben hl. Vaters in Rom Pius PP. X (Giuseppe Sarto), welche Nachricht hier heute Nachmittag eintraf. Das letzte vom Kriegs-Schauplatz ist, das die gänzliche Festung Lüttich gefallen ist, und Brüssel nahe dran ist. Die Regierung ist schon seit einigen Tagen nach Antwerpen verlegt worden. Wie die Zeitungen hier heute berichten, sind die Belgier, von Schrecken ergriffen und laufen davon. Aber, hier berichten, den Deut­schen nicht zugeneigten Zeitungen, daß die Deutschen nur weiter in Belgien herein gelockt werden, um das dadurch alle in den Rachen des feindlichen Löwen geraten, aber ich denke und hoffe, das auch die Deutschen sich dort weiter durch zu fechten wissen mit Gottes Hilfe. Nun, bevor ihr dieses lest, wird ja die erste große Schlacht gefochten sein, und werden auch wir den Ausgang wohl schon erfah­ren. Eins ist fest, das wir nicht mehr gutes hier von den Deutschen zu hören bekommen, als die eben berichten müssen, weil es scheint, das viele, viele Engländer, Irländer und viele andere mehr den Feind zugetan sind als den Deutschen, und vieles wird gelogen in den Zeitungen. Auch sind die hiesi­gen Zeitungen nicht dafür sich zu blamieren, was die drucken, weil die eben das schreiben müssen, was ihnen von Europa berichtet wird, und da wissen wir, das alles, was jetzt hier ankommt, nur von Englischer oder Französischer Seite, also vom Feinde kommt, und die tun natürlicher Weise nichts gutes von ihrem Feinde aus posaunen. Es ist lächerlich wie es nur noch immer geheißen hat, wie die Deutschen verhauen wurden, und so und so viele immer verloren haben, und die Belgier - Franzosen haben nur ein paar leichte Verluste erlitten, aber das Merkwürdige dabei ist jedoch, das die Deutschen immer langsam, aber sicher weiter in Feindes-Land vorgegangen sind. Natürlich, wer da etwas von der Sache versteht, weiß, das solches nicht zusammen paßt. Freilich weis ich auch, das die Deutschen nur mit schweren Verlusten voran rücken konnten, aber das weis ich doch auch, das der Feind auch ihren Teil Verluste erleiden, sonst würden sie nicht losreißen. Freilich, es ist grausam, daran zu denken, wie so unendliches Elend mit diesem Kriege verbunden ist, aber das ist nun einmal nicht zu ändern, und wir wollen mit größter Zuversicht hoffen, das die Deutschen siegreich aus diese Mörderei heraus kommen werden, aber es scheint fast unmöglich zu sein, weil eben gar zu viele gegen sie sind. Viele Hunde hetzen einen Hasen tot, das Sprichwort könnte man hier auch anwenden. Gestern hieß es, Prinz F. W. sei gefallen, nachher hieß es, er sei schwer verwundet, und heute heißt es aber, das er nur leicht verwundet sei, und so geht es mit allen Nachrichten. Auch wird hier immer berichtet, das die Franzosen so große Fortschritte machen in Elsaß-Lothringen, aber wenn die Zeit kommt, wird ihnen auch da wohl noch Halt geboten werden. Wenn nun aber der Russe mal fertig wird, wird es wohl noch mehr zu fechten geben. Nun, jeder kann nur seine Pflicht und Schuldigkeit tun, und das andere dem lieben Gott überlassen, der ja alles zum besten leiten und lenken wird. Ich muß aber immer an das große Elend denken, was mit diesem Kriege verknüpft ist, und freue ich mich wirklich jetzt, das ich mit die meinigen in Amerika bin, jedoch wer weis, wie es noch ablaufen kann, ob nicht auch Amerika nicht noch darin könnte verwickelt werden, aber gar leicht wird das doch nicht der Fall sein, jedoch sind die Ja­panesen ja schon auch fertig, aber jedenfalls nur durch England dazu angespornt. Ich sage, die Franzo­sen und Engländer, sind als gebildete Leute bekannt, sollten sich schämen, den ungebildeten Russen, welche als Barbaren bekannt sind, zur Seite zu stehen, gegen ihren Friedsamen Nachbarn, Deutschland und Österreich, aber der furchtbare Neid dieser beiden, einer wegen empor schwingen zu Welthandel, und jener wegen das verlorene Elsaß-Lothringen, ist wohl die Schuld an der ganzen Sache, das hat de­nen schon längst im Magen gesessen, und konnten es nicht verdauen. Wartet mal ab, denn sollten diese Mächte es fertig bringen, den Russen in Deutschland herein zu helfen, so werden sie sich mal einen Prügel für ihren eigenen Buckel geschnitten haben, den dann würde auch noch mal die Zeit kommen, das den Russen noch nach mehr gelüsten würde, und möchte irgendwann auch England und Frankreich verschlingen, und sollte das noch mal kommen, so würde denen ganz recht geschehen, aber der Mensch denkt, und Gott lenkt, wie er es will, so wird es geschehen.

Bin doch sehr neugierig zu wissen, wie es mit eure Kinder ist, habe seit dem Eintreffen der Postkarte, mit dem Bauer am Butterfaß, nichts wieder von euch gehört, hoffentlich sind sie wieder gesund. Jetzt muß ich schließen, und warte mit Sehnsucht, um von euch zu hören.

Mit vielen Grüßen und den besten Wunsch für ein siegreiches Deutschland endigt hiermit

Euer Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 30. Aug. 1914

 

Habe noch immer nichts gehört von euch seit der großen Kriegsbedrängnis. Soweit sind die Franzosen ja noch am laufen, wenn auch mit viel Blut erzwungen. Jetzt nun aber machen sich die Russen fühlbar, hoffe aber, daß denen das selbige treffen wird. Hoffe nur daß die Kinder wieder gesund sind. Hoffe nicht, das auch du zu den Waffen gerufen wurdest. Hier ist alles wohl. Warte auf ein Lebenszeichen. Clemens

 

 

Denver, Colo. den 5. Sept. 1914

 

Lieber Wilhelm:-

 

Deine Karte vom zweiten August habe ich gestern erhalten, hatte schon lange auf Nachricht gewartet, aber so geht es jetzt, wo keine direkte Verbindung ist. Du sagst, wer weis, was uns die nächste Zeit bringen wird, und was hat sie schon gebracht? O, welches Unheil und Schrecken, welche Verwüstung, und was wird es von jetzt noch werden. Die Kräfte des Kaisers sind ja mit großen Siegen soweit ge­segnet, aber die Österreicher scheinen nicht so siegreich zu sein, und wurden ja immer von den Ser­bien & Russen verhauen, Der Kaiser [Wilhelm II], mit die Seinigen haben ja wundervoll getan, aber mit großen Verlusten an Menschenleben, und ich bin nur bange, das am Ende er es nicht aushalten kann, weil eben zu viele gegen ihm sind. O welch Elend wird es bringen, wo die Russen hausen werden, sollten jene die überhand bekommen in Deutschland. Ihr könnt froh sein, das die Franzosen nicht nach Deutschland herein sind, wie die Preußen in Frankreich, sonst wäre auch bei euch schon alles verheert und vernichtet sein, wie es jetzt in Belgien und Frankreich schon ist. Die armen Leute dort sind aber auch zu bedauern. Zu Anfang schrieb ich mal von Liege sei genommen. Liege ist Lüttich, wußte aber zur Zeit nicht, das man die Stadt in Englisch Liege nennt. Wie wir in 1900 von Paris kamen, sind wir durch diese ganze Gegend gekommen, von Paris nach St. Quinten, Charleroi, Namur, Lüttich über Aachen nach Köln. Hier, wie ich schon früher erwähnt habe, bekommen wir wohl jeden Tag mehrere Malen die Nachrichten, vom Kriege, aber alles ist in einem Sinne gegen die Deutschen geschrieben, obschon die Niederlagen der Vereinigten nicht gedruckt werden können, der ganze Sinn ist gegen die Deutschen. Wenn Schlachten gewonnen sind, so wird der Name des Platzes jetzt nicht mehr genannt, wo es vorfiel, kurzum, alles, was England und Frankreich nicht wünschen, in der Welt zu senden und berichten, wird verschwiegen, jedoch jetzt scheint es, als ob doch einige Nachrichten, auf Umwegen von Deutschland durch drahtlose Übermittelung in der Welt gesandt werden können, aber dieses ist nicht so klar und zuverlässig, als Telegraph per Kabel. Wir müssen uns mit dem begnügen, was wir bekommen soweit, bis mal alles klarer an den Tag kommt. Wenn auch die Franzosen berichtet wird, das sie als die Klügsten, sich zurück gezogen haben, so ist das doch immer mit kühlem Kopf, und in aller Ordnung geschehen, um die Deutschen in die Falle zu führen, und dann werden sie es ihm, den Deutschen aber geben, bis die Nachricht wieder kommt, das ein weiterer Rückzug, freilich in aller Ordnung bevorzugt wurde, ha. ha. Wir Deutschen haben hier so zu sagen, manches zu leiden, oder zu verschlucken, weil eben 2/3 der Leute hier gegen die Deutschen sind, aber das die Deutschen gut fechten, da können sie doch nicht mehr gegen protestieren, was wir doch auch wieder zurück geben zum verschlucken, und weiter können wir nicht viel einwenden, und müssen abwarten, aber bin doch um den Ausgang schließlich besorgt, aber man kann auch nicht wissen, wie sich etwas drehen kann, der Alte Gott lebt noch, und wird es zu unser Aller Besten zu lenken wissen. Unser gute Pabst ist nun auch gestorben, und haben einen andern wieder. Es muß gestern oder Vorgestern wieder hart her gegangen sein auf den Schlachtfeldern, und werde wohl davon hören, wenn ich in Mitte der Stadt komme, heute Morgen, denn jetzt ist es etwa 8 Uhr früh.

Wir sind noch alle gesund, und hoffen, das es jetzt bei euch auch so sein wird. An Rudolph [Hunck] sein Bein muß noch einmal operiert werden in nächster Zeit, und hoffen Erfolg, welches uns die Dok­toren versprechen, und sagen, es sei nur noch ein kleines Stückchen zu entfernen. Wie geht es dir und Franz Marschall, müßt ihr auch noch fort in den Krieg? Overhage, wird wohl auch Söhne bei den Sol­daten haben, schreibet sobald es euch möglich ist.  Gruß von Clemens und Alle.

 

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/WilhelmII/ Deutscher Kaiser und König von Preußen, Wilhelm II

 

 

Denver, Colo. den 27. Sept. 1914

 

Lieber Wilhelm:-

 

Ja, heute Morgen bringt uns die Zeitung wieder eine Nachricht von einem Deutschen Siege, an eurem rechtem Flügel unter von Kluck, und ein durchbrechen der Deutschen durch die französischen Linien an der Maas, wurde schon gestern morgen berichtet. Die Franzosen geben von Paris aus zu, daß die Deutschen einige kleine Fortschritte gemacht haben, und das die Englischen Truppen mit Franzosen und Türken und Mohren zusammen gegen von Kluck fechten, erst waren die Deutschen langsam im Angriffe zwischen die Oise und Soissons, aber als die anfingen, was das Feuer von den Kanonen und kleinen Geschützen (doppelt schrecklich). Wieviel die Franzosen etc. verloren haben, davon wird nichts gesagt, aber von den Deutschen wird gesagt, das 18 Züge mit deutsche Verwundeten über Aix-La-Chapelle nach Deutschland befördert wurden. Diese letzte der 18 Züge kommt von London. Auch wird von London geschrieben, das die Deutschen sich jetzt vorbereiten, um Antwerpen zu nehmen, indem sie deutsche und österreichische Kanonen, solche, als bei Maubeuge gebraucht wurden, dort in Zement aufsetzen, und Samstag hätten sie schon 18 Züge voller 126.000 Truppen nach Krakau ge­sandt, um dort die Österreicher auszuhelfen gegen die Russen. Hoffe nur, das alles gelingen wird, und das auch nur noch die listigen Engländer gehörig den hintern verkloppt bekommen, denn die haben es verdient. Sehe gerade heute, das König Georg 150.000 neue Soldaten inspiziert, die nach Frankreich abgesandt werden. Vor einen Monat schon schrieb man auch von London, das 250.000 Russen über London zum Französischen Schlachtfelde gesandt seien, die haben sich merkwürdiger weise noch immer gar ruhig verhalten, die scheinen noch keine Deutsche dort getötet zu haben, ha, ha. Lauter Lü­gen. Die Alliirten wird auf englisch "Allies" genannt, und zum Spott setzen wir ein l hinzu, und schreiben -- All-Lies -. Dieses letzte Wort in deutsch übersetzt heißt "Alles-Lügen", welches uns mehr richtig erscheint, denn Lügen werden uns von Paris & London in Massen zugesandt. In der heutigen Zeitung ist eine Depesche datiert Paris den 26 Sept. 10 Uhr Abends. Der Feind hat uns der ganzen Länge nach angefochten, ist aber überall zurück geschlagen worden. An unserm linken Flügel mach­ten wir Fortschritte. Auf die Höhe der Maas sind die Verhältnisse unverändert. Und in der "Wovere" Umgegend sind wir immer noch um Tarrain zunehmen, oder Boden zu gewinnen. Also ganz das Ge­genteil von der Wirklichkeit. Auch der ganze Sinn in den hiesigen Amerikanische Zeitungen sind ge­gen die Deutschen, welches Stark durch die Gardienen scheinen, um klar zu sehen. Freilich, wenn der Deutsche gar zu große Fortschritte macht, oder Schlachten gewinnt, können sie nicht umhin, etwas davon zu berichten. Ich sende hiermit einige gelungene Zeitungsbilder, wo von jenes vom 16 Sept. mehr als spöttisch ist, wo der Kaiser erst im August nach den Siegen den Schnurbart so hoch trägt, und im September bei den Rückzügen der Deutschen, läst er die Helmspitze, Backe, Schnurrbart, und alles herunter hängen. Ich habe schon gleich gedacht damals, daß das zurückziehen von Paris schon seine guten Gründe hätte, weil beim Rückzuge von den Franzosen fast nichts erobert wurde an Geschützen noch Mannschaften, so dachte ich gleich, die werden sich schon mal wieder stellen. Vielleicht war ih­nen das Paris damals einzunehmen, ein zu großer Brocken gewesen, um sich den Buckel frei zu hal­ten. Wie gedacht, so kam es, den am 18. Sept. hat der Deutsche Michel anscheinend den Schurrbart mal ordentlich nach vorne gestreckt, ha, ha. Siehe Bild. Auch wie der Admiral Jellico von Churchill den Befehl erhalten hatte, das Deutsche See-Geschwader zu finden, und zu zerstören, da auf einmal ruft er "Ich habe es gefunden, als der deutsche U # 9 alle 3 gefunden hat, aber der Admiral hat sich die Finger arg verbrannt. Siehe Bild. Auch wurde hier vor einigen Tagen geschrieben, das in Berlin Pla­kate aufgeschlagen sein sollten. "Wir wollen Frieden haben, herunter mit dem Kaiser" glaube kaum, das es wahr sein könnte. Habe die Zeitungen, Münsterischer-Anzeiger erhalten, und mit Interesse ge­lesen, auch kamen vorgestern, drei Dülmener Zeitung in einem Umschlage, an. Danke bestens dafür. Jetzt denke ich daran zu fragen, hast du auch den Waisenfreund Kalender bekommen für 1915? Die zwei Briefe kamen hier zu gleicher Zeit an, die Karten sind gelungen, besonders diejenige, wo der Deutsche den Russen übers Knie hält. Also soweit vom Kriege, und will ich jetzt warten, was wir weiter darüber lesen werden, ich wünsche und bete für euren Erfolg, aber als ein Wunder in der Welt­geschichte würde es dastehen, sollte der Kaiser mit seinen tapferen Deutschen seine oder ihre Feinde besiegen, das heißt bis am Ende des Krieges, "Nun, wir wollen hoffen."

Es freut uns zu wissen, das die Kinder wieder soweit hergestellt sind, und wird auch der Franz [Die­kemper] wohl wieder zu Hause sein wird. Ich sehe im Anzeiger, das eure Weide gesperrt ist wegen der Maul & Klauenseuche. Ich weis eigentlich nichts von der Krankheit, als den Namen nach. Ist das sehr schwer zu heilen, und wie kann das so ansteckend sein? Und wie geht es euch mit der andern Krank­heit der Kühe? Es wird auch sehr hart sein für Franz Marschall und Frau, denn einen Zwilling verloren zu haben, habe neulich einen Brief an ihm geschrieben, wie auch an Overhage, und Bontrup. Wir sind alle gesund, bis auf Rudolph [Hunck] sein Bein, welches noch nicht ganz gut ist, der Dr. weiß noch richt recht, ob eine Operation bis auf den Knochen nötig sein wird oder nicht. Er hat es ein wenig wie­der aufgeschnitten, damit es nicht zu früh verheilt, ehe es von unten herauf gesund aufgewachsen wird. In der letzten Röntgen Strahlen Beleuchtung hat sich noch etwas gezeigt, und seitdem ist nun noch ein kleines Stückchen Knochen mit den Eiter herausgekommen, nun will er noch erst warten, wie es sich weiter zeigen wird. Das beste an der Sache ist soweit, das er keine Schmerzen daran hat, es sei denn, wenn es verbunden wird, und die Chapii hierbei gepreßt wird, dann tut es manchmal weh, aber am ge­hen kann man es kaum bemerken. Diesen Monat ist es ein Jahr gewesen, seit der größten Operation. Bertha [Hunck] ist noch auf ihren Platz, und Wilhelm [Hunck] war im letzten Monat hier für zwei Wochen auf Besuch. Clara [Hunck] geht wieder wie im letzten Jahr bei den Schwestern in die Schule. Sie wird ihre Studien im nächsten Juni einstellen, wenn sie zu graduieren gedenkt. Werde deinen Brief der Bertha [Hunck] zusenden zum lesen, die interessiert sich an den Kriegsberichten der Deutschen, aber zweifelt auch ein wenig an der Ausharrung, bis am Ende, weil eben die Überzahl zu groß ist und das der Feind es möglicher Weise länger aushalten kann, weil eben zu viel Zufuhr den Deutschen ab­geschnitten ist. Freilich, es möchte nicht so lange dauern, wenn die West Armee die Franzosen und Engländer nur bald ganz aufreiben könnte, dann würde der Kaiser auch mit dem Waschbären besser fertig werden können. Die Österreicher scheinen nicht so siegreich zu sein, als des Kaisers Truppen, somit tut er auch wohl von seine Truppen denen zur Seite stellen in Galizien, und hat von den Öster­reich welche mit sich gegen Frankreich. Nun, ich hoff, ehe dieses in eure Hände fällt, noch von man­chen großen Siegen der Deutschen und Österreicher zu lesen. Ich habe noch nicht so viel gegen die Franzosen, die tut es natürlich leid, das Elsaß-Lothringen. verloren zu haben, aber der Engländer und Russe, haben gar keinen gerechten Grund, und ich wünsche nur zu sehr, daß sie es gar gründlich von den Deutschen kriegten. Auch den Belgiern geschieht Recht, weil sie eben im Geheimen mit den Franzosen halten, und weil sie so unverschämt die Deutschen Soldaten niederschossen, ja sogar sollen sie die Deutschen, die in Antwerpen wohnten, ehe der Krieg im Gange war, schon sehr mißhandelt haben, indem sie Frauen und Wöchnerinnen bei den Haaren aus den Häusern geschleppt hätten, sie zerschnitten und anderweitig gepeinigt, und Kinder aus dem 2ten Stock geworfen und wenn sie auf der Straße noch lebend gefunden, gesagt hätten: O, du verd.... Preußen Kind, bis du noch nicht tot, und dann mit den Füßen zu Tode getrampelt hätten. Solches sollte man kaum für wahr oder möglich hal­ten, aber unser Waisenfreund hat es so berichtet, vielleicht hast du es selbst gelesen. In Mexiko sind sie auch schon wieder am kriegen, man glaubte, es sei am Ende, als die Rebellen ihren Caranza als vorläufiger Präsident in der Stadt Mexiko hatten, aber jetzt schon zeigt sich der Bandit Villa wieder unzufrieden, und sammelt sich Mitgesinnte an, um nun Caranza wieder zu stürzen. Die neuen Ge­fechte dort sind im Staate Sonora, in welchem die viel versprechende Goldgrube ist, und somit sind diese guten Hoffnungen schon wieder ins Ferne geschoben, wenn nicht auf immer, ha, ha. Mit der Zeit pflückt man Rosen, wird auch sich hier wohl bewahrheiten wollen. Welche sind es denn, die in Mer­feld als verwundet verzeichnet sind, oder darf das nicht geschrieben werden. Man sagt hier, das die Briefe aufgemacht werden, welches ich kaum glauben sollte, jedoch ein von deine Briefe war auf, aber ich dachte, es sei das Zufall. Wir Deutschen bekommen wohl von Zeit zu Zeit andere Nachrichten, als uns die Englische und Amerikanische Presse bringt, und wir glauben die Lügen lange nicht alle, aber oft weis man nicht, was man glauben und nicht glauben soll, denn, wer einmal lügt ect. Auch kann man es hier den Amerikanern nicht so ganz für Übel nehmen, wenn die es glauben, wie es die Zeitun­gen hier bringen, weil die eben keinen andern Weg haben, um die Richtigkeit der Sache zu erfahren.

Jetzt für dieses mal will ich hiermit schließen, und wenn es geht, so schreibe mal bald wieder, den in dieser Zeit liebe ich besonders von euch öfters zu hören.

Mit vielen Grüßen von uns allen, an euch allen von eurem Clemens.

Anbei. Viele Städte und Plätze werden hier anders geschrieben als bei euch, so heißt Lüttig "Liege" Antwerpen "Antwerp" Löwen "Louvain" Maas "Meuse" Köln "Colougne" ect. und so ist es auf dem Östlichem Kriegs-Schauplatz auch mit vielen, und Petersburg hat der Zar aus Deutschenhaß in Petro­grad umgeändert. 

 

 

Denver, Colo. den 20. Okt. 1914

 

Lieber Wilhelm & Alle:-

 

Deinen Brief vom 25 September habe ich gestern erhalten, und freuen wir uns für erstens, das die Kinder wieder gesund, respektive völlig wieder hergestellt zu werden, in der besten Aussicht sind. Auch hoffen wir, das unser Rudolph [Hunck] mit der Zeit kuriert wird, sonst sind wir alle gesund. Ja es freut uns auch zu wissen, das es mit dem Kriege soweit unter den Umständen recht gut geht. O die Überraschung des Einnehmens von Antwerpen, das hätte die Herren nicht geträumt, und da die Deut­schen jetzt in Ostende sind, so wird der John Bull schon Angst genug haben für die Zeppelin Besuche etc. Lege hier ein Bild aus unserer Zeitung bei, wo der Wilhelm [Kaiser] auf der "Krupp" sitzt, und ihm zuklatscht, und wer weis, was nicht schon geschehen sein mag, ehe dieses in eure Hände kommt. Das Bild ist gelungen, du mit deiner großen Flotte, ruft ihm der Wilhelm [Kaiser] zu. Das wir die Wahrheit nicht hier bekommen, wissen wir recht gut, aber etwas müssen sie uns doch hie und da wis­sen lassen, wenn die Niederlagen gar zu groß werden. Gerade jetzt schreiben die Franzosen, in welch großer Gefahr der Deutsche rechte Flügel steht, und mit Eins wird es heißen, das der Franzose, und Englischmann sich in "Aller Ordnung" ? zurück gezogen hat, um es dem Michel nachher um so besser geben zu können, ha, ha. Deine Briefe werde ich wohl erhalten haben, aber nach die Daten kann ich gerade jetzt nicht sagen, habe sie nämlich zu unserer Bertha [Hunck] geschickt, damit sie sie lesen kann, sie interessiert sich für euch, und die Deutschen. Von den Zeitungen habe ich die zwei Rollen des Münsterischen Anzeiger wohl erhalten, aber vom Dülmener Anzeiger habe ich nur drei vor einer Woche erhalten. Zur Zeit kamen wahrscheinlich die ersten Ausgaben des Dülmener Anzeiger mit dei­nen Briefen, nachdem du sie bei der Redaktion bestellt hast. Habe auch die Grüße Vermerkung von Herrn Homan notiert, und bitte, ihm meinen Gegengruß zu überbringen. Eure Zeitungen interessieren mich sehr, nur schade, das sie so lange nach dem Erscheinen erst hier sein können. Aber doch sieht man, wie es so ganz anders steht, als der Feind es uns zu wissen wünscht, Petrograd schickt uns wohl noch die gröbsten Lügen, jedoch alles in Allem genommen, scheint der Zar doch mehr zu schaffen zu machen dort, als gar lieb ist, aber werden doch wohl mit ihm fertig werden. Die Festungen hindern Euch nicht mehr viel, wenn ihr nur mit dem feindlichen Heere, nur so leicht fertig werden könntet im offenem Lande. Hoffentlich wird es gelingen, die große entscheidende Schlacht recht bald zum Ruhme der Deutsche geschlagen zu sein, und hoffentlich schon, ehe dieser Brief bei euch ankommt. Jetzt will ich für diesmal schließen, weil ich von keine weitere Neuigkeiten zu erzählen weis, und hoffe recht bald die glänzendsten Neuigkeiten vom Kriegsschauplatz wieder zu lesen.

Mit vielen Grüßen an euch allen von uns allen Clemens.

Die Karten sind auch sehr interessant.

 

 

Denver, Colo. den 10. Nov. 1914

 

Lieber Wilhelm & Alle:-

 

Die letzte Karte von dir, ist die mit den Grüßen von Krupp & Zeppelin an die lieben Freunde in Eng­land, und schon über 1 Woche habe ich keine Dülmener Zeitung mehr bekommen. Diese Berichte darin sind wohl gar verspätet, aber den doch von Interesse zu lesen, weil sie so ganz anders sind, als uns von London &

 

 

Denver, Colo. den 11.Nov. 1914

 

Die längste und höchste Zahnradbahn in der Welt. Sende einige Zeitungen, so kannst du sehen, was hier auch bekannt wird. Noch keine Dülmener Zeitung angekommen. Hoffentlich wird Calais [unle­serlich??] und dann sendet mal die [unleserlich??] hinüber. Die englische Zeitungen lügen noch immer, glaube jedoch das ihr einige [unleserlich??] bekommen. Habet Ost und West nicht nachgeben, nur beste [unleserlich??]. Clemens. Alles wohl.

 

 

Denver, Colo. den 17. Nov. 1914

 

Habe gestern eine Rolle Münsterischen Anzeiger erhalten, wie auch Dülmener Anzeiger vom 20. 22. und 28 Oktober, habe jetzt genug zu lesen. Es scheint hart zu sein, nach Calais zu kommen um die schönen Grüße nach England zu senden, sollte aber unbedingt geschehen. Alles wohl hier. Sind eure Kinder wieder alle gesund? Ein großes Schiff ähnlich [unleserlich] dem Stein. Bin schon zwischen [die letzte Zeile ist nicht mitkopiert]

 

 

Denver, Colo. den 29. Nov. 1914

 

Lieber Wilhelm, gestern und heute lesen wir hier über die größten Siege der Russen über die Deut­schen, und der Deutsche Herold von hier schreibt von eben so große Siege der Deutschen über die Russen. Wie gewöhnlich werden die Russen wohl wieder ordentlich gelogen haben. Karte von "John Bull in Nöten" erhalten. Auch Münsterischen Anzeiger, aber keine in den l0 Tagen. Alles wohl hier. Calais scheint noch hart zu erweichen.

Mit Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 2. Dez. 1914

 

Habe Brief und Zeitungen erhalten, aber keine Karte. Haben hier auch gelesen von die Überraschung der Engländer bei Hartelpool etc. Auch von Hindenburgs Siege in Polen. Ja der Waisenfreund schreibt richtig, und wir verstehen die Lügen der Alliierten schon ziemlich gut. Rußland und England verste­hen es am besten. Rudolphs [Hunck] sein Bein ist noch immer nicht gut, muß nach den Feiertagen noch mal operiert werden. Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 8. Dez. 1914

 

Diese Karte zeigt eine merkwürdige Steinformation. Habe gestern die Rolle Münsterischer Anzeiger erhalten. Habe auch hier gelesen von dem großen Sieg bei Lodz in Polen. Wenn es nur mal ein Aus­weg nach Calais geben wollte. Dort und überall in Frankreich scheint es gar langsam voran zu gehen. Wir wünschen euch allen ein fröhliche Weihnachten und ein glückseliges Neujahr, welch letzteres recht bald den lieben Frieden wieder bringen wolle.

Alles gesund und hoffe es so von euch allen. Clemens

 

 

Denver, Colo. den 15. Feb. 1915

 

Wünsche es wäre deutsch. Ich las letzten Samstag wieder von dem großen Hindenburgs Sieges. Gra­tuliere dazu. Habe seit längerer Zeit kaum Karten von dir bekommen. Auch sollten schon mehrere Dülmener Zeitungen hier sein. Rudolph [Hunck] sein Bein ist am 3 Februar nochmals operiert worden, von einem 3ten Arzt, der gute Versprechungen macht. Sonst alles wohl. Es ärgert immer, das America [unleserlich] abgeneigt ist. Clemens.

 

http://www.salldata.dk/privat/lars/ww1/ww1-t.htmlDie Schlacht am Tannenberg,Hindenburgs Sieg

 

 

Denver, Colo. den 17. Feb. 1915

 

Lieber Wilhelm und alle:-

 

Habe lange keinen Brief mehr geschrieben, weil es gar nicht sicher ist, ob sie je ankommen, und wenn sie zuletzt ankommen, so dauert es ja 4 bis 5 Monate, will es dennoch einmal versuchen:-

So my Brittish censor please to let this go to its destination, for in this whole letter, there will not be anything written, that will have any influence or bearing on the war whatsoever, for the whole will only be a family afair.

Wir sind so weit noch alle recht gesund und hoffen so von euch allen. Unser Rudolph [Hunck] ist zwar noch nicht ganz wieder kuriert, aber haben doch Hoffnung, das ihm das Bein erhalten bleiben wird. Habe vor etlichen Tagen eine Karte gesandt, und die Ankunft einiger Karten von dir bestätigt, obschon es gar lang gedauert hat, ehe sie hier eintrafen. Ich habe oben in Roth die Britische Zensur gebeten, diesen Brief ungehindert an euch weiter gehen zu lassen, weil eben nichts von dem Kriege darin ent­halten sein würde. Die Kriegs-Neuigkeiten lesen wir täglich. Weiter kann ich von uns sagen, das der Wilhelm [Hunck] immer auf Reisen ist, wir erwarten ihn hier in etlichen Wochen bei einer Durchreise. Bertha [Hunck] ist noch immer bei Ihrem Herrn Pfarrer, und wird auch noch wohl dort bleiben, Clara [Hunck] ist auch in Royalton in der Post-Anstalt beschäftigt, und Rudolph [Hunck] ist zu Hause. Wir haben schon seit einem Monat seinen Dr. erwartet, ist aber soweit noch nicht gekommen. Die Wunde will immer noch nicht ganz zu heilen, wenn es bald zuzuheilen scheint, dann bricht es doch immer wieder auf, und kommt etwas Eiter zum Vorschein. Der Dr. wohnt etwa 200 Meilen von hier. Rudolph [Hunck] ist seit dem letzten Juli 21 Jahre alt. Er ist gar lang und schlank, ist etwas größer als ich. Clara [Hunck] ist im Verhältnis nicht so groß, ist jetzt etwa 23 Jahr. alt. Clara [Hunck] wird wohl nächsten Juni heiraten mit dem jüngsten Sohn von Hermann Wesselmann welcher Ludwig [Wesselmann] heißt, er ist vom selbigem Alter, wie die Clara [Hunck]. Er beschäftigt sich mit Automobile-Arbeit in St. Cloud Minnesota sonst ist die Wesselmann-Familie hier. Er ist der jüngste Sohn von Wesselmann, und seine Mutter ist bald nach seiner Geburt gestorben. Wie ihr ja wißt, war die Frau eine Edelbrock, "Kortgödden" Tochter. Dieser Ludwig [Wesselmann] ist bei seine Großeltern aufgewachsen, und ist auch immer dort bei dieser Familie geblieben, und ist auch jetzt noch im Haus der Großeltern wohn­haft. Seine zwei Tanten, Maria und Theresia Edelbrock, wie auch ein Onkel sind unverheiratet, und bewohnen das elterliche Haus, und er mit denen. Obschon auch der Wesselmann eine gute Familie hat, ist er dort in St. Cloud besser aufgezogen worden, als Wesselmann es hätte selber tun können auf der Farm. Wesselmann hat eine Familie von 5 Jungen, und 2 Madchen. Der älteste Sohn ist verheiratet, und wohnt hier auf einer Farm. Seine 2 Mädchen sind auch hier verheiratet, und wohnen auf einer Farm, und 2 Söhne sind hier noch unverheiratet, und sein 3 ältester Sohn, Alpfons [Wesselmann] stu­diert (Teologie) um Priester zu werden. Dieser wird aller Berechnung nach nächsten Sommer geweiht werden, und er wird hier in Denver nächsten Juni seine erste Hl. Messe lesen, und wir sind dabei uns zu beraten, daß er in seiner Primuzmesse seinen Bruder Ludwig [Wesselmann] und unsere Clara [Hunck] verheiraten soll, und somit werden wir eine große Festlichkeit veranstalten. Wir werden den ersten Tag hier bei uns feiern, und am nächsten Tage im Hause Wesselmann. Nun lade ich euch Alle hiermit ein, um euch an unserer Festlichkeit "Hochzeit & Priesterweihe" zu betheiligen. Ich sage es nun früh genug und ihr werdet hoffentlich zur Stelle sein. Der wirkliche Tag wird nun noch näher be­stimmt werden, aber sehet zu, das ihr am ersten Juni hier seid, so wird es dann noch früh genug sein, und dann solltet ihr wenigstens einige Monate hier bleiben. Von Minnesota, etwa 1000 Meilen von hier erwarten wir ungefähr 10 Personen, der Pastor Plachta, bei dem Bertha [Hunck] im Haushalt ist, will auch kommen. Die Clara [Hunck] wohnt jetzt dort im Pfarrhause. Das Postamt ist nur etwa 1/2 Kilometer vom Hause gelegen, und Kostgeld braucht sie dort nicht zu geben, so was sie verdient ist alles Ihres. Ich glaube sie bekommt $ 1.00 per Tag. Das Verlobungsfest ist am letzten Weihnachten gefeiert worden und Ludwig [Wesselmann] hat er ihr einen Diamant Ring geschenkt. Vor zwei Jahren war er hier, als er seinen Vater und Geschwister besuchte. Als wir bei Wesselmanns im Haus waren, haben wir ihn nach uns zu einem Besuch eingeladen. Dadurch ist die Bekanntschaft mit unserer Clara [Hunck] angefangen.

Es tut mir selber leid zu erfahren, das sich mein Alter schon sehr anmerken läst, ich dachte immer, das ich noch immer mit denselben Eifer bei der Arbeit sei als früher, aber doch, die Tage sind dahin, und das Alter tritt heran, ob ich will oder nicht. Wie alt bin ich den jetzt? Etwa 74 müssen es sein, aber den Geburtstag weiß ich nicht, was für ein Datum ist es ? Ich war letzten 30 Sept. 70 alt. Ich fühle mich doch noch gar rüstig, jedoch wenn ich in der Geschwindigkeit etwas ausrichten will, geht mir der Atem auch schon schnell aus, oder besonders, wenn ich zu laufen anfange. Solches passiert mir nun aber so ganz leicht nicht, weil ich mir beim Laufen Zeit lasse. Das weis ja auch mein Bruder Wilhelm [Diekemper] in Dülmen gar wohl, und er sollte es auch nur langsam kommen lassen. Aber es wird ja so viel Arbeit geben, daß das langsamer gehen lassen eben gar nicht so gut geht. Du schriebst mir auch, als ihr unser letztes Bild erhalten hattet, das ich und meine Frau gar sehr gealtert wären, dieses ist auch wohl wahr, aber der Bart hat mich alt aussehen lassen. Ich habe nun denselben vor einem Jahre ab­schneiden lassen. Ich habe Euch ja schon ein kleines Bildchen ohne Bart zugesandt und werde noch mal eines beilegen, was ich vor einigen Monaten noch hab machen lassen. Ich denke, das ich da noch nicht so alt ausgesehen habe. Ich bin wohl gar grau, aber die meisten Leute halten mich für 50 bis höchstens 60, aber das ich 70 wäre, wollen kaum welche glauben. Ich habe einige große Bilder ma­chen lassen, und werde eins davon schicken, sobald die Postsachen mal wieder ihren gewöhnlichen Lauf annehmen. Diese sind etwa 8 X 10 Zoll groß. Haben auch Bilder abnehmen lassen von das innere von drei von unseren Zimmern, wovon ich auch welche schicken werde später, mit vollständige Be­schreibungen dabei, letztere habe ich schon fertig, will aber mit dem absenden noch etwas warten. Das Bild was ich heute sende ist nur von dem großem abgenommen, was ein Nachbarn getan hat, welcher die eigentlichen Foto-Platten nicht nacharbeiten kann. Nach etwa ein Monat von jetzt war ich willens eine Reise nach Texas, wo wir einige Jahre gewohnt haben zu machen, um Geld einzutreiben dort, und möchte auch den gleichzeitig bis nach Florida herum fahren, wo ich etwas Land habe, um zu sehen, was das eigentlich wert ist, und ob es sich verkaufen ließe, habe dieses Land nie gesehen. Habe dort bloß 20 Acker und 3 Bauplatze in einer neuen Stadt. Mit der Goldgrube in Mexiko ist es noch nichts, weil immer noch die Revolution dort wütet, und es nicht sicher erscheint, für einen Amerikaner  sich dort hinein zu wagen. Im allgemeinen sind wir in Mexiko nicht als sehr willkommen betrachtet, und somit muß das ruhen, bis auf spätere Zeiten, wie lange, wer weis es. Habe seitdem noch Anteil ge­nommen an eine "Molybdenum Grube" im Staate Arizona, die scheint besser voran zukommen. Mo­lybdenum ist ein Metall, welches gar viel zum erhärten von Stahl zur Herstellung von Geschützen, und gar vieler anderweitigen Gegenständen gebraucht wird, und ist sehr kostbar, weil es eben gar rar ist. In dieser Grube soll es aber in großer Menge gefunden werden. Dieses ist meistens von denselben Leuten oder Co. der Goldmiene geeignet, und ist etwa vor einem Jahre erst angekauft worden, weil eben das in Mexiko nichts eingetragen wollte oder konnte. Wie ich zutrat, fehlten noch etwa $ 75.000.00 um im vollem Gange zu kommen, wofür noch weitere Anteile verkauft werden sollten. Da auf einmal fand sich einer, welcher $ 160.000.00 als sein Anteil von nirgends einer andern Einlage erhalten hatte, die­ser hörte von unserer Miene. Er reiste hin, um alles selbst in Augenschein zu nehmen, und kam dazu, um $ 100.000.00 einzulegen mit dem Verständnisse, das keine weitere Anteile mehr verkauft werden durften. Als dieses Geld nun dazu kam, war es vollauf genügend, um alles im Gang zu setzen, das heißt, um alle nötigen Maschinen und alles andere anzuschaffen, welches den auch gleich geschehen ist, und es ist alles jetzt in vollem Gange, und man verspricht uns in etwa 3-4 Monate von jetzt an die erste Gewinn-Verteilung zu erhalten, wenn alles gut geht. Es wird drauf gerechnet, das etwa 10 C. Anteil gezahlt werden möchten, und ich habe 500 (Shares) oder Anteile, welches $ 50.00 sein würden. Aber abwarten, und dann Tee trinken heißt das Sprichwort. Ich habe augenblicklich wohl reichlich Grund-Eigentum, aber das Geld ist gerade nicht so vollauf, wenigstens nicht um irgend welche andere Anleihen ankaufen zu können. Diese Mienen Anlagen, oder vielmehr die Anteile an solche, sind nur gar oft nicht viel wert, weil die kleineren Teilhaber gar oft um Ihres betrogen werden, weil es nicht ehrlich zugeht. Und da heißt es aufgepaßt oder Trau Schau Wem? Aber ich hoffe es mit guten Leuten zu tun zu haben. Möchte gerne auf meine alten Tage ein leichtes Einkommen haben, denn etwas leichtes ist ja immer meine Absicht gewesen, ha, ha.

Nun Bruder Bernard [Diekemper], laß dir das alt werden nur noch nicht einfallen, denn so lange wie du noch da bist glaube ich mir noch immer etwas sicherer zu sein, denn das Alter geht vor hat ja Eu­lenspiegel mal gesagt. Also was meinst du. Dürfen wir uns noch mal etwa 20 Jahre versprechen? Wie ich jetzt noch fühle meine ich als konnte mir in 20 noch wenig passieren? Aber, ja aber, und wieder so, wer weiß was für einem bestimmt ist? Es tut uns sehr leid um die Todesfälle in der Familie Bontrup, und Verletzung der Schulter, aber in solchen Fällen ist ja doch nichts zu machen, als Geduld üben, und Alles dem Herrn anheim stellen. Er hat es gegeben, Er hat es genommen, Alles was da noch übrig bleibt ist das Gebet, welches nachzusenden ich nicht unterlassen werde. Bitte grüßen zu wollen, und auch solche an Overhage, wie ist es den mit deren Familie noch? Auch möchte ich mich hiermit nach der Familie Frerick erkundigen und unsere besten Gruß für dieselben, und auch alle anderen, die nach uns fragen. Habet ihr mein Brief datiert am 30 Oktober auch erhalten. Möchte auch hier noch erwäh­nen, das Gertrud [Esselmann geb.Hünck] immer noch munter ist, habe vor kurzem noch ein Brief von ihr erhalten. Einer von Ihren Söhnen wohnt hier in unserer Umgegend. Unser Rudolph [Hunck] ist jetzt für einige Tage bei ihm mit unserem Auto. Dieser heißt Anton [Esselmann], er war letzte Woche etwa 8 Tage bei uns, er ist unverheiratet. Anton Plesker wohnt in Tillamook Oregon, unser Wilhelm [Hunck] hat ihn letztes Jahr auf seine Reisen besucht. Auch Heinrich Schultebein wohnt in Stayton, Oregon, aber nicht so nahe beim Pläsker. Pläsker hat eine Familie von l3 Kindern, ich habe sein Fami­lien Bild hier. Nun will ich schließen, sonst möchte euch das lesen verdrießen. Versuche mal bald wieder zu schreiben, und viel neues berichten. Also mit den besten Grüssen und Wünschen für alles Gute, und baldigen Frieden schließt hiermit euer Bruder und Onkel Clemens.

 Ich schrieb hier, das Anton Esselman (Gert. Huncks' Anton) unverheiratet sei, war aber mit einer in Minn. Verlobt, aber ge­rade in diesem Augenblick bekamen wir eine Karte von unsere Clara [Hunck], welche besagt, das die­ses Mädchen am Montag begraben wurde. Starb an Appendizitis (Blindarmentzündung).

 

http://www.db1hz.de/vpl/anl/vpl_anh10.html  Mineralien um Waffen und Raumschiffantriebsubstanzen u. ä. herzustellen

 

 

Denver, Colo. den 12. März 1915

 

2 Karten erhalten. Die Dülmener Zeitungen kommen aber sehr unregelmäßig. Es freut uns zu lesen, daß die deutschen Siege sich immer vermehren. Die 26.000 gefangene Russen sind ja zu 100.000 [un­leserlich??]. Sende heute 2 Herolds. Erscheint täglich, und berichtet nur vom deutschen Krieg und die Ereignisse. Die englischen Zeitungen lügen uns immer das Gegenteil vor. Es ist empörend, wir können es leider nicht ändern. Es macht aber doch die deutschen Waffen nicht krumm beim schießen, ha, ha. Rudolph [Hunck] ist noch im Hospital mit der Hoffnung auf Heilung. Sonst alles wohl. Werde Bertha [Hunck] schreiben, was du fragtest.

Werde bald ein Brief schreiben. Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 14. März  1915

 

Habe so lange nichts von euch gehört. Letzte Woche kam die Zeitung für 3 Wochen an einem Tage. Wir lesen von euren Siegen, und die engl. Zeitungen melden desgleichen als Erfolg für eure Feinde. Auch lesen wir vom gegenseitigen Aushungern u.s.w.

Rudolph [Hunck] ist im Hospital, mit Aussicht auf völlige Heilung.

Sonst alles wohl, Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 21 März 1915

 

Lieber Wilhelm & Alle:- 

 

Jetzt, gerade nachdem ich mit meiner Frau & Tochter Clara [Hunck] um 1/2 4 Uhr aus der Kirche komme, will ich die Zeit benutzen, euch ein liebes Briefchen zu schreiben, wie ich schon bereits auf einer Karte angedeutet habe, daß ich es tun wolle. Heute ist es hier in Amerika als ein allgemeiner Bettag, für den allgemeinen Frieden in Europa vom Allerhöchsten zu erflehen, vom Hl. Vater bestimmt worden. Das Allerheiligste ist den ganzen Tag über ausgestellt; und fortwährend mit Betern besucht, sowohl in unserer neuen, vor erst 3 Wochen eingeweihten Kirche, als auch in etwa 25 mehr Katholische Kirchen hier in Denver, und eben so, in Amerika. Hoffentlich wird der liebe Frieden bald wieder in Eurem Lande zurückkehren, aber leider nach menschlichem dafür halten, ist augenblicklich noch wenig Aussicht vorhanden, für ein baldiges Ende desselben. Wolle Gott es leiten und lenken, unserer Gebete erhören, weil doch bei Ihm nichts unmöglich ist, und möge er es recht bald so geschehen lassen. Letzten Sonntag war ich zu den Hl. Sakramenten, als unser monatlicher Sonntag, an dem wir nach Vorschriften unserer Bruderschaft, (Süßen Namen Jesu-Verein) zu dem ich, wie ich schon mal früher bemerkte, gehöre, und heute war es denn besonders, um Frieden von Gott er erflehen. Das Gebet ist ungefähr das Einzige, was wir Deutsche hier in Amerika für euch tun können, abgesehen, von Almosen geben zur Erleichterung der Notleidenden in Europa. Hier, die ungemein große Anzahl der Deutschen deutscher Abstammung sitzen hier im großen Mitgefühl für euch und eurer Sache, ja sogar mit großer Aufregung, und möchten gerne Hilfe leisten, wenn solche nur in unserer Macht stände. Wir sympathisieren sicherlich mit euch, aber unsere Englische Amerikanische Presse, Zeitungen sind ganz anders gestimmt, und sympathisieren öffentlich mit den Alliierten, und weshalb, kann man nicht ein­sehen. Jedenfalls hat England (John Bull) dafür zu Anfang gesorgt, in die Welt hinaus zu posaunen, das der (War Lord) Kriegsherr, Kaiser Wilhelm II allein schuld sei am Kriege. Er hat seitdem mit bester Hilfe von Paris, und besonders Petrograd immer weiter gelogen, um die Welt blind zu halten, wie die Sache in Wirklichkeit steht. Mann spricht sogar, John Bull habe die englische amerikanische Presse mit schierem Gelde zu seinem Gunsten gestellt, und was die New Yorker großen Zeitungen für uns auftischen, wird und muß natürlicher Weise in den andern Zeitungen des Landes wieder gegeben wer­den, und sind die letzteren nicht so sehr Schuld an dem was sie drucken, aber immerhin kann man es wohl mit Händen fühlen, wie sie von Herzen gestimmt sind gegen die Deutschen, in der Art und Weise wie es aufgesetzt ist, wie zum Beispiel etwaige Alliierte Siege mit großem hell rotem Druck oben auf der Vorderseite ausposaunt wird, wo hingegen deutsche Siege meistens in kleinem Druck auf inwendige Seiten kurz Erwähnung gegeben wird. Unsere größte Zeitung hat an Werktagen gewöhnlich 16 bis 18 Seiten 18 x 24 Zoll, und die Sonntägliche hat etwa 64 eben so große Seiten. Solcher ähnliche Zeitungen, (Tägliche) gibt es hier 4 in der Stadt, wogegen nur ein winziges deutsches Blatt täglich er­scheint. Diese deutsche Zeitung gibt uns nun wohl in Kürze aufrichtige Nachrichten, über die deut­schen Siege, aber nur in kurzen Depeschen, per drahtloses Funken, und schweigt auch natürlich über viele deutsche Verluste, was sie jedoch sagt, beruht, nach meinem Dafürhalten, auf Wahrheit. Diese Wahrheiten nun mit den unverschämtesten Lügen der englischen Zeitungen zu vergleichen, es ist gar haarsträubend, aber unsere Hände, wie angedeutet sind machtlos. So fängt zum Beispiel heute unsere englische Zeitung an mit der großen roten Überschrift, Der Kaiser ist in der größten Unruhe und Auf­ruhr, daß die Alliierten Truppen gelandet sind in den Dardanellen, fertig, die türkischen Festungen zu nehmen. Dagegen sagt uns heute die Deutsche Zeitung die Dardanellen gestalten sich zum Massen­grab der Alliierten. Zwei Britische Fürchtenichtse von türkischen Kanonen sind zerstört worden, und dabei denke ich gerade an dem Unglück des Franz. Bouvet, wo etwa 600 Mann mit unter gingen in 3 Minuten. Hier den engl. Zeitungen sagt, diese seien von fließende Mienen zerstört worden, und die deutsche Zeitung sagt uns, es sei durch Türkische Kanonen und Unterseebote geschehen. Freilich, die Engländer wenn sie ein Verlust nicht verbergen können, wollen es doch immer so geringfügig machen als möglich, und dann muß natürlich ein bißchen gelogen werden. Was wir für eine große Anzahl Lü­gen aufgetischt bekommen, daß ist nicht zu glauben. Möchte wissen, was Amerika darüber denkt, euch Deutsche, und uns mit euch, so sehr in den Hintergrund zu drängen, hat doch Amerika den Deut­schen vieles zu verdanken. Hier gibt man uns allgemein Credit dafür, das wir eine sehr gute Klasse, wenn nicht als die besten Bürger des Landes gelten, und so vieles getan haben, das Land urbar zu ma­chen, und das auch die Deutschen als die besten Bauern gelten. Oft hört man sagen, wenn man bei ei­nem Deutschen Bauer kommt, findet man immer was zu essen, was bei andern oft nicht der Fall ist. Im Bürgerkrieg hier in Vorzeiten, haben die Deutschen mit den Amerikanern für Recht und Freiheit gefochten, und haben den Deutschen gar vieles, wenn nicht am meisten den Erfolg zu verdanken, aber auch hier bewahrheitet sich das Sprichwort, Undank ist der Welt Lohn. Amerika mag es noch mal be­reuen, das es sich jetzt so Unneutral zeigt. Auf dem Papier will es natürlich neutral sein, aber in der Tat? Hätten wir nicht die drahtlose Station in Sayville, so würden wir nur langsam und wenig von der Wirklichkeit des Krieges erfahren. Auch diese Quelle hat man schon einige malen versucht zu zerstö­ren, aber ist soweit noch nicht gelungen. Wir sind schon so an deren Lügen gewöhnt, (natürlich ich meine unsere Lügen Zeitungen) das ich es schon erkenne, wenigstens meistens so, wenn es Lügen sind. Diese Woche haben sie auch noch wieder mal den Kronprinz als tot erklärt, er sollte nämlich von seinen eigenen Leuten ermordet worden sein. Zur selben Zeit lese ich in der Deutschen Zeitung das er zugegen war in einer Konferenz, gehalten an der Westfront. Well, laß sie lügen, das tötet keine Deut­schen, aber etwas ärgerlich ist es immerhin, aber es wird ihnen doch den endlichen Sieg nicht bringen und ich hoffe nur, das Deutschland fortfahren kann in ihren, so weit erreichten Siegen, bis am Ende, denn das Ende muß doch einmal kommen, und hoffentlich wird Deutschland die Lorbeeren heim brin­gen können. Ich sollte meinen, es muß den John Bull doch jämmerlich ärgern, die vielen Schiffe auf den Boden des tiefen Meeres versenkt zu haben, und dort ist noch Platz für manche mehr. Deine bei­den von Kluck & Hindenburg Karten erhalten, auch kommen die Dülmener Zeitungen in etwa 3-4 Wochen hier an. Ich sehe keine Verlustlisten mehr darin, ist das vielleicht verboten worden? Es ist gut, aber es scheint mir als recht ausnahmsweise und merkwürdig, das aus Merfeld soweit noch keiner ge­fallen ist. Ich habe eine Todesanzeige von Bontrup erhalten, und hoffentlich wird der andere noch ge­sund sein. Habe auch mal an Overhage geschrieben letzten Herbst, habe aber gar keine Antwort von dort erhalten, haben die nicht auch viele Söhne im Kriege, oder direkt an der Front? Werde bald an Bertha [Hunck] schreiben, und werde ihr sagen, das du gerne von ihr hören möchtest, ob sie deine Karten und Zeitungen erhalten hat. Der Priester in der Nachbarschaft, worunter ein französisch ge­sinnter, die fixieren die Bertha [Hunck] als öfter mit die Fleißige, oder dicke Bertha (Kanone) von Es­sen, aber die Bertha [Hunck] läßt nichts auf die Deutschen kommen, die weiß sich schon zu verteidi­gen. Auch machen sie Spaß vom Hindenburg, da heißt es, um ein Schornstein zu reinigen, braucht man bloß am Telephone gehen, und den langen Schornstein Hindenburg auf zu rufen, dann fliegt der Russ gleich oben hinaus. Lebe auch hier ein humoristischer Kosaken Brief bei, aber der hat auch ge­wiß bei euch schon längst die Runde gemacht. Von unserer Clara [Hunck] kann ich sagen, das sie im Juni graduieren wird, das heißt ihr Examen machen, und dann wird es mit ihrem Studieren ein Ende. Rudolph [Hunck] ist jetzt nach anraten von Wilhelm [Hunck] bei einem anderen Doktor in die Kur. Er ist in Salida, etwa 200 Meilen von hier, aber in diesem Staate. Er ist seit dem 3. Februar dort, der hat ja noch mehr von dem Knochen abgemeißelt, und sogar schon 2 mal, erst am unteren Ende der Wunde, und nachher am oberen Ende. Wie die Berichte lauten, sind die Hoffnungen auf vollständige Heilung sehr gut, aber es ist tückisch, und man kann es nicht mit eine völlige Gewißheit verstehen. Wir wollen das beste hoffen. Er schreibt uns, das es gut voran geht, und das er sich gut fühlt. Wilhelm [Hunck] hat sein Hauptquartier in dieser Stadt. Von dort aus bereist er die Umgegend, um Agenten anzustellen, für die De Laval Seperater (Rahmabnehmer) zu verkaufen, für etwa $ 100.00 monatlichem Lohn, und freie Beköstigung. Auch muß er zu Plätzen, wo große Märkte, oder Ausstellungen sind, um dort die Maschine zur Ausstellung zu bringen, und dem Publikum zu zeigen, und erklären. Wie bald das Ru­dolph [Hunck] wieder heim kommen wird, ist uns nicht bekannt, er wird wohl abwarten müssen, bis der Dr. sieht, das sichere Heilung eintritt und er nicht weiter daran operieren muß. Es kostet das auch viel Geld, aber wenn er nur wieder gut wird, dann ist das alles Nebensache. Der Anton Esselmann hat sich auch müssen operieren lassen, etwa vor 6 Wochen zurück wegen Gallensteine, beim selbigem Dr., der auch Rudolph [Hunck] hier in die Kur gehabt hat. Er hat über 400 dieser Steine heraus ge­nommen, und mußte die Gallenblase mit heraus geschnitten werden, um alle zu bekommen. Ich habe der Operation zugesehen. Nachdem er aus dem Hospital kam, war er einige Wochen bei uns, ist aber wieder zurück nach seiner Farm, etwa 15 Meilen von hier. Seine Mutter Gertrud [Esselmann geb.Hünck] hat sich am Knie weh getan. Als nämlich ihr großes Kind in der anderen Stube anfing, heftig zu weinen, wollte sie eiligst hin, fiel aber unglücklicher Weise über dem am Ofen schlafenden Hund, welches das Unglück herbei führte. Vor über zwei Monaten bin ich auch ganz unerwartet ge­fallen, aber doch nicht über einen Hund, den erstens haben wir keinen, und wenn wir ihn hätten, würde ihm das schlafen hinter dem Ofen nicht erlaubt. Ich wollte abends zur Kirche gehen, und vor dem Hause auf dem steinernen Fußweg war eine dünne Eisdecke abends angefroren, wo des Tages über etwas Schneewasser über gelaufen war, und sobald ich den Fuß auf dem Eise setzte, welches ich dort nicht vermutete, und obschon die Straßenlichter brannten, war es dort doch etwas dunkel. Ich fiel aber so schnell und unerwartet, wie nie zuvor. Ich fiel auf den rechten Arm und Schulter, habe zwar nichts gebrochen, ich meine Knochen, aber etwas ist nicht richtig, und tut es mir noch immer weh, im Ellbo­gen und Schulter, und auch im Knochen dazwischen, so das ich den Arm noch immer nicht aufheben kann. Es tut immer weh beim Kleider an- und ausziehen, und auch sonstige Bewegungen, eben beim Haarkämmen muß ich mit der linken Hand den rechten Arm unterstützen, kann auch des Nachts kaum von 5 bis 10 Minuten auf der Seite liegen, nun mit der Zeit wird es wohl doch wieder gut werden. Ja, wenn die alten Knochen mal so was abkriegen, dann hat es gefehlt. Vorigen Herbst hatte ich auch mal Blutvergiftung am linken Bein, hatte nur ein kleines Fleckchen ganz dünne Haut abgestoßen am Schienbein, welches nach mehreren Tagen ganz böse wurde, und bald schwoll mir das Bein arg auf, war Blutrot, und schmerzte sehr. Ich ging zum Dr. welcher mir, was sie hier Serum nennen, in die Haut eingespritzt, nachdem es sich in einigen Tagen besserte. Auch hatte ich vor kurzem die soge­nannte Gesichtsrose, welche man mir auf gleiche weise in einigen Tagen wieder kurierte. Sonst im übrigen fühle ich mich noch sehr gut, und wiege etwa meine 250 lb (Pfund). Meine Frau ist auch noch gesund, bloß sie klagt manchmal über etwas Rheumatismus in die Arme. Sie ist dieser Tage dabei, mir ein paar Strümpfe zu stricken, für ihren alten Soldat sagt sie, ich tue das nämlich wie früher in Deutschland, selbst nicht mehr. Heute Abend um 8.30 Uhr waren wir alle wieder zur Kirche zur Schlußfeier, mit Predigt und Segen, also dreimal heute zur Kirche für die Europäer, und besonders für die Deutschen, und ich hoffe, das Gott wolle, daß das allgemeine Gebet den so sehr erwünschten Frie­den, recht bald wieder kehren lassen möge.

Mit vielen Grüssen an euch alle von uns allen, und einer recht baldigen Antwort entgegen sehend, zeichnet in Liebe   C. A. Hunck.

http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/propaganda/deutsch/ Deutsche Kriegspropaganda 1900 bis Kriegs­anfang 1914 (John Bull)

 

 

Denver, Colo. den 24. März 1915

 

Habe vor 2 Tagen einen Brief geschickt. Hast du ihn erhalten? Das Bild ist eine von der Natur ge­formte Steinmasse einen Torbogen ähnelt. Es ist doch schade, das sich Przemyol ?? ergeben mußte. Dardanellen halten sich aber noch. Hier ist alles wohl.

Eine Karte von Rudolph [Hunck] sagt, er fühle sich wohl. Wie ist es mit dem Heinrich [Diekem­per??]?

Gruß an Alle Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 31. März 1915

 

Sieh die sogenannten Siamesischen Zwillinge auf der anderen Seite. Der Waisenfreund hat die engli­schen Lügen gut aufgezählt, wo ich euch von schrieb. Es geben aber noch alle Tage neue Lügen. Sonst nichts Neues.

Mit Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 23. April 1915

 

Diese Karte zeigt das Innere einer Höhle in den Bergen und ist eine wundervolle Ansicht, wenn alles elektrisch erleuchtet wird. Bekam mehrere Zeitungen, aber eine Karte oder Brief von euch schon lange nicht mehr. Wirst auch noch wohl einberufen werden, wenn nicht schon geschehen. Wie geht es denn sonst noch? Seid ihr auch schon am hungern, ha, ha?

Rudolph [Hunck] ist noch im Hospital, mit bester Hoffnung auf Heilung. Sonst alles wohl. Ich schrieb neulich einen langen Brief, ist er angekommen?

Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 9. Mai 1915

 

Lieber Wilhelm & Alle:-

 

Habe vor etwa einer Woche deine Karte erhalten, und sehe, das auch du noch die Ehre haben wirst, fürs liebe Vaterland etwas zu tun, wenigstens so viel, um die gefangenen Russen, Engländer Franzo­sen und das übrige Pöbel zu bewachen. Deutschland ist ja doch bald voll davon, und die Russen lie­fern ja noch täglich mehr Gefangene zu den vorhandenen Tausenden, laß nur keine entspringen. Es tut mir leid, ja sehr leid, daß du von deine Lieben dich trennen mußt, nicht allein wegen dem trennen, aber auch eben, weil du so nötig zu Hause fehlst, aber es ist die Zeit, um das Vaterland zu retten, und wer­det ihr es doch aus diesem Grunde zu verschmerzen wissen. Also nur mutig drauf los, denn daran fehlt es auch Deutschen nicht, das ist schon längst völlig bewiesen. Es ist merkwürdig, gerade jetzt, wo die Alliierten es auf den 1ten May gesetzt hatten, das dann der eigentliche Krieg, und Vernichtung Deutschlands anfangen sollte, das es gerade umgekehrt geht, denn seit den 1ten May ist es ja doch nur Sieg auf Sieg für euch. Gott wolle, daß es so und eben noch stärker weiter geht damit, um das doch in Bälde das Elend ein Ende nehmen möchte. Ich sende euch auch eine Zeitung von hier, nicht um euch lesen zu lassen, was ihr ja schon längst wißt, aber um zu zeigen, das auch wir immer unterrichtet sind, über das was vorgeht, aber nur die Deutschen Zeitungen bringen uns das in kurzen Depeschen. Die hiesigen engl. Zeitungen lügen nur noch immer feste drauf los. Auch jetzt sagen sie noch, das die Franzosen immer gewinnen, und die Deutschen mit gar großen Verlusten zurück treiben, und erst die Russen, wie die sich alles vernichtend durch die Reihen der Österreicher und Deutschen Reihen und Linien durchschlagen. Lächerlich ist es uns einerseits und eben so ärgerlich ist es anderseits, daß da versucht wird, uns solch gräßliche Lügen verschlucken zu machen. Möchte gerne eine solche Zeitung zu euch schicken, wenn ihr sie nur lesen könntet, aber so hat es ja auch keinen Zweck. Jetzt ist nun die Nachricht gekommen von den Untergang der Lusitania ein 7 Millionen Schiff, das können sie nicht gut durch Lügen ungeschehen machen. Jetzt aber schreien die englischen Zeitungen in England und hier über die Deutschen, das sie Piraten, Räuber und Mörder sind, ja sogar, das die Deutschen sich durch das Rauben und Morden der Unschuldigen Bürger Belgiens, und Zerstörung Löwens, und jetzt dieses Schiffes sich von der zivilisierten Welt getrennt haben, und nunmehr für nichts als Unmenschen betrachtet werden können. Ha ha, Wenn den Deutschen dieses passiert wäre, so wäre das schon alles gerecht, aber das solches dem stolzen Engländer passiert ist, das ist alles verkehrt, das ist Mord und Totschlag, der gröbsten Sorte. Es möchte gar gehen, wie der Waisenfreund letzte Woche schrieb, das es nur noch erst angefangen ist, um schlimmer zu werden, mit dem See-Kriege besonders. Die Eng­länder möchten jetzt nur zu gerne die United Staates aufregen, wegen ihren Leuten, die mit der Lusita­nia umgekommen sind, um sich auf englische Seite mit am Kriege zu betheiligen, welches man denen auch nicht verärgern kann, den die Alliierten brauchen er Hilfe gar notwendig, aber ich hoffe, das es dazu nicht kommen wird. Eins muß man doch dem Hr. Wilson lassen, wenn er und Bryan auch nicht bemüht sind, um die Zufuhr zu den Alliierten von Munition und Waffen zu verhindern, so ist er doch selbst nicht so sehr kriegerisch gesinnt, als es der vorige Präsident Roosevelt wäre, wenn der noch ans Ruder wäre. Die Leute hier sind früh genug gewarnt worden, nicht mit Englischen Schiffen nach Eu­ropa zu reisen, oder wenigstens aus der Kriegsszene fern zu bleiben, und die Schiffsgesellschaften ha­ben nur Reisebillette verkauft, mit dem Einverständnis, das sich alle Passagiere selbst das Risiko der Gefahr zu übernehmen haben. Herr Van der Bilt ist eine spezielle Depesche ausgehändigt worden mit dieser Warnung, welche er aber lachend verrissen hat, und er ist nach dem Meerboden gereist. Lege hier ein gelungenes Bild aus einer Zeitung bei, welches darstellt, wie unser sogenannte Onkel Sam, so laut aufschreit über den Lusitania Fall, und wie der Kaiser das Schiff untergehen läst, und den Onkel Sam, mit seinen Sternen und Streifen fragt, was willst nun dran machen? Hoffentlich werden so viele Schiffe versunken werden für die Engländer, das die das kriegen bald müde werden. Ha, ha. Wir Deut­schen sitzen hier, und müssen die Schmach an uns ergehen lassen, und zusehen, wie unneutral die U.S. ist, den Deutschen gegenüber, weil unsere Hände gebunden sind, aber so viel will ich doch den beiden, Wilson und Bryan wohl prophezeien, wenn die Zeit sollte kommen, um wieder als Präsident gewählt zu werden, so wird die Deutsche Unterstützung für diese Beiden gar schwach sein. Nun genug hiervon für jetzt, die Zeit wird mehr lernen über die Sache, und auch alles Gerede nützt nichts, drein hauen ist viel nützlicher. Deine liebe Frau, wird dir diesen Brief wohl zusenden können, und wenn du kein Brief schreiben kannst, so sende uns doch hie und da eine Karte, und las uns wissen, wie es dir geht, hof­fentlich wirst du nicht vor den Feind auftreten brauchen, denn da für sind ja noch genug jüngere Leute da.

Unser Rudolph [Hunck] ist noch immer im Hospital, aber der Doktor versichert uns, das ihm sein Bein erhalten bleibt, und das es beinahe geheilt ist, wir erwarten ihn zurück in diesen Monat, aber wann ge­nau wissen wir noch nicht. Clara [Hunck] wird von Ihrem Studien graduieren am 10 Juni und Bertha [Hunck] hat versprochen, uns zu dieser Gelegenheit zu besuchen. Hat sie noch nicht an euch geschrie­ben? Ich habe sie daran erinnert. Nun Bruder Bernard [Diekemper], jetzt wirst du noch wohl wieder ganz jung werden müssen, und die Peitsche erst noch mal recht feste in der Hand zu nehmen, das der Acker bestellt, und die Ernten eingeheimst werden. Der Feind will wohl die Deutschen verhungern lassen, aber ich hoffe, das es bei euch doch noch nicht an Brot fehlen wird, wenn auch sonst einige Leckerbissen mal müßten versagt werden. Und du liebe Johanna [Diekemper], wirst wohl manchmal etwas langweilig und traurig fühlen, aber tröste dich so viel wie möglich mit den Gedanken, es wird ja doch nicht immer so bleiben, denn nach Sturm und Regen gibt es immer wieder Sonnenschein, und ihr lieben Kinder betet fleißig, und so wird der liebe Gott schon dafür sorgen, das der gute Vater bald wieder bei euch sein wird. Es ist ja Gott sei Dank aus Merfeld noch keiner gefallen, welches ein offe­ner Beweis ist, das Gott mit ihnen war. Bis hierher hat Gott geholfen, er wird weiter helfen. Im übri­gen sind wir noch alle gesund, und hoffe, das euch dieser Brief in eben so guter Gesundheit antreffen wird.

Mit vielen Grüßen von uns Allen, an euch Allen schließt hiermit Euer Bruder,  Onkel u. Großonkel Clemens.

 

http://www.oeversee.asn-graz.ac.at/archiv/fba/atlant/Lucy.htm  Die Versenkung der „Lusitania”

 

 

Denver, Colo. den 20. Mai 1915

 

Habe deine Karte und demzufolge brauchst du ja noch nicht fort, weil du über 39 Jahre bist und nicht gedient hast. Ist es richtig? Unsere deutsche Zeitung meldet uns noch immer Siege über Siege der Deutschen in Rußland wie auch im Westen. Und die andern Zeitungen lügen noch immer das Gegen­teil. Wir sind gesund und Rudolph [Hunck] erwarten wir bald als geheilt vom Hospital zurück. Clara [Hunck] wird am 10 Juni graduieren, wozu Bertha [Hunck] hier sein wird und vielleicht auch ihr Pa­stor August Plachta    Sonst nichts Neues. Mit Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 24. April 1915 (richtig 24 Mai.1915)

 

Karte habe ich  zur Hand. Sandte ein Brief am 21. März und 1 Karte am nächsten Tage. Also auch noch einiges zum Kriege hinaus, ja, es ist schlimm, aber das Vaterland retten ist eine notwendige Sa­che, sodann mit Gottes Hilfe und drauf los. Ich möchte auch noch helfen, dem J. Bull die verdienten Hiebe zu überliefern, er hat verdient, verachtet zu werden. Diese Karte zeigt, wo die Bahn 9000 Fuß hoch durch und um die Berge läuft, auf dem Wege zu meiner Kohlengrube. Siehe denselben Zug 2 mal unten durch, und oben über.

Rudolph [Hunck] schreibt, das alles gut steht, alle anderen sind wohl. Wenn nur der Krieg enden wolle, aber es mag noch lange dauern,

Gruß Clemens. (Karte 1 Monat in der Tasche).

 

 

Denver, Colo. den 24 Mai 1915

 

[unleserlich] Karte erhalten. [unleserlich] es euch immer gut steht mit euch. So jetzt will der Italiener auch noch sein Glück versuchen. Hoffentlich wird er es auch noch finden. Es ist doch eine gar zu un­verschämte Sache, von denen. Wenn nur die Russen mal ausgelegt (besiegt) wären, würde es etwas Erleichterung geben. Friede ist noch keiner in Aussicht, es sei denn daß etwas unvorhergesehenes pas­sieren würde.

Mit Gruß Clemens.

 

 

 

Denver, Colo. den 28. Mai 1915

 

Zeitungen mit einige Münsterischen Anzeigern erhalten. Einer ist nun wohl auch aus Merfeld gefallen. Die Kriegsnachrichten lauten noch immer glänzend, nur schade, das Italien noch dazu kommen mußte. Hoffentlich wird ihnen das rechtmäßige zugeteilt werden.

Der Dr. schreibt uns, daß Rudolph [Hunck] vollständig geheilt wird, und daß er ihn bald entlassen könnte. Du wirst leider jetzt wohl noch eingezogen werden. Nun zum Wachdienste ist nicht so gefähr­lich.

Mit Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 16. Juni 1915

 

Lieber Wilhelm & Alle:-

 

Habe deine Karte vom 16 ten von diesem Monat erhalten, und sehe zu unserem Vergnügen, daß der Bernard [Diekemper] wieder wohl und munter ist, und die Schule wieder besucht. Auch sehe ich von den deutschen Siegen. Ja, so muß es sein, wir lesen hier ja auch von all den Siegen, die in der letzten Zeit täglich gemacht werden. Wo bleibt da der große Angriff der Engländer, der von denen für den 1ten May angekündigt war? Ha, ha, umgekehrt ist auch gefahren. Die Siege der letzten Zeit sind enorm, wäre der Russe nur mal ganz gebändigt, so würde die Sache leichter werden. Hoffe nur, das zwischen Amerika & Deutschland alles friedlich verlaufen wird, von wegen den Lusitania Fall, aber der Kaiser wird und kann den so erfolgreichen Untersee-Krieg wegen Wilson und Konsorten nicht aufgeben. Es wird das wohl kein Krieg werden, und wenn, was wäre es, es würde viele von unseren Schiffen ergehen, wie der Lusitania. Nun, wir müssen es abwarten, was geschehen wird. Unser Ru­dolph [Hunck] ist seit dem 4ten dieses Monats wieder zu Hause, und es schrieb mir der Doktor am 21 May, das die Operation an Rudolph [Hunck] ein vollständiger Erfolg, (nicht etwa ein teilweiser) son­dern ein vollständiger Erfolg sei. Die Wunde ist noch nicht ganz zugeheilt, aber der Dr. sagt, das es schneller heilen täte, als es gewöhnlich in solchen Fällen der Fall sei, weil solches nur immer gar lang­sam vor sich gehe. Wir wollen nun das beste hoffen, er fühlt sich sonst ganz gut. Am 10. dieses Mo­nats hat die Clara [Hunck] von ihrer Schule, oder Studium graduiert. Und es waren auch Wilhelm [Hunck] & Bertha [Hunck] hier. Wilhelm [Hunck] mußte am nächsten Tage wieder fort, aber Bertha [Hunck] ist noch hier bis zum 24. dieses Monats, und sie wird mit Clara [Hunck] nach Minnesota zu Besuch gehen, um einige Zeit dort zu bleiben. Die hat ziemlich hart studiert, und will sich ein wenig erholen. Seitdem nun die Italiener sich den Alliierten angeschlossen haben, wird es am Ende wohl sein, das auch du schon jetzt den Waffenrock an haben wirst, aber wie schon früher erwähnt, nur frisch drauf los, bis hierher hat Gott geholfen, Gott wird weiter helfen. Fürs erste hoffe ich die Engländer, und nun auch die Italiener werden wohl bekommen, was denen ehrlich zukommt, und das der unselige Krieg zu einem frühen Ende führen wird, welches nach menschlichem ermessen, soweit noch nicht in Aussicht ist. Die Zeitungen kommen an, aber es dauert gar lange, und sind die Nachrichten gar alt, bis sie hier ankommen.

Jetzt muß ich schließen, unter vielen Grüssen von uns allen, und besonders auch von Bertha.

Euer Bruder, Onkel und Großonkel Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 23.Juni 1915

 

1000 Fuß hoch an beiden Seiten der Schienen. Lemberg ist gefallen, und hoffe, das die Russen mal bald genug haben werden. Bertha [Hunck] geht heute wieder nach Minnesota und Clara [Hunck] geht mit ihr für etliche Monate. Wilhelm [Hunck] ist wieder an seine Arbeit.

Rudolph [Hunck] ist ungemein froh, das er das Auto zu Hause wieder fahren kann. Sonst ist alles wohl. Werde bald ein Familienbild senden. Sonst nichts Neues.

Grüße von Allen. Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 20.7.1915

 

Ein hübscher Wasserfall aus den steinigen Bergen.

Rudolph [Hunck] ist nochmals seit dem 7. dieses Monats im Hospital, hoffen jedoch aufs beste.

Mit dem Kriege geht es ja noch immer Sieg auf Sieg. Werden wohl bald großartiges von Russland und Polen hören. Sende dir heute eine Zeitung. Die englischen haben uns mal zur Veränderung einen gro­ßen Streik in Essen angekündigt. Ich glaube es reicht, bis ich mehr davon höre. Clara [Hunck] ist mit Bertha [Hunck] nach Minnesota. Sonst nichts Neues, alles wohl. Mit Gruß Clemens.

 

Denver, Colo. den 1.Aug. 1915

 

Sende heute 3 Photographien. Ich warte auf deinen Brief. Warschau ist wohl gefallen. So geht es ja Sieg auf Sieg, an allen Fronten. Hier nichts Neues, behält Amerika die Neutralität? Wir sind alle ge­sund nur ist Rudolph [Hunck] noch im Hospital. Sieh wie die Bahn 2 mal um den Berg läuft auf dem Wege zu meiner Kohlengrube. War letzte Woche dorthin.

Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 20. Aug. 1915

 

Lieber Wilhelm & Familie:-

 

Deinen langen uns so lieben Brief vor etwa einer Woche erhalten, und es freut uns zu wissen, daß du so weit noch gesund und zu Hause bist. Obschon ich es nicht hoffe, so glaube ich doch, das es kom­men wird, wo sie auch dich noch als Vaterlandsverteidiger nötig haben werden. Es geht ja alles zu gut für die Deutschen, wie es nur kaum erwartet werden kann, und wird es auch hoffentlich so voran ge­hen, aber das ein baldiger, so sehr erwünschter Frieden einträte, glaube ich noch nicht, weil der Feinde so viele sind, und die Erbitterung so groß. Um den Anfang zum Frieden zu beantragen, noch eine zu große Entwürdigung der Ehre sein möchte, und es scheint mir, daß erst dann um Frieden nachgesucht wird, bis sie alle so zu sagen, erschöpft am Boden liegen werden, und das nimmt noch immer Zeit in Anspruch, bis so zu sagen, an allen Ecken ausgefegt werden könnte. Der Russe kriegt es ja wohl schlag auf Schlag, und gestern kam auch die Nachricht von den Untergang der Arabic, wovon nähere Einzelheiten heute wohl bekannt werden. Es sollen ja wieder von den guten Amerikanischen Beschüt­zern einige auf dem Schiff gewesen sein, und es sind vielleicht wieder einige von denen getötet wor­den, dann wird die Grausamkeit uns Deutschen gegenüber wieder groß sein. Wäre es doch nur gelun­gen, den Hauptteil der russischen Armee einzufangen nach dem Falle Warschaus, und ist es noch möglich, noch ein großer Teil davon zu erwischen, denn wenn der Russe mal lahm gelegt wäre, würde es Erleichterung geben, um mit dem andern Pöbel zu rechnen. Die Türken haben ihre Hände voll, und die Ostereicher machen auch nur recht langsame Fortschritte mit Italien, und in Frankreich geht es auch noch immer nur langsam voran. Darum muß der Russe aus dem Wege, so würde es, wie gesagt, Erleichterung geben. Es ist sehr erfreulich, daß es dem Engländer nicht gelungen ist, euch alle auszu­hungern, das wäre ja eine gute Waffe gewesen, aber dagegen kriegt er etwas, was er nicht geträumt hat, nämlich die Unterseebote. O, es muß dem stolzen J. Bull nicht ärgern, wegen all den Schiffen, die er auf dem Meeresgrund hat, und die noch täglich dort unten zugesellt werden. Aber nur zu, da unten ist noch Platz für viele Schiffe. Ich sandte dir einige Zeitungen, nicht der Neuigkeiten wegen, denn was darin enthalten ist war euch längst bekannt, ja schon alt geworden, aber um euch zu zeigen, wie wir durch unsere tägliche deutsche Zeitung über den Verlauf des Krieges berichtet werden. Die ameri­kanisch-englische Blätter lügen noch immer feste drauf los. Als der große Transport, mit nahe 1000 Mann kürzlich im Ägäisches Meer versenkt war, konnten sie es nicht leugnen, sagten es aber etwa so: daß es dem Deutschen Unterseebooten gelungen sei, mal einmal einen Treffer abzusenden. Wie er­niedrigend hört sich das an. Du sagst von der unheimlich großen Zahl der Gefangenen, die in Deutschland sind, jawohl unheimlich ist wohl recht, man sollte meinen, das es genug wären, um alle in eine Hungersnot herbei zu führen, um die alle zu füttern, das nimmt gar viel, wenn sie auch nicht einen Herrentisch gesetzt kriegen, sie müssen doch am Leben erhalten bleiben. Ja, wenn du dieses lesen wirst, wird schon manches wieder vorgefallen sein, was die Welt in Erstaunen setzen möchte, und ich hoffe nur, das dieses Erstaunen zu Gunsten der Deutschen sein wird. Nun, bis hierher hat Gott gehol­fen, Gott wird weiter helfen, bis die Feinde Deutschlands zerschmettert am Boden liegen werden. Bis hierhin habe ich heute Morgen früh geschrieben, und diesen Tag über habe ich gelesen von dem gro­ßen Geschrei, das die hiesigen englischen Zeitungen wieder machen über die Torpedierung der Ara­bic, das wir Amerikaner Krieg kriegen mit Deutschland, und sie wissen noch jetzt nicht mal sicher, ob auch wirklich Amerikaner dabei umgekommen sind. Diese Schreihälse machen das Volk nur aufrühre­risch, wenn euch die Regierung noch lange an solchen Krieg denkt. Natürlich bei weitem nicht alle lassen sich durch solch unvernünftiges Geschrei ins Boxhorn jagen, wenigstens die Deutschen und deutscher Abstammung nicht, aber viele andere, welche die Zeitungen das Denken für sie überlassen, werden irre geführt. Warum die tölpelichen amerikanischen Völker, oder dickköpfigen Esel sich noch immer wieder und wieder auf den englischen Schiffen begeben, trotz aller möglicher Warnungen ist mir ein Rätsel, aber wer nicht hören will muß fühlen. Nachdem wir nun von der Eroberung von Kowno, und wie alle die unaussprechlichen Festungen und Städte heißen mögen, kommt ja auch heute die Nachricht von dem Falle Nowo Georgiewsk mit 20.000 Gefangenen, etwa 200 Kanonen, 13 Aero­plane und riesiges sonstiges ungezähltes Kriegsmaterial, und denn noch all die andern kleineren Siege an der Russischen Linie, und die Flotten-Siege bei Jütland, und auch wie es auf den Hafen von Riga losgeht. Und auch das der Zar schon mit dem Plane umgeht, den Regierungssitz nach Moscow zu verlegen, und so geht es von einer Überraschung nach der andern, und hoffentlich wird es so fortgehen, bis der glorreiche Sieg errungen sein wird. So gebe es der allmächtige Gott. Ja, ich sehe aus deinem Briefe, das auch Merfeld jetzt einen Krieger eingebüßt hat, und denn auch der Nachbar nahe der Grenze von Merfeld. Merfeld scheint soweit unterm besonderem Schutze Gottes gewesen zu sein.

Es ist auch hart, "und mir sehr leid", den Verlust eures guten Nachbarn Stegehake, alles durch Feuer zu verlieren, weiß man den noch bis jetzt gar nichts, wie das Feuer entstanden ist, oder entstanden sein könnte? Du schreibst auch von der Klage gegen euren Herzog wegen des Weges durch seinem Eigen­tum. Also, wenn er sieht, das er nicht gewinnen kann, dann bittet er um Zurücknahme der Klage, aber da sieht man so klar, wie wenig auch der um eure heiligsten Rechte gibt, und sie euch nur dann über­läßt, wenn er sie euch nicht nehmen kann, wirklich sehr schön von dem guten Herrn?---- Von Her­mann Füssener kann ich nicht viel sagen, wo der ist, wie ich letztes Jahr gehört habe, ist er weit von hier oder auch von St. Cloud nach dem Westen verzogen, ich glaube nach dem Staate Washington oder Oregon, aber seine Adresse weis ich nicht. Vielleicht einige von die Edelbrocks (Kortgödden) möchten wissen, wo er ist. Das Wetter ist hier dieses Jahr ungemein Naß und kühl gewesen, mehr so, als gewöhnlich, und wollen welche kluge Propheten wissen, das käme von dem vielen Kanonieren in Europa, ha, ha. Du fragst für was denn die Clara [Hunck] studieren täte, die hat nur noch weiter nichts studiert, als richtig lesen und schreiben, und Aufsätze zu machen, wie auch lateinisch und etwas fran­zösisch, und möchte im nächsten Jahre vielleicht noch das Kurzhand-Schreiben, und Stenographieren lernen, wie ihre Kurzhand schreiben heißet, weis ich nicht, und Stenographieren meint mit der Schreibmaschine arbeiten, so wie dieser Brief geschrieben oder gedruckt ist, aber wie ich das tue, geht das gar zu langsam, weil ich das nur so kann mit die beiden Vorderfinger. Wie das eigentlich so flink gehen sollte, wirst du ja wohl schon oft genug angesehen haben. Wie schon bereits in meinem letzten Briefe angedeutet, ist sie jetzt mit der Bertha [Hunck] nach Minnesota, und wird wohl bis Oktober dort bleiben. Ich werde die Bertha [Hunck] bei der nächsten Gelegenheit darüber benachrichtigen, was du geschrieben hast. Wilhelm [Hunck] ist augenblicklich hier gewesen für eine kurze Zeit, er tut sonst als Reisender sich beschäftigen, für solche Geschäfte, die ein solchen gebrauchen. Er hat nämlich jetzt Plätze gewechselt, er reiste früher für die De Lavel Rahmabnehmer, und jetzt hat er einen andern Platz angenommen, um für denen als Spezialist in verschiedenen Staaten zu reisen. Nun von Rudolph [Hunck], da muß ich nun leider sagen, das er wieder im Hospital ist, unter Doktors Messer so zu sa­gen. Er war zu Hause, und wir hofften, daß er bald geheilt sein würde, aber es war einzusehen, das es noch nicht heilen wollte, somit sandten wir ihn zurück, wie auch der Dr. sagte, das wir es tun sollten, falls es nötig erscheinen möchte. Habe es ja wohl schon kurz erwähnt, auf einer Karte, das er am 9 Juli wieder zum Hospital gereist ist. Nun aber wurde der Doktor selber krank, welches ihm auf die Augen schlug. Er ist nach hier zum Augenarzt gekommen um gesund zu werden. Ich habe ihn hier letzten Montag selbst über den gesundheitlichen Zustand von Rudolph [Hunck] gesprochen. Rudolph [Hunck] schrieb uns, das andere Doktoren ihn dort untersucht hätten, und hätten ihm letzten Donnerstag gesagt, daß es noch mal aufgemacht werden müsse, da hat er aber auch gleichzeitig erfahren, das der eigentli­che Dr. diese Woche wieder von hier zurückkommen würde, und da hat er denn gesagt, er wolle lieber warten, bis Dr. Cochems (so heißt der eigentliche Dr.) wieder käme, damit er selbst die Operation übernehmen könnte. Und so denke ich, das es vielleicht heute geschehen ist, und erwarte Nachricht darüber zu irgend einer Zeit. Durch diese Zeit (6 Wochen hat er nun umsonst im Hospital gelegen und gewartet, bis er mal endlich erfahren hat, das noch mal geschnitten werden müsse, aber die Doktoren hätten ihm gesagt, daß es dieses mal nicht viel sein brauche). Ich fragte den Dr. was er den eigentlich davon denken würde, ob das Bein wirklich könnte geheilt werden oder nicht, da sagte er, das könne niemand sagen, aber er würde wenig daran denken, das eine Amputation jemals nötig sein werde. Aber diese Fälle würden gewöhnlich lange dauern, weil sie so tückisch seien. Somit hat er uns nicht gesagt, daß Rudolph [Hunck] je amputiert werden müßte, hat aber auch nicht gesagt, daß das Bein si­cher kuriert werden könne, aber hat mir den Gedanken hinterlassen, daß doch keine Gefahr für eine Amputation nahe liege. Rudolph [Hunck] war immer etwas schwächlicher, als die anderen Kinder, aber das letzte Jahr ist er sehr gewachsen, somit ist er beinahe so groß wie ich, aber doch sehr dünn. Aber auch das würde er noch wohl bald nachholen, wenn nur das Bein mal gesund wäre. Ich war auch in meinen jüngeren Jahren nicht so stark, und weis mich noch zu erinnern, wie mir dein Vater mal schrieb, wie es denn käme, das ich hier in Amerika jetzt so schwer geworden wäre, da ich doch früher nur so ein Schmächtling gewesen sei. Rudolph [Hunck] hat früher wohl öfter über Magenbeschwerden geklagt, aber in den letzten Jahren nicht mehr. Wir wollen hoffen, daß er alles noch glücklich überste­hen wird, und sein Bein mit völliger Heilung davon kommt. Habe euch vor einigen Wochen 3 Photo­graphien geschickt von uns allen, und ich hoffe, daß sie alle wohlerhalten bei euch abgeliefert wurden. Ein Bild dachte ich, könntet ihr Marschall geben, und die andern beiden, eine für euch, und das an­dere, wem ihr es geben wollet, vielleicht Frericks oder sonst andere wie ihr es denkt. Nun ist dieser Brief auch wohl bald lang genug, somit will ich schließen, und euch alle liebend Grüssen, wie auch die besten

Grüße von all die Meinigen, und wir wollen hoffen und beten, daß der so sehr erwünschte Frieden recht bald wiederkehren wolle.

Clemens.

Lege auch einige Karikaturen, wie sie in unserer engl. Amerika-Zeitung erschienen sind, sie sind jetzt nicht mehr so verhöhnend als ich sie euch früher mal einige geschickt habe. Sie müssen napoleoni­schen willens doch einsehen und zugeben, das sich die Lage für Deutschland immer besser gestaltet. Eins ist für Mexiko, wo Nord und Süd Amerika Frieden stiften wollen.

 

 

Denver, Colo. den 27. Aug. 1915

 

Letzten Samstag ist Rudolph [Hunck] sein Bein von neuem operiert worden, und ist dann von der Hüfte bis zu den Zehen in Gips gelegt worden, so daß er das Bein gar nicht bewegen kann. Er fühlt sich gut und der Dr. sagt, er sei mehr überzeugt als je zuvor, daß das Bein kuriert würde. Mit den Russen steht es ja noch immer gut für Euch, aber was werden [!] die Balkan "Großmächte" tun?

Gruß Clemens.

Das Bild zeigt einen turmhohen Wasserfall.

 

 

 

Denver, Colo. den 25. Sept. 1915

 

Lieber Wilhelm & Alle.

 

Deine Karte vom 22.8. ist etwa seit einer Woche in meinen Händen. Es freut uns, daß du noch immer zu Hause sein kannst, und auch ist es sehr erfreulich, wie die Deutschen immer siegreich sind. Mit un­gemeiner Geschwindigkeit sind die Deutschen bis in der Gegend von Riga vorgerückt, und wird auch dieser wichtige Platz nicht lange mehr auf sich warten lassen. Unser Herold bringt uns die Neuigkeiten täglich, und die muß ich jeden Abend erst lesen, ehe ich die engl. Zeitung, mit noch immer den schändlichsten Lügen enthaltend in der Hand nehme. Die schlimmste habe ich der Lügen wegen abbe­stellt, habe es ihr auch brieflich wissen lassen, daß ich ihre Lügen nicht verdauen könne, oder wolle, sie versuchen manchmal  ja noch die London Presse zu überflügeln in dieser Lügenbeziehung. Ja ich weis es, daß sich Amerika sonderbar gegen Deutschland benimmt, aber glaubt mir, bei weitem sind nicht alle derselben Meinung, aber was kann man da tun? Jetzt kommen sie auch noch hierhin, um eine riesige Summe Geldes zu borgen, auch dieses scheint Ihnen gelingen zu wollen. Es wird das eine Geldnot herauf beschwören, denn schon jetzt ist der Geldmangel fühlbar, weil schon vieles unter dem Kriege zu leiden hat, außer die Munitionslieferanten, die scheren ihre Schäfchen schon. Besonders auch hier in Denver macht sich die Mexikanische Revolution fühlbar, weil hier gar vieles fabriziert wird für dieses Land, und nun alles danieder liegt. Hier möchte der Wilson schon wohl eher ein­schreiten, denn gar viele Amerikaner haben dort ihr Leben verloren, die nur einfach meuchlings er­mordet wurden, sogar erdreisten sie sich, über die Grenzen hinaus, und morden in unserem eigenen Lande, nahe der Grenze. Ich kann auch mein Geld nicht bekommen von Texas, wo ich Land verkauft habe. Bekam gestern noch ein Brief von einen meiner Schuldigern, welcher Geld in der Bank verspro­chen bekommen hatte, um mir die Schulden zu zahlen, aber jetzt hatte der Bänker gesagt, daß so viele der Unruhen wegen, fortziehen würden und folge dessen ihr Geld aus den Banken zurück nehmen. Mehr als $ 30.000 waren schon jetzt aus seiner Bank gezogen von etwa 75 Familien, die ausgerückt seien. Dieser Mann schreibt weiter, daß sie sich ihr Leben kaum sicher seien im eigenem Hause, der wohnt auf dem Land, was ich ihm verkauft habe. Weiter schreibt er, daß es Männer nehmen täte mit eiserne Nerven, um noch dort zu bleiben. Kürzlich hatten die Mexikanischen Banditen in der Nähe von San Benito drei Amerikaner abgefaßt, zwei von ihnen ermordet und der dritte sei entkommen. Ein paar Nächte zurück, wie sie zu Bet gegangen seien, hätten sie einige Salven Gewehrschüsse gehört und als sie am nächsten Morgen Rundschau gehalten hätten, hätten drei tote Banditen in der Nähe ih­res Hauses auf die Seite eines Weges gelegen, welche von der Polizei, Soldaten oder Einwohner getö­tet worden seien. Keiner würde mehr, ohne ein Gewehr zur Seite zu haben, sich zur Ruhe begeben. Da sollten sich unsere Kriegslustigen nur hin machen, um unsere eigenen Leute Schutz zu gewähren, an­statt sich so sehr um den europäischen Krieg zu kümmern. Auch in Sonora Mexiko wo unsere Gold­gruben (http://www.gutenberg2000.de/may/cordill/Druckversion_cordil1.htm) sind, hat unsere Regierung alle unserer Leute gewarnt, sich aus Mexiko zu entfernen. Soweit hatten wir immer noch Wächter dort bei der Miene, um Gebäude und Eigentum zu schützen, aber jetzt werden auch diese wohl alles verlassen müssen, und den Banditen preisgeben. Vor einigen Monaten sandte ich euch 3 Photographien von uns, habe aber soweit noch nichts gehört von euch, ob dieselben angekommen sind oder nicht. Gerarde zur Zeit, als ich sie geschickt habe, habe ich weiter kein Be­gleitbrief geschrieben, dachte ihr würdet sie wohl erkennen, wenn sie ankämen. Habet ihr sie erhalten? Am 30 August habe ich es doch auch erwähnt, daß ich sie gesandt hatte. Als du die Karte am 22 Aug. sandtest, hatten die da sein sollen. Nun will ich auch von Rudolph [Hunck] berichten, und wie ich schon kurz berichtet habe, das eine nochmalige Operation vollzogen ist am Samstag den 21 August und mir der Dr. berichtete, das er die beste Hoffnung auf völlige Heilung hege. Wir bekommen nun jede Woche ein Brief von Rudolph [Hunck], und im letzten schrieb er, das der jetzige Schnitt etwa 12 bis 14 Zoll lang, und 2 Zoll breit sei, das er den Knochen bloß liegen hätte, und könnte letzteren so klar sehen wie seine Hand. Er könne aber auch sehen, das es wieder zu heilen angesetzt habe und er habe keine Schmerzen mehr an dem Bein, es sei denn beim Verbinden würde es wohl etwas weh tun. Alle zwei Tage wird der Verband gewechselt. Er hat das Bein von der Hüfte bis zu die Zehen in einem Gipsverband liegen, mit einer Öffnungstüre über die Wunde, um es mit einem Verband zweitägig frisch machen zu können.

Clara [Hunck] ist noch in Minnesota wird aber gegen Ende nächsten Monats wieder zu uns kommen. Anfangs Oktober wird eine von ihren Cousinen heiraten, da will sie die Hochzeit mitmachen.

Nun nochmals zum Kriege. Jetzt wollen sich die Herren in den Balkan ja auch rüsten zum Kriege, Bulgarien mit Deutschland, und mit wem die andern? Das ist mir dort so ein Durcheinander, die wis­sen wohl nicht recht, bei wem sie das beste Schäfchen zu scheren können, aber es ist doch gut, das die Alliierten (Entente) sie nicht alle auf ihre Seite gewonnen haben, obschon sie es mit harten Verhand­lungen versucht haben. Wollte nur, das auch unser Wilson nicht so hart gegen die Deutschen sei, oder wenn er auch nur in gleicher Härte gegen die Engländer sein wollte so wäre vieles leichter. Es ist aber bekannt, daß er sehr von den Engländern eingenommen ist, das kann man ja wohl mit den Holzschu­hen fühlen, wenn er auch nach seinem Wort neutral sein will. Wilson seine Englandliebe, und die ab­scheuliche Metzgerei und das Geschrei der hiesigen engl. Zeitungen, und jetzt noch der große „Geld­pump“, wird Deutschland viel schaden, dadurch wird der Krieg noch weiter in die Länge gezogen. Aber ich hoffe, je mehr die (die Engl. e.t.c.) feindlichen Truppen geschlagen werden, um so besser kann Deutschland am Ende Rechnung halten. Wenn auch jetzt Frieden geschlossen würde, so würden vielleicht nicht so gute Vorteile für Deutschland erzielt werden können, als wenn sie völlig geschlagen sind, und das muß geschehen. Basta. Es ist merkwürdig, wie die Russen mit Mann und Maus (no Laus) laufen können. Dünnaburg und Minsk, wird wohl in einigen Tagen fallen, und Riga wird denn wohl nicht lange auf sich warten lassen. Und was wird das nächste werden?

Jetzt muß ich schließen, unter vielen Grüssen an euch Alle.   Clemens.

 

http://www.lib.utexas.edu/tnp/subject/germans.html Deutschsprachige Zeitungen in den Staaten

 

 

Denver, Colo. den 17. Okt. 1915

 

Mein Lieber, Sende euch heute nochmals einige Colorado-Herolds, damit ihr sehen könnt, daß wir täglich von den deutschen Siegen berichtet werden. Die Deutschen Verluste bringen die andern Lügen Zeitungen im Übermaße. Diese Karte zeigt einen hübschen Wasserfall in den steinigen Bergen. Die Gipfel sind schon jetzt wieder mit [unleserlich??] Schnee bedeckt, haben hier jedoch schönes Wetter und keinen Schnee. Clara[Hunck] kommt Ende dieses Monats von Minnesota zurück. Es freut uns, das du noch immer zu Hause bleiben kannst.

Gruß Clemens.

Der Herold ist nicht katholisch. Das hast du schon gemerkt.

 

 

Denver, Colo. den 14.Nov. 1915

 

Lieber Wilhelm, deine Karte vom 19.9.1915 erhalten (K.P. Rubrecht). Seitdem nichts mehr, hoffe, das du noch zu Hause bist. Mit dem Kriege geht es ja noch immer gut. Die Balkan-Affäre ist großartig, die Serben haben’s verdient.

Von Rudolph [Hunck] und sein Dr. kommen viel versprechende Nachrichten. Somit hoffen wir aufs beste. Clara [Hunck] ist von Ihrem Besuche in Minnesota zurückgekehrt. Alles ist gesund und das Wetter ist fein, hoffe das gleiche so bei euch. Lügen vom Kriegsgeschehen geben es noch immer hier genug zu lesen. Letzte Woche war der Kronprinz wieder mal tot.

Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 6. Dez. 1915

 

Karte erhalten. Die Jungens (Soldaten) machen ja noch immer gute Arbeit. Laß sie nur so fortfahren bis es heißt "Es ist genug". Die üblichen Lügen kommen noch regelmäßig alle Tage.

Rudolph [Hunck] ist noch im Hospital, erwarten ihn hier zu Weihnachten oder Neu-Jahr. Die Firma, wo Wilhelm [Hunck] für reist ist Sonntag Morgen abgebrannt. Verlust 35 bis 50 Tausend. Versichert. Abgesehen von einigen Erkältungen ist alles wohl. Wetter ist schön, Nach dem 1ten Januar dürfen in Denver und Colorado keine Getränke mehr verkauft werden.

Gruß Clemens.