Chronik für das Jahr 1934

Weltgeschichte

Die UdSSR tritt dem Völkerbund bei.
In Österreich unternehmen die Nationalsozialisten am 25.7. einen erfolglosen Putschversuch, in dessen Verlauf Bundeskanzler Engelbert Dollfuß von Rechtsextremisten ermordet wird. Sein Nachfolger im Kanzleramt wird Kurt Schuschnigg.
In China beginnt Tschiang Kai-schek seinen bis 1936 dauernden erfolgreichen Feldzug gegen die kommunistischen Heere im Süden des Landes. Die immer stärker in Bedrängnis geratenen Kommunisten beginnen unter Führung von Mao Tse-tung mit dem "Langen Marsch" über 10´000 km aus dem Süden in den sicheren Nordwesten. Von 100´000 Teilnehmern werden ihn nur 20´000 beenden.
Kroatische Extremisten ermorden den in Marseille zu Besuch weilenden jugoslawischen König Alexander I. und den in seiner Begleitung befindlichen französischen Außenminister Barthou.
Zwischen Deutschland und Polen wird ein Nichtangriffspakt geschlossen.
Schwere Streiks und Unruhen in Frankreich, nachdem es dort seit 1929 mehr als ein Dutzend Regierungswechesel gegeben hatte.
Unruhen ebenfalls in Österreich.


Kunst-, Kultur- und Technikgeschichte

Die Glühbirne erreicht ihre technische Perfektion durch einen doppelt gewendeten Glühdraht. Man wird an ihr ein halbes Jahrhundert lang nicht mehr viel ändern.
Das Ehepaar Irène und Frédéric Joliot-Curie erzeugt erstmals künstlich ein neues radioaktives Element (das in der Natur nicht vorkommende Phospor 30 durch Beschuß von Aluminiumatomen mit Alpha-Teilchen).
Wernher von Braun entwickelt eine Flüssigkeitsrakete, die 2400 m hoch steigt.
Der mexikanische Künstler Diego Rivera schafft das Wandgemälde La Conquista, Oskar Kokoschka malt die Karlsbrücke, und die Nazis schaffen sich ihren eigenen Kunststil (z.B. mit dem monumentalen Reichsparteitagsgelände).

Gestorben: 4.7.: Die zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie, geb. Sklodowska (*1867, Mutter von Irène Joliot-Curie); 16.11.: Karl Paul Gottfried von Linde (*1842); der österreichische Erfinder Viktor Kaplan (*1876); der Chemiker Fritz Haber (*1868); der Ingenieur und Gründer des Deutschen Museums in München Oskar von Miller (*1855); der Dichter und Kabarettist Joachim Ringelnatz (bürgerl. Hans Bötticher, *1883); der Publizist Erich Mühsam (im KZ, *1878).
Im "Röhm-Putsch" u.a. ermordet:
30.6.: der ehem. bayer. Ministerpräs. Gustav Ritter von Kahr (Rache der Nazis an der Niederschlagung des Hitler-Putsches vom 9.11.1923, *1862); Kurt von Schleicher (Reichskanzler Dez. 1932-Jan. 1933, *1882); der Apotheker Gregor Strasser (*1892). 1.7.: der SA-Führer Ernst Röhm (*1887).


Deutsche Geschichte

Das Deutsche Reich übernimmt alle Hoheitsrechte der deutschen Länder.
Der Volksgerichtshof wird neben dem Reichsgerichtshof eingerichtet. Sein Zuständigkeitsbereich ist Landesverrat. Eine gesetzliche Grundlage wird erst 1936 geschaffen.
Hitler löst Machtkämpfe innerhalb der eigenen Reihen auf seine Weise, als er den ihm zu mächtig werdenden SA-Führer Ernst Röhm am 30.6. durch seine SS-Leibstandarte verhaften und tags darauf erschießen läßt. Da die Aktion nicht ganz zu Unrecht als Putschversuch Röhms hingestellt wird, dem zuvorzukommen war, fallen in derselben Nacht eine ganze Reihe weiterer unliebsamer Personen seinen Mordkommandos zum Opfer (siehe Mitte), von denen viele mit dem Machtstreben Röhms in keiner Weise in Zusammenhang zu bringen sind.
Deutschland stellt die Zahlung seiner Auslandschulden ein.
Ein Italienbesuch Adolf Hitlers bei Mussolini bringt insbesondere wegen unterschiedlicher Auffassungen zur Position Österreichs kein Ergebnis.
Am 2.8. stirbt der Nationalheld von Tannenberg (1914) und Reichspräsident Paul von Beneckendorff und von Hindenburg (*1847). Noch am gleichen Tag läßt Adolf Hitler die Wehrmacht auf sich selbst vereidigen und sich mit dem Titel "Führer und Reichskanzler" als Staatsoberhaupt vom Reichstag bestätigen.
Die in Niemöllers "Pfarrernotbund" organisierte evangelische Kirche distanziert sich in den "Barmer Erklärungen" vom NS-Staat und stellt sich gegen Reichsbischof Ludwig Müller.
Der Reichsparteitag in Nürnberg steht unter dem Thema "Triumph des Willens".

Jeder Besucher der in diesem geschichtlichem Text die vorhandenen "Links" aktivieren bzw. öffnen möchte, kann das über die Web-Adresse "Weltchronik" auf meiner Startseite in den jeweiligen Jahrgängen erreichen.

Seitenbeginn

Zurück zur Startseite