Chronik des Jahres 2001

Weltgeschichte

In England und Swaziland bricht die Maul- und Klauenseuche aus und wird erstmals am 20.2. in Essex entdeckt. Als Ursache wird illegal aus Asien importiertes Fleisch vermutet. Bereits im Vorjahr wurden Seuchenfälle in Korea, Südafrika und Griechenland bekannt. In Asien war die Seuche nie ganz zum Erliegen gekommen.

Am 17.1. wird der kongolesische Staatspräsident Laurent-Désiré Kabila von einem Leibwächter erschossen. Nachfolger des Diktators wird dessen Sohn Joseph Kabila.

George W. Bush wird am 20.1. zum neuen Präsidenten der USA vereidigt, nachdem der Monate dauernde Rechtsstreit um die Präsidentenwahl am 6.1. mit der Auszählung der Wahlmännerstimmen formal beendet worden war. Er verspricht der hoch verschuldeten Bevölkerung Steuersenkungen in Höhe von knapp 3 Billionen DM. Außenpolitisch verfolgt er einen harten Kurs und nimmt das bereits von Reagan begonnene Verteidigungskonzept einer nationalen Raketenabwehr wieder auf. Rußland, Fernost und Westeuropa werten den militärischen Alleingang als Rückfall in die Zeit des Kalten Krieges und Störung des mühsam gewonnenen verteidigungspolitischen Gleichgewichtes.

In Israel wird der Hardliner Ariel Sharon am 6.2. zum neuen Premierminister gewählt, nachdem sein Vorgänger Ehud Barak im Vorjahr wegen der Palästinafrage gescheitert war. Die Gewalttaten zwischen Israelis und Palästinensern nehmen an Heftigkeit wieder zu.

In den USA wird einer der schwersten Spionagefälle der Nachkriegszeit aufgedeckt. Der im Februar verhaftete hochrangige FBI-Agent Robert Hanssen hatte 15 Jahre lang streng geheimes Material an die Russen verkauft.

Am 1.3. nimmt die Bundesrepublik Deutschland diplomatische Beziehungen zu Nordkorea auf.

Wird in der Ausgabe 2002 fortgesetzt.

Kunst-, Kultur- und Technikgeschichte

Rein rechnerisch begann das Dritte Jahrtausend NACH Christi Geburt eigentlich erst am 1.1. DIESES Jahres. Da das weltweit aufwendig zu feiernde Millenniums-Spektakel von diversen Marketingstrategen und einer Legion von kleinen und großen Redaktionsstäben mit langer Hand vorzubereiten gewesen war, hatte man den Beginn des neuen Millennium unter Mißachtung jedweder Rechenkunst unisono und weltweit auf den 1.1. des Vorjahres gelegt gehabt. Hätten die Menschen nicht 10 (Grundlage des nicht gerade "vernünftigen" Dezimalsystems) sondern 16 Finger, hätte es eh Nichts Millenniumähnliches zu feiern gegeben. Die für 2000 und 2001 korrespondierenden Zahlen des 16er-Systems, 7D0 und 7D1, haben weder irgendwelchen magischen Charme noch strahlen diese Hexadezimalwerte die mystische Bedrohlichkeit der korrespondierenden Jahreszahlen im Dezimalsystem aus.

Im für Paarhufer eher interessanten Binärsystem sieht es auch nicht besser aus: 2000=1111101000, 2001=1111101001 (endlich wissen wir, warum Paarhufer überwiegend in Rudeln auftreten: sie haben wie manch menschliche Organisatoren von weltbewegenden Events Schwierigkeiten beim Zählen...). Nichts Weltbewegendes also, das Neue Millennium, zumindest nicht in Hinsicht aufs Zählen. Kommt hinzu, daß Jesus Christus vermutlich 7 Jahre vor "Christi Geburt" geboren wurde, wie diese Chronik bereits in ihrem fiktiven Jahr NULL seit Publikationsbeginn im Jahre 1993 (damals noch als Doppel-Diskette, heute als CD-ROM) beschrieben hat und weiter auch so schreiben wird - es sei denn, man belehrt uns eines Besseren.

Im Januar beschließt die Volksrepublik China den Kauf des in Deutschland entwickelten bis 500 kmh schnellen Hochgeschwindigkeitszuges "Transrapid". Er soll auf 30 km Länge Shanghai mit seinem Flughafen verbinden und bis 2003 fertiggestellt sein. Dieser Vertrag ist für die Magnetbahntechnik der internationale Durchbruch, nachdem der Bau einer Referenzstrecke in Deutschland selbst nicht durchgesetzt werden konnte. Der Liefervertrag wird am 23.1. gezeichnet.

Am 11.2. nehmen die drei Astronauten an Bord der Internationalen Raumstation ISS das neu eingerichtete Wohn-, Forschungs- und Kommandozentrum "Destiny" in Betrieb. Die seit November des Vorjahres unter dem Kommando des US-Astronauten William Shepherd in der ISS stationierte erste Besatzung wird am 10.3. mit einem Flug der US-Raumfähre "Discovery" ersetzt durch ein vom russischen Kosmonauten Juri Usatschew kommandiertes Team. Gleichzeitig hat die seit einigen Tagen abgebremste und endgültig aufgegebene ehemals sowjetische Raumstation MIR mit 250 km Erdabstand ihre kritische Höhe erreicht, von der aus sie jederzeit zum "kontrollierten" Absturz auf die Erde gebracht werden kann.

Katastrophen, Schicksale und Verhängnisse:

Mocambique wird wie schon im Vorjahr erneut von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht.

In Europa kommt es zu wegen der 1897 erstmals identifizierten und jetzt wieder ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche und der BSE-Krise zu Einbrüchen in der Fleischversorgung. Im Februar und März werden europaweit etwa 100.000 Tiere notgeschlachtet. Die Kosten der Seuchenabwehr werden auf 2 mrd DM geschätzt. Die hoch infektiöse Seuche verbreitet sich unter Anderem auch auf dem Luftweg.

Das amerikanische U-Boot "USS Greeneville" versenkt am 9.2. vor Honolulu / Hawaii bei einem Schnell-Auftauchmanöver aus 100 m Tiefe ein japanisches Fischerei-Trainingsschiff. Neun Menschen kommen dabei ums Leben. Am Steuerstand des U-Bootes saßen nicht etwa Militärs sondern Zivilisten.

Am 5.3. stürzt in der portugiesischen Hafenstadt Porto eine 115 Jahre alte Straßenbrücke ein und reißt einen vollbesetzten Bus und mehrere Autos in den 50 m tiefer gelegenen Fluß Douro. Der Einsturz wird auf Schlamperei bei der Bauaufsicht zurückgeführt.

Schwere Erdbeben gibt es in Indien und Pakistan und in Mittelamerika.

Am 1.3. beginnt die radikal-islamische Taliban-Miliz, die in Afghanistan die Macht ausübt, einen "Bildersturm" auf buddhistische Einrichtungen und Monumente. Am 9.3. werden die riesigen, 53 m hohen und zum Weltkulturerbe gehörenden Buddha-Statuen in Bamiyan so gut wie vollständig zerstört.

Wird in der Ausgabe 2002 fortgesetzt.

Deutsche Geschichte

Zum Jahresbeginn treten Gesetzesänderungen in Kraft: Die erste Stufe der Steuerreform (sie entlastet die Bundesbürger um 45 mrd DM), eine neue Stufe der Ökosteuer (Belastung 9 mrd DM), Waffendienst für Frauen in der Bundeswehr.

Am 30.1. beantragt die SPD-geführte Bundesregierung beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe das Verbot der - so der Vorwurf - rechtsradikalen Partei "NPD".

BSE hatte das nicht nur in diesem Punkt (siehe Vorjahr zum Thema "Deutsche Leitkultur") Punkt überhebliche Deutschland ja bereits Ende des Vorjahres erreicht. Am 9.1. treten die Bundesminister Karl-Heinz Funke (Landwirtschaft) und Andrea Fischer (Gesundheit) zurück.

Bundeskanzler Schröder (SPD) und die neue Landwirtschaftsministerin Renate Künast (Bündnis 90 / Grüne) reagieren schnell und entschlossen auf die in England ausgebrochene Maul- und Klauenseuche: alle von dort importierten Rehe, Schafe und Ziegen werden auf Anordnung der Bundesregierung notgeschlachtet und verbrannt.

Am 31.1. hebt das Verwaltungsgericht Berlin die durch Bundestagspräsident Thierse im Vorjahr gegen die CDU wegen der Parteispendenaffäre verhängte Geldstrafe in Höhe von 41 mio DM auf. Am 2.3. wird das in derselben Sache gegen Altkanzler Helmut Kohl anhängige Strafverfahren gegen Zahlung eines Bußgeldes in Höhe von 300.000 DM eingestellt.

Forschungsministerin Edelgard Bulmahn kündigt am 21.2. die Förderung der Erforschung des menschlichen Erbgutes aus Bundesmitteln in Höhen von 870 mio DM mit einer Laufzeit von drei Jahren an.

Am 19.2. wird von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) in Forst in Brandenburg die erste Sondereinheit des Bundesgrenzschutzes zur Bekämpfung des Rechtsradikalismus in Dienst gestellt.

Wird in der Ausgabe 2002 fortgesetzt.

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