Hunkbriefe dritter Teil

 

Denver, Colo. den 3. Jan. 1916

 

Brief mit 5 Karten erhalten am 1 Jan. War froh von euch zu hören. Hier ist alles gesund, bloß Rudolph [Hunck] ist noch im Spital. Muß noch wohl 1 Monat bleiben. Die Karten sind interessant zu lesen und zu betrachten, besonders das mit der polnischen Wirtschaft, wo die Schweine und Soldaten in unmit­telbarer Nähe trinken, aber doch ohne anzustoßen. Seit den 1 Jan. ist der Schnaps- u. Bierverkauf im Staate Colorado verboten. Werde bald einen kleinen Brief senden, und auch ein Bild für Bontrup. Viele Deutsche Grüße aus dem neutralen Amerika Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 10. Jan. 1916

 

Habe lange nichts mehr gehört von euch. Hier alles wohl. Die Friedensaussichten sind nicht gut. Alli­ierten  sind nicht nur unverschämt, das ist zu gelinde gesagt, sie hätten doch die Übergabe von Berlin mit einschließen können? Es ist klar genug, das noch kein Friede gewollt ist, und auch das Schlachten weiter geführt werden. Nur nicht verzagen, es wird weiter gehen, bis zum siegreichen Ende. Hier gibt es nichts Neues, jeden Tag ist man gespannt, was es Neues im Krieg bringt.

Mit Gruß Clemens.

(per Neutral Steamer) Abends lesen wir schon, was es am Tage gegeben hat.

 

 

Denver, Colo. den 17. Jan. [1916]

 

Habe vor einigen Tagen einen Brief an euch gesandt und auch einige Bilder. Ist auch alles richtig an­gekommen? Habe heute 3 Briefe an unsere Senatoren im Kongreß zu Washington (Reichstag) gesandt, mit der Bitte, doch dafür zu stimmen und zu wirken, daß die Ausfuhr von Waffen und Munition nach den in Europa Krieg führenden Mächten verboten wird by Gesetz. Ich hoffe, es möchte etwas dazu beitragen. Uns tut diese Ausfuhr der Waffen sehr weh. Weiter nichts Neues. Ist auch ein Waisenfreund Kalender angekommen?

Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 17. Jan. 1916

 

Lieber Wilhelm und Alle:-

 

Habe deinen Brief mit einliegenden Postkarten gerade am Neujahrsmorgen erhalten. Ich kam aus der Kirche, und da klingelte es, und zu meinem Erstaunen und Vergnügen empfing ich die Karte. Zum er­staunen habe ich gesagt, und muß das jetzt erklären. Ich staunte, das der Postbote klingelte, aber es waren 5 Cent daran zu zahlen, und deshalb das klingeln, sonst legt er die Postsachen ganz stille in ein dazu angebrachtes Kästchen. Wäre es nicht wegen dem klingeln gewesen, hätte der Brief noch wohl einige Stunden auf sich warten lassen müssen. Also sehe ich, das du noch zu Hause bist, welches zu wissen mir sehr erfreute, und auch, das alles andere noch immer sehr gut geht, welches wir aber auch in die Deutschen Zeitungen erfahren. Die andern lügen noch immer frisch darauf los. Neulich kam die Nachricht von der Münsterischen Explosion, mit 600 Frauen tot, und ungeheuren Schaden an Eigen­tum. Auch vor 8 Tagen hatten die Russen das Zarnowitz den Österreichern wieder abgenommen, und so wird immer gelogen. Ich freue mich auch zu wissen, das Merfeld auch soweit noch gut im Kriege davon gekommen ist, und das euer Kirchenbauvorbereitung gut voran geht. Habe die Karten zu Bertha [Hunck] geschickt zum lesen und besehen, die sind sehr interessant. Bertha [Hunck] schrieb mir, das sie ein Brief für euch angefangen hätte, hoffentlich habt ihr ihn, ehe dieses Briefchen in eure Hände fällt. Wir sind noch alle recht gesund, bis auf den Rudolph [Hunck], der ist noch immer in dem Hos­pital, hoffen ihn aber bald zu Hause zu haben, und hoffen, das er geheilt sein wird, aber ganz sicher scheint mir das immerhin noch nicht zu sein, weil mir das heilen jetzt ein wenig zu lange dauert. Du schreibst von den Bildern, ja ich hatte gleich eins mehr für Bontrups schicken sollen, werde aber bei Gelegenheit eins nachsenden, aber gerade jetzt weis ich nicht, ob es geraten wäre, weil eben die Eng­länder so frech sind, die Postsachen auch noch von neutralen Schiffen herunter zu nehmen, und ob sie von dort eben auch weiter versandt werden, ist ja eine große Frage, denn denen ist ja nichts mehr hei­lig. Auch hier unser Wilson verfügt auch über eine feine Neutralität, aber jetzt ist der Kongreß in der Sitzung, und da gibt es gar viele, welche nicht der Ansicht Wilsons teilen, und genieren sich nicht, es ihm frei heraus vorzuhalten, daß seine Neutralität nur eine gemeine Heuchelei ist, und ich hoffe nur, daß es dazu kommen möchte, daß ein Gesetz durchgeführt wird, daß die Sendungen von Waffen und Munition an den Kriegsparteien verboten wird. Wilson selbst hält es sicherlich mit den Alliierten, aber glaubt es mir, nicht das ganze Amerikanische Volk ist so eingestellt. Im Anfang des Krieges haben die Alliierten es verstanden, die Welt glauben zu machen, das Deutschland die Schuld am Kriege hat, aber gar viele Einstellungen haben sich geändert in dieser Hinsicht, und ich glaube, wenn die Vereinigten Staaten von Nordamerika jetzt darüber abstimmen würden, würde sich bei weitem die Mehrheit zei­gen, daß sie eines andern belehrt worden sind. Wilson und seine Konsorten freilich nicht, und die wer­den auch nicht mehr lange am Ruder sein, denn ich bin beinahe fest überzeugt, das Wilson mit Kon­sorten bei der nächsten Wahl im nächsten Herbst sich den Staub Washingtons von den Füssen schüt­teln können. Uns fremd geborenen, aber jetzt Amerikanern, gibt er auch gar starke Ohrfeigen, indem er uns als so gut wie beschuldigt, daß wir keine echt und treu gesinnte Bürger sind, weil wir eben mit unserm altem Vaterlande und Blutsverwandten sympathisieren. Ob er wohl auch bedacht hat, wie er das sagte, daß er uns dadurch gar hart beleidigen hat. Wenn er das nicht weiß, dann wird er es wohl er­fahren, wenn er sich wieder als Kandidat für das Präsidentenamt aufstellen wird. Mr. Wilson hat keine besseren und getreueren Bürger, als die Deutschen, und deren von deutscher Abstammung. Alle Bür­ger deutscher Abstammung würden sicher treu und pflichtgemäß für ihr „adoptiertes“ Vaterland fech­ten, und sich aufopfern wenn Amerika in Gefahr, oder einer gerechten Verteidigung bedürfe. Die Deutschstämmigen würden sich sowohl jetzt, wie sie sich auch im früheren Freiheitskrieg bewiesen haben, für ihr Wahlheimatland Amerika einsetzen. Das wir in Mitgefühl das Kriegsgeschehen mit un­seren alten deutschen Freunden, Verwandten, und das deutsche Vaterland verfolgen, daß soll und muß uns unser "Herr Wilson" nicht übel nehmen, sonst greift er in ein Wespennest. Von sehr vielen weiß man nicht, ob sie von deutscher Abstammung sind, es sei denn, daß sie der Name verrät.  Noch nie vorher, haben so viele Deutsche oder Amerikaner deutscher Abstammung so viel und so frei und will­kürlich sich als Deutsche oder deren Abkunft zu erkennen gegeben, als es nach dem Ausbruch dieses Krieges geschehen ist. Das ist doch ein Zeichen, daß wir Deutsche uns noch nicht unserer Herkunft schämen müssen. Unsere Gesinnung und Einstellung kommt daher, daß wir wissen, das die Deutschen in der kriegerischen Auseinandersetzung im "Recht" sind. Jetzt genug davon für heute, und wir hoffen mit Gott, daß es für die Deutschen und ihrer gerechten Sache siegreich wie bisher weiter geht. ha, und das der liebe Gott es bald zu einem gutem Ende führen wolle.

Von unserem Bilde, sagst du etwas über das Wilhelm [Hunck]seine Frau nicht mit darauf ist, so will ich jetzt sagen, daß die nicht hier war sondern war zu der Zeit in Kalifornien in der Stadt Los Angeles, wo sie auch jetzt ist, und Wilhelm [Hunck] tut immer reisen, von einem Platz zum andern. Er ist au­genblicklich im Staate Washington oder Oregon, in der Nähe von Kalifornien. Als die Clara [Hunck] letzten Juni aus ihrer Schule entlassen wurde, da war Wilhelm [Hunck] hier, und auch die Bertha [Hunck], sonst hätten wir ja wohl kaum je Gelegenheit gehabt, daß wir alle zusammen gekommen wä­ren, und somit haben wir die Gelegenheit damals benutzt. Auch gehört nach meiner Meinung zu einem eigenen Familien Bild, niemand anders, als die eigentliche Familie. Und weil sie nicht bei uns woh­nen, ist das auch schon wieder mehr ein Grund, nicht dazu zu gehören, wenn ein Familienbild aufge­nommen wird.

Nun, wenn euer Brief noch nicht abgesandt worden ist, so hoffe ich, daß der schon so lange verspro­chene Brief bald abgeschickt wird, ich verlange darnach. Ich will noch erwähnen, daß die Sonder­nummer des Westfälischen Merkur die mich sehr interessiert, angekommen ist. Das Plattdeutsch ist gelungen, und die Jungens an der Front freuen sich von daheim so etwas zu lesen. Alles gibt sich Mühe, es den Jungens so genehm wie nur möglich zu machen und das ist sehr schön und sie sind es wert, denn die "Jungens machen Gute Arbeit".

Mit vielen Grüssen von uns allen an euch allen, und alle, die nach uns fragen.

 

Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 27. Jan. 1916

 

Karten vom 20.12.15 erhalten. Also ist der Münsterländer als ein Merfelder erkannt. Habe den Scherz schon zu oft getrieben. Somit ist der Verdacht zu stark. Nicht wahr, das sieht doch etwas jünger aus, als auf die anderen Bilder. Am 17 Januar schrieb ich dir ein langen Brief, und einige Photographien, ist auch alles angekommen? Die Zensur und Blockade wird ja immer schärfer. Grenzt ans unerhörte. Sonst geht es ja noch immer gut voran. Jetzt will auch Dänemark und Schweden mit eingreifen, und wer wird nach denen kommen? Vielleicht Nordamerika, ich hoffe nicht.

Rudolph [Hunck] ist noch im Hospital, sonst alles wohl. Johann Heiman, Anna Kortgödde [unleserlich ?? die letzte Zeile fehlt]

 

 

Denver, Colo. den 10. Feb. 1916

 

Mein lieber Wilhelm und Alle.

 

Habe die Karte, datiert vom 9.1.16 erhalten. Ich sehe, das euch die Zeitungszeichnungen oder Bilder interessieren, somit sende ich hiermit noch eine Anzahl aus alten und neueren Zeitungen. Wir bekom­men solche alle Tage, aber alle sind für euch nicht von Interesse, und sind euch auch nicht zu klären, weil ich bei allen nicht genug schreiben könnte, um es euch erklärlich und interessierend zu machen. Werde aber noch mal welche für euch folgen lassen, die nach meiner Meinung interessant sein könn­ten. Mit unserem Rudolph [Hunck] sind wir noch nicht fertig, er ist immer noch im Hospital, aber wie es scheint, ist auf einen Erfolg zu hoffen. Die Wunde, wie schon früher erwähnt, ist gar groß, und fand der Dr. es für notwendig, letzte Woche ein Stück von einem andern Platz von seinem Bein zu nehmen, und selbiges in die Wunde einpropfen (Hautverpflanzung), um auf diese Weise die große Öffnung zum zusammen heilen zu bringen. Der Dr. schrieb mir letzte Woche, das es zwar länger dauerte, als er gedacht hat, aber er hätte die beste Hoffnung auf ein gutes Resultat am Ende, und weiter können wir auch nichts wissen, oder sagen, als abwarten, was am Abschluß der Behandlung sein wird. Rudolph [Hunck] selbst schreibt, das er sich vorzüglich fühle, und auch jetzt wieder keine Schmerzen daran hätte. Rudolph [Hunck] hat sein Leiden tapfer ertragen wir wissen, daß er große Schmerzen hatte nach der letzten Schneiderei. Es hat immer so gezogen, wo die Wunde zusammengenäht worden ist und denn auch jeden Morgen beim neu verbinden. Überhaupt scheint er sich den Umständen nach sehr gut in seinem Schicksal zu fügen.

Mit dem Kriege geht es ja nun noch immer so langsam siegend weiter, aber wie es scheint, verlassen sich die Engländer auf die lange Ausdauer, um noch schließlich doch zu siegen, ich denke, wie nun "Kitchener" seines Amtes enthoben, und die neuen Herren mal daran kommen, wird die Wolle wohl Fliegen, ha, ha. Es war ein feiner Streich, die der Appamerikaner und ist die Beute doch auch für die Deutschen aufgehoben, wie ungern man das auch scheinbar wollte. Letzte Woche schien es, als ob auch der Krieg mit uns und euch entbrennen wollte, aber es hat sich ja doch wieder gelegt, ich war froh zu lesen, das Deutschland den Fuß fest setzte, ja bis hierher, und nicht weiter.

Wir sind sonst noch alle gesund, und ich will hiermit schließen unter vielen Grüßen von uns allen an euch alle, und in einer Erwartung eines baldigem Schreibens von Dir.

Herzlichen Wunsch für Erfolg

Clemens.

 

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/KitchenerHoratio/ Horatio Herbert Kitchener 1850-1916.

 

 

 

 

 

Denver, Colo. den 2. März 1916

 

Eure Karte ein torpediertes Schiff vorstellend, ist angekommen. Wir sind alle gesund und es freut uns daß du noch immer zu Hause sein kannst. Bei Verdun geht es heiß her, und hier kann man sich nicht einigen über neue deutsche U-Boot Orders. Diese Karte zeigt, wie hier in den Berggipfeln mit Autos gefahren wird. Es ist das in den steinigen Bergen, unweit von wo Rudolph [Hunck] im Spital ist. [un­leserlich??] die krummen Wege, um in die Bergspitzen weiter zu kommen. Weiter nichts Neues. Kriegsmaterial wird noch fleißig von hier gesandt. Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 11. April 1916

 

Lieber Wilhelm, diese Karte zeigt ein Fahrweg durch eine enge Kluft, nebst einen kleinen Fluß aus den steinigen Bergen kommend. Ich sehe bei Verdun geht es zwar langsam aber sicher weiter, und so von 3 bis 5 Dampfer gehen täglich herunter. Was Wilson noch tun will oder kann, ist noch abzuwar­ten. Wir sind gesund und hoffen es so von euch. Sandte einen großen Brief am 3 April. Mit Gruß C. A. Hunck.  

 

 

Denver, Colo. den 24. April 1916

 

Rudolph [Hunck] ist am Hl. Karsamstag abend aus dem Hospital angekommen. Der Dr. hat ihn ge­sagt, das der Knochen gesund sei, aber zugeheilt ist es noch nicht ganz, welches aber so langsam ge­schehen würde, und das könne zu Hause geschehen. Er ist so groß wie ich, aber dünn wie eine Stange, jedoch gesund. Wir lesen, daß die Deutschen noch immer siegen, jedoch langsam bei Verdun. Wird Wilson es noch zum Kriege mit Deutschland bringen? Hoffe nicht. Wollen auf baldigen Frieden hof­fen. Wir sind alle gesund. Mit Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 26. Mai 1916

 

Karte vom 2.4.1916 vor 2 Tagen zurück erhalten. Gerade die letzten Tage kommen die Nachrichten von den verzweifelten Gefechten bei Verdun mit deutschen Siegen. Auch die Österreicher gegen Ita­lien machen ja große Fortschritte. Vieles Friedensgerede wird überall laut, hoffentlich wird es Ernst werden. Ich dachte schon das gar keine Post nach Deutschland mehr durchgelassen würde. Werde bald ein Brief schreiben. Alles wohl hier, Rudolph [Hunck] bessert sich langsam. Viele Grüße von allen. Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 7. Sept. 1916

 

Liebe Angehörigen. Habe schon so lange nichts mehr von euch gehört. Wie es [unleserlich??] scheint, macht sich England einer großen Ungerechtigkeit schuldig, um sich privat Postsachen anzueignen oder zurück zu halten. Wir sind noch alle gesund und hoffen es so von euch.

Rudolph [Hunck] ist wieder im Hospital, doch sagt der Dr. daß er ihn bald wieder heim schicken kann. Clara [Hunck] dient in einem Postamt in Royalton Minnesota und wohnt bei Bertha [Hunck]. Der un­selige Krieg tobt noch immer weiter mit wenig Aussicht auf ein baldiges Ende. Zeitungen kommen nicht mehr.

Mit Gruß Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 9.Sept.1916

 

Lieber Wilhelm, heute morgen ist der Rudolph [Hunck] wieder zu Hause angekommen, der Dr. hätte gesagt, es würde mit der Zeit schon heilen, und es könnte auch sein, das es nach längerer Zeit noch mal aufbrechen könnte. Die Rumänen scheinen auch noch nicht alles zu bezwingen.

Mit Gruß Clemens.   

 

 

Denver, Colo. den 1. Okt. 1916 ??

 

Deine Karte vom 25.6.1916 habe ich vor 3 Tagen erhalten. Es nimmt lange Zeit mit der Post. Wir sind noch alle gesund, und Rudolph [Hunck] ist wieder zu Hause, das Bein heilt langsam. Clara [Hunck] arbeitet im Postamt in Minn. wo Bertha [Hunck] ist, und wohnt bei ihr. Mit dem Kriege geht es ja langsam voran, und es ist noch kein Ende in Aussicht. Rumänien scheint hart zu leiden und jetzt die Griechen noch und wer wird der nächste sein? Vielleicht Amerika? O nein?

Mit Gruß Clemens.

Send per neutral Steamer.  

 

 

Denver, Colo. den 30. Okt. 1916

 

Lieber Wilhelm und Alle:-

 

Es ist schon lange her, das ich nichts mehr von euch gehört habe, mit Ausnahme einer Karte vom 21.5.16. und eine etwas vor- oder nachher, habe es vergessen. Jetzt will ich es doch noch einmal ver­suchen, ob ein ganz unschuldiger Brief euch finden wird. Fürs erste will ich sagen, das wir noch alle gesund sind. Dein Vetter Wilhelm [Hunck]ist auf Reisen, kommt alle 3-4 Monate mal hier durch, und Berta [Hunck] ist noch in Minnesota bei Pastor Plachta, und Clara [Hunck] ist dort in dem selben Städtchen im Postamte beschäftigt, wohnt aber bei Bertha [Hunck]. Rudolph [Hunck] ist zu Hause, aber noch immer ist sein Bein nicht ganz geheilt, scheint jedoch gar langsam heilen zu wollen. Der Dr. hat ihm gesagt, es könne noch lange dauern, bis es ganz heil würde, aber er sei sich gewiß auf völlige Heilung. Im Übrigen ist er gesund und munter, er ist so groß wie ich, aber nicht so schwer, ha, ha.

Mit dem unseligen Kriege will es noch wohl immer kein Ende nehmen, es scheint, als ob ganz Europa sich erst gänzlich aufreiben muß, ehe es zur Einsicht kommt. Mit Ausnahme des kleinen Rückfalles vor Verdun, stehen die Sachen ja noch immer sehr günstig. Wir wissen hier noch immer gut Bescheid über die Verhältnisse des Krieges, weil wir beide englische und deutsche Zeitungen hier lesen, unter anderem auch den euch wohl bekannten Waisenfreund, welcher noch immer ausführliche Auskunft gibt. Diese erscheint aber nur wöchentlich, bekommen außerdem auch noch immer den täglichen Denver Harold, somit wissen wir doch vieles, wenn auch vielleicht nicht alles von dem täglichen Her­gange. Das U-Boot Deutschland, hat uns ja hier sehr überrascht, und dann kam das U-Boot 53 nach­dem an, und war doch so unverschämt, hier 6 oder 9 Schiffe zu versenken zu lassen, und seitdem hat es nicht mehr von sich hören lassen. Auch hat man nichts gehört von der Ankunft der Bremen, welche schon lange erwartet wurde. Ja solche freche Bubenstreiche gelingen nicht immer, müssen mal ab­warten, was das nächste sein wird. Sicherlich sind es Unternehmungen, welche die Welt in Verwunde­rung versetzen. Rumänien kriegt ja auch fleißig drauflos, und das arme Griechenland mag noch nicht. Nun, alles dieses, was ich geschrieben habe, sind ja doch wohl keine Kriegsgeheimnisse, somit werden diese Zeilen doch hoffentlich von der englischen Zensur nicht für immer aufgehalten werden. Die Engländer werden doch wohl soviel Menschengefühl besitzen, um euch diese unschuldigen Zeilen zu­kommen zu lassen, uns als etwaige Lebensmittel ist dieses ja auch nicht zu verwenden, und somit will ich es nun seinem Schicksale überlassen, ob der Brief bei euch ankommt oder nicht. Weil es jedenfalls doch lange Zeit nehmen wird, ehe dieser Brief ankommen wird, so wünsche ich, und meine ganze Familie mit mir euch Allen einen fröhlichen Weihnachten, und ein Glückseliges Neu-Jahr, und auch, das der liebe Gott es geben wolle, das der so sehr ersehnte Friede, wenn nicht noch in diesem Jahre, denn doch recht früh im kommenden Jahre bestätigen wolle. Und somit sei ihm alles anbefohlen, denn er wird es gewiß zum besten seiner lieben Geschöpfe lenken und leiten wollen, Gott sei Dank das es soweit gut gegangen hat, bis hierher hat er geholfen, er wird weiter helfen. Mit den besten Grüßen und Wünschen, für das baldige Ende dieses unseligen Krieges schließt hiermit sein Schreiben

 

Euer Bruder, Onkel und Großonkel Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 7. Nov. 1916

 

Das U-Boot „Deutschland“ ist angekommen in Baltimore. Großartiges Unternehmen, das alle Welt in Erstaunen setzt. An die Fronten geht es gar scharf her. Hoffen jedoch auf Erfolg. Auf diese Karte ist ein Schienenpflug gezeigt, der hier in den Bergen gebraucht wird, die Eisenbahnschienen zu reinigen. Auf meiner nächsten Karte sieht man das große Schaufelrad um Schnee wühlen (zu entfernen). Hier ist alles gesund. Nichts Neues.

Mit Gruß Clemens.

Send with Neutral Steamer. Schneepflug nicht in Arbeit. Das große Rad vor der Maschine läuft gar schnell herum und wirft den tiefen Schnee weit fort.

 

 

Denver, Colo. den 8. Nov. 1916

 

Ein Fahrweg in den hohen Bergen. Habe heute deine Karte datiert am 5.6.1916 erhalten. Schrieb ein Brief am 30 Okt. 1916. Gestern ist Wilson wieder zum Präsidenten gewählt worden. Unterseeboot „Deutschland“ ist wieder hier. Große Siege in Rumänien und nördlich. Im Westen geht es langsam weiter. Wir sind alle gesund und sonst nichts Neues. Wilhelm ist auf 3 Tage hier. Rudolph [Hunck] sein Leiden hat sich ziemlich gut gebessert.

Besten Gruß von allen. Schreibe bald wieder. Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 11. Nov. 1916

 

Habe gestern deine Karte datiert am 22 Aug. 1916 erhalten. Es ist gar zu arg, daß einfache Postsachen, welches doch nur Privateigentum ist, so lange aufgehalten wird. Der Waisenfreund wird nicht mehr abgesandt, weil er nicht durchgelassen wird. Er und unser Herold bringen doch noch immer gute ehrli­che Kriegs-Nachrichten. Wilsons Mehrheit war diesmal gar klein. Habe Euch am 30 Okt. 1916 ein Briefchen gesandt. Hier ist alles wohl, hoffe es so auch bei euch. Wenn es mal wieder geht, habe ich noch mal Bilder zu schicken.

Clemens.

 

 

Denver, Colo. den 25. Nov. 1916

 

Lieber Wilhelm und Alle. Habe gestern deine Karte vom 2 Okt.1916 erhalten. Das hat schnell gegan­gen. Ich sehe auch nicht ein wie England sich die Unverschämtheit aneignen kann, deine und meine und so vieler heiligstes Eigentum sich darüber irgend ein Recht zumuten kann. Es ist eine Tat, die ih­ren Lohn wert ist. Ich habe öfters Karten geschrieben und sie hätten ankommen sollen. Briefe über diesen Umständen hat keinen Zweck. Habe einen geschrieben am 30 Okt. Wir sind noch alle gesund, und Rudolph [Hunck] sein Bein heilt langsam zu. Du schreibst von der Bremen, aber ist leider futsch. Das Deutschland (Unterseeboot) ist vorgestern zu euch zurück, hatte leider auch etwas Unglück. Sonst stehen die Sachen ja gut, besser als je, und hoffentlich werden die Herren bald einsehen, das es besser sein wird, Frieden zu schließen als noch vergeblich weiter zu morden. Nun, der alte Franz Joseph (Kaiser) hat sich ja zum Jenseits begeben. Bin gespannt wie Wilson sich von nun an schicken wird? Hoffentlich etwas gelinde schreibt der Kalender.

Mit Gruß Clemens.   

 

 

Denver, Colo. den 8. Dez. 1916

 

Liebe Angehörigen. Es gereicht mir und alle Deutschen zur größten Freude, von euren Sieg in Rumä­nien zu lesen. Verrat und Hochmut kommen zum Falle. Rumänien hat etwas verdient, auch Italien. Wir sind gesund und hoffe es so von euch. Hier wird alles schwerer von Tag zu Tag, hoffe das ihr kein Kummer leidet. Rumäniens Vorrats-Kammer hilft auch euch aus. In einigen Wochen ist Weihnachten und Neujahr. Viel Glück und Segen dazu und baldigen Frieden. Hoffe, das du wenigstens bei der Heimarmee bleiben kannst.     Es grüßt euch Clemens

 

 

Denver, Colo. den 18. Aug. 1917

 

Meine lieben Angehörigen Alle Bruder, Neffe, Nichte und Kinder.

 

Schon seit nahezu einem Jahre habe ich nichts mehr von euch gehört, wundere mich also, ob ihr noch alle am leben seit oder nicht. Wir sind soweit noch alle gesund, bis auf Rudolph [Hunck] sein Bein, das ist noch immer nicht geheilt. Er ist heute noch im Hospital, hoffen aber, daß er in einigen Tagen heim kommen wird, und es scheint so, daß man den Dr. zu glauben kann, daß dieses Mal die letzte Behandlung sein wird und er nicht mehr zu ihm kommen braucht. Er ist im Juli ein Monat zu Hause gewesen, um die Hochzeit beizuwohnen, die wir im Hause hatten am 11 Juli. Unsere Clara [Wessel­mann geb. Hunck], jetzt etwa 23 Jahre alt, ist mit Louis (Ludwig) Wesselmann verheiratet. Es ist dies der jüngste Sohn von Hermann Wesselmann. Einer von Wesselmann seine Jungens hat für Priester studiert, und wurde anfangs Juli geweiht. Er hat in Ohio am 8. Juli 1917 seine erste Hl. Messe gelesen. Am 11 Juli 1917 hat er dann seinen Bruder Ludwig mit unsere Clara verheiratet. Beide Feste waren ungemein schön. An beiden Tagen war Leviten-Hochamt. Die Kirche war fein ausgeschmückt, und war in allem eine ernste, rührende und fröhliche Feier. Am Nachmittage wurde dann die weltliche Feier gehalten im Hause von einer seiner Schwestern. Wie die Hochzeit war alles eben schön, Hochw. Wesselmann zelebrierte das Hochamt, und ihm assistierten Hochwürdige Herren Plachta und Cheatau fungierten als Diakonen, und der hiesige Pfarrer als Zeremonienmeister. Father Plachta war unser Pfarrer in Duelm Minnesota Pfarrer Cheatau war unser Pfarrer in San Benito Texas, und Pfarrer Pius ist hier unser Pfarrer, so hatten wir drei Pfarrer bei der kirchlichen Hochzeit beschäftigt. Ein dritter Bruder von unserm Schwiegersohn, namens Hubert [Wesselmann] und unser Rudolph [Hunck] aus Wisconsin waren die Zeugen. Zur Hochzeit hatten wir ungefähr 50 Personen, Kinder mitgerechnet. Wilhelm [Hunck] war auch hier. Alle haben sich nach unserer Ansicht, und auch nach deren Aussagen fein amüsiert, nur eines hätte uns am meisten gefreut, wenn auch ihr zugegen hätten sein können. Aber, der junge [Ludwig] Wesselmann ist ein Automobil Mann, das versteht er sehr gut, soweit woh­nen die jungen Leute noch bei uns, und wenn das nicht wäre, so würde ich und meine Frau nur ganz allein in dem großem Hause sein. Habe euch am letzten ersten Februar einen langen Brief geschrieben, aber der kam unbestellt zurück, und nun möchte ich es mal auf diesem Wege probieren. Ich habe letz­ten Frühjahr eine weite Reise gemacht, nach Texas, Florida. Von dort nach Georgia, Tennessee, Ken­tucky, nach Chicago Illinois, und dann nach Milwaukee und Newburg in Wisconsin, wo ich Freunde und Verwandte besucht habe, und von dort auch nach Minnesota Nach Duelm, St. Cloud, und Royal­ton, wo unsere Bertha [Hunck] ist. Von da kam die Clara [Wesselmann geb. Hunck] denn mit mir über Minneapolis und St.Paul zurück nach unser Heim zu. Haben nochmals Newburg besucht, da wohnt die Tochter meiner Schwägerin (Schwester meiner Frau) die auch mit uns hierhin fuhr. In Milwaukee habe ich einen guten Freund wohnen, der wird diesen Brief an seine Schwester in Dänemark schicken, und die sollen ihn dann weiter nach euch senden. Auf denselben Weg könnt ihr mir dann Antworten. Ihr werdet deren Adresse hierin finden. Wie ist es mit Marschall, Overhage, Bontrup, Frerick und an­dere? Mit vielen, vielen Grüssen und Wünschen schließt hiermit Euer Clemens. C.A. Hunck

Sendet meinen Brief an folgende Addresse Anne Kirstine Jorgensen Kong Alderdomsh Jem. pr. Lundby. Sjelland Denmark. Meinen Brief könnt ihr meine richtige Adresse drauf schreiben, und ohne Porto in den Brief nach Dänemark hinein legen, die werden dort die richtige Postmarke aufkleben, und ich werde das meinem Freunde hier in Milwauke vergüten.  

 

 

Logan. Colo. den 10ten.Nov. 1917

 

Mein Lieber Wilhelm und Alle.

 

Die letzte Karte von Dir ist die mit den Grüßen von Krupp & Zeppelin an die lieben Freunde in England und schon über 1 Woche habe ich keine Dülmener Zeitung mehr bekommen. Diese Berichte darin sind wohl gar verspätet, aber dennoch mit Interesse zu lesen, weil sie so ganz anders sind als uns von London & Paris etc. berichtet wird. Nur ist es etwas beschwerlich sich noch zu erinnern, was unsere Zeitungen gerade zur Zeit, wenn Eure gedruckt sind, hier gesagt haben, aber einen allgemeinen Überblick hat man doch noch im Kopfe. Wir haben hier auch eine deutsche tägliche Zeitung, welche uns in Kenntnis setzt, von den kurzen Funkberichten. Somit sehen wir doch jetzt, was die wichtigsten Ereignisse der deutschen Armeen sind. Eigentlich ist es hier jetzt am 9ten morgens, als ich dieses schreibe, wird aber jedenfalls erst morgen zur Post kommen. Seit gestern morgen haben wir nunmehr keine Kriegsneuigkeiten erhalten. Obschon wohl neue Berichte in dem Hauptteil der Stadt angekommen sein werden, diese bekommen wir hier nicht so schnell, weil ich hier in unserer Wohnung keine Morgenzeitung erhalte und ist selbige etwa 4 Meilen, 4 Kilometer, von der Mitte der Stadt entfernt.

Bin gerade jetzt zu Hause, weil ich auf den Doktor warte der die Operation an Rudolph gemacht hat, um einen neuen Verband anzulegen. Er ist nämlich am 30 Oktober von neuem etwas nachoperiert worden, wie ich schon bereits auf meiner letzten Karte berichtete. Er kam am 5ten wieder heim, und will der eigentliche Doktor diese Verbindung noch selber machen. Nach diesem wird es unser Nachbar Doktor denn wohl wieder besorgen. Der Dr. sagt jetzt so, daß ihm ein Teil des Knochens noch nicht gar gut aussehen täte. Durfte aber jetzt nicht mehr wegnehmen, weil unmittelbar gerade dort unter die Hauptader liege. Und das der Knochen an einer Seite noch nicht genug wieder gewachsen sei, daß es stark genug sei, um dieses alles weg zu nehmen, um somit einen Beinbruch zu verhüten. Es könne sein, daß er später noch einmal dran müsse, um auch dieses möglicherweise noch angegangene Knochenstück völlig zu entfernen. Aber müßten noch warten, auf was sich weiter ereignen würde. Wir hoffen auf das Beste.

Was uns nun sonst weiter angeht, sind wir alle gesund und das Wetter ist ganz schön.

Wir haben hier auch einen Krieg überstanden letzte Woche. Aber es ist dabei kein Blut vergossen worden, aber die Deutschen hier, und Gleichgesinnte haben eine schlimme Schlappe erhalten und das ist wie folgt:

Hast jedenfalls schon gelesen von dem „Muckertum“ oder Wassersimpler, und hier nennt man es Prohibition „Verbietung“ Verbietung von Was? Ja, Verbietung von geistigen Getränken zu trinken. Diese Verbietung spielt, und hat schon seit längeren Jahren hier zu Lande eine große Rolle gespielt, aber der Staat Colorado war soweit noch immer frei davon, aber jetzt ist es uns verboten nach dem 1ten Januar 1916 noch irgend welche geistigen Getränke im Staate Colo. zu fabrizieren, zu verkaufen, zu verschenken, noch hineinschicken zu lassen. Dieses wird durch abstimmen auf einer allgemeinen Wahl entschieden und solche Wahl hatten wir am 3ten dieses Monats und sind wir von einer Mehrzahl von etwa 8.000 Stimmen geboten worden.

Das nennt man Trocken oder Nosz sein, und wird nach obigem Datum alles trocken sein. Vor 2 Jahren wurde hier auch schon darüber abgestimmt und hatten die Nassen damals 40.000 Mehrheit. Obschon wir dachten nur diesmal etwa eine Mehrheit von 10.000 zu erhalten, mußten wir zu unserem Erstaunen erfahren, daß die Trockenen nahezu soviel Mehrheit aufbrachten.

Diese Sache verhält sich hier wie folgt: Zuerst wird es eingebracht, bei Local Verbietung, daß heißt, daß jede verschiedene Gemeinde für sich selbst dafür abstimmen kann, ob solche Gemeinde trocken sein will oder nicht. Solches Verfahren war schon lange in Colo. und waren gar viele Gemeinden schon länger dadurch trocken gelegt. Und wenn diese Mucker glauben, daß es gelingen möchte für einen ganzen Staat, dann versuchen sie es mit dem ganzen Staat auf einmal und so ist es ihnen jetzt gelungen. Man spricht noch davon das Denver, als eine große Stadt, das Recht hat, sich von dieser Wahl zu entreißen und sich selbstständig für Nass zu erklären, aber das muß erst die Zeit lehren, zu dem Zwecke sind noch lange und große Gerichtsverhandlungen zu unternehmen. Und es wird von dessen Entscheidung abhängen. Wenn wir die Stimmen von Denver allein zählen, so hat die Stadt selbst eine Mehrheit für Nass von etwa 10.000 Stimmen.

Für die Landschaft und kleinere Städtchen ist das Trocken sein nicht so schädlich, aber für die Stadt Denver würde es gar schlimme Folgen haben, wenn sie Trockenwürde. Und auch von anderer Seite betrachtet, ist dieses Muckertum eine große Ungerechtigkeit einem Menschen zu verbieten ein Gläschen zu trinken, wenn es ihm gefällt.

Die Mucker sagen, daß es so vielen zur Wohlhabenheit verhelfen wird, welche sonst alles versaufen; mag dem so sein, aber was sollen wir denn doch fasten, für solche, die ihr eigenes Beste nicht wissen oder wissen und nicht verfolgen wollen.

Mit unserem Staate sind auch gleichzeitig die Staaten Oregon, Washington und Arizona auf Trockene geraten, eben durch Abstimmung.

Viele Staaten waren schon längst früher trocken und wenn die Zahl mal groß genug sein wird, wird es wohl auch noch versucht werden die ganzen vereinigten Staaten zum Wasser saufen zu zwingen. Nicht wahr, so was ist in Deutschland doch unerhört oder besser ungehört.

Bei dieser Zeit war auch der Dr. hier um Rudolph sein Bein zu verbinden, und hat er uns doch versichert, daß wenn auch noch einmal dran müßte operiert werden, so wären doch jetzt von 75 bis 90 Prozent mehr Aussichten auf völlige Heilung, als es vor einem Jahre zurück gewesen sei.

Wie sich aus den heutigen Zeitungen hier ersehen lies, sind bei den Deutschen in Frankreich, wie auch im Osten „Russland“ keine großen Fortschritte gemacht, aber ich hoffe und denke, daß der deutsche Michel sich mal wieder auf einmal rührt und daß wir von großem Erfolge lesen werden.

Die Briefe die ich zuletzt von Dir habe, habe ich an die Bertha zum Lesen gesandt, somit habe ich die jetzt nicht zur Hand um genau darauf zu antworten. Weitere Neuigkeiten wüßte ich auch keine, so will ich hiermit für diesmal schließen und hoffe, bald wieder von Euch zu hören und das wir dann über große deutsche Siege Berichte erhalten können. Wie ich heute gelesen habe, wollen ja jetzt die Japanessen, nachdem sie die Deutschen dort überwunden haben, nach Frankreich kommen, um dort auch mal aufzuräumen. Wer weiß?

Wenn ich von jetzt an Karten schicke, sind es von Ansichten von den hiesigen steinigen Bergen, hier „Rockey Mountains“ genannt. Diese Gebirge sind sehr romantisch und möchten den Schweitzer Gebirgen überlegen sein. Unter vielen Grüßen von uns allen an Euch alle schließt hiermit

Euer Clemens

 

 

Logan, Colo. den 20. Juli 1919

 

Meine Lieben Alle:-

 

Ja, endlich ist mein und unser aller Gebet erhört worden, das mal einmal wieder Friede geschaffen ist. Ja was für Leiden und Hungern ist doch mal wieder am Ende, wenigstens das vermehren derselben, sonst gibt es ja noch Nachwehen genug.

Wir sind Gott sei Dank noch alle gesund, und ich möchte nun gar zu gerne wissen, wie es bei euch ist, hoffentlich werdet ihr noch alle am Leben sein. Euren Brief über Dänemark vor etwa 2 Jahren habe ich erhalten, und war gar froh, wenigstens einen Brief durch zu kriegen. Ich schickte den Brief an ei­nen guten Freund (ein Däne) von uns, und er sandte denselben nach seiner Schwester in Dänemark u.s.w. Habe dasselbe noch einmal nachher versucht, aber dieser Freund war ein wenig ängstlich, um mit der hiesigen Regierung in Konflikt zu kommen, und ich habe ihn deshalb auch nicht weiter mit dem Problem beschäftigt. Vor mehr als zwei Monaten habe ich nochmals einen Brief an Euch gesandt, indem ich denselben nach einen unserer Soldaten, der in der Nähe von Koblenz war. Er hat mir ge­schrieben, das er den Brief an euch auf die Post gegeben habe, hätte aber seitdem nichts von euch ge­hört, habet ihr ihn nicht bekommen? Dieser Soldat heißt Peter Jurek, und ist ein Nachbars Sohn von uns aus Minnesota. Wie ihr eben sehen könnt, sind wir nicht mehr in Denver, sondern ungefähr 150 Meilen davon, und haben wieder einen Stor (Laden) angefangen. Diesen Frühjahr ein Jahr zurück ha­ben wir erst gebaut, und am 1 ten Juli letzten Jahres haben wir den Laden eröffnet, und wir haben seit­dem ziemlich gute Geschäfte gemacht, haben wenigstens mehr Waren in diesem Jahr verkauft, als wir jemals in Duelm in einem Jahre verkauft haben. Wir sind hier ganz neue Anfänger auf dem Lande, und wir erwarten, daß sich das Geschäft weiter ausdehnen wird mit der Zeit, aber unter gar fremden Leuten in einer Fremden Gegend, muß das mit der Zeit kommen, obschon man das hier zu Lande wohl mehr gewohnt ist als bei euch. Unser Store ist an der Eisenbahn, etwa 125 Fuß vom Hauptgeleise, so brauchen wir unsere Ware nicht weit fahren. Es ist eine neue Station, und sind hier 2 Frucht Lager-Häuser, die Frucht wie Weizen, Hafer, Bohnen, und irgend welches andere einkaufen, und versenden. Dan ist eine große Holzhandlung hier, wo alles Baumaterial zu haben ist, was einer braucht. Wie ihr wißt, werden hier alle Häuser auf dem Lande von Holz gebaut, und auch ist hier eine Zuckerrübenab­lieferungs-Anstalt nahe an der Bahn. Die ist etwa 20 Fuß hoch, wo die Leute mit ihre Fuhren hinauf fahren, und wenn oben angekommen, dort ist eine Einrichtung, das den Wagen soweit nach einer Seite kippt, das wenn die Seitenwand von den Wagen (Der Rübenbehälter) entfernt ist, das dann die Rüben von selbst herunter rollen, und gleich in den bereit stehenden Waggon auf dem Geleise fallen, um dann nach der Zuckerfabrik gebracht zu werden. Solche Zucker Fabriken sind hier viele in Colorado, und eine ist 12 Meilen von hier.  An meine Lieben da Heim. Alles dieses wird von hier versandt, und bringt viel Geschäfte für uns mit sich. Die Zucker-Rüben werden hier nahe bei gezogen, aber Weizen und andere Früchte (oder Korn) (wie ihr sagt) wird von 15 bis 20 Meilen weit hierher gebracht, welche vom Norden und Nordwestlich hierher kommen, weil eben in jener Richtung oder Gegend keine Ei­senbahn, und Folge dessen kein näherer Absatz ist für diese Sachen, und sie haben auch keinen Store dort. Soweit wohnen nur noch 4 Familien hier in dem neuen Dorf.

Mit unserem Rudolph [Hunck] sein Bein ist es noch immer nicht ganz recht. Letztes Jahr hatte uns der Dr. versichert, das alles ungesunde an den Knochen entfernt sei, und würde jetzt sicher aber langsam heilen, aber da wir über 1 Jahr gewartet hatten, haben wir ihn doch nochmals hingehen (reisen) lassen müssen, und sagte er nach seiner Untersuchung, das noch etwas von den Knochen müßte entfernt wer­den, und hat er sich dann noch der 16 oder 17 Operation hingeben müssen. Er hat zwar nicht viel weg­genommen, und hat er wieder versichert, das es jetzt mit der Zeit heilen würde. Es waren letzten Fe­bruar 6 Jahre vergangen, daß er unter das Messer gewesen ist, und es laufen seine Dr. Rechnungen über tausende Dollars hinaus, aber das wäre nicht schlimm, wenn nur völlige Heilung eintreten wolle. Also das hat schon so viel gekostet, und unser Vermögen hatten wir meistens in Grundeigentum an­gelegt, und mit dem Kriege wurde alles zum Lebensunterhalt so sehr teuer, somit haben wir uns ent­schlossen, dieses Geschäft anzufangen, hauptsächlich, um eine Heimat für den Rudolph [Hunck] zu gründen, und ein Platz zu haben, wo er im schlimmsten Falle (ich meine wenn er gar am Ende noch sein Bein verlieren sollte, welches wir nicht hoffen), das er dann sein Fortkommen hätte. Schmerzen tut es ihn fast gar nicht, und wenn er herum wandert, sieht man es kaum, das ihm etwas fehlt, und wer es nicht weis, sieht es gar nicht. Wilhelm [Hunck] ist ein reisender Agent, und verdient einen großen Lohn, er kommt von Zeit zu Zeit hier bei uns durch. Bertha [Hunck] ist noch immer beim Pfarrer Au­gust Plachta in Royalton, und Clara [Wesselmann geb. Hunck] wohnt mit ihren jungen Ludwig Wes­selmann in St. Cloud Minnesota Er ist im Automobil-Geschäft, und es klappt sehr gut. Etwas über 1 Jahr zurück hatten sie ein (Baby) wie es hier genannt wird, ist aber etwas zu früh und tot zur Welt ge­kommen. Erst war ein wenig Besorgnis über die Clara [Wesselmann geb. Hunck], aber alles hat sich gut verlaufen, und fühlt sich jetzt wieder recht gut, wie sie schreibt, habe noch vor 2 Wochen ein Brief von ihr erhalten. Nun schreib mir doch mal recht bald, wie es euch denn während des unseligen Krie­ges ergangen ist, ihr werdet wohl manchmal Hunger leiden müssen. Wie man hört, sind die Leute bei euch arg abgemagert, und besonders soll es schlimm für die Kinder gewesen sein. Nun ich warte auf eure Antwort bevor ich wieder schreiben werde. Auch wir haben des Krieges wegen Fasten müssen, aber doch nicht hungern aber gar vieles, was man gern gehabt hätte, konnte man nicht bekommen und war auch von der Regierung verboten. Zucker war gar rar, für eine Zeitlang bekam jede Person nur 2 lb. per Monat, und wir haben uns im Store danach halten müssen, ohne gar Zucker verkaufen zu dür­fen, bis im Dezember. Eine Zeitlang nachdem der Waffenstillstand erklärt war galt noch das be­schränkte Verkaufsverbot, dann wurde uns wieder der Verkauf erlaubt. Jetzt ist alles wohl wieder zu haben, aber alles ist gar teuer, manches mehr als doppelt, wie es früher war. Butter kostet hier jetzt etwa 2 1/2 Mark, und mein Jurek in Koblenz schrieb, es kostete dort 4 Dollar. Nun wir wollen Gott danken, das der elende Krieg zu Ende ist, und um den Herrn Kaiser und dessen Anhänger gebe ich wenig, aber ihr armen Deutschen Mitbrüder müßt lange Zeit die Nachwehen ertragen, das tut mir sehr leid für euch und alle Deutschen. Jetzt will ich noch unser aller Bedauern ausdrücken, über euren herben Verlust eures kleinen so lieben (Baby), das ihr es so früh verlieren mußtet, nun der liebe Gott wollte es so, und ist es doch dem Kriegselende aus dem Wege gegangen.

Nun noch viele, viele herzliche Grüße von uns Allen, und mit einer sehnsüchtigen Hoffnung, recht bald von euch wieder zu hören schließt hiermit für dies mal, sein Schreiben

Euer Bruder, Onkel, und euch allen sehr liebender Clemens. C. A. Hunck u. Familie.

 

Der Zusammenbruch des ersten Weltkrieges 1914-1918

http://www.history-line.com/Der_Zusammenbruch/der_zusammenbruch.html

 

 

Logan, Colo. den 11. Nov. 1919

 

Meine lieben Angehörigen.

 

Nun endlich habe ich vor kurzem doch mal ein Brief von euch bekommen, habe freilich lange auf ein Lebenszeichen von euch gewartet. Ich habe mich auf alle mögliche Weisen bemüht, etwas zu euch hinüber zu bekommen, erst über Dänemark, was aber mein Dänischer Freund sich nicht wieder ge­traute, um nicht etwa mit dem hiesigen Governement in Konflikt zu geraten. Dan erfuhr ich, das einer von unsere früheren Nachbarn Peter Jurek nahe bei Koblenz war, und so versuchte ich es durch den. Der schrieb mir zurück, daß er es damals gleich noch nicht tun konnte, wolle aber ganz gerne, so bald er könne, euch den Brief zusenden. Er mußte erst Rücksprache nehmen mit seine Oberen. Später schrieb er mir, daß er den Brief abgesandt habe, habe aber keine Antwort von euch zurück erhalten, und ist es mir immer ein Rätsel gewesen, warum das sein könne, dachte manchmal, das wir unter uns doch nicht im Kriege sein könnten, wenn auch beide unsere Regierungen mit einander im Kriege wa­ren ha, ha, bis sich nun endlich das Rätsel gelöst hat. Wenn auch nun zwar kein Krieg zwischen uns erklärt war, und hatte vielleicht ein kleines Kriegsgefühl sich irgendwo angesetzt, so kann ich mich doch die Ehre nehmen oder geben, das ich das Eis zuerst gebrochen habe, zumal da du sagst, das du schon damals, als Jurek schrieb, der Postverkehr wieder eröffnet war. Ich wußte das damals noch nicht, und hier hat es einmal geheißen, das man wieder frei schreiben könnte, und wieder mal auch nicht, so dachte ich, das es von eurer Seite noch nicht wieder eröffnet wäre, kurz gesagt, es war mir ein Rätsel, warum ich nichts von euch zu hören kriegte. Jetzt will ich sagen, das es mir, und uns Allen ungemein gefreut hat, euren Brief zu bekommen, und noch mehr hat es uns gefreut, das wir wissen, das ihr noch alle gesund seit, und euch der unselige Krieg noch nicht so hart mitgenommen hat, als ich und wir hier wohl geglaubt hatten, obwohl ich doch auch wohl dachte, das es bei euch doch noch nicht so schlimm sein würde, als in manchen Gegenden, und besonders Städten, wie auch du sagst, das es gar schlimm gewesen ist, und noch jetzt ist. Haben denn auch jetzt die Briefe und Karten von früher die von dir geschrieben wurden, erhalten, und werde auch meinen Brief, den ich am 1ten Februar 1917 schrieb, hier bei legen, der damals zurück kam. Ja, ja damals hatte man noch gute Hoffnung, das Ihr würdet siegreich bleiben, aber das wir Amerikaner noch mit eingreifen mußten, hat Deutschland wohl am meisten den Hals gebrochen. Nun haben wir doch endlich den lieben Frieden wieder, den Namen nach wenigsten, so daß das elende Morden ein Ende hat, aber so unruhig die Welt ist, und die Nach­wehen ertragen muß, ist entsetzlich, und besonders für Deutschland hart, wenn es, wie es scheint, den Versailles Friedensbedingungen nachkommen muß. Vor etlichen Tagen haben wir denn auch euer schönes Bild, oder Bilder erhalten, und man sieht ja deutlich, das ihr doch noch nicht ganz ausgehun­gert seid, und bitte, empfanget hiermit unsern besten Dank dafür. Ich habe es jetzt auf meinem Schreibpult liegen, und nehme es mehrmals zur Betrachtung in der Hand. Beide sind schön, aber das eine ist doch etwas besser, wohl weil es ein wenig heller ist. Ja Bruder Bernard [Diekemper], du siehst ja noch so gesund und kräftig aus, als ob du 100 Jahre alt werden wolltest, und noch allerlei Arbeiten, sogar hinter den Pflug zu gehen noch mitmachen kannst. Hier ist das nun besser mit dem Pflügen, hier denkt kein Mensch mehr daran, hinter einem Pflug zu gehen, denn hier wird fast alles mit einem Dampfkraft-Pflug gepflügt, wo Pflüge daran hangen von 6 bis 16 in einem Zuge, da werden große Flächen umgedreht in einem Tage. Nun gut, es freut mich zu wissen, das du noch recht gesund bist, um es noch auszuhalten, wenn das aber mal nicht mehr recht gehen will, dann paß auf, denn ich weis nur zu gut, das du ohne Arbeit nicht sein kannst. Hol die Fucht so lang et gait. [Halte dich feucht so lange es geht] Und du lieber Wilhelm [Diekemper], ich sehe, und wundere mich, das du schon das Alter zeigst, ja der Kahlkopf, und die Runzeln an der Stirne, aber wie es kürzlich im Waisenfreund zu lesen war, sind die Glatzköpfe die Gescheitesten. Und du, meine liebe gute Johanna [Diekemper], über dich muß ich mich wundern, da deine Haare schon das ehrwürdige Weis angenommen haben, aber sonst so ein treues vergnügt freundliches Gesicht bewahrst. Und die Kinder: Ja die sehen alle gesund und kräftig und ernst aus, und alle haben, (bitte um Verzeihung) Diekämpers Gesicht, wenn eine etwas davon abgewichen wäre, dann ist es die Maria [Diekemper], die sieht der Mutter eher ähnlich, als ei­ner von den andern. Mit einem Worte, es ist schön. Bertha [Hunck] hat auch eins erhalten, aber jetzt muß ich fragen, für wen ist den unser zweites bestimmt? Auch möchte ich fragen, wo das Bild ge­nommen worden ist. Ich könnte nicht denken, das es auf eurem Hofe aufgenommen wäre, weil ich da nichts mir bekanntes sehen konnte, als möglicher Weise, die Dachziegeln. Es freut uns zu lesen, wie ihr so sorgfältig für die Kinder alles ordnen tuet, und es ist wie du sagst, das eine entsprechende Bil­dung besser ist, als eine große Mitgift, denn jeder geistig und leiblich gesunde Mensch kann sich ein gutes Fortkommen verschaffen, und Wissen ist ihnen besser, als oft eine Mitgift sein würde.

Was uns angeht, so sind wir alle noch recht gesund und es geht alles gut, bloß der Rudolph [Hunck] wie ihr wißt, ist mit seinen Beinleiden noch nicht ganz fertig. Er ist vor einer Woche zurück nochmals aus dem Hospital heim gekommen, wo er etwa 5 Wochen war, um sich einer nochmaligen Operation zu unterziehen, etwa die 18te an dem Bein. Der Ausschnitt ist etwa 12 Zoll oder mehr lang, und ging bis unter dem Knie herunter. Da war es uns bange darum, als der Dr. letztes Jahr bis unter dem Knie aufschneiden mußte, aber ums Knie herum, ist alles gut nur am oberen Ende des Ausschnittes wollte es noch nicht heilen, und hat er dort noch mal was müssen vom Knochen abnehmen, doch der Dr. be­hauptet, daß es zuheilen würde mit der Zeit, und ihm die Beinamputation erspart würde, aber eine gar große Narbe, oder Aushöhlung wird schon doch immer bleiben, aber das wäre nicht so schlimm, wenn ihm nur das Schlimmste erspart bleibt. Wir hoffen noch immer das beste. Wenn er hier herum geht, so sieht man ihm nichts an, besonders dem nicht der von seinem Übel nichts weis, aber er muß sich hü­ten, das ihm nicht etwas ganz unerwartetes damit passiert. Das der Rudolph [Hunck] dieses Übel hat, ist auch teilweise die Ursache, das wir wieder im (Stor-) Ladengeschäft gegangen sind, weil das eben nicht so hart ist als sonstige Arbeiten wären, und er hat sein Auskommen wegen sein Beinleiden. Nun genug davon, somit wollen wir zu den anderen Familienverhältnissen zurück gehen. Clara [Wessel­mann geb. Hunck] war den zur gewöhnlichen Zeit in andern Umständen, aber das Kind wurde zu früh und tot geboren, hat sich aber doch recht bald wieder erholt, und steht jetzt das zweite bevor, sie schreibt, das sie diesmal viel besser fühle, und geht es mit gar guter Hoffnung entgegen. Bertha [Hunck] ist noch bei ihrem Herrn Pfarrer August Plachta, und wie ich nicht anders weis, wird sie auch noch wohl da bleiben. Sie hat nun ein Brief bekommen von Maria Elbert, welche, wie ihr wißt in oder besser bei Höxter die Hochschule besucht, Bertha [Hunck] hat mir den Brief zugesandt, um zu lesen. Jetzt wird sie euch auch wohl in Bälde schreiben, aber sagt sie, das deutsch schreiben ist ihr hart. Hat sie jemals ein Brief an euch geschrieben? Wilhelm [Hunck] ist noch immer als Reisender beschäftigt, und tut sehr gut in diesem Fache, aber in manch andere weise wäre noch wohl zu wünschen übrig. Den Dülmener Anzeiger kommt so unregelmäßig an, weis nicht, ob ich alle Nummern bekomme oder nicht, und viele direkte Neuigkeiten von Dülmen scheint mir, sind nicht darin enthalten. Ich habe für den Waisenfreund geschickt, das er euch regelmäßig zugesandt wird, und habe alle von früher für euch bestellt, die zu haben sind, vielleicht ein und 1/2 Jahrgang, aber alle zu schicken, schreibt er mir kann er nicht, weil eben die Regierung ihm die Schranken gesetzt hat, wie viele er drucken durfte. Ja wir haben auch gar vieles unter und wegen dem Kriege leiden müssen, auch Fasten, und Geld herge­ben, und alles wurde so teuer, das es uns gar viel nahm, um zu leben, und wo denn auch nichts ver­dient wurde, da neigt sich die Summe gar bald. Hunger leiden haben wir auch nicht brauchen, aber viele Entbehrungen mußten doch durchgemacht werden. Mehl mußte vermischt werden mit allerhand anderem Zeug, das kein schönes Brot gebacken werden konnte, und Zucker war so rar wie nie vorher. Wir, als wir den Store hier anfingen, haben wir etwa 6 Monate ganz ohne Zucker verkaufen müssen, weil wie man uns sagte, wir die nötige Erfahrung nicht hätten. Ob ich da sagte, wir hätten schon 35 Jahre Erfahrung im Zucker verkaufen, hat nichts geholfen, zudem waren wir ja doch auch Deutscher Abstammung, und was sie damit meinten, könnt ihr euch wohl denken und vieles aus dem Waisen­freund schließen. Die Deutschen wurden vielfach als nicht zu trauende Bürger erklärt, und ich sage, das Amerika gar mit einer großen Laterne nach bessere Bürger suchen muß, als sich die Deutschen bewiesen haben, aber wer nicht sehen will, dem nützt weder Kerze noch Brille, ha ha. Ja heute wird der Jahrestag des großen Waffenstillstandes hier gefeiert, welches bei uns aber ganz ruhig und einfach verläuft, wir werden keine Böller-Schüsse abfeuern, weil das Pulver zu teuer ist. Ja, Bilder haben wir auch noch welche, um euch zu schicken, nicht von der ganzen Familie, aber von mir selbst, und auch einige, welche einige Zimmer des inneren von unserm Hause in Denver zeigen. Habe eine Beschrei­bung bei gelegt, um es möglicher weise klar zu legen, was und wie die Zimmer beschaffen sind. Jetzt haben wir sie wohl nicht mehr, haben aber doch ganz schöne Zimmer auch hier, und viele von den Möbeln, die wir dort hatten, haben wir jetzt hier. Das ich jetzt nicht eher geschrieben habe, liegt mei­stens daran, das ich durchaus die Zeit nicht dazu hatte, als unser Rudolph [Hunck] im Hospital war. Ich und die Frau waren von morgens früh, wenn die ersten Kunden kamen, damit beschäftigt, und bis tief in die Nacht hinein mußte ich die nötigen Bücher führen, und Waren bestellen und aussetzen, und was da nicht alles zu tun war. Und mußte die Frau auch das Haus führen, und einen zu teuren, der ei­nem das tut oder im Store, das geht auch fast gar nicht an, da wollten wir uns lieber die Zeit behelfen. Wenn ich so den ganzen Tag dabei war, konnte ich doch die Müdigkeit wohl spüren, sonst wenn da etwas Abwechslung ist, da kann ich noch recht flink um die Ecken kommen. Die Füße schwellen mir auch an, aber dafür trage ich Gummi Strümpfe, von über die Waden bis über die Enkel herunter, wun­dere, ob auch solche nicht praktisch wären für dich Johanna [Diekemper]? Ich dachte hier jetzt aufzu­hören, aber da denke ich an unseren Rudolph [Hunck] und daß ich noch einiges erwähnen will, so muß ich noch einen Bogen Papier nehmen.

Nicht das Rudolph [Hunck] die heutzutage nötige Hochschulkenntnisse einsammeln konnte, nicht das er nicht fähig zum lernen war, aber seit den letzten 7 Jahren ist er ungefähr die Hälfte Zeit im Hospital gewesen, und die Zeit die er nicht da war, war nur zerstückelte Zeit, und konnte er auch wegen Salben und Verbinden nicht die Hochschule besuchen, weil sein Leiden eine Zumutung seinen Mitschülern gegenüber gewesen wäre. Jetzt bin ich und seine Mutter noch bei ihm, und er schickt sich gar gut für das Geschäft, und ist er auch beliebt bei den Leuten. Wir sind jetzt seit vorletzten Sommer hier im Ge­schäft gegangen, und geht es uns sehr gut damit. Das Haus, was wir in Denver hatten, haben wir die­sen Sommer verkauft, erst hatten wir es vermietet, aber das ist mit vielen Mühen behangen, besonders, wenn man nicht in der Nähe wohnt, um selbst alles nachzusehen und im Stand zu halten. Auch war das Haus ein wenig zu groß für unsere kleine jetzige Familie, und sollten wir noch lange genug leben, um mal wieder nach Denver ziehen zu wollen, so können wir ein kleineres Haus bauen oder kaufen, aber wir sind auch hier ganz gut eingerichtet, nur sind wir ein wenig weit von der Kirche, das sind 10 oder 11 englische Meilen, aber mit dem Auto (Kraftwagen) sind wir in etwa 20 Minuten dort. Der Pa­stor von dieser Kirche in der Stadt Sterling ist gebbürtig von Coesfeld, und heißt Sasse. Neulich war er hier zum 2ten Male, und wir fanden heraus, daß er aus dem Nachbar-Städtchen Coesfeld kommt; ha­ben aber nicht viel darüber reden können, denn er hatte ein irländisch sprechender Priester Freund mit sich, und da paßt es nicht eine andere Sprache zu führen, die sie alle verstehen können. Wißt ihr, oder kennt ihr jemand, der vielleicht die Sasses von Coesfeld kennt, ich habe mal gehört, das er einen Bru­der als deutscher Offizier habe, aber von unserem Pfarrer weis ich das nicht. Vielleicht werde ich mal näher mit ihm bekannt. Er kam auch um zu Kollektieren für die Kirche. Die Kirche ist zu klein, und möchte eine neue in nächster Zeit gebaut werden, und bei dieser fehlt das Finanzieren. Auch haben sich Franziskaner Schwestern neben der Kirche nieder gelassen, für Kinder Erziehung und Katholi­sche Schule, et c. So sehet ihr, das auch wir hier im Beutel greifen müssen, um Kirchen und Schulen zu bauen und zu unterhalten. Wir haben nun in Duelm schon zwei Kirchen zu bauen mitgeholfen. Er­stens eine neue, und dann nachher die abgebrannte wieder aufbauen. Dan in Texas, wo erst in unserm Hause ein Jahr lang der Gottesdienst gehalten wurde, bis auch dort eine neue Kirche gebaut werden mußte, dann kamen wir nach Denver, und als wir kaum ein Monat im neuen Hause eingezogen waren, kam ein junger Priester zu uns im Hause, und unterbreitete uns, das eine Kirche in unsere Nachbar­schaft fehlte, und er dabei wäre, um Unterschriften zu sammeln, wieviel ein jeder dazu beitragen könne oder wolle. Die Kirche wurde gar bald gebaut, etwa 600 Schritte von unserem Hause, wo wir denn auch am meisten hingingen, aber unsere eigentliche Pfarrkirche war die Hl. Elisabeth Kirche, wo auch unsere Clara [Wesselmann geb. Hunck] drinn geheiratet hat, wie ich in meinem Briefe von damals schon beschrieben habe. Die Feiern sind demgemäß denn auch so verlaufen, und wir hatten ein gar schönes Fest. Damals konnten wir noch Bier und Wein haben, aber jetzt hat man uns das Recht genommen, denn wie ihr gelesen habet, ist jetzt ganz Nord Amerika trocken, wie man es im gewöhnli­chen nennt. Das ist eine Schande für unser geliebtes Amerika, das ist keine Freiheit mehr. Das die Wirtschaften fort sind, ärgert mich nicht, denn davon wurden hier viele so geführt, daß es mit einem Worte gesagt eine Schande war. Das hat auch diese Temperaturbewegung am meisten ins Werk ge­bracht, so mit halte ich dafür, daß die Trinker, und am meisten die Wirte selbst sich den Prügel zu ih­rem eigenen Buckel bereitet haben. Nicht alle, aber ungefähr 3/4 davon haben schlechte Wirtschaften gehalten. Habe schon seit geraumer Zeit etwas Kaffee eingepackt gehabt, um an euch zu senden, habe aber noch immer Bedenken gehabt, daß er nicht ankommen möchte, und gerade vor kurzer Zeit habe ich gelesen, das Kaffee nach Deutschland noch verboten wäre, will es denn doch bald riskieren, und hoffe, das er bis Weihnachten dort sein wird. Habe gar oft an euch gedacht, wenn ihr nur etwas von unseren Sachen dort hättet, aber jetzt, nach dem ich gelesen habe, das ihr doch kein Hunger gelitten habt, so ist es mir leichter um die Sache. Du sagst ein Nordstern bekommen zu haben. Den hatte ich aufbewahrt, als die Anzeige darin war von dem Tode der Karolina Bickert (Frau des Anton Edelbrock) werdet es wohl gesehen haben, aber du erwähnst nichts davon, deshalb diese Aufklärung. Habe Bickert auch zur selben Zeit eine davon geschickt. Denn ich dachte, die würden sonst nichts davon wissen. Jetzt will ich auch noch sagen, das ich vorige Woche auch noch ein Brief von Gertrud [Esselmann geb.Hunck] erhalten habe, sie ist 79 Jahre alt, aber noch gesund, aber schon manchmal etwas wackelig auf die Beine, weil manchmal so Seitentritte vorkamen, als ob sie besoffen wäre ha, ha. Habe sie vor etwas über 2 Jahren noch besucht, als ich die Reise nach Texas, Florida, machte, habe ich eine Rundreise davon gemacht, von Florida direkt nach Chicago, von dort über Milwaukee, und habe dort meine Frau ihre Geschwister dort besucht, und denn auch gleich nach Minnesota, zu unsere Bertha [Hunck], wo unsere Clara [Wesselmann geb. Hunck] damals auch war, Clara [Wesselmann geb. Hunck] ist mit mir nach den Verwandten  in Wisconsin gefahren und wieder nach ihrem Zuhause in St. Cloud zurück gekommen. Wenn du die Karte zur Hand nimmst, werdet ihr sehen, das dieses eine gar lange Reise war. Clara [Wesselmann geb. Hunck] wohnt mit ihrem Ludwig Wesselmann in St. Cloud Minnesota somit sind beide Mädchen in Minn. und die beiden Jungens hier in Colorado. Wegen den uns bekannten Leuten und sonstiger Annehmlichkeiten möchten wir auch wohl in Minnesota wohnen, aber die langen und gar kalten Winter sind Ursachen, weshalb wir es hier in Colorado vorziehen. Unser Platz ist an der Eisenbahn gelegen, somit brauchen wir unsere Waren nicht weit zu holen. Wenn nun hier eine Kirche wäre, wäre es uns lieber, aber solche Plätze, wo mehr oder weniger alles Katholisch ist, und dann ein Geschäft nötig wäre, sind hier dünn zu gesät. Unser Wilhelm [Hunck], der überall herum reiset, hat für uns diesen Platz gefunden, wenn es aber soweit von der Kirche gewesen wäre, das wir nicht wenigstens Sonntags hinkommen konnten, wären wir den doch nicht hingezogen. Wie der Priester neulich hier war, und sich unser gemütliches Heim angesehen hat, sagte er scherzend, warum wir denn unsere Freunde von Sterling, (sich meistens selbst meinend) nicht öfter einladen täten uns in dem schönen Heim zu besuchen, ich antwortete ihm, das ich gar nicht wüßte, daß wir so gute Freunde in Sterling hätten, die sich dafür interessieren möchten, uns hier zu besuchen, es sei denn wenn sie von uns Geld haben wollten. Ha, Ha. Er war auch letztes Jahr hier, für denselben Zweck um Geld zu sammeln, sah aber, das wir noch schlecht für den Winter eingerichtet waren, und somit war er doch be­scheiden genug, gar nicht vom Gelde zu sprechen. Der Pfarrer weiß sonst sehr schön, wie er das Geld von den Leuten heraus kriegen kann. Hier muß nämlich alles von freier Hand herkommen, um Priester und Kirchen zu unterhalten. Es ist gar gutes Land in dieser Umgegend, nur ist das schlimmste hier, das es wenig regnet, und somit sind trockene Jahre die Schlimmsten hier, vieles Land wird aber auch hier berieselt, soweit wie das Wasser ausreicht.

Jetzt komme ich auch wieder auf Zucker zurück indem hier viel gezogen wird von Zucker-Rüben. Die Ernte ist gerade vorüber mit den Zucker-Rüben und mancher Waggon ist von hier versandt worden, und dennoch ist der Zucker gar rar hier, daß man nicht so viel bekommen kann, als verlangt wird. Viele glauben, die Knappheit käme daher, daß so viel Zucker in Europa verlangt wird. Nun noch eines. In deinem letzten Briefe hast du gar keine Meldung gemacht von unsere Verwandten  Marschall, Overhage und Bontrups, wie es mit denen steht, und wie viele in den Krieg geblieben sind. Von Bon­trup weis ich, das 2 gefallen sind, und einer in der Schulter verwundet wurde, aber von Overhage weis ich wenig oder gar nichts, seit Jahren. Vielleicht weiß Overhage was von der Familie Sasse von Coes­feld (unser Pfarrer seine Herkunft). Wie steht es den mit der Familie Frerick, sind die noch alle am Leben? Die Mutter, mit ihrem Lahmen Mitläufer wird auch schon wohl das Alter erreicht haben, und der Bernard Peter, ist er auch so weise, wie sein Vater früher war? Hier ist gegenwärtig ein allgemei­ner Kohlenarbeiterstreik im Gange, man hofft aber, das es nicht lange dauern wird, sonst wäre das ja gar schlimm gerade im Winter, die Leute müßten ja verfrieren. Wir haben genug eingekellert, die Menge wird uns bis Weihnachten oder Neujahr aushalten, und wir hoffen, daß die Kälte nicht so lange andauernd wird. Habe einen halben Anteil an der Kohlengrube, über 200 Meilen von hier, und kann keine von dort bekommen. Bevor wir aber verfrieren, könnten wir doch noch dort hin ziehen, und den Store hier schließen, nicht wahr? Erwähnte auch von wegen trinken, und kann ich aber soviel sagen, das ich gelernt habe, einen vortrefflichen Wein aus Rhabarberstangen zu bereiten, und von dem haben wir noch eine gute Portion an der Hand, somit können wir doch noch etwas anderes als Kaffee, Tee und Wasser trinken. Bier wollen wir uns auch selbst bereiten mit der Zeit, ich wußte ich nur noch, wie unsere alte gute Mutter das Bier braute, aber den Hergang habe ich ganz vergessen. Ja, ja, wie sich die Zeiten und die Welt verändern könne, zwar ist der eigentliche Krieg am Ende, aber es wühlt und bro­delt überall in der Welt, und ich fürchte, das es mal zu einem fürchterlichen Ausbruch kommt. Es ist wie du sagst, alles will wenig arbeiten, und viel verdienen, tanzen und gute Zeiten haben, Gott und seine Gebote mit Füßen treten, oder doch zuwider handeln, und lächerlich machen, ist an der Tages­ordnung. Aber bis hierher, und nicht weiter, Gottes Mühlen mahlen langsam aber sicher, und es scheint, das dieser Krieg die Welt die Augen noch nicht genug geöffnet hat. Jetzt will ich aufhören, bis ein anderes mal, sonst wird euch sicher das lesen verdrießen, also Amen.

Mit den besten und vielen Grüssen von uns allen, und euch alle, und an Alle, die nach uns fragen, zeichnet in aller Liebe euer Onkel C. A. Hunck.

 

 

Logan, Colo. den 11. Dez. 1919

 

Lieber Wilhelm und Alle.

 

Will euch eben berichten, da ich euch vor einigen Tagen einige Bilder zugesandt habe in 2 verschie­denen Päckchen und hoffen wir, das sie euch wohlbehalten antreffen werden. Ihr werdet da wohl mer­ken, das ich den alten Bart verloren habe, aber kennen werdet ihr mich doch wohl, aber zu denken hat es euch doch vielleicht etwas gegeben, als ihr das kleine Bild in dem Briefe, den ich vor etliche Jahre schrieb, und nun beilegte, was das für ein Kerl wäre, oder habt ihr es nicht gedacht? Vor etlichen Jah­ren schriebst du mir mal, das ich doch schon recht alt aussehen würde, und das hat ja eben der Bart gemacht, zudem wurde er auch etwas grau, und sonstige Farben, und somit habe ich eine kurze Sache damit gemacht, und ich kann euch sagen, kein Mensch hat mich erkannt, selbst meine Frau hat erst an jemand anders gedacht, der ich sein könnte, dann aber hat sie es doch gleich gesehen. Ja was hast du denn gemacht, war ihr erstes Wort. Den habe ich etliche Jahre rasiert, aber jetzt habe ich wieder einen Bart am wachsen, lasse ihn aber nicht lang werden, das Rasieren so 3 mal in der Woche, war mir zu lästig, und manchmal hatte ich nicht genügende Zeit dazu, den wenn man da am Rasieren ist, und kommen Leute im Store, ja dann, ihr wißt es ja. Es ist mir mehr bequem, das ich ihn wachsen lasse. Die kleinen Bilder sind Aufnahmen von unserem Haus in Denver, von den 3 Hauptzimmer, was jedes seine Beschreibung mit sich führt. Von den eigentlichen Zimmern, in welchem der Apparat stand, sieht man ja nicht viel, wie zum Beispiel, was von dem Eßzimmer aufgenommen ist, sieht man die Eingangstüre, von der Küche zum Eßzimmer gar nicht, weil das ein Teil hinter den Apparat war, auch der große Glasschrank, der darin ist, sieht man nicht. Das Licht wurde auf künstliche Weise mit einer Leuchtkugel gemacht, und der Photograf war unser Nachbar, der solches aus Gefälligkeit und zum Vergnügen machte. Ich meine die Bilder. Nun ist das Haus verkauft, und somit ist es nicht mehr so interessant, hatte die Bilder aber, und dachte sie zu schicken. Auch hier, wo wir jetzt wohnen, haben wir recht schöne Zimmer, und all die besten Möbel, die wir in Denver hatten, haben wir mit hierher gebracht. Hatten einen ganzen Waggon für uns allein voll geladen, das waren unsere Hausmöbel, und dann auch für den neuen Laden oder Store, wie man hier sagt. Das waren ungefähr 60 Fuß lange La­dentische, oder Töndelbänke, ich glaube die werden bei euch so genannt. Etwa 24 Fuß lange Glass­schaukästen (4 Stück), Schreibpult, Geldschrank, hier Safe genannt. Drahtgitter mit Pforte für den Schreibtisch und andere Sachen, Eisschrank oder Kühler, Wagen, und was nicht sonst alles mit mußte, und jetzt sind wir ganz fein wieder eingerichtet, und Geschäfte gehen gut, nur das alles so teuer ist. Es gebraucht ein großes Kapital, um einen völligen Vorrat an allem zu haben. Bei die Clara, [Wessel­mann geb. Hunck] ist am 20 November ein kleines Mädchen angekommen, welches den Namen Louise Bernardine erhalten hat bei der Taufe, wo meine Frau, und Vater Wesselmann die Taufpaten waren, aber haben sich durch Stellvertreter unsere Bertha [Hunck], und Theodor Edelbrock vertreten lassen müssen, weil wir eben gar zu weit von dort wohnen. Es sind das etwa 1.000 hiesige Meilen. Mutter und Kind sind wohl auf, haben heute ein von Clara [Wesselmann geb. Hunck] selbst geschriebenen Brief erhalten. Also Gott sei Dank besser, als das erste mal. Der Dülmener Anzeiger kommt nicht so regelmäßig bei uns an, aber nicht, wie geht es euch dann mit den Waisenfreund. Er ist bis im Januar 1921 bezahlt, und ich habe auch alle Nummern zu schicken bestellt, die zu haben waren, aber alle sind nicht mehr zu haben und könne er nicht nachschicken, weil die Regierung der Druckerei nicht so viele hat drucken lassen, wie sie sonst wohl erlaubt hätten, angeblich wegen Mangel an Papier. Wenn du den Waisenfreund liest, oder lesen tust, wirst du auch darin ersehen, das wir Deutsche hier zu Lande auch vieles zu erdulden hatten, des Krieges wegen. Man hat uns auch allerhand Mißtrauen entgegengebracht, trotz der Deutschen ihre Treue zu ihrem angenommenen Vaterlande Amerika. Ja wohl, es war hart für uns Deutschen, gegen unser eigenes altes Vaterland, gegen unsere eigene Nation, ja gegen unser eigenes Blut zu Felde zu ziehen, aber was konnte man da tun, GARNICHTS . An uns Deutschen hat es nicht gelegen, wir waren nicht schuld daran, daß America in den Krieg verwickelt wurde, es waren ganz andere Aussichten und Absichten die Ursache. Und viel weiter darüber zu reden, ist nicht der Mühe wert, es ist geschehen, und glücklich ist wer vergißt, etc. Wilson und dessen Anhänger haben vieles getan, wofür viele sie nicht danken werden, aber: -----. Der Waisenfreund gibt und schenkt ziemlich klaren Wein ein, wer den liest, kann sich die Sache ziemlich klar vorstellen. Jetzt haben wir bald das H. H. Weihnachtsfest, (Ja wenn ihr dieses leset ist es schon vorbei) wenn du lieber Wilhelm [Diekemper] nur hier wärest, so könntest du doch mal Hasen schießen nach Herzenslust, denn hier gibt es deren gar viele. Vor einigen Tagen war Rudolph [Hunck] mit 2 von seinen Freunden ausgegangen auf einer Stunde, und jeder von den Dreien hat von 6 bis 8 Hasen erlegt, das kann man Hasenjagen nennen. Das glaubst du wohl kaum, aber wahr ist es doch. Die Bilder nun, wenn sie an­kommen, könnet ihr verteilen, wie ihr es für gut findet, die Kleinen Photos, sind keine echt oder gute Aufnahmen, das sind nur welche, die unser Nachbar mit seiner Kodak, von die großen Bilder nach­gemacht hat, zum Zeitvertreib. Hätte euch auch gerne einige so große von meiner Frau mitgeschickt, aber die hatte keine Lust, sich abnehmen zu lassen. Von Gertrud Hünck oder Frau Esselmann habe ich neulich auch ein Brief bekommen, die ist auch noch gesund, aber doch hie und da käme es so, daß es so Schüsse seitwärts geben würde, als ob sie besoffen wäre. Sie hat am 5ten Juni ihren 79 ten Geburtstag gefeiert. Einer von ihren Söhnen wohnt hier in Colorado nicht gar so weit von uns. Die alte Gertrud [Esselmann geb.Hünck] hat eine große Familie, und ist auch wieder im Altenheim eine große Familie im Aufwuchs, ich weiß nicht gerade wie viele, aber es geht zu die Zehne hinzu. Das Wetter ist hier dieses Jahr gar früh kalt gewesen, und haben wir etwa 8 Zoll tief Schnee, welches hier ungewöhnlich ist.

Nun zum Schlusse die herzlichsten Grüße von uns allen, an euch Alle. Schreibet bald wieder.

 

C. A. Hunck.

 

Logan, Colo. den 10 März 1920

 

Lieber Wilhelm & Alle:-

 

Deinen uns so lieben und langen Brief vom 11 ten Januar haben wir am 16 Februar erhalten, und es hat uns hoch erfreut, von euch zu hören, und zu wissen, das ihr alle gesund seit.

Gerade jetzt bekam ich auch deinen Brief, nach dem ich es bald aufgegeben hatte bald von euch zu hö­ren, weil ich das eine Paket als verloren gab, so dachte ich endlich den ersten Brief zu beantworten, so geht es denn jetzt für beide in einem.

Es war wohl der längste Brief, den ich jemals von dir erhalten habe, und der jetzige ist nicht gar kurz. Es freut uns sehr, das ihr doch zuletzt noch das Paket erhalten habet, und wie du sagst, in guter Ord­nung. Ja glaube mir, das andere war gerade so gut und vorsichtig eingepackt und verbunden, als die­ses, aber gegen Diebe oder Räuber kann man sich nicht schützen. Dachte doch nicht, daß sogar die Post auch in so infamer Weise darin verwickelt sein könnte. Sie bitten euch noch obendrein zu zahlen, für meine schlechte Verpackung in Amerika, und das allerfrechste dabei ist, daß man euch die Ver­dorbene Wurst wieder reingeschoben hat, das hat meine Frau ganz besonders ärgerlich gemacht. Habe mich erst etwas beschämt gefühlt, wie ich von der Wurst lese, das euer Hund sie nicht mal fressen wollte, aber las gleich weiter, daß ihr es uns nicht zumuten würdet, die Wurst hinein getan zu haben. So einfältig wäre ich nun auch doch nicht, denn ich weiß gar zu gut, das wir euch von hier keine schicken brauchen, um euch besonders zu dienen, denn ihr könnt die wohl selbst gerade so gut, wenn nicht besser machen, als wir hier ha ha ha.

Ich merke wohl, das euch die Pineapple (Apfelsinen) wohl geschmeckt haben, aber auch nicht zum besten gerade, und das habe ich auch wohl gedacht, denn man muß sich erst einiger Maßen an diese Früchte gewöhnen, ehe sie einem recht gut schmecken, aber nachdem ich mich daran gewöhnt habe, esse ich sie sehr gerne, und dann war es auch etwas anderes, als was ihr schon wohl gewohnt seid. Es tut mir leid um den guten Kaffee, den Beutel, den ihr erhalten habt, muß unbedingt mit Fleiß und Kraft aufgerissen worden sein, denn von selbst hat er sich nicht geöffnet. Ich könnte noch wohl mehr schicken, aber vor einigen Tagen habe ich gelesen, das wenn auch ein Paket 11 lb. (Pfund) wiegen darf, es nicht über 2 lb. Kaffee enthalten darf.

Weiter freut es uns zu wissen, das auch bei euch die Mode eingekommen ist, um allerlei Obst & Früchte einzumachen, (respektive einkochen), solches ist hier schon lange, lange Jahre im Gebrauch, und verkaufen wir solches gar viel, aber wie wir es verkaufen, ist es meistens in Blechkannen(-Dosen), und was die Leute selbst einmachen, ist auch eben wie du sagst in solch gläserne Kannen (Einmach­gläser) luftdicht verschlossen mit Gummibänder.

Jetzt muß ich darauf kommen, deine Briefe zu verfolgen, um wissenswertes zu beantworten, und will mit dem vom 11. Januar anfangen:

Es tut uns leid um das liebe Deutschland, und besonders euch, unsere Verwandten und Bekannten, und ganz Europa, nein nicht, die ganze Welt ist sehr in Mitleidenschaft gezogen, denn alles im geschäftli­chen Wege scheint aus den Fugen gerissen zu sein, und es wird lange dauern, bis mal alles wieder in Ordnung kommt. Ja hier in Amerika war es soweit mit den Deutschen, daß sie überall verachtet waren, ja man hatte sie gerade so lieb um sie anspucken zu mögen in vielen Fällen, als mit ihnen zu reden. Ja man hat es erfahren, daß man sie in Läden, oder sonstigen Plätzen verboten hat, nicht so eine dreckige Sprache (deutsche) hören zu lassen, man hat das gehört in Stores von Leuten, die da zusammen trafen, natürlich richtig gebildete Leute taten das wohl nicht so leicht, jedoch Wilson hat sich nicht gescheut, von Bindestrichlern zu reden, oder gar zu schmälern, sicherlich hat er sich selbst nicht damit gemeint. Sollte er sich wieder für das Präsidentenamt zur Verfügung stellen, werden sich wohl viele zeigen, die seine Haltung noch nicht vergessen haben. Er hat in diesem Kriege mehr seine Englische Zuneigung gezeigt, als mancher Deutscher und Deutschstämmige sich für sein Vaterland breit machte, und wie schon oben angedeutet, durfte es ein Deutscher kaum merken lassen, das er ein Mitleid für sein eige­nes Heimatland fühlte, eben weil überall gegen Deutsche, und alles was Deutsch war herziehen wollte, welches viel Schuld der Englischen Presse war, weil die sich immer befleißigte, Unwahres über die Deutschen, und deren Greueltaten zu verbreiten. Da kam alles nach Belieben in die Tagespresse, nur nichts von Deutscher Seite. Natürlich brauchten wir nicht alles glauben, eben weil wir es besser wuß­ten, aber diejenigen, die nichts anderes zu lesen bekamen und auch nicht lesen konnten, konnte man auch im großen und ganzen nicht alles verzeihen. Nun ist ja der Friede, aber wie ist der zu Stande ge­kommen? Ohne Gott, ihm nicht einmal um Erleuchtung und Hilfe angefleht, diese guten Friedensma­cher wollen alles in der Welt herstellen, und einen Völkerbund errichten, so das sie sich alle als liebe Brüder betrachten sollten, aber auf eigenem Nutzen und Vorteil, solches von der Welt gemachtes, wird nicht für immer bestehen bleiben.

Du kannst es nicht begreifen, das unser L. Wilson es fertig gebracht hat, das Frieden-, und Freiheitslie­bende Amerikaner in den Krieg gebracht hat und das kann ich dir wohl auf etwa folgende Weise erklä­ren:

Im Jahre 1916 war es, als ein Präsident gewählt werden mußte und als die Zeit heran nahte, da hat sich Wilson ganz ruhig verhalten, obschon Kriegswolken drohten hie und da, so wurde es immer mit Dro­hung und sonstiges scheinbar abgewendet und unser Wilson kriegte das Schlagwort am sitzen. "Der uns aus dem Kriege gehalten hat" und das hat ihm die Wahl gewonnen. Hughes, sein Nebenbuhler, der sprach sich nicht aus, den einen Weg oder den andern, so wagte man nicht ihn zu trauen, und Wilson ist mit dem Schlagwort erwählt worden. Als die Wahl vorbei war, hat er bald gezeigt, wie er uns aus dem Kriege gehalten hat, ha, ha. Aber als die Leute erkannten, was dann vor sich ging, war es zu spät.

Wie ich sehe, hat Merfeld doch so circa 17 junge Männer eingebüßt, doch gar viel für eine Bauern­schaft und dann sind da noch drei Familien von denen noch je zwei Söhne gefallen sind. Wir haben uns gefreut das wir die Toten-Zettel von euch bekommen haben. Es ist ein schönes Andenken, und werden ihrer im Gebete gedenken.

Hoffe doch, daß die Gefangenen aus Frankreich jetzt entlassen worden sind, um wieder bei ihren Fa­milien zu sein. Diese aus der Gefangenschaft entlassenen Soldaten sind gar sehr zu bedauern, wenn man liest, wie so manche in verhungertem Zustande und sonst so Elend zurück gekommen sind, sogar viele sind irrsinnig geworden. Es ist Traurig:

Nun sprichst du von den Bildern, ja die sind schön, aber ich habe den Fehler begangen, die Johanna [Diekemper]für die Maria [Diekemper] zu halten, somit habe ich wohl die richtige getroffen, die der Mutter ähnlich sieht. Nur nicht den richtigen Namen dafür. Ich bitte es zu entschuldigen, Johanna [Diekemper].

Aber das ich das Haus nicht erkenne, möget ihr mir nicht verübeln, denn von Lindenbäumen vor dem Hause ist mir nichts bekannt, und wer es weis, das es dort ist, mag wohl ein Haus unten durch schim­mern sehen können, aber ein uneingeweihter Betrachter merkt das kaum, und die Dachziegel, ja die kann man wohl sehen, aber da sich Dachziegel so oft ähnlich sehen, muß ich zugeben, daß ich die auch nicht als die eurigen erkennen kann.

Ja, ich würde mich sehr interessieren mal ein Bild von meinem alten Geburtsorte zu sehen, und wenn ihr mal gelegentlich, wie du schreibst, uns damit dienen wolltest, so würde es uns allen sehr lieb sein.

Meine Frau und Rudolph [Hunck], interessieren sich auch recht sehr, für irgend etwas was von euch herkommt und möchten euch und die Gegend wohl gerne sehen, aber meine Frau hat zu viel Angst für das große Wasser, zwischen uns, wie auch eure Maria [Diekemper], die schreibt mir das auch in ihrem Briefe, den sie uns geschrieben hat, das auch sie uns mal gerne sehen möge, wenn nicht das große Wasser etc dazwischen wäre. Ich habe einen schönen Brief von ihr bekommen, und habe ihr vor etwa einer Woche zurück geantwortet. Es scheint ihr da recht gut zu gefallen, und ich weiß es auch zu wür­digen, was ihr für ihr tut, sie dorthin kommen zu lassen. ??

Es freut uns zu wissen, das mein Bruder noch immer recht rüstig ist, abgesehen von kleinen Unbe­quemlichkeiten, daß er nun nicht gut hören kann ist sehr unangenehm, auch ich leide schon etwas daran, so, daß wenn nicht recht deutlich gesprochen wird, kann ich es nicht alle zusammen bringen. Es freut mich, das er sonst noch gesund ist, denn so lange er noch da ist, rechne ich mich noch immer auf vier Jahre mehr hinaus.

Worin es aber liegt, daß ihr in Merfeld alle solche Kahlköpfe seid, ist mir nicht bekannt. Obschon mir die Haare oben auf dem Kopfe schon etwas dünner werden, so bin ich doch noch weit von einem Kahlkopf, oder einer Perücke wie du vermutest entfernt.

Na, das du und deine Frau euch schon einbildet, älter zu werden, das ist unrecht. Es macht nichts aus, wie alt man aussieht, sondern wie alt man sich fühlt, das ist die Hauptsache.

Du sagst, ich würde schlecht aussehen, ich bemerke es noch nicht, denn ich wiege immer noch so nahe an 245 lb.. Das leichter Aussehen, was ihr glaubt zu bemerken, kommt jedenfalls davon, das der lange und breite Bart fort ist. Ich habe für mehr als ein ganzes Jahr rasiert, aber jetzt tue ich es nicht mehr, weil es mir zu lästig ist, somit lasse ich ihn jetzt nicht über ein bis 2 Zoll lang werden, man sagt mir, daß das auch nicht übel aussieht, wenigstens meine Frau meint das so.

Ja meine liebe Johanna [Diekemper], das ist das beste Mittel was mir bekannt ist gegen graue Haare, das ich sie abschneide. Wer sie aber gar zu gerne schwarz haben möchte, könnte ich nichts besseres raten, als es mal mit schwarze Schuhwichse zu versuchen, die macht das Haar gut schwarz. Ha, ha. Nichts für Ungut.

Wie es gekommen sein mag, daß ich von dem Kahlkopfgebrauch in der Familie abgewichen bin, wüßte ich nicht zu erklären, es sei denn das ich die Haare mehr gepflegt habe wie meine Brüder. Ich habe immer mehr Zeit vor dem Spiegel verwandt, wie meine Brüder es taten, aber ob das überhaupt zu meinem Ruhm oder Nachtheil gehalten werden kann, will ich dahin gestellt sein lassen.

Also Bernard [Diekemper] ist am Studieren, recht so mein Junge. Lernen muß man was in der Jugend, lerne nur alles was du kannst, es wird dich im späteren Leben gar zu gute kommen.

Ja, jetzt spreche ich nochmal von der Wurst, du sollst dir besser das zusätzliche Verpackungsgeld zu­rück geben lassen, was man dir abgenommen hat, denn bei dem 2ten Pakete magst zu sehen, wie das erste verpackt gewesen ist. Solche Schufte.

Das Paket mit den Kannen, hätte ich eher geglaubt, das es auf den langen Weg zerreißen könnte, aber das mit dem Kaffee bei weitem nicht. Es waren von dem 5 1/2 lb. darin.

Jetzt will ich auch erwähnen, das es uns, und mich besonders ungemein gefreut hat, mal etwas näheres von meine Nächsten Verwandten zu hören, wie von Overhage, Marschall, Bontrup, Frericks u.s.w. Also Overhage war in amerikanische Gefangenschaft und freut es mich wenigstens zu wissen, das er sich nicht über amerikanische. Behandlung zu beklagen hat, und ich will auch hier sagen, daß unsere Jungens sich sehr lobend über Deutsche Behandlung ausdrücken. Aber nicht so von den Franzosen, und die Engländer verabscheuen sie die Behandlung in der Gefangenschaft noch weit mehr. Den Engländern steckt es zu hoch im Kopfe, und die Franzosen, da ist es ihnen gar zu dreckig gewesen. Die Amerikaner sagen, wer in Frankreich in den Dörfern den größten Misthaufen vor der Fronttüre hätte, sei der Major vom Dorfe. Ich sehe das Bontrups gar hart mitgenommen worden sind im Kriege, mit 2 Gefallene und einem Krüppel. Nur gut das es nicht schlimmer ist mit der Schulterwunde.

Franz Marschall konnte froh sein, das seine Jungens nicht in den Krieg brauchten. Und es freut uns, das da noch alles gesund ist.

Nun aber bei Frericks. Da hat es ja auch hart hergegangen, erst die gute Frau zu verlieren, und dann noch obendrein bei seiner Heimkunft einen Aschenhaufen, anstatt einer Scheuer auf dem Hofe vorzu­finden. Nun das letzte kann noch immer wieder Flott gemacht werden. Aber die toten Familienmitglie­der zu ersetzen, da ist unsere Kunst und unser Wissen am Ende. Nun wollen wir es nehmen wie Gott es will.

Unser Pfarrer Sasse, habe ich einmal gesprochen, seit ich diesen euren Brief habe, aber nur auf eine kleine Pause, da sagte er mir, das er bald eine Reise nach Coesfeld, Dülmen, Haltern, etc. antreten würde, und habe ich ihn gleich ersucht, euch zu besuchen, welches er sagte, er auch tun wolle, und er wolle noch vor seiner Abreise zu uns kommen, um näheres über euch zu erfahren, nämlich die genaue Adresse, Namen, und der gleichen. Da er am folgenden Sonntage seine Abreise in der Kirche bekannt machte, daß er von unserem Bischof Urlaub bekommen habe, um sich eine Zeitlang zu erholen (Er ist 60 Jahre alt) und würde vielleicht 3 bis 4 Monate fort sein, um nach Kalifornien zu reisen. Ich dachte, er wolle es vielleicht nicht sagen, daß er nach Europa ginge, so habe ich gedacht. Er wird wohl, wie er gesagt hatte, im Verlauf der Woche kommen, ist aber nicht sicher. Am letzten Sonntag, war ein neuer Pfarrer in der Kirche, der hat sich als unsern neuen Pfarrer vorgestellt. Nicht etwa für kurze Zeit, son­dern nach allem was und wie er es sagte, für dauernd hier zu wirken. Ob unser Pfarrer Sasse nun fort ist oder nicht, oder ob nach Deutschland oder Kalifornien, ich weis es nicht. Nun sollte er zu euch kommen, so wird er wohl für sich selbst zu reden wissen. Er war schon mal 2 mal hier, erst, als wir noch eben eingezogen waren, und einmal letzten Sommer, wo wir aber schon viel besser eingerichtet waren. Er hatte noch einen irländischen Priester bei sich. Unter anderem fragte er mich, warum ich un­sere Freunde von Sterling nicht öfter einladen würde, um uns in unseren schönen Heim zu besuchen. Freilich nur scherzweise, aber doch recht schön sind wir auch hier eingerichtet, unsere guten Möbeln von Denver haben wir mit hier gebracht, und es ist alles bei uns immer auf das beste und möglichst reinste Weise im Hause gehalten, denn da sorgt meine Frau dafür auf das peinlichste, da darf kein Staub oder abgebranntes Zündhölzchen herum liegen, nicht einmal auf den Fußboden.

Wie du sagst, wenn auch nicht so fein, so lebet ihr doch glücklich und zufrieden auf den Merfelder Bauernhofe. Ja das weiß ich gar gut und ich habe das auch ganz gewiß nicht etwa darum gesagt, um euch was zu hören zu geben, ich habe mir nichts besonderes dabei gedacht. Auch wir leben ganz glücklich und zufrieden in unserem Hause, aber das da nicht immer noch etwas zu wünschen übrig bliebe, will ich auch nicht abstreiten, denn es ist nun einmal kein Himmel auf Erden, und jedes Häu­schen, hat sein Kreuzchen, und wir haben auch eins.

Nochmals von dem Pfarrer Sasse, als ich ihn das letzte mal gesehen habe, hat er mir gesagt, das er in Haltern geboren wäre, wäre dann aber jung nach Coesfeld gekommen, dann sei er dort in die Hoch­schule gegangen, und später in Münster studiert, und schließlich in Bonn, da sei er zu der Stelle eines Referendars gekommen, und schließlich habe er sich entschlossen, Priester zu werden. Hat auch ge­sagt, das einer seiner Brüder oder sonst ein naher Verwandter von ihm, auch Priester sei. Und ist das vielleicht derjenige, der mal bei euch gepredigt hat in eure Kapelle.

Wenn er vor der Abreise hier zu uns gekommen wäre, so hätte ich ihm das alles abgefragt. Aber als ich ihn erwartete zu uns zu kommen, habe ich nicht alles so durchgehen können mit ihm. Der Bäcker Sasse in Coesfeld sei ein Vetter von seinem Vater. In Haltern habe er einen nahen Verwandten mit Namen Kortenkamp, ein Buchhändler. Vor 7 Jahren sei er dort gewesen und habe noch mal das Haus gesehen, in welchem er geboren war. Aber seine Leute wohnten jetzt nicht mehr dort. Aber mit den Buchhändler Kortenkamp habe er sich länger in dessen Haus unterhalten, und wäre dann zum Gasthof gegangen und hätte von dort aus an seinen Vetter Kortenkamp geschrieben und ihn eingeladen, seinem Vetter im Gasthofe zu besuchen.

Etwas ähnlich so ein Bekantwerden, wie ich in 1885 mit deinem Vater in eure Küche, ha, ha.

Also auch unser Freund Middeler hat schon für immer abreisen müssen, und nachdem er sich so ein großartiges Haus gebaut hat, ja wenn wir nur mehr daran dächten, das es nichts bleibendes ist hier auf dieser Welt. Grüßt die Frau Anna (Middeler) von mir, und gebt ihr meine herzliche Teilnahme kund. Schade, daß er sein neues Haus sobald verlassen mußte, wofür er sich so lange geplagt hatte.

Ich sehe, das ihr mehrere Hochzeiten in der Nachbarschaft gehabt und haben werdet, möchte noch wohl einige davon mitmachen, aber nur mit dem Vorbehalt, das man mich nicht wie früher, noch an­stellen wollte, die Brauttänze zu machen, oder mitzuhelfen.

Also sind die Nummern des Waisenfreund eingetroffen. Na wirst wohl genug daran zu lesen haben, für die freie Zeit, die du hast, ha, ha.

Der Dülmener Anzeiger kommt auch, aber unregelmäßig, wohl viel wegen der unregelmäßigen Post­dienste. Habe jetzt in mehreren Wochen keine bekommen. Wenn ich sie durchgestöbert habe, schicke ich sie nach Denver, zum alten [Hermann] Wesselmann, wie wir ihn gewöhnlich nennen.

Aus den alten Waisenfreunden wirst du es wohl merken, das auch er der Waisenfreund gar vorsichtig sein mußte, was er schrieb, zur Zeit des Krieges, aber jetzt kann er schon wieder etwas freier aufat­men.

[Hermann] Wesselmann hat deinen langen Brief auch gelesen, und werde jetzt beide, sobald ich diesen Brief fertig habe, der Bertha [Hunck] zusenden. Clara [Wesselmann geb. Hunck] kann nicht Deutsch lesen, und Rudolph [Hunck] auch nicht, und ebenso Wilhelm [Hunck] nicht. Wenn ich mal nicht mehr bin, wird die Korrespondenz wohl gar schwach werden.

Mit der Teuerung ist es hier nicht gar so schlimm, aber doch doppelt kostet hier auch fast alles, und Waren sind nicht in so vollständiger Auswahl und Menge zu haben. Zucker ist jetzt kürzlich viel teuer geworden, und scheint rar zu sein. Bekommen oft nur die Hälfte, von einer Bestellung, habe aber des­sen ungeachtet genug an Hand. Habe vor einigen Wochen noch 100 lb. an die Clara [Wesselmann geb. Hunck] gesandt, dort in Minnesota konnten sie nicht mehr als ein lb. zu einer Zeit bekommen, und ko­stet das etwa 8 Cent das lb. mehr als hier bei uns. Hier ist eine Zucker Fabrik 12 Meilen von hier, und Zuckerrüben werden hier überall gezogen.

Nun noch einiges zur Antwort auf den Brief vom 1ten Februar. Also die Früchte konnten euch zu Weihnachten, wie ich geplant hatte, nicht dienen, aber doch zu Antonius, und Fastnacht, und will hier sagen, das auch ich im Geiste unter euch war an diesen Tagen.

Also wollet ihr etwas an Marschall abgeben, das ist schön, wenn nur die Menge größer wäre, aber die Schwere macht es zu teuer, es hinüber zu schicken. Unser Rudolph [Hunck] sagte (scherzend) ihr müßtet die Sachen wohl nicht so recht gleichen, um das ihr noch wolltet an deren was übersetzen, ha, ha. ??

Es wundert mich, daß auch jetzt bei euch solche Sachen zum selbst Einmach gelangt sind, aber das ist fein. Es waren solche Sachen auch schon wohl früher unter reichen Leuten zu finden, aber dem ge­wöhnlichen Volke, war es ganz unbekannt.

Hier fängt man jetzt an, also solche Sachen zu trocknen. Dehydrate ist der Name für dieses Verfahren. Es sollen die Sachen vollständig den originalen frischen Geschmack behalten und auch zur früheren Größe wieder aufquellen.

Ja, wie du sagst, hat man uns ganz und gar auf dem Trockenem gesetzt, das ist aber etwas, was mir nicht gefällt. Ich bin zwar kein leidenschaftlicher Trinker, habe aber hier in Amerika noch keinen  Schnaps getrunken, aber ein Gläschen Bier oder Wein habe ich nie verschmäht, aber jetzt nach dem Krieg ist es nicht mehr zu haben. Freilich wird im Geheimen noch wohl Alkohol hergestellt und auch verkauft, (meistens Schnaps) aber das meiste ist nicht gut, oft noch gesundheitsschädlich, und uner­hörte Preise werden dafür verlangt, und wer sich dabei ertappen läst, wird hart bestraft. Mann gedenkt noch dann leichtes Bier und Wein wieder einführen zu können, aber wer weis ob es gelingt.

Nun jetzt haben wir ja das vollständige Bier-Rezept, aber es zu verwerten ist hier nicht so leicht, weil man hier nicht so große Geschirre hat in einer Haushaltung als bei euch, nun vielleicht werden wir es doch mal versuchen.

Ich lege auch hier das Rezept bei, um den Rhabarberwein zu machen, welches ganz leicht zu machen ist. Man soll acht geben, das die Masse nicht zu weich, oder etwa zu Brei gekocht wird, nur weich ge­nug, das man den Saft gut auspressen kann.

Ich lege ein anderes Rezept bei, wo der Rhabarber nicht gekocht wird, das mag gerade so gut oder gar besser sein, aber wir haben das Kochverfahren gefolgt.

Habe auch schon Wein aus Trauben gemacht, der sehr gut war. Auch ein Rezept hiermit.

So kann man auch Wein machen aus Löwenzahn ? (Kuhblumen) welcher sehr schön werden kann, aber ich habe es versucht, und hatte kein guten Erfolg damit.

Von den Rhabarberwein haben wir vor 3 Jahren ein ganzes Faß voll 50 Gallonen gemacht und haben heute noch davon. Den ersten den wir gemacht hatten, war eigentlich der beste, er war so schön klar und dünn, wie Wasser, aber das große Faß voll war und ist auch gut, aber ist nicht so dünn wie Was­ser, sondern etwas dicker, möchte sagen, etwas Sirup ähnlich, aber sonst doch fein und wohlschmeckend, hat auch Kraft dahinter, das heißt Spiritus oder Alkohol Kräfte.

Solcher Wein ist uns glaube ich, noch wohl erlaubt zu machen im eigenem Hause, aber es wäre unge­setzlich, jemanden etwas davon zu verkaufen oder eben zu schenken ist verboten.

Also Herr Renne ist nicht mehr auf Schloß Merfeld, und ist dagegen Herr Major Von Papen da, wie du sagst war der in Mexiko vor etlichen Jahren. Es war hier viel Gerede und Geschreibe in den Engli­schen Zeitungen von einem Von Papen, der als Deutscher Spion verfolgt wurde.

Ich bin froh mit der Nachricht, das ich bald eine Schaufel und Spaten erwarten kann. Die Schüppe, die ich habe, ist bald auf, und den Spaten hat man uns wohl entwendet, der hat herum gestanden, und man konnte ihn auf einmal nicht mehr finden. Du sagst von (Theobald) Kersen lebt der alte Theobald noch? Der hat mir ein Geschenk gemacht von den 2 Geräten, die ich hatte. Viel brauche ich sie nicht, sonst hätten sie nicht so langen gehalten (20 Jahre.)

Mehr Nieten werde ich bei Gelegenheit schon schicken. Ich danke aufs beste für die Gefälligkeit, die Sachen zu besorgen, und wenn sie angekommen sind, werde ich gleich Bericht erstatten.

Es ist eine Schande, wie die Feinde Deutschlands etwa 800 von euren Heerführer und sonstigen Män­nern heraus verlangen, um, wie du sagst, sie zu verurteilen, und was nicht sonst, und denn auch noch den Kaiser von Holland verlangen, aber hoffe doch, das daraus nichts werden wird, solches ist doch in der Weltgeschichte noch nicht vorgekommen.

Ich lese es mit Vergnügen, wie Holland sich weigert, ihn heraus zu geben. Ich habe vor kurzer Zeit eine recht gelungene Karikaturen ausgeschnitten, von einer unserer Zeitungen, um sie euch zu schicken, weil ich daran dachte, es würde euch vielleicht etwas amüsieren, sie zu sehen.

Es stellt recht schön vor, wie Frau Holland den Kaiser in Schutz nimmt, ha, ha.

Die Denver Post ist ein richtiges Schandblatt, aber um die guten, wie die schlechten Tagesneuigkeiten zu erhalten, muß man sie bald halten. Irgend ein Bild hat sie alle Tage, um irgend etwas damit vorzu­stellen.

Gerade heute morgen höre ich von zuverlässiger Quelle, das unser Herr Pfarrer (Sasse), seine Reise nach Deutschland aufgegeben hat, und ist nach Kalifornien zur Erholung.

Nochmals von dem Wein machen, ich spreche da von einer Gallone (ein Maas), das ist ungefähr so viel als 4 Liter, wenn ich nicht irre. 5 Weinflaschen voll ist auch ungefähr eine Gallone.

Neuigkeiten von hier kann ich euch wohl nicht viele für euch interessierend mitteilen, als das wir noch alle gesund seid, welches ich von euch Allen hoffe. Ich habe mal von der Gertrud [Esselmann geb. Hünck] an euch erwähnt, und ich kann Euch heute sagen, das sie noch gesund ist, sie ist etwa 80 Jahre alt. Sie schreibt, manchmal gäbe es so Seitenschüsse beim gehen, als wenn sie besoffen sei.

Die Familie hat aber auch ein großes Unglück gehabt, nämlich einer ihrer Söhne, der im Hause wohnt, war verheiratet und als das 12 Kind geboren wurde, starb seine Frau und Mutter nach etwa 3 Stunden. Das Kind hat aber überlebt, und wird bei einer Schwägerin, Schwester der verstorbenen Mutter groß gezogen.

Einer ihrer Söhne ist hier in Colorado, hat eine Farm. Ist aber nicht verheiratet, bekam gestern noch ein Brief von ihm, worin er unter anderem sagte, das er sich ein Auto angeschafft habe, und das er nächsten Herbst, wenn die Arbeit vorbei wäre, uns damit einen Besuch abstatten werde.

Er wohnt etwa 150 engl. Meilen von uns entfernt, vor einem Jahr hat er uns hier besucht. Der ist bei­nahe 50 Jahre alt. Das war so ein kleiner Knirps als ich erst von Deutschland kam. Er hat später meh­rere Jahre (etwa 4) für uns gearbeitet.

Von Wilhelm [Hunck] bekamen wir vorgestern ein Brief, er ist gesund, aber hat viel Umstand mit seine Zähne. Er hat sich alle ausziehen lassen, und jetzt will nicht alles wieder in Ordnung werden. Er hat oben, zwischen Nase und Auge eine Operation vornehmen lassen müssen, und was es sonst alles ist, weis ich auch nicht.

Von Berta [Hunck] und die Clara [Wesselmann geb. Hunck] von Minnesota haben wir seit 3 bis 4 Wochen nichts gehört, werden aber wohl gesund sein, sonst würde man vielleicht schon eher was hö­ren.

Jetzt muß ich noch erwähnen, das vor einigen Wochen ein Landsmann sich bei uns bekannt machte, als ein Sohn von Schulte Kohl, so irgend wo aus der Gegend zwischen Lette, Rorup oder Hanrorup, da irgend wo will er gewohnt haben. Ich habe nie von so einem Schulte (Kohl) dort gehört. Er war ein guter Schwätzer, er sagte unter anderem, daß er diesen Winter in unserer Gegend gewesen sei, er sei am 4ten Januar wieder hier angekommen. Er beschäftigt sich als Reisender. Er sei ein Verwandter von Pfarrer Sasse wie er sagte. Er kannte viele Leute von Dülmen, Lette, Coesfeld, etc. Er fragte meine Frau: Können sie raten, wo meine Mutter das Essen warm hielt für meinen Vater, wenn der spät zum essen kam. Nein, war die Antwort. Ja im Bett sagte er dann, und dann das Lachen. Vielleicht haben sie es da auch parfümiert, ha, ha.

Wie er sagte, täte da noch alles auf die allerbeste Mode zugehen, Teller würden da nicht gebraucht, alles noch aus der Schüssel; mitten vom Tische und sein Vater täte das Vater Unser auf plattdeutsch beten. Ich habe das meines Wissens noch nie auf Plattdeutsch gehört, und er vielleicht auch nicht. Er sagte, er hätte Bonds von der Stadt Münster gekauft für 1 C. per Mark, könnte das wohl wahr sein. Freilich ich weiß, die Mark steht gar niedrig im Auslande, aber 1 Dollar was früher so etwa 3 bis 24 C. wert war, das scheint doch bald unglaublich.

Heute nun sind die Dülmener Anzeiger von 2 Wochen zugleich angekommen. Vom 3.5. & 7.ten und 10.12 & 14 ten Feb.

Jetzt ist es auch der 12 Feb. geworden und habe ich gerade zur Zeit des Briefschreibens noch 2 Zei­tungen bekommen, welche so schöne Bilder haben, so will ich die auch beilegen.

Vom 10 März stellt sich Wilson vor und sein unersetzbaren oder unveränderlichen Kongreß sitzt vor ihm, den er nicht bewegen kann. Hauptsächlich meint es, das er und der Kongreß sich nicht einigen können, über die Friedensverhandlungen in Versei, und der Völker Liga etc.

Das andere Bild stellt was von der nächsten Präsidenten Wahl vor, und über Trocken und Naß sein hier im Lande. Der Elefant stellt die Republikanische Partei vor, und der Maulesel die Demokratische, und der Wucher-Jude steht zwischen beiden. Es ist mir dieses hart, alles hier zu beschreiben, es muß einer schon näher mit den hiesigen Verhältnissen bekannt sein, als ich denke, (bitte verzeihen) als ihr es sein möget, ha, ha.

Es sind auch so Bilderrätsel, oder auch wie man sagt, durch die Blumen gesprochen.

Jetzt muß ich aber ein Ende davon machen, sonst möchtest du mit dem lesen zu lange Beschäftigung finden, denn dieses, und all die Waisenfreunde nimmt Zeit in Anspruch.

Ich habe nun noch einige andere Rezepte um Wein zu machen beigelegt, somit nur an der Arbeit, und wünsche ich euch den besten Erfolg damit, und sage auch, "Prosit".

Noch möchte ich bitten allen jenen von denen die Rede ist in diesem Briefe, und auch Allen, die nach mich fragen, die besten Grüße von uns zu entbieten.

Jetzt lasset mal bald wieder von euch hören, wenn der Brief auch nicht länger wäre als die letzten 2 waren.

Das erste von euch wird nun wohl sein, der Empfang der beiden Geräte, und werde sie gleich probie­ren, wenn sie ankommen, denn die Zeit, den Garten zu bearbeiten ist nahe.

Nun die besten Grüße an Euch allen ins besondere, und arbeitet nicht gar zu hart im kommenden Sommer.

Euer Clemens und seine ganze Familie C. A. Hunck.

 

 

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/PapenFranz/ Major Franz von Papen 1879-1969

 

 

Logan, Colo. den 13. Mai 1920

 

Lieber Wilhelm & Alle:-

 

Deinen Brief vom 5.4.1920 haben wir am 1.5. erhalten und sehe, das es mit Absenden der Geräte von etwas hapert, aber nur Geduld, es wird schon noch werden, brauche sie noch nicht so notwendig, denn die Schüppe die ich noch habe, ist nur noch halb verschlissen, habe damit alles diesen Frühjahr getan, haben ja auch nur einen kleinen Garten, und lies ihn pflügen, nur mußte ich in die Ecken etc. umgra­ben, den Spaten hat man uns abstibitzt.

Werdet wohl denken, das es sonderbar ist, das man hier solche Geräte nicht hat, aber denn noch ist es wahr. Obschon wir hier manches nützliche und bequemes hat in diese Branche, so sind doch die Schaufeln und Spaten bei weitem nicht das was sie sein sollten.

Um zu zeigen, was wir wohl in dieser Branche haben, lege ich einige Abbildungen bei, da ist ja aller­hand, aber eine Schüppe und Spaten, wie eure, sind nicht dabei. Es sind wohl einige Spaten dabei, aber die sind so dick und stumpf, das sich nicht ordentlich damit arbeiten läst, auch wenn man sie dünn schleifen täte, so bleiben sie nicht scharf, weil es nur sogenannte (Bleilappen) sind, es ist Eisen, aber kein Stahl.

Die Handgriffe, oben an die Stiele, die sind gar zweckmäßig. Sogenannte Steinschaufeln mit lange Stiele hat man hier wohl, und sind auch recht gut für ihren Zweck, aber eine flache Schüppe ist hier eben nicht zu haben.

Die Stiele sind hier alle von Holz fabriziert, und wenn sie hier meine Schüppe sehen, mit dem Wei­denstiel, dann möchten sie beinahe lachen, wissen aber nicht, wie bequem sich manches damit bear­beiten läst.

Allerhand Stiele kann man hier auch kaufen, aber so krumme, die für die Schüppe paßten, sind nicht zu haben. Ein Spatenstiel läst sich machen von den Stielen, die man hier kauft.

Auch Forken und Mistgabeln sind hier sehr gute, und es läst sich schön damit arbeiten.

Es tut uns sehr leid, das deine Frau Johanna [Diekemper] mit so einem bösem Übel betroffen ist, und hoffen nur, das es bald wieder gut ist. Ich meine im Magen so etwas zu haben, ist sehr bedenklich, und kommt es mir vor, das sich da ohne Operation nicht viel machen ließe.

Es freut uns, das es der Maria [Diekemper] so gut geht, und das sie den Brief noch erst vor ihrer Ab­reise von dort erhalten hat.

Die Spartakisten und Bolschewiken waren euch schon nahe genug, und hoffentlich werden euch die fern bleiben, und gar froh möget ihr sein das euch die Franzosen nicht mit ihrem Besuche beehrt ha­ben, denn wie man liest, hausen die ja ganz gewaltig am Oberrhein und Süddeutschland.

Der unselige Krieg wäre für Deutschland günstiger ausgefallen, wenn Amerika daheim geblieben wäre, es wäre für uns auch besser gewesen, so gut wie ich es sehen kann, und England einem Gefallen zu tun sind wir dem nicht schuldig, denn das hätte Amerika schon längst eingenommen, wenn es gekonnt hätte, aber unser Wilson hält es zu hoch mit denen, weil er einer deren Abkömmlinge ist, hätte sich der strikt an seine 14 Punkte gehalten, so würde es für die Deutschen nicht so schlimm geworden sein, aber als sie mal Waffenstillstand erreicht, da hat man sich um keine 14 Punkte mehr gekümmert. Nun man muß es sich gefallen lassen, wie es eben kommt. Einer oder einige allein können es nicht ändern.

Was uns selbst angeht, so sind wir noch gesund, und hoffen, das ihr dieses in der besten Gesundheit erhalten werdet.

Ich selbst habe vor einigen Wochen die Gesichtsrose mal wieder gehabt, und das kam in einer Zeit, als wir einen großen Schneesturm gehabt hatten. Als wir einen Versuch machten in der Stadt zum Dr. zu fahren, aber kamen nur eine halbe Meile weit, wo mußten wir umdrehen, obschon wir 4 Mann mit Schaufeln bei uns hatten, und die Eisenbahn konnte nicht laufen. Da war guter Rat teuer um was zu tun, aber es war ein Deutschrusse bei uns, der wußte von einem Mittel, das seine Großmutter in Ruß­land gebraucht hatte für dasselbe Übel, und er meinte, man müsse gemahlene Kreide in Blattzinn tun, und es auflegen, das schien etwas zu helfen, aber doch nicht genügend. Nun machte Rudolph [Hunck] und er einen provisorischen Schlitten, und fuhren zu diesem jungen Russen seine Eltern, 5 Meilen weit, um nachzufragen, wie das Hausmittel gebraucht wurde, und ich will es hier erzählen.

Mann nimmt gemahlene Kreide, streut dieselbe im Gesichte, und reibt es ein, soviel als man kann, und streut dann noch etwas mehr, und legt hierüber ein Stück Blattzinn (oder wird es Bleipapier genannt?) über die Kreide um diese damit zuzudecken. Über dieses legt man dann ein Stück Watte, und bindet die Geschichte fest, und muß jetzt in einem warmen Zimmer bleiben, und nach etwa 24 Stunden ist alles vorbei. Das ist viel billiger und leichter, als sich von einem Dr. behandeln zu lassen, ha, ha. Es ist dieses auch, wie du sagst, über das Wein machen, wenn man nur immer wüßte wie?

Also mit den Spaten und Schaufel braucht ihr nicht besonders zu eilen, bis es mal geht, viel gebrau­chen tue ich ihn doch nicht, unser ganzes Land sind nur 100 x 125 Fuß groß, und haben wir alles was noch Garten ist mit Kartoffeln bepflanzt, außer etwas für Gemüse und Blumen. Wir haben so circa 6 bis 700 Kartoffeln Stücke ausgepflanzt.

Ein Teil ist mit Grassamen für Rasen besäet. Auch habe ich Rhabarber gepflanzt, um mal Wein daraus zu machen.

Bitte grüßen sie mir euren Freund Herrn Homann von mir, und danket ihn für mich für die Mühe, die er sich euer und meinetwegen antut, um uns einen Gefallen zu tun. Gute Freunde zu haben ist immer viel wert, wenn's auch kein bares Geld einbringt.

Auch wir genießen hier Achtung und Freundschaft, und ein kleiner Beweis dafür ist, das sich gleich 4 unserer Nachbarn freiwillig anboten, um mit Schaufeln uns durch den Schnee zu helfen, um zu einem Dr. zu kommen, aber mit all deren Hilfe war es nicht mehr zu machen.

Es war dies ein ganz ungewöhnlicher Schneesturm, welcher 3 Tage anhielt.

Die Nieten, welche du wünschest, sind auf dem Wege zu uns, und nach deren Ankunft, werde ich sie euch zusenden.

Mit unserm Rudolph [Hunck] sein Bein sieht es ziemlich gut aus, und wir hoffen auf vollständige Heilung, nur eine große lange, tiefe Narbe wird schon bleiben.

Mit den besten Grüßen an euch Allen, von uns Allen Clemens.

 

http://www.gerdgruendler.de/Spartakus-Aufstand.html  Spartakisten

http://www.recklinghausen.de/historie/stadtge62.html  Spartakisten in Recklinghausen

 

 

Logan, Colo. den 5. Sept. 1920

 

Liebe Enkelin:- Fräulein Maria Diekamper  Freckenhorst, Westfalen

 

"Endlich ist nicht Ewig" und so komme ich doch schließlich noch dazu, deinen uns so lieben Brief zu beantworten, muß mich ja eilen, sonst würde er nicht früh genug mehr ankommen, um dich vor deiner Heimreise noch in Freckenhorst zu treffen, da ich der Meinung bin, das du am 1ten Oktober dort fertig sein wirst. Wenn ich dir nun mal alles klar mache, so wirst du es hoffentlich entschuldigen können, das ich so lange nicht geschrieben habe.

Erstens hatten wir vollauf im Store zu tun, und dann bekamen wir Besuch aus Minnesota, nämlich un­sere Tochter Clara [Wesselmann geb. Hunck] mit ihrem Mann und Kind, ein Mädchen, jetzt ungefähr 8 Monate alt. Mit ihr kamen unsere alten Freunde Edelbrocks, "bei euch Kortgödde genannt", die alle in St. Cloud Minnesota wohnen. Es waren Theodor (Edelbrocks)  mit seiner Schwester Maria, Joseph (Edelbrocks) mit seiner Frau, die überraschten uns mit ihrem Besuche. Die wohnen in Minnesota so circa 1000 engl. Meilen von hier. Sie waren hier einige Tage, und sind dann von hier nach Denver, etwa 150 Meilen von hier, wo unser (Ludwig) Wesselmann sein Vater, und den Rest seiner Familie wohnen. Nicht in der Stadt, aber nahe bei, 3 Brüder und 2 Schwestern, und einer seiner Brüder ist in Michigan Priester.

Nachdem die dort ihre Besuche gemacht hatten, kamen sie auf dem Heimwege wieder hier durch auf einige Tage, und sind alle wieder nach Minnesota bis auf unsere Clara [Wesselmann geb. Hunck], mit ihrem (Baby) Kinde, sind auf einige Monate hier bei uns geblieben.

Dann bekamen wir eine Einladung, nach Wisconsin zu kommen, um einer goldenen Hochzeit einer meiner Frauen Schwester und ihr Mann, namens Johan Schwinn, beizuwohnen, die am 18ten August gefeiert wurde.

Nun war es an der Zeit, das Clara [Wesselmann geb. Hunck] wieder heim wollte, und so haben sich meine Frau und Rudolph [Hunck] fertig gemacht, um mit der Clara [Wesselmann geb. Hunck] zu­sammen zu reisen, bis nach Minneapolis Minnesota, von wo Clara [Wesselmann geb. Hunck] heim reiste und meine Frau und Sohn kamen dort mit unserer Bertha [Hunck], und 2 Schwestern meiner Frau zusammen, und reisten diese dann von da zur Hochzeit, wo sie am Tage vor der Hochzeit bei ei­nem Bruder meiner Frau ankamen, und am nächsten Tage die Hochzeit zu feiern, welches nur einige Meilen von dem Weg ist.

Der Schwager Johann Schwinn hat nun circa 9 oder 10 Geschwister, und seine Frau (meiner Frau Schwester) hat oder besser, sind 7 Geschwister, somit all denen, und sonstigen Freunden und Nach­barn wird dieses wohl eine ziemlich große Zusammenkunft gewesen sein.

Am 13 August sind sie von hier abgereist, und sind nach der Hochzeit in Wisconsin bei mehreren Ver­wandten und Freunden zu besonderen Besuchen gewesen, und sind sie von Wisconsin am 2ten Sept. wieder abgereist nach Minnesota, um bei unsere beiden Töchtern und anderem Besuche zu machen, wir haben nämlich etwa 35 Jahre in dieser Nachbarschaft, in Duelm Minn. gewohnt, somit gibt es dort auch viele, wo sie versprechen möchten, und bis gerade wenn sie wieder kommen werden, weiß ich heute noch nicht. Vor ein paar Tagen bekam ich ein Brief, daß sie anstatt, wie erst geplant, 3 Wochen auszubleiben, es noch möglicherweise 3 Wochen mehr nehmen würde.

Ich habe nun ein Gehilfe, ein junger Mann von Denver, mit dem und dessen Familie wir gut befreun­det sind, hier zur Aushülfe, aber der kann nicht länger bleiben, bis nächsten Freitag, aber habe mit ei­nem andern Mann, und Frau ein Übereinkommen getroffen, das die bei mir sind, bis meine wieder­kommen werden, und habe ich ihr vorgestern geschrieben, das sie nur so lange bleiben könnten wie es beliebt.

Wenn du nun dieses alles in Betracht nimmst, so wirst du mir mein langes nicht schreiben wohl ent­schuldigen können.

Jetzt muß ich auf deinen Brief mehr direkt antworten, und will sagen, das es uns freute zu lesen, das du einen angenehmen Besuch im elterlichen Hause hattest, und das die Mutter wieder gesund war.

Auch freut es uns, das du ein so gutes und nützliches Jahr dort bei den lieben Schwestern bereits durchgemacht hast, und wird es dir im ganzen Leben von großem Nutzen sein.

Von einem Besuche bei euch werden wir noch wohl ein Weilchen warten müssen, weil es mir die Verhältnisse jetzt nicht erlauben, obschon ich noch mal gerne auf kurze Zeit die alte Heimat wieder sehen möchte. Habe mehrere Briefe und sonstiges von da bekommen, und habe auch ein kleines Briefchen hinüber gesandt.

Danke dir auch bestens, das du unser in deinen Gebeten dich erinnerst, welches auch ich zu tun pflege, besonders für die verstorbenen Verwandten.

Wenn dich weiter nichts abhalten möchte, als das große Wasser zwischen uns, um uns hier mal zu be­suchen, so ist das Hindernis ein gar kleines, ja ein ganz winziges nur, denn es ist nicht mehr Bedenken dabei, als es ist, wenn du zu Bette gehst, und wenn ich es viel gefährlicher machen möchte, so will ich sagen, das nicht so viel Gefahr dabei ist, als es ist, wenn du von Freckenhorst nach Merfeld fahren tust. Ha, ha.

Ich habe oder hatte mal ein Freund von Freckenhorst beim Militär in Koblenz, sein Name ist mir be­reits entfallen, ich meine es sei Linnemanstöns gewesen. Das war in den Jahren 1868 und 69 vor dem Französischem Kriege.

Unter dem jetzigem beendeten Kriege haben wir, wie du glaubst, doch nicht so gar viel zu leiden ge­habt, bloß manches zu entbehren, und das schadet ja auch wohl nicht sehr. Auch habet ihr zu Hause wohl nicht gelitten, aber doch manches Unangenehme erfahren, und ist es heute noch recht schlimm in den Städten, besonders in südlichen Deutschland und Österreich und Ungarn, und überall ist es ja noch am brodeln, und kriegen, und wer kann das Ende absehen.

Jetzt muß ich aber zum Schlusse kommen, und übernehme hiermit die besten Grüße für dich, und möchte auch solche durch dich hinüber zu den Deinigen nach Merfeld übersenden, und hoffen wir alle, mal bald wieder von dich und die Deinigen zu hören.

Nun Gott befohlen, und wünsche dir, das du wohl erhalten und gesund bei deine Lieben wieder an­kommen wirst, wünscht dir dein Onkel Clemens.

Du darfst auch alles im Kloster "stehlen", was du mit die Augen heim tragen kannst.?

C. A. Hunck.

 

 

Logan, Colo. den 3. Nov. 1920

 

Mein Lieber Wilhelm & Alle:-

 

Die großartige Präsidenten Wahl ist vorbei, und der Herr Wilson hat ausgefunden, das sein falschen Tun und Treiben bei dem Amerikanischen Volke kein Gutheißen sich zu erfreuen hat, denn er und seine Partei sind gründlich heimgeleuchtet worden, indem man seinen Gegner Harding mit der größten Mehrheit denn je, als unsern nächsten Präsidenten gewählt hat.

Zwar wissen wir zur Stunde noch nicht, wie groß seine Mehrheit der Stimmen ist, aber das er, oder Cox vielmehr eine furchtbare Niederlage erhalten haben, das wissen wir schon. Bis die genaue Mehr­zahl bekannt wird, wird noch mehr als eine Woche in Anspruch nehmen, weil eben in dem großen Lande und aus den entferntesten Winkeln es längere Zeit nimmt, bis alles genau gezählt sein wird. In etwa einer Woche oder mehr wird ein großer Jubeltag im ganzen Lande gefeiert werden, über die glänzende Wahl.

Was nun der Herr Harding für unser Land tun wird, ist abzuwarten, aber hoffentlich werden wir nochmals mit der Welt in Frieden kommen, und besonders mit Deutschland, sonst im Übrigen wird er auch wohl noch seine Hände voll kriegen, um allen zu gefallen, weil es in einem so großen Lande so viel verschiedene Bedürfnisse und Köpfe gibt, und es allem recht zu machen, ist eben eine Unmög­lichkeit, aber wie der Wilson gehaust hat, so wollte es das Volk nicht, welches durch diese Wahl völlig klar gelegt ist.

Ich selbst war immer ein Demokrat, und habe so gewählt, aber des Wilsons Regiment hat mich den doch verdrossen, und konnte dieses Mal es mit meinen Gefühlen und Überzeugungen nicht im Ein­klang bringen, demokratisch zu wählen, weil eben Herr Cox es offen bekannte, in des Wilsons Fußtap­fen zu treten, und dessen Pläne und Vorhaben zu verteidigen, und weiter zu führen. Da heißt es beim Amerikanischen Volke HALT, bis hierher und nicht weiter.

Ich halte auch noch lange nicht alles für gut, wie die Republikanische Partei es soweit getrieben hat, aber das größte Übel muß man erst an die Wurzeln nagen, und dann sehen was weiter getan werden kann.

Als Herr Wilson mit seine 14 Punkte hervortrat, und beteuerte, das man Deutschland nicht zermalmen müsse, und das er es nur auf die deutsche Aristokratie und Herrscher abgesehen hätte und das deutsche Volk nicht, dachte ich noch, das Deutschland auf der Friedensverhandlung noch einiger Maßen Ge­rechtigkeit erfahren würde, aber wie es dazu kam, für Wilson das obige zu halten, und zu verteidigen, hat er seine 14 Punkte nicht einmal Erwähnung getan, aber man hätte besser wissen mögen, da man jedoch nichts gutes von einem Engländer, oder von einem englisch gesinnten Abstammer erwarten kann.

Da schimpfte seiner Zeit unser Wilson über die hyphenized Amerikaner [Bindestrich-Amerikaner, (Deutsch-Amerikaner)], (solche von Deutscher Abkunft) nicht zu trauen seien, weil sie zu viel für ihr altes Vaterland eingenommen seien, u.s.w., aber ich halte ihn selbst noch für einen viel gefährlicheren Menschen für die United Staates, als es nur einer von Deutscher Abstammung sein könnte. Er beliebt es, die Deutschen Hunnen zu nennen, aber wenn er mit einer gefährlichen Klapper-Schlange betitelt würde, würde ihm eben nicht schlecht passen. Diese sind auch eben fromm und unschädlich, bis sie Gelegenheit bekommen, ihr Böses zu verrichten.

Er ist nur für 4 Jahren erwählt worden, weil man da noch glaubte, er hätte uns aus dem Kriege gehal­ten, aber als er wieder ans Ruder kam, da hat er sich in Wirklichkeit gezeigt, was er war.

Damals war der Slogen unter die Leute, (der uns aus den Krieg gehalten hat) aber doch jetzt heißt es, (der uns in den Krieg geführt hat). America mit Deutschland oder Europa im Kriege zu verwickeln, wo kein Mensch daran gedacht hatte, das hat er fertig gebracht, nur England zum Gefallen, und nicht sein Eigen Land, an dessen Spitze er stand.

Es war einfach nicht unsere Sache, das deutsche Volk von ihren Monarchen zu befreien, und um so mehr nicht, so lange die Leute damit zufrieden waren, aber Wilson wollte das deutsche Volk (angeb­lich) einen Gefallen damit tun, sie von dem Joche zu befreien, wo sie ganz gut mit zufrieden waren.

Wir geben ganz gerne zu, das wir Deutschland und ihre Leute lieben, aber das wir sie verachten sollen, um Wilsons Willen, das war zu viel verlangt, und das Amerikanische Volk will nicht mit Europa im Kriege verwickelt sein. Punktum.

O wie nicht unsere jungen Leute es hassen, das sie im Kriege mußten, und sie mögen nicht davon hö­ren, und mögen nicht gerne gefragt sein, über dies und jenes vom Kriege, viele möchten lieber weinen, als etwas davon sagen, weil ihnen eben alle Kriegsgreueltaten wieder vor die Augen geführt werden, sie möchten nur zu gerne vergessen, was sie gesehen, und mitmachen mußten, und die meisten würden jetzt lieber gegen die Engländer und Franzosen streiten, als mit ihnen, sie verabscheuen beide, und würden lieber mit Deutschland fechten, als gegen sie, und überall wo man nur hört, haben sie nur ein gutes Wort für die Deutschen zu reden, und diejenigen Gefangene, die in Deutschland waren, sagen alle einstimmig, daß sie von den Deutschen gut behandelt wurden, und da kommt das heilige England und Frankreich, mit allerhand möglichen und unmöglichen Lügen über Schande und Greueltaten der Deutschen in die Presse, und wo immer es nur geschehen konnte, es in der Welt auszuposaunen, was für Unmenschen die Deutschen nur seien.

Was die selbst getan, und noch jetzt tun, darüber wird kein Wörtchen gesagt, das ist alles pure Not­wendigkeit, eben auch, das die Franzosen die Schwarzen Unmenschen nach dem Rhein schicken, um da so viel Barmherzigkeit auszuüben an die dortige Frauenwelt, und alles andere, Pfui. Wie lange wird es der liebe Gott noch dulden. Nun wir wollen und können in seine Ratschlüsse nicht eingreifen, er wird alles zum besten lenken. Amen.

Nun in Rußland und Polen ist es noch wohl immer nicht zu Ende, erst schien es, als ob Polen schon von den Russen ganz überwältigt worden ist und siehe da auf einmal kam es anders, so das die Polen die Russen am rekrutieren kriegten. Die Polen tun die Deutschen auch nicht gar gemütlich behandeln, wo sie die Gelegenheit dazu haben.

Es scheint die ganz Welt will nur noch nicht zur Ruhe kommen, und was noch alles daraus werden mag, ist abzuwarten.

Nun dieses für heute und ich hoffe bald wieder von euch und euren Verhältnissen zu lesen. Tochter Maria [Diekemper] wird ja wohl jetzt wieder zu Hause sein, im heimischen Familienkreise, um allen ihre Erfahrungen zu gute kommen zu lassen.

Wir sind alle noch recht gesund, und hoffen selbiges von euch Allen.

Meine Wisconsin und Minnesota Reisende sind wieder daheim, nachdem sie eine angenehme lange Besuchsreise abgemacht hatten, haben alle Verwandten auf der Goldenen Hochzeit gesehen, und auch vielen davon noch einen besondern Besuch gemacht.

Unter anderem auch die Gertrud Esselmann geb.Hünck und Familie. Sie wird doch alt und gebrechlich aber ihr Mundwerk sei noch gut. Ha ha ha.

Nun schließlich die besten Grüße von uns allen an euch Allen.  Euer Clemens

Von Rudolph kann ich nur noch sagen, daß sein Bein noch nicht ganz geheilt ist, kann es aber gebrauchen, und es sieht man ihm beim gehen nichts an.

 

Die abscheulichen Hunnen-Deutschen

 

Logan, Colo. den 7. Februar 1921

 

Meine Lieben Alle Daheim:-

 

Euren Brief datiert am 5 Dezember ist uns am 8 Januar eingehändigt worden, und wir waren alle froh, mal von euch zu hören, um zu wissen, daß ihr noch alle gesund seit.

Auch wir können dasselbe von uns berichten, bloß unser Wilhelm [Hunck] ist seit dem letzten Jahre mit vielen unangenehmen Krankheiten leidend gewesen. Erstens hat er sich alle Zähne ausziehen las­sen, und das ist ihm sehr unangenehm geworden. Seine neuen Zähne wollten nicht recht passen, und er mußte sich mehrere Male im Munde unter den Augen des Dentisten herumschneiden lassen, und was nicht sonst noch alles gewesen sein mag. Schließlich ging er zu einem andern Arzt und ist mit dem noch immer im Gange, und er muß zwei mal die Woche zur Behandlung kommen. Deswegen mußte er sein Reisegeschäft aufgeben. Wilhelm [Hunck] hat seitdem verschiedene geschäftliche Termine in der Stadt vornehmen müssen, um zum Arzt gehen zu können.

Einmal ist ihm in dem Expreß-Amte, eine kleine Kiste mit Gold auf den Mittelfinger gefallen und ihn hart zerquetscht (Gold, wenn auch in einer kleinen Kiste) ist sehr schwer. Es wird von den Mienen nach Denver geschickt, weil eben hier in Denver eine Geldmünz-Fabrik ist, wo auch Goldgeld geprägt wird. Habe es in Denver schon alles gesehen, habe aber nichts davon mitbekommen, ha, ha.

Als er sich nun wieder fähig fühlte, sein Amt als Reisender zu übernehmen, wurde er nach einigen Stunden ganz ohnmächtig. Er ging zum Arzt, der ihn sofort ins Bett schickte. Als der ihn nach einigen Stunden besuchte, hat er einen übelen Hautausschlag an ihm erkannt. Ich komme gerade nicht auf den deutschen Namen der krankheit, hier nennt man es "Hives". Er ist etwa zwei Wochen damit im Bett gewesen, er war ein sehr kranker Mensch, wie er es auch beschreibt. Wilhelm [Hunck] ist mit dieser Krankheit sehr herunter gekommen, so daß er nur noch 145 lb. schwer blieb.

Vor einigen Wochen, ist Rudolph[Hunck] nach Denver, 150 Meilen von hier gefahren und hat dort seinen Bruder Wilhelm [Hunck] besucht. Er sagt, daß er nicht gut aussehen täte, er wäre aber auf der Besserung, und nähme wieder zu an Gewicht.

Der Rudolph [Hunck] sein Bein ist auch noch immer nicht ganz geheilt, aber Schmerzen hat er nicht, und es eitert auch die Wunde nicht viel, er tut es einige Male in der Woche noch verbinden, das ist al­les was daran zu tun ist. Er ist in einem ganzen Jahre nicht mehr beim Dr. gewesen. Er machte die Reise im Automobil, fuhr Sonntags nachmittag vor hier, und kam abends in Denver, und kam er am nächsten Samstag wieder. Er hatte zwei Nachbarsleute von hier mit sich nach Denver, dort haben sie die Tierschau besucht, welche sehr interessant und großartig gewesen sei.

Vorgestern habe ich noch mal ein kleines Paket für euch auf die Post gegeben, und ich hoffe, daß die­ses in besserem Zustande ankommen möge, als das erste es tat. Es enthält etwa 8 lb. Kaffee, ein lb. Candy, ein kleines Paketchen Nieten, die ich zufällig noch vorrätig hatte. Es ist sonderbar, man kann diese Nieten hier nirgends mehr zu kaufen bekommen, hoffe aber das mit der Zeit wieder welche zu haben sind. Dann werde ich mehr schicken, sobald ich sie bekommen kann. Mann hat hier Nieten kau­fen welche ähnlich sind wie die vorhandenen. Man sagt mir, man könne die gebrauchen in der Ma­schine, aber sind doch nicht so zweckmäßig, werde aber später auch welche davon schicken, falls die richtigen nicht wieder auf dem Markte kommen. Wenn ihr aber gar keine mehr habt, als die paar in diesem Paket, so schreibt es mir und ich werde Euch dann gleich welche von denen zusenden. Diese haben nur 2 Zinken, die sich nur nach entgegen gesetzten Seiten abbiegen, wo indes die richtigen sich nach alles Seiten umbiegen.

Auch habe ich einige Geschirrhaken, oder Leinenhaken mit rein gelegt. Und ich bitte Euch nur nicht ungeduldig werden um herauszufinden, wie die angebracht werden, oder zu gebrauchen sind, ha, ha. Es geht ganz fein, aber nur auf dem richtigen Weg, sind auch eben so leicht wieder abzumachen, und sich auch nicht von selber lösen was hier und da mit den anderen wohl geschieht. Diese Geschirrhaken gehen nie von selber los. Nun mal ein wenig studieren, und dann schreibt mir mal, wie viel Mühe es gemacht hat, bis ihr sie verstanden habt. Ich hatte dieses hier beschreiben sollen, aber das ist auch gar umständlich, so betrachtet es nur mal als ein Versuch.

Wenn ihr mal mehr davon haben möchtet, so schreibt mir nur die Größe, das ist die Breite des Leders, das in der Öse gehen soll, denn die sind in allen Größen, wie auf nebenbei gelegtem Zettel zu sehen erhältlich.

Auf dem Paket ist   G I F T   P Ä C K E T E   zu lesen, das heißt nicht, das es Gift enthält, sondern das ist hier bloß der Name für ein Gabenpaket, oder auch gemeint ein "Geschenkpaket", das soll darauf sein, daß es zollfrei eingehen kann.

Das ganze Paket mit Verpackung wiegt genau 11 lb. und mehr darf es nicht wiegen, weil das eben das höchste Gewicht ist, was die Post hier annimmt.

Ich sehe in deinem Briefe, das alles doch so ungemein teuer ist bei euch, noch viel schlimmer als hier. Der Kaffee kostet hier zum Verkauf 45 C das lb, und der Kandis etwa 50 C. jetzt, früher war alles viel billiger, und es fängt jetzt an, daß alles wieder billiger wird, der Höchstpreis für diese Sorte kaffee war 60 C.

Der Kaffee ist meistens in Mexiko gewachsen, ist aber, um einen lieblicheren Geschmack zu geben, noch mit anderem Kaffee vermischt, welches geschieht, ehe wir ihn bekommen. Wir lieben diesen Kaffee gar sehr, haben diese Sorte schon vor mehr als 25 Jahren gebraucht.

Das einzelne lb. im Pakete ist Japanischer Kaffee, ist wohl gut und stark, aber wir meinen etwas mehr bitter, somit lieben wir den anderen. Bitte, schreibt mir wie ihr den Kaffe findet.

Sollte da noch etwas sein an Gewürzen oder dergleichen, was bei euch unter den jetzigen Umständen nicht, oder schwer zu haben ist, so laßt es mich wissen, und ich könnte es euch jedenfalls gut besor­gen. Habe von diesem oder jenem gelesen, was beinahe gar nicht bei euch jetzt zu haben sei. Aber weiß nicht mehr genau, was es ist.

Schnaps und Bier ist auch etwas, war wir hier nicht mehr haben können, das ist eine richtige Lumpe­rei. Diese Herrn und Damen Temperenzler ?? (Antialkeholiker) wollen anscheinend auf diese Weise die Welt verbes­sern, so daß es keine Säufer, Flucher und andere unnütze Sitten mehr gibt. Auch ist jetzt eine Bewe­gung vor dem Kongreß, das nicht mehr geraucht, oder Tabak im Ganzen mehr gebraucht werden soll. Und dann noch das des Sonntags alles ruhen soll, so wie ausfahren, Essen kochen, oder irgend etwas anderes. Was etwas Bewegung in Anspruch nehmen möchte, alles zu verbieten, aber diese zwei letz­ten werden noch wohl eine Zeitlang auf sich warten lassen, aber doch, wer weis, wie verrückt nicht ein Volk werden könnte. Ja auf diese und ähnliche Weise will man die Leute alle im Himmel hineinzwin­gen, eben so das ein Fehlgehen unmöglich wäre, aber was des Nachts beim Dunkeln nicht alles geschehen konnte, und tut. Wird nichts von gesagt, weil eben an solche Schandtaten des Nachts geschehen, diese Herren und Damen der guten Gesellschaft wollen sich solches nicht nehmen lassen, weil das eben zur Unterhaltung und Bedürfnisse der schwachen Menschen gehört. O Torheit, O Torheit, die Welt will eben noch nicht einsehen, daß der Zorn Gottes zum Teil losgebrochen ist, und man will die Welt durch Menschengesetze bessern, ohne Gott und seine Gebote aber aus eigener Er­findung, und vergessen ganz dabei, wie weit diese kluge reiche menschliche Welt dabei kommen wird. Ja jetzt muß ich auch dazu kommen, deinen Brief in einigermaßen direkt zu beantworten. Nun noch­mals von den Bildern, du meinst, der Ort müsse mir doch in einigermaßen bekannt sein, und ich muß  sagen, die Gesichter sind mir ganz gut bekannt, mit Ausnahme der Kinder, die ich ja nicht mehr kenne, aber doch kann ich das Diekämpers Gesicht ganz gut darin erkennen, zumal ich euch älteren kenne. Aber der Platz ist mir ganz unbekannt, nicht mal ein Birnbau, Nußbaum oder sonstiges mir be­kanntes ist da zusehen. Und solche jungen Sträucher, oder mögen es Bäume sein, sind mir ja gar nicht bekannt, weil solches nicht dort war, als ich den Platz zum letzten mal gesehen habe, jedoch im gan­zen ist das ganze Bild ja sehr schön und deutlich. Es scheinen ja alle Bäume voller Früchte zu hängen aber was für ein hoher schlanker Baum ist denn das, der zur rechten Seite auf dem Bild zu sehen ist? Was ist mit dem Baum der weiß gestrichen ist bis an die untersten Äste?

O habt ihr jemals ein Brief von der Bertha [Hunck] erhalten? Ich habe ihr letzte Woche noch mal daran erinnert. Ja mit dem Schreiben wird es wenn ich mal fort bin, nicht viel zu bedeuten haben, denn keines von den Vieren kann deutsch schreiben, als wie es die Bertha [Hunck] tun könnte. Soweit bin ich ja noch recht gesund und kräftig, aber kurzatmig werde ich wohl schnell mit einiger Anstrengung. Die Maria wird wohl froh sein, wenn sie wieder im Familienkreise eingereiht ist, ich erwarte bald den versprochenen Brief von ihr. Ja mit eure Kinder wart ihr jetzt soweit, daß ihr allein ungefähr fertig werden könntet, wenn nur die ungeheuer großen Kriegskosten nicht auf dem Haushalt hängen würden, aber die scheinen mir, euch das Genick ganz zu brechen, und der verhaßte Franzose, wird nicht ablas­sen, es unerträglich zu machen, wo immer das nur tunlich ist, wie auch jetzt mit seine schwarzen Truppen zur Besetzung des Oberrheins, diese armen Weibspersonen dort. Ja ihr könnet froh sein, das dieses Übel nicht bei euch eingetreten ist, aber wer weis, was noch kommen kann, denn bei den ge­haßten Franzosen ist nicht schlecht genug für die Deutschen. Gott verhüte es.

Ich halte es auch mit deiner Johanna [Diekemper], daß die grauen Haare nicht schwerer sind als die Schwarzen, und so recht habe ich meine gestern gesehen, als ich mir meine schneiden lies, ja sie sind ganz weis, aber kein Kahlkopf, ha, ha.

Pfarrer Sasse ist nicht nach Deutschland gekommen, obschon er mir das sagte. Nach Kalifornien ist er zur Zeit gewesen, und da auf einmal wurde er versetzt nach ei­nem andern Platze hin, etwa 250 Meilen von hier, aber unter denselben Bischof.

Wir haben einen so­weit guten Priester wieder bekommen, heißt Hagus, ist kein Deutscher, kann aber Deutsch sprechen, so das ich vor ihm auf deutsch beichten kann.

Ja nun vorgestern waren ich und Rudolph [Hunck] zur Kirche, denn einer bleibt gewöhnlich zu Hause, als wir aus der Kirche kamen um etwa 12 Uhr, war ja unser Automobil verschwunden, welches zwischen einer Reihe anderer vor der Kirche stand. Wir machten gleich Anzeige bei der Polizei (Sheriff) und dann ein guter Freund fuhr uns aus Gefälligkeit nach Hause. Als wir dort ankamen, war die Nachricht per Fernsprecher schon eingetroffen, das unsere Maschine etwa 3 Meilen von Sterling im Graben stände, und fuhr unser Rudolph [Hunck] gleich mit dem Manne, der uns heim gebracht hatte, wieder zurück nach Sterling, wo der Sheriff die Maschine schon dort für uns im Besitz hatte.

Es hat uns das nichts gekostet, als das Gasolin (Benzin) für unseren freiwilligen Heimfahrer. Der junge Mann, der die Maschine genommen hatte, soll etwas schwachsinnig sein, somit wissen wir nicht, was mit ihm geschehen wird. Er hat auf dem Wege Umdrehen wollen und ist ihm die Maschine dabei im Graben geraten, aus welcher er sich nicht aus eigener Kraft hat heraus bringen können.  Ich sehe, daß ihr in Dülmen zwei Hochzeiten mitgemacht habt, auch wir waren vor einem Monat zu einer Deutsch-Russischen Hochzeit und heute ist Rudolph [Hunck] wieder zu einer solchen Hochzeitsfeier. Wie schon erwähnt, habe ich der Bertha [Hunck] geschrieben, an euch zu schreiben, hat sie es denn noch nicht getan? Wie ich sehe ist es mit der Teuerung bei euch gar schlimm, das sind ja unerhörte Preise, aber weil die Mark eben so niedrig steht, ist das ja wohl nicht zu ändern, die Mark ein 1/2 Cent, gegen früher etwa 24 c. Wenn die alles auf den vollen Schadenersatz bestehen bleiben, weiß ich nicht, wo Deutschland alles Geld hernehmen will. Es heißt hier, daß das etwa soviel ausmacht, als das jet­zige Deutschland nur eben wert ist, und wenn dem so ist, wo soll es hinaus? Ja der Bauer soll an allem schuld sein, und hier stehen die auch in einem schweren Verhältnis. Die Farmprodukte sind so sehr herunter gegangen, und der Bauer hat einen hohen Arbeitslohn auszahlen müssen, im letzten Sommer und bekommt jetzt so einen geringen Preis für das geerntete Getreide zurück.

Die Schüppe und Spaten die ich von euch bekommen habe, darüber bin ich froh, obschon ich selbige gar wenig gebrauche, so kommen mir die Werkzeuge doch sehr gelegen, wenn ich sie mal wirklich gebrauchen muß. Blasen haben mir die Werkzeuge noch nicht verursacht.

Ich lese, daß die Kaiserin gefährlich krank ist, und ich glaube, daß sie wohl sterben wird. Er, der Kai­ser ist gar hart von den Geschehnissen mitgenommen. Er ist bei weitem nicht an allem Übel schuld, dessen er beschuldigt wird. England und seine Helfershelfer haben es fertig gebracht, der Welt soviel vorzulügen, daß es bei den meisten Menschen geglaubt wurde. Das heißt, außerhalb Deutschland und auch ein großer Teil der Deutschen hat zu dem Kaiser gehalten. Ich weis mich noch  gut zu erinnern, als ich mal mit dir über unsere Verhältnisse, und Regierungs-Einrichtungen sprach, wie du dieses so schnell und wohlmeinend abgewiesen und dargelegt hast, wie gut ihr mit dem Kaiser  und seiner Ver­waltung zufrieden wart.

Ich wollte zu Weihnachten schon dieses Paket bei euch haben, aber es blieb dabei, und später dachte ich an "Antonius" aber auch das Fest schlüpfte vorbei, so wird es doch hoffentlich bis Ostern bei euch sein. Habe am Antoniusfest wohl an euch gedacht, und fragte mich, ob das Fest noch immer in ge­wohnter Weise gefeiert wird. Bekam neulich ein Brief von Hamburg, einer Frau Mensendiek. Sie ist eine Tochter vom Gute Esselmann in Senden, und bat mich um ein Almosen. Habe ihr $ 10.00 ge­schickt, und ich habe auch mal $ 10.00 am Waisenfreund geschickt. Hast du es in der Nummer zwi­schen Weihnachten und Neujahr etwa gelesen? Hier wird so oft und viel gesammelt, für bedürftige Deutsche und auch andere, daß man allen nicht dienen kann. Weiß nicht, wo die Esselmanns Tochter meine Adresse her hat, hast du sie ihr vielleicht übermittelt? Ich habe ihr geraten, auch mal an ihre an­deren Verwandten hier in Amerika zu schreiben, und wenn da ein jeder so etwa $ 10.00 geben wolle, so würde es ihr das viel helfen. Sage deinen Vater nur, das ich seine und eure Grüße an Gertrud [Es­selmann geb.Hünck] wohl übertragen werde. So viel wir wissen, ist sie noch gesund. Jetzt ist es auch Aschermittwoch geworden, bis ich diese von Fehlern volle Epistel fertig kriege, aber nachdem ich ein wenig ausgebessert habe, werde ich sie euch zum studieren vorlegen. Nun müssen wir es abwarten, was die dunkle Zukunft uns weiter offenbaren wird, und alles in Gottes Hand stellen, und seiner wei­sen Vorsehung überlassen. Grüße an Bruder und ganze Familie von uns Allen. Clemens.

 

 

Logan, Colo. den 4. Juli 1921

 

Meine Lieben Daheim:-

 

Werdet wohl gedacht haben, der Onkel Clemens [Hunck] schreibt nicht mehr, aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Habe deinen Brief datiert am 27 März, und am 8ten April beendigt, am 27 ten April erhalten. Wollte dann auch schon bald wieder schreiben, aber es blieb dabei, und im May wurde ich krank mit Blutvergiftung im rechten Bein. Am 17 May waren wir zur Hochzeit geladen, nämlich es heiratete Hermann Wesselmann sein Sohn Hubert [Wesselmann] um 8 Uhr in der Kirche in Denver. Meine Frau wollte hin, aber es traf, daß ich denselben Morgen um 1/2 8 Uhr in Denver eintraf, nicht zur Hochzeit sondern am Bahnhof erwartete mich unser Wilhelm [Hunck] mit einer Ambulanz, (Krankenwagen), um mich zu einem Hospital fahren zu lassen, denn von gehen war nicht zu denken, mußte mich beinahe vom Zuge tragen lassen.

Habe das ja schon öfter gehabt, und mein Dr. in Denver hatte mir den Namen der Medizin, die er zum einspritzen gebrauchte gegeben, so daß ich hier ein Arzt nehmen könne, um es anzuwenden. Dieses (Serum) ist gemacht bei einem namens Mulford, aber unser Dr. hier in Sterling konnte solches hier in der Apotheke nicht bekommen, so brachte er eigentlich dasselbe, aber von einem Davidson gemacht. Dieses wendete er an, an drei verschiedenen Abenden, aber es traf keine Linderung ein, im Gegenteil, es wurde immer schlimmer.

Er war nun ehrlich genug mir einzugestehen, daß er mir nicht zu helfen wüßte. Das war abends, und am andern Morgen um 4 Uhr war ich im Zuge, nach Denver. Dort nun im Hospital angekommen tele­phonierte Wilhelm [Hunck] gleich zu meinem Dr. Er war bald da, und spritzte eine Dosis ein in der Rückseite, und am Abend kam er wieder, zur zweiten Einspritzung, und am andern Morgen konnte ich bestimmt wissen, das es beigelegt war. Er gab mir dann auch nicht weiter diese Spritzen, aber kam immer wieder, um zuzusehen, wie es sich verhielt, aber das sehr angeschwollene Bein wurde mit je­dem Tage wieder dünner, nur mußte er es aufschneiden ein wenig unter und oberhalb des Enkels, um etwas Blut und Materie auslaufen zulassen, und in 2 1/2 Wochen konnte ich das Hospital wieder ver­lassen, um noch eine Woche beim Wilhelm [Hunck] zu bleiben, als ich mich wieder soweit helfen konnte. Natürlich ging es erst auf Krücken, und einen Tag war ich mit einem Schuh und einem Strumpf am andern Bein in der Stadt, und seit etwa drei Wochen bin ich jetzt wieder zu Hause. Jetzt kann ich wieder herum laufen im Store, aber anschwellen tut mir das Bein noch sehr über Tag, aber ich muß Gummi Strümpfe bekommen, weil beide Beine zum Anschwellen neigen. Meine alten Strümpfe sind zu schwach geworden.

Wäre ich nur gleich nach Denver gereist, so würde es nicht so weit angegriffen haben, aber der Fuß war bis am Knie sehr angeschwollen, und glänzte wie ein neu lackiertes Möbel, und war schon 1 1/2 bei 5 Streifen oberhalb des Knies rot geworden. Nachdem der Dr. das erste angewendet hatte, hatte er zum Wilhelm [Hunck] gesagt, er wäre sich nicht sicher, ob er mich dieses mal durchbringen würde. Hier mußte ich den Dr. der mich nicht helfen konnte, $ 35,00 zahlen, und $ 15.00 für Medizin, und das für nicht die geringste Hilfe.

Als ich nun in Denver war, und etwas ausgehen konnte, habe ich mir da auch gleich ein ganz neues Gebiß machen lassen, welches $ 50.00 kostet, kurzweg, die Spritztour hat mich rundweg $ 250.00 ge­kostet, aber die Hauptsache ist doch, das zuletzt doch noch Hilfe kam.

Jetzt rechne ich mir noch mal eine neue Rente am Leben beigelegt zu haben. Viele Leute die mich im Hospital sahen meinten, ich tät gerade nicht sehr krank aussehen, aber das Bein hielt mich doch im Bett, bis man mich mal wieder in einen Fahrstuhl helfen konnte, womit ich auf dem Flur herum fahren konnte oder auf der Veranda sitzen. Viele Freunde haben mich auch dort besucht, und Wilhelm [Hunck] kam jeden Tag um zuzuschauen.

Du schriebst mir mal ich tät schon gar alt aussehen, aber das ich kein Kahlkopf sei, und du fragtest ob ich eine Perücke trage. Von der Perücke habe ich dir schon früher berichtet, das ich keine trage, und vom alt aussehen kann ich nur sagen, das mich fast kein Mensch hier dafür hält, das ich nächsten 30ten September 75 Jahre alt sei. So bis 60 höchstens 65 will man mich wohl schätzen, aber nicht 75 Jahre. Lege eine kleine billige Bildkarte bei, so könnt ihr einigermaßen sehen, wie ich jetzt in Denver aussah. Es ist da so etwas zu sehen, als ein P.A. das soll nicht etwa Papa heißen, sondern ich hatte zu­fällig zwei Zeitungen in die Rocktasche, weil ich eben nicht daran dachte, sie zu entfernen. Die Haare sind wohl weiß, so waren ja auch die Haare unseres Vaters, und unseres Onkel (Bernard) Hünck . Sie waren so weis wie eine Taube, somit steckt das ja doch wohl im Holze, ha, ha.

Ja ich hoffe jetzt, das diese meine Erklärung mich eine Verzeihung erwirken wird, daß ich so lange nicht von mir hören lies.

Jetzt will ich mich zur näheren Antwort deines Briefes wenden, und sage, das es mich freut, das ihr das Paket damals erhalten habet, aber leider wieder mit so vielen Umständen, und dieses macht mich glauben, das ihr den wirklichen Kaffee, den ich sandte gar nicht bekommen habet.

Als erster Beweis ist ja das, daß der Java Kaffee gar nicht mehr darin war, welches mir zu denken machte, das der andere Kaffee vertauscht war gegen eine geringere Sorte, und weil du in deinem Briefe wie folgt schreibst, und er schmeckt auch recht gut, so macht mir das zu denken, das er nicht zum besten geschmeckt hat, aber das wolltest du aus Bescheidenheit uns gegenüber nicht gerade sagen.

Ich werde es nun bei Gelegenheit noch einmal versuchen, und es so einpacken, das es nach meiner Meinung alle und ganz überkommen muß, und erst dann werdet ihr wissen können, ob das, was ihr davon bekommen habt, echt war, oder nicht. Habe auch jetzt Nieten für euch zur Hand, welche nicht genau so sind, wie die ersten waren, aber ich glaube, das ihr sie gebrauchen könnt. Ich kann die schwarzen seit dem Kriege nicht bekommen.

Gerade jetzt fällt mir aber auch ein, daß mich der Wilhelm [Hunck] neulich gefragt hat, ob du nicht für ihn ein eisernes Kreutz besorgen könntest, ich denke, das die bei euch verkauft werden können, oder konnten. Ich meine natürlich das eiserne Verdienstkreuz des Krieges, oder nur ein nachgemachtes, denn ein wirklich echt verdientes ist ja wohl nicht zu haben.

Noch will ich auch erwähnen von der Blechkanne, wo Hamburg von erwähnt hat. Das war eine leichte oder dünne Blechkanne hübsch verziert, wie man hier feinen Kautabak darin kauft, welche ich teils gewählt hatte, zur Sicherung wegen zerbrechen des Beutels, und andere Teile als eine Zierkanne, wel­che die Kinder vielleicht gerne gesehen hätten. Werde noch mal eine solche schicken, und dann in leichtes Holz verpacken, und mit Draht befestigen. Das wird dadurch etwas weniger Kaffee werden, aber das Verbrechen der schlechten Verpackung muß vermieden werden. Ja mangelhaften Verpackung

 

Original noch nicht gefunden, es muß vorhanden sein !!

.Habe schon seit geraumer Zeit etwas Kaffee eingepackt gehabt, um es an euch zu senden, habe aber noch immer Bedenken, gehabt, das er nicht ankommen möchte, und gerade vor kurzer Zeit habe ich gelesen, das Kaffee nach Deutschland noch verboten wäre, will es doch bald riskieren, und wenn ihr nur etwas von unseren Sachen dort hättet, aber jetzt, nach dem ich gelesen habe, das ihr doch kein Hunger gelitten habt, so ist es mir leichter um die Sache.

Du sagst ein Nordstern bekommen zu haben. Den hatte ich aufbewahrt, als die Anzeige darin war von dem Tode der Karolina Bickert (Frau Anton Edelbrock) werdet es wohl gesehen haben. Aber du er­wähnst nichts davon, deshalb diese Aufklärung. Habe Bickert auch zur selben Zeit eine davon ge­schickt. Denn ich dachte, die würden sonst nichts davon wissen.

Jetzt will ich auch noch sagen, das ich vorige Woche auch noch ein Brief von die Gertrud [Esselmann geb.Hünck] erhalten habe, sie ist 79 Jahre alt, aber noch gesund, aber schon manchmal etwas wackelig auf die Beine, weil manchmal so Seitentritte vorkämen, als ob sie besoffen wäre ha, ha.

Habe sie vor etwas über 2 Jahren noch besucht, als ich die Reise nach Texas, Florida, machte, habe ich eine Rundreise davon gemacht, von Florida direkt nach Chicago, von dort über Milwaukee, und habe dort meine Frau ihre Geschwister dort besucht, und den auch gleich nach Minnesota, zu die Bertha [Hunck], wo unsere Clara [Wesselmann geb.Hunck] damals auch war, und sie ist mit mir über Wis­consin, wieder nach Hause gekommen.

Wenn du die Karte zur Hand nimmst, werdet ihr sehen, daß dies eine gar lange Reise war.

Clara [Wesselmann geb. Hunck] wohnt mit ihrem Ludwig Wesselmann in St. Cloud Minnesota, somit sind beide Mädchen in Minnesota und die beiden Jungens hier in Colorado.

Der Leute wegen und sonstiger Gegebenheiten möchten wir auch wohl in Minnesota wohnen, aber die langen und gar kalten Winter sind Ursachen, weshalb wir es hier in Colorado vorziehen.

Unser Platz ist an der Eisenbahn gelegen, somit brauchen wir unsere Waren nicht weit zu holen. Wenn nun hier eine Kirche wäre, wäre es uns lieber, aber solche Plätze, wo mehr oder weniger alles katho­lisch ist, und dann ein Geschäft nötig wäre, sind hier gar wenige zu finden. Unser Wilhelm [Hunck], der überall herum reist, hat für uns diesen Platz gefunden, wenn es aber soweit von der Kirche gewe­sen wäre, das wir nicht wenigsten Sonntags hinkommen könnten, wären wir doch nicht hingezogen.

Wie der Priester neulich hier war, und sich unser gemütliches Heim angesehen hat sagte er scherzend, warum wir unsere Freunde von Sterling, (sich meistens selbst meinend) nicht öfter einladen täten, uns in dem schönen Heim zu besuchen. Ich antwortete ihm, das ich gar nicht wüßte, das wir so gute Freunde in Sterling hätten, die sich dafür interessieren würden, uns hier zu besuchen, jedoch nur dann wenn sie Geld haben wollten ha, ha. Er war auch letztes Jahr hier, für denselben Zweck, sah aber, das wir noch schlecht für den Winter eingerichtet waren, und somit war er doch bescheiden genug, gar nicht vom Gelde zu sprechen. Sonst aber weis er gar schön, wie er es von den Leuten heraus kriegen kann. Hier muß nämlich alles von freier Hand herkommen, um Priester und Kirchen zu unterhalten.

Es ist gar gutes Land in dieser Umgegend, nur ist das schlimmste hier, daß es wenig regnet, und somit sind trockene Jahre die schlimmsten hier, vieles Land wird aber auch hier berieselt, soweit wie das Wasser ausreicht. Jetzt komme ich wieder auf Zucker zurück indem hier viel gepflanzt und gezogen wird von Zucker-Rüben. Die Ernte ist gerade vorüber mit den Zucker-Rüben und mancher Waggon ist von hier versandt worden, und dennoch ist der Zucker gar rar hier, das man nicht so viel bekommen kann, als verlangt wird. Viele sagen es käme davon her, das so viel in Europa verlangt wird. Nun noch eines. In deinem letzten Briefe hast du gar keine Meldung gemacht von unseren Verwandten, Mar­schall, Overhage, und Bontrups, wie

 

[der Rest fehlt hier] gefunden, muß geschrieben und eingefügt werden]

 

Der Wilhelm [Hunck] sein Übel legt sich so langsam, und jetzt sieht er wieder besser aus, aber geht noch immer 2 mal in der Woche zum Dr. Er hat deswegen eine leichte Anstellung als Türsteher in ei­nem Kino Theater, weil er dann in der Stadt ist, um seinen Dr. zu sehen. Sobald sein Übel geheilt sein wird, wird er wieder seine Reisegeschäfte aufnehmen. Bertha [Hunck] ist letzten Freitag hier zum Be­suche angekommen, mit der Clara [Wesselmann geb. Hunck] ihrem Baby als Begleiter. Sie ist recht gesund und ziemlich körperlich gesetzt. Das Baby ist gar munter und macht uns viel Spaß, ist gar drollig und ist sehr gewachsen seit dem letztes Jahr, als die Clara [Wesselmann geb. Hunck] damit hier war. Ich habe der Bertha [Hunck] deinen Brief vorgelesen, und besonders wie du sie einladest, euch doch mal ein Brief zu schreiben, und das ihr es schon lesen könntet, da hat sie gelacht, hat aber nicht gesagt, das sie es tun wolle. Der Pfarrer August Plachta hat seine Gemeinde in Royalton Minnesota noch inne, hat vor mehreren Jahren dort eine schöne Kirche gebaut, und ist vor mehreren Monaten zu­rück vom Papst als Monsignore ernannt worden. Bertha [Hunck] will etwa 2 Wochen hier bleiben. Rudolph [Hunck] geht es ziemlich gut, er ist gerade jetzt nach Sterling zum Tanz. Heute ist eben ein großes Nationalfest "Fourth of July" der Jahrestag der Befreiung von England. Ja ich wünschte, ihr könntet auch mal den Befreiungstag von England und namentlich von Frankreich feiern, aber? Nun Amerika hat gerade vor einigen tagen den Kriegszustand mit Deutschland aufgehoben, wozu sich der Kongreß endlich nach vielem hin und her entschlossen hat, und der Präsident hat es sofort unterschrie­ben, das der Beschluß Gesetz wurde. Nun Gott Lob und Dank, das wir als Brüder, Schwestern, ja alle Verwandte und Landsleute wieder in Frieden leben. Hoffentlich wird es nicht nur Frieden auf dem Pa­pier allein sein, sondern ein echter heilbringender Friede für ewige Zeiten. Ja man hat uns beinahe als Landesverräter gehalten, wenn wir noch von Brüdern und Verwandte in Deutschland sprachen, und von Deutschland wollte man erst recht nichts hören, jedoch meistens nur von solchen kurzsichtigen Leuten, die sich von Englischen Zeitungslügen hatten verblenden lassen. Noch heute, bei dem Frie­densschlusse spricht unsere größte Zeitung in Denver The Post noch von Hun's. Nun man kann ja nichts dagegen tun, aber bei erster Gelegenheit werde ich sie aufgeben Ende dieses Monats, und ich werde denen doch zu wissen lassen, was ich von ihnen halte. Das so eine Zeitung wie sie ist, noch nicht einsehen kann, wie dumm und unvernünftig solche Äußerungen von ihr sind. Es ist dieses eben so dumm, das kein geeigneter Name dafür zu finden ist, zumal die Redaktion von gebildeten Men­schen ausgehen sollte. Die Post ist eine ungeheure verbreitete Zeitung, sie behauptet 174.116 zahlende Subschreiber (Abonenten) zu haben. Es ist eine großartige Zeitung, und auch ebenso niederträchtig. Ja wie du sagst, die großen Steuern, es ist unerträglich für Europa, die hohen Steuern beizubringen, und dann so lange und elendig unter der Franzosen Knute und Haß zu leben.

Na, wie hat es denn mit den jungen Äpfelbäumen gegangen, haben sie dieses Jahr den Knospen gemäß Früchte getragen. Soll mich freuen, wenn das Bild mal fertig ist und ankommt. Also der Kirchenbau ruht bis auf bessere Zeiten, aber wie ich sehe, habet ihr doch noch Geld zu Bauen übrig. Gut, das freut mich, und wenn ich nicht irre, so habet ihr viel Geld gemacht während des Krieges, bin ich richtig? Von Overhagen habe ich vor einigen Monaten ein schönes Familien-Bild erhalten, welches sehr gut gelungen ist, es ist eine Freude, so ein Bild zu sehen, wo auch nicht der geringste Fehler ist, und alle so klar und gesund aussehen, leider mit den Verlust des Bernard's ??. Habe Bild und Brief mit Freudestränen in den Augen betrachtet und gelesen.

Auch der Begleitbrief, von Kaplan Hunkemöller in Coesfeld geschrieben, war sehr drollig und interessant zu lesen, und er bezeugt, daß er das Briefschreiben wohl versteht. Verstand es aber auch ganz fein, einen hübschen, rührenden Bettelbrief dem Familienbriefe anzuknüpfen. Ich verdenke ihm das auch gar nicht, nur schade, daß ich dem nicht gänzlich willfahren (absagen) kann, weil auch hier das Geld nicht so fließend ist, als es vor 20 Jahren noch wohl war, ha, ha. Und beson­ders wenn man aus dem Hospital zurückkehrt, dann kann man erwarten das der Geldbeutel erleichtert ist. Du hast mal von einem Herr von Papen geschrieben, ist der noch in Merfeld? Dieser Von Papen wurde hier zur Zeit des Krieges viel in den Zeitungen erwähnt, weil man auf ihn einen deutschen Spion fahndete, und ob er nicht hier auch mal gefangen wurde, habe das vergessen.

Was uns nun per­sönlich angeht, so sind wir jetzt wieder alle gesund, und unsere Geschäfte gehen ja auch sehr leidlich, wenigstens bekommen wir noch täglich 3 Mahlzeiten zu essen, nicht etwa fünfe, aber doch genug um noch am Leben zu bleiben. Fünfmal ist hier im Lande nirgends Gebrauch. Sage deine gute Frau nur, über uns ein Gegenvergnügen zu machen des Kaffee wegen braucht sie sich kein Kopfbrechen zu ma­chen, den haben wir ja auch schon mal bei euch genossen und auch noch ohne Vergütung, somit noch mal, ihr seid sehr willkommen zu dieser kleinen Kleinigkeit.

Habe euch vor etliche Wochen eine Zei­tung Herold geschickt, damit ihr etwas lesen könntet über die Überschwemmung, besonders in Poeblo, etwas über 100 engl. Meilen südlich von Denver. Es muß das ganz schrecklich gewesen sein. Auch in Denver hat es ein Teil der Häuser mit Wasser gefüllt. Das heißt der Fußboden, aber Leute sind nicht ertrunken als etwa 2, die unvorsichtiger Weise ins Wasser gefallen waren, einer der mit dem Ufer her­unter brach.

Auch hier in unmittelbarer Nähe hat es Schaden angerichtet, besonders nahe eines Ba­ches, der hier bei einer 1/2 Meile vorbei fließt. Diese war aus ihre Ufer gelaufen, obschon der Boden dieses Baches etwa 15 bis 20 Fuß tief ist, und bei Zeiten kaum Wasser darin ist. Bei unserm Hause ist aber gar keine Gefahr.

Als der stärkste Regen oder Wolkenbrüche in Poeblo waren, ich glaube, am 27 ten May war ich im Hospital, und habe wohl die ganze Nacht hindurch den heftigen Regen gehört, aber an solche Wolkenbrüche hatte ich nicht geträumt.

Etwa 15 Meilen von hier ist drei Tag vorher, als ich heim kam, eine Lokomotive mit Tender durch eine Brücke gefallen, wobei der Ingenieur ins Wasser fiel, und mit knapper Not gerettet werden konnte, und der Heizer ist ertrunken, man fand ihn erst einige Tage später, und der Ingenieur und Tender liegen unten tief am Boden.

Zum Hunkemöllers Schreiben will ich noch erwähnen, das er nicht für sich sonder für seine von 230 Mitgliedern beste­hende Gesellen-Verein, nur um etwa $ 2 bis $ 300.00 Dollar anfragt, oder aber auch weniger, für einen geeigneten Sportplatz anzukaufen. Nun wenn er mal so 2 bis 300 Mark bekommt, wird er sie auch wohl annehmen.

Gerade jetzt hat die Bertha [Hunck] gesagt, ich sollte euch alle von Sie grüßen, und gelegentlich würde sie auch mal schreiben. Nun will ich diese Episteln zu Ende gehen lassen, denn für diesmal wird es ja wohl genügen, auch um etwa das Versäumte nachzuholen. Unter vielen Grüßen von uns allen an euch alle zeichnet hier euer Bruder, Onkel, und Großonkel Clemens. C. A. Hunck.  

 

 

Logan, Colo. den 4. Juli 1921

 

Dieses ist keine künstlich ausgearbeitete Photographie, sondern nur eine schlichte Aufnahme. Billig für den der nicht viel Geld hat. C. A. Hunck.  

 

 

Logan, Colo. den 11 Aug. 1921

 

Meine Lieben Daheim:-

 

Endlich komme ich dazu, euch den versprochenen Kaffee zuzusenden. Habe ihn diesmal so verpackt, das ich hoffe, daß euch keine Rechnung für neu Verpackung in Hamburg gesandt werden braucht. Habe leider nicht so viel Kaffee einlegen können, weil es ja nicht über 11 Pfund wiegen darf, welches es genau wiegt nach unserem Gewicht. Wenn dieses in seiner Verpackung nicht wohlbehalten an­kommen sollte, so ist es einfach nicht zu machen.

Möchte doch gerne wissen, ob derselbe Kaffee bei euch ankommt, den ich hinein tue, das vorige mal war ja der Java gar nicht mehr darin, und ich glaube gar, das man euch den guten Kaffe möchte für schlechten vertauscht haben. Habe auch dieses mal 1 lb. Japan hinein getan, in eine Tüte für sich, der andere ist in einem Säckchen, welches in einer Blechbüchse ist, gerade so eine Blechkanne, als jene war, die ihr nicht bekommen habet.

Ich habe zwar ein Papier Umschlag um das ganze gemacht, aber unter dem ist dieses in einer hölzer­nen Kiste gut vernagelt, und an beiden Enden mit Draht versehen, welcher an den Ecken in einem Sä­geschnitt eingelassen ist, und ich meine, daß es so fest ist, das es ohne Gewalt nicht brechen kann, und sollte es brechen, so kann es nicht verschüttet werden. Etwas verschüttet, hieß es in einem Begleit-Be­richt an euch aus Hamburg. Hätte sie doch nur bei der Wahrheit geblieben, und etwas gestohlen, wäre richtiger gewesen.

Jetzt wollen wir abwarten, was ihr uns über diese Sendung berichten könnet. Es ist durch diese gewal­tige Verpackung leider nicht viel Kaffee darin, aber es ist doch besser das, als wenn er gestohlen wird.

Wenn ihr das Kistchen aufgemacht habet, "wo die Adresse ist, das ist der Deckel", dann könnet ihr die Kanne heraus rollen lassen, deren Deckel auch noch mit Draht befestigt ist.

Habe noch ein anderes kleines Paketchen gemacht, von den Nieten, wie ich schon früher erwähnt habe, und auch noch ein Dutzend Feder-Haken, welche ihr vielleicht gelegentlich brauchen könnet. Habe mich nachgedacht, was ich noch mehr da hinein hätte verpacken können, aber konnte an nichts pas­sendes denken, als Süßigkeiten für die Kinder, und dafür ist das Wetter jetzt gar zu warm.

Haben uns solches von Chicago schicken lassen, letzten Monat, und ist er zum Teil zusammen gelau­fen wegen der Hitze. Vielleicht mal später.

Was unsere Gesundheit angeht, so kann ich berichten, das wir alle gesund sind, und hoffen wir das­selbe von euch Allen.

Bertha [Hunck] war im Juli hier auf Besuch für einige Wochen, auch sie ist wohl, und ist ziemlich stark geworden.

Sie brachte der Clara [Wesselmann geb.Hunck] ihr kleines mit sich, und es ist ein recht munteres Kind, war immer so gut zufrieden, und hat uns recht viel Zeitvertreib gemacht. Letztes Jahr, als es mit der Clara [Wesselmann geb.Hunck] hier war, konnte es nur noch wenig kriechen, aber jetzt kann sie laufen, auch schon vieles sprechen. Gegen Herbst eine Zeit wird der Storch wieder erwartet.

Habe die Bertha [Hunck]gefragt, ob sie noch nicht mal bald ein Brief an euch schreiben wolle, sagte sie ja, wenn sie mal Zeit hatte würde sie es tun. Habe ja auch schon in meinem letzten Briefe darüber erwähnt.

Besonderes Neues weiß ich nicht zu berichten, so will ich's für dies mal hiermit bewenden lassen, bis ich mal wieder von euch höre.

Mit den besten Grüßen von uns Allen an euch "Alle schließt hiermit Euer C. A. Hunck.

 

 

Logan, Colo. den 1 Dez. 1921

 

Meine Lieben:-

 

Es ist mit großem Vergnügen, den Empfang eures uns so lieben Briefes bestätigen zu können, erhielte ihn nämlich am 27ten Okt. und es ist leider schon einen Monat seitdem verflossen, ohne zu antworten.

Es gereicht uns alle sehr zum Vergnügen, zu wissen, daß ihr noch alle gesund wart, und kann ich sel­biges auch von uns allen berichten. Mit dieser Antwort will ich nun erst deinen Brief verfolgen, um auf die Punkte, die du angeführt hast, etwas zu sagen, was ich in etwa für sagenswert erachte, und auch, was nicht wo wichtig sein möchte.

Nochmals über mein Kopfhaar, ja es ist noch recht vollständig, jedoch etwas dünner, aber ein Kahl­kopf ist es nirgends. Habet mal nach der Ursache gefragt, warum oder was ich damit gemacht hätte, das ausgehen der Haare zu verhüten, die Antwort ist nicht, aber habe viel Zeit ohne Kopf-Bedeckung verlebt, bloßköpfig herum gelaufen, oder gegangen, viel mehr, und das möchte vielleicht die Ursache sein. Sieh, ich war meistens im Hause, aber draußen trug ich immer Hut oder Kappe.

Ja, ein jüngeres Aussehen habe ich wohl auch noch, weil einige Unbewußte meines Alters mich nur von 50 bis zu 60, oder 65 schätzen, aber wenn ich sage, es sind deren über 75, will man mich kaum glauben. Neulich fragte mich einer, wo das Alter auch aufs Tablett kam, wo ich denn geboren sei, ja in das furchtbar verschmähte Deutschland. Ja wo denn, in Deutschland? In Westfalen freilich sagte ich, o das ist ja, wo die weltberühmten Schinken herkommen, sagte derjenige, jawohl war meine Antwort. Ich selbst habe zwei davon mitgebracht, und habe sie bis auf den heutigen Tag aufbewahrt. Ja wie ha­ben sie das aber gemacht, und wo haben sie die so lange aufgehoben? Da habe ich ihm mit beiden Händen gezeigt, wo er sehen konnte wo sie waren, aber da gab es ein Gelächter.

Das ist sehr gut, ich kaufe die   Z I G A R R E N   sagte er, und jeder Anwesende rauchte sich bald seine Zigarre. Bloß ich nicht. Jedoch mußte ich mir etwas anderes zu gute tun, alles auf seine Rech­nung, ha, ha.

Nun schreibst du, das Bruder Bernard [Diekemper]alle Zähne verloren hat, bis auf einen. Ja dann geht das beißen nicht mehr, aber da sollte er keine Zeit verlieren, sich auch ein künstliches Gebiß machen zu lassen. Ich hatte noch etwa 20 Zähne als ich sie alle ziehen lies, und nach 8 Monaten bekam ich das künstliche Gebiß. Obschon dieses nicht ganz so gut ist, als die Natürlichen waren, kann aber alles da­mit beißen oder essen, welches doch viel angenehmer ist, als ganz ohne zu sein. $ 40 zahlte ich, nebst $ 10 für die alten ziehen zu lassen, aber das Geld ist gut angewandt.

Es freut uns, das der letzte Kaffee richtig angekommen ist, wenn es auch nicht so viel sein konnte, so ist dieser doch der echte, den ich sandte. Die Lumperei, die Pakete aufzubrechen, und zu bestehlen, ist ja doch gar empörend. Nun, in diesen Zeiten scheint alle Ehrlichkeit verschwunden, oder doch wenig­stens aus den Fugen gegangen zu sein.

Du sagst von Dank abstatten, nun darüber tuet euch bloß nicht etwa erregen, haben es ja schon 100 mal zurück erhalten, indem wir zu dreien so lange auf eure Kosten bei euch gelebt haben, aber es kam mir vor, ich war ja daheim, und auf den Schaden wieder zu holen, darauf seid ihr aufs herzlichste ein­geladen, wüßte auch nichts, was uns lieber wäre, von Deutschland hierher kommen zu sehen, als alle von euch, oder wenigstens ein oder mehrere von euch uns besuchen würden.

Du fragst, ob ich nicht nächsten Frühjahr noch einmal herüber kommen wolle, aber das würde wohl zu schwer fallen für einen 75 Jährigen. Ja, das täte ich wohl noch gerne, aber wenn du meinst, das mir das zu beschwerlich sei, da irrest du dich sehr. Nein, zu schwer würde mir das gar nicht vorkommen, ich würde nicht mehr dafür zurückhaltend sein, als wenn ich von eurem Platz nach Münster reisen solle. Eine solche Reise kann man ja mit langsam gehen, fahren, sitzen und liegen abmachen und etwas Be­schwerliches würde ich für mich gar nichts darin finden, nur ist das nötige Geld dafür nicht so vollauf, und könnte ich auch nicht gut hier in dem Geschäfte entbehrt werden, da ich alles noch leiten tue, weil eben Rudolph [Hunck] noch nicht die Erfahrung darin hat, obschon er es auch wohl besorgen könnte, aber er müsse dann ein Gehilfe haben, und somit würde das auch vieles kosten, einerseits, und ander­seits ich müßte spenden, und somit müssen wir mein kommen noch auf weitere Zeiten verschieben, wenn nicht gar ganz solche Hoffnungen aufgeben, ha, ha.

Nun schreibst du, das wir ja als Deutsche und Amerikaner doch wieder in Frieden leben, ja das freut uns eben auch, und nur kann ich es bedauern, das es vor einigen Jahren anders sein mußte, jedoch weit ab von meiner oder unserer Zustimmung. Mit unserer meine ich fast das ganze amerikanische Deutschtum, aber uns hat man so zu sagen die Hände gebunden. Ja, ja, ich weis, es ist gar hart für mein liebes Deutsch und Vaterland. Ja für euch geben es lange trübe Zeiten, als die Folgen dieses un­seligen Krieges, welches mir ungeheuer leid tut.

Ich denke jetzt öfters daran, das, wenn ihr vor 20 Jahren mit mir nach Amerika gekommen wäret, wä­ret ihr besser dran als heute, obschon auch hier harte Zeiten sind, die Steuern werden auch mit jedem Jahre größer, und auch hier ist stehlen, rauben und morden an der Tagesordnung, oder wenn ihr wollt (Unordnung) aber so schlimm, wie ich es mir von der alten Heimat jetzt vorstelle, ist es hier bei wei­tem nicht, sonst im allgemeinen ist die ganze Welt in Armut und Elend geraten, und wie viel hier in Amerika um Hilfe angefleht wird, ist für euch beinahe unglaublich. Man kann nicht überall helfen, wo es gar nötig zu sein scheint.

Zum Teil lest ihr es ja auch im Waisenfreund, aber der bringt nur meistens von katholischer Seite Nachricht über die Bedürftigen, dazu sind andere Zeitungen voll von allerhand anderen notbedürfti­gen. Auch eben selbst hier in unserem Lande melden sich allerhand Kirchen, Anstalten und sonstige Bedürftige, daß eine Spende an alle die der Hilfe bedürfen nicht möglich ist und auch nicht den er­hofften Erfolg bringt.

Kommt der Waisenfreund auch noch immer regelmäßig, und wenn ihr noch keinen Kalender bekom­men habt, so werde ich sorgen, das einer kommt. Das Blättchen enthält immer viel Wichtiges, inter­essantes und Wahres über viele Dinge.

Vor einigen Tagen kam auch der Westfälische-Bauer hier an, und habe ihn mit großem Interesse gele­sen, wahrlich, die Aussichten sind gar trübe, aber bis hierher hat Gott geholfen, Gott wird weiter hel­fen, was anderes können wir nicht tun, als Mut zu fassen und aufleben und in Einigkeit wieder von neuem drauf los arbeiten, bis es besser wird.

Es freut uns zu lesen, das Europa wieder am empor kommen ist und es nimmt sehr viel, um Deutsch­land herunter zu halten für immer.

Die Franzosen können ja nun überglücklich fühlen, das sie Deutschland am Boden liegen haben, aber die Zeit der Vergeltung wird wohl nicht ausbleiben. Jetzt sind ja die Hauptmächte der Erde hier in Washington hart an der Arbeit, um einen ewigen Frieden in der Welt zu schaffen, und hoffentlich wird es gelingen, aber ich bin bange, das es lange dauern wird, bis ein wahrer Friede, nach weltlichen An­sichten und Gesetzen dauernd sich einrichten läßt.

Hier zu Lande will man auch auf gesetzlichem Wege alles gute erzielen. Aber fehlgeschossen. Wenn das gute nicht von erster Kindheit an beigebracht wird, erst zu Hause, und nachher in der Schule etc., so wird es nicht kommen. Hier will oder besser wollte man auch das Trinken, oder vielmehr das Sau­fen aus der Welt bringen durch Prohibition aber fehlgeschossen, es wird soviel oder mehr gesoffen, als früher, fast jeder erlernt sich selbst einen Suff zu bereiten, und dabei wird so vieles schlechte Zeug gemacht, sogar was giftig ist, und bringt die Menschen um, bevor sie es selbst wissen, was fehlt, und ein anderer Teil, die sonst ins Wirtshaus gingen, legen sich jetzt aufs Stehlen und Rauben, denn arbei­ten will man nicht mehr, aber leben will man auf das höchste. Die Welt schuldet uns ja das Leben, ab­gesehen von dem wie wir es bekommen. Mann ist nicht mehr sicher, das nicht zu irgend einer Zeit ei­ner daher kommt, den Revolver hinhält, und verlangt, alles herzugeben, was man hat. Ja wir gehen traurige Zeiten entgegen. Der Krieg hat die Welt noch nicht zur Einsicht bebracht.

Es freut uns zu wissen, das ihr noch nicht so hart mitgenommen seid, das ihr noch neue Häuser und Ställe bauen könnt, oder doch wenigstens zu vergrößern und verbessern.

Also ihr wart bei Overhage zum Besuch. Ich habe es mir gemerkt, über den Bericht von dort, ja das Theresia (Overhage) und Heinrich (Overhage) auch schon älter werden, ist kein Wunder. Das ist wirklich eine feine Familie, wofür man Respekt haben muß, das ist eine große Familie, und alle so wohl aussehend, ist etwas besonders Schönes.

Ja auch eure Familie macht sich ja sehr gut, und sehe, wie ihr darauf plant, sie alle zur Tüchtigkeit heranbilden lasset, und so ist es recht, es ist das mehr wert als Geld und Gut.

Ja, ich weis wohl von der Familie Potthoff in Hövel, aber so recht gekannt, habe ich die nicht, die gin­gen nach Darup, und wir nach Buldern. Der Name erinnert mich auch an das Geläute: Bonkamp, Fall­brug, Kitelhaak und Potthoff, freth ut enen Sugtrog, ha, ha. Jetzt werden diese Glocken auch wohl umgegossen worden sein, Kriegswegen.

Also habet ihr in Dülmen wieder ein neues Geläute, hoffentlich wird es wieder ein Schönes, und so ehrwürdig klingendes Geläut sein, als früher.

Habe auch von der Seligsprechung der Ehrwürdigen Katharina Emmerick gelesen, und ich hoffe, daß es einen günstigen Verlauf nehmen wird. Wie du sagst soll viel gebetet werden, wir wollen auch ein wenig mithelfen durch unser Gebet.

Hier müssen wir gerade jetzt auch fleißig beten, weil wir hier in Sterling in unserer Hl. Antonius Kir­che gerade eine 14tägige Hl. Mission haben, eine Woche für die Deutsch sprechenden, und eine Wo­che für die Englisch sprechenden Menschen. Unsere Gebetswoche ist die erste und in der nächsten Woche die andere.

Wir fahren per Auto zwei mal des Tages hin. Die erste hl. Messe ist um halb 6 Uhr mit Predigt, und dann fahren wir abends zur Hauptpredigt um halb 8 Uhr, dann sind wir kurz nach 10 Uhr wieder zu Hause. Auch um 8 Uhr ist eine Hl. Messe für die Kinder, und um 9 Uhr Hochamt, aber diese beiden können wir nicht beiwohnen, weil wir dann zu Hause sein müssen.

Diese Fahrt dauert immer eine halbe Stunde, es sind nahezu 12 engl. Meilen. Dreimal fahren wir im Finstern, aber nach der morgentlichen Frühmesse und Predigt ist es hell, gerade bei Tagesanbruch ist die Predigt zu ende. Diese Hl. Messe ist für solche, die am Tage nicht teilnehmen können, viele die müssen des Tages über arbeiten.

Hier um Sterling herum wohnen viele Deutsche Russen, wovon die Hälfte etwa katholisch sind, diese Leute arbeiten im Sommer meistens in den Zucker-Rüben-Feldern, auch jetzt in der Zuckersiederei etc.

Diese Zuckersiederei hat letzten Monat etwa 1 1/2 Million Dollars für Rüben ausgezahlt. Die Zahlung dieses Monats wird aber nicht so viel betragen.

Hier beim Bahnhof ist auch eine Rübenverladestelle. Das Rüben anfahren dauert nahezu zwei Monate, meistens aber im Oktober, und etwas im September und November.

Diese sogenannte (Rübenzüchter) beliefern wir den Sommer hindurch mit Waren auf Credit, sie sind ziemlich gute Zahler, wenn sie ihr Geld nach der Ernte bekommen.

Gerade jetzt als ich dieses schreibe, kommt der Dülmener Anzeiger an, die Nummer vom 25ten Okt bis 12ten Nov. somit habe ich wieder zu lesen.

Habe deine Grüße an die Bertha [Hunck] übersandt. Hat sie euch schon geschrieben? Habe es ihr wis­sen lassen, das ihr noch immer auf ein Brief von ihr wartet.

Bei der Clara [Wesselmann geb. Hunck] hat sich vor einigen Monaten ein 2tes Mädchen dem ersten zugesellt, und hat den Namen Rita Maria  [Wesselmann] erhalten. Mutter und Kind sind gesund. Ihren Ludwig Wesselmann hat sich jetzt eine Automobil-Reparatur Anstalt (Werkstatt) angeschafft. Wie ihr so ein Geschäft nennt, weis ich nicht, hier nennt man das einfach eine "Garage", da weis ein jedes Kind sogar, was der meint, wie ich höre, macht er gute Geschäfte.

Wir lassen unsere Maschine kaum kalt werden, denn heute machen wir drei Fahrten nach Sterling, weil heute Nachmittag der Rudolph [Hunck] geschäftehalber dort hin ist, denn abends und morgens sind Geschäfte geschlossen.

Von der Gertrud Hünck habe ich neulich ein Brief bekommen, die sagt, daß sie letzten Herbst gar krank gewesen sei, man hatte sie auf die Reise in der Ewigkeit vorbereitet, und sie selbst hatte dieses kaum gewußt, wenn nicht eines ihrer Enkelinnen es gesagt hätte, und jetzt sei sie auch so sehr vergeß­lich, aber konnte doch noch einen ziemlich guten Brief schreiben. Sie ist etwa 81 Jahre alt.

Nun zum Schlusse wünschen wir euch Allen ein recht herzliches

"G L Ü C K   S E L I G E S   N E U   J A H R"  und besonders

"E I N E N   F R Ö H L I C H E N   W E I H N A C H T E N."

Auch unsere besten Grüße und Wünsche für obiges an  a l l e  die nach uns fragen.

Clemens.

 

http://www.in-output.de/AKE/akecv.html  Katharina Emmerick

 

 

Logan, Colo. den 2. Jan. 1922

 

Lieber Wilhelm & Familie:-

 

Es ist mit gar betrübtem Herzen, das wir alle die Nachricht über dem Unglück und dem Tode unseres lieben Bruder [Diekemper], Onkel, etc. erfahren haben.

Als wir die erste Nachricht "Karte erhielten, merkte ich wohl, das wenig Hoffnung vorhanden sei. aber doch immer kam es mir in den Sinn, es könne doch kaum so schlimm sein, weil doch nur ein Ende vom Daumen verloren sei, aber was noch fehlte, hat sich gar zu bald gefunden. Wir meinen, es müsse eine Blutvergiftung eingetreten sein, oder wenn es Lungenentzündung war, durch Schleim in der Brust verursacht. Der Dr. wird es wohl besser wissen, als wir es von hier beurteilen können, aber so schnell ist doch kaum begreiflich. Nun seine Zeit war da, und der Tod will seine Ursache haben.

Wir danken bestens für die pünktliche Nachricht, über den Fall. Als am 24ten Dez. der schwarz-ge­rändelte Trauerbrief mir zu Gesichte kam, wußte ich bald, was passiert war, hatte es aber doch noch nicht so bald erwartet.

Am 26ten Dezember kam nun der Brief an mit den ausführlichen Bericht über alles, wie es sich zuge­tragen hatte, und habe jede Zeile mit der größten Aufmerksamkeit gelesen, und konnte noch den Inhalt kaum glauben, aber wozu sollten wir zweifeln, nur eben etwa aus dem Grunde, weil wir es noch nicht gerne gesehen hätte, das Ganze war zu unerwartet gekommen.

Es hat uns nun alle höchst erfreut zu lesen über die gute Vorbereitung, zu der ihm der liebe Gott die Gnade gegeben hat, um mit allen Tröstungen unserer hl. Religion und Kirche versehen werden zu können, und so hoffen wir, daß IHM der liebe GOTT  EIN  GNÄDIGER  RICHTER gewesen sein wird, und wollen wir zusammen den lieben Gott bitten, "HERR gib ihm die "EWIGE RUHE" und das  „EWIGE  LICHT  LEUCHTE  IHM".

Für ihn zu beten ist nun noch das Einzige, was uns für ihn zu tun noch möglich ist, und wollen wir es nicht vergessen, seiner in unserem Gebeten zu erinnern. Habe heute die erste hl. Messe für ihn bestellt, und sie wird am Sonntagmorgen für seine Ruhe dargebracht, so das wir dann auch zugegen sein kön­nen. An Werktagen können wir nicht gut so früh da sein, weil wir etwa 11 Meilen von Sterling, wo die Kirche ist, wohnen.

Nun, mit dem Auto nimmt es uns nur 1/2 Stunde, wenn die Wege gut sind.

Ja an meinem Namenstage hat er das Zeitliche gesegnet, und Schwester Theresia [Diekemper] starb am 5ten Feb. am selbigem Tage als wir verheiratet wurden.

Auch dein Brief vom 5.12. kam schon am 22. Dezember hier an mit der Nachricht, das du ein Kist­chen mit Birnen abgesandt hast für uns, und auch für das schönen Dank, aber die Kiste ist bis jetzt noch nicht angekommen, werde euch schreiben, wenn sie ankommt. Mann kann hier auch getrocknete Birnen kaufen, aber habe noch nie welche gefunden, die diejenigen in etwa im Geschmack gleich kommen, als unsere, die wir früher von den alten Birnbäumen in Dülmen hatten. Sind die geschickten auch solche Pfund- Birnen "Prubehen" [Pfundbirnen] wie wir sie früher genannt haben? Ich habe schon gar oft an diese Birnen gedacht, wenn ich Birnen sah, habe aber noch nie solche gefunden, wie wir sie früher hatten. Nun, wollen wir sehen, was kommen wird.

Auch die beiden Bilder-Karten sind für mich sehr interessant, sie sind beide gut, jedoch die du No. 1 gezeichnet hast, ist wohl vorzuziehen, aber die Fiezebohnen-Stangen, würde ich zuerst aus dem Wege räumen, ehe denn eine neue Aufnahme gemacht wird. Bitte den Herrn Hohmann zu grüßen von mir, wenn es derselbe Hohmann ist, der den Laden dort nahe bei Havixbecks hat.

Was ist es für ein so hoher Baum, der da ganz rechts zu sehen ist? Es wundert mich ein wenig, daß der Paradiesapfelbaum, nahe beim damaligen Gartentor nicht mehr da ist, und auch der kleinere Birnbaum so ungefähr hinter dem alten Keller, der so gar dicke Birnen trug, ist ja fort. Auch scheint mir, möchte der Apfelbaum in der Garten-Hecke, etwas näher zum Hause, als der jetzige Pflaumen Baum noch seines Platzes wert gewesen sein. Das waren doch immer so schöne Äpfel, nachdem sie etwas mürbe geworden waren, d. h. vollauf reif.

Ja die Gebäude nehmen sich sehr schön aus, und das Nebengebäude ist ja auch jetzt sehr schön, und habt ihr es alles recht bequem, wenn ihr nur bloß die gehässigen Franzosen und die ganze Entente ?? nicht auf dem Halse hättet, und das möglich für eure Lebenszeit, ha ha.

Das Buch von dem du schreibst, wird mir gewiß von großem Interesse sein, um mal gründlich über alles aus früherer Zeit zu lesen und erfahren. Habe auch im Anzeiger gelesen, vom den Empfang, Prü­fung und Festläuten etc. eures Pfarrdechanten zum 50-jährigen Priesterjubiläum in Dülmen.

Das Geläute wird gewiß schön sein, aber ein schönes, so ehrwürdiges Geläute war es auch früher in Dülmen. Nun sind die Feiertage vorüber, und das neue Jahr 1922 hat angefangen, und hoffentlich wird es viel gutes bringen. Hier haben wir ziemlich harte Zeiten, auch eben weil alle "Farmprodukte" gar billig sind. Wir haben schon seit drei Jahren in dieser Gegend gar magere Ernten zu verzeichnen. Es ist zwar sehr gutes Land hier in Colorado, aber zu wenig Regen gibt es hier gewöhnlich, die Leute können jetzt nur so spärlich leben, aber nichts neues anschaffen. Viele Farmer verlieren ihren Besitz weil sie die darauf lastenden Hypotheken, mit den hohen Zinsen nicht zahlen können.

Wir danken auch bestens für die wohlgemeinten Glück & Segenswünsche zu Weihnachten und dem Neuen Jahr, und hoffen das auch unsere Wünsche, die ich herüber sandte, eingetroffen sind.

Wir sind soweit noch alle gesund, auch unsere Kinder alle, mit Ausnahme von Wilhelm [Hunck], der ist nicht bettlägerig krank, aber fühlt sich nicht sehr gut, er meint, er müsse sich noch mal an sein Ge­sicht operieren lassen. Das Übel ist durch Zähne ziehen verursacht worden, es sitzt oben im Mund un­ter dem Auge. Er mußte sein Reisegeschäft aufgeben, und mit einer leichteren Anstellung in der Stadt Denver wechseln.

Nun zum Schluß die besten Grüße von uns allen, an euch Alle, und alle die Verwandten und sonstige, die nach uns fragen.

Schreibe bald wieder, wir sind immer froh vom Alten Heim, und der Heimat zu hören.

Euer Clemens & Familie. Clemens.

 

 

Logan, Colo. den 22. Jan. 1922

 

Ihr Lieben daheim!

 

Jetzt kann ich berichten, das die Birnen vorgestern (Jan. 20) angekommen sind, und zwar in gutem Zustande, obschon eine Seite der Kiste eingebrochen war, und war auch sonst geöffnet gewesen, wahrscheinlich in Denver am Zollamt. Auch war die Blase aufgeschnitten, aber es war wohl noch alles darin, 6 1/3 lb nach hiesigen Gewichten. Es hat mich so ganz lebhaft daran erinnert, wenn ich in Ko­blenz beim Militär ein Paket von zu Hause erhielt, so war ja auch dieses von "Zu Hause", ha, ha.

Bitte empfanget hiermit meinen und den wohlgemeinten Dank der Familie dafür. Sie munden gar gut roh, wie auch gekocht, von welch letzterem es nur wenig gebraucht. Du hast Recht, wenn du sagst, das sie ein wenig zu stark getrocknet sind, ja der Ofen oder die Hitze hätte etwas weniger sein können. Es wären dann auch noch mehr Säfte darin geblieben. Ja beim nächsten Male werdet ihr es noch besser machen, ohne daß wir es noch hier erwähnen. Nun muß ich aber noch fragen, sind das Birnen von un­seren eigenen Bäumen? Ich meine, ob ihr wieder junge Birnbäume angepflanzt habt, denn du hast mir mal geschrieben, daß die alten Bäume nach Ascheberg gesandt seien. Wie heißen diese Birnen? Es scheinen mir keine von der alten Sorte Pfundbirnen zu sein. Diese waren oder sind nicht an Güte zu übertreffen, besonders jene nicht, die auf dem Baum nahe bei der Scheune wuchsen, oder auch die zwei nahe am oberen Ende des Hauses wo von meines Erachtens die besten. Auch "Rosotsbeere"? wa­ren sehr gut um diese Zeit des Jahres. Ja jetzt läuft mir das Wasser um die Zähne, jetzt will ich meiner Blase mal Linderung verschaffen. Ja jetzt schreib mir bald, es wird dieselbe alte Sorte Birnen sein. Eben jetzt, nachdem ich vorgestern einige im Wasser aufgeweicht hatte, und heute wieder ungefähr [unleserlich??] richtigen Zustand getrocknet sind, sind die Birnen schön.

Jetzt ist es nach 10 Uhr und ich sitze so allein am Pult, denn meine Frau ist schon ins Bett gegangen, und Rudolph [Hunck] war heute Nachmittag auf dem Eis zum Schlittschuh-Laufen, somit ist er müde und hat sich auch schon verkrochen, und ich habe mein Vergnügen mit den Birnen. Morgen habe ich nicht viel Zeit zum Briefschreiben, weil wir beschäftigt sind, mit der Inventuraufnahme, um herauszu­finden, wie groß unser Verlust im Geschäft im letzten Jahr gewesen ist. Verdienst wird sich wohl nicht herausfinden, weil eben die Waren fortwährend im Preise gefallen sind, und sind wir auch noch um verschiedene 100 Dollar betrogen worden. Einer von den Gaunern war der sogenannte Schulze Kohl, wo ich euch mal nach gefragt hatte. Er will da irgendwo bei Hanrorup, Kakesbeck oder Umgegend zu Hause sein.

Nun heute Morgen, als wir zur Kirche kamen, war ja auch die Nachricht eingetroffen, von dem Able­ben unseres so beliebten Papstes [Benedictus PP. XV (Giacomo della Chiesa)]. Gestern Abend kam hier schon, und in aller Welt die verfrühten Nachrichten über seinen Tod, aber heute Morgen war es schon in einer Zeitung ausführlich zu lesen, die von Denver gekommen war (150 Meilen), das der Tod erst heute (22) um 6 Uhr morgens einge­treten sei. Diese Zeitung "Post" genannt, wird kurz nach Mitternacht gedruckt, und war schon heute früh hier in Sterling. So seht ihr, das Neuigkeiten hier auch gar schnell publiziert werden. Nun, der liebe Gott wird seinen treuen Diener zu sich in die ewigen Freuden aufgenommen haben. Er möge es genießen in "Alle Ewigkeit". Das die Zeitung schon früh um 7 Uhr hier war, muß berechnet werden, das die Zeit hier bei uns um etwa 8 Stunden später ist als in Rom, so das 6 Uhr morgens in Rom unge­fähr 10 Abends hier ist, und in New York 12 Uhr Mitternacht.

Heute Abend den 23ten Fortsetzung. Sind heute nicht bei der angesagten Arbeit gewesen, weil wir eine neue Pumpe einzusetzen hatten, und zwar im Keller. Haben nämlich einen 32 bis 60 Fuß großen Keller unter den Store Gebäude, so das wir das Wasser leicht bei der Hand haben, wenn dort was ge­braucht werden soll, haben wir eine Entrahmungs-Anstalt dort, für eine weit entlegene Butterfabrik.

Kürzlich haben wir auch öfters von der Heiligsprechung der gottseligen Katharina Emmerick gelesen, und hast auch du in einen deiner Briefe davon gesprochen, und wir wollen hoffen und beten, daß es einen glücklichen Verlauf nehmen wird. Der Waisenfreund brachte neulich einen langen Artikel da­von, und auch in den hiesigen englisch katholischen Zeitungen wird darüber geschrieben. Hier in Denver ist "The Catholic Register", welche wir lesen, brachte einen langen Artikel darüber, aber die schreiben, das sie in Dülmen im Agneten Kloster gewesen sei. Von so einem Kloster in Dülmen, oder auch bei Dülmen, habe ich noch nie etwas gehört, ich möchte dich fragen, ob du mir etwa Auskunft darüber geben könntest. Ich meine sogar, das es im Waisenfreund stand, das man auch an diesem Klo­ster etwaige Geldspenden in Dülmen senden könne. Es scheint mir da ein großer Irrtum vorzuliegen. Habe auch etwas gelesen, als ob das Kloster geschlossen worden wäre (ob vielleicht in den alten soge­nannten französischen Zeiten, ich weiß es nicht mehr) und hätte sie nachdem in Dülmen bei Bürgers­leute gewohnt. Ja ich meine, sie hätte in dem Hause nächst bei Limbergs gewohnt, und auch dort ge­storben sei. Jetzt zum Schluß die besten Grüße und Wünsche für alles Gute für dich und die ganze Familie von uns allen euer Clemens.

Nachtrag!

Hätte beinahe die Birnen an Hl. Antoniusfeste erhalten, und will ich noch eben erwähnen, das ich auch im Geiste dort bei euch war, hätte auch gerne ein Gläschen Bier mit euch getrunken, weil hier gibt es ja keines. Das ist eine Schande für America, das wir hier so viele Hl. Apostel haben, welche einfältige Leute genug finden konnten, um das Land Nord Amerika trocken zu legen, aber es fängt schon an zu dämmern, so das die Leute einsehen, was sie getan haben, nur den Heuchlern zu dienen, welche ihre Kelter gut versteckt hatten.

Ich habe für uns diesen Sommer noch 30 Gallonen etwa 80 Liter Rhabarber Wein gemacht. Wenn es bei der Behörde bekannt würde, bekäme ich wohl eine hohe Geldstrafe mit Zuchthaus noch als beson­dere Beigabe. Nun soll es mich wundern, wie ihr mit dem lesen meines Geschreibsels fertig werdet, habe schon lange nicht mehr mit der Feder geschrieben, aber meine Schreibmaschine habe ich nach Denver gesandt, als reparaturbedürftig. Habe vergessen zu fragen, ob das Antoniusfest noch immer in alt gewohnter Weise gefeiert wird? Kommen Rohlfs aus Limbergen noch zu euch? Leben die noch alle? Habe mal vor kurzem ein Brief an sie geschrieben.

Gute Nacht, es ist gleich Zwölfe. Clemens.

 

 

Logan, Colo. den 14. April 1922

 

Meine Lieben Daheim:-

 

Es ist mit dem größtem Vergnügen, der Empfang von Deinen uns so lieben und interessanten Brief be­stätigen zu können, und zwar am 11ten dieses Monates. Auch habe ich das schöne Buch "Geschichte der Stadt Dülmen 1311-1911" am 30ten März erhalten. Habe dem Herrn Homann bereits über dessen Empfang benachrichtigt, weil er es für dich abgesandt hatte.

Bitte nun meinen innigsten Dank dafür entgegen nehmen zu wollen, ein besseres und schöneres An­denken hätte ich mir nicht denken können, nur möchte ich mich obendrein noch erlauben, die Bitte zu stellen, mir eines von der Geschichte Merfeld zusenden zu wollen, welches zu tun du ja schon erwähnt hast, habe davon gelesen im Anzeiger, das so ein Buch in Aussicht steht. Wenn da mal fertig ist, so werde ich mit obigem wohl fertig sein. Das nächste mal schicke mir die Rechnung mit, den ich will das nicht alles umsonst haben.

Es ist nur schade, das wir Merfelder oder Dülmener alle so weit von einander wohnen, sonst könnten wir es mehr gegenseitig erwägen und überreden. Dem Hermann Wesselmann, der wohnt nur etwa 150 Meilen von hier, habe ihn schon eingeladen, mal zu kommen, welches zu tun er versprochen hat bis nächsten Herbst. Er selbst kann nicht mehr lesen, weil ihm seine Augen nicht mehr treu dienen. Ich habe ihm über einiges aus dem Buche geschrieben, was ihm seine Tochter vorgelesen hat, und wor­über er sich sehr gefreut habe, aber sie kann das Deutsche auch nicht gut lesen. Pläsker und Schulte­bein sind ungemein weit von hier entfernt.

Dem Hermann Wesselmann habe ich über den Merfelder Seligen Johannes, und von dem Hexenmei­ster Schomaker aus Börnste geschrieben, weil mich eben diese beiden Geschichten besonders interes­siert haben, es muß wohl gar schön gewesen sein, wenn die Gelegenheit kriegten, in der Welt der blauen Heide, irgend in der Nähe von Hummels, den Teufel zu küssen, ha, ha.

Was denkt man denn bei euch wohl über diese Geschichten, sollte es wahr sein können? Der Schoma­ker hat beides gesagt, und freilich mußte das eine oder das andere gelogen sein. Ich selbst habe nie viel oder nur etwas von der Hexerei gehalten.

Im ganzen ist das Buch sehr interessant, aber der gute Dr. Weskamp hätte an mancher Stelle sich et­was deutlicher ausdrücken können, z. B. das Latein hätte er mit deutsche Erklärung begleiten können, denn alle, wie auch ich, verstehen das Latein nicht. Auch deutet er überall an, wo er dies und jenes entnommen hat, da hätten auch kurze Erklärungen wohl (meiner Meinung nach) sehr willkommen ge­wesen. Auch hat er mehr direkte Fehler dem Werke eingefügt, wie auf Seite 127 heißt es: Mitte des 19ten Jahrhunderts, es muß am 18ten gewesen sein, wie auch auf selbige Seite unten heißt es gegen Ende des 19ten Jahrhunderts, welches noch kommen muß.

Auch sagt er auf Seite 204, daß das Merfelder Bruch in den 30ger Jahren des vorigen Jahrhunderts geteilt sei, muß aber jedenfalls in den 50ger Jahren geschehen sein. Als Beweis dafür rechne ich, das ich in 46 geboren bin, und ich weis mich noch ganz gut zu erinnern, das die Teilung geschehen ist, und hörte viel darüber sprechen, daß der eine oder der andere seinen Hook [Landstück] bekommen würde, solche die am Bruch angrenzten, bekämen alle etwas dort dabei, und wenn denen mehr zukam, krieg­ten sie das weiter zurück liegende im Bruch. Wir hatten nichts angrenzendes, und bekamen unser Grasgrund an der "Eckhosts" und den Heidegrund am "Wehl". Ich weis das alles noch ganz deutlich, und deshalb muß die Teilung später, jedenfalls in den 50ger Jahren stattgefunden haben, aber dieses macht ja nicht vieles zur Sache, im allgemeinen ist das Buch sehr interessant.

Dülmen wie auch Haus-Dülmen haben viel, viel zu leiden gehabt mit Kriegen mit allerlei Völkern, aber was das für Kaiser gewesen sind, die da erst soviel genannt werden, sagt das Buch nicht, und wie die kath. Religion dort erst hingekommen ist, und von den Römischen Zeiten ist es still, oder sind die genannten Kaiser vielleicht Römische Kaiser gewesen? Es muß einer schon sehr mit den Geschichten der alten Zeiten bekannt sein, um alles richtig zu verstehen.

Jetzt will ich nun deinen Brief weiter beantworten und verfolgen. Du sagst, daß das reisen für einen Amerikaner doch jetzt so billig sei, welches ich aber nicht gerade so sehen kann. Die Überfahrt des Ozeans kostet immerhin seine $ 110.00 bis $ 135.00, wie es ja im Waisenfreund zu lesen ist, und dann sind die Eisenbahnkosten zuzurechnen, alle Kosten zusammen, hin und zurück betragen doch eine  beträchtliche Summe.

Im Jahre 1885 bin ich mit einem Billet von $ 7.00 über den Ozean, und für 1.00 per Eisenbahn von New York nach Chicago gefahren, das war aber ein reiner Zufall, das es so billig war. Billet für $ 7.00 war Zwischendecks Preis, aber nur für kurze Zeit, wie auch die Fahrt für einen Dollar auf der Eisen­bahn, aus Konkurrenzgründen. Ich bin nun doch damals nicht Zwischendeck gereist, denn es waren unserer zwei zusammen, und hatten uns von den Schiffsleuten ein privates Zimmer mit Kost gemietet, welches auch nicht teuer war, und doch sehr gut.

Es ist zu bedauern, das alles bei euch von neuem so teuer wird, bloß die Marks sind nächst zu nichts gekommen, und wo Deutschland all das Geld hernehmen wird, was die hungrigen und verhaßten Fran­zosen drauf warten, das ist ein großes Rätsel.

Ich werde deine Grüße und Wünsche für Bertha [Hunck] und Clara [Wesselmann geb. Hunck] aus­richten, und danke bestens für dieselben. Grüße von den beiden welche du bitte durch mich entgegen nehmen wollest, als wenn sie von den beiden Töchtern direkt gesandt wären.

Werde auch besonders der Bertha [Hunck] ihre unverzeihliche Nachlässigkeit nochmals vorstellen. Ich weiß, das sie keinen besonderen Grund für ihr Stillschweigen hat, nur das sie es nicht gut kann, und paßt es ihr nicht, so etwas zu euch hinüber zu senden. Das sie es gut meint zeugt dafür, das sie uns neulich schrieb, das sie bei ihrem Pfarrer Monsignore August Plachta ein Seelenamt wolle lesen las­sen, für ihren verstorbenen Onkel Bernard [Diekemper].

Jetzt erwähnest du noch wegen des seligen Großvaters schnelles Ende, ja so geht es, der Mensch denkt, aber Gott lenkt, und hat es wohl so sein sollen, aber das habe ich gleich gedacht, und denke noch heute so, das sein Unglück, durch das Ende vom Daumen zu verlieren nicht direkt herkommt, obschon es wohl seinen Tod verursacht hat, aber wenn nichts außerordentliches dazu gekommen wäre, würde er heute noch am Leben sein. Daß das Cloroformieren die Schuld war, denke ich auch nicht, und auch unser Rudolph [Hunck] denkt nicht so, weil er das schon so zirka 20 Mal überstanden hat, er ist natürlich nicht so alt. Wie du mir jetzt über den Arm anschwellen bis zur Schulter berichtest, da glaube ich ganz sicher, das es Blutvergiftung war, was ihn das Leben gekostet hat, ob da nun der Dr. hätte dafür sorgen können, oder wie und was die Ursache gewesen sein mag, wollen wir dahin gestellt sein lassen. Ich kann und will über euren Dr. nicht urteilen, aber ein durch und durch erfahrener Dr. hätte das auch verhindern können. Meiner einfachen Meinung nach möchte ich sagen, alles kann man nicht vorhersehen und vorbeugen. Es ist nun geschehen, und wie es dem Herrn gefallen hat, so ist es geschehen, möge er ruhen in Frieden.

Also die gute Schwiegermutter und Mutter und Großmutter hat uns denn auch schon verlassen. Ja, ja, so geht es, und über kurzer Zeit wird es von uns, besonders von mir auch so heißen. Wir wollen ihrer im Gebete gedenken, denn das ist ja alles, was man noch für sie zu tun vermag. Hoffentlich wird sie einen gnädigen Richter gefunden haben, und "Möge auch sie Ruhen in Frieden". Ja  Johanna [Die­kemper], es ist hart, sich von den Eltern zu trennen, aber es ist einmal so, es ist Gottes Wille.

Auch hier sind viele alte Leute gestorben, und hier recht viele von den alten Geistlichen, unter denen auch derjenige, der uns das Hl. Sakrament der Ehe erteilt hat, Father Buh, ein Kreiner, früher zu Öster­reich gehörend. Ich glaube er war 98 Jahre alt. Ein alter Irländer, der nicht gar weit von uns in Minne­sota gewohnt hat, ist vor kurzem gestorben, welcher 102 Jahre alt war. Hat sich früher bei uns gar öf­ters ein Schnäpschen getrunken, was man im Irländischen nicht ein Gläschen, sondern ein Horn nennt, ha. ha.

Du schreibst von den Münster Birnen nahe beim Kohkamp, da war doch auch ein Pfundbirnen-Baum, der wird doch noch nicht von Altertum abgestorben sein, und Kirchbäume, sind die auch alle fort?

Nun nochmals von den Birnen, es ist doch zu schade, das du so viel Porto hast zahlen müssen, und tue das nicht wieder. Ich habe sie, bis auf einige Dutzend alle mit großem Vergnügen verzehrt, haben auch davon gekocht, aber meine Frau & Rudolph [Hunck] haben sich nicht sehr dafür interessiert wie ich, aber du hast dich gar viel Mühe um die getrockneten Birnen gegeben.

Hier kann man auch ganz schöne trockene Birnen bekommen, zu 20 Cent das Pfund zu Großhandels­preis, aber sind nicht geschält, und deshalb nicht so wohlschmeckend, aber sonst gar fein gedörrt "Evaporated" welches zu Deutsch verdunstet heißt, aber es sind keine Pfundbirnen, solche habe ich überhaupt hier noch nie gefunden.

Also zu Antonius habet ihr keine Gäste mehr, und der Herman Rohlf ist tot, habe vor etlichen Mona­ten noch mal ein Brief an ihm geschrieben, den wird er denn wohl nicht bekommen haben? Die Witwe hätte ihn doch schon wohl beantworten können, aber habe noch nichts von ihr gehört. Habe auch schon 2 mal nach dem Kriege an Wilhelm Steven in Merklinkhausen bei Horn Westfalen geschrieben, und auch keine Antwort erhalten. Dieser ist nämlich meiner Frauen Nichte ihren Mann. Ich kann nicht wissen, warum, ist da wohl etwas Gefühl gegen uns Amerikaner in Deutschland, weil Amerika im Kriege gegen Deutschland war? Bitte erkläre mal, ich sollte nicht meinen, aber wer weis? Wir Deutsch-Amerikaner waren gewiß nicht im geringsten Schuld daran, hätten es nur zu gerne abgewehrt, wäre solches nur möglich gewesen.

Also mußtet ihr euren guten Rektor verlieren wegen des Kirchenbaus, dachte nicht so etwas vorzu­kommen bei euch, und zum Besten aller Merfelder wäre doch die Kirche besser beim Pfarrhause ir­gendwo gelegen, als wo sie jetzt ist, aber wie du sagst, Hitz-oder auch Dickköpfe gibt es wohl überall. Wer sind denn diejenigen, welche sie lieber am alten Platz gesehen hätten. Hat nicht auch etwa der Herzog seinen Finger darin stecken?

Wie hat es euch ergangen mit dem Kirchweg (Schemmweg) durch den Park, habt ihr den auch verlie­ren müssen, es sollte mich durchaus nicht wundern, ob nicht auch etwa so eine Ungerechtigkeit durch­geführt wäre.

Ich habe meine Frage wegen dem Agneten Kloster völlig beantwortet in dem Buche, aber ich habe zu meiner Zeit niemals etwas davon gehört, und weis mich auch nichts zu erinnern, das ich je von der Nonnen Stiege oder Kloster etwas gewußt zu haben.

 

Der Schluß des Briefes fehlt.

 

Logan, Colo. den 25. Mai 1922

 

Meine Lieben Daheim:

 

Will euch hiermit wissen lassen, daß das Eiserne Kreuz vor einiger Zeit angekommen ist, und ich habe es dem Wilhelm [Hunck] gesandt, und er hat es auch bekommen, aber er hat mich noch nicht wieder darüber geschrieben. Ich dachte erst, daß noch ein Briefchen bezüglich der Beschaffung des „Eisernen Kreuzes“ von dir nachkommen würde, aber daß wird wohl nicht mehr kommen. Du weist jetzt daß ich es für Wilhelm [Hunck] bekommen habe. Besten Dank dafür, sende mir die Rechnung, und ich werde  es für ihn begleichen. Er wohnt in Denver Colorado, und ist Reisender für ein Zigarrengeschäft, wartet aber eine andere Stelle, die ihm weit mehr Geld einbringen wird, wenn er sie bekommt.

Unser Rudolph [Hunck] war noch mal wieder zu seinem Arzt im Hospital zu Salida Colorado, er war einen Monat fort, und kam gestern Abend wieder hier an. Dieses mal war er hauptsächlich hin wegen Hämorrhoiden, ein Übel, wo er schon seit langen Jahren mit geplagt war, und es wurde so schlimm, das etwas geschehen mußte, sie haben ihm diese mit Elektrizität, oder Apparate ausgebrannt, und dann haben sie auch sein Beinübel noch mal wieder nachgearbeitet. Erst hatte der Dr. gemeint, es am besten bleiben zu lassen, als es sei, dann aber als er unter Eiter liegen mußte, so hat er auch noch gleichzeitig etwas an dieser Wunde nachgearbeitet, und wir hoffen, daß es mit beiden Operationen doch endlich das letzte sein möge. Zehn Tage hat er im Bett gelegen, und hat nichts gegessen, als durchgeseihte Suppe, und Kaffee ohne Milch. Aus diesem Grunde ist er wieder ziemlich mager geworden, aber den Gewichtsverlust wird er bald aufholen. Diese Krankheitsgeschichte mit Reisekosten hat uns nahezu $ 300.00 D. für einen Monats gekostet.

Vor einigen Tagen bekamen wir auch ein Brief von Eurem Freunde B. Hohmann, und sagte unter an­derem, das er die neuen Aufnahmen von euren Gebäuden gemacht habe, und würde bald eine davon hier sein, nun wir freuen uns schon darauf.

Heute sende ich "Die Geschichte von Dülmen" unserem Freund Theodor Edelbrock, und dann kann es auch die Theresia Hesker bekommen, und Anton Struffert, der Franz Brambrink wird sich wohl nicht sehr dafür interessieren, und ist auch kränklich wie ich es höre. Der Hermann Wesselmann will uns im Herbst besuchen und dann können wir alles besprechen und durchgehen, was ich nicht weis, weis er vielleicht.

Habe letzten Sonntag im Waisenfreund gelesen, das der Herr Kaplan Franz Hunkemöller hier in Ame­rika ist, um die Leute für die Seligsprechung der Katharina Emmerick zu begeistern, um milde Gaben für diesen Seligsprechungsprozeß im Empfang zu nehmen. Ich wünsche ihm viel Glück zu seinem schönen Unternehmen. Hoffentlich wird er nicht enttäuscht und genug Gehör bei den Vornehmen fin­den. Er hat sich schon mal als Briefschreiber für die Familie Overhage an mich eingesetzt. Bis hierhin wird er wohl höchstwahrscheinlich nicht kommen, ich möchte ihn jedoch gerne sehen, und würde mich freuen wenn er käme. Ich kann nicht recht einsehen das diese Seligsprechung so ungeheuer viel Geld in Anspruch nehmen sollte.

Er möchte $ 5.00 es ist zwar nicht gar so viel, aber es kommen so viele, viele um milde Gaben, daß alle nicht bedacht werden können, nicht eben mal mit so lumpige $ 5.00 kann ein jeder bedient werden. Das Geld machen geht auch hier in Amerika nicht mehr so gut, als es wohl schon getan hat, und besonders nicht für einen, der es grund ehrlich meint.

Ein jeder kann und soll es nicht machen, wie es letzten Sommer ein Gauner mit unserem Rudolph [Hunck] gemacht hat. Es war wie folgt: Ein Mann, der hier 2 Jahre im Herbst jedesmal einige Monate lang die Zuckerrüben hier für die Zucker Co. eingekauft hatte, nahm in Sterling Kontakt mit unserem Rudolph [Hunck] auf und sagte zu ihm, ob er nicht so gut sein wolle, um in der Bank zu bezeugen, daß er der Herr King sei, weil er eine Geldanweisung habe, und könne die nicht einkassieren, es sei denn, das ihn jemand bezeuge, das er der Herr King sei. Ja der Rudolph [Hunck] dachte in seiner Gutheit, das er das wohl tun könne. Er ging mit zur Bank, wo dieser gleich sagte, so hier ist Herr [Ru­dolph] Hunck, der weiß wer ich bin. Somit schrieb dieser King seinen Namen hinter der Bankanwei­sung. Der Bänker hielt auch gleich dem Rudolf [Hunck] das Ding vor um seinen Namen auch dahinter zu schreiben, welches er auch in gutem Glauben tat, weil er auch glaubte es sei nötig zu der Ge­schichte. Diese Bank-Anweisung war an eine Chicago Bank, für $ 300.00 und nach einigen Tagen kam diese Anweisung zurück mit dem Vermerk, es wäre kein Geld dafür vorhanden. Und so mußten wir diese $ 300.00 einfach bezahlen, und noch $ 10.00 Unkosten dazu.

Der Rudolph [Hunck] hat noch nie mit solchen Gaunern zu tun gehabt, aber jetzt weiß er es, daß man in Geldsachen nicht so leichtfertig zu handeln darf. Er glaubte nur dem Mann einen Gefallen zu tun, um zu bezeugen, wer er sei. Dieser King war nun nicht mehr zu finden, und keiner weis wo er hin ist, und wenn er auch gefunden würde, könnte man ihn höchstens einsperren lassen, aber das Geld hatte er doch schon nicht mehr, und somit sind die 3 Hundert Dollar futsch.

Nach unsern Gesetzen war der Bänker schuldfrei, aber doch mancher hätte dem Rudolph [Hunck] das nicht mit unterschreiben lassen. Ich habe meine Geschäftsbeziehungen mit dieser Bank sofort aufge­kündigt. Das ist alles was ich gesetzlich tun konnte. Dieser King ist einer von den Zugvögeln, die nicht zur selben Stelle wieder zurück kehren. Ja der Betrug ist groß, ein Gewissen haben solche Leute ja nicht, denen ist alles gleich, wenn sie nur damit durchkommen.

Nach einem Nachbarsstädtchen, 7 Meilen von hier, ging vorgestern ein Sheriff (Polizist) zu einem Ra­sierer, und bat ihn um einen Trunk Schnaps, als er ihm sagte, er hätte keinen, ja da hat er doch so viel gebeten, das er ihm zuletzt etwas gab, dann sagte der Polizist, ihm einen Revolver vorhaltend, so jetzt habe ich dich, jetzt bist du verhaftet, da gab es ein Streit, und das Ende war, das der Friseur ihm den Revolver abgerungen hat, mit Hilfe seines Gesellen ist der Sheriff getötet worden, und die 2 Friseure sind auch verwundet, und im Gefängnis. Ganz genau weiß man nicht, wie sich alles zugetragen hat, aber die verwünschte Prohibition [Alkohohlverbot] ist an dem ganzen Ärger schuld. Erst bitten und betteln um ihm zu trinken zu geben, und dann arretieren [verhaften] und zur Strafe zu ziehen das ist mir ein feines Geschäft. O, wo soll es hinkommen, mit dieser verdorbenen Menschheit?

Mann will die Leute durch Gesetze gut machen, und in den Himmel bringen, wenn aber nur nicht zu viele hin müssen, wo es zu heiß sein soll, diese verblendete und Gott vergessene Menschheit.

Von der Bertha [Hunck] haben wir schon lange Zeit nichts mehr direkt gehört, wohl aber umgehend. Wesselmann sein ältester Sohn war nämlich nach Minnesota letzten Sommer, mit seiner Frau und 2 Kinder, und kam letzte Woche wieder. Er war auf der Hin- und Herfahrt bei uns über Nacht, und hat­ten die Bertha [Hunck] kurz vor ihrer Abreise gesehen, und sagten, das sie gesund sei, und hatte viel Arbeit mit einem 40 stündigem Gebet, wo viele andere Priester dort seien, und überhaupt, seitdem er als Monsignore vom Papste erhoben sei, habe er immer noch mehr zu tun als früher. Clara [Wessel­mann geb. Hunck] sei gesund mit ihren 2 Kindern und Ludger Wesselmann, und letztere habe viel zu tun in sein Automobilgeschäft.

Die Bertha [Hunck] wird noch wohl nicht an euch geschrieben haben. Ich habe der Bertha [Hunck] letzten Sommer, als sie hier war, noch mal ein Brief gezeigt, (Deutscher Brief), den sie uns schrieb, als sie als Kind in St. Cloud in die Schule ging, für was ich den Brief aufheben täte, fragte sie, ja um ihr zu zeigen, wie schön sie hätte damals Deutsch schreiben können, sagte ich ihr. Habe ihr dann noch mal an euch zu schreiben erinnert, hat aber nicht viel darauf gesagt.

Ja jetzt muß ich zum Schluß kommen, denn es ist Zeit zur Kirche.

Bitte alles von uns zu grüßen, das nach uns fragen tut, und besonders Ihr alle seid gegrüßt, Groß u. Klein. Von uns allen. Clemens. C. A. H.

Rudolph [Hunck] war 3 Tage in Denver bei Wilhelm [Hunck] welches in seinem Weg liegt.

 

 

Logan, Colo. den 20. Juli 1922

 

Lieber Wilhelm und Alle:-

 

Vor etwa 10 Tagen erhielten wir Deinen uns so willkommenen Brief, und einige Tage später auch die Bilder, und will ich sagen, das wir über beides hoch erfreut waren. Erstens freut es uns zu wissen, das ihr alle gesund wart, welches wir auch jetzt von uns selbst sagen können.

Nun fürs erste über die Bilder, die sind schön, der Herr B. Homann hat es gut gemacht, und ich bin auch überzeugt, das er sein möglichstes getan hat. Wenn ich an etwas kritisieren sollte, so muß ich sagen, das eure Persönlichkeiten selbst nicht so klar sind, wie wir sie gerne gesehen hätten. Ihr seid zu weit von der Kamera entfernt, und ihr wäret besser zu erkennen gewesen, wenn ihr irgend wo an der Gartenhecke gestanden hättet. Auch ebenso auf Bild No. 2 seid ihr beiden zwar etwas besser zu erken­nen. Irgendwo näher bei den Drahtzaun würde ich vorgezogen haben. Hier aber kennt man euch am besten, hättet ihr aber irgendwo nahe des rechten oder linken Ende vom Schlagbaum gestanden, wäret ihr besser zu erkennen. Wenn ich es nicht wüßte, würde ich euch gar nicht erkennen. Nun genug hier­von, und ich kann nur sagen es ist schön, und man sieht das ihr gar üppige Gebäude habt. Daß das un­tere Ende des Hauses auch alles Massiv war habe ich nicht gewußt, wirst es wohl geschrieben haben, oder ich habe es ganz vergessen, aber jetzt kann ich s sehen, wie und was es ist. Und kann nur sagen, "Es ist Großartig" und möge euch der liebe Gott es verleihen, das ihr es auf lange, lange Jahre mit Ge­sundheit und Vergnügen bewohnen und benutzen könnt.

Also dem alten Holzhause ist das Ende auch angekündigt. Wenn man an dem vorbei über den Heit­kamp schaut, das muß wohl ungefähr die Richtung nach Börnste "Hinterbörnste" sein, etwa Kohbel­lers, Börnste Schule Kuhmann und Winkelmann sein. Bin ich einigermaßen richtig? Und wenn das Holzhaus weg wäre, da auch nach der Richtung von Schürhoff, und die alten Steingruben dort.

Ja jetzt fällt mir gerade bei die alten Steingrubenlöcher ein Rätsel ein, und werde euch fragen, ob ihr es lösen könnt, aber das ist nur für die Kinder allein zu lösen. Was ist es, das auf ein Loch sitzen kann, ohne herein zu fallen? Nu, wer hat es zuerst geraten?

Eins vermisse ich beim Hause, und das ist der Dünger-Haufen hinter die Pferde-Ställe, oder habt ihr das bloß für diese Aufnahme abgefahren? Du sagst die alte Niendohr [Tennentor] würde ich wohl kennen und sage jawohl und die beiden Wilhelm [Hunck] und besonders Bertha [Hunck] konnten sich erst nicht genug darüber verwundern, das ihr sie bei ihrer Ankunft bei euch mit Pferd und Wagen ins Haus hinein gefahren habt.

Die hatten in ihrem Leben noch kein Haus gesehen, wo Leute mit dem Vieh unter einem Dache woh­nen, das sieht man hier in Amerika nicht, und der Amerikaner meint, daß das unter aller Würde ist, wenn ich aber das Bild zeige, und dabei erkläre, werden sie etwas anders gesinnt, und sagen, das möchte doch noch wohl nicht so schlimm sein, als man es geglaubt hätte. Ich selbst halte es nicht für sehr geeignet, aber es ist einmal so Mode, und bequem ist es auch, das will ich wohl zugeben, und ei­nen besseren Stall konnte man dem Vieh auch schlecht machen.

Auf No. 2 erinnere ich mich auch noch so recht lebhaft den Platz zwischen Eichbaum und Wagen-Remise, wo dein Vater den fremden Besucher die Reise-Tasche bei der Kutsche entnahm, um ihn in sein Haus zu führen, wo mir aber bald der gute Rat erteilt wurde, das ich ja recht schön mit dem, wo­mit ich gekommen wäre, auch gleich wieder zurück fahren könne, so brauchte er mir am nächsten Morgen ja doch nicht mit den großen Koffer nach Dülmen zu fahren, weil er eben nicht gerne mit dem großen Wagen hinfahren täte, und im Gig, könne ja der große Koffer nicht geladen werden, ha, ha.

Nun das Bild No. 1, dieses nimmt sich sehr schön aus, und sieht sich wie ein Schloß an, und gerade jetzt in meiner Amts-Stube scheint die Abendsonne mir auf dem Bilde, da erkenne ich dich "Wilhelm [Diekemper]" besser, und auch dich "Johanna [Diekemper]", aber es scheint mir, das deine Haare bei­nahe so weis sind, wie die Meinigen, aber das macht nichts, die sind ja nicht schwerer, als die dunkeln Haare sind. Die Antonia ist wohl ganz klar, aber ihr Hündlein wie auch Spaten täte ich nicht erkennen, hättest du es nicht gesagt, aber Bernard und sein bunter Hund sind ja ganz klar, aber der Knecht mit dem Füllen sind gar unklar, und hinter einem Strauche verborgen.

Der schöne Weinstock ist Geldes wert, und da er immer gut trägt. Trauben sind etwas schönes zu ge­nießen. Auch sind die geflochtenen Linden etwas schönes, aber bitte sage mir, was sind "Rotdorn-Bü­sche" darüber bin ich nicht ganz klar. Von den 2 Äpfelbäumen links muß ich aber sagen, das denen die richtige Beschneidung nicht erhalten haben zur Zeit, die sollten nach meiner Ansicht nie so hoch ge­worden sein, dagegen aber mit Ästen in aller Richtung, mehr so wie de links stehende, der hat einen besseren Kopf, hätte aber schon den Kopf machen sollen ungefähr in der Höhe des Astloches, etwa 3 Fuß niedriger. Hier werden die Obstbäume meist alle mit einem breiten krausen Kopf aufwachsen las­sen, damit die Sonne besser in den Kopf hinein scheinen kann, um dadurch die Früchte mehr zu gleichzeitiger Reife kommen zu lassen. Der erste lange und hohe Baum, will man hier kaum als ein Apfelbaum ansehen wegen des Formates, das er hat.

Ich zeige die Bilder mit Vorliebe zu unseren Freunden hier, so können die auch mal sehen, das ich nicht aus einer gar so alten Hütte herstammen tue, obschon das Haus damals nicht war wie heute. Die Gartenhecke müßt ihr auch wohl verpflanzt haben, denn früher lief die ja so vom Kohkamps Pförtgen ungefähr gerade auf die Ecke des Hauses zu. Ist der alte 2 gabelige Kirschbaum da auch verschwun­den? Und wie ist es den mit den Äpfelbäumen, die hinter der andersseitige Gartenhecke standen, Heit­kamps Graben entlang? Das Spieker. (Nebenhaus macht sich auch gar hübsch, und ein solches ist ein gar nützliches Gebäude, und die Schweine werden sich doch auch gut fühlen. In so ein feines Haus zu wohnen, ha, ha.

Jetzt will ich auch noch bemerken, das ich lange kein Elsternnest mehr so hoch oben im Baum gese­hen habe als da im Bilde No. 2 zu sehen ist. Es erinnert mich auch an ein solches, das zur Zeit auf Sommers Hof hinter der Scheune dicht am Zaun in einem dicken Eichbaum gar hoch in die oberste Spitze war, ja da mußte ich dabei, und bin auch hinauf, so hoch, das sich die Spitze des Baumes zur Seite bog. Habe es aber glücklich ausgenommen, und Peitschenhiebe hätte ich verdient gehabt, habe sie aber nicht bekommen, eben weil man zu Hause nicht darüber wußte, wenigstens hätte meine gute selige Mutter mich mit die jungen Birken Reiser in Berührung kommen lassen, ha, ha.

Auch ist den Äpfeln besser bei zu kommen, zur Zeit des abpflückens, hier werden keine Daueräpfel abgeschüttelt, sondern alle mit der Hand gepflückt, damit der Apfel beim Fallen nicht leidet, und sich besser hält, für längere Zeit.

Nun muß ich wieder auf den Brief zurück kommen. Von den Hexengeschichten halte ich eben so we­nig wie auch ihr, aber es ist doch etwas empfindlich, wenn ich von meiner sel. Mutter, (deine Groß­mutter) eben erwähnte, und in dem Hexenbuche, (oder vielmehr Geschichte) lese, wie der Schomaker aus Börnste bekannt hat, das er der Frau Middeler etwas Gift ins Bier geschüttet habe, was ihm der Teufel gebracht hätte, und dabei denke, daß die Middelers unsere Vorfahren waren, weil eben unsere alte Mutter eine geborene Middeler (Theresia Middeler) war, du wirst das auch wohl alles wissen. Ich habe auch noch nie an Hexereien geglaubt, aber wie dieser Buchschreiber alles gekannt hat, möchte man geneigt sein, daß etwas wahres daran sei, denn, wenn er auch gemartert und gefoltert wurde, so hätte er ja doch soviel wohl nicht sagen brauchen, als er es getan haben soll, und hätte auch sehr wahr­scheinlich im letzten Augenblicke, als er sah, das er sterben müsse, es doch noch wohl wiederrufen. Das an der Hexerei nichts wahres dran sei, weil doch wohl die meisten im Tode die Wahrheit sagen werden oder tun. Wenn er nun alles was er da vom Teufel sagt, von ihren Zusammenkünften, Tanz und Trinkgelagen an der Letter & Welter Grenze, und die da alle hinkamen,  mit dem Hintergrund auf den Weg der Hexerei bald zu sterben, so hätte der Schomaker doch ein abgefeimter Lügner gewesen sein müssen. Nun, mag es sein wie es will, es steht ja geschrieben, und damit Basta.

Ich habe es der Theresia Hesker geschrieben, daß wenn sie das Buch lesen wolle, so könne sie es vielleicht von den Edelbrocks bekommen. Ich bekam vor einigen Tagen ein Brief von ihr, sagend, daß es ihr ganz gut gehe, und auch von der Seligsprechung der Katharina Emmerick im Waisenfreund gelesen habe, aber von den Gottseligen Johannes von Merfeld habe sie niemals etwas gehört, wohl aber hätte sie von ei­ner Letter Kluse gehört, es hätte nämlich Franz Kreutznacht dort gewohnt, und das weis ich auch, bin auch schon dahin gewesen um beim Heide mähen dort Wasser zu holen.

Mit dem 19ten Jahrhundert mag ich mich wohl irren, aber ich rechne, die ersten 100 Jahre machten doch das erste Jahrhundert aus, und nicht eher, bis die hundert Jahre vorbei waren, und demnach gerechnet müssen doch nach meiner Berechnung auch erst 19 Jahrhundert verflossen sein, ehedem das 20te Jahrhundert anfangen kann, und fängt demnach erst mit dem Jahre 2.000. an, und können wir nicht jetzt schon im 20ten Jahrhundert sein, was aber immer die Gelehrten darüber sagen und gemacht haben, weis ich nicht, und ist zu viel für meinen einfachen dummen Begriff.

Einen Punkt, wo ich dich nach gefragt habe, hast du wohl ganz übersehen, daß ist wie es euch gegangen hat oder geht mit eurem Kirchweg, der so ge­nannte Schemweg bei dem alten Kortgödden Hof vorbei, vielleicht denkst du daran das nächste mal.

Nun, Geschichte von Dülmen du sagst es seien das Römische Kaiser gewesen, und gibst als Beweis dafür an, den Kaiser Augustus, unter welchem Christus geboren sei. Das ist schon recht, aber ich habe nicht gedacht, daß das Buch von vor 2000 Jahren zurück berichtet. Es handelt wohl darüber, daß die Franken Könige und Kaiser bei euch regiert haben, aber das ist doch in den 600 Jahren, wo das Buch von handelt, gewesen, und die Zeiten vom Kaiser Augustus sind ja an die 2000 Jahre, deshalb konnte ich nicht wissen, wie es so wäre. Von der Gründung der Kirche in Dülmen habe ich wohl gelesen und verstanden, aber das war doch schon in mehr neuerer Zeit.

Wenn du das Buch von Dülmen in Heftform hast, so könntest du es mir ja wohl per Post zusenden, aber wirst nicht gerne Gefahr laufen wollen, es zu verlieren, aber mein Wort dafür, wenn es ankommen sollte, so werde ich es in kurzer Zeit wieder zurück schicken, es würde dieses auch den Kindern wo du von schreibst, das abschreiben spa­ren. Du schreibst von den Stammtafeln von Merfelder etc., seien sehr interessant, ja das wohl, aber ich muß hier meine Dummheit wieder bekennen, ich werde eben nicht recht klug daraus, um die vielen Stämme zu folgen, für einen eingeweihten ist das ja leichter. Das da ein Kalvinischer Kirchhof gewesen ist wo du sagst, oder irgend wo anders, davon habe ich nie etwas gehört. Ich meine, es sei zu einer Zeit dort ein Müllers Garten gewesen, wer ist oder betreibt jetzt diese Mühle, einer namens Kipp ist mir der letzt bekannte Eigentümer gewesen.

Noch will ich sagen, das ich aus den Familien Verzeichnissen oder Stammtafeln der Von Croy's und anderen nicht klug werden kann. Ich verstehe mich nicht damit, wie die gehalten sind, und macht auch nicht viel zur Sache für mich, ich bin nicht sicher den Alfred gekannt zu haben, aber Herzog Rudolf habe ich wohl gekannt. Er oder der ganz alte Alfred, hat mir mal ein 5 Groschen Stück Geld aus ihrer Kutsche zugeworfen, unweit Schultebeins Gehöfte, als ich die Kühe heim trieb, damals noch über "Hiedles Heinrich" ich habe damals vor Furcht, als ich die Kutsche sah, geweint, und wird der Alte wohl aus Mitleid mir den Brocken hingeworfen haben.

Habe Wilhelm [Hunck] geschrieben, das er bald ein Eisernes Kreuz bekommen würde, es wird dich schon viel Mühe gekostet haben, eines zu erwischen, denn die sind wohl nicht überall zu haben.

Also über mein Geschreibsel, hatte lange nicht mehr mit der Feder geschrieben, weil es mit der Ma­schine etwas leichter ist, aber wenn ich deutsch drucke, dann mach ich leichter Fehler, besonders in Worte groß oder klein zu schreiben, weil hier ebenso vieles klein geschrieben wird, wie es in Deutschland groß geschrieben sein muß, und dann ist es auch so schnell geschehen, das man schnell ein Mißgriff macht, obschon es bei mir nicht so schnell geht, als bei den fein ausgeübten Stenographen, ich kann nur so drauf los tippen, mit den beiden Zeigefinger nur allein, ha, ha.

Was unsere Gesundheit anbetrifft, so geht es ja noch alles wohl, auch die beiden Töchter in Minnesota sind wohl auf, obschon die Bertha [Hunck] auch die Influenza gehabt hat, und Clara [Wesselmann geb. Hunck] hat auch vor einigen Tagen etwas geklagt über Lahmheit in einem Bein, aber ihre beiden Kinder sind gar wohl, sind beide dick und fett, und sind so gar gut zufrieden, immer lächeln, wenn sie zu ihnen kommt. Dem Ludwig Wesselmann sein Autogeschäft geht ja auch wohl gut, er hat kürzlich den 3ten Gehilfen eingestellt.

Die Geschäfte hier bei uns gehen gar langsam, haben seit 2 Jahren keine gute Ernte gehabt, und sind auch für dieses Jahr keine gute Aussichten, weil es gar zu trocken ist hier in dieser Gegend. Wir be­kommen hier kein Regen oder Schnee genug, immer trockenes Wetter, und im Frühjahr so sehr starke Winde, welches die Früchte auf dem Lande austrocknen. Letzte Woche hatten wir eben wieder so ei­nen starken Wind, der gar viel Schaden angerichtet hat. Ein gewisser Meyer, aus Schleswig Holstein gebbürtig, war heute Morgen hier und sagte, er habe 400 Acker Weizen, und 200 Roggen, alles ausge­trocknet und er würde wohl wenig oder gar nichts ernten, das ist schlimm, und wenn die Bauern nichts haben, gibt es bei uns folge dessen auch wenig. Es ist wohl nicht so kalt als in Minnesota aber es ist mehr Feuchtigkeit dort, um die Feldfrüchte besser wachsen können.

Gestern als ich unsere Zeitung bekam, sehe ich das Bild des Amerikanischen Gesandten (Botschafter) für Deutschland, mit seiner Frau und Tochter, das man gerade hier aufgenommen hatte, als sie abrei­sen wollten, somit habe ich es ausgeschnitten, und lege es hier bei, nicht aus einem speziellem Grunde, nur daß ihr sein Bild sehen sollt, weil er Amerika in Deutschland vertritt. Ich kannte ihn bisher auch nicht.

Am Karfreitag habe ich diesen Brief auch nicht fertig bekommen, und Samstag wie auch am Hl. Osterfeste, hatte ich keine Zeit, somit habe ich heute den 17ten das Ende zu machen. Viel interessantes ist freilich nicht darin, aber weil, wie du sagst, die Kinder es gerne lesen, habe ich es ein wenig in die Länge gezogen.

Wenn ich den Bruder, Eures Großvaters mal folgen muß, werden keine so langen Briefe mehr für euch von hier kommen, weil unsere Kinder das deutsch schreiben nicht gelernt haben, und wenn die eng­lisch schrieben, würdet ihr es auch nicht lesen können, und deshalb allein, wird das schreiben wohl dann ein jähes Ende nehmen müssen. Ganz gut gefallen tut es uns hier in Logan nicht, aber verkaufen mit einigermaßen gewünschten Vorzügen ist bei diesen Zeiten auch gar schwer, und somit muß man mal abwarten, was die Zeit uns bieten wird.

Nun schließlich die besten Grüße an Dich, deine Frau nebst Kinder von uns Allen, besonders von eu­rem Onkel und Großonkel Clemens.

Schreibt bald wieder.

http://www.eiserneskreuz.de/ Eisernes Kreuz

 

Nachtrag

Ja den Herzog mit dem Geld bewerfen das war gerade dort, wenn man von Schultebeins kommt, und über den kleinen Krüper [Kötter] ist, wo der Weg die Wendung nach Lödding macht, etwa halb Wegs zwischen diese beiden Punkte, im letzten Briefe schrieb ich nur nahe bei Schultebeins.

Haben soweit noch nichts von der Witwe. Rohlf gehört, macht auch nicht viel zur Sache, sie war immer ein wenig hoch gestellt, sie war ja auch eine Großkleis, somit keine Katz von kleine Mäuse.

Na, euer neuer Pfar­rer wird sich schon mit der Zeit melden, über den neuen Kirchenbau, und der Platz dafür scheint mir nur beim Dorf irgend zwischen Kösters und Vikarie zu sein, die guten Landbröker sollten doch auch die Leute, die von Welte hinkommen, ein wenig in Anbetracht nehmen.

Nun von wegen dem Eisernen Kreuze, habe Wilhelm [Hunck] darum gefragt, und hat er mir wenig oder gar kein Grund weswegen er das haben wollte, gegeben, und ich kann es mir selbst nicht denken, denn die haben hier ja keinen Eh­renwert. Noch weniger irgend einen andern Wert. Ich denke, es ist ihm das nur so im Kopf gekom­men, bei irgend einer Rede über dasselbe, und hat er vielleicht nur die Idee bekommen, so eins mal zu haben. Jetzt bitte, erkläre mir mal die Bedeutung der Buchstaben auf den Seiten des Kreuzes.

Das du nun so großmütig alle Vergütung dafür entsagst, war nicht erwartet, aber dennoch unsern wohlge­meinten "Dank" dafür, und ich werde mich mal gelegentlich dafür „Rächen“, nicht auf die Weise, wie sich die Franzosen an Deutschland zu Rächen vorgenommen haben, ha, ha.

Nun, das wir von der The­resia Hesker ein Brief bekamen, habe ich ja schon erwähnt, die schreibt uns noch manchmal die Neu­igkeiten aus dem Duelm Minnesota. Der Franz Brambrink lebt noch, ist aber sehr mit Gicht behaftet, so daß er kaum noch gehen kann. Bernard Röttker wohnt auch noch bei Duelm, und es geht  ihm gut. Er hat auch eine hübsche Familie groß gezogen, wovon schon mehrere verheiratet sind. Die alte Win­kelmans Familie sind auch meistens noch in oder bei Duelm herum, sind alle verheiratet, und ein Bernard Winkelmann ist ein Schullehrer.

Gestern bekam ich auch ein Brief von Gertrud [Esselmann geb.Hünck], (Frau des Ludwig Esselmann) sie ist jetzt 82 Jahre alt. Du wirst sie ja wohl nicht gekannt haben, aber doch wohl davon gehört. Die hat nun das Unglück gehabt ein Bein zu brechen, so 8 Zoll über dem Enkel. Ihr Sohn hatte ein Kalb (Bulle) gekauft und als es im Stall blökte, ging sie hin es et­was Futter zu geben. Es war keine Frauen um sich gewohnt, und es hat  ausgeschlagen, und ihr das Bein gebrochen. Und jetzt liegt sie im Bett mit dem Bein in Gips gelegt. Auch schrieb sie, daß es sehr heftige Gewitter in der Gegend gegeben hätte, und es hätte der Blitz einmal in das Haus meiner Schwägern eingeschlagen, und später noch einmal so daß es in ein Feuer gesetzt wurde. Wie ich aus dem Briefe verstehe, ist das Haus nicht ganz verbrannt, aber doch sehr beschädigt, so daß sie bei ihren Kindern aufgenommen werden mußten für eine Zeit lang, und meine Schwägerin (meiner Frau Schwester) die älteste, sie sei lahm, so daß sie nicht gehen könne. Und eine andere Schwester, (unver­heiratet) wohnt bei ihr, und ist zur Zeit auch lahm mit einem verrenktem Enkel, die hat auch eine Ent­schädigung von ihren verbrannten Kleidern bekommen, ja man weis was einem geschieht, aber nicht was einem noch bevorsteht.

Lege diesmal das Bild von unserem Abgesandten (Botschafter) an Deutschland hier bei, hatte es vorher vergessen.

Vom Kaplan Hunkemöller habe ich noch weiter nichts gehört, und bis hier wird er wohl nicht vordringen, aber sollte er kommen, so werde ich doch mal auf den Busch klopfen.---

Unser Pfarrer Sasse ist jetzt vor einigen Wochen oder Monate nach Deutsch­land hin, aber da er unser Pfarrer hier in Sterling nicht mehr ist, wird er wohl nicht bei euch vorspre­chen. Zuletzt war er Pfarrer in Montrose, so etwa über 200 Meilen von hier.

Die Ernte hat hier begon­nen, und kann dieselbe als eine mittelmäßige geschätzt werden. Jetzt muß ich zum Schluß kommen, vielleicht weis ich nächstens wieder mehr. Ich merke, das die Franzosen einigermaßen zur Einsicht kommen, das, je härter sie euch bedrücken, sich auch nur selber schaden, ja der ganze Vertrag sollte neu revidiert werden. Gruß von uns Allen. Clemens.  

 

 

Logan, Colo. den 25. Okt. 1922

 

Mein Lieber Neffe Wilhelm nebst Frau und Kinder:-

 

Deinen uns so lieben und ausführlichen Brief haben wir in der besten Gesundheit erhalten am 16ten dieses, und hat es uns gefreut, mal wieder von euch zu hören, und zu wissen, das ihr noch alle gesund seid. Nun bevor ich nun von hier schreibe, werde ich auf das Wesentliche aus eurem Briefe antworten.

Fürs erste muß ich sagen, daß das Rätsel lösen, Fehlgegangen ist, nach unserer Auslegung. Es ist wohl sehr weise und bedachtsam erraten, aber wenn auf solchem Platze die Bretter mal morsch geworden wären, so wäre doch ein Einfall nicht ganz unmöglich. Das Rätsel ist mir eingefallen, als ich eines von den großen Bildern betrachtet habe, nämlich wie ich euren Hund gesehen habe, der sitzt dort auch auf ein Loch, wo er aber durchaus nicht hineinfallen kann, nun wer lacht da? Jetzt wird es wohl klar sein, nicht wahr? Das die unansehnlichen, (wenn auch gebräuchlichen) Düngerhaufen nicht mehr so nahe bei dem Wohnhause sind, ist doch viel besser, und sieht auch viel reinlicher aus, auch wenn der alte Holz Schuppen vor der Bild-Abnahme entfernt wäre, täte auch besser aussehen, aber nicht kritisieren, es ist fein. Wenn da nun noch bessere Häuser, oder Schlösser in Merfeld gebaut sind, so ist das meiner Ansicht nach mehr Blödsinn, denn mehr als die Häuser mit Frieden zu bewohnen, kann man ja doch nicht davon haben, am meisten wundert es mich, das so ein Schloß auf dem Haaken Hofe erbaut ist. Ich meine, wenn der alte Mann Haake da hätte einziehen sollen, so würde er noch gezögert haben.

Also Marschall hat auch gebaut, wer hat denn da die Kosten gezahlt, er oder der Herr Rektor? Von den schönsten Rosen wovon du sagt, weis ich aber nichts, auch nicht, das einen Strauch vor der Kapelle stand.

Die Äpfelbäume, werden hier in ganz anderer Form aufgezogen, viel auf die Weise, wie das beilie­gende Bild zeigt, obschon diese Bäume Orangen oder Apfelsinenbäume sind. zur Zeit der Ernte wird auf Leitern gestiegen, um die Früchte zu pflücken, weil wenn sie geschüttelt würden, würden sie zu viele Wunden und Flecken bekommen, die das Faulen fördern würden. Die Äpfelbäume werden den noch meistens in einen kronartigen Kopf ausgeschnitten, das heißt, der eigentliche Mittelbaum wird zeitig ausgeschnitten, um den Baum so zu gestalten, das der Kopf des Baumes inwendig nicht viel Äste hat, das die Sonne frei hineinschauen kann, und so die Äpfel eine mehr gleiche Röte bekommen. Diese Höhlung ist zwar an diesen Bäumen nicht, nämlich Krauskopf mit keinem eigentlichen Baum-Mitte, aber doch sind die untersten Äste der Erde ziemlich nahe.

Ja, die Hecke vom Kohkamps Pförtchen lief wohl etwa gerade auf einen alten dicken Birnbaum und dann Hausecke zu, aber nicht ganz bis zum Hause, denn nahe bei dem alten Birnbaum war ein soge­nanntes Glint [Absperrung], und in der Hecke war ein krauser Apfelbaum, der gelbliche plattrunde mittelmäßig große Äpfel trug, die hochfein waren, nachdem sie einige Zeit auf der Bühne im Neben­haus gelegen hatten. Links ungefähr mitten hinter dem Hause war damals ein noch junger Birnbaum, der hier und da mal einige große Birnen trug, einige Schritte von dem war denn das Gartentor, und daneben links ein Paradiesapfelbaum, der meistens immer gut mit Früchten beladen war.

Wie doch die Zeit heranrückt, was ich daraus schließe, wenn du mir von der Heiratfähigkeit des Au­gust Sommers erzählst, aber da sieht man, das aus Kinder große Leute wachsen, ja, so ist es ja wohl immer gewesen, aber an eure Kinder schon zu heiraten, hatte ich doch noch nicht gedacht. Nun, un­sern Glückwunsch dazu, aber soviel möchte ich nun sagen, bitte um Verzeihung, daß jahrelange War­ten bei der Partnerwahl hält man hier nicht für zweckmäßig. Ich wollte mich darüber auch nicht etwa kümmert, denn wir haben genug mit unserer eigenen Familie zu tun. Punktum.

Wie ist es wohl mit dem Papa Heinrich Sommer? Ich möchte wissen, ob er sich noch erinnert, an un­ser häufiges Zusammensein beim Heidemähen. Da wurde auch manchmal gebalgt und weil ich nun größer und älter war, konnte er sich nicht so gut wehren, dann endete es manchmal, das er zu weinen anfing. Der August [Sommer] ist wohl nach Lette verheiratet, wie geht es dem ? Theresia [Sommer] und Frau Steghake, die leben doch noch wohl so hoffe ich, aber es ist mir, als ob Franz schon tot wäre, man vergißt das hier so schnell, weil man ja nie darüber etwas hört. Wer sind denn noch von Volge­dem am Leben, so wie Tönns, Mensman und Frau, Austermann, die Albrings, und besonders Fr. Specht und Frau. Bernard Specht, Fr. Kuhmann, und viele andere?

Habe auch vor einigen Tagen die 2 Hefte Dülmen & Börnste erhalten, mit Börnste bin ich schon fer­tig, aber Dülmen noch nicht, beide sind soweit sehr interessant, und wenn es mal dazu kommt, das Merfeld auch beschrieben wird, werde ich schon auch noch etwas übrig haben dazu. Nochmals muß ich aber bemerken, das die Bettelei hier ins großartige geht, man kann überall nicht helfen. Dieser Mo­nat ist nun wieder eine allgemeine Sammlung in allen kath. Kirchen von Nord-Amerika vom Hl, Vater angeordnet. Letzten Sonntag wurde hier die Kollekte dafür aufgenommen, wo ich auch $ 5.00 beige­steuert habe. Möchte mal gerne wissen, wieviel die ganze Kollekte im Lande gebracht hat, vielleicht wird es bekannt gegeben werden. Es sollte dieses meistens für die notleidenden Russen wie auch Deutsche und andere sein.

Eine andere Kollekte von weltlicher Seite ist auch jetzt im Gange, meistens für die Leidenden in der Türkei und Griechenland.

Ich kann nicht einsehen, das die dumme Welt noch nicht einsehen kann, was ihm die Kriege für Gutes oder auch Schlechtes bringen sollen, um noch immer wieder anzufangen, ich meine, es wäre bald an der Zeit, daß man die Kriegs-Anführern zur Rechenschaft zieht. Wenn sie nicht einsichtig sind, dann ist es besser den Kopf ab mit diesen, als wenn das arme Volk immer herhalten soll.

Aus dem Börnster Buche erfahre ich, das der Hexenmeister Schomaker ja aus der Familie Rötger ge­nannt Winkelmann herstammt, und die Midlersche ist ja wohl eine von unsere Vorfahren, denn meine Mutter oder deine Großmutter war ja eine geborene Middeler, habe meine Mutter gar oft von einen Christian Middeler reden hören, es war wohl ihr Bruder oder Onkel, der muß ein Mann von Charakter und nicht furchtsam gewesen sein. Das unser Name Dickmann gewesen sein soll, ist wohl möglich, aber mehr wahrscheinlich wäre mir es sei Diekamp gewesen. Wie könnte man sonst Diekmann in Diekämper verändern? Nun mag es sein wie es ist.

Habe nicht gewußt, das da wieder ein Augustiner Kloster auf der Karthaus sei und von dort aus die Heilig-Sprechung der Gottseligen Katharina Emmerich geleitet wird. Nun sage mal, wenn du kannst, warum schreibt man den jetzt nun auf einmal Emmerick, anstatt Emmerich. Eine Stadt heißt Emme­rich. Lette haben Emmerichs, und wohl auch andere Orte, sogar hier in Amerika aber Emmerick habe ich nie vorher gehört.

Mit der Jahresrechnung wirst du wohl recht haben, aber es war mir nie anders im Gehirnskasten ge­kommen, als oberflächlich das jetzt das 19te Jahrhundert sei.

Mit dem Clemens Diekämper sind die Herren von Dülmen ein wenig im Irrtum, denn es war nicht das Capitol in Washington, sonder im Capitol St. Paul vom Staate Minnesota.

Der Müllers Garten bei der Brücke ist mir wohl gut bekannt, und kenne auch gar gut die alte Familie Gerdings. Ich kam in 1885 mal früh morgens von Lette nach euch hin, und ich kam vor geschlossenem Haus bei Gerdings, ich klopfte an, und er sagte, wer ich wäre, ja sagte der kleine Mann, ja dich mache ich auf, und so war es, und ich fuhr von dannen, um zu Hause mich einen guten Schlaf zu nehmen. Ich war zwar in Lette zu Bett gewesen, aber schlafen war nicht möglich aus Gründen die ich hier nicht wiederholen möchte, denn die Leute hatten es ja gut gemeint. Zu meiner Jugendzeit war der letzte Müller an der unteren Mühle einer namens Kipp, von Haus Dülmen herkommend. Einer seiner Söhne war Herman [Kipp], meines Alters.

Ja du fragst nach der Goldgrube, http://www.fb1.uni-siegen.de/auswanderung/mexiko/  die hat mir noch nichts eingebracht, und noch wollen diese Kerle mehr Geld haben, um es später noch mal einträglich zu arrangieren, aber ich habe wohl schon genug dazu hergegeben, daß sie von mir nichts mehr bekommen. Ob nun dieses ein gänzlicher Schwindel ist, ist soweit noch nicht klar belegt, aber ich habe die Hoffnung auf einen Gewinn darin verloren, es gibt diese derartigen Schwindel so viele hier zu Lande, und wenn das Sprichwort einmal wahr gewesen ist, so mag es auch hier heißen, Trau, Schau Wem? Ich habe mehrere Tausend darin stecken, und werde wohl nie etwas daraus zurückbekommen, aber habe so fest daran geglaubt, daß ich beinahe hätte Häu­ser darauf bauen mögen, habe es ja auch getan, denn für die Tausende hätte ich ja schon etwas bauen können. Ha, ha., ja die Dummen werden nicht alle.

Ihr habt sehr viel für ein Denkmal ausgegeben, daß halte ich auch für etwas überflüssiges, obschon es ja schön ist und ihr dem alten Mann doch dadurch große Ehre erweiset, aber gut für seine arme Seele ist es ja nicht unbedingt. Nicht das ich etwa dächte, das ihr nicht auch für den Teil nach dem Leben sorgen solltet. Nun hierbei fällt mir ein um mal zu fragen, war er denn immer noch so herrschsüchtig und rechthaberisch, als er in frühere Jahre war. Jedenfalls schon wohl, denn das war ja doch seine zweite Natur, obschon er das nicht so meinte, aber er war nie viel unter andere Leute in der Welt ge­wesen, und er dachte nicht viel anders, als das er so sein müsse.

Nun nochmals, er ruhe in Frieden, und der liebe Gott wird ohne Zweifel seiner Seele gnädig sein.

Nun will ich euch auch berichten, das mein alter Freund Hermann Wesselmann am 2 ten Oktober bei einer seiner Töchter nahe Denver gestorben ist.

Am 4ten Sept. kam er hier bei uns an zum Besuche, und er war zwei volle Wochen hier bei uns. Ein­mal bekam er so einen Anfall von Ohnmächtigkeit, oder was es war. Aber so schnell wie es kam, war es auch wieder vorüber. So zwei Tage und Nächte hat es beinahe gedauert, so schien er wieder frisch zu sein. Am Sonntag den 10 Sept. war er und meine Frau, welche auch nicht gut zurecht war, nicht mit zur Kirche, aber am nächsten Sonntag den 17ten Sept. waren wir alle zur Kirche gefahren, und er schien sich gut zu fühlen.

In den zwei Wochen habe ich denn von Zeit zu Zeit ihm das ganze Buch, Geschichte der Stadt Dül­men vorgelesen, und er hat sich darüber sehr amüsiert, und zuweilen wollte er weinen, wenn ich ihm vorlas, wie die Dülmener so hart haben leiden müssen in den damals geführten Kriegen mit all den Völkern. Am Montag den 18ten Sept. hatte er darauf gesetzt, wieder nach Hause nach Denver zu fah­ren, und wir brachten ihm denn auch wieder fort zum Bahnhof, weil der Zug von hier kein so guter Anschluß hatte, und ist er auch wohl erhalten wieder angekommen.

Am Montag den 2ten Okt. bekamen wir ein Brief von seiner Tochter, daß er sehr krank sei, und er wurde mit jedem Tage schlimmer krank und daß fast keine Hoffnung mehr vorhanden sei. Am näch­sten Tage bekamen wir ein Brief von einem seiner Söhne, daß der Vater am Montag um 7 Uhr 30 abends verschieden sei. Ich wußte nun nicht, wann er begraben würde, weil sie das selber nicht sagen konnten, weil sie nicht wußten, wann sein Sohn Louis (Ludwig) (unser Schwiegersohn) und auch der Sohn, Priester Franziskaner Pater dort sein würde, sie hatten auch zu beiden telegraphiert, das er im Sterben lag. Ich ging nun am Mittwoch morgen gleich los, falls er möchte schon am Mittwoch begra­ben werden, daß ich dann dort sei. Ich war um 7.30 morgens in Denver, und mein Schwiegersohn von St. Cloud Minnesota war schon am vorigen Abend gekommen, er mit einigen Brüdern begegneten mich am Bahnhof, und eine halbe Stunde später kam auch der Priester von Michigan, (noch weiter von hier als St. Cloud Minn.) hier an. Wir warteten am Bahnhof auf ihn.

Dann sind wir bald darauf, nachdem der Priester in Denver die Hl. Messe gelesen hatte, heraus zum Sterbehause, wo die Leiche jedoch nicht war, weil der Totengräber nach hiesiger Sitte den Leichnam nach Denver geholt hatte, um ihn zu balsamieren, und dieser brachte den Leichnam wieder zurück vollständig mit Sarg und völlig ausgestattet, und er ist am Freitag den 6ten Okt. Morgens um 1/2 elf nach feierlichem Hochamte auf dem katholischen Kirchhofe beigesetzt worden.

Um 9 Uhr morgens war das feierliche Leviten Hochamt von seinem Sohne Alfonsius (Pater Meinrad genannt) gehalten wurde, als er die letzten Gebete über den Sarg des Vaters  sagte, brach er in Tränen aus und mußte aufhören. Ich und unser Wilhelm [Hunck] nebst andere seiner alten Freunde waren die Leichenträger. Wir sechse wurden in einer feinen Kutsche (weis nicht wie bei euch so ein Ding heißt, hier nennt man es Hack) zum Kirchhof gefahren, etwa 7 Meilen weit aus der Stadt gelegen, aber ein schöner Kirchhof, und wurden dann auch wieder zurück nach Denver gefahren.

Er wurde von der St. Elizabeth Kirche aus begraben, welche auch von Franziskanern geleitet wird, und wo der Pater Alfons (Wesselmann sein Bruder Ludwig Wesselmann) und unsere Clara [Wesselmann geb. Hunck] geheiratet hat.

Er war mit allen Hl. Sakramenten versehen am Samstag vor seinem Tode, und der alte Mann hat einen so guten Tod und Begräbnis gehabt, wie man es sich nur wünschen könnte, und die direkte Ursache seines Todes war Altersschwäche, und Herzleiden. So möge auch er ruhen in Frieden.

Ich habe mich noch einige Tage in Denver beim Wilhelm [Hunck] aufgehalten bis ich am Dienstag Morgen den 17ten Okt. wieder zu Hause war.

Unser Schwiegersohn Louis [Ludwig Wesselmann] nennt man ihn hier, kam am Mittwoch morgen hier bei uns an, um einige Tage bei uns zu verweilen, und fuhr am Samstag wieder nach St. Cloud.

Den beiden geht es dort soweit recht gut, er ist im Automobilgeschäft, und hat drei Gehilfen. Clara [Wesselmann geb.Hunck] war in der Zeit des Begräbnisses ihres Schwiegervaters bei der Schwester Bertha [Hunck], etwa 20 Meilen von St. Cloud entfernt.

Werde deinen Gruß an Bertha [Hunck] bei nächster Gelegenheit ausrichten, und mal fragen, ob sie schon an euch geschrieben hat. Auch sie ist einen Monat oder mehr krank gewesen mit Halsdrüsen, welche sie sich ausschneiden lies, und auch noch sonstige Fußübel, ist aber jetzt wieder besser, wie uns unsere Schwägerin gesagt hat. Da müßte sie Zeit gehabt haben, mal an euch zu schreiben?

Ich bekomme auch noch immer solche Bündel Dülmener Anzeiger, kommen dazu noch gar Launen­weise, das heißt, für längere Zeit keine, und dann mal mehrere kurz aufeinander. Diese kosten euch viele Marks, und somit last diese nur ausfallen, denn viel interessantes für mich ist ja nicht darin, als etwa hie und da von der "Emmerickschen" Vorfahren, und das so viele Diebereien ausgeführt werden, sonst im Übrigen von Verhältnisse der Umgegend ist bitter wenig darin enthalten, und die Größeren mehr wichtigen Verhältnisse mit der Entente ?? und besonders rachebegierigen, gehässigen Franzosen lesen wir auch hier in unsere Zeitungen viel früher. Nicht einmal Todesfälle gibt der Anzeiger von der Stadt und Gemeinde Dülmen, es sei denn, daß gut dafür extra bezahlt wird. Wenn ihr mal einige Nummern habt, wo etwas für uns interessantes berichtet wird, so könnt ihr diese gerne zusenden, nachdem ihr sie gelesen habt. Der Waisenfreund wird dessen ungeachtet doch weiter kommen, darin ist sehr viel lehrreiches und interessantes zu lesen, wie du es auch selbst sagst. Ich wundere mich öf­ters, wo der Waisenfreund alles hernimmt oder herausfindet, was er so deutlich und unverblümt be­richtet. Bei dem ist sicher noch echtes Deutschtum vorhanden, welches hier in den Zeitungen leider so wenig zu finden ist.

Von der Frau Rohlf habe ich vor kurzem ein Briefchen bekommen, und ein Bild von ihrem Sohn Franz [Rohlf] und Frau, ein recht ansehnliches Pärchen, (oder Paar). Auch ich hatte ihr eins von mei­nen kleinen Bildern beigelegt, worüber sie sagte, daß ich noch nicht alt aussehen würde, nur meine weißen Haare täten mich verraten. Die Farbe wäre von meinem wirklichem Alter.

Jetzt bei meinem Besuch in Denver habe ich noch mal einige Bilder machen lassen, und lies dabei den Hut auf, somit kann man die weisen Haare nicht so gut bemerken, ha, ha. Lege einige davon hier bei, und wer sich am meisten dafür interessieren möchte, könnet ihr eins überlassen.

Von der Frau [Gertrud Esselmann geb.Hünck] in Wisconsin haben wir seit unserem letzten Brief nichts gehört, aber einer von ihren Söhnen (Anton Esselmann) wohnt etwa 18 Meilen von Denver, dem ist ein Krebs-Schaden im Gesicht gewachsen, auf der linken unteren Backe. Er hat längere Zeit in Denver dafür mit Radiotherapie  versucht, es zu vertreiben, bis ihm der Dr. endlich gesagt hat, daß er nichts mehr dafür tun könne. Dann ist er zum Staate Missouri, nicht weit von St. Louis zu einer An­stalt gereist, die sich mit nichts befaßt, als Krebs-Schäden, da hat man ihm gesagt, daß er in etwa drei Wochen kuriert werden könne.

Die legten ein Pflaster auf für etwa fünf Tage, es wird von Zeit zu Zeit erneuert, dann ist das angegrif­fene Fleisch so verbrannt (Wenn ich es so nennen soll), daß es stückweise herausgenommen wird. Es werden nur Patienten angenommen wenn eine Heilung erfolgen kann. Anton [Esselmann] hat es mir selbst so gesagt. Er ist nach etwa einen Monat zurück gekommen von dieser Anstalt, und als ich in Denver war, habe ich ihn aufgerufen per Fernsprecher, und er hat mich am nächsten Tage in Denver besucht, und mir und dem Wilhelm [Hunck] alles so erzählt.

Er konnte in seinem Auto wohl fahren, sonst wäre er aber noch so schwach, daß er kaum über eine 1/4 Meile gehen könne. Er hatte nun seine Backe verbunden, so daß ich die Wunde nicht sehen konnte, aber er sagte mir, das ein Teil des Knochens bloß läge, und er müsse noch mal wieder hin, zu der An­stallt, um neues Fleisch einsetzten zu lassen. Dieses zu tun hätten sie früher immer gleich getan, aber jetzt nicht mehr so, denn es sei vorgekommen, daß bei dem Pflaster auflegen nicht alles angewachsene Fleisch entfernt worden sei, und hätten dann alles wieder wegnehmen müssen, und von neuem arbei­ten. Wenn er nun wieder hinginge, und alles sei fort, so würde man ihm neues Fleisch einsetzen (oder eingravieren) oder wie es sonst genannt wird, somit hat er die beste Hoffnung, daß er kuriert wird. Eins hat er jedoch davon, wenn auch sein Übel geheilt wird, seine Unterbacke ist, wie er es nennt "ge­setzt" das heißt, er kann die unteren Zähne, oder den Mund nicht, oder nur ein wenig aufmachen, so daß es ihm am essen sehr hinderlich sein wird. Sonst im übrigen ist er recht gesund, aber dieses Übel ist ihm schlimm genug, ja so weis man nicht, was einem wiederfahren kann.

Auch ich habe so etwas an meiner Nase, an der linken Seite, da bemerkt man so etwas bläuliches Ner­ven oder Adern, daß mir zwar nicht weh tut, aber es scheint mir doch etwas nicht ganz richtig zu sein, und somit muß man es mal abwarten, hoffe nur, daß nicht etwas schlimmes daraus werden wird. In­wendig ist mir die Nase schon Jahre lang wund gewesen, welches nach meiner Meinung von Katarr herrührt, habe vor etwa 35 Jahren mal für $ 125,00 aus der Nase aussägen und schneiden lassen, aber es ist nie ganz geheilt worden.

Unser Geschäft geht ja so leidlich weiter, großartiges kann ich gar nicht darüber berichten. Die Ernte ist nicht so gut ausgefallen, wie man es noch gedacht hätte, und die Getreidepreise sind niedrig, und in den letzten Jahren, wo alles gut ging, haben sich viele Schulden auf dem Halse laden lassen, und da es jetzt anders geht, kriegen die Leute nicht genug zusammen, um diese Schulden und Zinsen zu zahlen, und viele sind noch vieles schuldig vom ankaufen ihrer Ländereien, und somit sehr hart daran. Diese Gegend hier ist wie gesagt alljährlich zu trocken, so daß gute Ernten weniger in Aussicht stehen. Das Land ist wohl gut, aber wenn es nicht genug regnet, so nutzt das auch nicht viel. Ich habe mich hierin verleiten lassen, durch unsern Wilhelm [Hunck], der hatte diesen Platz ausgespürt, und er sagte, es sei eine sehr gute Gegend, an welchem ja beinahe daß meiste gut gedeihen und gelegen ist. Er hatte auch wohl recht, was das eigentliche Land angeht, aber die Trockenheit die hier ist, hat er nicht auf gerech­net. Mehr Regen, und alles würde gut sein.

Ja jetzt ist mein Weisheitskasten beinahe ausgelehrt, weil aber noch Platz hier ist, so will ich noch et­was über den [Hermann] Wesselmann seine Begräbnisfeier erwähnen. Wie gesagt, ist er von der St. Elizabeth Kirche aus begraben worden, und auch mit den Hl. Sakramenten versehen, weil er immer zu dieser Kirche gehört hat. Nun aber ist eine Kirche näher dabei, wo er gestorben ist, und so hat sein Sohn (Priester) am Sonntag nach dem Begräbnis dort das Hochamt gehalten, und es hieß, daß er dann predigen würde. Ich fuhr auch dorthin, hätte ja gern eine seiner Predigten gehört, aber das predigen tat der dortige Pfarrer, und somit war ich sehr enttäuscht. Ich habe den Jungen ja so gut gekannt in Duelm, habe dem [Hermann] Wesselmann seine drei ältesten Jungens so oft gesehen, als sie an unse­rem Store [Laden] vorbeigingen zum Unterricht zu unserm Pfarrer in Duelm und auch Schule, und Sonntags, die Familie Wesselmann wohnte ja nur etwa 1/2 Meile von unserem Store entfernt.

Als der Gottesdienst vorbei war, wurde ich aufs dringendste eingeladen, mit zum Hause seiner Tochter Emma zu fahren (heißt Kerstien), und wir haben uns dort nach dem Mittagessen zusammen unterhal­ten.

Der junge Pater Meinrad ist in einer neuen Gegend im Staate Michigan als Pfarrer in einer noch ziem­lich neuen Gemeinde, da sagte er, hat man ihn per Fernsprecher zu einer kranken Frau gerufen, die auch nicht oft in die Kirche gekommen wäre, wohl weil es ferne war, hinzukommen. Ja hatte er ge­sagt, er wolle kommen, wenn man ihn holen täte, weil er eben kein Auto oder sonstige Gelegenheit hätte, dort hin zu kommen, etwa 16 Meilen, und schlechte Wege, da sei nach einer geräumigen Zeit denn einer gekommen, mit einem gar schmutzigen Auto ihn zu holen. Wie er ankam, hat er diese Frau denn versehen und wollte man ihn denn zurück nach Hause bringen, und waren gerade abgefahren, aber noch in des Rufens Nähe, da hat man ihn zurück gerufen, um ihm zu berichten, das die Frau nun gestorben sei.

Da war nicht mehr viel Zeit übrig gewesen, oder hat der liebe Gott der guten Frau das Leben so lange verlängert, daß sie konnte versehen werden.

$ 50.00 hat man ihm für seinen Orden mitgegeben, für Hl. Messe zu lesen und

$ 25.00 hat man der Pfarrei St. Elizabeth überwiesen, auch für denselben Zweck

$ 25.00 hat man den Pfarrer, der in der Nähe bei Kerstien wohnt überwiesen.

Nun noch von meinem Lesen: Gegenwärtig lese ich die Geschichte, oder Buch des Kaisers, das er he­rausgegeben hat, welches einer unserer englischen Zeitungen in etwa 25 verschiedene Abteilungen, täglich ein Stück gedruckt hat, welche auch sehr interessant sind. Dieses hat die Zeitung im letzten Teil von September angefangen. Und die Wesselman Begräbniszeit, hat mich dann aufgehalten, täg­lich einen Teil zu lesen, habe aber alle aufbewahrt, und vorgestern das Ende bekommen, muß aber am 3ten Oktober noch wieder anfangen es zu lesen, aber habe sie alle ausgeschnitten, und zusammen ge­klebt, der Reihenfolge nach, somit ist es wohl nicht so leicht als in Buchform, aber kostet mir auch nicht so viel, und wenn ich es mal einmal gelesen habe, werde ich mich kaum weiter dafür interessie­ren.

Ich wundere mich nun einmal, was mit den gutem Deutschland nun einmal werden soll? Wir lesen jetzt, daß es sich unfähig erklären will, die Reparationen an Frankreich zu zahlen, hoffe nur, daß ein Ausweg gefunden wird, das sie die Franzosen mit Null abspeisen könnten.

So wie es jetzt ist, ist ja das Deutschland am tiefsten gesunken, wie noch nie irgend ein Land zuvor. Mit der Zeit wird sich das Ungerechte gegen Deutschland noch mal furchtbar rächen. Aber wir werden s vielleicht nicht erleben, aber Frankreich hat und begeht der schrecklichen Sünden gar viele, obschon es uns nicht zusteht, darüber zu urteilen. Der Alte Gott lebt noch. Nun muß ich aber zum Schluß kommen, mit vielen, vielen Grüssen an euch allen, und an alle unsere Verwandten, und alle die nach uns fragen. Von eurem Onkel Clemens und Familie.

Noch spezial grüßend zeichnet euer Clemens.

 

 

Logan, Colo. den 9. Jan. 1923

 

Lieber Wilhelm & Alle.

 

Haben die Karte mit Wünschen erhalten, welche die Nachricht brachte, das auch das Buch von Mer­feld zu Weihnachten erscheinen soll. Freue mich schon darauf. Habe heute nicht vieles zu schreiben, so will ich es kurz machen. Überreiche euch hiermit die Erklärung der Abreißkalender, die ihr hof­fentlich erhalten habt. Sie sind klein, jedoch sehr bequem, werden solche noch immer nicht bei euch gemacht? Nun sind ja die Feiertage wieder vorbei, und hier muß das alles so trocken abgehen. Ja wenn man noch Bier und Wein haben könnte, aber nichts ist erlaubt. Solch abscheuliche Heuchler, und da selbst wollen sie schon saufen, wenigstens die meisten von Ihnen, aber der geringere oder gewöhnli­che Mensch, dafür ist es nicht gut. Überall an allen Ecken, und in jedem Dörfchen machen sich die Leute ihren eigenen Trunk, wenn sie auch noch so viel dahinter her sind. Viele, viele werden gefaßt, und viele finden sie auch nicht. Wo es recht viel betrieben wird, liegen die Gesetz-Wächter mit den Schnapsmachern unter einer Decke, wofür diese Beamten noch hoch bezahlt werden, und somit sagen die Herren Gesetzaufseher nichts, bis es Not tut, weil, wenn welche sie anzeigen, so müssen sie was anstellen, um solchen Platz abzusuchen, ob da Schnaps gemacht oder verkauft wird. In solchen Fällen sehen diese Aufseher dann dazu, das den Betroffenen Nachricht bekommen, und wenn dann die Auf­seher kommen zum absuchen, dann ist nichts mehr da, ha, ha. Vor kurzem war ein ärmlicher Krüppel, der auch gern, um sein Fortkommen zu fristen, sich im Vertrauen an die Beamten gewandt, um ihm durch die Finger zu sehen, mußte denn auch einige Hundert blechen (Bestechung) geben, und als die­ser arme Mann sich dran gegeben hatte, da zeigten sie ihn an oder vielmehr arretierten sie diesen Mann, und er wurde hart bestraft. Auch hierin war ein Kniff, denn diese Gesetzesvollzieher müssen doch hie und da etwas einbringen, daß sie ihr Amt behalten, dann geht es hinter einen kleineren Übel­täter her, weil sie von dem nicht viel Bestechung erwarten können, um die größeren mehr zu schützen, weil sie eben von diesen mehr Schutzgelder bekommen, als von den Kleineren, siehe so geht es, alles ist nur Lumperei. Heute war ein hübsches Bild in unserer Zeitung, ich lege es hier bei, wie auch die Erklärung, was das Bild meint. Es ist gar gelungen. Der Waisenfreund ist auch nicht mit dem Schnaps Muckertum gut einverstanden, wie du ja wohl selbst lesen tust. Nicht wahr, der bringt die Sachen alle sehr deutlich, und wie ihr darin lest, sind die Hoffnungen für euch, mit Frankreich einigermaßen ins reine und friedliche zu kommen, noch weit her, Frankreich will nur den gänzlichen Untergang Deutschlands, aber mit der Zeit wird Frankreich doch noch mal zur Einsicht kommen, das es sich selbst so viel oder mehr schadet, wie euch. Die Zeit für Frankreich wird kommen, wenn es auch noch so lange dauert. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher. Wenn doch nur Amerika, sich für Deutschland ins Geschirr legen wollte, es würde schon viel helfen. Aber die werden auch wohl den­ken, wir haben geholfen, Deutschland herunter zu bringen, und wollen jetzt nicht einschreiten, es zu helfen. Glaube, daß die amerikanischen Soldaten doch gar bald zurück gerufen werden. Frankreich will nur den Rhein zur Grenze haben, und die Ruhrgegend noch obendrein. Der Großmaul Clemen­ceau, ist nun auch noch hier gewesen, um uns glauben zu machen, das die Franzosen so großes Recht haben, sich auf Deutschland los zu legen, aber gar großes hat er in dieser Hinsicht wohl doch nicht ausgerichtet, und ein gewisser Longuet, auch von Frankreich, will jetzt hierhin kommen, um das Ge­genteil vom Clemenceau, den Amerikanern vorlügen. Nun wollen wir abwarten, was der zu sagen hat. Der Waisenfreund wird es wohl richtig bringen. Nicht wahr, das ist eines der besten und interessiertes Blatt was man haben kann. Hast du davon gelesen, wie der frühere Pabst Pius X den 10 Deutschen und Österreichischen Priestern erschienen ist im Wartesaal in Rom, im Vatikan? Die merkwürdige Pro­phezeiung, die er ausgesagt haben will, nämlich es täte die Bedrängnis noch 2 Jahre anhalten. Nun wenn wir noch so lange leben, werden wir ja wohl darüber wieder hören, hoffe, das es nicht länger dauern wird. Wollen hoffen, daß es besser wird, aber bis sich Deutschland, nach menschlicher An­sicht, sich selbst von Frankreich losreisen kann, wird noch eine geraume Zeit in Anspruch nehmen, aber der Mensch denkt, und Gott lenkt. Dein Buch von Börnste, habe ich zum Bernard Winkelmann Röttger geschickt, somit kann er mal lesen, wie sein Vorgänger Schomaker, vor 300 Jahren die Leute behexet haben soll. Unsere Vorfahren, die Frau Middeler, Gift im Bier geschüttet zu haben, ha, ha. Hier kriegt man jetzt kein Gift ins Bier geschüttet, aber viel von dem Schnaps, der jetzt im Geheimen gemacht wird, ist giftig, da heißt es aufgepaßt, was man trinkt, trau, schau, was. Jetzt gerade aber denke ich an meinen Rhabarberwein, werde mal gleich eins auf unser aller Gesundheit trinken, der mundet schon gar gut, wenn man nichts besseres hat. Wie das jetzt hier ist, ist eine Schande für Amerika, aber es wird noch wieder anders, aber so schnell geht dieses nicht, weil es durch umgeänderte Gesetze kommen muß, und dieses läst sich nicht im Handumdrehen machen, aber geändert wird es wieder. Ich wundere mich, wie es in der Merfelder Geschichte heißen wird, ob ich in Washington in die Gesetzgebung gesandt war, oder wie es wirklich war, nur nach St. Paul, in die Minnesota Gesetzgebung. Hier gibt es eine allgemeine Gesetzgebung in Washington, wo all die Vereinigten Staaten darunter sich fügen müssen, und ein jeder Staat hat auch wieder seine eigene Gesetzgebung, welche sich aber mit der Washingtoner identisch sein muß, denn über die Washingtoner kann kein Staat hinweggehen, was nicht damit in Einklang bliebe. Jetzt hiervon genug, ich will Schluß machen und sehen was kommen wird, und unter vielen Grüßen von uns allen und dankend für die wohlgemeinten

 

Wünsche zeichnet Euer Clemens.

Was denken die Kinder jetzt von dem Hunde-Rätsel?  

 

http://www.dhm.de/lemo/html/biografien/ClemenceauGeorges/ Georges Clemenceau 1841-1929

 

 

Logan, Colo. den 3. Feb. 1923

 

Lieber Wilhelm und Alle:-

 

Deinen Brief datiert am 26. Dezember und erst im Januar zu Ende gebracht, ist uns vor einigen Tagen ausgehändigt worden, und freute uns allen ungemein, von euch zu hören, und um auch zu wissen, daß das Paket unbeschädigt angekommen ist. Wenn euch die Sachen einigermaßen erfreut haben, so ist unser Wunsch gänzlich erfüllt. Der lose Kaffee war derselbe, den ich immer vorher so lose gesandt hatte, wir haben denselben schon lange Jahre für unsern Tisch gebraucht. Der in der Blechdose soll  noch besser sein, ja es ist der Beste, den man hier kaufen kann. Ja, die Preise für alles, wie du es schreibst, geht doch ins unendliche, und das furchtbare Entwerten der Mark, und jetzt habt ihr nun noch die Franzosen im eigenem Lande auf dem Halse. Ja das ist elendig schlimm, und ihr habt sie schon so nahe auf den Fersen sitzen, und sollten sie nun schließlich noch mit den Schwarzen belästi­gen, nun Gott wolle es verhüten. Wir lesen schon immer am nächsten Tage, wie sie vorgehen. Wie weit sind die nächsten noch von euch entfernt? Die 50 Kilometer Linie von vorher besetztem Gebiete geht nahe an Dülmen heran, und näher an Coesfeld heran. Nun wollen wir hoffen, das sich irgend et­was ereignen möchte, das die Herren wieder vertreiben würde. Nun mit dem Rätsel, die Kinder haben ja gar gut getan, und wer würde den auch auf solchen Einfall kommen, als ich es erklärt habe, hätte es eigentlich gar nicht erwähnen sollen. Mein alter Freund seliger Hermann Wesselmann hat es mir erst kürzlich erklärt, und jetzt ist er selbst im Loch. Du schreibst, aus Kinder wachsen große Leute, jawohl, und viel schneller als man es voraus sehen kann, aber das ich da was gesagt habe von so lange Freie­reien, damit habe ich in eurem Fall nicht an die geringste Gefahr gedacht, auch hier ist das meistens nicht so viel um die Gefahr gemeint, im Gegenfall, wenn es mal zu verloben gekommen ist, dann läßt die Begierde nicht mehr zu, noch so lange Geduld zu üben. Die Begierde geht hier manchmal über den Verstand, und ist auch teilweise schuld an den vielen, vielen Ehescheidungen, weiß nicht mehr was ich kürzlich gelesen habe, wieviel % der Ehen in Scheidungen ausarten, aber es war weit über die 50 %, es ist das ja Schauderhaft. Diese Rechnung war für Amerika gemacht, Europa oder Deutschland nicht mit eingerechnet. Das dieses bei weitem nicht so schlimm ist bei euch, weis ich gar gut, solche Fälle mögen ja ganz einzeln sein in eurer Gegenden. Wollte nur das ich eure Hochzeit mit beiwohnen könnte, da ist es wo sich ein jeder amüsieren kann, wer es nur will. Am Hl. Antonius-Feste habe ich wohl auch an euch gedacht, somit war ich im Geiste mitten unter euch, ha, ha. Wundere mich über all die Toten, wovon du berichtest, habe wohl von Zeit zu Zeit davon gehört, aber das vergißt man leicht wieder, weil man nicht dort bei euch ist. Auch der Anzeiger bringt Sterbefälle nicht einmal, es sei denn, daß er gut dafür bezahlt wird. Solche und manch andere Vorfälle gibt uns unsere Zeitungen alle frei und unentgeltlich. Bitte grüße mir doch mal deine Tante Frau Franz Specht, habe ja doch so lange nichts von ihr gehört. Der Franz [Specht] war ja mein bester Schulkamerad. Ich war mal auf einer Hochzeit bei Strotmann in Merfeld, da waren sie scherzweise dabei, die eine Braut haben wollten, wurden in einen gewissen Verein aufgenommen, da kam ja auch der Franz [Specht] um eingeschrie­ben zu werden. Ja sagte der Schreiber, dich können wir nicht aufnehmen. Ja warum denn nicht, sagte oder fragte der Franz [Specht]. Ne du büß noch to lütt (zu klein), war die Antwort. Das machte den Franz [Specht] gar ärgerlich. Ich glaube es war die alte Leier, der das Entscheidungswort abgab, aber dem Franz [Specht] wollte das gar nicht gefallen.

Freue mich auf die Bücher, wenn die hier ankommen, habe das alte Buch von Dülmen zurück ge­schickt, hoffentlich wird es wohlbehalten angekommen sein. Wenn ich zum Beitrage des Buches von Merfeld mit einberechnet bin, so laß es mich wissen, wieviel Geld das wohl sein sollte, so werde ich sehen was sich tun läst. In dem Buche von Börnste, welches ich dem Rötger zum lesen zugesandt habe, ist schon etwa von Middeler, Praves, Kortgödde etc. etwaige Erwähnung getan. Es ist zu schlimm mit dem Jungen Middeler seine Krankheit, bitte grüße mir die Frau Anna von mir. Wie du ja im Waisenfreund lesen wirst, ist letzte Woche diese und nächste Woche ein Lebenslauf der Seligen Katharina Emmerich zu lesen. Obwohl dieses der Herr Hunkemöller berichtet hat, der war beim Waisenfreund gewesen. Du schreibst von meinen Bildern, ja die habe ich eigentlich nur scherzweise machen lassen, das sind keine echt guten Bilder, nur billig gemachtes Zeug, und von der Frau sagst du, ja das ist nicht so ein Bildernarr, als ich es wohl immer war. Auch sagte sie, daß ihr wohl genug von ihren Bildern dort hättet, und auch kennt ihr das Gesicht von wirklichem Aussehen nicht, um mal richtig urteilen zu können. Ich habe gestern der Bertha [Hunck] die 2 kleinen Bilder von euren Gebäuden zugesandt, und ihr noch mal an ihre Pflicht erinnert, euch doch mal einen Brief zukommen zu lassen, euch und mir zum Gefallen, aber wird sie es tun? Also nächsten Frühjahr gibt es Hochzeit bei Frericks, oder besser (Peters) und ich wünsche den beiden schon heute Glück u. Segen dazu. Bitte sage deine Magenkranken nur, sie müssen zusehen, daß die Mägen wieder in Ordnung sind, ha, ha. Ja nun, Spaß bei Seite. Es tut mir wirklich leid zu wissen, daß ihr mit solche Leiden belastet seit, denn nichts geht über gute Gesundheit. Ich war auch die vorige Woche mal wieder mit der Gesichts-Rose behaftet, und mein mal gebrauchtes Hausmittel schien zu versagen, somit bin ich nach Denver gewesen, wo ich jedoch sofort Hilfe bekam, war nach etwa eine Woche fort. Wilhelm [Hunck] ist in Denver, und an letztem Tage meines Daseins habe ich dem alten Hermann Wesselmann seine Tochter besucht, bei der Hermann Wesselmann in ihrem Haus gestorben ist.

Ich sehe auch, das der Streit, (wenn ich es so nennen soll) wo die neue Kirche bei euch gebaut werden soll, auf einen feinen diplomatischem Wege beigelegt werden wird. Der Herzog wird die Bedingungen schon so stellen, daß alle zufrieden sein müssen. Ja wollte noch fragen, Der Franz Rummel und Mans Greive, werden wohl schon längst das Zeitliche auch gesegnet haben? Nun für diesmal wird es wieder genügen, somit will ich Schluß machen, unter den besten Grüßen von mir, meine Frau, und Rudolph [Hunck]. Euer Clemens. Bitte, alle zu grüßen, die nach uns fragen.

C. A. Hünck.

Nachtrag:

Ja nun will ich dir auch kurzen Aufschluß geben, was das englische auf dem Briefköpfchen bedeutet. Erstens sind das Briefbogen, welch eine Schneider Gesellschaft in Chicago für unsern Gebrauch, und Ihrer Reklame hat anfertigen lassen, nicht gar umsonst, aber doch billiger, als wir sie selbst hätten an­fertigen lassen können. Wir lassen nämlich Herrenkleider anfertigen, durch diese Gesellschaft, für un­sere Kunden hier. Diese Leute schicken uns halbjährlich ein großes Buch mit Kleider Mustern zu, und eine völlige Erklärung, wie das Maas von den Leuten zu nehmen ist, und lassen wir die Leute ein Mu­ster aussuchen, wovon sie den Anzug haben möchten, und geben ihnen den Kosten-Preis an, und nach etwa einer Woche bis 10 Tagen, haben wir den fertigen Anzug hier für die Leute mit Garantie für ta­dellosen Sitz, und sonstige volle Zufriedenheit, und wenn das nicht ist, wird keine Zahlung verlangt. Habet wohl nicht gewußt, das noch beinahe ein Schneider aus mir geworden ist. Um das obige nun zu erklären, will ich sagen, die erste Linie verstehet ihr gar zu gut, die zweite heißt Allerlei Kaufmanns­ware. Die 3te heißt Kostüme geschneiderte Anzüge garantiert, zu Sitzen, oder keine Zahlung verlangt. Der Löwen-Kopf ist den Schneidern ihr gewähltes Wappen, und die Schrift auf dem Schilde heißt un­gefähr Zwischennationale Kleider nach Maas gemacht. Die Linie ganz unten heißt: Habe es nach Maas gemacht. Das hält man für besser, und ist auch besser, als wenn man sich ein schon fertig ge­machten Anzug kauft, denn da bleibt gewöhnlich noch immer etwas zu Wünschen übrig. Einmal sind die Taschen nicht richtig gemacht, oder ein anderes mal sind die Ärmel zu lang oder kurz, die Bein­kleider zu eng oder zu weit, der eine will Besatz, der andere keinen u.s.w. Ja jetzt wollen wir uns noch einen auf euer aller Wohl, und des hl Antonis Festes trinken, und uns an alte Zeiten erinnern.

 

http://www.fjk-net.com/ahnenonline/kapelle/antonius.htm# Der hl. Antonius (Schwienetüns)

 

 

[Dieser Brief könnte nach dem 20. März 1923 geschrieben worden sein, vermutlich auch im Jahre 1923. Der Bericht über den Krebsschaden, verfaßte Clemens Hünck in dem Brief vom 25.10.1922. Wenn das der letzte Winter war, den er nunmehr hier erwähnt, dann muß dieser unvollständige Brief im Jahre 1923 geschrieben worden sein]

 

hat es gar lange Zeit genommen, und mußte er deshalb Anstellung in der Stadt nehmen, aber jetzt scheint es besser zu sein. Rudolph [Hunck] ist bei uns, und ist sein Bein noch immer nicht ganz ge­heilt, aber Schmerzen hat er keine daran und es kann man ihm die Behinderung beim gehen nicht an­sehen. Bertha [Hunck] ist noch immer beim Pfarrer, und hat jedenfalls noch nicht an euch geschrieben, oder hat sie es vielleicht? Clara [Wesselmann geb. Hunck] hat letzten 20ten März ihr 3tes Baby gebo­20ten März ihr 3tes Baby ren, und es ist diesmal ein 10 Pfund schwerer Junge, und heißt Cletus Augustus. Pfarrer August Plachta und Bertha [Hunck] waren die Taufpaten. Plachta sein Name ist August. Mutter und Kind seien wohl. Letzten Monat haben wir uns ein neues Auto angeschafft, eins namens Willys Knight, weiß nicht ob ihr solchen Namen kennt. Es ist eine schöne Car, und soll einer der Besten, wenn nicht beste Car sein im Lande. Ein Auto wird hier kurz eine Car genannt. Weil wir nun oft oder meistens auf Landwege fahren müssen, und auch manchmal wohl etwas von der Stadt heim zu bringen haben, haben wir uns noch eine Car Ford mit Namen angeschafft, eine nicht mehr ganz neue, weil wir die neue nicht gleich zu einem Frachtwagen machen wollen. Der hat nur einen Sitz für 2 Personen, und der Hinterteil hat einen offenen Behälter 3 x 4 Fuß groß, wir haben heute 1000 lb. Mist darin geholt für unsern Garten, ha, ha. Etliche solcher La­dungen sind genug für uns, weil wir keinen großen Garten bearbeiten wollen. Ja wie geht es euch den mit den Franzosen? Ich sehe in Essen hat es schon viele Menschenleben und Verwundete gegeben, wie auch an anderen Plätzen. Es ist doch eine große Schande, wie es die Franzosenmänner machen, und wie lange soll solches noch andauern müssen? Für diesmal will ich es kurz machen, bis ich mal von euch zu hören bekomme, denn es wird wohl hoffentlich bald etwas kommen. Doch will ich noch sagen, daß der Anton Esselmann vor etwa 1 Monat oder mehr aus dem Hospital zurück gekommen ist, und seine Backe ist geheilt. Ich glaube, das ich euch darüber geschrieben habe im letzten Winter, wenn nicht, so will ich jetzt sagen, daß er einen Krebs-Schaden hatte an der linken Backe. Damit ist er nach dem Staate Missouri gewesen, zu einem Hospital, daß sich nur mit solchen Krankheiten befaßt. Er war letzten Sommer dorthin, und man hat ihm dort Pflaster aufgelegt, welche all das befallene Fleisch gänzlich heraus gebrannt hat, und sie ließen ihm dann heim gehen. Er kam bei uns an und hatte ein Loch in der Backe, ungefähr aussehend, als ob man ein Tassenkopf mit dem Boden die Backe ein­geschlagen hätte, und ein Loch gemacht so groß als der runde Ring vom Tassenkopf, so das man seine Zunge beim Sprechen auf und ab plappern sehen konnte. Er mußte dann mehrere Monate warten, um dann wieder hin zu kommen, damit der Dr. sehen konnte ob alles Beschädigte fort wäre. Anfang Fe­bruar ist er dann wieder hin, und der Dr.hat es für gut befunden Dann haben sie ihm das Loch wieder zugemacht, und Haut von der Backe zwischen Ohr und Auge, und ein größeres Stück von hinter dem Ohre genommen, um das Loch zu überdecken, und etwa zwei Wochen nachdem kam er wieder bei uns an, und es war das Loch in der Backe wieder zu. Es war noch nicht alles abgeheilt und wir konnten ihn jedoch regelmäßig verbinden. Anton [Esselmann]war etwa ein Monat bei uns, dann war alles geheilt, und er ist dann heim gegangen. Es sieht wohl etwas runzelig aus, aber es ist doch besser, daß es geheilt ist, und hoffentlich wird es gut bleiben. Er ist nicht verheiratet. Nun zum Schluß die besten Grüße von uns allen an euch allen. Euer Clemens.

 

( http://www.concentric.net/~joelucks/~Joelucks.htm ) Clemens Hunck hat sich ein Auto (Willys Knight) angeschafft.

 

 

Logan, Colo. den 5. Juli 1923

 

Lieber Wilhelm und Familie und Kinder ins Besondere.

 

Heute muß ich nochmals ein Briefchen an euch schreiben. Habe nämlich vorgestern nochmals ein kleines Paketchen an euch abgesandt, weil ich dachte, den Rosenkranz zu senden für den kleinen Jo­seph [Diekemper], und ich dachte auch daran, euch nochmals ein wenig Kaffee zu schicken als eini­gen Ersatz für die Bücher, und die große Summe Postgeld das dieses alles verlangt. Nur wird das Ge­wicht die 11 Pfund, das ein solches Paket nur wiegen darf immer zu früh zum Übergewicht, sonst hätte ich noch mehre Pfunde Kaffee und anderes hinzu tun können. Das Paket enthält 5 Pfund ver­schiedene Sorten Kaffee, 2 Pfund Süßigkeiten, 4 Päckchen Kräcker Jacks, weiß nicht ob ihr die kennt, und der Rosenkranz, etwas nicht süßes, sondern gesalzene Peanuts, welches wohl zu Deutsch Erd­nüsse heißen mag, werden hier viele gekauft. Der Kaffee sind alles vorzügliche Sorten, welche hier zu 50 c. das Pfund verkauft werden, haben auch noch einige minderguten Kaffee zu 30 und 40 c per Pfund. Habe es dieses mal wieder in ein Papier Kistchen verpackt, um nicht so eine schwere hölzerne Kiste zu verwenden. Gestern hatten wir die Große Feier des 4ten Juli, das ist der Gedenktag der hier jährlich gefeiert wird zum Andenken der Befreiung Amerika von England. Ja man kann sich wirklich nicht freuen, wenn man von seiner eigenen Wassersimpel ?? noch verboten kriegt, nicht einmal ein Gläschen Bier zu trinken. Möchte mich mehr freuen, wenn der Tag der Befreiung euch Deutschen Brüder bald herannahen wollte, um dann ein Freudentag anzustellen, aber -- ja aber es scheint noch nicht viel darnach. Es wird ja immer schlimmer jetzt noch das Brücken und Züge sprengen, und die Kruppschen-Werke einzunehmen, und was nicht noch geschehen mag ehe dieses in eure Hände kommt. Nun habe ich denn auch mein schon so langes Versprechen erfüllt, nämlich die Kinder ein Karten-Kunststück zu lernen, und schicke es hiermit ein. Hoffentlich wird es ein Vergnügen machen, ich meine es ist ein gar Gutes, aber ein wenig kompliziert, um alles gleich richtig zu begreifen, aber bitte, laßt mich doch mal wissen, wie ihr damit fertig werdet, und ob es euch gefallen wird. Es kann euch nicht leicht einer dahinter kommen, wie das zusammen hängt. Habe dieses am 4ten geschrieben, aber kommt nicht vor den 5ten zur Post. Jetzt ist es 11 Uhr, und Zeit ins Bett, Gute Nacht. Juli 5 Noch mal gesagt: nehmet es ganz ruhig, mit Überlegung, und studiert, wie es in der Erklärung gemeint sein mag, und ihr werdet es nach und nach ganz klar einsehen, wie es zu machen gemeint ist. Alle Karten, die man euch fragt zu sehen, jede Zahl auf solcher Karte, wie sie gefragt werden mag, muß mit 4 ver­vielfacht werden, und nichts zur ersten oder obersten Reihe zugezählt. Zur eurer 2ten Reihe, welch Karten ihr immerhin für 2te Reihe gewählt habt, müssen drei zugezählt werden. Zu eurer 3ten Reihe 6, und zu der 4ten Reihe, müssen neun zugezählt werden, nachdem die betreffende Karte mit 4 verviel­facht wurde. Mit dem sonstigem hinlegen der Karten werdet ihr wohl verstehen, wie es gemeint ist, und sollte es nicht auskommen wie ihr es erwartet, so seid versichert, das irgend ein Fehler begangen wurde, und somit nur von neuem versucht, bis es gelungen ist. Jede einzelne Karte von den 40 kann leicht gefunden werden. Einige meinen, man wüßte alle Karten aus dem Kopfe, aber das ist ja doch unmöglich für irgend jemand, und wenn man bedenkt, wie sie so sehr vermischt zu liegen kommen. Ich habe es hier meinem Dr. in Denver auch aufschreiben müssen, ich wollte es ihm zeigen, aber er war zu beschäftigt zur Zeit, so sagte er, ich möchte es ihm aufschreiben, und habe es getan, aber er hat mir noch nicht einmal soviel dafür gegeben, als er für ein Rezept zu schreiben verlangt, habe es aber auch nicht erwartet.

Mit vielen Grüßen an allen, und der Wunsch, das ihr das Problem leicht zu lösen findet zeichnet Euer

Onkel Clemens.

Anbei:- Die Abdrücke sind nicht sehr klar, habe dennoch einige beigelegt.  

 

[Dieser Brief müßte im Jahre 1923 geschrieben worden sein, der Anfang fehlt jedoch. Man müßte anhand alter Zeitungen feststellen, wann der neue Bahnhof in Dülmen übergeben worden war oder wann der jüngste Diekämper-Sohn geboren ist, demnach ist zu errechnen, wann er zur Kommunion zugelassen wurde. Wenn das Jahr bekannt ist, könnte man feststellen, wann der Weiße Sonntag in jenem Jahr war. Gertrud Esselmann geb.Hünck wurde zuletzt 1922 erwähnt. Clemens erwähnt in seinem Brief vom 8. September 1923, das er zuvor einen Brief geschrieben hatte, der offenbar nicht in Merfeld angekommen war, von dem er aber die Seiten 2-3 noch als Zweitschrift vorliegen hatte, nicht jedoch die erste Seite. Er erklärt auch, daß er auf Seite 2 auf die Bücher eingegangen ist, was er im Folgenden ja auch macht. Die beiden Seiten 2 und 3 legte er dem Brief vom 8. September 1923 bei. Ich komme nunmehr zu dem Schluß, daß dieser unvollständige Brief im August 1923 geschrieben wurde, ein anderer davor ist vom Juli 1923 und vollständig.]

 

Es hätten die einzelnen Familien und Höfe eine genauere Erklärung verdient, und auch manch anderes von Interesse, welches ich, um nicht kritisieren zu wollen, nicht zu nennen wünsche, auch eine kleine Karte wäre wohl sehr wünschenswert gewesen, aber es mußten ja Kosten gespart werden, aber weil es nun doch einmal gemacht wurde, hätte es meiner Ansicht nach nicht so viel mehr kosten können. Spa­ren ist gut, aber nur zur rechten Zeit und am rechten Platze. Ja, damals und jetzt, welch ein "großer Unterschied", und wie schwierig muß das damalige Gerichtsverfahren gewesen sein, da die Großher­ren viele so ungemein weit auseinander wohnten, und keine Eisenbahnen oder gar Luftschiffe. Habe jawohl vieles von der Familie Merfeld und Marode gehört, aber von Graf von Eretzenheim, ist mir wenig oder gar nicht bewußt. Dein Großvater ist längere Jahre Kutscher beim Herrn von Marode ge­wesen, da wird er wohl die Diekämper kennen gelernt haben.

Ja die Franzosen habt ihr so unheimlich nächst auf den Fersen sitzen, was das am Ende noch geben mag. Gott allein weiß es, und nach menschlicher Ansicht sollte man meinen, er könne es nicht so lange ansehen, wie Deutschland und besonders die Ruhr und Rhein-Bewohner so unmenschlich von den Franzosen behandelt, sondern so gar teuflisch behandelt werden. Nein ich glaube, der alte Satan selbst würde es nicht so schlimm machen. Habe auch Zeitungen erhalten, welche über den neuen Bahnhof etc. in Dülmen berichten. Ich kann ja hier nicht bei unserem Hause einsteigen und bis nach Merfeld fahren, somit kann ich deswegen wohl nichts einwenden.

Der Rudolph [Hunck] hat noch nichts gesagt dann, aber die Clara [Wesselmann geb. Hunck] hat es früher mehr mal gesagt, ich sei ihr eine Reise nach Deutschland schuldig, aber vor mehreren Jahren, seitdem sie verheiratet ist, hat sie es nicht mehr gesagt, und jetzt hat sie schon 3 Kinder, welche ihr das reisen wohl gar zu beschwerlich machen würden. Am 20ten März hat sich ein kleiner kräftiger Junge den 2 Mädchen zugesellt, auch beide sind so gut wir wissen, alle gesund. Am letzten Sonntag habe Clara [Wesselmann geb. Hunck] und ihre Familie die Bertha [Hunck] in Royalton besucht, da sei das kleinste Mädchen krank geworden, und meinten, es möchte die Measles (Masern) bekommen, weil dieses eben dorten herrschen, haben aber von Clara [Wesselmann geb. Hunck] selbst noch nicht davon gehört, bekamen eben ein Brief von der Bertha [Hunck], welche ihn schrieb. Bertha [Hunck] sagte, ei­nes guten Tages würde sie doch mal an euch schreiben, aber ihr würdet ihr Deutsch wohl nicht lesen und verstehen können, also vergessen hat sie es noch nicht, vielleicht kommt da doch noch mal etwas. Auch hat uns die Bertha [Hunck] geschrieben, das die Gertrud [Esselmann geb.Hünck] gestorben sei, und ich wunderte mich, warum man uns das noch nicht direkt hat wissen lassen. Wir haben immer einander geschrieben von Zeit zu Zeit, aber seit vor Weihnachten hatten wir nichts von dort gehört. Mit dem eingeschriebenen Paket (respektive) Brief, werde ich es dem Postamt hier wohl jetzt klar ma­chen können, und es wundert mich nicht, daß diese es hier nicht verstanden, was das Dülmener Post­amt eigentlich wollte, ich selbst konnte nicht recht klug werden aus ihrer Anfrage, und was damit der große Umschlag zu tun hatte. Ein Paket war zur Zeit hier eingeschrieben worden, aber kein Brief, nur hatte der Brief mehr Marken aufgeklebt, wie gewöhnlich, weil er eben doppeltes Gewicht hatte, und dieses hat wohl im Postamte Dülmen den Misch-Masch verursacht. Also hat euer jüngster Sohn am weißen Sonntag die Erste Hl. Kommunion empfangen, und wir alle gratulieren ihm zu diesem wich­tigsten Tag seines Lebens. Werde ihm ein kleines Andenken senden, solches was ich gerade an der Hand habe, und wenn er das gebraucht, möge er sich meiner erinnern. Hätte denselben für mich kom­men lassen, ist mir aber nicht schwer genug, und nicht von der Farbe, wie ich ihn wohl gewünscht hätte, sondern mehr für jüngere Leute geeignet. Er soll echte Vergoldung haben, so das es 20 Jahre halten wird.

Die Bertha [Hunck] schrieb, das die Masern dort so stark seien, das es 7 von dortigem Erstkommunikanten verhindert habe, dieses erwartete Fest mit zu machen. Also jetzt ist Antonia in der Pension zu Freckenhorst, und wird sie jedenfalls mit gleichem Vorteilen und Vergnügen ihre Zeit dort durchmachen, als ihre Schwester es getan hat. Und Maria erhält fleißigen Besuch vom August, und wünschen Glück dazu, das einzige ist nur die nahe Verwandtschaft. Jetzt fällt es mir gerade ein, das ich im Büchlein von Merfeld lese von einem Heinrich Schultebein genannt Sommer, welches mir nicht klar ist. Hat dein Vetter Heinrich Sommer etwa keine männlichen Erben gehabt, um das ein Schultebein dem seine Tochter geheiratet hat?

Also habet ihr noch mal wieder ein Schützenfest beim Uphues gefeiert, werde es der Bertha [Hunck] mal schreiben, und fragen, ob sie sich den Schwetkuhm aus Weddern noch zu erinnern weis. Ich weis nichts von einem solchen, habe auch den Namen nie vorher meines Wissens gehört. Ich sehe auch daß das Feiern bei euch gar viel Marks (Geld) kostet, aber das macht ja nichts, wenn nur immer genug dazu an Hand sind. Lächerlich kommt es einem vor, und wer hätte jemals geahnt, daß so etwas kommen könnte.

Ich sehe, wie jetzt der Lavesumer Torf benutzt wird, ich dachte, das der Torf dort schon wohl längst alle ausgearbeitet, bzw. ausgebrannt sei. Gibt es denn auch noch Torf im Kottenbrock?

Von hier kann ich nicht gar viel Neues berichten, als daß das Wetter soweit viel günstiger gewesen ist, als seit den letzten 4-5 Jahren, es hat ziemlich viel geregnet, und steht eine gute Ernte in Aussicht. Es fehlt aber auch gar notwendig, weil es immer gar zu trocken gewesen ist. Viele hatten Geld geborgt, und die Farmen mit der Schuld belegt, oder andere waren es noch vom Ankauf der Farmen schuldig, konnten aber die Zinsen nicht aufbringen, und mußten ihre Plätze verlassen, und sind anderswo verzogen. Auch die Bauholz und Bretter-Handlung unserem Store gegenüber mußte schon vor einem Jahre schließen, weil eben die Leute nicht neu bauen konnten, und konnten nicht zahlen, was ihnen auf Zeit verkauft worden war. Wir borgen auch noch manches aus, aber versuchen gar vorsichtig darin zu sein, daß meiste ist an Leuten, die in den Zucker-Rübenfeldern arbeiten, und die Rüben gedeihen ja noch immer, weil das Land meistens berieselt wird, und nicht allein auf Regen angewiesen sind, und dann haben wir die Eigentümer dieser Farmer, als Garantie, das uns die ihre Arbeiter gemachten Schulden zahlen müssen, bevor sie die Arbeiter auszahlen. Dieser Rüben Distrikt (Land was berieselt werden kann) ist nicht gar groß, im ganzen nur etwa 500 Acker oder es mag auch mehr sein.

Ich wundere mich immer, wie es noch schließlich mit den Herren Franzosen gehen wird. Hoffentlich werden sie euch doch nicht noch direkt auf dem Leibe rücken, aber gar unheimlich nahe habt ihr sie schon jetzt, wenn sie auch nicht näher kommen. Man munkelt hier davon, das unser nobler Wilson heimlich nach Europa gewesen wäre, um besseres oder schlimmeres, wer weiß??? Ich werde den Herrn Rechnungsrat Bielefeld meinen Dank abstatten. Ich bekomme das Buch ja gar billig, wo es zu­erst erschien, daß ich eine gute Gelegenheit bekommen möchte, einen Beitrag bei zu steuern. Danke, danke.

Nun muß ich auch zum Schluß kommen und obschon dein Brief ein gar langer war, so möchte dieser doch deinen um etwa 5 bis 600 Worte übertreffen, aber wenn man viel sagt, sagt man gar leicht viel unnützes, welches bei deine Briefe nicht der Fall ist.

Ja, die Alten gehen so eins nach dem andern ab, und kann ich nur rechnen, das auch ich bald an der Reihe komme, und dann werden eure Briefe von Amerika nicht mehr so lang sein, nur was die Bertha [Hunck] noch mal schreiben wird, hoffent­lich werdet ihr mal bald ein Muster davon bekommen, habet euch schon lange genug drauf gefreut, was dann mal noch kommen möchte. Ich werde es ihr beim nächsten Briefe nochmals ans Herz legen. Unter vielen Grüßen von uns allen an euch und alle die nach uns fragen. Schreibt bald wieder.

 

 Euer Clemens.

 

 

Logan, Colo. den 8. Sept. 1923

 

Lieber Wilhelm und Familie:-

 

Deine Karte vom 19.8.23 habe ich vor drei Tagen erhalten, und wundere mich, das ihr meinen Brief als Antwort auf deinen letzten Brief nicht erhalten habt, ich hatte einen langen Brief geschrieben, kurz vordem ich das Kartenkunststück mit dem kleinen Brief absandte. Weis gerade das Datum nicht mehr, habe aber noch einen teilweisen Abdruck von dem was ich geschrieben habe, aber aus Versehen hatte ich kein Abdruck von dem ersten Teil des Briefes gemacht, aber Seite 2 & 3 kann ich die Abschrift noch nachliefern, und lege selbige hier bei. Habe die Bücher mit großem Interesse gelesen, und hier­mit nochmals meinen allerbesten Dank für dieselben. Ein kleiner Teil meines Schreibens über die Bü­cher findet ihr hiermit auf der Seite 2 des Abdruckes noch ein Teil davon. Was ich sonst gerade alles auf der ersten Seite gesagt habe, ist mir dem Gedächtnis entfallen. Auf der Karte hast du wohl be­merkt, daß das Kartenkunststück angekommen ist, aber über das Resultat hast du nichts vermerkt, wie steht es damit, habt ihr es fertig gebracht? Von uns kann ich berichten, daß wir noch alle recht gesund sind, wir haben am letzten Sonntag de 9. September ein Familienfest gefeiert, nämlich unsere 4 Kin­der, und Clara [Wesselmann geb.Hunck] ihre 3 Kleinen waren alle hier zusammen, wir haben  meiner Frau eine große Überraschung bereitet, von dem sie nichts wußte, das Bertha [Hunck] und Clara [Wesselmann geb.Hunck] von Minnesota kommen würden. Wir hatten schon diesen Sommer hin und her geschrieben, daß uns die Clara [Wesselmann geb.Hunck] mit ihren 3 besuchen sollte, aber sie schrieb, (und auch mit Recht) daß sie allein mit ihren 3 Kindern die Reise nicht machen könne, so sollten wir dorthin kommen. Auch konnten wir das nicht, weil wir unser Geschäft nicht schließen können, und welche zu heuern, das Geschäft für uns zu betreiben, geht ja doch auch nicht, da hat denn die Bertha [Hunck] sich zureden lassen, mit der Clara [Wesselmann geb.Hunck] zu kommen, somit schrieb uns die Clara [Wesselmann geb. Hunck], daß sie am 5ten September abreisen wollten und mit der Bertha [Hunck] zu kommen. Rudolph [Hunck] bekam den Brief zuerst zu sehen, und er kam zu mir im Keller, wo ich gerade dabei war, 20 Gallonen etwa 75 Liter Rhabarberwein zu machen, und erzählte mir von dem Brief und er machte den Vorschlag, es der Mutter nicht wissen zu lassen, um sie zu überraschen. Gesagt, getan, alles blieb still, und es war gerade am Donnerstag nachmittag, da meine Frau zu einer kleinen Kaffee-Visite - Kaffee-Klatsch - geladen war, und um 5 Uhr abends kam der Zug von Minnesota hier in Sterling an, und so brachte er seine Mutter mit dem Auto zu der Visite, und fuhr dann gleich nach Sterling um angeblich zu einem 5 Uhr Abendessen eingeladen zu sein. Er fuhr dann nach Sterling zum Bahnhof, um die Besucher aus Minnesota abzuholen. Diese waren zur angegebenen Stunde abends 5 Uhr 45 Minuten,  nach 24 Stunden Schnellfahrt richtig angekommen. Nach dem wir zu Hause waren, kam nach einer 1/4 Stunde meine Frau mit einer Nachbarsfrau wieder und fand ihre beiden Töchter mit den Kindern in unsere Küche sitzend an. Aber da hättet ihr die Überraschung sehen sollen, wie meine sich gefreut hat. Ja da sind sie ja alle hier, beide Hände über den Kopf zusammen schlagend. Am Freitag sagte sie, ja jetzt wollte ich, daß der Wilhelm [Hunck] am Sonntag auch hier wäre, ja schreibe ihm gleich, das er auch kommt, ja sagten ich und auch Rudolph [Hunck], daß dies für Sonntag schon zu spät sei, er bekäme den Brief nicht mehr rechtzeitig, um Sonntag hier zu sein. Und wir ließen es damit bewenden, sagten ihr gewiß nicht, daß alles schon besorgt wäre. So kam es, das Wilhelm [Hunck], in Sterling am Sonntag Morgen an der Kirche alle mit seiner Gegenwart überraschte, denn auch die beiden Mädchen wußten nicht, das wir Wilhelm [Hunck] in Zeit benach­richtigt hatten. So ging es nach dem Gottesdienst mit zwei Autos nach Hause, wo bald ein reiches Mittagsmahl bereitet war. Es wurden alle möglichen Erfrischungen so wie Gefrorenes, kalte temperierte Getränke, und auch Rhabarberwein, guter Kaffee etc. vorgesetzt. Wir haben auch wohl an euch ge­dacht, und gewünscht, daß ihr alle bei unserem Familienfesttag dabei sein möget. Ja bei so einer Gelegenheit, da verspürt man es nur zu viel und hart, daß man in einem Lande wohnt, wo es einem Deutschen verboten ist, sich ein Gläschen Bier zu gute kommen zu lassen. Ja, etwas Vollkommenes gibt es wohl nirgends, nun könnt ihr das Bierchen noch wohl trinken, dagegen habt ihr nun die Franzosen auf den Fersen und müßt bei euch Roggenkaffee trinken, welches mir auf Diekämpers Hofe nie bekannt war. Ja, da sieht man so klar, was man nicht alles in dieser alten guten Welt durch zu machen bekommt, wer hätte sich solch alles einmal träumen lassen. Ja, das arme Deutschland, und besonders jetzt das gute Westfalen, und Rheinland, was diese nicht zu leiden haben mit den frechen und rach­süchtigen Franzosen und Belgiern, und mit den Schwarzen. Ja ihr wißt es besser, als ich es beschrei­ben kann, aber lesen tun wir doch gar viel von den ganzen Hergang bei euch. Ich kann mir wenigstens eine gute Vorstellung darüber machen. Ja obschon auch wir hier wohl des Krieges Nachwehen verspü­ren, so ist es doch nichts im Vergleich mit euch, und ich habe schon oft daran gedacht, wenn ihr auch nur alle hier wäret, obschon ihr hier wohl nicht so große und gute Häuser haben würdet. So ist doch ein ruhiges friedliches Leben in einem kleinerem Hause, was zu leben nicht so wertvoll ist, als unter der Knechtschaft, ja nicht bloß unter der Knechtschaft, sondern unter der Tyrannei der Franzosen zu leben, und sein Lebtag zu zahlen, bis einer Schwarz wird. Da hört ja alle Hoffnung und Vergnügtheit auf. Aber was nutzt alles toben und klagen, Geduld muß alles überwinden, und wir müssen es dem lie­ben Gott überlassen, denn so wie er will ist es gekommen, wie er will, ist es geschehen.  A M E N . Die U.S. hat viele Leute im Kriege verloren und verkrüppelt, aber im Ganzen tut es mir kein Leid ab­gesehen  von den Einzelnen, die es getroffen hat, und auch viele gegen ihren Willen, aber als Verluste der U. S. tut es mir gar kein Leid, weil die eben ihre Finger aus der Brühe gelassen haben sollten, es ging dieses Amerika nichts an, und hätten deshalb Europa die Schmiere überlasen sollen, aber hier darf man nichts sagen, dann heißt es noch (das wir keine 100 % gute Patrioten sind) wenn es auch noch so dumm und lächerlich ist. Jetzt muß ich dieses zum Schlusse bringen, um mal von euch aus­führlicher zu hören, als eine einfache Karte, obschon auch die recht willkommen ist. Mit den allerbe­sten Grüßen von uns allen, besonders von der Bertha [Hunck], welche entschuldigt sein möchte, weil es ihr eben zu hart ist, etwas Deutsches zu schreiben. Wenn ihr sie jetzt sehen würdet, würdet ihr sie kaum kennen, weil sie eben so dick und stark geworden ist.

Baldige Antwort ist erwünscht. Clemens.

 

 

Logan, Colo. den 21 Okt. 1923

 

Meine Lieben Daheim:-

 

Jetzt muß ich um Entschuldigung bitten, weil ich eben so lange nicht geantwortet habe. Wie ihr sehen könnt, habe ich am 8ten Sept. ein Brief geschrieben, habe den selben weg gelegt, und ist er in die Ver­gessenheit gekommen, hatte ihn nicht gleich zugemacht, um vielleicht noch etwaiges zu zufügen, und weil der Besuch da war, ist der Brief ganz in die Vergessenheit gekommen, und kam nie auf der Post. Erst wie die Mädchen hier waren, gab es viel zu reden, und später wollten sie nach Denver, wo Louis  [Wesselmann] seine Geschwister wohnen, und wir auch viele Bekannte haben, und so ist die Mutter  auch mitgefahren. Der Rudolph [Hunck] hat sie alle in unserem Auto (150 Meilen) dort hingefahren. Der Rudolph [Hunck] aber kam nach 3 Tagen wieder zurück, weil ich ganz allein war. Er kam mit dem Zuge zurück, weil Bertha [Hunck] kann auch das Auto (Maschine) fahren oder leiten, und dann kam Louis (Ludwig) Clara [Wesselmann geb.Hunck] ihr Mann auch noch dazu nach Denver. Der hat nämlich die noch übrig gebliebenen Reste seiner Mutter "selig" in Duelm Minnesota ausgraben lassen, und nach Denver transportiert, um sie neben ihren Mann Hermann Wesselmann beisetzten zu lassen. Wie die nun in Denver fertig waren, kamen sie wieder zu uns auf ihrem Rückwege nach Minnesota, weil wir nicht weit von dem Wege abwohnen. Nun wollte ich es allen so gefällig machen als nur möglich war, somit machte ich den Vorschlag, noch erst eine Reise durch oder über die Steinigen Berge (Rockey Mountains) zu machen, es würde für alle ein immerwährendes Andenken im Gedächtnis bewahren, und wie gesagt, so getan, somit fuhren alle. Rudolph [Hunck] an der Spitze wieder nach Denver, um dort zu übernachten, wo sich der Wilhelm [Hunck] ihnen zugesellte, aber die zwei kleinsten Kinder von Clara [Wesselmann geb.Hunck] blieben hier bei uns. Dieses war am 26 ten Sept. Nun am 27 ging’s dann in die Berge hinein, welche unweit von Denver, westlich schon anfangen. Diese Berge sind ungeheuer hoch, etwa 13.000 Fuß über dem Meeresspiegel, ja so hoch, das da eben kein Holz mehr wächst. Es ist dort eine gewisse Höhe (was die Holzlinie genannt wird) an den Seiten der Berge, wo Gehölz nicht mehr wächst. Wen nun auf dem höchsten Punkt angelangt, dann geht es wieder bergab, es ist dieses der Weg nach meiner Kohlengrube. (welche jedoch jetzt brach liegt, weil sie voll Wasser steht) sind aber nicht hin gefahren, weil das Wetter anfing, schlecht zu werden, und somit machten sie einen Zirkel nach dem Norden zu, um auf einem anderen Weg wieder hierhin zu kommen. Der Weg, von Denver dorthin, ist in feinem Zustand, breit genug, daß fast überall sich zwei Autos vorbei fahren können und hat auch viel, sehr viel Geld gekostet. An manchen Plätzen sieht man den Weg an der Bergseite 2 mal unter sich, da muß man oft viele Meilen fahren, bis man etwas weiter kommt. Ich lege eine kleine Karte bei, welches das auf oder abfahren einigermaßen andeutet. Es geht das Schlangenweise (Serpentinen) hin und her, bis die nötige Höhe erreicht ist. Vor etlichen Monaten ist man nun angefangen, einen 6 Meilen langen Tunnel durch diese Gebirge zu bauen, welcher in etwa 4 bis 5 Jahre fertig sein soll. Es ist ein Kontrakt gemacht worden, für eine gewisse Zeit, und wenn er zur bestimmten Zeit nicht fertig ist, muß der Kontraktohr (Bauunternehmer) für jeden Tag länger ein Tausend Dollar Strafe zahlen, erhält aber auch für jeden Tag, wenn der Tunnel vor Ablauf des Kon­traktes (Termins) fertig ist ein Tausend Dollar. Da werden wir nun abwarten müssen. Der Tunnel soll groß genug werden daß nebst Eisenbahn auch für Autos und auch noch Wasserleitungen genügend Platz sein wird. Dann können wir auch bald nach unserer Kohlegrube jedenfalls eine bessere Wegbe­nutzung haben. Wir haben auch noch 160 Acker Farmland nicht weit von der Kohlengrube entfernt, welches unser Wilhelm [Hunck] haben will, denn er sagt, er ist mit dem Reisen und Stadtleben fertig, und will wieder Farmer werden. Also nun zurück zur Rundfahrt. An der Westseite der Berge wurde übernachtet und am nächsten Morgen wollten wir zurück nach unserem Heim fahren. Aber es schneite ziemlich stark beim Abfahren von dort, und verschlimmerte sich von Minute zu Minute, und ehe wir den höchsten Punkt der Berge erreicht hatten, war es zu einem gewaltigen Schneegestöber geworden. Der Wind zwischen den Bergen hat die Straße voll Schnee geblasen. und wir mußten gar nahe am Rande der Straße an einem tiefen etwa 3 bis 400 Fuß tiefem Abgrund fahren. Solches Schneegestöber, daß man nicht 2 Ruthen weit vor sich sehen konnte hatten wir noch nicht erlebt. Ja alle sagten, wenn wir 1 Stunde später los gefahren wären, würden wir nicht mehr durch gekommen sein. Das Wetter hat allen den Spaß an der Fahrt verdorben. Ich sage euch, alle waren froh, daß wir unseren Rudolph [Hunck] zum Lenker hatten und wollten ihm gerne eingestehen, daß er uns durch seine Fahrkunst vor großem Schaden bewahrt habe, natürlich nebst Gottes Beistand. Wir kamen abends spät heim, und als ich frug,wie es gegangen hätte, sagte mein Schwiegersohn, ja ziemlich gut und Bertha sagte, ja nie mehr wieder.

Hier ist das Wetter seitdem noch immer schön gewesen, aber in diesen Bergen ist es schlecht zu trauen [fahren], nur etwa 3–4 Monaten im Sommer geht es dort.

Die erste Überfahrt nennt man (Berthod Pass) und dieser ist 12.500 Fuß hoch über den Meeresspiegel und der andere Paß (Milner-Pass) worüber sie im Schneegestöber nach Hause kamen ist 13.700 Fuß hoch über den Meeresspiegel.

Ich mit Rudolpf und ein anderer Mann, wer sich unsere Farm dort besehen hat waren letzten August über diese Berge, aber da war das Wetter gut. Dieser Mann hat die Farm gut genug gefallen, aber er hat kein Geld und jetzt da Wilhelm sie haben will, kann er sie nicht mehr kaufen.

Mit den Franzosen wird es ja nie mehr anders und jetzt lese ich, daß Baiern sich lostrennen will von Deutschland und das Rheinland soll ja ein Staat für sich werden. Freilich, ihr habet die Geldnot und alles andere ist ja aus dem Geleise, aber euer Land und Gut muß man euch doch lassen, und so hoffe ich, so lange ihr da was drauf ziehen [anpflanzen] könnt, braucht ihr doch wohl kein Hunger leiden, obschon es wohl an manchem anderem mangeln möchte.

Am 30.Sept. haben wir meinen 77ten Geburtstag gefeiert, und am Abend gegen 8 Uhr sind unsere Gäste wieder nach Minnesota abgefahren. Wir sind benachrichtigt worden, daß alle gut wieder zu Hause ankamen.

Heute wurde hier in der Kirche, wie auch sonst im ganzem Lande, gemäß einer Päbstlichen Veranlassung eine Kolecte abgehalten, für die Armen im Osten, in Mittel Europa, und Japan. Was es nun eingebracht haben mag hört man vielleicht später, uns persönlich hat es 6.00 Dollar gekostet, oder 6.00 Dollar haben wir dazu gegeben.

Heute habe ich auch gelesen, was unser Rennpferd das englische Rennpferd hier in New York geboten hat in ein Wettrennen. Gestern für Hunderttausend Dollar. Unser Pferd heißt Zev, und das Englische Pferd heißt Papyrus. Das ist doch abscheulich für die stolzen Engländer. Von den Hundert Tausend Dollar bekommt unseres 80.000 Dollar und das Englische Pferd 20.000 Dollar. Siehe Zeitungsausschnitt hier beigelegt. Sehet wie unser Pferd mit diese 100.000 Dollar voraus ist. Zev war 6 Pferdelängen voraus. Es haben 60.000 Menschen Eintritt bezahlt.

Eine andere Neuigkeit lese ich heute, nämlich das eine Frau Cora Yates gestern zum 14ten mal verheiratet wurde, sie ist nämlich 13 mal von ihren früheren Männern geschieden worden. Das ist doch wohl etwas unerhörtes. Ja das Ehescheiden ist schon ganz an der Tagesordnung, es kommen schon vielleicht etwa 70 % von den abgeschlossenen Ehen zur Ehescheidung, wo soll das hinaus. Die Ehe ist kein heiliger Bund mehr. Natürlich sind unter den Katholiken die Scheidungen nicht so häufig. Ja die Herren Ehescheidungsrichter machen gute Geschäfte.

Ja jetzt weiß ich nicht mehr viel wichtiges zu erwähnen von den ausgewanderten Landsleuten aus dem Kirchspiel Dülmen, besonders aus Mehrfeld. Der Franz Brambrink lebt noch, ist jedoch, wie ich höre stark mit der Gicht behaftet, sodaß er nur noch gehen kann wenn er einen Stuhl vor sich herschiebt.

Theresia Hesker ist noch gesund und es geht ihr mit ihren Kindern gut. Sie wohnt noch in Duelm Minn. Wir bekommen noch jährlich oder auch öfter Briefe von ihr. Von Schultebein und Pläsker weiß ich nicht viel. Die wohnen weit von hier im Staate Oregon und Washington und schreiben nicht. Anton Struffert wohnt noch in St. Cloud Minn., seine Frau soll auch gar kränklich sein. Vom Bernard Espeter weiß ich auch nichts, ich kümmere mich auch nicht um ihn. Die Edelbrocks (Kortgödden) wohnen noch in St. Cloud. Auch der Bernard Winkelmann genannt Rödker wohnt auch noch in Duelm Minn.er wird auch schon sehr hilfsbedürftig. Einer seiner Töchter (zu der ich Taufpate bin) ist diesen letzten Sommer als Benedictiner-Schwester eingekleidet worden. Sie ist in einem Kloster in St. Josepf Minn. nicht weit von St. Cloud.

Habe dem Bernard Winkelmann genannt Rödker das Börnste–Buch zum lesen geschickt. Jetzt kann er lesen wie sein Vorfahre (Schomaker) als Hexenmeister verbrannt wurde.

Jetzt muß ich doch mal fragen, wie es eure Kinder und dich lieber Wilhelm mit dem Karten–Kunststück gegangen ist. Habet ihr es zu Stande gebracht, sollte es noch an etwas fehlen, so nur gefragt, ich werde es euch erklären so gut wie es mir möglich ist.

Wir haben auch wieder Abreißkalender machen lassen. Ich werde gelegentlich welche schicken, das heißt, wenn es nicht wieder vergessen wird. Thie.

Ich zeige meinen Freunden recht oft die Bilder von eurem Hause, bin nämlich stolz darauf, daß ich den Leuten zeigen kann, daß ich nicht im Hünerstall groß gezogen worden bin. Ich sage ihnen auch wohl, daß das Haus damals noch nicht in so einem guten Zustand war als es jetzt aussieht. Ich sage ihnen, daß es auf die selben Fundamente aufgebaut worden ist und ruht.

Wenn ich aber nun sage daß es ein Haus ist, wo die Leute mit dem Vieh unter einem Dach wohnen, dann werden oft große Augen gemacht. Dann wird das Staunen immer größer wenn ich von dem Nebenhaus spreche und ihnen sage, daß darin die Bäckerei ist, wo der Teich mit den Füßen geknetet wird. Da möchte manch ein Zuhörer der Appetit versagen ha ha ha. Bitte bitte, daß macht nichts ha ha ha.  Fein oder grob, schmecken tut es doch.

Jule mit der Spule mit der fut, fut, fut. Ha ha ha. Habt ihr das schon wohl mal gehört?

Wenn da auch ein wenig gelacht wird, das kümmert mich nicht. Ich sage des öfteren, daß ich von dem mit den Füßen geknetetem Brot meine roten Backen habe, denn die sind mir bis heute geblieben. Das ist ein gutes Zeugnis, daß das Pumpernickel nicht ungesund gewesen ist.

Jetzt aber wieder die Reihe an dich Wilhelm. Laß du uns nicht wieder so lange warten wie ich es dieses mal aus Versehen getan habe. Schreibe wie es denn eigentlich alles so hergeht in eurer Gegend, und ob die Franzosen so nahe sind, daß sie euch auch belästigen.

Ein größeres gehässiges und rachsüchtiges Volk gibt es wohl nicht auf dieser großen Welt. Aber ihre Geburten sind weniger wie ihre Todesfälle und das ist nicht gut für weitere Kriege.

Gerade jetzt kommt unser Rudolpf von der Entenjagd und bringt 7 dicke Enterichs mit nach wenigen Stunden. Wir haben nämlich einen kleinen Landsee in der Nähe.

Nun zum Schluß die herzlichsten Grüße von allen, Wilhelm, Bertha, Clara, Rudolph und andere, und besonders von dem Onkel, Tante und Cousins hier,

Grüßt auch alle die nach uns fragen.

 

Euer Clemens

 

 

Logan. Colo. den 29. Oct. 1923

 

Mein lieber Wilh. und alle.

 

Heute schneit es hier. Somit will ich die Zeit benutzen, um noch eine kleine Erklärung zu meinem Briefe vom 21. dieses nach zu senden. Zu diesem Zwecke legte ich eine ältere Karte bei, wo ich mit rot den Weg gezeichnet habe in und über die Berge. Ihr seht von Logan zu Fort Morgen, ist hin und zurück derselbe Weg. Diese Karte ist eigentlich ein Wegweiser für Auto’s und sind diese in gelber Farbe. Note wie von Morino nach Brush es so viel im Zickzack geht. Als wir letzten Sommer die Reise zu unserer Farm und Kohlengrube machten, sind wir von Ft. Morgen gerade aus weiter, vorbei an Estes Park nach Granby gefahren. Von Granby weiter nach Kemling, wo wir 260 Meilen diesen Tag zurückgelegt hatten und kamen da um 7 Uhr abends an. Es würde dieses in gerader Linie nicht so weit sein, aber weil es in die Berge so oft hin und her geht und an den Seiten derselben mach es den Weg so viel länger. Am nächsten morgen ging es dann weiter nach Toponas, wo wir unsere 2 ½ Meilen von da gelegene Farm in Ansicht nahmen, und unseren Pächter in der Gegend wohnend besuchten, wo wir Mittag machten, und dann nach unsere Kohlemiene (etwa 35 Meilen) machten. Am nächsten Tage fuhren wir bis Steamboat Springs, welches der County Sitz ist, wo ich etwas in Ordnung zu machen hatte wegen der teilweise Berieselung meiner Farm und Steuern, die sich nach der Berieselung richten, zu dem Teil, der berieselt werden kann.

Von da wieder zurück zur Kohlemiene. Und kamen bis nach Jampa, wo es gegen Abend so heftig zu regnen anfing, daß wir da Einkehren mußten für die Nacht. Obschon wir ein gutes Verdeck über dem Auto haben, mußten wir doch der Wege wegen bleiben, aber eines ist gut hier, daß es sehr schnell abtrocknet und sind die Wege so eingerichtet, daß das Wasser leicht ablaufen kann.

Am nächsten morgen ging es weiter an Toponas vorbei wieder Granby, wo wir den anderen Weg aufnahmen, um über die Berthod Höhe, zwischen Frazer und Empire weiter über Idaho Springs und Gelden nach Denver zu kommen, wo wir übernachteten. Und weil es Sonntag geworden war, dort in die Kirche zu gehen und fuhren wir am Nachmittag an Ft. Lupton, Hudson, Ft. Morgen vorbei nach Logen zu, wo wir abends wieder ankamen.

Jetzt auf dieser Spritztour meiner Kinder, sind dieselben denselben Weg gefahren, aber gerade umgekehrt, erst über Denver, von da nach Granby vorbei an Grand Lake, wo sie übernachtet blieben, um am nächsten morgen in den schlimmen Schneesturm und böse und gefährliche Wege, bei Estes Park und Gresley und Ft. Morgen wieder nach Hause zu kommen. Bei Estes Park gibt es auch ein Berthod, aber das ist nicht der Berthod Pass. Pass meint Passage. So jetzt werdet Ihr so einen kleinen Bergriff bekommen von diesen Bergen und ihren Wegen, welche höchst interessant sind und auch schön, aber nicht so, wenn es stürmt oder eben im Winter überhaupt.

Die Karte wird Euch auch manches erklären und habe es deshalb auf die Karte geschrieben, daß Ihr es ohne den Brief zu Hand zu nehmen leichter aufsuchen könnt. Hoffe, daß sich die Kinder mehr oder weniger dafür interessieren.

Wenn es nicht zu weitläufig wäre, könnte ich manche Begebenheiten dieser Reisen beschreiben. Besonders zu bewundern ist, daß da so sehr schöne und köstliche Wege gebaut wurden, über diese Berge und in so kurzer Frist, weil eben die Gegend noch gar sehr neu ist.

Das Routt County, ist eine besonders geeignete Landschaft, für Jäger, weil da eben noch gar viel Wild sich aufhält, aber die Hirschjagd dauert nur 3 Tage. Moose oder Clentier oder auch Elk genannt, dürfen gar nicht geschossen werden. Aber Bären, da lese ich gestern gerade, von jemanden der in dieser Gegend auf der Jagd war, daß er einen Bären nur wenige Schritte vor sich sah, aber er hatte geistesgegenwärtig reagiert und legte flink an und im erstem Schuß war dieser zur Strecke gebracht. Er wog, nachdem die Haut ab und sonst ausgenommen war, 225 lb.

Es war dieses wohl ein Wagstück.

Jetzt lesen wir auch, das Versuche gemacht werden, durch Amerika und England, das es zu einer Beratung kommen mag, festzustellen, wie viel Deutschland an Reparation zu zahlen fähig ist. Nun, ich hoffe nur, daß es zu etwas Stabiles kommen wolle, aber die Guten Franzosen lassen sich zu nichts Gutem bewegen.

Ja, ich lese auch, wie es an allen Ecken und Orten in Deutschland Unruhen gibt, aber wohl mehr aus natürlichen Folgen, weil die Leute notgedrungen in Verzweiflung geraten und auch welche aus eigennützigen Gründen. Ja, ja, es ist gar schlimm und es tut mir ungeheuer leid, daß das alte liebe Vaterland so herunter kommen muß.

Ich hoffe, daß Ihr doch noch weniger direkt nicht so viel zu leiden habt, obschon ich wohl denke, daß es an Manchem, was Ihr sonst genießen konntet, jetzt nicht so leicht zu erreichen ist und dann die große Entwertung der Mark. Wer könnte sich solches jemals geträumt haben.

Amerika und England sehen es wohl ein, daß auch sie gar vieles zu leiden und schaden haben wird, wenn Deutschland danieder liegt. Und ist vielleicht der größte Beweggrund, daß es fühlbar wird am eigenem Leibe so zu sagen.

Hoffe nur, daß der liebe Gott es verfügen wird, daß sich bessere Zustände einfinden mögen.

Nun zum Schluß nochmals die besten Grüße und bitte um baldige Antwort um zu wissen, wie es um Euch steht.

Clemens

 

 

Logan. Colo. den 14ten.Nov. 1923

 

Mein Lieber Wilhelm und Alle.

 

Gerade jetzt heute Mittag erhielt ich deinen uns so willkommenen Brief, und lese mit bedauern, das ihr so sehnend nach einen Brief von uns gewartet habet, aber ihr werdet ja wohl die Erklärung in meinem Briefe vom 21. Oct. Respective auch vom 8. Sept., worin ich mein Stillschweigen erklärt habe. Ob nun meine früheren Briefe alle ankommen sein, weis ich ja nicht, habe aber eine teilweise Abschrift eines Briefes an euch mit der Erklärung eingesandt. Wie in diesem Briefe erklärt war, war es meine unabsichtliche Schuld, das der an euch geschriebene Brief nicht ankam, weil ich ihn zur Seite gelegt hatte, als die beiden Mädchen mit Familie hier waren, und vergaß dieselben abzusenden.

Ja ich sehe, habet euch schon auf das schlimmste gefaßt gemacht, aber soweit ist es doch noch nicht gekommen, aber so zu denken unter den Umständen kann ich nicht verdenken, im Gegenteil, es zeigt klar genug, wie ihr euch noch für den Alten Onkel interessiert, und um sein Wohlwollen oder Wohlsein besorgt seid. Ja wenn einer alt wird, kann man einiges vermuten, denn es heißt ja, junge Leute können, und alte Leute müssen sterben.

Heute fühle ich mich gerade ganz gut, aber vor einer Woche bis 10 Tage lang habe ich mich nicht zum besten gefühlt, ich bekam nämlich so Brust-Schmerzen, und Beklemmung im Oberkörper, welches sich über den ganzen Oberkörper und Arme verbreitete, nicht gerade dauernd, aber von Zeit zu Zeit heftiger wurde, hatte so ein ängstlich zitterisches Gefühl. Der Anfang und schlimmste Platz war an beiden Seiten oben in der Brust, etwa Schulter Höhe, von wo, wie gesagt es sich bis in die Handgelenke hinzog. Ich ging zum Doktor, der mich untersuchte und Medikamente verschrieb. In der Nacht von Montag auf Dienstag, konnte ich vor Schmerzen und Beklommenheit wenig schlafen, und ging ich gestern Morgen wieder zum Doktor und verschrieb mehr Medizin, die ich jetzt nehme, und heute fühle ich mich ganz gut. Der Doktor sagte mir es käme von Adern Verhärtung her und würde in kurzer Zeit wohl besser ein, nun ich hoffe es so. Er nannte mir ein Kaufmann hier in Sterling, der dasselbe gehabt habe. Unser Rudolph, der ja so viel im Lazarett gewesen ist, dachte es seien die Lungenflügel, aber der Dr. sagte nein, er untersuchte dieselben zum 2ten Male, und dann sagte er, daß ich deswegen noch lange leben könnte, er lies mich tief atmen, welches mir nicht die kleinste Mühe machte, somit hoffe ich desto mehr auf noch längere Gesundheit. Ich danke auch für eure Besorgtheit um den alten Onkel. Ich finde auch, das ich den Begleitungs-Brief des Paketes am 5 ten July an euch schrieb, welchen ihr doch wohl erhalten habet.

Es wundert mich, das da verschiedene Waisenfreund Nummern nicht rechtzeitig und welche sogar gar nicht übergekommen sind, werde es der Waisenfreund –Redaktion wissen lassen.

Es ist mir leid zu erfahren, das ihr die Karten, ein Vollständiges Spiel bei euch nicht erhalten könnet, ich meine, die waren zu meiner Zeit schon zu haben, aber in Dülmen wohl nicht, aber dachte nicht daran, das solche heute noch nicht einmal zu haben wären. Hier bekommt man keine, worin die sieben die Kleinste Nummer ist, denn alle fangen mit 1 oder As an, und dann 2-3 U. weiter, welche ja alle zu manchen Spielen nötig sind. Werde welche schicken, somit ihr das Kunststück ausführen könnt. Hättest du es nur zur Zeit deiner Karte erwähnt, würden sie schon längst gesandt sein. Hier will ich nochmals sagen, wenn ihr etwas nicht recht versteht, so nur gefragt, so will ich probieren es zu erklären.

Nochmals zum Waisenfreund: Du sagst, würdest es wohl im Waisenfreund gelesen haben, wenn ich etwa schon tot wäre, aber dazu will ich sagen, das du dich nicht ganz sicher darauf verlassen kannst, denn das liegt wohl daran, ob er von hier darüber berichtet würde. Wenn ihm das von hier nicht mitgeteilt würde, würde er nichts darüber berichten, und das berichten von hier, würde vielleicht nicht geschehen, weil eben meine Familie das deutsch Schreiben nicht können,, und auch lesen können die den Waisenfreund nicht, aber für mich ist er zu sehr interessant, als das ich das Blättchen aufgeben würde.

Es freut mich ungemein, zu wissen, daß ihr noch genug gut zu essen habet, denn etwa Hunger zu leiden wäre je doch zu schlimm, und wollen wir wenigstens hoffen, das euch die Franzmänner wenigstens vom Leibe bleiben, aber die armen Leute am Rhein und Ruhr haben zu viel zu leiden.

Hoffe, das die absichtliche Ratsversammlung etwas dazu beitragen wird, um Erleichterung zu geben für das arme Deutschland, aber das hartnäckige Frankreich wird nichts zugeben, was ihr nicht in ihren Kram passt.

Mit eurem Geldmarkt oder den Werth der Marken ist noch wahrhaftig mehr als lächerlich, ja ein Unsinn ist es, und was soll draus werden? Es kann doch so nicht bleiben, die sind ja nicht wert, daß sie zu Papier gesetzt werden, kaum wert den Mund zu Öffnen, sie zu nennen, ich meine einzeln.

Ich habe wirklich laut auflachen müssen, wie ich deine Zahlen von Mark gelesen habe, die ihr für Sachen zahlen musst, doch wieder ist es gar nicht zum Lachen.

Hier in Amerika haben wir auch mit vielen Unsinn zu kämpfen. Die Freimaurer sind jetzt aufs Äußerste daran, die Pfarrschulen zu schließen oder um Gesetze zu bekommen, das alle Kinder nicht im Glauben und was göttlich ist zu lernen. Die Junge Welt wächst nur auf, um Diebe, Räuber und Mörder zu werden, wenigstens hier in Amerika. Es ist sich einer kaum mehr sicher, das nicht irgend eines guten Abends einige sich einfinden, um jemanden einen Revolver vorzuhalten, und einen zwingen, das Geld her zu geben, was sich im Hause befindet. Gar viele Stors, Banken und andere Plätze wo Geld vermuted ist, wird auf diese Weise geraubt. Hier in Denver ist eine U. S. Geldprägerei. Und vor mehreren Monaten als man ein Transport von dort machen wollte, kamen einige Kerls daher, mit geladenen Schießprügel, und nahmen den Wagen in Beschlag, und sind diese mit $ 2000.000.00 Dollars davon gejagt, es wurden einige Schüsse gewechselt, ein Beamter wurde etwas verwundet, und einige Tage nachher wurde ein toter Leichnam in einem Automobil in einem Schuppen gefunden und man glaubt, das dieser einer von den Räubern war, der von den Beamten getroffen war, und in seinem Auto starb, und ließen ihn dort liegen, um das die anderen flüchten konnten.

Wir halten niemals einen große Summe im Hause, und wenn wir Geld brauchen, um Wechsel zu machen, so geben wir den kein Geld heraus, sondern nur eine Anweisung an eine Bank unter dem Vorwande nicht genügend Bar an der Hand zu haben. Ja Amerika ist nicht mehr so wie vor 50 Jahren.

Jetzt hat sich seit einigen Jahren ein Complot gebildet, welcher sich Ku Klux Klan nennen, die gehen einfach bei, wenn sie jemanden haben, der ihnen nicht gefällt, schreiben sie den Betreffenden einen Brief, das er in einen gewissen Zeitraum, vielleicht eine Woche oder zwei sich aus seinem Hause und Stadt entfernen muss, sonst geht es ihm schlecht. Wenn so einer nun nicht geht, so fallen sie bei Gelegenheit über ihn her, fahren ab mit ihm an einem entlegenen Ort und verhauen oder verpeitschen ihn auf die gräßlichste Weise und manche sind schon getötet worden. Bei dieser Arbeit tun sich die guten Kerle einen Maske vorbinden, somit sie möchten nicht erkannt werden. Sie geben zum Vorwand, das sie solche Übeltäter oder Gesetzesübertreter auf diesem Wege bestrafen wollen, die vielleicht nicht auf gesetzlichem Wege zur Strafe gebracht werden können, weil es an genügenden Zeugen oder sonst was fehlt, aber das meiste ist, wenn sie etwas gegen jemanden im Schädel führen. Es sind schon welche gemartert worden, was für gute Leute gehalten wurden, und das man nichts gegen sie aufweisen kann, als das es Katholiken waren. Katholiken, Juden und welch Andere, sind auch ausgeschlossen, dieser Gesellschaft beizutreten. Diese Kerle sind schon in großer Anzahl, und über die ganzen Vereinigten Staaten vertreten.

Was noch aus dem werden soll, ist abzuwarten. Vielleicht werden sie sich doch mit der Zeit in nichts vergehen, wie auch vor mehreren Jahren eine Bande, die sich in abgekürzter Weise A. P. A. nannten, wo man jetzt wenig oder gar nichts mehr von zu hören bekommt.

Anständige Leute sind nicht mit diesen Ku Klux Klan, auch die Regierung wollen nicht mit ihnen sein. Sie rechnen sich als ein unsichtbares Reich, weil sie sich versteckt halten und ihre Wirtschaft bei Macht betreiben. Alles dieses Unkraut so zu nennen, sind sich alle einig, gegen die katholische Kirche. Nur Gott weis auch, in wie weit sie es zu treiben zugelassen werden.

So ist denn alles ein großer Streit in dieser Welt, und wer den Sieg am Ende des Lebens davon trägt, kann sich glücklich schätzen.

Wer auf Gott vertraut, hat auf festem Grund gebaut, hoffen wir fürs Beste.

Wetter und Ernte sind in diesem Jahre hier sehr gut gewesen, und ist benahe alles eingeheimst. Mit den Zuckerrüben ist es etwas spät geworden, werden aber diese oder nächste Woche gewiss fertig damit, denn hier ist nur der Mais (hier Korn genant) von den Feldfrüchten allein noch übrig, welcher den ganzen Winter hindurch noch gesammelt werden kann.

Saget dem Joseph nur, das es mich freut, jemand in ihm zu wissen, der sich für mich oder uns beten will, und unseren besten Dank dafür.

Die Gertrud Hunck, (Frau Esselmann) ist letzten Sommer gestorben, ich weis nicht genau die Zeit, weil ich höre, das die Nachricht, die man uns geschickt hat nicht bei uns angekommen ist. Somit sind nun alle meine Blutsverwandten hier in Amerika tot, mit Ausnahme unserer Kinder und der Karoline Bickert ihre Kinder.

Nun will ich schließen, habet ja doch kürzlich wohl genügend von hier gehört, um etwa das Versäumte nachzuholen, also mit Gott und viele Grüsse an euch alle und alle die nach uns fragen

von eurem Clemens.

 

 

Logan. Colo. den 12ten Jan. 1924

 

Meine Lieben daheim.

 

Ich habe gewartet, ein Brieflein von Euch zu bekommen zu den gerade verflossenen Feiertage, aber da soweit nichts eingetroffen ist, so will ich noch mal einige Zeilen hinüber senden.

Ich verarge es Euch aber keineswegs, dass Du, lieber Wilh. nicht schreibst, denn um etwa 30 Millionen Mark für ein Briefporto zu zahlen, lohnt es sich gewiss nicht zu schreiben.

Soweit kann ich von uns sagen, dass wir alle gesund sind und wünschen dasselbe von Euch allen und wir hoffen, dass Ihr einen fröhlichen Weihnachtsabend und glückseliges Neujahr haben werdet. Besonders wünschen wir, dass Ihr möchtet Erleichterung von den schrecklichen Franzosen Bedrückung erfahrt, ABER vielleicht wird es eher schlimmer als besser, denn auf französische Barmherzigkeit wird schlecht zu warten sein.

Wie ist es den direkt bei Euch? Habt Ihr auch schon Belästigungen erfahren müssen, von diesen Unmenschen, die ja doch in bedrohlicher Nähe sind? Vielleicht habt Ihr auch Anfechtungen von Deutschen selbst aus den Städten, wo der Hunger gar groß sein mag. Und wie man sagt, Not bricht Eisen, so weiß man ja nicht was geschehen könnte oder möchte.

Selbst der Papst bemüht sich und bittet hier in Amerika den Notleidenden in Deutschland Hilfe zu kommen zu lassen. Ich habe schon vor kurzer Zeit ein Sümmchen beigesteuert und kürzlich hat er um Kleider angefragt. Soweit hatte ich noch nichts gehört, wo man solche hinschicken könnte, aber gerade heute lese ich von einer Adresse in New York, wo solche Kleider hinzuschicken sind. So werde ich welche einpacken um wenigstens in etwa zu helfen.

Um das Ihr keine Millionen oder Milliarden für einen Brief an uns zu zahlen braucht, lege ich hier 2 Zettel bei, die Du gebrauchen kannst, für Porto für einen gewöhnlichen Brief an uns. Wenn ich es recht verstehe, wird Euer Postamt in Dülmen einen Brief dafür frankieren zu uns. Diese sind aber nur gültig für 6 Monate nach dem 26ten Dez. also nach dem 26ten Juni nicht mehr gebräuchlich.

Am 17ten Nov. Habe ich ein Paket von 22 lb. An Euch abgesandt. Habt Ihr es gut erhalten? Man kann jetzt 22 lb. In einem Paket schicken, somit sandte ich 11# Kaffee, 10 Päckchen Schokolade, 1 Kännchen Grapfruit, 1 Kännchen Süsses (Candy) 10# Candy 2 Deck Karten und 2 Äpfel, Hatte aber vergessen, dass Paket als eine freie Gabe zu bezeichnen, somit habt Ihr wohlmöglich noch Zollgeld zahlen müssen. Es tut mir leid, dass ich es vergaß.

Nun zum Schluß die herzlichsten Grüße von uns allen und die innigsten Wünsche für Erleichterung des Franzosen Joches.

Euer Clemens

 

Zulage zu meinem Briefe vom 12ten Jan. 24. an Wilhelm.

 

Logan Colo. Jan den 17ten 24. „ANOTONIUS-FEST“

 

Gerade als ich vorgestern den beiliegenden Brief an Euch dem Briefträger geben wollte, erspähte ich einen Brief von euch, so habe ich denselben angehalten um auch gleich auf denselben zu antworten. Ja, dass es uns eben so eine Freude war wie Euch, ein Brieflein von der alten Heimat zubekommen brauche ich wohl kaum erwähnen.

Da ich nun sehe, dass das Paket noch nicht angekommen war, bin ich wohl ein wenig besorgt um dasselbe, das es möchte verloren oder gestohlen sein in der Unmasse der Pakete, die von hier gesandt werden.

Ich danke Euch recht herzlich für all die Besorgnis und Güte, die Du in Deinem Briefe kund tust. Und wenn es passieren sollte, dass ich abberufen werden, so werdet Ihr wohl doch Nachricht bekommen, aber um das weitere Schreiben würde es sich wohl schlecht stellen, weil die nicht deutsch schreiben und Ihr nicht englisch lesen könnt. Und gar wenige bei Euch zu finden waren, die es lesen könnten, weil zum deutsch schreiben hier noch eher welche zu finden wären. Zwar hier auch nicht so viele, aber in Minn wären wohl viele zu finden. Wenn ich jedoch so bleibe wie ich jetzt noch fühle, so könnte das ja noch längere Zeit auf sich warten lassen.

Du fragst, ob ich dem Herrn Bielefeld geschrieben habe und lege die Abschrift meines Briefes an ihm hier bei.

Auch ich habe nie etwas davon gehört, dass der Name Schultebein mit dem Sommer Namen verbunden wäre. Es mag aber ja so sein, wie Du sagst, aber wenn auch vielleicht Hr. sein Großvater ein schult. Gewesen wäre, hätte ich doch schon wohl mal davon gehört.

Ich habe um weihnachten einen Brief von Hr. Schultebein aus dem Staate Oregon erhalten. Sublimity ist der Name des Ortes, wo er wohnt. Er sagt, sie seien noch alle gesund, jedoch sei seine Frau 3 Jahre krank gewesen, sei aber jetzt wieder gut. Sie hätten 4 Kinder, 2 verheiratet und 2 noch ledig. Von Ant. Pläsker haben wir nicht gehört, obschon ich ihnen einen Weihnachtsgruß gesandt habe.

Es freut mich, dass wenigstens eine Änderung in Eure Geldwerte eingetreten ist. Es war ja doch ganz und gar ins Lächerliche geraten, denke doch 30 Millionen Mark für ein Briefporto zu zahlen. Jetzt sehe ich zwei 10 Marken aufgeklebt, was das aber für 10ner sind, daß weiß ich nicht, auch verstehe ich nicht, was 1 Guck ist, den Du mit Deinen Preisangaben erwähnt hast.

Es freut mich zu wissen, daß Ihr keine direkte Gefahr habt von den Franzosen belästigt zu werden, aber das Stehlen und Rauben könnte noch schlimmer werden. Du schreibst aber, daß es Euch mit dem Stehlen soweit noch gut gegangen wäre. Ich habe den Brief nun gestern laut vorgelesen für meine Frau und Rudolph. Die Frau versteht ja das Deutsche ganz gut, wenn ich es lese, und der Rudolph auch wohl. Dabei nun machte der Rudolph seinen Witz über, wenn ich las, daß es Euch soweit mit dem Stehlen noch gut gegangen sei, da frug er, daß täte doch gewiß meinen, daß Ihr soweit noch nicht dabei abgefasst worden wäret. Scherzweise natürlich sagte er das, aber es könnte möglicherweise wohl so gedeutet werden, ha, ha.

Ja man muß Geduld haben und mit der Zeit wird auch die Wende noch wohl kommen, wo Du von schreibst, daß das Unterliegen umgeht. Aber es wird noch wohl eine geraume Zeit in Anspruch nehmen, nach menschlicher Berechnung.

Hoffentlich wird das Paket angekommen sein, eher Ihr dieses bekommt, aber wenn nicht, so werde ich es versuchen, ein Spiel Karten allein für sich abzuschicken. Es freut mich doch auch zu wissen, daß Ihr wenigstens nicht um das Notwendige bedürftig seid, und habe auch wohl deshalb, diese Sachen nicht geschickt, aber weil doch ein guter Kaffee rar war, so dachte ich, daß Ihr doch wenigstens etwas Gutes in dieser Beziehung genießen möchtet.

Es ist uns allen höchst leid, daß wir die Erfahrung machen mussten, daß mein Neffe B. Bontrup so plötzlich abberufen wurde, war ja doch noch nicht so alt, aber der eine früh der andere spät. Bitte die Frau Elisabeth von unserer tiefsten Trauer & Beileid in Kenntnis zu setzen und wollen wir seiner uns im Gebete erinnern, denn das ist nur noch das Einzige was uns übrig ist für ihn zu tun. Gott gebe ihm die ewige  „RUHE“.

Vor einigen Wochen bekamen wir zwei Büchlein über das Leben der gottseligen Katharina Emmerich, eins in Deutsch und eines in Englischer Sprache vom Priester Franz Hunkemöller zugesandt aus St. Mainrad Abtei Indiana. Ich dachte oder wusste nicht, daß der noch hier im Lande war. Er schickte die Büchlein nur aus dem Grunde, uns eine Bitte für Unterstützung der Auslagen der Kosten der Heiligsprechung beizusteuern. Dieses möchten wir nun auch noch gerne tun, wenn ich nur sicher wäre, daß es für die gerechte Seite der Sache verwandt würde, denn wie Du mal geschrieben hast, war da ja Verdacht, daß er mehr für Coesfeld als für Dülmen sich ins Geschirr lege, und darüber möchte ich sofort erfahren, was Ihr wohl dazu sagen könntet bei dieser Zeit.

Nun sehe ich auch, daß schon der letzte Veteran des 1870er Krieges der Merfelder abberufen wurde und ich nur noch als der Ausländer allein noch übrig bin, wozu ich durch Gottes Gnaden, die Ehre habe. Ja, wir haben damals den Ausgang des Krieges für Deutschland besser ausgeführt, als es jetzt geschehen ist, aber damals hatten wir auch kein Amerika zu besiegen, ha, ha.

Wären die Amerikaner auch jetzt nur zu Hause geblieben, aber soviel kann ich doch sagen, daß von mir und die Meinigen, keinen Furz gelüftet worden ist, nicht einmal in Gedanken, auch nur noch das geringste zu tun, um diesen Unsinn herbeizuführen.

Du schreibst von Eurem milden Winter. Auch hier haben wir es wohl so gehabt bis nach Weihnachten, da fing es aber an gar kalt zu werden und obschon es hier auch nicht so gar kalt war, sind in den kälteren Gegenden wie Minn, Dakota, Montane Wis. Michagan, Iowa und Illionois, gar mehrere tot gefroren.

Nun muß ich aber auch noch über den Brief der Antonia sagen, daß wir denselben mit großem Interesse gelesen und haben uns gefreut, daß die da so einen schönen Nikolaus gefeiert haben. Mit so vielem Spaß, ja solches macht den Kinderherzen wohlfühlend. Auch sehe ich, daß auch sie sich noch für den Onkel in Amerika interessiert und nach ihm fragt. Es freut uns allen, daß es ihr da auch so gut gefällt und wie es da so hergeht, wissen wir ja noch gar gut aus der Maria ihnen Briefen von da.

Ja jetzt muß ich meine Litanei auch mal zum Schluß kommen lassen und somit bitte, nehmt unseren allen besten Grüße und Wünsche aus wohlgemeintem Herzen entgegen und warten wir auf baldige Antwort, auch einen besondern Gruß an die Toni und bis wenn ist denn ihre Zeit dort um?

Euer Clemens

 

 

Royalton, Minn. den 18 März 1924

 

Liebe Verwandten.

Da mir der Vater schon so oft geschrieben hat daß ihr doch gerne von mir hören wollten, so will ich es einmahl versuchen ob ich es auch noch fertig bringen kann einen deutschen Brief zu schreiben. Ja wenn ich auch nicht geschrieben habe so dachte ich sehr oft an Euch überhaupt die letzten Jahre, und gewundert wie es bei Euch geht Es scheint sehr Traurig aus da drüben, aber wir wollen hoffen und beten daß der Liebe Gott doch bald helfen wird daß die Franzosen zum Verstand kommen  denn Deutschland würde sich bald wieder auf machen wenn es in Ruhe gelassen wird. Wie geht es denn bei Euch, hoffentlich erfreut ihr alle gute Gesundheit, welches ich auch von mir berichten kann, auch der Herr Pfarrer für denn ich die Haushaltung führ ist recht gesund daß heist augenblicklich den er leidet an Gallenstein die öfters grosse Schmerzen verursachen.

Daß Wetter war hier dießen Winter sehr milde fast keinen Schnee, und die letzten zwei Monaten war es gerade wie im Frühjahr

Die Kinder müßen schon alle heran gewachsen sein. Wie gerne möchte ich noch einmal zu Besuche nach Deutschland reißen aber daram ist nicht zu denken, ich möchte Euch alle nur zu gerne wieder sehen. Ja! es sind schon 24 Jahre seid daß mir drüben waren, wie doch die Zeit vergeht. Ich denke noch oft an die Guten Zeiten die ich dort verbracht habe, aber wie ist jetzt alles verändert damals hatte ich nicht gedacht daß ich jehmals eine Phahr­rerköchin würde, aber mir gefällt es sehr gut, es wird jetzt im April 12 Jahren daß ich die Stelle angenommen habe. Einliegend ein Bild von ihm, er ist drei Jahr zurück vom hl. Vater zum Haus Prelaten erhöht worden als Dank für die viele Arbeit die er für die Diöcese gethan hat.

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Logan. Colo. den 1ten April 1924

 

Lieber Wilhelm und Johanna, nebst Kinder.

 

Euren uns so lieben Brief vom 24. ........ zur Zeit erhalten und auch etwa 10 Tage später kamen der Emmericher Kalender mit dem Dülmener Anzeiger und auch deren Festgabe und habe schon alles durchgestöbert, natürlich ein wenig in der Eile.

Sollte es eigentlich mit mehr nachdenken lesen, aber dazu wird man auch so gar oft gestört, aber abends nehme ich es mehr ruhig, ja einmal war es 2 Uhr morgens geworden. Es ist mir alles von sehr großem Interesse und ich wunder mich nur, daß man nicht früher mehr davon gehört oder erfahren hat. Ich weiß wohl, die alten Ruinen dort mit Efeu überwachsenen Mauerzeug gesehen zu haben. Man konnte das ja von der Lüdinghauser Straße aus sehen, aber besucht habe ich den Platz wohl nie. Weiß auch, daß sie in dem Hause neben Havixbeck (Limberg) gestorben ist und das ist bald alles was ich persönlich von der Juffer Emmerich weiß oder zur Zeit erfahren habe. Nicht habe ich etwas gar besonders über sie gehört, als ich nachdem 2ten mal da gewesen bin. Werde doch noch $ 5,00 dazu beitragen, um das die Kosten zu decken in etwas helfen möchte.

Hoffe nur, daß die Heiligsprechung nicht mehr so gar lange auf sich warten brauch. Ich lese da viel über den Dr. Wesener, da glaubte ich erst, denselben gekannt zu haben, irrte mich aber, denn später las ich, daß dieser Dr. Wesener schon vor meiner Zeit verstorben ist und den ich gekannt habe war wohl dessen Sohn. Dieser, wie ich es mir ganz gut erinnere, haben wir mal eines abends spät zu meinem Vater gerufen, als der krank war und unter anderem sagte er, ja du stirbst noch nicht diesmal. Ich gebe dir noch 20 Jahr Zeit. Aber wie er Wort gehalten hat, das weiß ich nicht mehr.

Ich habe dem Rudolph es wohl erklärt, was Du sagtest, wessen Sohn er sei. Aber über den Lampenhaken konnte ich ihm nicht viel wichtiges erklären, denn in Wirklichkeit ist das ja wenig, aber unsere Plattdeutsche Bedeutung macht wohl mehr daraus, als es wirklich ist. Das Ihr mit dem Stehlen noch soweit gut weggekommen wärt, könnte man ja absolut wohl so verstehen, aber gemeint hat er es ja gewiss nicht, es war ja nur ein Scherz, oder nur ein Lampenhakenstreich. ....Darum gewiss keine Feindschaft, nee dat doch nicht.

Die Emmerick-Feier muß eine großartige gewesen sein. Und Du sagst, Du hast gebetet vor dem großen Kreuz auf dem kleinen Tisch. Wo war nun der Tisch mit dem großem Kreuz, beim Emmerick Haus, wo die Sterbestube eingebaut ist, oder neben Havixbeck auf der Neustraße, wo sie gestorben ist, in dem Hause nebenan wie ich es immer gehört habe?

Du sagst über die Erwartung für morgen der Briefmarken nach Amerika da wirst du wohl nicht so viele Briefe schreiben brauche, denke die waren nur für 2 Briefe gut.

Habe mich sehr erstaunt über die lange Liste der im Krieg Gefallenen, so circa 335. Die Hälfte davon wäre eine große Zahl. Die Zahl für Merfeld ist nicht so groß im Verhältnis zu Dülmen. Viele der Namen sind mir wohl bekannt, natürlich den Namen nach bloß.

Was uns angeht, so sind wir noch alle gesund und hoffen, selbiges von Euch allen. Zum Schreiben haben wir nicht viel Zeit übrig gehabt. Haben im Keller einen neuen Zementfußboden eingelegt, so ungefähr 38 x 68 Fuß groß nebst sonstigen Verbesserungen und Anbau am Hühnerstall, somit seht Ihr, daß wir hier auch bauen, ha, ha. Die Mama hat 35 Hühner und 5 sind am Brüten.

Vor einem Monat haben wir 2 Wochen Mission gehabt hier in Sterling in unserer hl Antonis Kirche. Gehalten von 4 Franziskaner Pater. Die erste Woche war die deutsch sprechende und die 2te Woche für die engl. Sprechende, 2 deutsche Patres zuerst und dann 2 irländische Patres für die 2te Woche.

Morgens war die erste hl. Messe mit Predigt um 6 Uhr und abends war um 19.30 Uhr die 2. Predigt, Rosenkranz und Segen. Ja, wir mussten morgens um 5 Uhr heraus, denn es nimmt ungefähr eine ½ Stunde hin zu fahren, aber die Wege waren gut. Wir haben keine von den Andachten vermisst, bloß eine hl. Messe mit Predigt war auch um 9 Uhr, aber das war ungefähr dieselbe Predigt, als früh morgens, wo solche hingingen, die des Tages arbeiten mussten und wir konnten ja auch über Tages nicht dort sein.

Ja heute kommt die eine Tochter wieder nach Hause und die andere geht denn wieder nach Freckenhorst ei Ostern und Johanna wir hoffen, daß es Dir so gut dort gehen wird wie den anderen beide.

Mit den Franzosen geht es ja wohl ein wenig gelinder und wird sich hoffentlich allmählich verlieren.

Das Wetter ist soei8t noch immer etwas winterlich gewesen, aber heute scheint es anders werden zu wollen.

Ja dieses  Frühjahr kann ich mein 50jähriges Jubiläum feiern von meiner ersten Ankunft in New York, 13ten May. Ja, werden uns wohl ein Gläschen Bier munden lassen, wenn man nur was haben könnte. Jso  Duj. Amerika ist nicht mehr wie damals.

Heute werden von hier 4 Briefe nach Deutschland abgehen, nämlich an Franz Marshall. Overhage, Bontrup und dieser für Euch. Dachte ich müßte mal einmal an alle schreiben. Wer weiß, ob es nicht das letzte mal sein könnte. Ich fühle zwar heute noch nicht so, aber das Alter ist da und alte Leute müssen sterben.

Unser Wilhelm will sich jetzt auf die Farm begeben. Wir haben ihm 160 Acker Land verkauft im N. W.Teil dieses Staates, nicht weit von unseren Kohlengruben. Er ist das Reisen müde und findet sich nicht immer Plätze dafür und in der Stadt ohne Verdienst zu wohnen kostet gar zu viel. Ob er nun Glück und Zufriedenheit hiermit haben wird, muß die Zeit lehren.

In gerader Richtung sind es ungefähr 150 Meilen von hier, aber wie man fahren muß, über und um die Berge herum, sind es wohl 250 Meilen von hier.

Ich und Rudolph und ein Nachbar waren letzten Monat dorthin, über Auto und hatten wir eine angenehme Fahrt. Und später, als Bertha und Klara hier waren mit Kinder und der Junge Wesselmann, haben die auch noch mal eine Vergnügungsfahrt dort durch die Gebirge gemacht. Und Wilhelm mit denen, aber sind nicht bis zu der Farm gekommen, weil ihnen das Unwetter in den Bergen überrascht hat und beinahe eingeschneit wären, alle haben sich auf den Rudolph verlassen, wie er ein besonders guter Autolenker ist. Diese Vergnügungsreise war bald zu einer beängstigenden Reise geworden. Das erste, was Bertha schon beim Aussteigen sagte war, „Ja, nie wieder!“

Für diesmal muß ich schließen unter vielen Grüßen von uns allen an Euch alle.

Baldige Antwort erwartet Euer Onkel

Clemens

 

 

Logan. Colo. den 30ten Sep 1924

 

Lieber Wilhelm & Familie.

 

Na also, noch am leben. Wollte schon herüber kommen, um zu sehen, ob ich nicht als alleiniger Erbe fungieren könne, im Fall, daß Ihr alle auf einmal das Zeitliche gesegnet hättet. Nun bin ich und all die meinigen aber doch gar froh, daß solches denn doch nicht der Fall ist. Aber Spaß bei Seite. Du warst sehr glücklich beim Unglück, daß Du nicht den Hals gebrochen hast. Denn bei so einen unerwarteten Fall könnte einem ja irgendwas passieren. Wir wollen Dank sagen dem es gebührt, daß es nicht schlimmer war und dieses, obschon recht empfindlich, wird mit der Zeit wohl zurecht kommen.

Hast Du nicht an Deinen Onkel oder Vater genannt, gedacht, daß es Dir auch so gehen möchte, d. h. im Anfange?

Nun, Deinen so lang ersehnten Brief vom 30. Aug. kam hier am 27ten Sep. erst an. Und um Euch zu zeigen, daß ich doch nicht so böse bin, was Du Deinem Briefe gemäß befürchtest, daß ich nicht bald antworten würde. Ja, man muß nicht immer gleiches mit gleichem vergelten und unter den vorgefallenen Umständen müsste ich mich ja schämen, darüber böse sein zu wollen. Aber, Du hättest doch unter den Umständen wohl eines von Euren Kindern dazu veranlassen können, uns wenigstens von dem Vorgefallenem in Kenntnis zu setzen. Ich konnte mir doch eben gar nicht denken, was die Ursache des langen Stillschweigens wohl sein könnte.

Nun ist es aber auch wohl an mir die Reihe, um mich zu entschuldigen, daß wir Euch zu Eurer silbernen Hochzeit nicht einmal so weit gedacht haben, um Euch ein kleines Gratulationsschreiben zukommen zu lassen. Zur Entschuldigung kann ich nur sagen, daß ich ganz vergessen hatte, das Du es schon im letzten Herbst flüchtig erwähnt hattest, daß Ihr im Juni die silberne Hochzeit feiern könntet. Aber das die Feier stattfinden sollte und an welchem Tage war wohl nicht gesagt, und das ich das gesagte ganz vergessen hatte, geht ja auch wohl aus meinem Briefe an Franz Marschall hervor, den Du vielleicht gelesen hat. Hier also könnten wir denn wohl mal gleiches mit gleichem vergelten und mit dem Vorsatz, daß solches nicht wieder vorkommen soll.

Nun möchte ich aber noch fragen, warum setzt man sich denn bei so einem Fuhrwerk quer auf’s Pferd? Ich meine, es wäre doch für den Körper viel mehr bequemer, sich einen Sitz auf den Karren zu bereiten, als da auf dem schaukeligem Gaule zu sitzen, was?

Jetzt mal weiter zur eigentlichen Antwort. Mehrere Stellen aus Deinem Briefe, und ist es uns auch sehr leid, daß Deine Johanna nochmals wieder mit ihren Füssen zu leiden hat. Aber freut uns auch zu wissen, dass es besser wird. Was uns angeht, so sind wir im allgemeinen auch noch gesund, jedoch meine Frau ihr Befinden, lässt auch zu wünschen übrig. Sie leidet ziemlich viel an Magenbeschwerden, welches einen gichtlichen Ursprung haben soll. Sie ist jetzt seit einigen Wochen in ärztlicher Behandlung, wo sie 3 mal in der Woche hingeht. Dieses (eine Doktorin) bedient sich keiner Medizin, sondern wendet ihre Kunst an mehr durch Reibungen, welches man hier Chiropractic treatments nennt, und sie meint , daß es ihr hilft. Nun wir wollen hoffen.

Ich selbst fühle auch, daß das Alter heranrückt. Ich leide an, was man hier Nuritis nennt, soll auch gichtlichen Ursprung haben. Ich bekomme das so bei gewissen Zeiten, meistens morgens oder bei schwerem Heben oder bei Aufregungen. Da fängt es an mir wehe zu tun in der Brust dann zieht es nach beiden Seiten zu den schultern hin und den Armen entlang in das Handgelenk bis zur Hand. Das macht einen gar ängstlich und beklommenes Schmerzgefühl, das es mir schwer wird zu sprechen. Dann muß ich alles aufhören und mich ruhig hinsetzen, so wird es allmählich wieder besser und ich fühle mich dann wieder so gut wie immer. Manchmal ist alles in 10 – 15 Minuten vorüber. Aber auch hier und da läuft mir das Speichelwasser aus dem Munde, bis manchmal gar zum Erbrechen. Aber Ruhe bringt alles nach nicht zu langer Zeit wieder in Ordnung. Habe auch schon gedoktort. Der sagte mir, daß es wohl besser würde, aber es täte oft lange nehmen. Ja, wenn das Alter da ist, so gibt es das eine oder das andere bis das Ende kommt.

Das Essen schmeckt mir sonst noch gar gut und bin gesund bis auf dieses und bis mal was anderes dazu sich gesellt.

Letzten Sommer ist mein Schwager Bernard Esselmann gestorben. Es war meiner Frau Halbbruder. Der hat sich mit einem Frachtauto beschäftigt und da wollte der Engine?? nicht einsetzen, da hat er gedreht und gedreht bis er ermüdet und stark geschwitzt war, und musste er so 6 Meilen weit zu einem Fachkenner schicken, wo er mittlerweile sich etwas ausgeruht hat. Hat sich dabei aber erkältet, welches sich zu einer Lungenentzündung gestaltete und war in etwa 10 Tagen eine Leiche.

Meine Frau ist hin zum Begräbnis gewesen und nachdem sie Freunde und Verwandte dort herum besucht hatte (etwa eine Woche) da ist sie weiter gereist nach Minnesota Und hat dort unsere Töchter Bertha & Clara besucht, wie auch viele andere Freunde dort in der Umgegend. Und kam sie Anfang Juli wieder hier an. Sie war etwa 6 Wochen fort und hat nebst ihre Trauerfahrt auch gleich eine schöne Besucherreise gemacht. Da mußten ich und der Rudolph allein Store und Haus halten und nebenbei so etwa 150 Hühner versorgen. Kurz nach dieser Reise fing es bei ihr an zu kränkeln.

Wie Euch die Bertha wohl wird geschrieben haben, ist diese noch bei ihrem Pfarrer, jetzt den Titel Monsinior führend oder Monsignore heißt es wohl. Die Clara hat 3 Kinder und erwartet das 4te. Alle sind gesund, bloß das zweite Mädchen ist ziemlich krank gewesen. Nachdem meine Frau dort war, hatte sie es fast für verloren gegeben, ist aber wieder ganz gesund. Ihren Wesselman hat seine Garage verkauft und ich weiß nicht, was er betreiben will.

Jetzt bitte, empfanget unseren wohlgemeinten herzlichen Glückwunsch zu Eurer gefeierten silbernen Hochzeit und wünschen Euch dazu, noch so lange gesund und wohl zu bleiben um über 25 eitere Jahre die goldene Hochzeit zu feiern.

Es tut mir leid, daß Ihr die schöne Feier (wie Du sagst) so bescheiden abmachen mußtet, wegen der gegenwärtigen Umstände, so wie Geldknappheit etc. und auch das es dem Herrn Dechant Börste so sehr schwer fiel, das hl. Messopfer für Euch darzubringen, welches zu tun er doch Euch zum Gefallen nicht unterlassen wollte.

Wir danken auch herzlich für die Erinnerungen, die Ihr uns bei der Hochzeit habet zu teil werden lassen und hätten gerne mitgetrunken von dem Weinchen, aber etc. Hier ist es leider hart oder fast unmöglich, so etwas zu bekommen. Heute habe ich unsere letzte Flasche Rheinwein geöffnet, weil meine Frau, die so zu sagen gar keine geistigen Getränke trinkt, doch ein Gläschen Wein trinken möchte. Aber es ist leider die letzte Flasche. Ein Quart Kümmel haben wir noch und das ist beinahe alles in dieser Hinsicht. Wenn es bekannt würde bei Gesetzesvollziehern, daß wir es in Besitz hätten, wären wir für etliche Hundert Dollar straffällig und im Gefängnis dazu. Wir halten das für eine Schande in Amerika, aber was kann man machen? Mit der Zeit, so hoffen wir, daß es noch mal wieder anders werde. Es ist die ganze Sache nur eine infame Heuchelei, denn die meisten wollen doch nicht etwa trinken sondern saufen. Der Amerikaner weiß überhaupt nicht zu trinken, bloß Saufen bis er hinfällt.

Ja, jetzt weiß ich auch besser Bescheid von der eingebauten Emmerickstube. Es ist sonderbar, daß man zur Zeit nicht mehr von dieser hl. Jungfer Emmerich in Dülmen gehört oder erfahren hat. Aber da ist das Sprichwort, kein Prophet ist angenehm in seinem Vaterlande. Darum ist auch der Lehrer Elsbernd zu dem Ausspruch gekommen, wie es im Anzeiger steht. Nur im kath. Dülmen und Münsterlande zählt der Emmerick-Bund keine Mitglieder. Hiermit auch besten Dank für die Zusendung der Anzeiger und Führer durch Dülmen. Ja, es gibt viele mir unbekannte Namen in Dülmen.

Du erwähnst von dem Kriege, daß dadurch das Deutschland auf den Hund gekommen ist. Ja, wer hätte solches sich auch nur im geringstem denken mögen, aber wer kann in die Zukunft schauen? Es freut mich, das wahrscheinlich soviel jetzt geschehen ist, daß die Franzosen wieder am Abziehen sind. Und hat es jetzt endlich den Anschein, als ob die Holzklötze endlich einsehen, daß mit Hader und Zwietracht mit ihrer Gewalthaberei etc. nichts gutes herauskommen kann, für sich selbst und andere nicht.

Ich wünsche nur, das Deutschland nicht eher beim Völkerbunde beitreten wird, ehedem sie von der Alleinkriegsschuld sich befreit haben.

Jawohl, wir haben das 50jährige Jubiläum zum Einzug in Amerika recht trocken feiern müssen, ja damals und jetzt. Jetzt ist es in Amerika auch nicht mehr wie damals. Es ist in jedem Verhältnisse schlimmer geworden. Geschäfte sind nicht mehr so gut zu machen und in moralischem Wege geht es mit Riesenschritten herunter. Mann kann keine Zeitung mehr in die Hand bekommen, wo einem nicht tagtäglich mehrere Morde, Räubereien, Diebstähle und alles mögliche und unmögliche berichtet wird.

Man ist nicht mehr sicher, daß nicht eines guten abends oder nachts sich nicht solche Ungeheuer einstellen möchten, einem einen Revolver ins Gesicht zu halten und Geld her oder dein Leben ist das Mahnwort.

Du spricht ja doch nahezu einen Unsinn, wenn Du von noch weitere 50 Jahre redest, habe ja nur noch 22 Jahre bis die Zahl 100 voll wäre, und wer wird denn wohl so alt werden? Ja, es gibt vereinzelt Fälle, wo es zu 100 und darüber kommt, aber das kann und muß man sich nicht einbilden. Habe gesagt, daß ich die letzte Flasche Wein geöffnet habe, habe aber nicht daran gedacht, daß ich diesen Sommer mir 10 Gallonen, etwa 50 Flaschen Kirschwein gemacht habe. Wie mir das bezeichnet ist, soll das was ganz vorzügliches sein. Wie aber meiner ausfallen wird ist noch abzuwarten. Denn ich habe ihn noch nicht angezapft. Soll aber in einigen Wochen fertig oder abgelagert sein und wollen wir es abwarten.

Wenn wir noch Wein & Bier hätten, um Schnaps gebe ich keinen Pfifferling, den liebe ich nicht und er auch mich nicht, der macht mir gleich Kopfweh.

Habe letztes Jahr etwa 100 Flaschen Rhabarberwein gemacht, welcher mir aber nicht gelungen ist. Er ist zwar wohl trinkbar, aber es ist fast gar keine Kraft dahinter und ich weiß nicht, woran die Schuld liegt.

Ja es ist doch zu bedauern, daß bei Euch alles so verregnet ist und hier es zu trocken gewesen ist. In über 3 Monaten Juni, July und August hat es nicht geregnet und deshalb ist die Frucht hier gar klein geblieben. Aber eine ganze Mißernte kann man es doch nicht nennen, weil letztes Jahr und auch dieses Frühjahr es viel geregnet hat, so daß viel Feuchtigkeit im Boden war und das scheint hier viel dazu beizutragen, daß es noch eine mäßige Ernte gebracht hat.

Du schreibst von Weizen, könntet ihr denn jetzt Weizen ziehen, früher war ja nicht daran zu denken und wenn auch noch wohl etwas gewachsen war, so war er doch für Weißbrot nicht viel wert.

Ich kann nun nicht begreifen, daß Ihr neulich erst den Waisenfreundkalender erhalten habt, habe doch das Geld schon am 14. Dezember vorigen Jahres dafür bezahlt und kommt da jetzt erst an. Werde doch den Waisenfreund darüber berichten und auch wegen des Öfteren Fehlen des Blattes. Hier kommt er regelmäßig an und wird auch ohne Zweifel recht regelmäßig an Euch abgesandt.

Jetzt von Euren Kindern. Das Ihr sie alle so fleißig in die Lehren schickt, ja das ist wohlgetan. Denn Schulung ist eigentlich besser als Geld. Es kommt alle Tage gelegen und verlieren es auch nicht.

Hier im Lande wird auch viel für studieren ausgegeben und ist wohlgetan, aber in vielen Fällen ist es zum Verderben der jungen Leute geworden, weil eben hier die Religion zu viel fehlt, bei den reicheren und solchen Kinder nur auch lernen das Geld der Eltern zu verprassen, woran aber die Eltern selbst Schuld sind, ihnen zu viel zukommen zu lassen.

Habt es auch vielleicht gelesen, wie hier in Chicago diesen Sommer 2 Millionärsbuben einen 3ten Millionärsbuben getötet haben, absichtlich mit voller Überlegung. Der eine Mörder heißt Leopold und der andere Loeb. Beide von deutschen Juden herstammend, wenigstens der Namen nach.

Die haben mit Überlegung geplant, wie sie den 14jährigen Franz umbringen wollten, nur um zu sehen wie er sich aufführen würde, wenn er sterben müsse. Dann schrieben die beiden Briefe an den Franz seinen Vater, daß er zu einer gewissen Stunde auf einem angegebenen Platz zehntausend Dollar hinlegen müsse, sonst würde sein Sohn getötet werden, falls er das Geld nicht dort haben werde. Jetzt hatten die Buben den Franz schon getötet, ihn nackend in einem Durchlaß gesteckt und wollten denn auch noch die zehntausend Dollar dazu haben. Aber die Leiche wurde gefunden und es kam heraus, wessen Sohn die Leiche war und somit wurde das Geld zum bestimmten Platz zu bringen aufgegeben.

Diese beiden Buben sind ertappt worden und haben bekannt, was sie getan hatten. Sie wurden vor Gericht geführt, verhört und lange Geschichten gemacht, versucht sie verrückt zu erklären und was nicht alles, aber nach den Gesetzen hätten beide ohne Verzug gehängt werden sollen, aber der Richter war Ihnen gnädig und hat sie beide für lebenslänglich im Gefängnis verurteilt, worüber das Publikum gar unzufrieden war, aber das war die Schuld des gnädigen Verfahrens des Richters. Wie der Richter sagte, daß sie noch unter 21. Jahre alt wären, aber was die beiden Väter mit den Millionen getan haben, mit ihrem Gelde und Richter, das weiß man nicht, nur kann man sich’s denken.

Ja dieses ist nur ein Fall, was ähnliches tagtäglich in der Ordnung zu sein scheint und mit dem Verbrechern ist man geduldig, die werden sich wohl bessern oder man muß sie nicht zu hart bestrafen. Und wenn sie höchstens einige Jahre gesessen haben, werden sie begnadigt, weil man sagt, die werden jetzt wohl besser tun und so läßt man diese Unmenschen wieder los auf das Publikum, das sie ihre boshaften Werke wieder fortsetzen können.

Darum sage ich, daß Amerika ist nicht mehr wie vor 50 Jahren und wenn es so weiter geht, wird es auch ein schlimmes Ende haben, denn Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher und wir werden es wohl nicht erleben was noch kommen mag.

Ja bei Euch hat sich auch gar vieles verändert in beiden geschäftlichen wie auch sittlichem Wege und der elende Krieg hat so viel dazu beigetragen und dann die Verteuerung in allem. Wie hätte man sich einbilden können, von 20 bis 40 % Zinsen und Franz Marchall schreibt sogar von 90 %. Hier ist das doch nur noch etwa 6 bis 10 %. Wir brauchen Gott sei Dank nicht viel solcher Zinsen zahlen, aber Geld verdienen wie früher wohl, das ist auch nicht mehr. Wir verdienen wohl so viel, daß wir unser gutes Fortkommen haben. Aber von etwas Zurücklegen ist keine Rede mehr und man kann nicht vorsichtig genug sein, um nicht noch das zu verlieren, was man sich erworben hat. Wie schon mal erwähnt, wenn ich mich nicht irre, wurde unser Rudolph um über 300,00 $ betrogen und letzten April machte die Bank, wo wir unsere Geschäfte mit hatten, ihre Türen zu, wo wir 315,61 $ darin hatten und bis jetzt hat man noch nicht gehört, ob wir da noch etwa 10 % am Dollar erhalten werden oder was es geben möchte. Aber viel erwarte ich nicht davon. Ich halte es für einen gänzlichen Betrug und es war ein altes Bankgeschäft, an welches jeder guten Glauben hatte, aber der Teufel steckte doch dahinter und sie sind mit dem Gelde fort. Die Bankgesetze sind nicht genug zum Schutze der Leute gemacht.

Jetzt dennoch ein wenig allerlei: Wie Ihr doch jedenfalls gelesen habt, haben ja 3 Flugzeuge die Reise um die Welt gemacht, Amerikaner von hier aus. Es waren derer 3 mit noch einigen Gehilfen und haben diese den Umflug in 175 Tagen gemacht. Aber eigentliches Fliegen waren nur 225 Stunden für die 16.180 Meilen oder 76 1/3 Meile per Stunde. Nun, sie sind, was mich angeht, zu der Ehre willkommen, die ihnen der Flug gebracht hat, aber etwas Leichtes wird es immerhin nicht gewesen sein. Und große Gefahren dabei ausgesetzt sein. Den meisten Widerstand haben sie wohl in dem Grönland gefunden, in diesen eisigen Gegenden. Da haben sie lange herumlungern müssen, um passendes Wetter zu finden zum Weiterfliegen.

Ja, jetzt wird ja auch das große Luftschiff welches in Friedrichshafen für Amerika gebaut wurde, bald herüber zu uns kommen. Ich dachte schon, Du tätest Deinen Brief wohlmöglich aufhalten, um ihn mit dem Flugschiff herüber zu senden. Ich lese, daß man keine Passagiere aufnehmen wird für diesen Flug. Wenn es mal mehr allgemein wird, komme ich auch vielleicht mal eines guten Tages herüber geflogen.

Ja in der heutigen Zeitung ist das erste was ich lese, daß $ 12.142 von Banditen geraubt worden sind gestern noch in der Stadt Woodland in California. Das nächste ist, daß 2 Banditen hier in Colorado Springs eingefangen wurden, welche in den letzten paar Wochen, die Gegend im Staate Colo. unsicher gemacht haben und ein paar Polizisten in Denver erschossen haben.

Das nächste ist eine Millionen Anklagen für eine Millionen für Schadensersatz der ein Heiratsversprechen nicht gehalten hat. Die Unkosten die solche Verbrechen kosten, d. h. sie einzufangen und zu prozessieren kosten mehr als die ganzen Kosten der Unterhaltung der Vereinigten Staaten.

Dokumente und andere Papierfälschungen gehen über 1.000.000.000 für das Jahr 1924. Revolver vorhalten und Geld abverlangen und Einbrüche sind 2.500 mit Verlust von $ 5.000.000, weil Bankraub mit $1.000.000 vertreten ist aber die hiesige Sterling Erste National Bank, hat ihre Türen eher geschlossen und mit dem Gelde ausgekniffen.

Jetzt lese ich, daß ein Mann in einer Synagoge einen Revolver zieht und schießt 3 mal, ein Toter und 2 Verwundet und in solchem Zuge geht es alle Tage weiter und wo soll es am Ende hin gehen. Dieselbe Zeitung sagt auch heute, daß die Verbrechen sich beinahe im Jahre verdoppelt haben. Gerade noch lese ich, daß ein Mann namens Vinton Perrin seine 77 Jahre alte Schwiegermutter erschießt, weil sie ihm kein Geld geben wollte und auch verwundete er ihre 40jahre alte Tochter.

Nun jetzt wohl genug von diesem und ist dieses wohl das längste Geschreibsel, was ich Euch je gesandt habe. Das erinnert mich nun aber an das Kartenkunststück und höre nicht viel davon. Wundere mich, ob die Kinder nicht viele damit in Erstaunen setzen können?

Ich hoffe nun, daß dieser Brief ein völliger Beweis dafür liefert, das ich doch nicht so böse war, wie du vielleicht geglaubt hast, daß ich sein würde. Hab gestern Abend den Anfang gemacht und heute Abend soll er fertig sein. Und dieses ist geschehen an meiner 78ten Geburtstagsfeier, an welchem ich und all die meinigen Euch die herzlichsten und wohlgemeinten Grüße übersenden tue und nebenbei auch an alle Verwandten und alle die nach uns fragen und somit verbleibe ich so lange es der liebe Gott will,

euer Euch so liebender Onkel

Clemens Hunck

 

 

Logan. Colo. den 20ten Okt 1924

 

Meine liebe Johanna,

 

zu meiner nicht geringen Verwunderung erhalte ich ja auf einmal ein Brieflein von Dir aus der weiten Ferne und dazu noch aus einem schönen Kloster. Also auch Du, wie vor einigen Jahren Deine Schwester tust Dich der Mühe unterziehen, Dich weiter in Allem auszubilden. Das freut mich und uns alle sehr, denn wenn man in der Jugend was gelernt hat, kommt es einem sehr gelegen das ganze Leben hindurch und auch noch wohl nachher.

Nun auch zu erwähnen, daß es mich nicht weniger überrascht hat, einen in englischer Sprache geschriebenen Brief zu erhalten, denn eben das Englische kam mir zufällig erst zu Gesichte, aber dann hat sich das Rätsel doch bald gelöst. Und es freut mich zu wissen, daß Deine Vorgesetzten es Dich würdigen taten, diesen Brief nach Deinem Wunsche gemäß zu schreiben. Ich bin nun zwar im Schreiben nicht gar zu gut bewandert und noch weniger im Englischen. Ich lege auch einige Zeilen bei für die liebe Schwester und hoffe, daß sie es lesen oder verstehen kann.

Es freut mich zu wissen, daß es Dir im Klösterlein, wie Du es nennst, so gut gefällt. Und da wirst Du ja auch hoffentlich die Zeit gar gut benutzen, um Alles gründlich zu erlernen und dadurch Deinen lieben Eltern große Freude und Dir selbst großen Nutzen verschaffen wirst. Nun, Du schreibst ja auch, daß Du das zu tun vor hast und nur Mut gefasst, so wird es auch gelingen.

Auf Deine Ferien, hast du zu Hause mit Erstaunen erfahren, daß der Onkel aus Amerika so lange nicht mehr von sich hören ließ. Ja, das kann ich leicht erklären. Wenn eine Partie aufhört, das übliche Schreiben zu besorgen, so dann natürlich hört es von der anderen Seite auch bald auf, und so war es bei mir. Ich bekam keine Antwort auf meine Briefe und warum konnte sich der Onkel auch nicht erdenken. Das Deinem Vater so ein Unglück zugestoßen ist, konnte ich nicht ahnen. Manchmal dachte ich, es sei die überhäufte Arbeit schuld daran, somit habe ich denn vergebens gewartet. Aber gar lange hätte ich denn doch nicht mehr gewartet, um mich Auskunft zu erbitten.

Hier wäre es nun doch ganz am Platz gewesen, daß entweder du oder irgend sonst einer von Euch hätte sich an den Pult begeben um den Onkel in Amerika zu benachrichtigen von dem Unglück das dem Vater wiederfahren war, meinst Du nicht auch wohl so?

Ja, es freut uns alle, daß es noch so abgelaufen ist. Es hätte ja schlimmer sein können, aber nun möchte ich fragen, warum setzt man sich denn quer auf das Pferd, wenn man sich ja so leicht einen viel bequemeren Sitz bereiten könnte, um auf den Karren zu sitzen, wo man auch nicht so schnell herunter fallen kann, wenn auch das Pferd mal scheu würde? Ja, nächstens machen’s besser.

Also Du möchtest wissen, oder bis gespannt, ob der Onkel auch wohl ein Lebenszeichen zurücksenden werde. Somit hier ist es, aber so gar viele solche Zeichen werden wohl nicht mehr von hier kommen, weil eben meine Lebenszeit bald am Ende sein möchte. Den 30ten Sept. feierte ich meinen 78ten Geburtstag, da kann man nicht mehr auf so öfter Wiederkehr rechnen. Doch kann ich berichten, daß meine Gesundheit nicht viel zu wünschen übrig lässt. Abgesehen von etwaigen Kleinigkeiten und so ist auch das Befinden Deiner Großtante noch, welche seit April 70 Jahr alt ist.

Wir haben unseren jüngsten Sohn Rudolph bei uns, so sich und er haben und dienen den Store. Wilhelm, der älteste hat sich auf eine Farm begeben und Bertha, die älteste Tochter, ist Köchin bei einem Herrn Monsgr. Aug. Plachta, welcher einer Gemeinde vorsteht in Minnesota Und Clara, die jüngste Tochter, ist auch in Minnesota, verheiratet mit einem Louis (Ludwig) Wesselman, dessen Vater ist aus Dernekamp gebürtig und war ein sehr guter Freund von mir, ist aber seit 2 Jahren tot. Diese haben 4 Kinder, 3 Mädchen und einen Bub, wovon das jüngst ein Mädchen etwa 2 Monate alt ist.

Unser Geschäft geht ja leidlich, aber viel Geld zu machen ist nicht mehr, als es früher noch wohl war, aber wir haben ein gutes fortkommen.

Die Ernten sind hier leicht gewesen, weil es zu trocken war. In mehr als 3 Monaten hat es hier nicht geregnet. Das waren May, Juni, July und ein Teil vom August, gerade in den Monaten, wo es am nötigsten gewesen wäre.

Ja, so gar viele Neuigkeiten kann ich Dir wohl nicht herüber senden, ob schon hier vieles Neue für Dich wäre, wenn man es Dir hier sagen und zeigen könnte, aber es Dir zu schreiben und richtig zu verstehen geben wäre wohl ein großes Kunststück. Somit muß ich es mehr bescheiden machen. Das einzige richtige wäre nur, daß Du mal gelegentlich herüber kommen tätest, um Dir unser Amerika mal gründlich anzuschauen und Dich in dem praktischen Leben hinein zu arbeiten, aber das wird wohl schwer halten, aber wer weiß, was nicht alles passieren könnte. Ha, ha. Ich habe früher nicht viel darüber nachgedacht, je nach Amerika zu kommen, bis auf einmal mein alter blinder Vetter Bernard Hünck den Wunsch aussprach, zu seiner einzig noch lebenden Tochter hier in Amerika zu reisen. Um hier bei ihr seine tochter die letzten Tage zu verleben, aber als Blinder wußte er nicht hierhin zu kommen, außer, er hätte einen zuverlässigen Führer, z. B. wie ich. Von da an hegte ich den Gedanken diese Gelegenheit mal zu benutzen und somit reisten wir beide im Frühjahr von 1874 von Bremen ab. Wir kamen wohlbehalten am 13ten May in New York an und dann auch in Zeit bei seiner Tochter Frau Gertrud Esselmann geb. Hünck in Wisconsin an.

In unserer alten Heimat ist es schon schön, aber für einen Bauernsohn, der nicht das Glück hat der Erstgeborene zu sein, sind die Gelegenheiten sich eine eigene Heimat zu besorgen gar wenige. Und so habe ich dann wohl eingesehen, daß hier ein besseres Fortkommen zu finden sei, somit habe ich den Entschluß gefaßt, hier zu bleiben. Dieser Schritt hat mich noch nie gereut. In manchen Fällen möchte ich die alte Heimat vorziehen, wo es ja auch vieles angenehme gibt, aber das ganze in die Waagschale zu legen, habe ich doch für das Übergewicht gefunden.

Wie schon bereits erwähnt, ist es hier auch heute nicht mehr so, als damals, aber wo bleibt nicht etwas zu wünschen übrig in dieser großen ganzen Welt in diesem Jammertal. Wenn man nur gesund ist mit frischem frohen Mut, geht alles gut.

Obschon nun nicht gar viel Neues in diesen wenigen Zeilen enthalten ist, so hoffe ich doch, daß sie Deiner Erwartung oder „Spannung“ die du erwähntest in einigem Maße befriedigen möchten und will ich dann dieses zum Schluß bringen, in der Erwartung mal wieder von Dir zu hören.

Nun bitte, hiermit meine herzlichsten Grüße an alle, die sich dort für mich interessieren möchten und besonders für Dich, worin meine ganze Familie sich mir anschließen möchte,

von Deinem Großonkel

Cl. Huncke

 

 

Logan. Colo. den 31ten Dec. 1924

 

Lieber Wilhelm & Familie.

 

Ja Euer Wunsch ist erfüllt und unsere Freude war groß, indem das von Dir angemeldete Paket uns hier wohlerhalten ausgehändigt worden ist und alles in gutem Zustande.

Wir erhielten es nicht gerade nach Deinem Wunsche, an oder vor dem hl. Weihnachtsfeste, aber am 2ten Feiertage wurde es uns von dem Briefträger oder vielmehr mit dem Briefträger überbracht.

Ja, ich kann Euch aufrichtig sagen, daß es uns allen sehr freute, zumal ich etwas Bedenken hegte, daß alles glatt durchschlippen?? möchte. Der Deckel auf dem die Adresse mit Blei geschrieben war, war abgebrochen. Ungefähr 1 guter Zoll unter dem Deckel, aber es war ja ein guter starker Papierumschlag darum, welches mit einem dicken Bindfaden einfach, nicht etwa doppelt, im Kreuzband verbunden war. Ob man nun irgendwo es untersucht hat ist mir nicht ganz klar. Aber ungefähr so tief als die Nägel in die Seiten oder Endbretter getrieben waren, war es ringsum abgebrochen. Vielleicht kann das aber unterwegs von selbst gekommen sein. Die Blasen schienen nicht aufgemacht zu sein, jedoch war in jeder ein Loch ungefähr so ....  und jeder Riss etwa 1 ½ Zoll groß, aber herausgenommen war nichts. Diese Risse, mögen aber von Nägel die ziemlich tief durch den Deckel getrieben waren und zwar neben die unter dem Deckel angebrachte Verstärkungsleiste und nicht, wie es bedacht, durch diese Leiste getrieben waren. Diese hatten ihren Zweck wohl etwas verfehlt. Nun bitte, unseren wohlgemeinten Dank für das Paket entgegen nehmen zu wollen und auch besonders für den schlauen Einfall, ha ha.

Wie es mir scheint, ist Euch der Herr B. Homan wohl etwas behilflich gewesen oder doch wenigstens die kleine Kiste dazu geliefert. Bitte meine besten Grüße an den Herrn Homan zu überbringen.

Nun muß ich aber leider sagen, obschon alles schön angekommen ist, haben wir noch nichts von allem versucht, abgesehen von etlichen Birnen, wovon ich nur eine versucht habe. Die Ursache liegt allein darin, daß ich es nicht wagte, etwas davon zu nehmen, weil mein Magen gänzlich außer Ordnung ist. Und obschon einen guten Cognac, dafür nützlich sein sollte, so habe ich es dennoch nicht gewagt. Ich sagte zum Rudolph, er solle ihn aufmachen und trinken, aber das hat der auch soweit noch nicht getan.

Wohl etwa aus Bescheidenheit, um es mir zu überlassen, wenn mein Magen mal wieder hergestellt sein wird und seine Mutter trinkt fast gar keinen Schnaps und wir drei waren eben nur allein.

Mit mir ist es eben so wie folgt: Ich habe schon seit letzten Sommer diese Schmerzen in der Brust, Schultern und Arme empfunden, und habe erst Patent Medizin gebraucht, aber ohne Linderung. Dann ging ich hier zu einem Doktor, der erklärte es, wie wir es hier heißen Neurites, war etwa ein Monat unter seine Hilfe, aber keine Besserung war zu spüren.

Dann rieten mich mehrere, ich sollte die Chiropraktik Doktors versuchen. Ich ging zu ihnen. Da wurde ich untersucht auf dem Rückgrad. Mußte mich mit Gesicht nach unten auf ein Gestell hinlegen auf einem Gerüste, welches im Zimmer aufrecht steht. Es ist mit Leder und Gepolster, aber hohl wo der Magen und Brust hinkommen. Dann auf entblößtem Rücken fängt er an das Rückgrad entlang zu fühlen und zu suchen. Und auf einmal gibt er einen festen Druck an einem gewissen Punkt als er an einem gewissen Punkt angekommen war. Ja ein Ruckdruck, um Knochen und Knorpel, die etwa nicht mehr ganz recht am Platze sind, wieder in ihre Lage zu bringen. Und so musste ich 3 mal in der Woche zu ihm kommen.

Nach der ersten Woche verspürte ich fast diese alten Schmerzen gar nicht mehr. Er sagte mir, es fehle an richtige Blutzirkulation. Aber nachdem bekam ich Magenleiden und er hatte mir auch schon gesagt, daß mein Magen außer Ordnung sei, auch konnte ich am Bauchfell innere Schmerzen verspüren und wurde nachts so aufgeblasen, daß ich fast keinen Atem mehr holten konnte. Kriegte so ein Bauchschlagen, daß ich kaum ja oder nein auf Fragen antworten konnte. Er sagte mir dann, ich müsse stark fasten, um das der Magen wieder in Ordnung komme. Und habe ich in 4 Tagen und 3 Nächte nicht zu mir genommen , als den Saft einiger Apfelsinen. Danach wurde das Atmen wenig leichter, welches überhaupt bei Tage nicht so schlimm war, als des Nachts. Seitdem habe ich nun nie eine ganze Nacht im Bett zubringen können, nur etwa 2 bis 3 Stunden konnte ich schlafen, dann mußte ich heraus und mich in einen Stuhl setzen. Einige Löffel Tee voll Magnesia Milch und soviel Natrum in Wasser trinken, um das Erbrechen zu fördern, dann nach kurzer Zeit wird es etwas besser und ich kann dann meistens über eine Weile im gepolstertem Stuhle wieder einschlafen und es langsam Morgen werden lassen. Jetzt esse ich wieder etwas, aber meistens nur Weißbrot mit heißem Wasser angemacht. Auch hie und da eine Apfelsiene und sonst nicht viel. So kann ich wissen, daß es allmählich etwas Erleichterung gibt.

Ich kann über Tag noch wohl ein wenig im Store aushelfen, muß aber gar langsam zu Werke gehen, weil mir die geringste Anstrengung gleich alle Kraft nimmt. Ich bin dann recht schlapp und müde. Wenn ich mich ganz ruhig halte, so ist es am besten. Zur Zeit fühle ich mich ganz gut, aber die geringste Anstrengung kann ich nicht ertragen.

Der Dr. sagt, ich müsse es selber ausstudieren, was ich zu mir nähme, was sich mit dem Magen vertrüge. So würde es mit der Zeit wohl wieder gehen, aber das Körpergewicht müsse etwas herunter kommen.

Nun wir sind alt und was kann man da erwarten. Meine Frau ist 70 und ich 78 und was kann man da erwarten? Am hl. Weihnachtsfeste war ich mit zur Kirche, aber letzten Sonntag habe ich das Haus hüten müssen.

Jetzt könnt ihr sehen warum wir dieses schöne Weihnachtsgeschenk nicht sogleich die erwartete Ehre antun konnten. Wir müssen es auf weiteres noch verschieben.

Nun als Antwort auf Deinen Brief vom 23. Nov. (mein Namenstag) haben wir am 13ten Dez. erhalten und freuten uns mal wieder von Euch zu hören. Und zu wisse, daß Ihr soweit noch gesund ward, und das Deine Hand so ziemlich wieder hergestellt ist. Ja so ganz unerwartet kann da was passieren. Aber Du sagst von steifer werden, daß mußt Du Dir noch nicht einfallen lassen. Du bist doch noch keine 55. Wie alt bist Du denn jetzt, wann ist denn Dein Geburtstag?

Du fragst nach dem Befinden meiner Frau. Da kann ich sagen, daß ihr gar viel geholfen wurde durch die Doktoren, wie ich oben erwähnt habe und geht es ihr jetzt ziemlich gut. Sie tut noch alle ihre Arbeit, wie Waschen, Bügeln und das Kochen besorgen. Auch alle sonstige Hausarbeit. Ich will hierbei bemerken, sie tut alles mit der größten Pünktlichkeit und der peinlichsten Reinheit, so daß kein Stäubchen sich irgendwo ansetzen darf.

Es tut uns leid zu erfahren, daß Deine liebe Johanna auch noch immer mehr oder weniger mit Magen und verschiedenen anderen Leiden zu kämpfen hat.

Unsere Kinder sind auch soweit noch alle gesund. Haben von beiden Mädchen einige sehr hübsche Weihnachtsgeschenke erhalten, wie auch vom Monsignore Magr. Aug. Plachta, wie auch von Wilhelm. Clara ihre 4 Kinder sind alle wohl auf und wachsen drauf los um größer zu werden. Wilhelm ist jetzt für kurze Zeit in Denver um auszuhelfen in einem großen Store dort. Aber nach den Feiertagen brauch er nicht länger bleiben, weil dann weniger verkauft wird, und er nur als Aushilfe für die Weihnachtszeit dort angestellt war. Er tut da keine Sachen verkaufen, aber helfen die Kunden zurecht zu weisen, daß diese sich hinfinden um das zu finden, was sie vielleicht kaufen wollen.

Ich lege ein Bild aus einer Zeitung ausgeschnitten bei, so möget Ihr eine kleine Idee kriegen von der Größe des Storegebäudes. Es nimmt dieses Gebäude der Länge nach einen ganzen Stadtblock und der Breite nach einen halben solchen Block ein. Ob nun diese Stadtblocks in Denver 600 oder 400 Fuß im Quadrat haben, weiß ich nicht genau. Das Bild stellt die Länge des Gebäudes vor, wo an jedem Ende eine Straße vorbei führt. Unten ist ein Dach zu sehen, welches von einem anderen Hause über die Straße zu sehen ist, aber das wirkliche Gebäude teilweise verdeckt. Überhaupt sieht man da Gebäude die über die Straße zum nächsten Block gehören.

Wo das rote X ist, da ist das eigentliche Haus zu sehen. Da ist eine Straße, die bei dem Hause lang führt, wo Ihr das Best Caffee leset, gehört gar nicht zu dem Gebäude. Wo der lange rote Strich ist, ist die Ecke vom Gebäude.

Seht die Menschen die da auf der Straße zu sehen sind. Rechts von dem roten Strich in der Mitte des Gebäudes ist der Haupteingang und weiter rechts ist noch ein kleinerer Eingang. Und ganz nahe bei dem roten Strich ist ein Eingang, der ins Erdgeschoss führt, wo spezielle und gar viele andere Waren ausgestellt sind. Nun weiter vom roten Kreuz in der hier nicht sichtbaren Straße dem ganzen Gebäude entlang sind noch 2 große Eingänge und dann am linken Ende ist von der Straße noch ein großer Eingang. Somit sind 6 verschiedene Eingänge von den Straßen in den Store hinein. Und was denkt Ihr nun, was ich jetzt sagen werde, von dem Haupteingang nach rechts von dem roten Strich. Dort in diesem Haupteingang sind an einer der verflossenen Samstagen von 8 ½ Uhr morgens bis 3 Uhr nachmittags in diesen einen Haupteingang über 30.000 Personen hineingegangen.

Es ist ein Mann dort, der diese Leute unbemerkt zählt indem er eine dafür gemachte Uhr in der Tasche hat, die er bei jedem Eingänger eine Ziffer weiter setzt. Dieser Samstag war der 6te Dec. So hat es uns Wilhelm geschrieben.

In dieser Stadt Denver wird unter vielen eine Zeitung herausgegeben, die hatte letzten Sonntag 225.157 Exemplare ihrer Zeitrung gedruckt und ihre alltägliche Ausgabe ist jetzt 156.319 Exemplare oder Abonnenten. Die Stadt Denver zählt jetzt 325.000 Einwohner. Diese Zeitung heißt: „The Denver Post“. Am Neujahrstage wird eine Extraausgabe gedruckt, wozu 10 Waggons weißes Papier verwandt wird. Diese Zeitung hat im letztem Jahre 17.000 Tonnen oder 17 Frachtzüge Papier verbraucht, von je 40 Waggons per Zug. Die Tinte die verbraucht wird im Jahre sind 620.371 Pf. Oder 12 Waggons von jeder 50.000 Pf. Oder einen Waggon im Monat.

Oh, könntet Ihr nur diese Zeitung lesen, ich würde Euch ganz gewiß ein Neujahrsexemplar zuschicken. Sie wird gar interessant und mit vielen Abbildungen versehen sein. Jährliche Ausgaben sind rund $ 900.000 um Mitarbeiter und sonstige Auslagen zu bestreiten.

Ich habe diesen Brief wohl am 31. Dez. datiert, weil ich nicht wußte, wann ich gerade damit fertig würde,. Habe in wirklichkeit gestern abend angefangen und ihn bis hierhin geschrieben. Und so fahre ich damit heute Abend fort. Morgen Mittag hoffe ich ihn doch fertig zu schreiben. Gestern Abend arbeitete ich bis 12 Uhr. 12 Uhr ging ich zu Bett, aber nach 2 ½ Stunden mußte ich wieder heraus, weil ich sonst nicht mehr atmen konnte. Ich stehe dann auf. Der Rudolph macht Feuer und nehme ich die Mittel ein, so daß ich mich erbrechen möchte oder wenigstens im Innern aufbrechen, denn zum Erbrechen kann ich es nicht bringen. Ich trinke heißes Wasser dabei und mit der Zeit legt sich das kurze Atmen und schlafe dann im Sessel bis der Morgen kam. Heute habe ich mich ziemlich gut gefühlt.

Zu dem großen Store möchte ich noch folgendes erwähnen, weil ich es gestern Abend vergaß. Das Gebäude hat 5 Stockwerke in die Höhe und ganz oben noch einen Aufbau, welcher zu einer Restauration gebraucht wird. Rund um diesen Aufbau herum ist ein Umgang, um sich dort in frischer Luft zu bewegen oder auch dort sitzen kann. Dieser Umgang ist mit allen möglichen Verzierungen bedacht, namentlich zu erwähnen sind Blumen und Blumenbeete.

Alle diese Stockwerke unter diesem Aufbau sind alles Läden und mit allem erdenklichem und nicht erdenklichen Waren angefüllt und auf Ladentischen ausgelegt. Im ganzem arbeiten in diesem Laden etwa 600 Angestellte. Solch ähnliche Store sind 4 in der Stadt Denver, ohne die unzähligen anderen.

Nun wollen wir von diesem nicht weiter erwähnen, aber eins habe ich noch zu sagen. Und wenn ich Euch damit ermüde, so bitte ich um Verzeihung. Was ich jedoch sagen werde ist die reine Wahrheit und hoffe, daß Ihr es nicht für eine Münchhausengeschichte halten werdet. Wenn auch Dir, mein lieber Wilhelm, das Wasser um die Zähne laufen wird, so verzeihe bitte und wenn Du es nicht glauben kannst, so komme nur mal um diese Zeit eines Jahres hier her und Du kannst Dich selbst überzeugen.

Gestern wurde hier eine Treibjagd auf Hasen abgehalten, weil selbige hier ihrer so viele sind, daß sie dem Farmer großen Schaden zufügen an Mais, Zuckerrüben, Heu und so manchen anderen Sachen, die ich nicht alle nennen könnte. Aber das Schlimmste von allen ist der Mais, weil der auch jetzt noch viel im Felde steht. Nun hat man sich geeinigt, gestern in 6 Countys (jede etwa so groß wie das Kirchspiel Dülmen) oder mehr, sind nicht alle gleich groß, aber der ganze Distrikt ist etwa 66 Meilen breit, bei 110 Meilen Länge. Dieses wurde in kleinere Parzellen abgeteilt und so gingen die Farmer und Stadtleute alle um 9 Uhr morgens ans Werk. Ich sage Euch, das war ein Geknalle wie nie. In einem Schulhause hatten sich viele Frauen aus der Umgebung daran gemacht ein Mittagsmahl für all die Jäger zu bereiten und brachten Sachen dazu von zu Hause mit. Jeder trägt gerne etwas dazu bei, so haben wir den Kaffee geliefert für unseren hiesigen Distrikt, der von etwa 50 Jägern durchgetrieben wurde. Unser Rudolph war natürlich auch dabei. Gleich nach dem Essen gings wieder los. Und am gestrigen Abend haben diese Jäger so etwa 1.800 bis zu 2.000 Hasen das Lebenslicht ausgeblasen. Rudolph sagt, er glaubt so ungefähr 100 habe er das Licht ausgeblasen. Ich glaube, daß er wohl beinahe der Beste, wenn nicht gar der beste Schütze war unter allen. Rudolph sagt, er hat einen gelegenen Platz gefunden, wo er 20 bis 25 Hasen abgeschossen hätte, ohne so zu sagen aus seinen Fußstapfen zu treten

Heute sind nun diese Hasen, die in dieser Nähe geschossen wurden, heute Mittag auf den Bahnzug geladen um bei Sterling und an anderen Plätzen am Wege nach Denver zu fahren, um dort zum Neujahrsschmaus, unter die armen Leute und auch andere verteilt zu werden. Frei, ohne Zahlung, auch die Eisenbahngesellschaft fährt sie unentgeltlich nach Denver.

Unsere sind ja nur ein Tropfen in der ganzen Masse, die da erschossen sind. Wie viele Waggons diese heute gemacht haben, werden wir erst in den nächsten Tagen erfahren.

Heute hörte ich die Jäger sagen, daß sie noch einmal gleich wieder los gehen könnten und ebenso viele einbringen könnten wie heute. Es wäre wohl nötig, denn wenn die übrig gebliebenen nicht auch noch verringert werden, so werden nächstes Jahr noch mehr da sein als heute.

Sie sagen, wo sie sie zusammen getrieben haben, hat es ausgesehen wie eine Schafherde.

So, daß ist mal eine Hasengeschichte, wie Ihr sie noch wohl nicht gehört habt und ich auch nicht zuvor gesehen, aber heute habe ich diese gesehen, wie sie hier auf den Zug geladen wurden.

Nun muß ich mal nachsehen, wie viele Fehler ich auszubessern habe und manche stehen lassen, ich sehe ja gar schnell, wenn eine falsche Taste geschlagen wird. Aber wenn er gemacht, dann ist er mal da und so geht es mir.

Nochmals unseren Dank und sehr baldige Antwort erhoffend. Grüße an Euch alle von uns allen und rufen alle ein glückseliges Neujahr zu Euch herüber und zu allen die nach uns fragen, besonders Verwandte & Freunde.

Der alte Clemens, Frau und Kinder

 

Logan. Colo. den 31ten Dec. 1924

 

Extra Beilage:

 

Gerade fällt es mir ein, daß mich der Wilhelm vor einiger Zeit aufgesucht hat, doch mal zu fragen, nach einem deutschen Polizeihund und ob du ihm nicht möglicherweise einen solchen kaufen und schicken könntest.

Hier gibt es solche, welche sehr hoch gehalten werden als spezial gute Wachhunde. Sie machen keine Freundschaft mit irgend einem anderen als ihrem Herrn. Ein Mann hier in Sterling hat einen, bei dem wir unsere Oele kaufen, wie Maschinen, Motor Oile, Gas und Kerosine Oile. Unser Rudolph wollte die Treppe zur Plattform und Haus ersteigen, aber der Hund stand oben bei der 7 Stufe und der Hund aborderte. Später war ich mit dem Hund allein in der Amtsstube, wo er nahe zu mir kam. Ich probierte ihn anzureden aber durch sein Brummen vernahm ich, ihn besser in Ruhe zu lassen.

Von diesem wirst Du wissen, was für Hunde wir meinen und ich wundere mich, ob solche bei Euch bekannt sind. Die hier sind ziemlich große Hunde mit kurzen Haaren von so etwa einer Mausfarbe, lange spitze Ohren und langem Schwanz.

Wenn Du solchen weißt, oder zu bekommen weißt, so möchte er einen zugeschickt haben und werden wir das nötige Geld einsenden.

Vielleicht in Münster oder andere Plätze, wenn nicht in Dülmen sind welche die sich mit solcher Hundezucht beschäftigen und wenn nicht weiter, so kannst Du mich vielleicht mit der Adresse solcher Leute bedienen.

Habe auch noch vergessen zu sagen, daß ich den Waisenfreund wieder für ein weiteres Jahr bestellt habe für Euch. Habe dabei bemerkt, daß den Kalender zu schicken nicht so weit hinauszuschieben ist. Ihr hättet den letzten erst etwa im Oktober oder später erhalten, welches jedoch der Post zuzuschreiben sei.

Heute morgen hörte ich den Rumor, daß etwa 150.000 Langohren zur Strecke gebracht seien und die Eisenbahn Co., wird gesandt haben, nicht mehr zu senden, weil sie nicht wüssten wohin damit.

Nun gestern Abend habe ich wieder gedruckt und es war 12 Uhr als ich zu Bett kam und noch vor 4 Uhr musste ich wieder heraus, um schließlich im Sessel wieder weiter zu schlafen. Heute fühle ich wieder leichter und wenn es so bleibt, werden wir doch morgen den Cognac mal versuchen. Etwas Kümmel habe ich gestern genommen (etwas von früher aufgehoben) aber man muß gar stille damit sein, sonst, wenn die Herren Prohibition Agenten davon erführen, so würden wir wenigstens mit $ 100.00 bestraft werden. Und das nur für den Besitz von Schnaps oder auch Cognac. Soweit hat man uns noch in Ruhe gelassen und wir lassen es keinen Menschen wissen, daß wir noch etwa Wein oder Schnaps im Hause haben, es sei denn einer von so zu sagen den Unserigen. Wir verkaufen hier Soda Wasser und Near Beer (nahe Bier genannt. Aber echtes haben wir noch nie mit gehandelt seit dieser verrückten Prohibition, aber viele viele die es riskieren haben gar viel Geld dabei verdient und gar viele werden auch abgefaßt und es wird ziemlich hart mit ihnen verfahren.

Clemens

Einige Abreiskalender werden folgen, gebet sie wer sie haben will oder soll. Nun auch Vivat Antonius, wenn es ganz gut geht, so konnte dieser Brief mitfeiern und dann gelesen werden. Hoffentlich zur wenigen Ermunterung der Hasengeschichten. Schickt die etwaigen Ungläubigen nur mal her, so mögen sich solche überzeugen.

Nun auf Euer gutes Wohl werden wir uns morgen eins trinken. P R O S I T!

 

 

Logan. Colo. den 30ten Jan. 1925

 

Meine Lieben daheim

 

Heute Morgen zwischen 7 & 8 Uhr wurde ich mit allen hl. Sakramenten unseren hl. Kirche völlig versehen.

Meine Frau, Wilhelm & Rudolph waren zugegen, nicht aber die Bertha & Clara. Wollte diese nicht in zu große Unruhe versetzen, werde ihnen aber schreiben.

Ich bin noch nicht todkrank, habe keine Schmerzen, aber bin so gar kurzatmig.

Nun Gott und seine gnädige Barmherzigkeit empfohlen zeichnet in Christo

Euer Clemens

Vielleicht nächstens mehr.

 

 

Bertha E. Hunck
Royalton, Minnesota

Royalton Minn. März. 1 1925

 

Alle liebe Verwandten.

Leider ist mir die schwehre Arbeit zugethan, Euch zu benachrichtigen daß unser lieber, guter Vater am 4ten Feb. gestorben ist. Ja der Onkel in America ist nicht mehr. Er ist ein seligen Todes gestorben, gut versehen mit die hl. Sterbe Sakramenten. Er starb am Mittwoch morgen um 5 Uhr. Die Clara und ich kammen auch zu spät. Am Montag Morgen hatten wir noch einen Brief von ihm und Abends bekammen wir die Nachricht wir sollten Heim kom­men, welches wir auch gleich thaten aber leider zu spät. Er litt an Herz ver­grösserung  es war zweimal so groß wie es sein sollte und war auch ganz aus dem Platze. Er hatte immer über denn Magen geklagt aber der Magen war ganz gut  so zeigte daß X Ray auf. Auch klagte er immer über seinen Athem daß es so kurz sei  Dasz brachte die Herz zustande mit sich. Am Montag vor seinem Tode war er noch auf  aber man merkte schon am Sonntag ein klei­ner Anfall vom Schlage, und am Montag Abend konnte er seinen rechten Fuß und Hand nicht gebrauchen   Die letzten zwei Tage hat er viel gelitten und konnte auch nicht mehr sprechen

Es ist ein harter Schlag für uns aber Gottes Wege sind wunderbar und wir müssen uns für Gottes Willen trösten und hoffen auf ein fröhliches Wiedersehen im Himmel.

Bitte betet für ihn. Ich werde später die Trauerkarten senden. Die Mutter sagte es hätte ihm immer so sehr gefreut wenn er ein Brief vom Deutschland bekam, und sie meinte er hätte die letzte Zeit recht Heimweh nach dort gehabt. Die Johanna ihren letzten Brief kam gerade am Tage an, an dem er gestorben ist  Deinen kann etwa eine Woche später an, kurz vorher vielleicht einen Woche hat er noch einen Brief von die Frau Overhage bekommen  Denn hat er in die Tasche gehabt. Bitte Sei so gut und lasse den andern Verwandten wissen um daß die alle ihm im Gebet errinnren mögen. Die Mutter und Rudolf werden daß Geschäft weiter führen biß es gelegenheit gibt es gut zu verkaufen, denn dort bleiben wollen sie doch nicht. Der Vater hatte sich sehr gefreut über die letzten zwei Briefe hatte er sie noch bekomm  aber es sollte nicht sein. Er sah so natürlich aus im Sarge aber sein Körper war sehr schmall geworden denn die Docktoren hatten ihn daß Fasten angeraten wegen seinem Magen, aber daß half alles nicht, seine Zeit hatte geschlagen. „Requiescat in Pace.“ Nun hoffe ich doch noch hier und da ein lebens zei­chen von Euch zu bekommen, wenn ich auch daß Brief schreiben nicht so kann wie der Vater oder ihr es könnt. Mit viel herzlichen Grüße an Euch alle auch van der Mutter und Geschwistern

Eure Nichte

Bertha H unck

Royalton

         Minn.

Morrison Co. U.S.A.

 

 

Bertha E. Hunck

Royalton, Minnesota

Royalton, Sept. 15 1926

 

Liebe Verwandten im alten Lande,

 

Endlich komme ich dazu Euch einen Brief zu schreiben. Hätte ich so oft geschrieben als ich an Euch dachte dann hätten ihr mehr zu lesen gehabt als ihnen vielleicht gefallen hätte  Ja wenn ich in Englische schreiben könnte dann würde ich oft schreiben aber daß Deutsche falt mir schwer da ich keine Uebung habe. Wir sind alle gesund, und auch in Colorado. Die Klara, ihr Mann und Kinder und ich sind diesen Sommer per Auto nach Co­lorado gefahren  waren sieben Wochen bei der Mutter, die ist noch recht gesund und munter, besorgt alle ihre Hauß arbeit allein. Sie ist im 74 Jahr. Der Rudolph und Wilh. sind beide bei ihr zu Hauss auf denn alten Platze. Der Rudolph ist noch ledig, es scheint er kann dort so recht keine finden, es sind nicht viele katohlische Leute da. Ich war immer in der Meinung daß ich die Todten Zettel Euch zugeschickt hette, aber ich werde sie jetzt beilegen. Die Klara hat 4 Kinder, 3 Madchen und ein Knabe. Die älteste ist jetzt 7 Jahr  Die geht diesen Winter zur Schule  Daß kleinste ist 1½ Jahr alt. Alle gesunde und kräftige Kinder. Du frägst wo der Vater begraben ist. Er liegt in Colo­rado wo sie immer zur Kirche gehörten. Ja es war ein lehrer Platz wie wir daheim waren. Diesen Sommer. Die Zeit vergeht sehr schnell  jetzt habt ihr auch schon eine Tochter verheirahtet, ich hoffe und wünsche ihr viel Glück und Gottes segen und ein langes glückliches Leben im neuen Stande. Ihr schreibt die Johanna ist gans weiß  ja ich bin nicht weit davon, im Jahr wenn es so weiter geht bin ich auch gans weiß. Ich bin im 46 Jahr, und habe dir ganz geboten, waß die stärke anbelangt  denn ich wiege 206 lb. aber bin sonst recht gesund und habe sehr viel Arbeit, aber der Hochwurdiger Prelat ist sehr leicht zufrieden zu stehlen mit den Kochen und sonstige aufwartung  Ich werde ein Bild von Ihm beilegen daß 6 Jahr zurück genommen ist wor­den als er Monsignor geworden ist. Wie schön ware es wenn der Joseph für Priester studiren würde, denn er könnte viel, viel gutes im Priesterstande thun und es ist in der ganzen Velt mangel an Priester, überhaupt wo Heut zu Tag die Velt so lau warm für Gott ist, es ist seit denn Krieg ganz Gott loß geworden, überhaupt daß Junge folk.

Der Herm. Fühsener habe ich gesehen wie er zurück kam, es that mir leid, daß ich ihn nicht angesprochen hatte eh er herüber reiste  ich habe ihn bei der Klara angetroffen und er hat uns vieles erzählt aber man kann nicht im­mer gerade alles glauben was er einnem sagt  denn er Pralt sehr gerne. Neu­igkeiten die Euch intresieren thäte weiß ihn wieteres keine, In Briefe wie sie von unseren seligen Vater bekommen müßt ihr nicht mehr erwarten  denn es ist mir nicht möglich solche zu schreiben, bloß daß ihr wist daß wir noch am leben sind und Euch nicht vergessen haben.

Bitte Grüße alle Verwandten die wir dort haben. Mit vielen Grüße an Euch alle und Gottes Segen  ihn aller Liebe

Bertha Hunck

 

 

Rom, den 24. Sept. 1929

 

Dem treuen Vorbeter am [unleserlich] Gruß [unleserlich]  

[ohne Datum] Schreibet bald wieder. Wie geht es euch denn alle. Euren letzten Brief habe ich gelesen, denn der Papa hat ihn mir geschickt. Daß Wetter ist hier schön warm. Der Father August Plachta ist mit dem bauen einer neuen Kirche beschäftigt.

Mit Gruß an alle, Bertha.

 

 

Royalton, Minn Sept. 14 1931

 

Liebe Verwandten.

 

Endlich ist nicht Ewig. Ich hätte schon lang schreiben sollen, aber daß Deutsche fällt mir so schwehr da ich nicht in der ..........übung bin  Also bitte alle Fehler zu Entschuldigen. Alle sind noch Gesund und Munter zu Hauße und auch hier, bei Clara und ich selber.

Jetzt werde ich in Englisch schreiben. Rudolph was here to visit us in Febru­ary. He ist about 6 feet tall and as thin as a telephone pole. Both he a[nd] Will are at home. Last summer Mother was here nearly all summer. She does all her own work except washing  She ist n[e]ar 76 years old. I have been doctoring some this summer on account of stomach trouble & high blood pressure, .......... , only the blood pressure will not go down. I weigh 208 lbs. I take after my Father I guess. Am 51 yrs. old   Clara has 6 children  the old­est is 12 and the youngest 9 or 10 months  4 girls and two boys  namely Louise, Rita, Cletus, Elaine, Imelda, and Ralph. All are strong and healthy children, the 4 oldest are going to school. How are conditions in Germany now, here they are poor, the times are hard, no money, and the farmer gets nothing for his crop. Oats 25 cents per bushel, Potatoes 59 cts bushel  Its terrible. I hope things will change soon. I feel sorry for the poor people this winter. Well, thats “Hoover Prosperity”. This Prohibition is the biggest farce and calamity that ever struck this country. Everybody has et now, children girls, men & women drink. Its a crime thats all. No wonder our Good Lord sends these ....... and depression on this people throughout the world, for it is altogether Godless, no faith, no morals, no nothing but the big “D” “dollar”

How are you all and the whole relationship, I wish I could see you all again to see the changes from 1900 until now. Why do you not make a trip over the big blue sea and visit America once, its just as near for you as for us. I only wish I could write this all in German. News I know none to report only I have a lot of work even if we have a great .......... electric conveniences. Have an electric stove, Ice-box, Iron, Mangel, Sweeper, Hot water heater, Radio & clock. I do the house work all alone besides do the church washing and Ironing, take care of the altars, and play the organ in church, have a gar­den & a large 9 room house to look after. So you see I am kept busy, even sometimes am part ............tor. Must say Good-bye as I have some jelly to look after. Hope to hear from you soon and if you can read this letter I shall write oftener then I did before. With much love an Best Wishes to all in the family   Regards to all from all my folks.

I am as ever

Bertha Hunck

 

 

Wadena, Minn. Feb. 29 1948

 

Liebe Verwandte.

 

Habbe euren lieben Brief bekommen, und war sehr froh mal ein lebens zeichen zu bekommen. Habbe öfters an euch gedacht, und gewundert wie es euch alle geht. Überhaupt ob ihr noch alle am leben seid und den Krieg alle überlebt habt. Es war eine freude zu hören daß ir alle gesund seit, und alles glücklich überstanden habt. Das war eine schrecklich zeit für alle, daß Schlimte is daß es noch nicht sicher all vorüber ist, wenn der frieden nicht bald gemacht wird. Es wird auch kein frieden bis die leute wider zu Gott zurück kerren. und im um genade bitten.

Der Karer sagte immer Ich und Gott aber jetzt heist es blos Ich. Der Hitler war ein besser ferfürer als ein fürer. Aber genug von deme trübsall. Wir sind alle gesund, das meint die noch am leben sind. Das der Vater gestorben ist wist ihr schon. Die Mutter ist vor 6 Jahren gestorben und war 84 Jahre alt. Die Muter fragt wie es mit Willie ist, ja der hat uns 8 Jahre auch ferlassen, ist am herz schlag gestorben. So sind die Clara, Rudolph und ich noch am leben. Die Clara ist 55 Jahre ist schon Groszmutter, sie hatte 7 kinder, 4 Mädchen und 3 Buben. Die Mädchen sind schon alle verheiratet sogar 3 im einen Jahr. Ich sichte bilder von alle hier mit dem brief   Der älteste war auch im Krieg gegen die Japaner  war 2 Jahre im Krieg. Der ist noch zu Hauß mit die 2 Kleinen. Der Rudolph lebt in Colorado und ist auch verheiratet und hat einen Knabe von 6 Jahren. Ich bin jetzt 67 aber ich fülle nicht so alt, thue alle die Arbeit noch allein, und in so ein platz gibt es genug zu thuen. Habe zwei grosse Operationen über standen, eine für Gallenstein etwa 20 Jahre zurück und 2 Jhre zurück haben sie mir eine von Nieren fort genommen. Aber jetzt geht es mir ziemlich gut. Gott sei dank. Ja ich möchte Euch auch alle gerne wieder sehen. Kommt doch einmal herüber. Ich würde Eüch wohl über all herum fahren mit dem Auto. das kann ich ganz gut fahren. Ihr wür­det Euch wundern. Die bilder die ich schicke waren hier im Hause genom­men 3 Jahr zurück. Der Cletus und Rita sind nicht dabei denn der Cletus war im Kreig und die Rita auch, die hatte sich der Waves angeschlossen. Ich habbe so einen Monat zurück ein Packet an Eüch geschickt, hoffentlich habt Ihr es bekommen, und das Ihr alles gebrauchen könnt. Später werde ich noch ein schicken. Wenn Ihr diese schreiben lessen könnt, dann thut Ihr seht gut, denn ich habbe schon so lang kein Deutsch geschribben. So ein langen Brief könnte ich gar nicht schreibben, aber ich bin froh wenn ich einen bekomme. Wenn etwas ist was ihr gebraucht, so last mir wissen und ich wer[d]e schi­cken was ich kann.

Last mal bald von Euch hören wie es geht, und ob Ihr auch bekommt was wir schicken. Viele Grüsse an alle, und wir betten immer um Frieden, das ihr Eüch alle wieder helfen können, und ein gutes Leben habt, aber es seht trau­rig aus in der Welt nicht nur in Deutschland aber über all. Nochmals herzli­che Grüsze an alle miteinander, alle in die Familie ........... . Schreibt recht bald wieder. Wie gerne möchte Ich die Mutter noch mals sprechen, denn ich denke oft mals daann wie wir dort warren.

Die Amerikanische Tante.

                        Bertha Hunck.

Die bilder waren hier im Hause genommen am Weihnachten 3 or 4 Jahre zurück

 

[..................]

Beim Rudolph sind sie alle gesund und munter, und es geht ihm gut Ich denke den Kopf wird wehe thun wenn ihr mit dießen Brief fertig seid, den das Deutsche schreiben geht mir nicht gut. So will ich schleisen und hoffe von Euch bald wieder zu hören, und ich wünsche allen Ein recht Fröhliches Weinnochten und ein besseres und Glückseliges Neu Jahr, und werde Betten daß der Liebe Gott Euch alle bewahren möcht im Neuen Jahr und viel Segen Euch verspenden wihrt.

Die Clara schickt auch alle die besten Wünsche und Gottes Segen.

Schreibt bald wieder

In liebe

Bertha Hunck

514 - 1st St. S. E.

Wadena,

U.S.A.                  Minn

 

 

Wadena, Minn. Nov. 1st 1948

 

Liebe Angehörigen,

 

„Endlich ist nicht Ewig“, heist das Sprichwort. Euren Brief ist schonn lange hier angekommen, und ich mus um Enschuldigung bitten das ich so lange nicht zurück geschrieben habe. Bin immer sehr froh von Euch zu hören wie es euch alle geht. Gott sei dank das ihr alles so mit gutem Sinn annehmt, sonst were es bald nicht möchlich alles mit zu machen. Ja, es sieht nicht zu gut aus, aber Gott bewahre uns von einen neuen Krieg, denn der wird furchtbar sein gegen denn fergangenen. Ich habe wieder ein Packet geschikt und hoffe das ihr denn auch erhalten habt. Es ist nicht fiel aber ich weiß nicht was ich Schicken soll. Schreibt mal was ihr meistens braucht. Alle hier und in Colorado sind alle gesund und munter. Die Clara und ihr Mann sind schon 5 mahl Groszeltern, und bis Frühjahr fielleicht 4 mahl wieder. Wie ist die liebe Mutter, hoffentlich gesund, ich denke oft an Ihr und möchte Sie gerne mal wieder sehen, aber das, wird voll nicht mehr möchlich sein   überhaupt möchte ich alle mit einander mal sehen, aber die Reise ist zu weit, um mit das Auto eine Spatzierfart zu machen, und dann das Wasser ist zu tief. Ha. Ha. Das Vetter hier ist sehr schöen bald wie im Frühjahr, aber jeden morgen kann es ganz weiß sein.

Wie schnell die Jahre vergehen   jeses Jahr scheint kürzer zu sein, übe-rhaupt wenn man älter wird. Am 21sten Nov. werde ich 68 Jahre alt sein, so eine alte Jungfer. Ha. Ha. Aber man sagt „Mann ist bloß so alt wie man fühlt.“ Ich fühle monch mals ziemlich alt. Ha Ha Ha.

 

 

[..................]

Beim Rudolph sind sie alle gesund und munter, und es geht ihm gut   Ich denke den Kopf wird wehe thun wenn ihr mit dießen Brief fertig seid, denn das Deutsche schreiben geht mir nicht gut. So will ich schliesen und hoffe von Euch bald wieder zu hören, und ich wünsche allen Ein recht Fröhliches Weinnachten und ein besseres und Glückseliges Neu Jahr, und werde beten daß der Liebe Gott Euch alle bewahren möchte im Neuen Jahr und viel Segen Euch verspenden wihrt.

Die Clara schickt auch alle die besten Wünsche und Gottes Segen.

Schreibt bald wieder

In liebe

Bertha Hunck

514 - 1st St. S. E.

Wadena,

U.S.A.                  Minn

 

 

Bertha E. Hunck
Royalton,
Minnesota

Ich denke es wird doch bald Zeit sein daß ich aufhöre mit mein verdorbenes deutsch denn ihr werdet jetzt schon Kopf schmerzen haben um dieses durch zu lesen. Bitte alle die Fehler zu übersehen und Entschuldigen  denn ich habe schon Jahre lang keinen deutschen Briefe mehr geschrieben wenn Ihr ihn überhaupt gar lesen könnt. Die Klara und Mann und Kinder geht es sehr gut, die Kinder sind alle Gesunde und starke Kinder. Ich sehe Sie bald alle Woche einmahl, entweder sind Sie hier. oder Ich gehe Sie besuchen  denn Sie wonhnen nur 22 Amerikanische Meilen von hier, und mit einem Auto geht es schnell.

Nun hoffe ich bald vom Ihnen zu hören, da jetzt daß Eis gebrochen ist. Mit vielen Grüßen an alle liebe Verwandten.

Verbleibe ich Eurer Amerikanische Nichte

Bertha.

                                                                                Miss Bertha Hunck

                                                                                        Royalton

                                                                                Morrison Co. Minn.

                                                                                          U.S.A.

 

 

My Dear Antonia Diekämper Hunck.

 

I have been very flattered to receive your letter. I beg your forgiveness for not writing sooner. I had to find somebody to translate your letter which took a while. I am very saddened to hear of the death of Lisal Maus [= Liesel Maas]. I knew she was real sick. I was in the process of getting our entire family history in America together to send to Lisal when she became real ill. She wanted to put a book together of the Hunck family. Since she was so ill I did not send the material. Are you the woman that my mother Clara wrote to a lot? I remember her getting letters from some body in Germany. My mother (Clara Hunck) died in 1961. My father (Louis Wesselman) died in 1973. My grand parents are buried far away from here. About 1,000 miles which is in Colorado. I visited there graves about 1 year ago as I have a daughter living in Colorado. I wish we knew more about the Hunck family in Germany. I have a few copies of grandpa Huncke letters after he came to America. Lisal was writing to a lady in California & she gave them to me. I am very much interested in the Hunck family in Germany. I know the pic­ture you are talking about. My sisters and brothers are all living. I will start with the eldest to the youngest.

Louise Hesselman Spoulding – Her husband just died in 1987. She has 6 children an 5 grand children and lives in St. Cloud. She ist 68 yrs. old.

Rita Hesselman Lundstrom – She also has 6 children and lives in Denver, Colorado. She has 9 grand children and is 67 yrs. old.

Cletus Wesselman – He is 65 and has 3 children. One passed away. He lives in Minneapolis, Minnesota.

Elaine Wesselman Imholte – I am 64 and have 7 children and 18 grandchildren.

Imelda Wesselman Osgood – She is 61 years old and has 2 children and 2 grandchildren. She lives in St. Cloud.

Ralph Wesselman – He is 55 years old and lives in Miami, Florida. He has 2 children. He lost 1 son.

Walter Wesselman – He is 52 years old and lives in Atlanta, Georgia.

Would like to hear more about the Hunck family. Do not know anything about Clemens brothers and sisters.

Thank you so much for writing to me. My very best to you and your family and to Lisal’s daughter.

Please reply soon.                                                 Elaine Imholte
                                                                            317–16 Ave. No.
Where does (Diekämper) Hunck                           St. Cloud, MN 56303

come from?                                                          U.S.A.

 

 

Ich bin sehr geschmeichelt gewesen, Ihren Brief zu erhalten. Ich bitte um Ihre Verzeihung für das frühere nicht Schreiben. Ich mußte finden, daß jemand Ihren Brief übersetzt, der eine Weile dauerte. Ich bin sehr betrübte, um vom Tod von Liesel Maas zu hören, [= Liesel Maas]. Ich wußte, daß sie real war, krank. Ich war dabei, zu erreichen, daß unsere ganze Familiengeschichte in Amerika zusammen an Liesel sendet, als sie wirkliches Übel wurde. Sie wollte ein Buch zusammen von der Hunck Familie plazieren. Da sie so krank war, sandte ich das Material nicht. Sind Sie die Frau, die meine Mutter Clara auf viele schrieb? Ich erinnere mich, daß sie Briefe von irgend einem Menschen in Deutschland bekommt. Meine Mutter (Clara Hunck) starb in 1961 . mein Vater (Louis Wesselman) starb in 1973 . meine großartigen Eltern werden weit von hier wegbegraben. Etwa 1.000 Meilen welche ist in Colorado. Ich machte einen Besuch es war vor etwa 1 Jahr, da ich einen Tochterlebensunterhalt in Colorado habe. Ich wünsche, daß wir mehr über die Hunck Familie in Deutschland wußten. Ich habe einige Kopien des Opas, die Huncke beschriftet, nachdem er nach Amerika kam. Liesel schrieb auf eine Dame in Kalifornien & sie gab sie mir. Ich bin sehr an der Hunck Familie in Deutschland interessiert. Ich kenne das Bild, worüber Sie reden. Meine Schwestern und Brüder sind aller Lebensunterhalt. Ich beginne mit dem Ältesten zu den jüngsten.

Louise Wesselman Spoulding - ihr Mann starb gerade in 1987 . sie hat 6 Kinder ein 5 großartige Kinder und Leben in St. bewölkt sich. Sie ist 68 Jhr alt.

Rita Wesselman Lundstrom - sie hat 6 Kinder und lebt in Denver, Colorado auch. Sie hat 9 großartige Kinder und ist 67 Jhr alt.

Cletus Wesselman - er ist 65 und hat 3 Kinder. Eins starb. Er lebt in Minneapolis, Minnesota.

Elaine Wesselman Imholte - ich bin 64 und habe 7 Kinder und 18 Enkel.

Imelda Wesselman Osgood - sie ist 61 Jahre alt und hat 2 Kinder und 2 Enkel. Sie lebt in St. Wolke.

Ralph Wesselman - er ist 55 Jahre alt und lebt in Miami, Florida. Er hat 2 Kinder. Er verlor 1 Sohn.

Walter Wesselman - er ist 52 Jahre alt und lebt in Atlanta, Georgia.

Würde gerne mehr über die Hunck Familie hören. Wissen Sie nichts über Clemens Brüder und Schwestern.

Danke Ihnen so viel für das Schreiben an mich. Meine allerbesten zu Ihnen und Ihrer Familie und zu Liesels Tochter.

Elaine Imholte

317-16 Ave. Nr 

St. Cloud, MN 56303

Bitte antworten Sie bald.

wo tut (Diekämper) Hunck es

gekommen? U.S.A

 

 

 [ohne Datum]

 

Liebe Verwandten. Schicke ihnen hiermit paar Karten. Ich denke, daß ihr auch schon darauf warten werdet. Das Auto gehört dem Priester bei dem ich die Haushaltung führe, er steht neben dem Auto. Auf die andere Karte in seinem Autoanzug. Der andere Priester ist [unleserlich] seiner [unleserlich] dem wir auf Besuche waren. Kommt mal alle herüber, dann werde ich euch alle herum fahren, denn ich kann es ganz famos. , Bertha.

 

 

 

 

 

 

 

 

Absendeort und Datum der Hunckbriefe

Die Seitenzuordnung kann erst erfolgen, wenn alle Arbeiten abgeschlossen sind.

                                                                           Seite


Koblenz, den 7.3.71......................................................................         0

New York, den 4. Mai 1874.........................................................          0

Newburg, Wis. den 6 April 1875..................................................          0

Newburg, den 26. Nov. 1875........................................................         0

Newburg, Wis. den 10. Mai 1876.................................................          0

Duelm, Benton Co. MN, den / ? Dez.1876...................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den 2.Dez. 1880....................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den 19. Juni 1885..................................„  0

Duelm, Benton Co. MN, den 8. Oktober 1886.............................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 4. Feb. 1887..................................            0

Duelm, Benton, Co. MN, den 8. Jan. 1892...................................           0

St. Paul, MN, den 13.Jan. 1893....................................................          0

St. Paul, MN, den 19. Jan. 1893            ..................................................           0

St. Paul, MN, den 25. März 1893................................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den 8.Sept. 1896..................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 8. Sept. 1896..................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den ? Okt. 1898.....................................„  0

Duelm, Benton Co. MN, den 8. Dez. 1899...................................„  0

Duelm, Benton Co. MN den 13. Dez. 1899..................................„  0

Duelm, Benton Co. MN, den 2. Feb. 1900...................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den ? März 1900...................................           0

London, den 3 Mai 1900...............................................................         0

Kastel, den 6 Juni 1900.................................................................         0

Koblenz, den 14. Juni 1900...........................................................„  0

Koblenz, den 16. Juni 1900..........................................................           0

Heidelberg, den [19.6.1900].........................................................          0

Basel, den 20. Juni 1900...............................................................         0

Rom, den 27. Juni 1900................................................................          0

Rom, den 27.6. 1900.....................................................................         0

Rom, den 2. Juli 1900...................................................................         0

Rom, den [3.7.1900].....................................................................         0

5.7.1900........................................................................................       0

Oberammergau, den 8. Juli 1900.................................................           0

München, den 10. Juli 1900.........................................................           0

Paris, den 15.7.1900.....................................................................         0

19.7.1900...................................................................................... „  0

[3.8.1900].....................................................................................        0

Berlin, den 4. August 1900..........................................................           0

Berlin, den 5.8.1900.....................................................................          0

Dülmen, den 8.8.1900..................................................................          0

Rom, den 9.VIII.1900..................................................................          0

21. Aug. 1900...............................................................................        0

Southampton, Kaiser Wilhelm der "Große" den 22. Aug. 1900...   0

Duelm, Benton Co. MN, den 15. Sept. 1900................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 29. Sept. 1900................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 3. Okt. 1900...................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den 17. Nov. 1900................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 17. Nov. 1900................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 28. Feb. 1901.................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 20. Juli 1901..................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 22. Juli 1901..................................            0

Brief (Sept – 1.Okt 1901) eingefügt.............................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den 18. Dez. 1901................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 20. Dez. 1901................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 12. Mai 1902..................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den 13. Dez. 1902.................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den 30. März 1903................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den 2. Sep 1903....................................           0

Brief ohne Datum eingefügt.........................................................          0

Duelm, Benton Co. MN, den 17. Juni 1904.................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 12. Okt. 1904.................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 27. Sep.1905..................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 16. Feb. 1906.................................            0

[es folgt ein weiterer Text in der gleichen Mappe, ohne Datum].              0

Duelm, Benton Co. MN, den 1. Juni 1906...................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 10. Sept. 1906................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 20. Feb. 1907.................................            0 ??

Duelm, Benton Co. MN, den 19.8.1907.......................................           0

[Duelm, Benton Co. MN, den 21.8.1907]....................................            0

Duelm, Benton Co. MN, den 7. Sep 1907....................................           0

Duelm, Benton Co. MN, den 8. Sept. 1907..................................           0

San Benito, Texas, den [21.10.1907]............................................           0

San Benito, Texas, den [30.10.1907]............................................           0

San Benito, Texas, den 30.10.1907...............................................„  0

Burkey, den 20. Juni 1908............................................................          0

Duelm, Benton Co. MN, den 10. Aug. 1908................................            0

San Benito, Texas, 16.Mai 1909..................................................           0

San Antonio, Texas, den 3.6.1909................................................           0

San Antonio, Texas, den 12. Juni 1909........................................            0

Denver, Colo. den 10.8.1909........................................................          0

San Benito, Texas, 27. 8.1909......................................................          0

San Benito, Texas, Cameron Co., den 12. Dez. 1909..................             0

[Dieser Brief ist unvollständig, Seite 2(oder noch weitere) fehlt]   0

Karte [ohne Datum]......................................................................        0

[14. ... 1910].................................................................................        0

San Benito, Texas, den 27. Feb. 1910..........................................           0

Denver, Colo. den14. Juli 1910....................................................           0

Denver, Colo. den 13. Sept. 1910.................................................          0

Denver, Colo. den 22. Okt. 1910..................................................          0

Denver, Colo. den 20. März 1911.................................................          0

Denver, Colo. den 25. Mai 1911...................................................          0

St. Paul, MN, den 26. Juli 1911....................................................          0

Royalton, MN den 7. Aug. 1911...................................................          0

West Bend, Wis. den 21. Aug. 1911.............................................          0

[Dieser Br. muß im Winter 1911/12 geschrieben worden sein,...   0

St. Paul, MN, den 24. Aug. 1911..................................................          0

Denver, Colo. den 30. Nov. 1911.................................................          0

Eddy Rout, Colo. den 26 Jan. 1912..............................................           0

Eddy Rout, Colo., den 1. März 1912............................................           0

Denver, Colo. den 30. März 1912.................................................          0

Denver, Colo. den 17.6.1912........................................................          0

Denver, Colo. den 18. Aug. 1912.................................................          0

Denver, Colo. den 30.9.1912........................................................          0

[Diese Karte muß im Frühjahr 1913 geschrieben worden sein....              0

Eddy Rout, Colo. den 13. Feb. 1913.............................................           0

Denver, Colo. den 15.Mai 1913....................................................          0

Denver, Colo. den 16. Mai 1913...................................................          0

Denver, Colo. den 7. Juli 1913.....................................................           0

Denver, Colo. den 27.August 1913..............................................           0

Denver, Colo. den 30. Sept. 1913.................................................          0

Denver, Colo. den 31.Okt. 1913...................................................          0

Denver, Colo. den 1. Feb. 1914....................................................          0

Denver, Colo. den 10 März 1914..................................................          0

Denver, Colo. den 24. März 1914.................................................          0

Denver, Colo. den 30. April 1914.................................................          0

Denver, Colo. den 17. Mai 1914...................................................          0

Denver, Colo. den 9. Juli 1914.....................................................           0

Denver, Colo. den 15. Juli 1914 ...................................................          0

Denver, Colo. den 31. Juli 1914...................................................           0

Denver, Colo. den 20. Aug. 1915.................................................          0

Denver, Colo. den 27. Aug. 1915.................................................          0

Denver, Colo. den 14. Aug. 1914.................................................          0

Denver, Colo. den 19. Aug. 1914.................................................          0

Denver, Colo. den 30. Aug. 1914.................................................          0

Denver, Colo. den 5. Sept. 1914...................................................          0

Denver, Colo. den 27. Sept. 1914.................................................          0

Denver, Colo. den 20. Okt. 1914..................................................          0

Denver, Colo. den 10. Nov. 1914.................................................          0

Denver, Colo. den 11.Nov. 1914..................................................          0

Denver, Colo. den 17. Nov. 1914.................................................          0

Denver, Colo. den 29. Nov. 1914.................................................          0

Denver, Colo. den 2. Dez. 1914....................................................         0

Denver, Colo. den 8. Dez. 1914....................................................         0

Denver, Colo. den 15. Feb. 1915..................................................          0

Denver, Colo. den 17. Feb. 1915..................................................          0

Denver, Colo. den 12. März 1915.................................................          1

Denver, Colo. den 14. März  1915................................................          1

Denver, Colo. den 21 März 1915..................................................          1

Denver, Colo. den 24.3.1915........................................................          1

Denver, Colo. den 31.März 1915..................................................          1

Denver, Colo. den 23.April  1915.................................................          1

Denver, Colo. den 9. Mai 1915.....................................................          1

Denver, Colo. den 20. Mai 1915...................................................          1

Denver, Colo. den 24. April 1915 (richtig 24 Mai.1915).............   1

Denver, Colo. den 24 Mai 1915....................................................          1

Denver, Colo. den 28. Mai 1915...................................................          1

Denver, Colo. den 16. Juni 1915...................................................„  1

Denver, Colo. den 23.Juni 1915....................................................„  1

Denver, Colo. den 20.7.1915........................................................          1

Denver, Colo. den 1.Aug. 1915....................................................          1

Denver, Colo. den 20. Aug. 1915.................................................         1

Denver, Colo. den 27. Aug. 1915.................................................          1

Denver, Colo. den 25. Sept. 1915.................................................          1

Denver, Colo, den 17. Okt. 1915..................................................          1

Denver, Colo. den 14.11.1915......................................................          1

Denver, Colo. den 6. Dez. 1915....................................................         1

Denver, Colo. den 3. Jan. 1916.....................................................         1

Denver, Colo. den 10. Jan. 1916...................................................          1

Denver, Colo. den 17. Jan. [1916]................................................          1

Denver, Colo. den 17. Jan. 1916...................................................          1

Denver, Colo. den 27. Jan. 1916...................................................          1

Denver, Colo. den 10. Feb. 1916..................................................          1

Denver, Colo. den 2. März 1916...................................................          1

Denver, Colo, den 11. April 1916.................................................           1

Denver, Colo. den 24. April 1916.................................................          1

Denver, Colo. den 26. Mai 1916...................................................          1

Denver, Colo. den 7. Sept. 1916...................................................          1

Denver, Colo. den 9.Sept.1916.....................................................          1

Denver, Colo. den 1. Okt. 1916 ??...............................................          1

Denver, Colo. den 30. Okt. 1916..................................................          1

Denver, Colo. den 7.11.1916........................................................          1

Denver, Colo. den 8. Nov. 1916...................................................          1

Denver, Colo. den 11. Nov. 1916.................................................          1

Denver, Colo. den 25. Nov. 1916.................................................          1

Denver, Colo. den 8.Dez. 1916.....................................................         1

Denver, Colo. den 18. Aug. 1917.................................................          1

Logan, Colo. den 20. Juli 1919.....................................................           1

Logan, Colo. den 11. Nov. 1919...................................................          1

Logan, Colo. den 11. Dez. 1919...................................................          1

Logan, Colo. den 10 März 1920 ...................................................          1

Logan, Colo. den 13. Mai 1920....................................................           1

Logan, Colo. den 5. Sept. 1920....................................................           1

Logan, Colo. den 3. Nov. 1920.....................................................          1

Logan, Colo. den 7. Februar 1921................................................           1

folglich gehört dieser Brief zum 7.2.1921,...................................             1

Logan, Colo. den 4. Juli 1921.......................................................          1

Brief gehört offenbar zu dem vom 4. Juli 1921............................            1

gehört zum Brief vom 4. Juli 1921...............................................           1

Logan, Colo. den 4. Juli 1921.......................................................          1

Logan, Colo. den 11 Aug. 1921....................................................          1

Logan, Colo. den 1 Dez. 1921......................................................          1

Logan, Colo. den 2. Jan. 1922......................................................          1

Logan, Colo. den 22. Jan. 1922....................................................          1

Logan, Colo. den 14. April 1922...................................................„  1

Logan, Colo. den 25. Mai 1922....................................................           1

Logan, Colo. den 20. Juli 1922.....................................................           1

die dritte Seite des Schreibens vom 20. Juli 1922........................             1

Schlußseite des Briefes vom 20. Juli 1922...................................            1

Logan, Colo. den 25. Okt. 1922 ...................................................          1

Logan, Colo. den 9. Jan. 1923......................................................          1

Logan, Colo. den 3. Feb. 1923......................................................          1

Brief könnte nach dem 20. März 1923 geschrieben sein..............             1

Br. könnte nach dem 20. März 1923 geschrieben worden sein....              1

Logan, Colo. den 5. Juli 1923.......................................................          1

unvollständige Brief im August 1923 geschrieben worden..........   1

Logan, Colo. den 8. Sept. 1923.....................................................          1

Logan, Colo. den 21. Okt. 1923....................................................„  1

diesen Brief kann ich nicht einordnen,..........................................  1

Rom, den 24.9.1929......................................................................         1

[ohne Datum]................................................................................       1