Chronik des Jahres 1999

Weltgeschichte

1.1.: Die EU Europäische Union tritt mit Einführung der gemeinsamen Währung (für elf Mitgliedsländer, bis einschließlich 2001 eingeschränkt auf bargeldlose Transaktionen) und Gründung der EZB Europäischen Zentralbank in die dritte und letzte Stufe der WWU Wirtschafts- und Währungsunion ein.
In den USA wird am 12.2./13.2. das "Impeachement"-Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Clinton wegen der "Monicagate"-Sexaffäre mit seinem Freispruch vor dem Senat eingestellt und die mehr als einjährige Regierungskrise beendet.
Am 1.3. tritt der UN-Vertrag über das Verbot von Landminen in Kraft.
Polen, Ungarn und Tschechien werden am 12.3. in die NATO aufgenommen.
Am 24.3. beginnen die NATO-Staaten mit Beteiligung der BRD einen Angriffs-Luftkrieg gegen die im Kosovo genozidmäßig vorgehenden Serben und damit auch gegen Restjugoslawien. Der von der UNO nicht sanktionierte Krieg muß zwar als völkerrechtswidrig bezeichnet werden, war aber vermutlich nach dem Scheitern der Kosovo-Konferenz vom Beginn des Monats politisch unvermeidbar geworden. Da keine Bodentruppen eingesetzt werden, verstärken die Serben ungehindert die Terrorisierung und massive und massenhafte Vertreibung volksstämmiger Albaner aus dem Krisengebiet in die Nachbarstaaten bzw. deren Ermordung direkt vor Ort. Nachdem die Kampfhandlungen im Sommer eingestellt wurden, werden nunmehr die kosovaner Serben von den zurückkehrenden Albanern aus der Region vertrieben. "Zwischen die Stühle" sind die Roma Kosovos geraten, denen Kollaboration mit den kosovaner Serben angelastet wird. Wie vorausgesagt, sieht sich die erst im August operativ wirksam werdende NATO-Polizeitruppe außerstande, das teilweise selbst verschuldete Balkan-Chaos in den Griff zu bekommen.
Die Krise im balkanischen Kosovo überdeckt mehrere Luftangriffe der USA auf den Irak wegen Verletzung der Lufthoheit in den für irakischen Luftverkehr gesperrten Sektoren im Norden und Süden des Landes.
In den USA beschuldigen etwa 300´000 Indianer die Regierung der Mißwirtschaft an treuhänderisch verwaltetem Indianerterritorium und beziffern den durch Korruption und Betrug hinterzogenen Verlust in einer Sammelklage auf etwa 10 mrd US $.
Die Türkei wird Ende August von einem der schwersten Erdbeben der europäischen Geschichte mit mehreren Nachbeben heimgesucht. Wegen verbreiteter Korruption im türkischen Bauwesen stürzen weit mehr Gebäude zusammen als technisch begründbar. Insgesamt dürfte die Zahl der Opfer bei über 40,000 Toten liegen.
In Kolumbien beginnen im Januar Verhandlungen zwischen der Regierung und dem seit 35 Jahren im Urwald verborgen lebenden Guerillaführer Manuel Maralunda, der 1949 die ersten Revolutionäre um sich sammelte und damit "dienstältester Revolutionär" der Welt ist.
Der Chef der PKK Arbeiterpartei Kurdistans, Abdullah Öcalan, wird am 15.2. von der Türkei in einer geheimen Operation aus seinem kenianischen Exil in Nairobi entführt und in der Türkei am 29.6. zum Tode verurteilt.
Alle 20 Mitglieder der von Jaques Santer geführten EU-Kommission treten am 16.3. nach Vorwürfen der Korruption und Mißwirtschaft geschlossen zurück.
In Israel gewinnt im März erstmals eine Araberin den Schönheitswettbewerb zur "Miss Israel". Die Parlamentswahlen dagegen gewinnt die Opposition am 17.5. unter Ehud Barak, der den Hardliner Netanyahu ablöst und unverzüglich den Friedensprozeß in Nahost wieder in Gang setzt.
Im September eskalieren die Spannungen zwischen Indonesien und dem nach Unabhängigkeit strebenden Ost-Timor in genozidähnliche Übergriffe indonesischer Militärs.
Gegen verhaltenen internationalen Protest nimmt Rußland den Krieg in Tschetschenien in aller Härte neu auf.
Die an der Südküste des Landes liegende Halbinsel Macao, seit 1557 portugiesisches Überseegebiet, fällt am 19.12. an China zurück.
Am 31.12. erklärt der russische Präsident Boris Jelzin seinen Rücktritt und übergibt die Amtsgeschäfte noch an demselben Tag an seinen designierten Nachfolger Wladimir Putin, der sich im Folgejahr zur Wahl stellen muß.


Kunst-, Kultur- und Technikgeschichte

Die Weltbevölkerung übersteigt (offiziell am 12.10.) die 6-Millarden-Marke.

Am 11.3. kommt es zu einem historischen Treffen zwischen Papst Johannes Paul II. und dem iranischen Staatspräsidenten Mohammed Khatami.
Das von der Kanadierin Louise Arbor geleitete UN-Kriegsverbrechertribunal gewinnt nach Jahren eines "Dornröschendaseins" zunehmend an internationaler Bedeutung und erzielt im Wesentlichen durch ihren persönlichen engagierten Einsatz zunehmend Erfolge bei der namentlichen Anklage und internationalen Verfolgung von Schwerverbrechern gegen Menschenrechte und die Menschlichkeit.
Am 11.8. zieht eine totale Sonnenfinsternis entlang der Achse Straßburg-Ulm-Starnberg-Salzburg Hunderttausende von schaulustigen Tagestouristen in ihren nur 12 km breiten Bann. Der Rückreiseverkehr führt zu einem kurzfristigen Verkehrsstau von 200 km Länge.
Weil Bauarbeiter ein Werkzeug nicht aufgeräumt hatten, stürzt am 12.4. die Wuppertaler Schwebebahn ab und beendet mit 5 Todesopfern und 45 Verletzten den in etwa 100 Jahren begründeten Ruf, das sicherste Verkehrsmittel der Welt zu sein.
Am 24.3. kommen über 40 Menschen bei einer Brandkatastrophe im privat betriebenen Montblanc-Tunnel ums Leben, weil sich die aus den 60er Jahren stammenden Sicherheitseinrichtungen als unzureichend erweisen. Etwa zwei Monate später kommen am 29.5. beim Brand des Tauern-Tunnels 12 Menschen ums Leben.
Die erste Ballonfahrt rund um die Erde wird am 21.3. unter Führung von Bertrand Piccard erfolgreich beendet.
Die amerikanischen Pixar Studios fahren mit dem mit nur 70 mio $ produzierten vollständig computer-animierten Film "A Bug´s Life" über 135 mio $ an den Kinokassen ein. Die Fortsetzung der Filmtrilogie "Star Wars" von George Lucas kommt in die Kinos und macht allein im Merchandising mehr Umsatz als jeder Filmtitel vorher. Zur erfolgreichen Simulation von Dinosaurierstimmen mittels Virtual Reality setzen Paläontologen des Sandia National Laboratory in New Mexico erstmals computertomographische Analysen eines fast 2 Meter langen kammbewehrten Parasaurolophus-Schädels ein. Ab dem 26.3. sorgt der Computer-Virus "Melissa" für weltweites Chaos bei Internet-angeschlossenen Datensystemen.

Das russische Verfassungsgericht entscheidet am 18.7., daß die "Beutekunst" des Zweiten Weltkrieges überwiegend russisches Eigentum sei und nicht zurück gegeben werde.

Am 29.8. verläßt die letzte Kosmonautenbesatzung die Raumstation MIR, die damit seit 10 Jahren erstmals unbemannt ist.

Die beiden deutschen Tennis-Profis und Ausnahmespieler Steffi Graf und Boris Becker geben ihren Rücktritt bekannt.

Nobelpreisträger: Die 1971 in Frankreich gegründete Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (Frieden); der deutsche Schriftsteller Günter Grass (Literatur); der deutsch-amerikanische Proteinforscher Günter Blobel (Medizin); die Niederländer Gerardus ´t Hooft und Martinus J.G. Veltmann (Physik); der ägyptisch-amerikanische Erfinder der reaktions-schnellsten Kamera der Welt, Ahmed H. Zewail (Chemie); der US-Amerikaner Robert A. Mundel (Wirtschaftswissenschaften).
Der Potsdamer Klimaforscher Stefan Rahmstorf erhält im April als einer von weltweit 10 Wissenschaftlern den "Jahrhundertpreis" der amerikanischen James-S.-McDonell-Stiftung für seine bahnbrechenden Arbeiten zum Klimamodell des Golfstroms. Der Preis ist höher dotiert als ein Nobelpreis und wurde überhaupt zum ersten Mal vergeben.

Gestorben: 2.1.(in Berlin): Der Publizist Sebastian Haffner (*27.12.1907, in Berlin); 2.1.(in Paris): der schweizer Komponist und Opernintendant Rolf Liebermann (*14.9.1910, in Bern); 6.1.: der italienische Jazz-Pianist Michael Petrucciani; 7.2..(in Amman): der jordanische König (seit 1952) Hussein I. Ibn Talal; 7.3.: der amerikanische Filmregisseur Stanley Kubrick (*1928): 12.3.: der Violin-Virtuose und Dirigent Lord Yehudi Menuhin (*22.4.1916, in New York); 13.4.(in Berlin): der ehemalige Ministerpräsident der DDR Willi Stoph (*9.7.1914, in Berlin); 13.8.(in Frankfurt am Main): der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland, Ignatz Bubis (*12.1.1927, in Breslau).


Deutsche Geschichte

11.3.: Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine legt überraschend alle politischen Ämter nieder als Konsequenz aus seinem Zerwürfnisses mit Bundeskanzler Schröder. Hans Eichel wird am 12.4. neuer Bundesfinanzminister.
Am 19.4. wird mit Eröffnung des Reichstages Berlin auch de facto die Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland. Nach Umzug von Bonn in die neue Hauptstadt wird der reguläre Bundestagsbetrieb am 6.9. in Berlin aufgenommen. Die Ressorts Verteidigung, Landwirtschaft, Bildung, Umweltschutz und Forschung verbleiben vorläufig in der "Bundesstadt" Bonn.
Der SPD-Politiker und langjährige Ministerpräsident von NRW, Johannes Rau, wird am 23.5. durch die Bundesversammlung im zweiten Wahlgang zum neuen Bundespräsidenten gewählt und am 1.7. vereidigt.
Die 1989 ins deutsche Strafrecht befristet eingeführte Kronzeugenregelung bei terroristischen Straftaten läuft in diesem Jahr aus.
Das thüringische Weimar wird am 19.2. diesjährige "Kulturstadt Europas". Höhepunkt der etwa 300 übers Jahr verteilten Veranstaltungen sind am 28.8. die Feiern zum 250. Geburtstag von Johann Wolfgang von Goethe.
Der ehemalige Bundeskanzler und CDU-Vorsitzende Helmut Kohl gerät wegen einer Parteispenden- und Waffenhandels-Affäre in Millionenhöhe unter Druck. Zur Aufdeckung der Sachverhalte wird ein parlamentarischer Untersuchungsausschuß eingesetzt.
Im jahrelangen Streit zwischen US-amerikanischen Klägergruppen, den Regierungen der USA und Deutschlands und der deutschen Industrie um Entschädigungszahlungen für Zwangsarbeit während der Nazi-Zeit einigen sich die Parteien auf eine Entschädigungshöhe von 10 mrd DM. Die deutsche Wirtschaft und die Bundesregierung wollen je 5 mrd DM in einen Entschädigungsfond einzahlen.
Insbesondere in den neuen Bundesländern nimmt der Rechtsradikalismus in Deutschland zu.

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